Schlagwort-Archive: Charity

Sunday Listen: „Everybody Cares – An Elliott Smith Compilation“


Am 21. Oktober 2003 starb Elliott Smith viel zu früh im Alter von 34 Jahren. 17 Jahre später ist sein Einfluss auf die Singer/Songwriter- und Indie-Rock-Szene noch immer ungebrochen, gelten die Songs des US-Musikers samt und sonders als in balladeske Melancholie gefasste Kleinode, die es gilt zu schützen, zu bewahren und kommenden Generationen von Nachwuchs-Klampfern näher zu bringen. Kaum verwunderlich also, dass von Zeit zu Zeit immer mal wieder neue Tribute-Compilations das digitale Licht des Internets erblicken. So auch jetzt.

Der neue, zehn Beiträge umfassende Tribute-Sampler „Everybody Cares“ ist dabei quasi die Fortsetzung einer Livestream-Spendenaktion, die im vergangenen Jahr stattfand. Im letzten Sommer tat sich der ehemalige WU LYF-Bassist Francis Lung mit der französischen Website „La Blogothèque“ und dem Podcast „My Favorite Elliott Smith Song“ zusammen, um eine Reihe von Elliott-Smith-Covern zu präsentieren und mit diesen Livestream-Shows etwas Geld für die britischen LGBQ+-Wohltätigkeitsorganisationen AKT, das Audre Lorde Project und GIRES zu sammeln. Und so konnte er fürs Lineup dieser Shows einige namhafte Indie-Künstler wie Christian Lee Hutson, Marissa Nadler, Kevin Devine oder Marika Hackman verpflichten. Für alle jene, die die Streams damals verpasst haben, hat sich Lung nun erneut mit „La Blogothèque“ und „My Favorite Elliott Smith Song“ zusammengetan, um darauf aufbauend ein komplettes Album mit Smith’schen Coverversionen zu veröffentlichen.

Logisch also, dass auf „Everybody Cares – An Elliott Smith Compilation“ erneut Hutson, Nadler, Devine und Hackman mitwirken. Lung selbst nimmt sich Smiths „The Biggest Lie“ an. Auf der Compilation finden sich auch Coverversionen von Künstlern wie Lionlimb, Blaenavon oder Real Estate-Bandleader Martin Courtney, die sich mal mehr (etwa Marissa Nadlers langsame, gespenstische Version von „Pitseleh“), mal weniger weit von den bekannten Originalen weg bewegen. Obendrein kommen erneut alle Erlöse den oben genannten Charity-Organisationen zugute. So oder so: eine runde Sache.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hooligans Gegen Satzbau – „Keine Angst“


Die Hooligans gegen Satzbau (#HoGeSatzbau) sind eigentlich als Netz-Aktivist(innen) bekannt, die sich seit einigen Jahren in den sozialen Medien gegen rechte und andere (Cov)Idioten einsetzen – man denke etwa an ihren humorig-augenzwinkernden Brief an Reichsschwurbler Attila Hit… ähm Hildmann. Jetzt macht die Anti-Nazi-Satire-Bande, deren oberstes Motto seit eh und je „Stets politisch, nie parteiisch.“ ist, auch Musik – und bekommt dabei nicht von ungefähr eine ganze Menge prominente Unterstützung.

Der vordergründige Zweck wird schnell klar: Anlässlich eines vollkommen irren Jahres 2020, das so ziemlich jede(n) von uns bereits in irgendeiner Weise bis an den Rand der Verzweiflung und Angst gebracht haben dürfte, möchten die „Hools“ den Menschen wieder etwas Mut zusprechen. Und haben sich dazu einiges an bemerkenswerter Unterstützung an Bord geholt.

In dem von Olli Bockmist (Band ohne Anspruch) produzierten „Power-Pop-Rock-Song“ der „Hools“ geben sich so einige aus Deutschrock- und Deutschpunk-Gefilden bekannte Künstler die musikalische Klinke in die Hand. Mit dabei sind: Jan Plewka (Selig), Vito C. (J.B.O.), Tiger Lilly Marleen (Bonsai Kitten), Max Buskohl, Band ohne Anspruch, Julia Gámez Martín (Suchtpotenzial), Eugen Balanskat (Die Skeptiker), Kai Lüftner, Bluthund, Banda Internationale und die älteste Newcomerband Deutschlands – Elfmorgen.

Zusätzlichen Support erhält der stilistisch recht breit aufgestellte Gute-Laune-Mutmache-Vierminüter im dazugehörigem Musikvideo unter anderem durch über 120 Fans der „Hools“: Farin Urlaub und Bela B. von Die Ärzte (Aus Berlin! Auuuus Berlin!), Klaas Heufer-Umlauf, Ole Plogstedt, Radikale Töchter, Uli Sailor (Tusq, Terrorgruppe), Stephan Anpalagan, Tom Laschyk (Volksverpetzer), Giulia Silberberger (Goldener Aluhut), Ali Can, u.v.a. 

„Wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass wir so viele tolle Leute, prominent oder unbekannt, für unsere Idee begeistern konnten, die uns dabei helfen, zu kaschieren, dass wir selbst gar nicht singen können“, feixen sich die „Hools“ ins Fäustchen. Am Ende – und da ist’s plötzlich recht egal, ob einem das entstandene Stück wirklich zu 100 Prozent zusagt – geht es nämlich um eine wirklich gute Sache: Der komplette Gewinn des Songs kommt „EXIT-Deutschland„, einem Aussteigerprogramm für Neonazis, zugute.

Veröffentlicht wurde das Stück über das Label Bockmist Räcordz und ist auf allen gängigen Musikportalen sowie exklusiv über die HoGeSatzbau (www.hogesatzbau.de/keineangst) und den Labelshop zu beziehen.

Rock and Roll.

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Songs des Tages: Eddie Vedder – „Matter Of Time“ + „Say Hi“


Zwar mögen auch bei Pearl Jam aktuell alle Tour-Pläne zum im März erschienenen Album „Gigaton“ auf Eis liegen (beziehungsweise zunächst auf 2021 verschoben sein). Untätig sind die US-Grunge-Rock-Veteranen aus Seattle jedoch keineswegs und halten sich derzeit – notgedrungen – mit anderen Projekten beschäftigt. So bringt Stone Gossard, die eine Gitarren-Hälfte der Band, in wenigen Tagen das selbstbetitelte Debütalbum seines Nebenprojektes Painted Shield raus, während sich etwa Mike McCready, die andere gitarrenschwingende Hälfte, in den vergangenen Monaten mit so einigen Jams an der Seite von Künstlerinnen wie Brandi Carlile sowie karitativen Beiträgen oder dem Protest für „Black Lives Matter“ die Langeweile vom Leib hielt.

Und Frontmann Eddie Vedder? Nun, der hat unlängst die beiden neuen Solo-Songs „Matter Of Time“ und „Say Hi“ veröffentlicht. Diese stellte er ihm Rahmen des „Venture Into Cures„-Livestreams vor, einer von Vedder und seiner Frau Jill unterstützten Benefiz-Veranstaltung für an Epidermolysis Bullosa erkrankte Kinder und ihre Familien. Organisiert wurde das Event, zu dem auch Musiker*innen, Schauspieler*innen und TV-Persönlichkeiten wie Billie Eilish, Alessia Cara, Bradley Cooper, Laura Dern oder Jimmy Kimmel ihren Teil beisteuerten, von der Non-Profit-Spenden-Organisation „EB Research Partnership“ (EBRP), die 2010 von Jill und Eddie Vedder sowie betroffenen Eltern gegründet wurde. Zusätzlich kamen Betroffene und Familien von Betroffenen zu Wort, die von ihrem Leben mit Epidermolysis Bullosa berichteten. Weltweit leiden etwa 500.000 Menschen an der Krankheit, für die es bisher weder eine Heilung noch eine Therapie gibt. „Ed und ich sind unglaublich dankbar für jede einzelne Person, die uns bei ‚Venture For Cures‘ unterstützt hat“, so Jill in einem offiziellen Statement, „EBRPs Mission ist es, eine Heilung für Epidermolysis Bullosa zu finden und dieses Event hilft uns dabei, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen.“

So handelt „Matter Of Time“ von der angeborenen Krankheit, die die Haut an vielen Stellen extrem empfindlich macht und große Schmerzen verursacht – die Erkrankten werden deshalb oft „Schmetterlingskinder“ genannt, weil sie so empfindlich sind wie ein Schmetterlingsflügel. „Say Hi“ dagegen handelt von Eli, einem Jungen mit Epidermolysis Bullosa, der zusammen mit Vedder im vergangenen Jahr um mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit warb – zu sehen im Clip weiter unten. Vedder hatte das Stück zwar schon öfter live performt, aber nie offiziell veröffentlicht. Beide Songs sollen nach ihrem digitalen Release im kommenden Jahr auch auf Seven-Inch erscheinen.

Rock and Roll.

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Eine gute Idee für den guten Zweck – Hi! Spencer veröffentlichen eine Akustik-EP


Schon lange eine gute Idee, nun kommt’s endlich: Hi! Spencer veröffentlichen mit „Bei den Hunden“ eine Akustik-EP und machen damit die intime(re) Interpretation ihres Sounds hörbar, die der gefühlvollen Musik der Osnabrücker Indiepunk-Band schon lange innewohnt. Fünf seiner Songs hat das Quintett um Frontmann Sven Bensmann neu aufgenommen und setzt sich damit gleichzeitig für einen wichtigen Zweck ein: Mit dem Erwerb der exklusiv im „Uncle M“-Shop als Pre-Order erhältlichen limitierten CD fordern Hi! Spencer ihre Fans gleichzeitig dazu auf, eine Spende an die zivile Seenotrettungsorganisation „Seebrücke“ zu entrichten – eine Aktion, die eigentlich ja immer und jederzeit, aber vielleicht, vielleicht ganz besonders jetzt nach den Bränden im Flüchtlingslager in Moria unheimlich wichtig ist.

Die Inspiration zu diesem Rahmen der EP kam Hi! Spencer, von denen auf ANEWFRIEND bereits im vergangenen Jahr, als ihr zweiter Langspieler „Nicht raus, aber weiter“ erschien, die Schreibe war, als sich Sven Bensmann (Gesang), Janis Petersmann (Gitarre), Malte Thiede (Gitarre, Gesang), Jan Niermann (Bass, Keyboard, Gesang) und Niklas Unnerstall (Schlagzeug) ihre eigenen Songs für das Projekt noch einmal unter die Lupe nahmen. „Durch die Akustikaufnahmen haben wir teilweise Jahre alte Songs neu aufgerollt,“ erzählt die Band. „Dabei sind wir über die Textzeile ‚Ich hab geschlafen bei den Hunden‘ aus dem Song ‚Trümmer‚ regelrecht gestolpert. Als der Song geschrieben wurde, war die Stelle eine Metapher für uns. Mit den Jahren als Band haben wir aber mit vielen wahnsinnig tollen Menschen zusammenarbeiten dürfen – darunter auch ‚Pfand gehört daneben‚, eine Organisation, die den Blick auf Obdachlosigkeit schärft. Hören wir die Zeile jetzt, sehen wir darin Menschen, für die der Satz keine Metapher, sondern vielmehr Realität ist. Mit unserer EP Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Sensibilität für diese Menschen herstellen zu können – das wäre großartig.“

Dass die Songs von Hi! Spencer so nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch immer wieder neue Facetten offenlegen können, belegt „Bei den Hunden“ so deutlich wie noch nie. Eine Handvoll Songs aus dem Backkatalog hat die Band hierfür komplett neu arrangiert. In der besonderen Studioatmosphäre und mit wohligen Pianoklängen entfalten alle Stücke eine ganz andere Wirkung, die Hi! Spencer – im besten Fall, in den tollsten Momenten – ganz neu erfindet, ohne je den Pop-Appeal außer Acht zu lassen und ohne so ganz die rauen Wurzeln der Band zu vergessen. Und ebenso viel Liebe wurde auch in Design und Aufmachung des Projekts gesteckt. So zeichnet sich Lucas Meyer für das Artwork verantwortlich, der schon für Bands wie Heisskalt und Fjørt gearbeitet hat. Die CD kommt außerdem in einer direkt bei Homesick Merch per Siebdruck gedruckten Naturpapier-Klapptasche daher, die nicht nur für eine besondere Optik sorgt, sondern obendrein ganz ohne Plastik auskommt. Heraus kommt: eine rundum gelungene Sache – in Bild, Ton und Zweck. 👍

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Rock and Roll.

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Sunday Listen: KID DAD – „In A Box“


Ist die Box dein Gefängnis oder dein Versteck? Wirst du klaustrophobisch, wenn du daran denkst, wie du in einer geräuschlosen, regellosen, dunklen Box sitzt oder wünscht du dir vielleicht sogar, an genau so einem Ort zu sein?

Das ewige Mindfuck-Gedankenexperiment um Schrödingers Katze – lebt sie noch oder ruht sie bereits in aeternum ihre Äuglein aus? – beschäftigt nach wie vor und dient als vielfältiger Quell der Inspiration – man denke nur an den jüngsten Netflix-Serien-Hit „DARK„. KID DAD vertonen das Paradoxon auf Albumlänge – für ein Langspieldebüt gleichermaßen mutig wie faszinierend. Das noch junge Paderborner Quartett, ursprünglich 2016 als Grunge-Band gestartet, ist nach seiner vor drei Jahren veröffentlichten „Disorder„-Debüt-EP mittlerweile in den verschiedensten Alternative- und Rock-Gefilden verhaftet und lässt eine Pluralität packender wie abwechslungsreicher Einflüsse von Punk über Prog bis Post-Hardcore zu. Das im August erschienene „In A Box“ versucht nun aus der Katzenschachtel auszubrechen…

„Mir wird schnell langweilig, deshalb ist es mir auch so wichtig, ein abwechslungsreiches Album rauszubringen.“ (Marius Vieth)

Lineare Arbeitsweisen werden ohnehin meist überbewertet, das zeigt bereits das eröffnende „A Prison Unseen“. Hier kommen zwei Ideen zusammen, die lange Zeit unvollendet geblieben waren – das gewisse Etwas fehlte – und sich nun nahezu perfekt ergänzen. Zwischen funkelnder, fieberhafter Aufbruchsstimmung im Refrain und emotional aufgeladener Fragilität in den Strophen ergibt sich ein spannender, mitreißender Spagat – wie gemacht für Sänger und Gitarrist Marius Vieth, um sich bereits im Einstieg in Szene zu setzen. Die Bridge erinnert ein wenig an die verträumten Klänge Alt-Js, der Refrain ähnelt den Anfängen der Blackout Problems. Auch textlich und visuell ist es ein Leichtes, sich in den Song fallen zu lassen. So zeigt das dazugehörige ausdrucksstarke Musikvideo, wie der Protagonist allmählich die Kontrolle über sich selbst verliert.

Happy“ arbeitet ebenfalls mit gekonnter Laut-Leise-Dynamik, nur wohl noch direkter und kompromissloser. So springt einem der Refrain mit seinem zügellosen Auftreten zwischen Punk und Grunge in bester Royal Blood-Manier arschlings ins Gesicht – eine Art „Song 2“ mit zusätzlichen Kanten, ein feiner Kontrast zwischen Einlullen und unbarmherzigem Hallo-Wach-Ruf.

Es geht auch ohne große Explosion, wie unter anderem „The Wish Of Being Alone“ zeigt. Über weite Strecken mäandern KID DAD in der endlosen Suche nach dem großen Aha-Effekt, docken kurzzeitig an Post-Rock-artige Aufbauten an – eine kleine, dramaturgisch wertvolle Explosion darf nicht fehlen – und finden doch wieder zurück zum reduzierten Glück. Der eigentümliche Rhythmus von „Your Alien“ beantwortet Fragen, die sich niemand zu stellen traut, während „[I Wish I Was] On Fire“ abermals geschickte Spannungsbögen zwischen noisiger Breitseite und softem Anschmiegen klöppelt. In „Limbo“ oder dem melancholischen „Window“ finden schließlich beißende Härte und vertraute Blackmail-Einflüsse in poppigen Auslegern zusammen. Das austarierte Spiel mit den Gegensätzen zählt zu den Höhepunkten dieses Debüts.

Wiederholt um mehrere Ecken gedacht und dabei doch auf sympathische Weise sortiert: KID DAD, die über die Jahre bereits als Support für verschiedenste Kapellen von Taking Back Sunday über Sorority Noise, And So I Watch You From Afar, Samian oder Blackout Problems einiges an Bühnenerfahrung sammeln durften, verstehen den Wert präziser, wechselhafter Songaufbauten auf beeindruckende, durchaus atemberaubende Weise. Jeder Song ist klar strukturiert und doch gewissermaßen unvorhersehbar, weil die Paderborner kleine Überraschungen, unorthodoxe Widerhäkchen und emotionale Schwerlast gekonnt miteinander zu verbinden wissen. „In A Box“, dessen Grundkonstrukt auf Vieths Reisen durch China, England und die Schweiz entstand, tönt somit passenderweise wie ein Widerspruch in sich und löst sich, im Gegensatz zur berühmten Katze, in begeisterndem Wohlgefallen auf. Ein Einstand wie ein Wohlfühlschlag in die Magengrube. Eine emotionale Achterbahnfahrt mit Höhen, Tiefen und Loopings. Freunde von gepflegtem Indie Rock mit dezent pompöser Note und ohne Scheu vor poppigen Saitenhieben dürfen hier ebenso zugreifen wie all jene, bei denen bereits Blackmail, Placebo, The Pixies, Blackout Problems oder Ghost Of Tom Joad (was vermisse ich diese Band!) im Plattenregal stehen. Absolut nachvollziehbar, dass man da auch außerhalb der deutschen Landesgrenzen (etwa bei den Kollegen von „Kerrang!“ oder beim „Discovered Magazine„) bereits hellhörig wurde.

KID DAD, zu denen neben Marius Vieth noch Joshua Meinert (Gitarre), Max Zdunek (Bass) und Michael Reihle (Schlagzeug) gehören, sind – je nachdem, wie man es sehen möchte – überzeugte DIY’ler oder Kontrollfreaks, denn vom Artwork über die Musikvideos entstand hier nahezu alles in Eigenregie. Was läge also näher, als mal eben noch kurz zu versuchen, die Welt retten? Mit ihrem Song „Limbo“ hat das westfälische Vierergespann nämlich auch eine ebenso lobens- wie unterstützenswerte Charity-Aktion ins Leben gerufen: Mit „SAFE IN A BOX“ sammelt die Band Geld für die Arbeit von SOS Kinderdorf e.V. sowie der NSPCC aus England. Beide Organisationen helfen Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Mehr Informationen dazu gibt es unter kid-dad.com/safeinabox. Feine Sache!

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Mynabirds – „Glory Box“


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Für die ganz große Bühne mag es für Laura Burhenn bislang zwar nicht gereicht haben, im Indie-Bereich ist die Dame jedoch keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. So ist die in Los Angeles lebende Singer/Songwriterin, Musikerin und Aktivistin seit etwa zehn Jahren das kreative Mastermind hinter The Mynabirds, einer Band, die mit „What We Lose In The Fire We Gain In The Flood„, „Generals„, „Lovers Know“ und zuletzt „Be Here Now“ zwischen 2010 und 2017 vier von Kritikern gefeierte und stilistisch recht unterschiedliche Alben beim seit eh und je über jeglichen qualitativen Zweifel erhabenen US-Indie-Label Saddle Creek veröffentlicht hat. Davor bildete Burhenn gemeinsam mit John Davis (Q and Not U) das recht kurzlebige Indiepop-Duo Georgie James, veröffentlichte zwei selbstproduzierte Soloalben über das von ihr gegründete Label Laboratory Records und sammelte als Tournee-Mitglied bei den von Kritikern gelobten und kommerziell erfolgreichen Indie-Acts The Postal Service und Bright Eyes so einiges an Bühnenerfahrung. War’s das mit der Umtriebigkeit? Keineswegs, denn Laura Burhenn half vor einigen Jahren außerdem, „Omaha Girls Rock“ zu gründen, eine gemeinnützige Organisation, die es jungen Mädchen ermöglicht, ihre kreative Stimme zu finden. Und sie hielt 2013 einen TED-Vortrag, in dem sie sich ihrem Fotoprojekt „New Revolutionists“ widmete, welches wiederum der Frage nachging, was es bedeutet, in der heutigen Zeit eine revolutionäre Frau zu sein. Nein, Stillstand mag nicht Laura Burhenns Ding sein…

artworks-000593855958-tuvy72-t500x500Interessanterweise könnte man hier Parallelen zu einer anderen Großen im Indie-Kosmos ziehen: Beth Gibbons. Musikconnaisseure wissen freilich: bei ihr handelt es sich um die Stimme der legendären britischen TripHop-Band Portishead, deren Debütalbum „Dummy“ 2019 ein frisches Vierteljahrhundert feiern durfte, und auch für Burhenn sehr einflussreich war, wie sie selbst zugibt: „‚Dummy‘ war meine Lieblingsplatte zum Rummachen in der Highschool und gehört zu meinen ständigen Top Ten“, so Laura Burhenn in einer Pressemitteilung. Als kleinen, ehrfurchtsvollen Knicks vor „Dummy“ veröffentlichte die Mynabirds-Frontfrau daher im vergangenen Jahr eine von Patrick Damphier produzierte Coverversion des Portishead-Evergreens „Glory Box„, die den bedächtig knisternden, geradezu schwülen und von trotzigem Feminismus geprägten Charakter des Originals zwar beibehält, aber gleichzeitig eine subtile, fast schon oldschoolige Country-Atmosphäre vermittelt. „Unglaublich, wie Beth Gibbons diese feministische Hymne in meinem Teenager-Hirn verankert hat – dieser Song hat bei mir vieles neu justiert“, meint Burhenn. Ohne Zweifel: durch #MeToo und immer dann, wenn die Rechte der Frauen beschnitten werden, bekommen der Song und seine Refrain-Zeile „I just want to be a woman“ – 25 Lenze auf dem musikalischen Buckel hin oder her – mehr Gewicht denn je…

Übrigens wurde der Cover-Song über „Our Secret Handshake“ veröffentlicht, ein von Frauen geführtes, frauenorientiertes Kollektiv für kreative Strategien, das Laura Burhenn – Sie ahnen es bereits – im Jahr 2018 mitbegründete. Und: ein Teil der Einnahmen aus der Single kam/kommt dem „Omaha Girls Rock“ zugute. Thumbs up!

 

 

„I’m so tired of playing
Playin‘ with this bow and arrow
I gonna give my heart away
Leave it to the other girls to play
For I’ve been a temptress too long

Just give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

From this time unchained
We’re all lookin‘ at a different picture
Through this new frame of mind
A thousand flowers could bloom
Move over and give us some room, yeah

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

So don’t you stop, being a man
Just take a little look
From our side when you can
Show a little tenderness
No matter if you cry

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman
Cause it’s all I wanna be is all a woman, yeah

For this is the beginning of forever and ever
It’s time to move over
So tired of playing

So tired of playing
Playin‘ with this bow and arrow
I gonna give my heart away
Leave it to the other girls, to play
For I’ve been a temptress too long

Just give me a reason to love you
Give me a reason to be“

 

Rock and Roll.

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