Schlagwort-Archive: Chris Cornell

Song des Tages: Daughtry – „Hunger Strike“ (feat. Lajon Witherspoon)


Die US-amerikanische Post-Grunge-Rockband Daughtry, die vor allem in den heimischen US of A bekannt für Hits wie “September”, “Waiting For Superman”, “It’s Over Now”, “Home” oder “World On Fire” sind, feiern die Erinnerung an Chris Cornell und haben sich hierfür mit Lajon Witherspoon (Sevendust) zusammengetan. Gemeinsam nehmen sie sich freilich nicht irgendeinen Song vor, sondern den ikonischen, 30 Jahre jungen Temple Of The Dog-Evergreen „Hunger Strike„.

Frontmann Chris Daughtry, der einst durch seine Teilnahme an der US-Casting-Show „American Idol“ entdeckt wurde, meint hierzu: “Chris Cornell hatte eine jener Stimmen, die mich im Herzen berührt haben und mich dazu brachten, Rocksänger zu werden. ‚Hunger Strike‘ ist einer der, wenn nicht sogar das ikonischste Rock-Duett unserer Generation. Die gesamten Neunziger stecken in diesem Song!”

Lajon Witherspoon teilt mit: “Was für eine Ehre, Teil dieses unglaublichen Songs zu sein und mit meinem Bruder Chris Daughtry und den Jungs zusammenzuarbeiten. Für mich setzte dieser Song eine musikalische Bewegung in unserer Community und in der Welt in Gang…”

Und selbst wenn Daughtry und Lajon Witherspoon dem Klassiker am Ende wenig neue musikalische Nuancen abgewinnen, so hat diese Coverversion dennoch etwas Gutes, denn die Einnahmen des Songs werden die Musiker der Charity-Organisation „Feeding America“ zur Verfügung stellen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Norah Jones – „Black Hole Sun“ (live)


Foto: Promo / Vivian Wang

Norah Jones juckt es derzeit mächtig in den Fingern. Nachdem die US-Musikerin wegen der Corona-Pandemie über ein Jahr lang keine Konzerte vor Live-Publikum geben konnte, brennt auch sie förmlich darauf, endlich wieder auf Tournee gehen zu können. Sie wartet nur noch auf ihre zweite Impfdosis und grünes Licht für die Konzertbranche. “Ganz gleich, ob wir nun Musiker oder Fans sind, wir alle vermissen das gemeinsame Erlebnis von Live-Musik”, sagt die neunfache Grammy-Gewinnerin, die vergangenes Jahr für ein Duett mit Mavis Staples ihre nunmehr 17. Nominierung erhielt. “Ich werde auf meiner Facebook-Seite jede Woche auf ein andere Wohltätigkeitsorganisation hinweisen, um den Leuten Respekt zu zollen, die unermüdlich hinter den Kulissen der Live-Musikindustrie gearbeitet haben und deren Jobs auf Eis gelegt wurden. Ich kann es kaum erwarten, wieder mit ihnen allen zusammen zu sein.” Fans von Live-Musik geht es natürlich kaum anders.

Ein bisschen werden sie sich aber voraussichtlich doch noch gedulden müssen. Da kommt ein exzellent aufgenommenes Live-Album der 42-Jährigen, bei der sich Pop-Gelehrte wie Kritiker – mehr als zwanzig Jahre im Musikgeschäft, so einige Nummer-Eins-Alben, zig Auszeichnungen und etwa 35 Millionen verkaufte Tonträger hin oder her – noch immer streiten, ob das einstige Wunderkind nun Jazz, Pop, Soul oder „Adult-Music“ (was böse Zungen wohl gern mit „Fahrstuhlmusik“ übersetzen würden) macht, gerade recht. Auf „‘Til We Meet Again“ – ganz nebenbei tatsächlich das erste wirkliche Live-Album der vielseitigen Pianistin, Sängerin und Gelegenheitsschauspielerin – gibt es so nicht nur einige ihrer größten Hits zu hören, sondern auch eine ebenso überraschende wie bewegende Coverversion von Soundgardens “Black Hole Sun“ (welche vor einiger Zeit aus gegebenem Anlass bereits Platz auf ANEWFRIEND fand).

Die erzwungene Auszeit im vergangenen Jahr nutzte Norah Jones, die obendrein noch einen recht berühmten Vater hat, um sich durch Mitschnitte ihrer Konzerte der zurückliegenden acht Jahre zu hören. Besonders angetan war sie von einigen Aufnahmen, die im Dezember 2019 – also kurz vor Beginn der Corona-Pandemie – bei Auftritten in Südamerika entstanden waren. “Es war einfach ein tolles Gefühl, vor allem, weil wir keinen Zugang zu Live-Musik hatten und nicht auftreten konnten”, verriet sie „grammy.com“ unlängst in einem Interview. “Deshalb wollte ich die Aufnahmen rausbringen.” Mit den Musikern ihrer Band durchkämmte die New Yorkerin dann ihre Konzertarchive nach Aufnahmen, die sie mit ähnlichen Besetzungen gemacht hatte, um wirklich die besten Versionen der gespielten Songs herauszufiltern. Das Ergebnis präsentiert sie nun auf der Zusammenstellung “‘Til We Meet Again”, die bei einer Laufzeit von fast 76 Minuten vierzehn Songs und einen wunderbaren Querschnitt durch Norah Jones‘ bisherige Karriere enthält, darunter offensichtliche Hits wie “Don’t Know Why”, “Sunrise” oder “Flipside” sowie Titel aus ihrer 2018/19 veröffentlichten Singles-Serie.

Die eine Hälfte der Aufnahmen stammt von besagter Südamerika-Tournee, die Norah Jones, Bassist Jesse Murphy und Schlagzeuger Brian Blade unter anderem nach Rio de Janeiro, São Paulo und Buenos Aires geführt hatte. In Rio präsentierte das Trio als Gäste zwei bestens bekannte brasilianische Musiker – den Perkussionisten Marcelo Costa (Mariza, Maria Bethânia, Michael Bublé) und den Flötisten Jorge Continentino (Bebel Gilberto, Milton Nascimento, Brazilian Girls) – sowie ihren alten Songwriting-Partner und Gitarristen Jesse Harris. Harmonisch kombiniert wurden diese sieben Aufnahmen mit sechs weiteren, die Jones im Jahr zuvor mit dem Hammond-Organisten Pete Remm, Bassist Chris Thomas und wiederum Brian Blade am Schlagzeug in den USA, Frankreich und Italien gemacht hatte.

Den krönenden Abschluss bildet die wahrlich unter die Haut gehende Solodarbietung von Soundgardens “Black Hole Sun”. Norah Jones‘ von Herzen kommende (und genau dahin gehende) Hommage an Chris Cornell wurde am 23. Mai 2017 im Fox Theatre in Detroit aufgenommen – nur fünf Tage nach dem Tod des Soundgarden-Frontmanns, der am 17. Mai 2017 am selben Ort sein letztes Konzert mit der Band gegeben hatte. Vor ihrem Auftritt hatte Norah Jones in ihrer Garderobe den ganzen Tag über an dem Arrangement des Songs herumgefeilt. “Ich war ein bisschen nervös”, gibt sie zu. “Aber ich dachte: ‘Ich werde ihm meinen Respekt erweisen und diesen Song von ihm spielen.’” Das Publikum stand vor lauter Begeisterung kopf, als es die Nummer nach dem Klavier-Intro endlich erkannte. “Es war wahrscheinlich einer der schönsten Live-Momente, die ich je erlebt habe”, erinnert Jones sich. “Ich weiß nicht, ob sein Geist im Raum war oder was auch immer, aber er hat mich auf eine Art durch diesen Song getragen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.” Ergreifend. Gelungen. Soulful.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Chris Cornell – „Patience“


Chris-Cornell-Solo

Zu Chris Cornells heutigem – leider theoretischem – 56. Geburtstag teilen Produzent Brendan O’Brien und die Familie des verstorbenen Soundgarden- und Audioslave-Frontmanns (s)eine bisher unveröffentlichte Coverversion des Guns N‘ Roses-Songs „Patience“ mit dem Rest der Welt. Mit der Akustikgitarreninstrumentierung entfernt sich Cornell mit seiner Variante, die 2016 in Los Angeles aufgenommen wurde, als er sie seiner Tochter auf der Gitarre beibrachte, zwar nicht allzu weit vom 1989 erschienenen Original, trotzdem ist es – trauriger Anlass hin oder her – freilich jedes Mal auf Neue schön, seine unverkennbare Stimme zu hören.

In einem Statement auf der Facebook-Seite des Musikers heißt es:

„His birthday seemed the perfect time to share this and celebrate Chris, his voice, music, stories and art. It is true a man is not dead while his name is still spoken… and, through his art, an artist’s soul still burns just as bright as ever upon all those that look up to him and his memory.

Releasing music that was special to Chris keeps a part of him here with us — his heart and his soul. His love and his legacy.“

Und es könnte keineswegs das letzte Mal sein, dass die Welt Aufnahmen des ebenso früh wie tragisch verstorbenen Sängers, der sich am 17. Mai 2017 in einem Hotelzimmer in Detroit das Leben nahm, während die restlichen Mitglieder von Soundgarden bereits im Tourbus auf dem Weg zu einer Show in Ohio waren, zu hören bekommt: Im November vergangenen Jahres ließ Soundgarden-Gitarrist Kim Thayil durchblicken, dass es noch unveröffentlichtes, neues Material gibt, welches noch vor dem Tod Cornells gemeinsam mit dem Frontsänger aufgenommen wurde. Andererseits befindet sich die Band noch immer im Rechtsstreit mit Chris Cornells Witwe Vicky, in welchem es nicht nur um die Rechte an ebenjenen Aufnahmen, sondern auch um ausstehende Tantiemen geht…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Pseutopia – „Seasons“


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Dave Abbruzzese, der zwischen 1991 und 1994 bei Pearl Jam hinterm Schlagzeug saß (und somit auch Teil der Album-Meilensteine „Vs.“ und „Vitalogy“ sowie des denkwürdigen „MTV Unplugged“-Auftrittes der Grunge-Urgesteine war), hat mit seiner aktuellen Band Pseutopia ein Cover des Chris Cornell-Songs „Seasons“ veröffentlicht – wie passend, wie nostalgisch, schließlich erschien das Original 1992 als Teil des Soundtracks zu Cameron Crowes Seattle-Grunge-Zeitgeist-Filmkomödie „Singles„.

Das dazugehörige Musikvideo zeigt die Musiker von Pseutopia bei den Aufnahmen zu ihrer Version des Songs, die im Vergleich zum balladesken Original um einiges härter rockend daher kommt. Und auch, wenn sich die Coverversion nicht allzu weit von Cornells Klassiker weg bewegt, ist Abbruzzese und seinen Bandmates damit ein durchaus würdevolles Tribute an den im Mai 2017 verstorbenen Kollegen gelungen…

 

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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Foto: Twitter

 

Ein Bild, mit dem die Foo Fighters den Live-Stream ihres Auftritts beim Berliner Lollapalooza-Festival am vergangenen Sonntag ankündigten, zeigt, wie Frontmann Dave Grohl geht vor dem Drumset seines Foo-Fighters-Kollegen Taylor Hawkins in die Knie geht.

So weit, so normal – denn selbst derbe From-the-heart-Rocker wie Grohl brauchen wohl ab und an mal eine Verschnaufpause, oder? Klar, würde Hawkins‘ Bassdrum nicht ein Foto des im Mai verstorbenen Chris Cornell zieren. So darf man diese kleine, feine Geste Grohls als aufrichtigen Tribute an seinen langjährigen Grunge-Kumpel werten…

 

Rock and Roll.

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„Who cares if one more light goes out?“ – Chester Bennington ist tot.


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Foto: gefunden bei Facebook

„In cards and flowers on your window
Your friends all plead for you to stay
Sometimes beginnings aren’t so simple
Sometimes goodbye’s the only way…“

(aus „Shadow Of The Day“ von Linkin Park)

 

Chester Bennington ist tot. Uff. Durchschnaufen.

Eine Nachricht wie diese trifft einen – zumindest als rock-affinen Musikhörer – doch recht unvorbereitet. Wie schon der Tod von Chris Cornell im Mai (diese Hiobsbotschaft traf mich persönlich freilich noch um Einiges heftiger). Und: Klar, nachdem in den letzten Jahren bereits Größen wie David Bowie, Lemmy Kilmister, Scott Weiland, Leonard Cohen oder Prince den Orbit dieser (Musik)Welt verlassen haben, rechnet man von nun an mit so ziemlich jeder Schlagzeile (obwohl hier natürlich nichts herauf beschworen werden soll): „Paul McCartney ist nun bei John und George.“, „Mick Jagger – Herzinfarkt bei Gruppengroupieorgie“, „Keef – Halswirbelbruch beim erneuten besoffenen Palmensturz“. Aber: Chester Bennington? Der Linkin-Park-Fronter? Kann doch wohl nur eine dieser digitalen News-Enten sein? Ein Hoax? Ist es leider nicht.

„Der Sänger der US-Rockband Linkin Park, Chester Bennington, ist im Alter von 41 Jahren gestorben. Möglicherweise handele es sich um einen Suizid, sagte der zuständige Rechtsmediziner Brian Elias am Donnerstag in Los Angeles. Bennington wurde den Angaben zufolge tot in seinem Haus bei Los Angeles gefunden,“ wie die „Welt“ nüchtern über etwas Tragisches, etwas Trauriges berichtet.

Auch der gestrige Tag mag wohl eine gewisse Symbolik haben, schließlich hätte am gestrigen 20. Juli Chris Cornell, mit dem Bennington eine innige Freundschaft verband (so war Bennington etwa der Patenonkel von Cornells Sohn Christopher-Nicholas) und dessen Tod den Linkin-Park-Frontmann tief traf, seinen 53. Geburtstag gefeiert. Perfider Fakt? Nun es gäbe da noch mehr: So gab Bennington auf Chris Cornells Beerdigung eine bewegende Version des Leonard-Cohen-Evergreens „Hallelujah“ zum Besten, ein Song, welcher bekanntlich durch die Variante des 1997 auf tragische Weise ertrunkenen Jeff Buckley zum Welthit wurde. Und: Chester Bennington war für kurze Zeit, zwischen 2013 und 2015 sowie für eine EP und einige Konzerte, Frontmann der Stone Temple Pilots, deren eigentlicher Sänger Scott Weiland im Dezember 2015 das Zeitliche segnete. Gossip? Klar. Tragisch, alles? Sowas von.

Doch was verbindet mich selbst mit Chester Bennington? Nun, zunächst einmal nicht viel. Linkin Park waren, seit ihrem Durchbruch mit dem Debütalbum „Hybrid Theory“ im Jahr 2000, irgendwie eine Band, die immer da war. Für mich selbst waren die sechs Kalifornier mit ihrem NuMetal-Sound zwar nur mäßig interessant (der Musikstil war durch Vorgänger-Bands wie KoRn oder Limp Bizkit schon damals bis zum letzten Endgegner durchgespielt). Ein alter Freund erinnerte mich heute via Facebook an eine Begebenheit bei „Rock im Park“ 2003, als Linkin Park ihren Auftritt absagen mussten und stattdessen Placebo deren Headliner-Platz einnahmen (was uns damals sehr entgegen kam). Trotz alledem muss man neidlos anerkennen, dass Linkin Park zumindest bis zum 2007 erschienenen dritten Album „Minutes To Midnight“ den ein oder anderen feinen Hookline-Song zustande gebracht haben: „Crawling„, „In The End„, „Breaking The Habit„, „Numb„, „What I’ve Done“ – bei der bloßen Nennung des Titels habe ich auch heute noch den Refrain und Chester Bennigtons Stimme im Ohr. Chapeau allein dafür.

Außerdem verliert die Rockwelt mit Chester Bennington (erneut) eine ihrer kräftigsten und charismatischen Stimmen sowie einen – so ist’s zumindest allerorts zu lesen – bodenständigen Typen frei von jeglichen überzogenen Rockstar-Allüren eines Axl Rose, einen, der sich für Fans und soziale Projekte stark machte und auch sonst immer ein offenes Ohr für alle und jeden hatte (jaja, typisches Nachrufs-Blah-Blah – aber lest doch selbst, was Fans zu sagen haben). Von daher: kein schlechtes Wort von mir an dieser Stelle. Verurteilen kann und will ich Benningtons Entscheidung – so einsam und über für seine ihn Liebenden diese auch sein mag – nicht.

 

 

„Should’ve stayed, were there signs, I ignored?
Can I help you, not to hurt, anymore?
We saw brilliance, when the world, was asleep
There are things that we can have, but can’t keep…“

(aus „One More Light“ von Linkin Park)

Ebenfalls via Facebook durfte ich heute eine Diskussion mit einer alten Freundin führen, welche Folgendes – if I may quote? – schrieb: „Kann es sein, dass sich das gesamte Netz in Schockstarre und Trauer befindet und ich die Einzige bin, die das einfach nur scheiße findet? Wie kann man als Vater von 6 Kindern so derb egoistisch sein und sich erhängen? Bei Depressionen gibt es ne Menge Anlaufstellen und Therapien, die einem helfen können. Aber sich so feige aus dem Leben und der Verantwortung zu verpissen, is das Allerletzte. Tja, ‚in the end it doesn’t even matter‘ schätz ich mal.“ 

Was ich mich – und sie – darauf fragte: Steht es uns – als Außenstehende, die Bennington nicht im Entferntesten kannten – überhaupt zu, über ihn und den Entschluss, sein Leben zu beenden, zu urteilen? Klar, wie ebenjene Freundin ebenfalls schrieb: „So ein blöder Brief oder sonstige unpersönliche Verabschiedung nach einem Selbstmord lässt einen nur so völlig ungeliebt zurück. Wenn man mit der Familie drüber sprechen würde, dass man solche Gedanken hat, sich vorab irgendwie zu verabschieden, niemanden im Glauben zu lassen, dass er es nicht wert wäre, für ihn weiterzuleben. Klingt vielleicht krass, aber so eine Ehrlichkeit hätten die Familien verdient. Nicht den Schock, eine Leiche im eigenen Heim vorzufinden.“ Schon richtig, aber wie ich bereits im meinem Nachruf auf Chris Cornell im Mai schrieb (und beide mutmaßlichen Freitode scheinen ja ganz ähnlich gelagert zu sein): Man kann niemandem hinter die Fassade schauen. Vordergründig mögen sowohl Chris Cornell als auch Chester Bennington erfolgreiche, von Fans überall auf dem Erdball umjubelte Rockstars mit Vorbildfunktion sowie treu sorgende, liebevolle verheiratete Familienväter (Cornell dreifach, Bennington gar sechsfach) gewesen sein. Tief im Inneren hatten jedoch beide – nebst der beinahe obligatorischen schwierigen Kindheit (im Fall von Bennington verbunden mit elterlicher Vernachlässigung und Kindesmissbrauch) – seit vielen, vielen Jahren mit Depressionen und den damit oft einher gehenden Alkohol-, Medikamenten- und Drogenproblemen zu kämpfen (und redeten auch offen darüber). Wem an dieser Stelle das „Rockstar-Klischee“ vom „ach so sensiblen Kunstschaffenden“ zum Hals heraus hängen mag, der wechsle lieber nie ins Schlager-Fach…

Umso wichtiger finde ich selbst es (wie übrigens auch Guano-Apes-Frontfrau Sandra Nasic in ihrem für spiegel.de verfassten Nachruf auf Bennington), dass den Topoi „Depression“ und „Suizid“ mehr Gesprächsbereitschaft und weniger Scheu entgegen gebracht wird. Denn wenn wir ehrlich sind, so haben wir alle – du, ich, die Frau an der Kasse von Aldi, der Hedgefonds-Manager an der Frankfurter Börse und der Rockstar, dem du noch gestern aus dem Publikumsgraben heraus Handküsse zugeworfen hast – eine helle und eine dunkle Seite. Ying und Yang. Gut und böse. Dass ich beide Seiten kenne, habe ich unlängst hier geschrieben… Wir alle sollten uns ein kleines Stückweit zur Aufgabe machen, ebenjenen zu helfen, deren dunkle Seiten, deren Dämonen die Überhand zu erlangen drohen (so sie es denn zulassen). Sagt diesen Menschen (wie auch allen anderen, völlig unabhängig davon), wie sehr sie euch am Herzen liegen, wie wichtig sie sind, wie sehr sie geliebt werden. Depression mag eine Krankheit sein, die sich wohl kaum einer selbst ausgesucht hat. Doch ansteckend ist sie nicht. Kein von Depressionen Betroffener erwartet von euch, dass ihr ihn/sie zu einhundert Prozent versteht oder entschlüsselt. Ist müsst einfach nur da sein. Also: fahrt mal eure Ellenbogen rein und die Herzen aus! Tut’s für euch. Tut’s für den anderen, die andere. Tut’s fürs Karma.

Wer selbst mit Problemen dieser Art zu kämpfen hat, der sollte nicht schweigen. Redet darüber. Schreibt darüber. Oder wendet euch an diese Stellen:

https://suicidepreventionlifeline.org/

https://www.suizidprophylaxe.de/

http://frans-hilft.de/

 

Inschallah. Namaste.

In Liebe und

 

Rock and Roll.

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