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Herrenmagazin live im Musikbunker, Aachen, 31. Oktober 2013: Vom Ton, der Stille und den Gespenstern…


Herrenmagazin - Pressefoto Straße by nina stiller

Ein Konzert am All Hallows‘ Eve? Wer spielt? Die im Rückspiegel leidlich lustig wirkende Schockrock-Kröte Alice Cooper, dessen Neunziger-Jahre-Update Marilyn Manson (dessen Karikatur sich mittlerweile ebenfalls selbst überholt haben dürfte), meinetwegen auch das leblose Popmusikmarketinggesamtkunstwerk Lady Laga oder – wer’s platter und mit höherem Gossip-Faktor mag – das so pussierlich wie krampfhaft und verzweifelt gegen ihr einstiges Disney-Image ankämpfende Sternchen Miley Cyrus wären da durchaus passend… Aber Herrenmagazin?
Glücklicherweise schert sich das aus dem norddeutschen Hamburg stammende Quartett wohlmöglich wenig um irgendwelche irischen Bräuche, und so dürfte wohl am ehesten der planmäßige Zufall des Tourneeablaufs Deniz Jaspersen (Gesang, Gitarre), König Wilhelmsburg (Gitarre), Paul Konopacka (Bass, Gesang) und Rasmus Engler (Schlagzeug, und bitteschön in keinerlei Verwandtschaft zum sagenumwogenen Pur-Frontmann Hartmut Engler stehend) samt Instrumenarium in die Katalomben des Aachener „Musikbunkers“ gespült haben. Glücklicherweise hatte sich die seit 2004 gemeinsame Sache machende Band den kleinsten der Bunker-Konzerträume für ihr insgesamt zweites Aachen-Gastspiel (der letzte Besuch fand vor zwei Jahren statt) ausgesucht, in dem die Ein-Mann-Vorband EAIS (aka. der ebenfalls aus Hamburg mitgereiste Julian Schäfer, der im Anschluss praktischerweise den Merchstand betreute) pünktlichst kurz vor 21 Uhr begann, das allmählich zahlreicher aus der abendlichen Herbstluft hereinströmende Publikum mit seiner melancholischen Indie-Folktronica warm zu spielen. Schön anzuhören, das Ganze – doch trotz markanter, recht angenehmer Stimmfarbe nutzte sich die mal mit Elektronikloops und -schleifen, mal mit Gitarrenakkorden versetzten Stücke Schäfers während seines halbstündigen Sets, im Zuge dessen Herrenmagazin-Stimme Jaspersen sogar schon einmal als Gastsänger glänzte, doch etwas schnell ab…

Herrenmagazin

Dann jedoch: Herrenmagazin! Sie bahnten sich ihren Weg durch den mit vielleicht 50, vielleicht 60 Besuchern bereits pickepackevollen kleinen „Bunker“-Saal, griffen sich ihre Instrumente – und nahmen bereits mit dem Eröffnungsstück „Erinnern“ das Publikum im Sturm. Zugegebenermaßen: Die anwesenden Damen und Herren, die dem Anschein nach vom Bankangestellten bis zum Rockfan mittleren Alters (sogar einige Leute aus den benachbarten Niederlanden waren – deutschsprachigen Texten zum Trotz – angereist), vor allem jedoch aus der örtlichen AJZ-Stammkundschaft akquirierten, machten es Deniz Jaspersen & Co. auch wahrlich leicht – beinahe jede Textezeile wurde der Band lauthals entgegen geschrien, die vorderen Reihen tanzten und hüpften ausgelassen, bevor die feuchtfröhlichen Bierpunks eine kurze Pogo-Einlage in der Mitte des Publikums starteten. Eigentlich schon komisch, so eine Stimmung bei einer Band, die seit Erscheinen ihres Debüts „Atzelgift“ vor fünf Jahren mit pinkfarbenem Hamburger Schule-Indierock und Textzeilen wie „Ich glaube daran, dass alles vorbeigeht / Ich glaube, dass sich die Waage hält / Ich glaube ja doch an die Hoffnung / Aber nicht an eine bessere Welt / Ich glaube an das schlechte Gewissen / Ich glaube an den Untergang / Ich glaube, man sollte über alles lachen / Worüber keiner lachen kann“ („In den dunkelsten Stunden“), „Die Träume, die Du sammelst, sind nur Müll / Doch das merkst Du nicht“ („Geröll“) oder „Deine Gedanken sind lebhaft / So wie Frösche im Sprung / Doch bleibt ihre Heimat / Ein stinkender Sumpf“ („Frösche“) als zum Meckern und Ankreiden neigendes Sympathenkollektiv von sich Reden macht – muss wohl diese viel beschworene juvenile „Verbrüderung gegen den Rest der Welt“ sein… Jaspersen und seine drei Bandkumpels jedenfalls liessen sich ohne Umschweife von der guten Aachener Laune anstecken, grinsten in einer Tour einander an und zurück ins Publikum, überbrückten mit herrlich unbeholfen ins Nirgendwo laufenden Kommentaren etwaige Instrumentstimmpausen – und machten vor allem eines: sie rockten! Denn egal, ob nun gerade ein Song vom Debütalbum, vom Nachfolger „Das wird alles einmal dir gehören“ (2010) oder vom neusten, diesen März veröffentlichten Werk „Das Ergebnis wäre Stille“ anstand – die Stücke kamen durchgängig mit einem Tick mehr an Spielfreude, Verve und Energie aus den Boxentürmen. Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Keines der drei Alben ist an sich schlecht oder lahmarschig in der Hüfte – nur steht diese rohe, präzise auf Indie-Kellerclub getrimmte Präsentation Stücken wie „Krieg“ oder „In toten Hügeln“ eben tausendmal besser als das letztendlich doch kalt abgemischte Studioambiente… Die Band jedenfalls war sichtlich stolz auf ihren „fünften Mann“, der sich als überraschend textsicher erwies und Herrenmagazin nach etwa 70 Minuten von der Bühne verabschiedete. Und siehe da: In der Mitte des Konzerts, beim Song „Gespenster“, bekam der Auftritt doch noch seine unverhoffte Halloween’sche Berechtigung: „Die Kadaver auf den Seitenstreifen / Und Gespenster in den Autos / Die ganze Welt gepflastert mit Leichen / Wir steigen drüber und lachen laut los…“

Tour 2013

 

 

Konzertimpressionen? Bekommt ihr hier:

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Und da Töne immer noch mehr sagen als tausend wirre Worte, gibt’s hier die Musikvideos zu „Frösche“…

 

…und „Landminen“, welche beide auf dem aktuellen Album „Das Ergebnis wäre Stille“ zu finden sind:

 

Wer gern wissen möchte, wiezurhölleverdammich denn Herrenmagazin im rein akustischen Gewand klingen würden, der sollte mal eben hinüber zu TV Noir wechseln, denn im Rahmen der Konzertreihe haben Deniz Jaspissen & Co. bereits mehrfach selbstgewählt den Stecker gezogen…

 

Und natürlich soll auch die Ein-Mann-Vorband nicht zu kurz kommen: Hier könnt ihr euch drei Stücke von EAIS‘ Demo-EP anhören:

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Herrenmagazin – Landminen

Herrenmagazin - Landminen (Szene)

Ich geb’s zu: so sehr ich mich auch auf „Das Ergebnis wäre Stille„, das dritte Album der Hamburger von Herrenmagazin, gefreut habe – so richtig zünden konnte es bisher (noch) nicht. Aber da gut Ding ja stets auch ein wenig Weile haben will, gönne ih der Platte im Laufe des Jahres sicherlich noch einige Durchläufe und wart’s einfach ab. Maybe it’s a slower grower….

Fein anzuschauen ist jedoch das Video zur zweiten Single „Landminen“, das in ausdrucksstarken Bildern von den großen wie kleinen Dramen des Lebens erzählt, während die Tageszeitung in den Händen von Sänger Deniz Jaspersen zu Asche verbrennt…

 

 

 

Queens Of The Stone Age – I Appear Missing

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Es war zu erwarten gewesen: als bekannt gegeben wurde, dass kein Geringerer als Foo Fighters-Derwisch Dave Grohl für das erste Queens Of The Stone Age-Album seit sechs Jahren erneut die Trommelstöcke in die Hand nehmen würde, überschlug sich die gesamte Rockmusikjournalie quasi mit hochgestochenen Erwartungshaltungen. Würde „…Like Clockwork„, das am 31. Mai erscheint, nun wieder etwas kohärenter gelingen als der stilistisch (zu) breitgefächerte Vorgänger „Era Vulgaris„, gar das bisherige, elf Jahre zurückliegende Opus MagnumSongs For The Deaf“ (damals saß Grohl ebenfalls hinterm Drumkit) übertreffen können? Nun, zweiteres bleibt abzuwarten. Doch die aus Jake Shears (Scissor Sisters), Alex Turner (Arctic Monkeys), James Lavelle (UNKLE), Trent Reznor (Nine Inch Nails), Mark Lanegan oder Alain Johannes bestehende Gästeliste spricht bereits für sich. Mehr Namen gefällig? Klar, denn Bandkopf Josh Homme konnte sogar Ex-Distillers-Punkröhre und Ehefrau Brody Dalle sowie den vor Jahren wegen ewiger Eskapaden aus der Band geworfenen Bass-Weirdo Nick Oliveri sowie – jawoll! – Sir Elton John für Beiträge zum neuen Album gewinnen…

Ton und Bild des Vorabsongs „I Appear Missing“ lassen auf Großes hoffen und steigern die Erwartungshaltung? So fucking right, dude! 2013 bleibt in Punkto Musikneuerscheinungen exzellent – und wird immer besser…

 

 

 

Biffy Clyro – Different People (live from London)

Biffy Clyro (live)

Die Band veröffentlicht Doppelalben, hat danach immer noch ausreichend ausgezeichnete Songs, die sie als B-Seiten „verbraten“ kann, spielt umjubelte Konzerte vor 20.000 Zuschauern in der Londoner O2 Arena – längst haben die drei Schotten von Biffy Clyro so einige Messlatten übersprungen, von denen sie vor einige Jahren wohl selbst kaum zu träumen gewagt hätten…

Dass ihre Musik dabei zwar an Pathos und Größe zugelegt, jedoch keineswegs in Qualität eingebüßt hat, haben sie unlängst mit ihrem aktuellen Album „Opposites“ bewiesen. Und ich? Liebe es! Vollstens. Immer noch.

Hier kann man der Band um Frontmann Simon Neil bei der Eröffnung ihres kürzlich absolvierten Konzerts in London zu sehen. Oberkörperfrei, natürlich.

 

 

 

The National – Sea Of Love

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Klar, über The National wurde hier auf ANEWFRIEND in den letzten Wochen bereits eingehend berichtet. Und doch rechtfertigt jedoch neue Song vom kommenden Album „Trouble Will Find Me„, der dieser Tage seinen Weg ins weltweite Netz findet, seine Erwähnung quasi schon vom ersten Ton an. Denn diese Band war besonders. Sie ist es. Sie bleibt es.

Nun haben Sänger Matt Berninger & Co. ein erstes Video zum aktuellen Album gedreht. In „Sea Of Love“ halten sie’s betont minimalistisch, huldigen damit – einer eigener Aussage nach – stilistisch eigenen Punkrock-Idolen wie den Replacements – und lassen im Vordergrund sogar den Luftgitarrenspielernachwuchs mitrocken…

 

 

 

Vampire Weekend – Step

Vampire Weekend - Step (Szene)

Es muss raus: Ich bin verliebt! Und zwar in diesen einen Song! Und zwar in dieses eine Albumcover! Das interessante daran ist, dass das Stück „Step“ vom neuen Album der New Yorker Band Vampire Weekend stammt, mit deren ersten beiden Alben ich praktisch nichts anfangen konnte. Auf „Modern Vampires Of The City“ jedoch vollzieht die Band, zu deren prominentesten Fans und Befürwortern kein Geringerer als Schauspieler Steve Buscemi zählt, quasi eine Kehrwende weg von den hibbeligen Hipster-Weltmusik-Tanznummern der vergangenen Jahre und hin zu mehr Tiefe und Langlebigkeit. Sollte irgendjemand in der kommenden Zeit noch den passenden Album-Soundtrack für einen Streifzug durch die Straßen des „Big Apple“ benötigen – nehmt „Modern Vampires Of The City“! Mehr dazu demnächst hier auf ANEWFRIEND

 

 

Und da ich ja bereits das tolle Albumcover erwähnte habe, kann ich es euch zum Abschluss kaum vorenthalten:

Modern Vampires Of The City (Cover)

 

Rock and Roll.

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Neues Herrenmagazin-Video zu „In toten Hügeln“, Albumankündigung & kostenloser Download


HerrenmagazinApropos Vorausschau, apropos Herrenmagazin: der Vierer aus Hamburg veröffentlicht im März 2013 mit dem dritten Album „Das Ergebnis wäre Stille“ den Nachfolger zum 2010er Werk „Das wird alles einmal Dir gehören„. Produziert hat der auf deutschsprachigen Indierock spezialisierte Torsten Otto (u.a. Kante, Tomte, Sport), die neuen Songs klingen „aufgeräumter“ und „reifer“. Nun, solange die tollen Texte von Sänger Deniz Jaspersen ausreichend Gehör bekommen, soll mir alles recht sein… Wir sind gespannt!

Herrenmagazin-Das-Ergebnis-wäre-Stille

Um der Anhängerschaft die noch – gefühlt – ewig lange Wartezeit bis zum 15. März 2013 ein wenig zu versüßen, haben die Jungs von Herrenmagazin den ersten Vorab-Song aus „Das Ergebnis wäre Stille“ als Video und kostenlosen Download ins weltweite Netz gestellt. Feines Ding, wohl bekomm’s!

Hier der Song zum Ziehen für’s heimische Abspielgerät…

 

…und mit bewegten Bildern:

 

Rock and Roll.

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