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Song des Tages: Red Hot Chili Peppers – „Black Summer“


Foto: Promo / Clara Balzary

Nach einigen kleinen Andeutungen hat die Funk-Rock-Institution Red Hot Chili Peppers ihre neue Single „Black Summer“ enthüllt – endlich, möchte man meinen, schließlich ist der Opener nicht nur die erste Auskopplung aus dem ebenfalls heute angekündigten neuen Album „Unlimited Love„, sondern auch der erste gemeinsame Song mit Gitarrist und Co-Sänger John Frusciante seit immerhin 16 Jahren.

Wie die Band auf ihrem zwölften Studioalbum von Frusciante, der nach mehrjähriger Pause, während derer er von Josh Klinghoffer ersetzt wurde, 2019 wieder zurück zu den Chili Peppers gefunden hatte, profitiert, deutet der neue Song bereits an: ordentlich Drive, Rhythmik, Laut-Leise-Dynamik und das ein oder andere komplexe Solo – auf „Black Summer“ erinnert die Band mit ihrem alten Gitarristen wieder an Erfolgsalben wie „Californication“ (1999) oder „By The Way“ (2002) – wenn auch etwas gediegener. Auf „Unlimited Love“ kehrt übrigens auch Rick Rubin (Beastie Boys, Slayer, Johnny Cash) zurück, der – ausgenommen „The Getaway“ (2016) – alle Alben seit dem 1991er Durchbruchswerk „Blood Sugar Sex Magik“ produzierte. 

Mit dieser ersten – auch visuell – ausufernden Auskopplung unterstreicht die Band aus Los Angeles auch ihre eigenen Ambitionen für die dazugehörige kommende Platte: „Unser einziges Ziel ist es, uns in der Musik zu verlieren“, erklärten die Red Hot Chili Peppers in ihrem offiziellen Statement. „Wir (John, Anthony, Chad und Flea) haben gemeinsam und einzeln Tausende von Stunden damit verbracht, unser Handwerk zu verfeinern und füreinander da zu sein, um das beste Album zu machen, das wir machen konnten. Unsere Antennen waren auf den göttlichen Kosmos ausgerichtet, und wir waren einfach so verdammt dankbar für die Gelegenheit, zusammen in einem Raum zu sein und wieder einmal zu versuchen, besser zu werden. Tage, Wochen und Monate verbrachten wir damit, einander zuzuhören, zu komponieren, frei zu jammen und die Früchte dieser Jams mit großer Sorgfalt und Absicht zu arrangieren. Die Klänge, Rhythmen, Schwingungen, Worte und Melodien haben uns in ihren Bann gezogen.“ 

Weiterhin soll laut Rückkehrer Frusciante das Album von Leuten wie „Johnny ‚Guitar‘ Watson, The Kinks, The New York Dolls, Richard Barrett“ und weiteren inspiriert sein. „Das Gefühl des mühelosen Spaßes, den wir hatten, wenn wir Songs von anderen Leuten spielten, blieb uns die ganze Zeit über erhalten, als wir es schrieben. Für mich repräsentiert diese Platte unsere Liebe zueinander und unser Vertrauen ineinander“, führte der 51-jährige Saitenschwinger aus.

Der Nachfolger von „The Getaway“ wird ganze 17 Songs enthalten und am 1. April erscheinen. Im kommenden Sommer gehen die vier Kalifornier mit der neuen Platte dann – hoffentlich – auch auf Tour. Dafür kommen Anthony Kiedis, Flea, John Frusciante und Chad Smith für zwei Termine nach Deutschland.

Rock and Roll.

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Vor zwanzig Jahren…


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Gemälde: Chad Patterson

Californication„, das siebente Studiowerk der Red Hot Chili Peppers, erschien – auf den Tag genau – gestern vor zwanzig Jahren (also am 7. Juni 1999). Mir kommt’s wie eine gefühlte Ewigkeit vor, und trotzdem verbinde ich viel Inniges, massig Prägendes mit diesem Meisterwerk von Langspieler. Hier die Worte, welche mir spontan – und in einem fixen Facebook-Post – in die Tastatur flossen:

Alter, 20 Jahre… Zwanzig. ZWANZIG! Eine ganze Adoleszenz ist das her!
Damals an Tag 1 nach dem Schulbesuch im lokalen Expert-Elektrofachmarkt – sächsische Provinz zwar, aber den hatten wir zumindest! – käuflich erstanden, berauscht durch die Comeback-Vorabsingle „Scar Tissue“ – und seitdem ohne Umschweife immer wieder neu in John Frusciantes Gitarrenspiel verliebt. „Califonication“ bleibt auch zwei Dekaden nach Erscheinen ein formvollendetes, mit etlichen feinen Details versehenes – und doch recht pures, mit wenig Effekten versehenes – Meisterwerk mit Melodien für gleich etliche Trips ins  Nirwana. Von „Around The World“ bis „Road Trippin‘“ – all killer, (almost) no filler. Wie schade ist’s daher, dass Frusciante von Bord der MS Chili Pepper gegangen ist, die Gitarre, deren Saiten er wie kein anderer mit Seele zu füttern vermag, beiseite gestellt hat – und sich nun verqueren elektronischen Experimenten stellt. (Eine Schande! Ein Frevel! Als hätte Leonardo Da Vinci sich irgendwann als Stuhl-Designer für IKEA beworben!) Ohne ihn – und mit seinem früheren Adlatus John Klinghoffer an der Gitarre – mögen die Chili-Schoten um Anthony Kiedis, Flea und Chad Smith zwar noch ähnliche Musik zustande bringen – aber irgendwie ist’s nix Halbes, nix Ganzes mehr, denn ein Unikum wie Frusciante ersetzt nicht mal der talentierteste Saitenberserker (oder -schamane)…
*hach* Zwanzig Jahre, zwei Dekaden! Kaum zu glauben. Mit einer nostalgischen Träne im AUX-Eingang, und noch immer voll der Bewunderung, wieviel Zauber doch einer knappen Stunde Rockmusik innezuwohnen vermag (sowie wohl noch zig weiteren Anekdoten, die ich hierzu erzählen könnte) verbleibe ich…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gregory Alan Isakov – „If I Go, I’m Goin'“


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Manchmal wirkt ein Song, als hätte ihn der Künstler exakt für diesen einen Moment, exakt für diese eine Serienszene geschrieben. So zumindest hat es sich im Fall von Gregory Alan Isakovs America-Rührstück „If I Go, I’m Goin'“ angefühlt, welches in den letzten Minuten der ersten Staffel der neuen Netflix-Serie „The Haunting of Hill House“ lief. Das Spukhaus, das der (im Übrigen gar nicht mal gruseligen, jedoch toll erzählten) Streamanbieter-Eigenproduktion seinen Namen gibt, die Geschichte der darin (mal mehr, mal weniger) anwesenden Familie Crain – all dies kulminiert schlussendlich in den Zeilen „This house / She’s quite the talker / She creaks and moans / She keeps me up“.

51KBP5t9qOLDennoch hat Gregory Alan Isakov den Song keineswegs für die Serie geschrieben (und auch nicht für „Californication“, wo es bereits vor einigen Jahren – in Staffel vier – lief), sondern für sein 2009 erschienenes (viertes) Album „This Empty Northern Hemisphere„. Und überhaupt scheint der hierzulande relativ unbekannte Americana-Singer/Songwriter, der vor 39 Jahren im südafrikanischen Johannesburg das Licht der Welt erblickte, im US-amerikanischen Philadelphia aufwuchs und mittlerweile im ländlichen Colorado zu Hause ist, wo er – wohl ganz entspannt – auf der eigenen Farm Gemüse und medizinisches Cannabis anbaut, auf Serien abonniert zu sein, immerhin dienten seine Songs bereits als Hintergrunduntermalung – nebst den bereits erwähnten „The Haunting of Hill House“ und Californication“ – bei „Suites“, „The Blacklist“ oder „Girls“. Mal schauen, in welchen melancholischen Szenerien wir über kurz oder lang sicherlich das ein oder andere Stück des im Oktober veröffentlichten siebenten Albums „Evening Machines“ wiederentdecken dürfen…

 

 

 

„This house
She’s holding secrets
I got my change behind the bed

In a coffee can
I throw my nickels in
Just in case I have to leave

And I will go if you ask me to
I will stay if you dare
And if I go, I’m goin‘ shameless
I’ll let my hunger take me there

This house
She’s quite the talker
She creaks and moans
She keeps me up

And the photographs
Know I’m a liar
They just laugh as I burn her down

And I will go if you ask me to
I will stay if you dare
And if I go, I’m goin‘ on fire
Let my anger take me there

The shingles, man, they’re shaking
The back door’s burning through
This old house she’s quite the keeper
Quite the keeper of you

I will go if you ask me to
I will stay if you dare
And if I go, I’m goin‘ crazy
I’ll let my darlin‘ take me there“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Spoon – „I Ain’t The One“


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Okay, auf Albumlänge werden die Herren von Spoon und meine Wenigkeit auch im neunten Anlauf keine besten Freunde. Dafür ist von den Songs des im März erschienenen aktuellen Albums „Hot Thoughts“ einfach zu wenig in meinen Gehörgängen hängen geblieben…

MI0004204891Was nicht heißen mag, dass Frontmann Britt Daniel und seine drei Bandbuddies schlechte Musik machen. Arne Willander vom deutschen „Rolling Stone“ – etwa beschrieb „Hot Thoughts“ in seiner Review als „ein zugleich transparentes und dichtes, ausuferndes und konzentriertes, schwelgerisches und präzises Wunderwerk von flirrenden Arrangements, Keyboards als Streichern und krachendem Schlagzeug, Hall und elektronischen Verzerrungen, Orgeln, Chören und jäh zupackendem Funk“ und vergab stolze 4,5 von 6 Bewertungspunkten. Trotz alledem rauscht auch dieses Werk der seit 1993 bestehenden Indierocker aus Austin, Texas zwar gut, jedoch auch verdammt rückstandslos durch, ohne viel Spuren zu hinterlassen. Einzige Ausnahmen bleiben der eröffnende Titelsong. Und das großartige „I Ain’t The One“.

Dabei war es gerade dieses Stück, dass Spoon weit vor Albumveröffentlichung als ersten Appetitanreger präsentierten: Im Dezember 2016 kam „I Ain’t The One“ exklusiv und relativ überraschend in einer der Episoden (wer’s genau wissen mag: es war Episode 7) der siebenten Staffel der US-Drama/Comedy-Erfolgsserie „Shameless“ zum Einsatz – und versprach mit seinen zunächst einsamen Keyboard-Linien, welche irgendwann Unterstützung von Druck machenden Schlagzeugbeats und Britt Daniels insomnatischem Textzeilen erhalten, Großes für das neue Album. Dass Spoon – zumindest für mich – diese Messlatte auf „Hot Thoughts“ reißen, macht jedoch rein gar nichts. Der Song bleibt toll.

 

In Ermangelung eines offiziellen Musikvideos hier ein Fan Edit mit Szenen aus der bereits 2014 zu Ende gegangenen US-Serie „Californication“ (noch so einer meiner Favoriten der letzen Jahre):

 

EDITH (05. Oktober 2017): Spion haben sich glücklicherweise nun doch erbarmt, dem Song ein offizielles Musikvideo zu spendieren. Passend zu dem reduzierten, von einer Klaviermelodie getragenen Track gibt sich der zugehörige Clip ebenso minimalistisch. In diesem performt die Indierock-Band den Song in Schatten gehüllt und von kaltem, blauen Licht bestrahlt und erzeugt damit eine geheimnisvolle Atmosphäre:

 

„When the moon is rising and looking on me
When the night comes knocking, knocking on me
I say, I ain’t the one
I say, I ain’t the one
I ain’t the one that you looking for now

When the man comes asking and looking for me
When the law comes knocking, knocking on me
I ain’t the one (ah, ah)
No, I ain’t the one
I ain’t the one that you’re looking for now
Yeah, I ain’t the one
I ain’t the one
So now I’m leaving you all behind me

Hey, ha ha
Uh uh uh

When the world comes crashing, crumbling on me
When the day comes knocking, knocking on me
I say, I ain’t the one
I ain’t the one
Hey, ha ha
Hey, ha ha
I ain’t the one, I ain’t the one
So now I’m leaving you all behind me

Hey, ha ha
Hey, oh oh

‚Bout to fly“

 

Rock and Roll.

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Give It Away – die Red Hot Chili Peppers live in Wales, 2004 – als kostenloser Download


INDIO, CA - APRIL 28:  Musicians Flea (L) and John Frusciante from the band "Red Hot Chili Peppers" perform during day 2 of the Coachella Music Festival held at the Empire Polo Field on April 28, 2007 in Indio, California.  (Photo by Kevin Winter/Getty Images) *** Local Caption *** Flea;John Frusciante

INDIO, CA – APRIL 28: Musicians Flea (l.) and John Frusciante from the band Red Hot Chili Peppers perform during day 2 of the Coachella Music Festival held at the Empire Polo Field on April 28, 2007 in Indio, California. (Photo by Kevin Winter/Getty Images)

Was treiben eigentlich die Red Hot Chili Peppers gerade? Werkeln die nun gerade an Album No. 11 oder nicht? Überhaupt hat sich die kalifornische Rockband in den letzten Jahren recht rar gemacht, immerhin liegt das letzte Studiowerk „I’m With You“ schon beinahe satte vier Jahre zurück…

Am mangelnden Erfolg von „I’m With You“ und dessen Vorgänger, dem (über-)ambitionierten Doppelalbum „Stadium Arcadium“ (2006 erschienen), kann’s sicherlich nicht gelegen haben. Dann schon eher an den Nebenaktivitäten der Bandmitglieder (so heuerte Bassist Flea unter anderem kurzzeitig bei dem von Radiohead-Fronter Thom Yorke ins Leben gerufenen All-Star-Bandprojekt Atoms For Peace an, liegt aktuell jedoch mit einem gebrochenen Arm flach), oder an dem wohl gewichtigsten Einschnitt in der jüngeren Bandhistorie: Im Dezember 2009 gab Gitarrist John Frusciante, mit dem die Peppers 1991 ihren Album-Meilenstein „BloodSugarSexMagik“ auf den Markt brachten (Frusciante war damals erst süße 21 Jahre jung), der danach beinahe der Drogensucht zum Opfer fiel, dieser jedoch gerade noch einmal so von der Schippe sprang, um nach mehrjähriger Abstinenz Ende der Neunziger zur Band zurück zu kehren und mit ihnen 1999 das bis heute beste Peppers-Werk „Californication“ heraus zu bringen, seinen wohl endgültigen Abschied vom Populärmusikzirkus bekannt. Seine(n) Nachfolge(r) hatte er freilich vorher selbst heran gezogen: Josh Klinghoffer, dessen Gitarrenspiel selbst ungeübtere Ohren merklich an das von Fruscinate erinnern dürfte. Und obwohl die 14 Songs von „I’m With You“ kein gänzlich grottiges Album ausmachen, lassen sie doch das Magische, was besonders aus dem Zusammenspiel von Bassist Flea und Gitarrist Fruscinate entstand, vermissen. In Dimensionen wie diesen wird selbst ein derart um Aufmerksamkeit buhlender Frontmann wie Anthony Kiedis, dessen *hust* „Gesangsstil“ selbst nach über dreißig Jahren Bandgeschichte noch niemand ernsthaft zu imitieren wagte, zur Nebensache.

CigMJxIWer also noch immer den Chili Peppers der „Californication“- und „By The Way“-Phase nachtrauert, kann sich einerseits mit den dazugehörigen Alben, oder auch mit dem exzellenten, 2004 erschienenen Livewerk „Live in Hyde Park“ über den vermeintlichen Verlust hinweg trösten. Oder aber er/sie lädt sich den Livemitschnitt des Konzertes, das die Band im Juni 2004 – damals freilich noch mit Frusciante – in Cardiff, Wales spielte, aufs heimische Abspielgerät. Den Auftritt selbst nutzte die Band, um sich, laut Schlagzeuger Chad Smith, für die bevorstehenden drei Hyde-Park-Shows, die damals kein Geringerer als James „Sex Machine“ Brown eröffnete, „warm zu spielen“. Trotz allem – oder gerade deshalb – zeigen sich die Chili Peppers in bester Spiellaune, präsentieren so ziemlich alle Hits von „Otherside“, „Can’t Stop“, „Californication“, „By The Way“, „Star Tissue“ und natürlich die unvermeidlichen „Give It Away“ und „Under The Bridge“. Obendrauf gibt’s innerhalb der mehr als eineinhalb Stunden sogar noch ein exklusives Schmankerl: das Stück „Mini-Epic (Kill For Your Country)“, welches die Band weder davor noch danach irgendwo sonst zum Besten gab. Und das Beste kommt zum Schluss: die komplette Wales-Show bekommt man an dieser Stelle höchstoffiziell kostenlos und für lau (und selbstredend in bester Klangqualität). Zumindest für mich gilt beim Hören: die virtuose Eingespieltheit, die Kiedis, Flea, Frusciante und Smith damals, 2004, an den Tag legten, macht ordentlich Laune – und auch ein klein wenig nostalgisch…

 

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Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2014 – Teil 1


Es gibt kein Entrinnen, nirgends! Wohin man auch blickt und klickt, wird man mit Resümees, Rekapitulationen, Highlights, Lowlights und Schlussstrichen geradezu überschüttet und kopftechnisch nahezu übersättigt. ANEWFRIEND stimmt nun auch in diesen Reigen ein und präsentiert, wie bereits in den vergangenen Jahren schon, höchst subjektive Glanzlichter aus Bild und Ton.

In guter Tradition startet die ANEWFRIEND‘sche Jahreszäsur auch 2014 mit den Serien…

 

 

„Shameless“

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Meine persönliche Neuentdeckung des Jahres ist „Shameless„. Man mag es auf den Mangel an Zeit oder auf die Fülle anderer guter bis sehr guter Serien schieben, dass ich erst jetzt – die US-Serie, welche ihrerseits selbst eine Adaption des britischen Originals (2004-2013) darstellt, läuft seit 2011 recht erfolgreich bei Showtime (USA) beziehungsweise FOX (Deutschland, via Pay-TV) und wurde mir bereits vor einigen Monaten von einem Freund ans Herz gelegt – dazu gekommen bin, mich hier auf den neusten Stand zu bringen.

Die Serie handelt von Frank Gallagher (William H. Macy), einem frustrierten, taugenichtigen Vater von sechs Kindern. Er verbringt seine Tage betrunken in seiner Stammbar irgendwo in den trist-grauen Suburbs von Chicago und überlässt seine heranwachsenden Kinder nur allzu gern größtenteils sich selbst. Die älteste Tochter, Fiona (Emmy Rossum), übernimmt notgedrungen die Rolle ihrer ebenfalls durch Abwesenheit glänzenden Mutter und versucht den Haushalt am Laufen und die Familie – bestehend aus ihr, dem ebenso klugen wie raubeinigen Lip, Ian, der mit seiner Homosexualität zu kämpfen hat und dessen größter Traum es ist, ausgerechnet zur US-Army zu gehen, der pubertierenden Debbie, die „gute Seele“ der Familie, dem ständig für massenhaft Ärger guten Carl und dem kleinen Liam (Ein schwarzes Baby in einer weißen Familie? Passt ja!) – zusammenzuhalten. Zum Glück kann sie dabei auf die Unterstützung ihrer ebenfalls nicht minder chaotischen und herzlichen Nachbarn und Freunde Kevin und Veronica zählen…

Im Grunde hat die Serie alles, um zu unterhalten: genug Witz für die Comedy-Sparte, reichlich Herzschmerz und Drama für den Hormonhaushalt der Freundin, die ein oder andere Anspielung auf die gesellschaftliche Schieflage in den gar nicht mal so gloriosen US of A, sowie massig Denkanstöße, die dem Ganzen – Unterhaltung zum Trotz – den wohltuenden Beigeschmack einer Sozialstudie geben. Natürlich muss der Zuschauer ein gutes Pfund an Ironie (slash Sarkasmus) mit vor den Bildschirm bringen, um all die ausweglos scheinenden Engpässe, in die sich die Gallaghers von Monatsrechnung zu Monatsrechnung manövrieren, mit einem Lächeln zu ertragen. Das Schöne ist, dass „Shameless“ während seiner bislang vier Staffeln nie zu ernst gerät und selbst den dunkelsten Serienstunden stets lächelnd den ausgestreckten Mittelfinger der political incorrectness entgegenstreckt. Für den Rest sorgt freilich die ausgezeichnete Schauspielerriege, der neben William H. Macy und Emmy Rossum auch die tolle Joan Cusack in der Rolle der dauerlabilen, überdrehten Hausfrau Sheila angehört.

 

 

„The Walking Dead“

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Die Serie läuft seit 2010 Woche für Woche konstant auf meinem Flimmerradar und hat, wie’s scheint, mit Staffel 5 auch das Interesse der breiteren Zuschauermasse geweckt. So ist zwischen der Zombie-Action von Frank Darabont und George R.R. Martins kaum weniger monumentalem Ritter-und-Drachen-Historienschinken „Games of Thrones“ ein Fernduell um die allwöchentliche Zuschauergunst entstanden, wie es in den seligen Neunzigern nur zwischen „Baywatch“, den „Simpsons“ und „Emergency Room“ möglich war – wie sich die Zeiten ändern…

Ich für meinen Teil stelle mich gern auf die Seite der Gruppe Überlebender um den Ex-Cop Rick Grimes (Andrew Lincoln), denn nachdem die Serie in Staffel 4 mit all ihrer lokal und handlungsmäßig doch recht beengten Gefängnisstoryline noch einen herben Durchhänger hatte, läuft’s in Staffel 5 umso besser. Plottwists, mehr famos kostümierte Untote, mehr Action, mehr Blut – alles prima. Da ist es nur allzu erfreulich, dass der ausführende US-Sender AMC „The Walking Dead„, deren zweiter Staffelteil im Februar folgt, mit mindestens einer sechsten Staffel weiterführen wird.

 

 

„American Horror Story: Freak Show“

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Ich selbst liebe und lobe die US-Mystery-Serie ja bereits seit Jahren. Die Idee, die Darstellerriege, welche sich momentan um Jessica Lange, Sarah Paulson, Evan Peters, Kathy Bates und Angela Bassett bewegt, von Staffel zu Staffel zu übernehmen und bei alternierender Horrorthematik – nach einem Spukhaus in Staffel 1, einer Irrenanstalt in Staffel 2 und einem Südstaatenhexeninternat in Staffel 3 sind wir nun, der Titel sagt’s bereits, in einer „Freak Show“-Zirkustruppe angekommen – einfach in andere Rollen schlüpfen zu lassen, ist einfach zu brillant.

Und – auch da wiederhole ich mich nur allzu gern – natürlich lässt sich auch “American Horror Story: Freak Show” weiterhin als nicht eben simpel gestrickter Gruselspaß mit toller Atmosphäre schauen. Liest man jedoch tiefer ins Innenleben der seit 2011 recht erfolgreich laufenden Serie hinein, so zerpflückt diese zwischen den Zeilen die dunkelsten Spielarten des menschlichen Miteinanders – und offenbart, dass der wahre Horror noch immer in der Alltäglichkeit steckt. Die wahren „Freaks“ sind hier nicht die bärtigen Frauen, siamesischen Zwillinge, Krebshändenmänner und Lizard Girls, sondern die „normalen“ Menschen, mit all ihren verächtlichen und abweisenden Blicken. Das wird auch in Staffel 4 nur allzu deutlich…

 

 

Aus und vorbei…

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Keine Minute zu früh kam wohl die letzte Klappe für Hank Moody und „Californication„. Aller political incorrectness, allem Rock’n’Roll-Hedonismus, aller Liebenswürdigkeit, mit der David „Fox Mulder“ Duchovny die Figur des stets von Misere zu Misere taumelnden, gutmütigen Schreiberlings Hank Moody verkörperte, zum Trotz – nach sieben Jahren und Staffeln hatte sich das Konzept aus Sex, Drugs, noch mehr Sex und reichlich Rock’n’Roll unter der kalifornischen Sonne einfach überholt. Leicht wehmütig sieht man die letzten Folgen, nach denen eines fest steht: Hank Moody has left LA…

 

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Ebenfalls „fare thee well“ hieß es 2014 für „How I Met Your Mother„, dessen neunte Staffel zu einem einzigen langen Hochzeitspro- oder -epilog (je nachdem, wie man’s nimmt) zwischen der dauerhaft unsicheren Robin Scherbatsky (Cobie Smulders) und unser aller Lieblingsplayboy Barney Stinson (Neil Patrick Harris) wurde. Dass die schlussendliche Auflösung, wie Ted Mosby (Josh Radnor) nun die ominöse „Mutter“ seiner Kinder trifft, nicht zur Zufriedenheit aller Fans der Serie ausfiel (ebenso wie tatsächliche Serienende), ist klar – immerhin musste man schlappe neun Jahre auf diese eine Antwort warten…

 

 

Den Anschluss verpasst…

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…habe ich bei „Sons of Anarchy“ irgendwo zwischen Staffel 5 und 6. Zu viel Drama, zu viel Larifari, zu wenig Action, am Ende. Dass die Serie nach sechs Jahren und sieben Staffeln vor wenigen Tagen zu Ende ging (höchst dramatisch, freilich!), hat mich daher nur am Rande interessiert. Mal schauen – eventuell gebe ich den letzten Staffeln der von Shakespeares „Hamlet“ inspirierten Geschichte um die kalifornische Bikergang „SAMCRO“ (Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original) rund um Lederwesten-Jungspund Jackson „Jex“ Teller (Charlie Hunnam) und dessen Mutter Gemma (Katey Sagal) irgendwann noch einmal eine Chance…

Ebenso raus bin ich – aktuell – bei „Hannibal“ (nach wenigen Folgen, trotz dem tollen Mads Mikkelsen als Dr. Hannibal Lecter), „New Girl“ (auf Zooey Deschanels Charme darf man sich nicht allzu sehr verlassen, wenn am Ende die Storyline und der Witz fehlen), „Person of Interest“ (einerseits sehr konfus mit all seinen Handlungsebenen, andererseits doch auch recht eintönig innerhalb der einzelnen Episoden), „House of Lies“ oder „2 Broke Girls“ (beide mangels Zeit).

 

 

Und 2015?

the-returned-banner-03…stehen für mich – nebst den oben genannten Serien, natürlich – die ersten Staffeln von „True Detective“ und der französischen Mystery-Serie „The Returned“ auf dem Zettel. Erstere liefert mit einer hervorragend besetzten Darstellerriege um Matthew McConaughey, Woody Harrelson und Michelle Monaghan nur einen weiteren Beleg dafür, dass immer mehr tolle Hollywood-Schauspieler ihr Mimikheil im Serienfach suchen, das sich sowohl von den Etats als auch von der Ausstattung, den Plots und der Regieführung längst nicht mehr vorm abendfüllenden Kino zu verstecken braucht, es immer öfter gar übertrifft. Zweitere wird – vom Soundtrack, für welchen sich die schottischen Instrumentalpostrocker von Mogwai verantwortlich zeichnen, mal ganz abgesehen – allerorts angepriesen. Und da wäre da noch „Der Tatortreiniger“ Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel), der beweist, dass es ein Leben nach „Stromberg“ gibt – und dass deutsche Comedy auch 2014/2015 ausgezeichnet zu unterhalten weiß, abseits das platten Mainstream. Außerdem warten noch immer Francis J. Underwood (Kevin Spacey) und die zweite Staffel der fulminant bitterbösen Politthrillerserie „House of Cards“ auf mich. Langeweile? Nicht im Serienfach, nicht in 2015 – selbst, wenn alle Fans von „Sherlock“ wohl noch bis 2016 warten müssen, bevor Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin „Der Hobbit“ Freeman) mit einer hoffentlich vierten Staffel der großartigen BBC-Serie zurückkehren…

 

 

Rock and Roll.

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