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Song des Tages: BRUTUS – „Cemetery“ (live in Ghent)


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Gute Nachrichten von Belgiens zweifellos bester Krawall-Band: BRUTUS haben mit einem Mitschnitt von „Cemetery“ ihr Livealbum „Live in Ghent“ angekündigt. Nachdem Stefanie Mannaerts, Peter Mulders und Stijn Vanhoegaerden – wie so viele andere Bands und Künstler auch – ihre Tourpläne für das laufende Jahr aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen verwerfen mussten, konserviert das belgische Post Hardcore-Metal-Trio mit seiner im Mai 2019 aufgenommenen Show in der Handelsbeurs-Halle in Ghent ihre konzentrierte Live-Atmosphäre auch für die Zeit während des Konzertstopps.

7019@400Nach „Fire“ und „Sugar Dragon„, die BRUTUS‘ Live-Präsenz mal von immersiver Atmosphäre, mal von entfesselten Russian Circles-Gitarren und dem heiseren Keifen von Sängerin und Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts dominiert zeigten, ist „Cemetery“ bereits die dritte geteilte Aufnahme aus dem nun für den 23. Oktober angekündigten Livealbum, welches 13 Songs aus ihren beiden Alben „Burst“ und „Nest“ versammelt.

„Als die Welt da draußen Anfang März in den Lockdown ging, konnten wir ein Jahr Live-Musik sich vor unseren Augen in Luft auflösen sehen“, erklärt Mannaerts. „Auf Tour gehen, Festivals spielen, Bands anschauen, das alles war mit einem Mal weg. Das war schwer für uns, es war schwer für alle, die mit Live-Musik zu tun haben. Als Gegenmaßnahme nahmen wir uns etwas Zeit, auf unsere bisherige Arbeit zurückzuschauen und haben Material von alten Shows zusammengetragen. Das war schmerzhaft und heilsam zugleich. Dann stolperten wir über unsere Show im Handelsbeurs in Ghent vom Mai 2019. Ein Konzert in unserer Heimatstadt, das wir vor unseren Freunden und Verwandten komplett auf Film festhielten, nachdem wir von einer langen Zeit auf Tour zurückgekommen waren. Wir wissen, dass es nur eine Aufnahme ist und nicht einmal ansatzweise an das echte Gefühl rankommt, das wir auf der Bühne hatten, oder an die Energie, die uns Menge im Raum zurückgab, aber beinahe ein Jahr später sind wir absolut stolz auf diese Show, wenn wir zurückblicken.“

Zum nostalgischen Hintergrund des Albums passt auch das Cover-Artwork von „Live in Ghent“, das den Stiefsohn von Bassist Peter Mulders beim Verfassen einer Setlist für die aufgezeichnete Show zeigt. Und so ganz müssen übrigens aktuell weder BRUTUS noch ihre Fans auf Live-Erlebnisse vor der Bühne verzichten, denn diesen Monat wagte sich die Band als eine der ersten an erste Konzerte in pandemiekonformer Konzeption, die vor einem sitzenden Publikum à 400 und 100 Besuchern in den belgischen Städten Antwerpen und Oostende stattfinden konnten…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Bang Bang Romeo – „The Show Must Go On“ (live at Sofar London)


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Hiermit gebe ich mal folgenden Tipp ab: In den Heavy-Rotation-Playlisten der güldenen Radio-Rubrik „Der neuste heiße Newcomersenkrechtstarterscheiß“ dürfte sich wohl bald eine Band wiederfinden, die auf den Namen Bang Bang Romeo hört.

7171ALfTVML._SS500_Dahinter verstecken sich Sängerin Anastasia „Stars“ Walker, Gitarrist Ross Cameron und Schlagzeuger Richard Gartland, die bereits seit mehr als acht Jahren gemeinsam an ihrem Durchbruch arbeiten. Erste größere Aufmerksamkeit erregte das Trio aus dem englischen Doncaster, South Yorkshire, mit der Veröffentlichung ihrer „Shame On You EP“ sowie wenig später mit ihrem Auftritt auf der Hauptbühne des renommierten Isle Of Wight Festival im Juni 2018, bei dem sie mit ihrer Mischung aus Glam-Rock-Energie und Indie-Disco-Soul-Pop-Fulminanz einen Großteil des anwesenden Publikums umgehend mitrissen und auch im Nachhinein für die ein oder andere offene Kinnlade sorgten.

Und auch das am vergangenen Freitag erschienene Debütalbum „A Heartbreaker’s Guide To The Galaxy“, das die Band in Birmingham, New York und Los Angeles aufnahm, bevor es von Grammy-Preisträger Mark Needham (unter anderem „Wicked Game“ von Chris Isaak sowie „Hot Fuss“ von The Killers) gemixt wurde, lässt kaum Zweifel an den großen Ambitionen von Bang Bang Romeo zu. Für kleine Brötchen sind allein schon die Referenzen zu groß, immerhin wird Frontfrau Anastasia „Stars“ Walker oft genug als ein – da hört her! – „Mix aus Adele und Beth Ditto“ beschrieben (anderswo fallen noch die Namen weiterer üblich-verdächtiger großer Stimmen wie Stevie Nicks oder Florence Welch). Und obwohl Parallelen allein schon aufgrund ihres Körpervolumens und – vor allem im Vergleich mit der Gossip-Stilikone – ihres Outfits kaum von der Hand zu weisen sind, fühlt sich die Newcomer-Stimme natürlich geschmeichelt: „Ich weiß nicht, warum sie mich mit denen vergleichen. Ich mag es aber, denn ich bin ein großer Fan von Ditto und Adele, was die Inspiration angeht. Und gut, ich meine, wir sind beide füllige Mädchen, wir beide singen Rock. Sie sind beide so heftig in der Branche, dass es mich freut, mit ihnen verglichen zu werden.“

bang-bang-romeo-700x700Eine weitere Nahtstelle zu Beth Ditto dürfte Walkers Engagement für die LGBTQ-Bewegung sein – aus recht naheliegenden Gründen, wie sie vor einigen Monaten im Zuge der Veröffentlichung der Bang Bang Romeo-Coverversion des Neunzigerjahre-4 Non Blondes-Evergreens „What’s Up?“ erklärte: „Es ist 2019 und ich lebe als offen lesbische Frau in einer Welt, in der ich in einigen Ländern Gefängnis, menschenunwürdige Behandlung oder sogar den Tod zu fürchten habe. Es ist ZWEITAUSENDUNDNEUNZEHN. Linda Perry schrieb dieses Lied 1992 und fragte schon damals, ‚What’s Going On?!‘. Wir haben dieses Lied mit ihrem Segen gecovert, denn 25 Jahre später sitze ich hier und stelle mir immer noch die selbe verdammte Frage. An meine LGBTQ-Familie und meine starken Schwestern: der Song hier ist für euch!“ Dementsprechend klar fällt auch ihre Botschaft an alle gestrigen Engstirnträger aus: „Ganz einfach: sei kein Arschloch. Es ist egal, wen wir lieben. Wenn du glücklich bist, ist das doch das Einzige, was zählt. Wir vergessen viel zu oft, dass sich das Glück aus so vielen verschiedenen Faktoren zusammensetzt.“

Gut möglich also, dass Bang Bang Romeo mit Songs wie „Shame On You„, „Bag Of Bones„, „Cemetery„, „Johannesburg“ oder „Chemical„, bei denen britisch geprägter Stadionrock der eingängigsten und bubblegummigsten Sorte (der sich allerdings auch nicht davor ziert, auf die allabendliche Las Vegas-Revue der Killers zu schielen) auf Themen wie Weiblichkeit, Body Positivity oder Sexualität trifft, bald in steter Regelmäßigkeit in der „Das Beste von heute!“-Rubrik des Radiosenders eures Vertrauens laufen. Topp, die Wette gilt!

 

Adele, Beth Ditto, Linda Perry, an anderer Stelle auch Marie Fredriksson (Bang Bang Romeo haben es sich nicht nehmen lassen, den Roxette-Neunziger-Guilty-Pleasure-Song „The Look“ live in bester Mitklatschversion ins 21. Jahrhundert zu überführen)… – Anastasia „Stars“ Walker und ihre Jungs schrecken keineswegs vor großen Namen (und noch größeren Stimmen) zurück. Das beweist auch die Version des Queen-Gassenhauers „The Show Musst Go On„, den die britische Newcomer-Band 2018 bei Sofar London zum Besten gab:

 

Mehr Wissenswertes über die liebsten Songs der Band erfährt man übrigens hier

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Brutus – „War“ (live at Rain City)


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Wir erinnern uns zwei Jahre zurück, als BRUTUS mit ihrem Debütwerk „Burst“ lautstark von sich hören machten. Am Ende des Musikjahres stand ebenjene Platte in den ANEWFRIEND’schen Top 5, und mir blieb nur festzustellen: „Besser, effektiver, überraschender und ungewöhnlicher durchgerockt als das Trio aus dem belgischen Leuven hat mich 2017 keine Band.“

Seitdem sind einige Monate ins Land gezogen, in denen Stefanie Mannaerts (Schlagzeug, Gesang), Stijn Vanhoegaerden (Gitarre) und Peter Mulders (Bass) keinesfalls auf der faulen belgischen Haut lagen. Nachdem das Trio ihr Debüt ausreichend betourt hatte, setzte man sich zusammen, um an neuen Songs zu werkeln. Als die Soundgerüste fürs neue Album schließlich standen, setzten sich Mannaerts und ihre Jungs in den Flieger ins kanadische Vancouver, um dort – wie schon „Burst“ – gemeinsam mit Produzent Jesse Gander ihre neusten brachialen Songbrocken einzuspielen.

5060626460362Die beste Nachricht: auch mit und auf den elf neuen Stücken von „Nest“ bleibt das Trio seinem recht einzigartigen Mix aus Elementen aus Postrock, Shoegaze, Indie, Punk bis hin zu Post-Hardcore und sinistren Black-Metal-Einschüben treu. Mehr noch: viele der frischen Songs, deren einmal mehr kryptische Texte sich um Themen wie Intimität und Vertrauen beziehungsweise deren Verlust im Kontext von Familie drehen, kommen weniger verkopft und „freier von der Leber“ eingespielt daher. Man höre nur den knapp vierminütigen Holterdiepolter-Smasher „Cemetery„, oder etwa das unfassbar großartige „War“, welches bedrohlich ruhig einläuft, bevor Mannaerts, Vanhoegaerden und Mulders es mit einem derart derben Trash-Metal-Part windelweich prügeln, dass es kaum verwunderlich scheint, dass ausgerechnet Metallica-Schlagwerker Lars Ulrich zu den prominentesten Fans der Band zählt. Möchte man denn unbedingt neue Nuancen in den elf neusten BRUTUS’schen Klangorkanen aus (oft genug zeitgleicher) Euphorie, Sehnsucht, Trauer, Zorn und Wut ausmachen, so mögen diese wohl darin liegen, dass die Band ihren Sound nun größer auffächert, während anderswo offene Erstlingsversprechen eingelöst werden und vor allem Stefanie Mannaerts sich (nebst ihrem erneut unfassbar tollen Drumming!) nun gesanglich noch mehr nach vorn wagt.

Einmal mehr: großartig-geile Scheiße mit Potential zum Grower bis zum Ende des Musikjahres sowie für den ein oder anderen spontan verrenkten Halswirbel. BRUTUS liefern einen amtlichen Nachfolger, der dem Debütwerk „Burst“ in nichts nachsteht. Nuff said. Hörbefehl 2.0.

 

 

Via Bandcamp kann man sich „Nest“ zu Gemüte führen…

 

…und hier ein ausführliches Interview mit der Band lesen.

 

Rock and Roll.

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