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Song des Tages: Kevin Devine – „Freddie Gray Blues“


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Wie wir alle wissen, ist das Thema „Rassismus“ nach dem Tod von George Floyd durch Polizeigewalt mittlerweile selbst bei jenen – zumindest in gewissem Maße – angekommen, denen die Lebensrealität farbiger US-Amerikaner, aber auch Mitmenschen hierzulande, ansonsten ferner kaum sein könnte. Endlich? Klar. Ob sich denn auch endlich in unser aller Köpfe etwas zum Positiven, zu einem gerechteren Miteinander bewegt? Bleibt inständig und von ganzem Herzen zu hoffen, warten wir’s ab…

Was auch bekannt sein sollte, ist, dass Floyds Tod am 25. Mai bei Weitem nicht der erste seiner Art in den US of A war. Man denke etwa auch an Breonna TaylorAhmaud Arbery oder jüngst Tony McDade. Oder an Amadou Diallo, ein politischer Asylant, der am frühen Morgen des 4. Februar 1999 vor seiner Haustür von vier New Yorker Polizeibeamten erschossen wurde, die ihn zunächst mit einem gesuchten Serienvergewaltiger verwechselten und gleich darauf ein zweites Mal irrten, als sie Diallos Griff in seine Jacke, um seinen Ausweis vorzuzeigen, mit dem Ziehen einer Waffe verwechselten. Bruce Springsteen widmete ihm postum den bewegenden Gänsehaut-Song „American Skin (41 Shots)“ – ebensoviele Schüsse gaben die Cops, welche übrigens in einer nachfolgenden Gerichtsverhandlung allesamt freigesprochen wurden, insgesamt auf den unbewaffneten Mann ab, den 19 davon tödlich trafen.

Oder an Freddie Carlos Gray Jr. Der 25-jährige US-Afroamerikaner wurde am 12. April 2015 in Baltimore, Maryland von mehreren Polizeibeamten festgenommen, nachdem er Blickkontakt mit einem der Beamten hatte, welcher vermutete, dass Gray ein Messer bei sich trug, und dann wegrannte. Er wurde gefesselt in einen Polizeitransporter verfrachtet, wobei er sich fatale Rückenverletzungen zuzog. Denn nicht nur ignorierten die beteiligten Polizeibeamten wiederholt seine Bitten um medizinische Behandlung, Gray wurde auch von  keinem der Beamten während der Fahrt zur Wache angeschnallt. Freddie Gray fiel bereits bei ebenjenem Transport ins Koma und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er eine Woche nach seiner Festnahme verstarb. Ermittler gingen im Nachhinein davon aus, dass sich der junge Mann während der Fahrt im Polizeitransporter das Genick brach. Auch hier wurden insgesamt sechs US-Polizisten wegen klarer Verstöße gegen die Polizeirichtlinien angeklagt, auch hier wurden alle freigesprochen – soviel zum Thema „the land of the free and the home of the brave“…

81WMcI0ai6L._SS500_Umso wichtiger, dass nicht nur Prince (mit dem Song „Baltimore„), sondern auch Kevin Devine seinerzeit auf den – ähnlich wie derzeit George Floyds sinnloser Tod – im Grunde einfach nur sprachlos machenden Fall aufmerksam machte. 2016 veröffentlichte der New Yorker Singer/Songwriter auf seinem Album „Instigator“ den Song „Freddie Gray Blues„, der nicht nur dem zu jung, zu sinnlos, zu unschuldig verstorbenen Freddie Gray, sondern auch allen anderen Opfern von Polizeigewalt ein bewegendes Denkmal setzt, und mit Zeilen wie „And I know not every cop / Is a racist, murdering cop / But this is bigger than the people I love / The system’s broken / Not breaking / It’s done…“ zur schonungslos offenen Abrechnung gerät, nach der man selbst sich im Grunde lediglich wundert, dass jene Proteste, die sich – mal mehr, mal weniger friedlich – derzeit durch die gar nicht mal so „Vereinigten“ Staaten von Amerika und Großstädte wie Philadelphia, New York, Atlanta, Los Angeles oder Washington, DC ziehen, nicht bereits viel eher in diesem Maße und dieser Vehemenz stattfanden…

 

Im Jahr 2017 gab Kevin Devine bei einer Live Session für „uniFM“ in Freiburg nicht nur eine reduzierte Akustik-Version von ebenjenem „Freddie Gray Blues“ zum Besten, sondern auch von „No History„, einer kaum weniger Hühnerpelle erzeugenden, in Worte und Töne gefassten Post-9/11-Bestandsaufnahme. Sollte man gehört haben. ❤️

 

„I’m talking Freddie Gray blues
I’m talking what happened to you
You were just 25
When they ended your life
When ‚to serve & protect‘
Meant break your leg, snap your neck
Meant to kill you, to sever your spine

No matter what, there’s no good reason why

When I’m talking these killer cop blues
I’m kinda talking my family to you
See, my dad was a cop
And his dad was a cop
And my uncles were cops
And my cousins were cops
I’m partly here because of cops
And I love all those cops
And I know not every cop
Is a racist, murdering cop
But this is bigger than the people I love
The system’s broken
Not breaking
It’s done

I’m talking white privilege blues
I’m talking confession to you
I don’t know what it’s like
To be afraid all my life
Looking over my shoulder
Behind each officer, a coroner
Entrenched inequality
No access, no empathy
Crushed in stacked decks
Institutions & death
This is not my reality
I’m afforded the luxury
Of shaking my head
I shut the screen, go to bed
I can turn off what you never can
And watch it happen again and again (and again and again and again and again, and again)

I’m talking Freddie Gray blues
I’m talking Freddie Gray blues…“

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Weil Menschen sich zwar andere Masken aufsetzen können, jedoch scheinbar nie ändern werden. Weil die ebenso tragischen wie sinnlosen jüngsten Tode von George Floyd, Breonna Taylor oder Ahmaud Arbery beileibe nicht die ersten ihrer Art, und wohl leider auch nicht der letzte sein wird – aller noch so optimistischen Hoffnung zum Trotz. Homo homini lupus est.

Und falls einer von euch ach so auf- und abgeklärten Westeuropäern vorschnell Reden über Weißkutten und lodernde Kreuze tragende, Trump wählende, minderbemittelte US-Rednecks schwingen mag, so möchte ich nur an den kaum weniger traurigen Fall von Oury Jalloh hierzulande erinnern (um nur ein Beispiel zu nennen). Und wem das noch immer nicht reicht, der darf sich gern ein paar vor Hass und Beschränktheit nur so triefende Polit-Sabbeleien von Individuen wie Gauland, Von Storch, Seidel oder dem Anti-Alternative-Vorzeige-Faschisten Höcke antun… Wohl bekomm’s, wohl bleibe es im Halse stecken.

 

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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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