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Couchsurfing ahoi! – „Auf 3 Sofas durch“ die Metropolen der Welt


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„Großstadt-Reportagen intim und hautnah. Thomas bekommt die Aufgabe, in jeder Stadt, die er bereist, 3 Sofas zu finden. Also 3 Gastgeber, die ihn bei sich in der Wohnung übernachten lassen und die ihm ihre Lieblingsplätze, Bars und ihre Geheimtipps zeigen…“

Man kennt das ja: Da hat man mal ein, zwei Wochen frei vom Job und all dem tristen 9-to-5-Alltagstrott, möchte eine der angesagten Städte – nein: Metropolen! – dieses weitläufigen Erdballs bereisen und innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Must-see’s (also die touristischen Allgemeinplätze, die man sonst nur von Postkarten und Reiseführern kennt), aber auch – und wohl vor allem – Geheimtipps abklappern und bestenfalls ein wenig in das lebendige Pulsieren und schnelllebige Treiben der jeweiligen Großstadt eintauchen. Das Problem, wie so oft: der schnöde Mammon. Freilich hat der Weg zum Ziel – ob nun per Bus, Flug oder Zug – schon einen beträchtlichen Teil der Reisekasse gefressen und – jawoll! – auch auf Reisen werden einen wohl Luft, Neugier und die Liebe zum Fernweg allein nicht satt machen… Nur zu gut, dass für all die kontaktfreudigen, zum Experiment bereiten „Urban Natives“ seit einiger Zeit die Lösung in einem ganz besonderen Phänomen liegt: Couchsurfing. Heißt: Man meldet sich bei einer weltweiten Online-Plattform an, erstellt ein Profil, bietet – nach Möglichkeit – seine eigene Couch für reiselustige Fremde zur Übernachtung an und erhält im Gegenzug die Chance, auch seinerseits auf der Liegemöglichkeit eines Fremden in einer fremden Wohnung und einer fremden Stadt zu nächtigen. Kosten: gleich null. Risikofaktor: natürlich vorhanden. Denn obwohl man im Vorfeld mit dem oder der Anderen in Kontakt treten und sich anhand weniger Sätze digital „beschnuppern“ kann, weiß man freilich nicht, wer – und was! – einen erwartet. So kann der Reisende ebenso eine bierbesudelte Winzcouch in einer ranzigen Punkerbude vorfinden wie der Gastgeber eine wandelnde Läusezuchtstation (woraufhin beide Seiten den Austausch freilich auch abbrechen können, es geschieht ja alles komplett freiwillig). Spannend, angenehm anders und preiswert ist’s – vor allem für junge Individualreisende – allemal…

auf 3 sofas (moskau)

Diesem losen Prinzip des Couchsurfing-Reisens liegt auch die EinsPlus-Sendereihe „Auf 3 Sofas durch…“ zugrunde. Moderator Thomas Niemietz, Jahrgang 1977, studierter Architekt und bewährter Radio- und TV-Journalist (etwa für die SWR-Sendung „DASDING“ oder die ARD-Reihe „Mit 1000 Euro um die Welt“), bekommt für seine Reisen lediglich drei elementare Dinge in die Hand gedrückt: Zug- oder Flugtickets zum Ziel, einen Account beim Couchsurfing-Portal und eine handliche Videokamera (okay, eventuell mögen da noch ein unsichtbarer Kameramann und ein klein wenig Reisegeld im Spiel sein, aber sei’s drum). Mit diesen „Waffen“ macht er sich auf in die angesagtesten Metropolen dies- wie jenseits des Atlantiks, immer in der Hoffnung, möglichst viele neue Eindrücke zu gewinnen. Denn die auserwählten Couchsurfer dienen Niemietz nicht nur als bloße kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit, er lässt sich von ihnen auch ihren Alltag in der jeweiligen Großstadt, ihre Lieblingsplätze und so allerhand Geheimtipps abseits der gängigen Touristenpfade zeigen. Und so klettert Niemietz mal über die Absperrungszäune einer verlassenen U-Bahn-Station, um einen wunderbaren Blick über Moskau zu erhaschen, lässt sich und seinen deutschen Tretern in der argentinischen 13-Millionen-Metropole Buenos Aires das Tangotanzen beibringen, sieht sich im gar nicht mal so weitläufigen isländischen Reykjavik unvermittelt mit der nationalen Delikatesse, einem gekochten Schafskopf, konfrontiert oder trifft in „good old Britannia“ auf eine gebürtige Lettin, die im wohl kleinsten WG-Zimmer Londons wohnt.

Bislang haben die etwa halbstündigen Doku-Reportagen, welche seit 2012 auf dem vom SWR verantwortete ARD-Digitalkanal EinsPlus laufen, den kontaktfreudigen Thirtysomething in Metropolen wie Rom, Moskau, London, Buenos Aires, Istanbul, Amsterdam oder Barcelona geführt, aber auch für eher ungewöhnliche Reiseziele wie Marrakesch, Helsinki, Riga, Tel Aviv oder Reykjavik hat sich Niemietz bereits einen Stempel ins seinem Reisepass verdient. Sein aktuellstes Vorhaben scheint im Übrigens kaum weniger spannend: das indische Mumbai – mit immerhin 12,5 Millionen Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städten der Welt…

Alles in allem bietet „Auf 3 Sofas durch…“ allerhand jugendlich-leichte, auf Kurzweil getrimmte Information mit Hang zu vielfältigen, lebensnahen und wenig geschönten Eindrücken von den Städten, in denen man vielleicht selbst schon war, diese jedoch selten (oder gar noch nie) mit den Augen eines vom Fernweh getriebenen Couchsurfing-Globetrotters gesehen hat. Gute Unterhaltung der sympathischen Art bekommt man bei diesem TV-Format, für welches die GEZ-Gebühren einmal nicht umsonst den öffentlich-rechtlichen Lokus herunter gespült wurden, allemal geliefert.

Wer mag, kann sich die bisher abgedrehten Episoden sowohl auf der EinsPlus-Seite als auch auf dem Youtube-Kanal von „Auf 3 Sofas durch…“ ansehen – und sich so ein kleines Stück vom Leben auf der großen weiten Welt auf die eigene heimische Couch holen. Couchsurfing ahoi!

sofa_london

 

Da ich selbst im südlichen Zipfel der Niederlande wohne, gibt es hier zur Einstimmung auf „Auf 3 Sofas durch…“ Thomas Niemietz‘ Stippvisite in der Stadt der roten Meilen, Coffee Shops, Holzschuhe und Grachten: in Amsterdam…

 

Rock and Roll.

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Person des Tages: „Menganno“


AFP PHOTO / Maxi Failla

AFP PHOTO / Maxi Failla

Fast könnte man denken, dass sich da einer von Lionel Messis Landmännern Filme wie „Super“ oder „Kick-Ass“ zu oft zu Gemüte geführt hat… 

Und ein bisschen irrwitzig – und gerade deshalb so sehr nach der Tradition dieser Indie-Hollywood-Filme – klingt die Geschichte schon: da patrouilliert ein selbsternannter nobler Verbrecherjäger namens „Menganno“ auf seinem Motorrad durch die Vororte von Buenos Aires, wacht über Recht und Unrecht, verteilt Kleidung an Bedürftige und gute Ratschläge an alle. Und auch das Heldenoutfit sieht nach Arbeit und Liebe zur Detail aus: gekleidet in schwarz, dunkelblau und Argentiniens Nationalfarben, ein Schild auf dem Rücken, an Schultern und Brust Plastikschoner, ein aufgemaltes Sixpack, direkt über dem Herzen – und auf dem Windschutz seines Motorrads – sein Emblem: ein „M“ für „Menganno“. Und obwohl diese nostalgische Mischung aus Batman und Captain America mit einem Helm, der nur die Mundpartie zu erkennen gab, mehr schlecht als recht versuchte, seine wahre Identität zu wahren, hat er sich doch schlussendlich (mindestens) im Jahrzehnt geirrt. Denn in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. bedarf es schon mehr als eines schnittigen Outfits und guter Absichten, um als maskierter Superheld Ganoven das Fürchten zu lehren.

Und so war „Mengannos“ Identität schon bald gelüftet: auf der anderen Seite der Maske verbirgt sich der 43-jährige Ex-Polizist Oscar Lefosse. Schlimmer noch: der gescheiterte Vebrechensbekämpfer bekommt nun selbst Ärger mit Justizia. Denn als der enttarnte Lefosse als „Privatmann“ mit seiner Frau in Lanús unterwegs war, eröffneten mehrere Kriminelle das Feuer auf seinen Wagen – und Lefosse erwiderte dieses. Leider war die Lizenz der Waffe, welche der Ex-Polizist dabei benutzte, im vergangenen Jahr abgelaufen. Dabei hatte „Menganno“ noch vor knapp drei Jahren über die Nachrichtenagentur AFP ausrichten lassen, nur mit Taschenlampe und Pfefferspray auf Verbrecherjagd gehen zu wollen…

Misst man Argentiniens Antwort auf „The Crimson Bolt“ (Rainn Wilsons Alter Ego aus dem Film „Super“) nun also an der obersten Superhelden-Maxime „Wahre stets deine wahre Identität!“, so darf man „Meganno“, dessen Facebook-Profil mit dem schönen Titel „Menganno – Dein Superheld“ sogar seine Lieblingsfilme („Titanic“ und „Gladiator“), Lieblingsmusiker (U2 und Eros Ramazotti) oder Lieblingshelden (Captain America, Batman und Zorro) verrät, gut und gern ein dickes „Failed!“ ausstellen. Eine schöne Story ist’s jedoch allemal.

 

Alle, die dem Spanischen mächtig sein sollten, finden hier ein kurzes TV-Interview mit „Captain Menganno“:

 

Rock and Roll.

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