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Das Album der Woche


Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher – Lass irre Hunde heulen (2021)

-erscheint bei Neue Meister/Edel-

Es sind zuweilen die puren Zufälle, die große Projekte möglich machen. Gisbert zu Knyphausen beispielsweise, einem der zweifellos besten deutschen Musiker unserer Zeit, wurde einst in einer alkoholreichen Silvesternacht ein Lied von Franz Schubert vorgesungen. Das Stück blieb in seinen Ohren und dürfte Jahre später dabei mitgeholfen haben, bei einer Idee des Musikerkollegen Kai Schumacher nicht gleich abzuwinken. Der nämlich hatte sich in das Werk Schuberts hineingehört und eine Neuinterpretation ins Auge gefasst. Schumachers Wunschsänger für die Stücke des Komponisten: ausgerechnet Gisbert zu Knyphausen. „Lass irre Hunde heulen“ ist nun das auf Konserve gebannte fulminante Ergebnis dieser Zusammenarbeit, welches immerhin zehn der insgesamt über 600 Lieder des Österreichers im modernen Gewand bereithält.

„Die Schubert-Lieder gehören für mich mit zum Schönsten, was das 19. Jahrhundert an Musik hervorgebracht hat. Allerdings geht für mich bei klassischen Liederabenden die Unmittelbarkeit der Lieder verloren. Das ist mir oft zu artifiziell. Der klassische Sänger verkörpert auf der Bühne eine Rolle – perfekte Intonation und Werktreue sind oft wichtiger als Gefühl und Intention. Ich war schon immer neugierig wie es klingt, wenn jemand da ganz ungekünstelt rangeht, ohne klassische Etikette und die Lieder unvoreingenommen zu seinen eigenen macht. Dieser Sänger musste dabei eigentlich von Anfang an Gisbert zu Knyphausen sein.“ (Kai Schumacher)

Als mich Kai fragte, ob ich Lust auf dieses Projekt hätte, das zunächst nur als reines Konzert in Duisburg und beim Reeperbahn Festival Hamburg angelegt war, dachte ich gleich: ‚Toll, das will ich unbedingt ausprobieren!‘ Auf dem Flohmarkt hatte ich mir früher mal eine Platte mit Schubert-Liedern gekauft, aber so richtig war der Funke damals nicht übergesprungen. Eine erste Ahnung von der Schönheit des Kunstliedes bekam ich, als mir eine Freundin am Ende eines sehr betrunkenen Silvesterfestes den ‚Leiermann‘, gesungen von Dietrich Fischer Dieskau, vorgespielt hat und wir beide sehr ergriffen davon waren. In den Katertagen danach habe ich mir dann die gesamte ‚Winterreise‘ reingezogen. Nach Kais Anfrage habe ich mich natürlich intensiver mit den Liedern beschäftigt, aber es dauerte zugegeben noch eine ganze Weile, bis mir die Lieder so richtig ans Herz gingen. Irgendwann hat es dann aber ‚Klick‘ gemacht und ich fing an, all die besonderen Momente zu entdecken: die großen Melodien, die kunstfertigen Harmoniewechsel.“ (Gisbert zu Knyphausen)

Franz Schubert, der im Alter von nur 31 Jahren starb, ist ein Vertreter der Romantik und war, wenn man so mag, der große Singer/Songwriter des 19. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten stand er ein wenig im Schatten einiger namhafter Zeitgenossen wie Beethoven, Schumann, Mendelssohn-Bartholdy oder Brahms, was wohl auch daran gelegen haben dürfte, dass er nicht für die vornehmen Konzertsäle schrieb, sondern für kleine, private Kreise bei Wein und Zigarren. Gar nicht immer die ganz große Kunst, dafür vielmehr: ewige Melodien. Zudem sind viele Themen, die Schubert in seinen späten Liederzyklen anstimmt, alles andere als piefig-gestrig, sondern ganz und gar von heute, wohlmöglich sogar recht zeitlos: die Angst vor dem Unbehausten, die Sehnsucht nach Wärme und Menschlichkeit, der Widerstand gegen die starren Normen des Establishments. Wenn Gisbert zu Knyphausen also Schuberts Stücke neben seine eigenen stellt, dann werden die Parallelen sofort hörbar: Da ist eine tiefe Melancholie des Momentums, die beide Klangwelten verbindet, eine Schönheit, die unmittelbar aus dem Schmerz kommt. Da ist aber auch ein Hunger nach Leben, nach Freundschaft und Liebe, nach Rausch und Party. Wenn Gisbert vom „Taumel der Nacht“ singt, dann nimmt er einen mit – und schon ist man mittendrin in der Erlebniswelt der Romantik.

Nichtsdestotrotz ist es bemerkenswert, dass den Herren zu Knyphausen und Schumacher hier ein derart eindrucksvoller Spagat gelingt. Einer zwischen der Historie und der Gegenwart, denn die beiden geben sich nicht als bloße Kopisten der teilweise bestens aus Schulunterricht und Allgemeinbildungsmusestunden bekannten Vorlagen, sondern als selbstbewusste Interpreten mit Mut zu Neuerungen und vielen eigenen Ideen. Deutlich wird das gleich zum Auftakt mit den beiden Stücken „Gute Nacht“ und „Der Wegweiser“, welche beim Hören einen tiefen Eindruck, gelegentlich gar Gänsehaut hinterlassen und hineinführen in eine besondere Klangwelt. „Suche mir versteckte Stege“, singt zu Knyphausen und bringt damit auf den Punkt, was die Besonderheit ausmacht: nicht auf bekannten Pfaden zu wandern, sondern offen zu bleiben für Außergewöhnliches. Und je länger man an der Seite des Duos beseelt durch die zehn Songs gleitet und beschwingte Momente („Aufenthalt“) ebenso erlebt wie ganz und gar ruhige Passagen („Die Krähe“), desto mehr lässt sich trotz der klar in der Vergangenheit liegenden Wurzeln dieser Musik behaupten: Das ist Gisbert zu Knyphausen pur! Und in noch einer Erkenntnis scheinen sich Schubert und zu Knyphausen einig: Dass zu viel Selbstmitleid, zu viel Melancholie ja kein Mensch verträgt – so wird eine mögliche Wesensverwandtschaft in ihrer Art, Liebe und Trauer in der Musik zu verbinden, deutlich. In Liedern in Moll scheint plötzlich in völlig irrealem Dur Unwirkliches auf; in Dur-Liedern bricht im Gegensatz dazu ein trockenes, im Satz oft reduziertes Moll hinein. Im Glück die Trauer und in der Traurigkeit die krass schöne Utopie von Liebe und Geborgensein.

„Uns war bei der Songauswahl und den Arrangements die Balance wichtig: ein Schubert-Album zu machen mit ausschließlich traurigen Liedern und viel zu viel Pathos wäre vielleicht in dieser Neubesetzung das gewesen, was man hätte erwarten können. Und hätte auch stur das viel zu einfache Klischee des armen unglücklichen Franz Schubert erfüllt. Deshalb war es notwendig, manchmal fast ironisch mit den Vorlagen zu brechen, wie zum Beispiel beim ‚Ständchen‘ oder ‚Nähe des Geliebten‘. Außerdem wollte ich diesen schmalen Grad halten zwischen klassischem Anspruch und Respekt vor dem Original einerseits, und sehr persönlicher und zeitgeistiger Interpretation auf der anderen Seite. Also weder neo-romantischer Kitsch, noch glattgebügelter Crossover-Pop.“ (Kai Schumacher)

Der Liedermacher mit familieneigenem Weingut, auf welchem er in schöner Regelmäßigkeit sein mit erlesener Hand kuriertes „Heimspiel Knyphausen“ veranstaltet, taucht ganz tief ein in die Welt des Franz Schubert, wird eins mit den Stücken des Komponisten; er lebt, liebt und leidet mit, als wären es seine eigenen. Diese unbedingte Hingabe ergibt im Zusammenspiel mit der fantastischen Instrumentierung unter Regie seines Kompagnons und versierten Pianisten Schumacher ein Spektakel außergewöhnlichen Zuschnitts. Das Duo ist auf eine musikalische Entdeckungsreise gegangen und wieder aufgetaucht mit einem Experiment, das durchzuführen sich durch und durch gelohnt hat. Glücklicherweise nicht nur, wie ursprünglich einmal angedacht, als zweimalige Aufführung, sondern inzwischen immer und immer wieder auf die Bühne gebracht und nun auch auf Tonträger gebannt. Romantik und Moderne gehen hier eine zauberhafte, ebenso sensible wie authentische und herrlich unverkopfte Verbindung ein. Wenig verwunderlich also, dass das Interpretieren der Schubertlieder offenkundig Einfluss auf von Knyphausens sonstige Projekte hatte: Mit Husten, seinem Band-Projekt mit Musikproduzent Moses Schneider und Der Dünne Mann, veröffentlichte er unlängst zwei neue Songs, von denen der erste, „Weit leuchten die Felder„, eindeutig musikalisch vom klassischen Lied beeinflusst ist. Obwohl ich als jahrelanger Fanboy des durchaus vielseitigen Schaffens (zu dem man unbedingt und sowieso auch Kid Kopphausen zählen sollte) des wohlmöglich besten deutschen Liedermachers der Gegenwart natürlich nie gänzlich objektiv sein mag, darf weiterhin bezweifelt werden, ob Gisbert zu Knyphausen etwas wirklich Ungelungenes zustande bringen kann.

Neben den bisherigen drei Musikvideo-Auskopplungen findet man hier den Arte-Mitschnitt des Auftritts von Schumacher, Knyphausen und Band beim Reeperbahn Festival im vergangenen Herbst. Der war, wie auch das nun vorliegende Album: ganz großes Tennis. 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jan Plewka & die schwarz-rote Heilsarmee – „Jenseits von Eden“ (live)


Jan Plewka kann es nicht lassen. Bereits seit anderthalb Jahrzehnten gönnt sich der hauptberufliche Selig-Frontmann immer wieder den einen oder anderen Abstecher in das musikalische Œuvre eines seiner Lieblingskünstler und der Band, die gerade erst ihren 50. Geburtstag gefeiert hat: Ton Steine Scherben und dem leider viel zu früh gestorbenen Ralph Christian Möbius alias Rio Reiser. Die Shows mit der schwarz-roten Heilsarmee sind inzwischen legendär und begeisterten bereits abertausende Besucher bei über 200 vornehmlich ausverkauften Konzerten.

Und auch all jene, die bislang nicht in Genuss eines jener Tribute-Show-Live-Auftritte gekommen sind, dürfen nun aufhorchen: Nachdem sich der Selig-Vorsteher schon 2006 mit der DVD “Jan Plewka singt Rio Reiser – Eine Reminiszenz an den König von Deutschland” in den Herzen nicht weniger Scherben-Fans verewigt hatte, gibt es nun einen Nachschlag, welchen sich wohl auch in Würde ergraute Rio-Fans nicht entgehen lassen sollten. Das Live-Album “Jan Plewka singt Ton Steine Scherben und Rio Reiser II (Live)” wurde gemeinsam mit der schwarz-roten Heilsarmee 2019 beim Gig im Hamburger Kampnagel aufgenommen und nun auf Vinyl und CD sowie als DVD (welche fünf weitere Songs enthält) veröffentlicht.

„Mit 14 Jahren habe ich Ton Steine Scherben zum ersten Mal gehört. Seitdem bin ich ein glühender Verehrer von Rio Reiser, von seiner Musik, seiner Poesie, seinen Utopien. Seit über 15 Jahren bin ich mit diesem Programm nun schon auf Tour. Das ist die eine Konstante in meinem Leben.“ (Jan Plewka)

Eines steht natürlich bereits am Anfang fest: Jan Plewka ist nicht Rio Reiser (auch wenn kaum ein anderer bundesdeutscher Sänger ihn in diesem gehobenen Kopistentum das klingende Wasser reichen kann) – aber das will er auch nachweislich überhaupt nicht sein. Ihm geht es nicht darum, den „König von Deutschland“ eins zu eins zu kopieren, vielmehr möchte Plewka den Songs aus dem Schaffen der Scherben und Reiser schon seit Beginn dieses Exkurses seine ganz eigene Note einhauchen – was ihm in weiten Teilen auch gelingt. In diesem Sinne ist der 50-jährige Musiker eben der einzig legitime Künstler im deutschsprachigen Raum, der diese Stücke auch wirklich so ins neue Jahrtausend überträgt, dass sowohl Rio Reiser als auch die verbliebenen Scherben stolz auf ihn sein dürften.

Das neue Revue-Werk konzentriert sich – im Gegensatz zur ersten Ausgabe, bei der sich Plewka hauptsächlich um die Liebeslieder des Ausnahmekünstlers gekümmert hatte – in weiten Teilen auf die politische Seite der Musik gewordenen Linken-Ikonen, welche gerade in der heutigen Zeit inhaltlich – leider – aktueller denn je wirkt. Schon der druckvolle Opener “Menschenfresser” zeigt unmissverständlich auf, dass die Zeit des Abwartens und Aussitzens nun ja wohl endgültig vorbei sein sollte. “Wann, wenn nicht jetzt” gilt es, aufzustehen? “Menschenfressermenschen sind normal und meist sehr fleißig / Menschenfressermenschen gibt’s nicht erst seit ’33 / Menschenfressermenschen sind oft ganz, ganz liebe Väter / Menschenfressermenschen sind meist Überzeugungstäter…”

Nahtlos und ähnlich kraftvoll macht „Jenseits von Eden“ weiter. Durchschnaufen, bitte? Klar: Etwas leiser wird es bei „Ich werde dich lieben“ – Plewka und Gitarrist Marco Schmedtje spielen die Nummer komplett unverstärkt am Bühnenrand. Der Schlachtruf „Macht kaputt was euch kaputt macht“ erfährt ein textliches Update und wird durch Begriffe wie „AfD“ und „Tierversuche“ ergänzt – den Scherben hätte das wohl gefallen.  

Ein echter Hingucker – so man dem Ganzen denn in der DVD-Variante den Vorzug gibt – ist „Mein Name ist Mensch“. Die Herren, die eingangs noch als Ausgrabungsforscher (Plewka) und Waldschrate (der Rest der Band) verkleidet auftraten, kommen nun in hautengen Latex-Glitzer-Anzügen und mit riesigen Zyklopen-Augen auf die Bühne und singen die Nummer a cappella – eine bedruckende Variation des Scherben-Klassikers. Und mal ehrlich, wer kennt es nicht: „Sieben Uhr aufstehen, Kaffee trinken, zur Arbeit fahren, freundlich sein, den Chef grüßen“ – nur um sich dann am Ende des Tages zu (hinter)fragen: „Warum geht es mir so dreckig?“. Ja, Rio Reiser beherrschte neben wunderschöner Lyrik eben auch den tönenden Krawall und brachte die einfache Sprache ein ums andere Mal musikalisch zum Klingen. Gut also, dass Plewka und Band dem Zuschauer/Zuhörer Ruhepausen gönnen – nur auf Klavier und Gesang reduziert wird danach „Ich bin müde“ gespielt. Apropos „Pause“: Selbige macht Jan Plewka bei „Shit Hit“ und die Heilsarmee kommt mit Altersmasken, die sie mit achtzig Jahren darstellen, an den Bühnenrand. So gibt es im Chorgesang ein amüsantes Loblied auf die Droge Haschisch („das nasch isch“) – die Siebziger lassen lieb grüßen. Kurz danach ist mit „Wir müssen hier raus“ und einer „Mensch“-Version – nun in voller Besetzung – Schluss und die Truppe verlässt – zunächst – die Bühne. Mit einer wilden Fassung von „Wann, wenn nicht jetzt?“ als Zugabe endet diese sehr unterhaltsame musikalische Darbietung und die Band wird mit Standing Ovations entlassen.

Insgesamt gerät „Jan Plewka singt Ton Steine Scherben und Rio Reiser II (Live)” deutlich rockiger als Plewkas erstes Rio-Programm – was wohl vor allem der politischeren Ausrichtung geschuldet sein dürfte. So gelingt der Truppe eine völlig neue und eigenständige Verneigung vor dem Schaffen der Scherben und Reiser, die kaum weiter davon entfernt sein dürfte, als plumper Fanboy-Abklatsch abgetan zu werden. Klares Ding: Wer bislang nur einen der beiden Sänger (Rio Reiser oder Jan Plewka) kannte, darf den anderen auf diesem Weg gern kennen (und eventuell ja lieben) lernen…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Karen O – „If You’re Gonna Be Dumb, You Gotta Be Tough“


Was macht eigentlich Karen O gerade? In jüngster Vergangenheit war’s ja etwas ruhiger um die sonst so umtriebige Yeah Yeah Yeahs-Frontdame, die zuletzt vornehmlich mit Kollaborationen, etwa an der Seite von Danger Mouse (auf dem gemeinsamen Album „Lux Prima„) oder Willie Nelson (für die Single „Under Pressure„), in Erscheinung trat.

Kenner des Schaffens der New Yorker Musikerin wissen außerdem, dass die 42-Jährige besonders gern Soundtracks mit ihren Beiträgen veredelt – man denke nur an die viel gelobte musikalische Begleitung zu Spike Jonzes Film-Adaption “Where The Wild Things Are” (von 2009) oder – vor gar nicht so langer Zeit – ihre Coverversion des Smashing Pumpkins-Ewigkeitssongs „Bullet With Butterfly Wings“ .

Bereits einige Jahre zuvor, 2010, steuerte Karen O ebenfalls eine Coverversion zum Score eines Kinofilms bei. Dabei sollte man sich keineswegs vom Fakt, dass es sich bei selbigem Film um den Sinnfrei-Hillbilly-Klamauk „Jackass 3D“ handelt, beirren lassen, denn Karen Lee Orzoleks Variante von “If You’re Gonna Be Dumb, You Gotta Be Tough”, dessen Countrysong-Original von Roger Alan Wade 2005 erschien (übrigens handelt es sich bei jenem Roger Alan Wade um den Cousin von Jackass-Mitglied Johnny Knoxville, der wiederum auch die Originalversion produzierte), ist ein klasse Ohrwurm. Umso erstaunlicher, dass das Stück bislang – bis zu seinem Einsatz in einer abendlichen Fernsehshow gestern – erfolgreich an mir vorbei gehuscht ist…

„If you’re gonna be dumb, you gotta be tough
When you get knocked down you gotta get back up
I ain’t the sharpest knife in the drawer
But I know enough, to know
If your gonna be dumb, you gotta be tough

I drenched my brain with Rot-Gut whiskey
Till my pain was chicken fried
And I had dudes with badges frisk me
Teach me how to swallow pride

I took advice no fool would take
I got some habits I can’t shake
I ain’t the sharpest knife in the drawer
But I know enough to know
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough

If you’re gonna be dumb, you gotta be tough
When you get knocked down, you gotta get back up
That’s the way it is in life and love
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough

I’ve been up and down and down and up
I’ve been left and right and wrong
Yeah, I’ve walked the walk and I’ve run my mouth
On the short end for too long

If they gave medals for honky tonk fuckin‘ wars
Hell, I’d put mine in my chest of drawers
With my irs bills and divorce papers and all that stuff
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough

(Everybody!)
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough
When you get knocked down, you gotta get back up
I ain’t the sharpest knife in the drawer
But I know enough to know
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough
(One more time!)
If you’re gonna be dumb, you gotta be tough“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Aubrey Logan – California Dreamin‘ (feat. Casey Abrams)


Aubrey Logan wurde von Kritikern oft genug als „The Queen of Sass“ bezeichnet, und es fällt nicht eben schwer zu erkennen, warum. Ihre Konzerte sind eine Mischung aus exzellenter Musikalität, umwerfendem Gesang, gekonntem Posaunenspiel, einer feinen Auswahl an Originalen und originellen Coverversionen und, nun ja … Spaß! Ihre herzzerreißenden musikalischen Geschichten rühren das Publikum nicht selten zu Tränen, bevor ihre komödiantischen Einlagen es wiederum zum Lachen bringen. Was mehr mag man von einer Live-Show erwarten?

Die in Seattle geborene und am Berklee College of Music ausgebildete Posaunistin zog es, wie so viele, schon am Anfang ihrer Karriere mit dem Traum vom Durchbruch im Koffer nach Los Angeles. Dort angekommen, schlug die talentierte Sängerin und Posaunistin alsbald ihren eigenen Weg ein, der sie bereits mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Boston Pops, Quincy Jones, Smokey Robinson, Pharrell Williams, Josh Groban, Seth McFarlane oder Meghan Trainor zusammenarbeiten ließ, während sie sich gleichzeitig dank ihrer Auftritte mit dem YouTube-Phänomen gewordenen Musiker-Kollektiv Postmodern Jukebox, das allseits Pophits von Lady Gaga und Co. in die Genres Jazz, Ragtime und Swing transportiert, eine große, weltweite Online-Fangemeinde aufbaute. Und der Erfolg gab der 33-järhigen Pop’n’Jazz-Künstlerin recht, denn bereits ihr zweites Soloalbum „Where The Sunshine Is Expensive„, welches in Live Sessions in den legendären EastWest Studios in Los Angeles entstand, erreichte 2019 Platz 1 der Billboard-Charts für zeitgenössische Jazz-Alben. Jede Wette, dass ihr neustes Werk „Standard“ daran anknüpfen wird…

Dass Aubrey Logan nicht nur solo, sondern auch als Duettpartnerin zu überzeugen weiß, beweist die wunderbare, gemeinsam mit Casey Abrams aufgenommene Version des The Mamas & The Papas-Evergreens „California Dreamin‘„, welche wiederum auf Logans 2017er Debüt „Impossible“ zu finden ist:

Rock and Roll.

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Song des Tages: Tim Neuhaus – „In Your Honor“


Diese Pandemie tut keinem von uns auf Dauer gut – ob nun beruflich oder privat. So weit, so Fakt. Umso bewundernswerter, dass es dennoch Bands und Künstler*innen schaffen, aus dieser Phase der Auftrittsfreiheit und des perspektivischen Stillstands Kreativität zu schöpfen und dem allgemeinen Wahnsinn der Welt etwas Gutes abzugewinnen. So wie Multiinstrumentalist Tim Neuhaus, welcher die auferlegte Bühnen-Arbeitspause der vergangenen Monate dafür nutzte, um ein paar lang gehegte musikalische Träume endlich Wirklichkeit werden zu lassen und nun eine neue EP veröffentlicht. Wie der Titel nahelegt, soll „ECHOES, Vol. I“ nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Cover-EPs sein, welche der passionierte Schlagzeuger (unter anderem in der Band von Clueso) und Indie-Singer/Songwriter in Zukunft veröffentlichen möchte…

Über seine Liebe zum Covern und der Entstehung des ersten Teils der „Echoes“-Reihe erzählt Neuhaus Folgendes: „Nach der anfänglichen Schockstarre während des Lockdowns machte ich mich daran, mich ein paar liegengebliebenen Vorhaben zu widmen, die sonst im Musik-Alltag wenig Platz gefunden hätten. Eins davon: ein Solokonzert nur mit Cover-Songs! Das Knust in Hamburg hat mir das im Dezember 2020 mit einem Streaming-Konzert möglich gemacht. Ich habe die Songs gespielt, die mich inspiriert haben, selbst Songs zu schreiben – und davon gibt es viele! Immer wenn ich meine eigene Musik schreibe, tut es gut, viel zu covern, um von anderen zu lernen und seine eigenen Songs im Großen und Ganzen besser einschätzen zu können. Nach diesem Abend entstand die Idee zu diesem langfristigen Cover-Projekt.“

Als erste Single entschied sich Neuhaus für (s)eine Coverversion des Foo Fighters-Songs „In Your Honor„, im Original vom 2005er Album selben Titels: „Nirvana, die Foo Fighters und Dave Grohl triggern in mir das Lebensgefühl des Grunge bis heute und erinnern mich daran, warum ich Anfang der Neunziger mit der Musik angefangen habe. ‚In Your Honor‘ ist ein Song, der sich auf der Gitarre anfühlt wie Schlagzeug spielen. Er handelt von der vollkommenen Hingabe an etwas, an das du glaubst. Es ist wie sich ein Stück Urvertrauen zurückholen.

So sehr sich Neuhaus bei jenem Foo Fighters-Cover noch austobt, so sehr nimmt sich der umtriebige Musiker, der in der Vergangenheit auch durch seine Arbeit an dem ein oder anderen Soundtrack in Erscheinung trat, an anderen Stellen des Minialbums zurück. Das tut den insgesamt acht Nummern mal mehr, mal weniger gut. Ausgerechnet der Opener, eine Coverversion des Boss’schen Evergreens „Streets Of Philadelphia“, verblasst ein wenig im Vergleich mit dem Oscar-prämierten Original. Lobenswert mag zwar ins Gewicht fallen, dass Neuhaus dem Song mit einer dominierenden Akustikgitarrenmelodie eine neue Ebene verpasst, nur leider zündet diese nicht gänzlich. Das anschließende Randy Newman-Cover von „You’ve Got A Friend In Me“ funktioniert hingegen um einiges besser und passt tatsächlich ganz wunderbar zur Stimmlage des Westfalen. Das Neuhaus keine Angst vor großen Namen hat, beweist auch das Cover von Radioheads „Thinking About You“. Zwar bewegt sich das Stück recht nah am Original, besticht hier aber durch sein sauberes Arrangement und einen etwas fokussierterem Einsatz der Synths, was dem Song tatsächlich richtig gut tut.

Noch näher am Original bewegt sich Tim Neuhaus durch „Colorblind“ von den Counting Crows. Man könnte die Nummer glatt unbemerkt im „Eiskalte Engel“-Soundtrack austauschen ohne dass es groß auffallen würde (was wohl auch als Kompliment zu werten sein dürfte). „Daydream“ von den Smashing Pumpkins bekommt hingegen eine ganz eigene Note verpasst: kleine elektronische Spielereien finden sich hier ebenso wie ein verdammt cooler Gitarren-Effekt, der den Song nochmal eine Spur zeitgeistiger klingen lässt. Elliott Smiths‘ tieftrauriges „Everything Means Nothing To Me“ hätte einen perfekten Abschluss abgegeben, aber als kleine Digitalkonserven-Zugabe bekommt man noch Nick Drakes „Northern Sky“ – umso schöner, dass einem Neuhaus dieses Kleinod von Song mit seiner Neuinterpretation wieder ins Gedächtnis ruft. Und auch dieses Cover weiß zu überzeugen, wobei der Indie-Singer/Songwriter durch den Einsatz von Streichern nochmal einmal eine Prise Süßholz on top gibt. Ergibt unterm Strich eine kleine, feine Coverversionensammlung, welche gespannt auf kommende Teile macht.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ryan Culwell & Aubrie Sellers – „Head Like A Hole“


Die in Nashville, Tennessee ansässigen Künstler Ryan Culwell und Aubrie Sellers haben sich für ein Cover des Nine Inch Nails-Ervergreens „Head Like A Hole“ zusammengetan – und rufen damit recht berühmte Vorbilder wach. So bezeichnete der US-„Rolling Stone“ das zwischen Nashville und Los Angeles aufgenommene Ergebnis als „düsteres, gespenstisches Duett“ und meinte: „Wie Johnny Cash und Rick Rubin vor ihnen, interpretieren Ryan Culwell und Aubrie Sellers einen Nine Inch Nails-Song neu – mit Gänsehaut erzeugendem Ergebnis.“

„Letzten Sommer war ich länger wach und versuchte, einen neuen Song zu schreiben. Dabei kam mir ‚Head Like A Hole‘ immer wieder in den Sinn und ließ mir keine Ruhe“, erzählt Culwell. „Ich machte also eine Sprachnotiz und schickte sie an [Produzent] Ethan Ballinger und Aubrie Sellers, die beide in L.A. lebten. Sie ermutigten mich, die Idee weiterzuverfolgen und wir holten Megan McCormick mit ins Boot, so dass zu diesem Zeitpunkt viele meiner Lieblingskünstler mit mir daran arbeiteten. Wir fingen an, Tracks aufzunehmen und sie zwischen Nashville und L.A. hin und her zu schicken, wobei jeder verschiedene Elemente in seinen Kellern, Küchen, Schlafzimmern usw. produzierte. Aubrie steuerte eine Strophe bei und hob die Gesangsproduktion damit auf ein anderes Level, was wiederum den Rest des Tracks in neue Richtungen gelenkt hat. Da die meisten von uns vorher schon so viel zusammen gearbeitet hatten, war es wirklich einfach, aus der Ferne zu kooperieren. Ethan mischte den Song in L.A. mit Hinweisen von Aubrie und Megan ab und ich bin wirklich begeistert, was bei der Zusammenarbeit mit solch talentierten Künstlern bei der Neuinterpretation von Trent Reznors Meisterwerk herauskam.“

Aubrie Sellers kann die Komplimente nur erwidern: „Ich war ein großer Bewunderer von Ryans letzter Platte [„The Last American“ von 2018], daher war ich sehr aufgeregt, als er mich bat, mit ihm an diesem Song zu arbeiten. Als er mir das erste Mal eine Aufnahme schickte, auf der er den Song spielte und sang, wusste ich, dass es eine einzigartige Interpretation werden würde und etwas, an dem ich gern teilhaben wollte. Es ist immer toll, mit jemandem zu arbeiten, dem man gerne zuhört, und es ist ein großartiger Zeitpunkt, um diese Hymne wiederzubeleben.“

„Head Like A Hole“ erschien auf „Pretty Hate Machine„, dem 1989er Debütalbum von Nine Inch Nails. Der US-„Rolling Stone“ bezeichnete das Werk, welches Elemente aus Pop und Hair Metal mit der damals recht typischen Achtzigerjahre-Produktion kombinierte, seinerzeit als „Lärm von industrieller Härte, über den ein Pop-Rahmen gespannt“ sei – wenn man so mag die Geburtsstunde des Industrial-Genres. Ryan Culwell und Aubrie Sellers haben den mehr als drei Jahrzehnte jungen Song nun in ihrem eigenen Stil neu interpretiert und verwandeln Trent Reznors verquere Mittelfinger-Stadionhymne in eine unheilvoll nachhallende country’eske Beschwörung…

Rock and Roll.

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