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Song des Tages: EL VY – „Return To The Moon“


EL_VY_

Da denkt man sich nix Böses, nimmt sich nach dem vor gut zwei Jahren erschienenen letzten The-National-Album „Trouble Will Find Me„, das sich, wie seine fünf Vorgänger auch schon, mit jedem Durchgang tiefer und tiefer in die Gehörgänge und ins Herz gefräst hat, vor, sich und einer der ewigen Herzensbands ein wenig Abstand zu gönnen (was beim Überhören passieren kann, hat man ja vor einigen Jahren mit Tool selbst erlebt), und – zack! – kommt deren umtriebiger Frontmann mit einem neuen Projekt ums Eck…

EL VY haben The-National-Sänger Matt Berninger und Brent Knopf (ehemals Gesang und Gitarre bei den frickeligen Portland-Indierockern von Menomena) ihr neues gemeinsames Bandbaby getauft. Ende Oktober erscheint mit „Return To The Moon“ auch schon das elf Songs starke Debütalbum, den Titelsong lassen die beiden bereits jetzt hören.

Dabei präsentiert sich „Return To The Moon“, das den mysteriösen Untertitel „Political Song For Didi Bloome To Sing, With Crescendo“ trägt, überraschend funky und leichtfüßig. Freunde sind Matt Berninger und Brent Knopf, der Menomena 2011 verließ, um sich danach voll auf seine bisherige Zweitband Ramona Falls zu konzentrieren, seit einer gemeinsamen Tour von The National und Menomena. Und ebenda entstand auch Berningers Idee, gemeinsam mit Knopf einige Songideen zu verwirklichen, die er bis dahin unter dem Projektnamen „The Moon“ gesammelt hatte.

„Diese Platte ist autobiographischer als alles, was ich bislang geschrieben und veröffentlicht habe“, lässt Berninger wissen, „Auf dem Album treten einige Figuren auf, die Eigenschaften von mir, meiner Frau und allen anderen vereinen, an die ich beim Schreiben gedacht habe.“ – Worte, die auf (erneut) tolle Songs des 44-jährigen Sängers schließen lassen, zumal Projekt-Partner Brent Knopf in der Vergangenheit ebenso für den ein oder anderen feinen Songmoment verantwortlich war. Und auch mit dem Text des ersten EL VY-Songs hat mich Matt Berninger bereits jetzt wieder um den kleinen Finger gewickelt – spielend.

Return To The Moon“ erscheint am 30. Oktober bei 4AD, dem gleichen Label, auf dem auch The National veröffentlichen.

 

(alternativ gibt’s das Lyric-Video zu „Return To The Moon“ auch auf muzu.tv….)

 

„Scratched a ticket
With a leg of a cricket
And I got triple Jesus
Cashed it in
For a Siamese twin
At the family firing range
Went to bed
And woke up inside another man’s head
Nobody noticed
I’m so excited
The senator’s a fighter
Don’t tell me nothings changed
 
Return to the moon
I’m dying
Return to the moon
Please
 
Bought a saltwater fish
From a colorblind witch cause
She said she loved it
Couldn’t tell her the part
That would break her heart
But it loved me
She said, ‚I think you’re
Getting too far from your
Family’s house to find it
You should know if you’re
Running away and I touch you
You freeze‘
 
Return to the moon
I’m dying
Return to the moon
Please
 
Don’t make me wait for you
At the corner of Eden Park
Don’t make me wait for you
At the Serpentine Wall
 
Wish I could have been there
When you were driving away
For California
If you’ve got to go somewhere
Then you better go somewhere
Far
Did you really think I could
Ever go on without you?
I’m not a genius
I imagine myself being cool
In the backseat
Of your car
 
Return to the moon
I’m dying
Return to the moon
Please
 
Don’t make me wait for you
At the corner of Eden Park
Don’t make me wait for you
At the Serpentine Wall…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche


Naturgemäß benötigen die Platten der Band, welche ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ liefert, ein wenig länger, um final zu zünden (was ebenso an meinen Hörgewohnheiten liegen mag wie an der Verspieltheit und Komplexität selbst). Dennoch ist es dieses Werk, das seinen Voraussetzungen eindrucksvoll die Stirn bietet, wert, gehört, erwähnt und auseinander genommen zu werden.

Aber lest selbst…

(Und: irgendwie erscheint es an dieser Stelle doch passend – immerhin ist in wenigen Tagen Muttertag…)

 

Menomena – Moms (2012)

Menomena - Moms (Cover)-erschienen bei Barsuk/Alive-

Freunde kann man sich aussuchen, die eigene Familie nicht. – Kein Satz könnte die Entstehungsgeschichte von „Moms„, dem aktuellen, fünften Album der aus dem US-amerikanischen Portland (Oregon) stammenden Band Menomena wohl passender beschreiben…

Denn nach der Tour zum Vorgänger „Mines“ (2010 erschienen) verließ 2011 der bisherige Bandkopf Brent Knopf die Band – zu unüberbrückbar waren wohl die persönlichen Gräben geworden, die ihn und die anderen beiden Gründungsmitglieder Danny Seim und Justin Harris mittlerweile trennten (wer damals einem der Konzerte von Menomena bewohnte, berichtete folglich, dass da auf der Bühne zwar allerhand kreatives Können zu beobachten war, jedoch auch ebenso viel Spannung und Diskrepanz). Nur: Knopf hinterließ nicht nur eine Lücke an den Saiteninstrumenten und dem Keyboard, er nahm auch das von ihm eigens für seine (Ex-)Band entworfene Aufnahmeprogramm „Deeler“ mit zu seiner damaligen Zweit- und ab dahin Hauptband Ramona Falls. Doch anstatt die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen, besannen sich die zum Duo geschrumpften Menomena – nun in Form der High School-Buddies Harris (Gesang, Gitarre, Saxofon) und Seim (Gesang, Schlagzeug) – auf ihre Stärken, und nahmen das neue Album „Moms“ zum Anlass, um auch mit unerfreulichen privaten Altlasten reinen Tisch zu machen.

Menomena #1

Und demnach ist in den 50 Minuten auch keineswegs alles eitel Sonnenschein. Man höre sich nur das bewusst in der Albummitte positionierte „Heavy As Heavy Does“ an: „Heavy are the branches hanging from my fucked up family tree / And heavy was my father / A stoic man of pride and privacy / And I don’t care much for wishful thinking / As heavy as I breathe / Because I don’t believe in second chances / As heavy as I leave / As prideful as a man he was / Proud my father never was of me / I did it for survival / But I’ll look like the asshole anyway“ – Uff, schwerer Tobak, in der Tat! Zum Glück gleitet das Stück vom anfangs noch getragenen Piano gen Ende in windschiefe „Ahh“-Chöre und ein schneidendes Gitarrensolo über, die die Stimmung kurz vorm mentalen Absaufen retten. Doch sieht man einmal von den Texten, in welche das Duo so einige Kindheitstraumata verpackt (Harris‘ wuchs als Sohn einer alleinerziehenden Mutter auf, Seims Mutter verstarb sehr früh), ab, so hat sich auch nach Knopfs Weggang nicht all zu viel im Hause Menomena verändert, denn noch immer geht die Band in Komposition und Ausführung recht eigene Wege, noch immer sperren sich beinahe alle Songs davor, zu schnell schön (und somit zu schnell tot-) gehört zu werden.

Bereits der Opener „Plumage“ offeriert durch Handclaps, Piano und rollende Riffs ein trügerisches Westcoast-Feeling, während der Text nach beständigen Grundfesten sucht: „Animal / I’m nothing more than an animal / In search of another animal / To tame and claim as my own“. „Capsule“ geht diesen Weg weiter, groovt sich – auf äußerst kratzbürstige Art und Weise – noch mehr ein, und bringt außerdem elektronische Beats und Harris‘ charakteristisches Bariton-Saxofon ins Spiel. „Pique“ knallt dem Hörer ein groß aufspielendes Gitarrensolo in die Gehörgänge, „Baton“ überzeugt mit geschlenzter Percussion, während die Band textlich die Heilige Maria erst zum Therapeuten, und anschließend in die dunkelsten Ecken der Leichenhalle verschleppt. Da danach – und vor allem nach dem bereits erwähnten mentalen Tiefpunkt „Heavy As Heavy Does“ (welcher wiederum als Song das Highlight der Platte ist) – ein wenig Zerstreuung gut tut, lassen Harris und Seim mit „Giftshoppe“ einen nach allen Seiten ausfransenden Space-Rocker folgen, und schwören sich in „Skintercourse“ zu hämmerndem Piano selbst: „I won’t go back to where I once was“. Leider verliert „Moms“ danach im durchgespaceten, komplett laid back daher wackelnden Bass-Groover „Tantalus“ oder dem nervös plätschernden „Don’t Mess With Latexas“ etwas an Spannung, und weiß erst zum Anschluss mit der fahrigen, achtminütigen Rock-Suite „One Horse“, die noch einmal zwischen kalifornischem Sonnenstrand und Brian Wilsons Aufnahmestudio hin und her springt, wieder einigermaßen zu überzeugen.

Menomena (by Alicia J Rose)

Was also ist vom bereits im vergangenen Oktober erschienenen „Moms“ zu halten? Sicherlich: all jene, die Knopfs kreative Note, sein perlendes Piano, seine Midtempo-Balladen und durchdringende mystische Stringenz vermissen, dürften schon ein Suppenhaar im neuen Menomena-Album finden. Doch obwohl das fünfte Werk nicht mit seinen großen, da großartigen Vorgängern „Mines“ (von 2010) oder „Friend and Foe“ (2007 veröffentlicht und für mich persönlich bis heute das absolute manisch-genialische Highlight im Bandkatalog!) mithalten kann, haben Harris und Seim das beste aus der für sie freilich nicht eben glanzvollen Ausgangslage gemacht und ein Album aufgenommen, das beide gleichsam als Zementierung der eigenen Stärken und des gemeinsamen Zusammenspiels sowie als vertonte Therapiesitzung im Aufnahmestudio nutzen – Ironie (mit Schlagseite hin zu süß-saurem Sarkasmus) und Lakonie als Allheilmittel, quasi. Immer noch hauen Menomena Referenzen aus Sixties- und Seventies-Rock’n’Pop in einen Topf, um ihn da mit Gewürzen aus Funk, Soul oder Surf-Punk zu verfeinern, und setzen dem Hörer ihre sämig groovenden Gerichte vor, ohne jedoch ein Sterbenswort über die exakte Rezeptur zu verraten. Der daraus resultierende Menomena’sche Vorteil, seit jeher: manch eine Note mag eventuell anfangs sauer aufstoßen, der feine Nachgeschmack wirkt dabei umso längerer nach – und das ist beim konzeptionell komplett durchdachten, in hohem Maße persönlichen Duo-Kraftakt „Moms“ nicht anders.

 

Hier gibt’s das Video zum Albumopener „Plumage“, welches das Duo im spinnerten Wüsten-Shootout zeigt…

 

…und hier die Stücke „Baton“, „Giftshoppe“ und „Heavy As Heavy Does“ in der im vergangenen Jahr aufgenommenen „opbmusic session“-Liveversion :

 

Rock and Roll.

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