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Klassiker des Tages: Jarvis Cocker – „Running The World“


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Es gibt ja gerade im Zuge von „Cool Britannia“ (Sie wissen schon, in den Neunzigern, als alle Welt neidisch und mit dicken Backen auf Großbritannien mit seinem ach so feschem Premierminister Tony Blair und seiner nie zu versiegen scheinenden Welle cooler neuer Bands blickte) so einige Namen, die längst in der Versenkung verschwunden sind. Und der große Rest? Oasis sind längst im Bruderzwist aufgelöst. The Verve sind mehrfach an Richard Ashcrofts spleenigem Ego verzweifelt, ja: zerbrochen. Blur haben sich mittlerweile mit Ach und Krach wieder zusammen gerauft, deren Frontmann Damon Albarn macht jedoch lieber mit anderen kreativen Cash Cows wie den Gorillaz oder The Good, The Bad & The Queen die Musikwelt unsicher. Und die Spice Girls… ach, lassen wir das – die Neunziger, ihnen (und uns!) sei’s vergeben.

Auch Pulp sind, bis auf ein kurzes Intermezzo zwischen 2011 und 2013, längst Britpop-Musikgeschichte. Und auch die Songs der Band aus dem englischen Sheffield haben zwar ein klein wenig musikhistorische Patina angesetzt, dürfen jedoch gut und gern auch heute noch als durchaus moderne Klassiker gelten (nicht, dass das auf das ein oder andere Stück von Oasis, The Verve oder Blur nicht auch gelten würde). Ich meine: „Disco 2000„! „Common People„! „Help The Aged„! „This Is Hardcore„! „Bad Cover Version„! (Wer’s nicht glauben mag, dem sei die zur Band-Ruhigstellung 2002 veröffentlichte Best Of „Hits“ ans Hörerherz gelegt, die eben genau das in betörender Zahl enthält.)

51vroux6ffl._sy355_All das wäre jedoch kaum möglich gewesen ohne Jarvis Cocker, seines Zeichens Herz, Hirn und charismatisches Brillengesicht hinter Pulp. Schon in den Neunzigern mutete er wie der spleenige Onkel an, der sich irgendwo durch den Familienstammbaum gemogelt zu haben schien, nun bei jeder noch so kleinen Familienfeier auftaucht, irgendwann abends verlässlich die sittsame Partygesellschaft mit hinlänglich schmutzigen Fäustchenlachern sprengt – und dann kaum zum Gehen zu bewegen ist. Irgendwie creepy, irgendwie sophisticated – und doch, und wenn auch nur in einem weit entfernten Paralleluniversum: cool. Dass ebenjener Jarvis Cocker kurz nach der Pulp’schen Kreativpause mit „Jarvis“ (2006) und „Further Complications“ (2009, arschcool von Steve Albini produziert) zwei durchaus tolle Solo-Alben veröffentlichte (und erst 2017 mit einem gemeinsamen Werk mit Kammerpop-Pianist Chilly Gonzales wieder von sich hören ließ), gerät meines Erachtens viel zu oft in Vergessenheit, beweist Cocker doch vor allem mit „Running The World“, der ersten Single von „Jarvis“, die dann – Hoho, der spleenige Onkel hat’s wieder getan! – auf dem dazugehörigen Album als Hidden Track versteckt wurde, dass manche seiner Botschaften auch über zwölf Jahre später nichts an Aktualität eingebüsst haben: „Cunts are still running the world…“

 

Den Song gibt’s hier im passenden fan-made Musikvideo…

 

…sowie als offizielles Lyric Video:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ten Fé – „Born Slippy .NUXX“


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Born Slippy“ von Underworld – schlappe 22 Jahre alt und doch ebenso zeitgeistig wie zeitlos wie die Szenen aus jenem Film, der den Song und Sound der britischen Elektro-House-Pioniere berühmt gemacht hat (oder war’s doch andersherum?): „Trainspotting„. Ach, was waren das doch für Zeiten! Musik aus „Cool Britannia“ war – von Oasis über Blur, The Verve und wenhastenochnichgehört – in aller Ohren, Kunst und Mode aus London, Manchester oder Liverpool waren der heißeste Scheiß ever und Tony Blair noch kein Kriegstreiber, Heuchler und Arschkriecher, sondern ein (scheinbar) cooler Typ, der sich mit den Spice Girls fotografieren ließ und die (Rock)Stars von morgen bereits heute in der Downing Street hofierte. Längst vorbei, das alles…

Und trotzdem passt es doch nur zu gut, dass Mark „Rent Boy“ Renton, „Spud“ Murphy, Begbie und „Sick Boy“ kürzlich mit „T2 Trainspotting“ ihre Leinwandrückkehr feierten. Erneut von Kultregisseur Danny Boyle in Szene gesetzt, ist die ehemalige Heroin-Gang aus dem schottischen Edinburgh zwar etwas grauhaariger und mehr in der Lebensmitte angekommen als noch im ersten Teil (zu dem ein gewisser Irvine Welsh 1993 die Romanvorlage lieferte), doch mindestens noch genauso neben der Spur.

Was also würde zu diesem Revival besser passen als eine Coverversion von „Born Slippy“? Okay, okay – braucht kein Mensch. Das Londoner Duo Ten Fé hat’s trotzdem getan. Und kommen mit ihrer Idee, die geradezu ikonische Synthiemelodie mit beinahe romantischen Gitarrenrifflinien zu ersetzen, in einer Kulisse an, in der New Order mit den Killers vereint werden. Außerdem kann die Tatsache, dass Ben Moorhouse und Leo Duncan ihr Debütalbum „Hit The Light“ just am gleichen Tag, an dem „T2 Trainspotting“ seine UK-Premiere feierte, veröffentlicht haben (es war der 3. Februar diesen Jahres), kein Zufall sein, oder?

 

 

Rock and Roll.

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