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Song des Tages: Serena Ryder – „Racing In The Street“


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Gut, nach „summer’s here“ sieht das definitiv herbstliche Wetter draußen vor bundesdeutschen Haustüren aktuell zugegebenermaßen keineswegs aus, und trotzdem gibt es – zumindest, was meine Playlisten betrifft – nie einen unpassenden Moment für die ein oder andere feine Boss-Coverversion.

640x640Man nehme etwa „Racing In The Street„, anno 1978 auf dem eh fantastischen Album „Darkness On The Edge Of Town“ erschienen und 2009, über drei Jahrzehnte später, von Serena Ryder im Rahmen der Bruce Springsteen-Tribute-Reihe „Hangin‘ Out On E Street„, zu der auch andere recht namenhafte Künstler wie Brian Fallon (The Gaslight Anthem), Josh Ritter, Against Me!, The Bouncing Souls, Pete Yorn, Tegan and Sara oder Ted Leo Coverversionen beisteuerten, neu interpretiert. Und obwohl die kanadische Folkrock-Musikerin dem Springsteen’schen Wehmuts-Klassiker lediglich ein, zwei zusätzliche Americana-Akzente verleiht, wird sich auch im Herbst ein Plätzchen finden lassen, um diese ähnlich zeitlose Version gebührend zu genießen…

 

 

„I got a sixty-nine Chevy with a 396
Fuelie heads and a Hurst on the floor
She’s waiting tonight down in the parking lot
Outside the Seven-Eleven store
Me and my partner Sonny built her straight out of scratch
And he rides with me from town to town
We only run for the money got no strings attached
We shut ‘em up and then we shut ‘em down

Tonight, tonight the strip’s just right
I wanna blow ‘em off in my first heat
Summer’s here and the time is right
For goin’ racin’ in the street

We take all the action we can meet
And we cover all the northeast state
When the strip shuts down we run ‘em in the street
From the fire roads to the interstate
Some guys they just give up living
And start dying little by little, piece by piece
Some guys come home from work and wash up
And go racin’ in the street

Tonight, tonight the strip’s just right
I wanna blow ‘em all out of their seats
Calling out around the world, we’re going racin’ in the street

I met her on the strip three years ago
In a Camaro with this dude from L.A.
I blew that Camaro off my back and drove that little girl away
But now there’s wrinkles around my baby’s eyes
And she cries herself to sleep at night
When I come home the house is dark
She sighs ‚Baby, did you make it all right‘
She sits on the porch of her daddy’s house
But all her pretty dreams are torn
She stares off alone into the night
With the eyes of one who hates for just being born
For all the shut down strangers and hot rod angels
Rumbling through this promised land
Tonight my baby and me we’re gonna ride to the sea
And wash these sins off our hands

Tonight tonight the highway’s bright
Out of our way mister you best keep
‘Cause summer’s here and the time is right
For goin’ racin’ in the street“

 

Rock and Roll.

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Auf ewig „Born To Run“ – Zum 70. Geburtstag von Bruce Springsteen


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Satte 70 Lenze wird der Boss, wird Mr. Bruce Frederick Joseph Springsteen am heutigen 23. September jung. Siebzig! Für mich, der ja quasi mit seinen Songs groß geworden ist, irgendwie surreal: Der Boss war immer da, und hat mich (fast) nie enttäuscht – sowohl, was den qualitativen Output betrifft (gut, die kleine Schwächephase ohne seine E Street Band Anfang der Neunziger lassen wir mal unter den Tisch fallen), als auch, was sein Standing anbelangt. Springsteen ist ein Typ aus der Arbeiterklasse mit Rückgrat und Haltung. Einer, der das zwar nie über Gebühr aufgebauscht, aber auch nie vergessen hat. Und als solcher übernimmt er Verantwortung, zeigt Rückgrat und sagt offen, was er denkt und fühlt (an dieser Stelle sei allen seine tolle, 2016 erschienene Autobiografie „Born To Run“ ans Leserherz gelegt – wahlweise auch als Hörbuch, allein schon, weil’s von Thees Uhlmann himfuckingself eingelesen wurde). Und er ist seit den Siebzigern einer der bestbesten und großgrößten Geschichtenerzähler, die die Pop- und Rockkultur der US of A zu bieten hat – da mag sich selbst der gleichsam würdevolle Literaturnobelpreisträger Bob Dylan ewig strecken, Springsteens mal juvenil-pathetische, mal erschreckend ehrliche Hymnen an die „kleinen Leute“ dies- wie jenseits der Highways kreuz und quer durch alle 50 US-Bundesstaaten, an all die Marys und Sherrys und Candys und Wendys und Rosalitas, an all die Johnnys und Billys und Joes und Bobbys und Petes (eifrige Chronisten haben auch hier eine Übersicht erstellt) suchen seit jeher ihresgleichen. Der Mann hinter Evergreens wie „Thunder Road„, „Born To Run“ oder „The Ghost Of Tom Joad“ ist längst ein National Treasure. Eine lebende Legende aus Freehold, New Jersey, wurde in zig Filmen – von „High Fidelity“ bis jüngst in der tollen Hommage „Blinded By The Light“ – gewürdigt, ist Oscar- und Tony-Award-Preisträger sowie 20-facher Grammy-Gewinner. Aber was zählen schon all die Auszeichnungen, wenn man auch mit sieben Jahrzehnten auf dem Buckel noch anständig rocken kann? Eben. Wohl jede(r) auf der Welt kennt den Boss – da wird selbst jeder bunte Hund neidvoll mausgrau. Die Rockmusik, der er über die Jahre so viele Songs geschenkt hat – sie wäre heute eine ganz andere, um ein Vielfaches ärmere ohne Bruce Springsteen. Und schon gehen mir bei aller Lobhudelei die Superlative aus…

Ich verneige mich vor einem meiner persönlichen Helden (den ich bereits das ein oder andere Mal live erleben durfte), und gratuliere zum Siebzigsten. Lang lebe der Boss! 🤘

 

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Auch anderswo gratuliert man natürlich – ob nun journalistisch-professionell, ob nun recht persönlich. Oder nutzt die Gunst der Stunde, um seine Looks von den Anfangstagen bis heute zu verfolgen, oder alle 327 Songs nach Güteklasse zu listen. Oder eben mit einem Ständchen aus 56.000 Kehlen, wie vor einigen Jahren im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Restorations – „Nonbeliever“


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Keine Frage, Restorations sind Halunken! Da kündigt die fünfköpfige Indierock-Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, Pennsylvania – nach immerhin vier Jahren Wartezeit – ihr neues Album an – und am Ende stehen schlappe sieben Songs und knapp 25 Minuten Spielzeit zu Buche… Die gute Nachricht: Das ist wohl beinahe das einzige, was man Restorations aktuell vorwerfen kann.

Ungeachtet des Eindrucks, dass sich Jon Loudon (Gesang, Gitarre), Dave Klyman (Gitarre),  Ben Pierce (Keyboard, Gitarre), Dan Zimmerman (Bass) und Jeff Meyers (Schlagzeug) anno 2018 und auf ihrem neuen Album „LP5000„, für das die Band – nach den Vorgängern „Restorations“ (2011), „LP2“ (2013) und zuletzt „LP3“ (2014) – die im Grunde simple Plattentitel-Chronologie um einen überhöhenden Wortwitz ergänzt, mehr denn je in die ehrsame Riege der kumpeligen, Karohemd tragenden Bartresen-Springsteen-Epigonen einreihen, verbucht das Quintett Vieles an Pluspunkten für sich, was Referenzbands wie The Gaslight Anthem, The Hold Steady, Hot Water Music, Jimmy Eat World oder den Get Up Kids mit den letzten Veröffentlichungen abhanden gekommen schien. Etwa: ein feines Näschen für die richtige Melodie und spannende Song-Idee.

restorations-lp5000Denn obwohl kaum eines der gerade mal sieben Stücke von „LP5000„, welches die Band erneut gemeinsam mit Langzeit-Produzent Jon Low (The National, Frightened Rabbit, The War On Drugs) in Hudson, NY aufnahm, höchstens annähernd die Vier-Minuten-Marke kratzt (einzig der ruhig startende und gen Ende mächtig Post-Rock-Fahrt aufnehmende Albumabschluss „Eye“ bildet hier die Ausnahme), ziehen sie den Hörer von Hördurchlauf zu Hördurchlauf immer weiter in ihren mal mehr, mal weniger laut rockenden Bann. Der flotte Einstieg „St.“ etwa, in dem Frontmann Jon Loudon mit seinem markant-rauen Gesangsorgan voller Emphase beteuert: „I’ll tell you what you already know: you can’t do this all on your own“. Oder das bereits vor einigen Wochen vorab veröffentlichte „The Red Door“ (nebst einem feinen Musikvideo, das die Geschichte von zwei Hunden erzählt, die in die Natur fliehen und ihre neu gewonnene Freiheit feiern), in dem Loudon die Gentrifizierung seiner Heimatstadt anprangert: „Philadelphia (und möglicherweise auch deine Stadt) verändert sich rapide. Ich frage mich, wo die Leute hingehen werden, wenn sie es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, in diesen neuen Nachbarschaften zu leben. Diese ‚roten Türen‘ an all diesen Gebäuden erscheinen mir wie eine Art Warnschild,“ wunderte sich der Sänger kürzlich in diesem Interview bei NPR.

Eines der Highlights des – der Kürze zum Trotz – kaum an Glanzpunkten armen Albums dürfte jedoch zweifellos „Nonbeliever“ sein. Durchzogen von schwebenden Emorock-Gitarrenriffs und angetrieben von einem – im besten Sinne – fies ohrwurmigen Refrain, dreht sich der Song um verschiedene Fragen, die sich laut Sänger und Gitarrist Jon Loudon viele Menschen Mitte Dreißig stellen: „An welchen Ort soll man noch ziehen? In welcher Branche kann man noch arbeiten, die nicht zusammenbrechen wird? Welche Möglichkeiten sind da, die nicht zu schrecklich sind?“ – Allesamt berechtigte Fragen, mit denen der selbst 35-jährige Musiker kaum allein auf weiter Flur dastehen dürfte…

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Alles in allem gehen Restorations den Weg ihrer letzten Werke mit „LP5000“ (welches NPR aktuell bereits im Stream bietet) weiter und bieten all jenen, die mächtig Bock auf eine kurzweilige Melange aus Indierock (mit den Zehen im seligen Neunziger-College- und Emorock), hemdsärmeligem Punkrock, etwas modernem Grunge, einer Prise Postrock sowie Blues haben, eine musikalische Alternative zu all jenen weiter oben genannten Referenzbands. Und: Geht es nur mir so, oder werden speziell bei diesem Philly-Quintett satte Erinnerungen an Pela wach, die sich nach dem 2007 veröffentlichten (und noch immer sträflichst unbekannten) Debüt „Anytown Graffiti“ leider viel zu früh trennten, sowie vor allem „Rise Ye Sunken Ships„, den darauf folgenden Erstling von We Are Augustines, der Pela-Nachfolgeband, die sich wenig später in Augustines umbenannte, nur um 2016 (und zwei weiteren Alben) vorerst ebenfalls die musikalischen Segel zu streichen? Schließlich sind raue Reibeisen-Gemeinsamkeiten bei den Stimmchen von Jon Loudon und Pela-/Augustines-Fronter William McCarthy kaum von der Hand zu weisen… Nevermind. Großartiges (Mini-)Album der Schlingel von Restorations, das in einer gerechten Musikwelt ausreichend Beachtung und den ein oder anderen vorderen Platz in der Jahresabschlussliste verdient hat – und, ganz nebenbei, eines der schönsten Albumcover-Artworks des Jahres stellt.

 

„Restorations have always been a band keenly aware of their surroundings and LP5000 is just that: Seven songs written and recorded during a time of transition. It’s a record about displacement. It’s about feeling complacent and coming to the sudden realization that maybe things aren’t as solid as they’d seemed—in politics, in personal relationships, and in the different corners of their hometown of Philadelphia. It’s about knowing now that if you don’t constantly work 24/7 to keep things together, they can easily fall apart. One long, sustained ‚Oh, fuck.'“

 

 

„This working thing just ain’t working for you
You just refresh the news and repeat it again
Said you’ve found the trick: just be bad at your job
If you burn all the fries, they’re gonna make you the king

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees

Said you’re doing much better living out in L.A
Far away from your parents and the concerns of the day
And you think about all your friends from school
What they’re doing now
If they remember

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

I love your protest lines
Oh, but who has the time?
We all saw the same thing at the same time, okay?
Got a partner for starters
And a kid on the way
Can’t be doing all this dumb shit no more

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything
Asking for anything

And you’re running out of things to give away…“

 

EDITH: Das Album gibt es mittlerweile via Bandcamp in Gänze im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: John Allen – „Raise Your Voice“


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John Allen. Allein schon seines Namens wegen würde man den Herrn irgendwo in englischsprachigen Musikgefilden verorten. Noch dazu wurde er, wie auch die Biografie seiner Homepage erwähnt, vor einigen Jahren durch den auf ewig grundsympathischen Kumpel-Pubrocker Frank Turner „entdeckt“, während in den Songs seiner bisherigen vier Alben (zuletzt erschien 2016 „Ghosts„) so ziemlich alle Querverweise auf düstere Storyteller von Bruce Springsteen über Tom Waits oder Nick Cave bis hin zu deren Wiedergängern wie The Gaslight Anthem, Counting Crows oder eben Frank Turner legitim erscheinen. So weit, so positiv tönend wie unspektakulär. John Allen kommt jedoch nicht aus Nashville, New York, Dublin oder London, sondern: Hamburg. Soll da mal einer behaupten, die Hansestadt-Nordlichter könnten keinen international konkurrenzfähigen heartfelt Roots-Rock

Das beweist auch „Raise Your Voice“, der musikalische Vorbote von Allens im November erscheinenden neustem Album „Friends & Other Strangers“. Erster Eindruck: rockt vier Minuten stabil mit Botschaft und Hintergedanken nach vorn. Viel wichtiger als der Song selbst sind jedoch – in diesem speziellen Fall und in der heutigen Zeit – die eindringlichen Worte, welche John Allen dem Stück nun via Facebook mit auf den Weg gibt. Und trotz der Ausführlichkeit seiner Song-Linernotes sollte man sich die Zeit nehmen, den Text zu lesen, ihn wirken zu lassen. Denn er ist wichtig und kommt von Herzen. Danke auch von mir hierfür. ♥

 

18425005_1561008163932900_2042472147620164515_n„Eigentlich mag ich es nicht, wenn Künstler zu viel Hintergrundinformationen zu ihren Songs preisgeben. ‚In dem Song geht es um das Gefühl, das man hat, …‘ bla bla bla. Vollkommen uninteressant. Warum ich so denke? Zum einen, weil ich die Vorstellung nicht mag, zum Deuter meines eigenen Werkes zu werden, zum anderen aber, was noch schwerer wiegt, weil ich es unverzeihlich fände, meinem Song die Mystik zu rauben und dem Hörer damit die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst seine eigene Interpretation und Geschichte um den Song zu bauen. Zu spannend sind die Gespräche, in denen mir Menschen nach Shows erzählen, was ihnen die Songs bedeuten und wie sie diese verstehen. Manchmal decken sich ihre Ideen mit meinen, manches Mal entdecke ich eine neue Blickrichtung auf mein eigenes Lied.
All dies ändert sich hier und jetzt. Warum? Weil ‚Raise Your Voice‘ anders ist und eine andere Absicht verfolgt, aber dazu später mehr.

Lasst mich anders anfangen.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem Profitgier Menschen dazu veranlasst, auch den letzten Rest eines mehr als hundert Jahre alten Forstes zu roden, um auch noch das letzte Fünkchen Profit aus dem sterbenden Industriezweig Braunkohle herauszuschlagen. An dem die Politik sich selbst immer wieder eifrig Klimaziele setzt, dabei bedeutungsschwanger in Kameras lächelt, wohlwissend, dass der Klimawandel hinter dem Kapitalismus eben nur die zweite Geige spielt. Mit Natur lässt sich eben kein Geld verdienen.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem ein US Präsident Nazis als tolle Kerle bezeichnet, Afrika als ‚Scheißländer‘ tituliert, Frauen begrapscht und damit prahlt, und sich täglich neue Peinlichkeiten leistet. An dem eine Lüge nur dadurch zur Wahrheit wird, dass man sie scheinbar oft genug wiederholt. An dem alles zu Fake News wird, was nicht ins eigene Narrativ passt. Und an dem er dennoch den Rückhalt von beinahe der Hälfte seines Landes erhält.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem wir es als Gesellschaft zulassen, dass ein rechter Mob in Chemnitz Menschen jagt, Bürgerwehren gründet und ein Chef des Verfassungsschutzes, der diese Zustände leugnet, statt entlassen zu werden neuer Staatssekretär für innere Sicherheit wird.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem in ganz Europa rechtes Gedankengut langsam aber sicher wächst und Einzug in die Parlamente erhält. An einem Punkt, an dem mehr und mehr Menschen dies für gar keine so schlechte Idee halten. An einem Punkt, an dem selbst in Deutschland, keine 80 Jahre nach dem Holocaust, wieder offen fremdenfeindliche Politik gemacht werden darf und man von uns verlangt, dies im Namen der Demokratie zu tolerieren.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem wir allen ernstes öffentlich darüber diskutieren, ob man Menschen, die ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben retten den Prozeß machen sollte.

Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angekommen, an dem für viele die Definition von Protest ist, einen Hashtag zu tweeten oder sein Profilbild zu ändern. Ein Punkt, an dem noch immer viel zu viele von uns zu faul oder zu degeneriert sind, zu Wahlen zu gehen, still hoffend, es werde sich schon alles von alleine regeln. Ein Punkt, an dem die Motivation sich politisch zu engagieren für viele genau dort endet, wo RTL und Pro7 beginnen. Ein Punkt, an dem die neue Folge vom Bachelor oder dem Dschungelcamp mit mehr Elan debattiert wird, als das Schicksal von tausenden Kriegsflüchtlingen. Ein Punkt, an dem wir nicht mehr erkennen wollen, dass Probleme nur mit Kommunikation zu lösen sind und wir uns nicht eingestehen können, schon lange verlernt zu haben, was es bedeutet offen und ehrlich zu kommunizieren. Ein Punkt an dem alle Konversation führen, einzig um uns bestätigt zu fühlen, nicht aber um die Gegenseite wirklich zu hören und zu verstehen, in der absoluten Sicherheit, die moralische Überlegenheit auf seiner Seite zu haben, auch weil alles, was nicht ins eigene Weltbild passt nicht stimmen darf. Wir sind angekommen an einem Punkt passiv-aggressiven Phlegmas, am Anbeginn des Endes der Demokratie.

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem jeder Demokrat, Jeder, der ein Interesse am Fortbestehen von Humanität und ihren Werten hat, nicht mehr den Mund halten darf; an dem ’sich-seinen-Teil-denken‘ nicht mehr gut genug ist. An dem Jeder, der noch halbwegs bei Verstand ist, aufhören muss, immer einfachere Lösungen zu immer komplexeren Problemen zu suchen. Ein Punkt, an dem wir begreifen müssen, dass ein langer harter Weg vor uns liegt, ein Weg den wir gemeinsam beschreiten müssen, ohne zu vergessen, dass gemeinsam bedeutet, dass es nicht mehr gut genug ist, darauf zu hoffen, Andere mögen ihn beschreiten.

‚Raise Your Voice‘ ist ein Appell. Macht euren Mund auf. Schreit, tobt, zürnt. Mischt euch ein, macht Politik. Geht auf die Straße. Lest, lernt. Informiert euch. Steht denen zur Seite, die auf Hilfe angewiesen sind. Diskutiert mit allen, mit Rechten und Linken, mit Grünen, mit Kapitalisten und Kommunisten, mit Liberalen und Konservativen, mit Moslems und Christen, mit Juden und Buddhisten und allen die ich gerade vergessen habe zu erwähnen.

‚Raise Your Voice‘ ist mein Signal an die Welt, dass ich glaube, dass wir die Kurve noch bekommen können, wenn wir es schaffen unser Phlegma zu beenden und uns zu erheben; dass ich nicht irgendwann meinen Enkeln auf die Frage ‚Wo warst du als die Demokratie ihre Unschuld verlor?‘ mit ‚Ich war zu beschäftigt mit Facebook‘ antworten muss; dass ich nicht bereit bin aufzugeben. Für mehr Menschlichkeit, für mehr Liebe und für die Demokratie.

Edmund Burke, ein englischer Staatsmann und Philosoph hat einmal gesagt: ‚Nichts anderes braucht es zum Triumph des Bösen, als dass gute Menschen gar nichts tun.‘

An alle, die bis hierhin gelesen haben: Ihr macht mir Hoffnung! Danke für eure Zeit! 
Raise your Voice, Freunde. Raise your voice… or be forever still.

x
John Allen“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Soccer Mommy – „I’m On Fire“


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I’m On Fire„? Kennt man. Springsteen-Klassiker vom 1984er Megaseller-Album „Born In The U.S.A.“. Kuschelrock in seiner reinsten Form, und in gut. Tausendfach gecovert? Bestimmt.

Sophie Allison aka. Soccer Mommy fügt dieser Liste trotz alledem ihre ganz eigene tausendundeine Indierock-Version hinzu, und garniert den ohnehin sehr geisterhaft wirkenden Text des Boss’schen Originals mit einer einsam gespielten E-Gitarre.

Clean„, das aktuelle (Debüt-)Album von Soccer Mommy, steht seit März in den Plattenläden. Im Oktober erscheint die Coverversionen der LoFi-Indie-Pop-Band aus dem US-amerikanischen Nashville gemeinsam mit einer Neuaufnahme des 2016er Songs „Henry“ als 7“-Single.

 

“I make a version of ‘I’m On Fire’ that connected with the sadness of the song. I think that doing a more stripped down version allowed me to make something that feels emotionally raw.” (Sophie Allison)

 

 

„Hey little girl, is your daddy home?
Did he go away and leave you all alone? Mhmm
I got a bad desire
Oh oh oh, I’m on fire

Tell me now, baby, is he good to you?
And can he do to you the things that I do? Oh no
I can take you higher
Oh oh oh, I’m on fire

Sometimes it’s like someone took a knife, baby
Edgy and dull and cut a six inch valley
Through the middle of my skull

At night I wake up with the sheets soaking wet
And a freight train running through the middle of my head
Only you can cool my desire
Oh oh oh, I’m on fire…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Scott Ruth – „Are You There“


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Foto: Jack Rose / Facebook

Wenn Plattentests.de-Chef Armin Linder über das im vergangenen Jahr veröffentlichte Debüt „The Weight Of It All“ mal so mir nichts, dir nichts Sätze wie „Mehr nach Damien Rice klingt nur Damien Rice.“ via Twitter ins digitale Netzrund orakelt, dann setzt sich in der Hirnrinde des erwartungsfrohen Singer/Songwriter-Aficionados natürlich schnell eine gewisse Messlatte fest. Und da diese – immerhin hat Linder gerade – nebst Glen Hansard – einen der größten und besten irischen Herzschmerz-Barden ever (ever ever ever) ins Vergleiche-Feld geführt – nicht gerade niedrig gesetzt ist, werden die Hoffnungen schnell enttäuscht…

 

 

Klar, eine gewisse stimmliche Nähe zwischen Scott Ruth und Damien Rice lässt sich kaum leugnen. Doch wo die Songs des einen (Rice) Bilder voll irischer Herbstmelancholie vors innere Augenrund rufen, klingen in den Stücken des anderen (Ruth) zwar immer noch nachdenkliche Untertöne an, jedoch werden diese viel eher in die staubige Einsamkeit des US-amerikanischen Westens geführt als auf grün-satte Weidewiesen. Ein um einiges näher liegender Vergleich, Herr Linder, fürs nächste Mal: Noah Gundersen.

Denn die Parallelen zwischen Ruth und Gundersen ergeben gleich aus so einigen Gründen Sinn: zum einen nahm Noah Gundersen den aus Southern California stammenden Newcomer als Support Act unlängst mit auf Tour, zum anderen lud er ihn anschließend in sein eigenes Studio im heimatlichen Seattle ein, um an neuen Songs zu arbeiten.

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Heraus gekommen ist unter anderem das Stück „Are You There„. Und spätestens mit diesem dürfte sich der Vergleich zu Damien Rice endgültig erledigt haben, klingen doch die neusten drei Minuten aus der Feder Ruths vielmehr nach herzerwärmendem Roots Rock, wie er amerikanischer kaum sein könnte: das antreibende Piano ruft den allmächtigen Bruce Springsteen und seine E Street Band ins Gedächtnis, die ausladenden Gitarren lassen an den kürzlich verstorbenen Tom Petty denken, der dezente Pop-Faktor und die Americana-Anleihen wiederum an Ryan Adams, während der nächste Highway vor Augen liegt und endlos scheint. Und wenn man Scott Ruth Glauben schenken mag, dann waren die Springsteen-Petty-Verweise auch genauso beabsichtigt:

“The song is about that feeling you get when someone who was once a huge part of your life, suddenly isn’t there anymore and all the things that go through your head. Wondering what they’re doing, if they’re feeling what you’re feeling. That kind of thing. I’ve been on a huge Tom Petty and Springsteen kick lately, so I think that had some impact on the song. Not exactly saying that’s where I’m going with all the new material, but you’ll be able to hear those influences sprinkled in here and there. I’m very excited to get the rest of these songs out.”

 

 

 

Rock and Roll.

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