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Song des Tages: Serena Ryder – „Racing In The Street“


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Gut, nach „summer’s here“ sieht das definitiv herbstliche Wetter draußen vor bundesdeutschen Haustüren aktuell zugegebenermaßen keineswegs aus, und trotzdem gibt es – zumindest, was meine Playlisten betrifft – nie einen unpassenden Moment für die ein oder andere feine Boss-Coverversion.

640x640Man nehme etwa „Racing In The Street„, anno 1978 auf dem eh fantastischen Album „Darkness On The Edge Of Town“ erschienen und 2009, über drei Jahrzehnte später, von Serena Ryder im Rahmen der Bruce Springsteen-Tribute-Reihe „Hangin‘ Out On E Street„, zu der auch andere recht namenhafte Künstler wie Brian Fallon (The Gaslight Anthem), Josh Ritter, Against Me!, The Bouncing Souls, Pete Yorn, Tegan and Sara oder Ted Leo Coverversionen beisteuerten, neu interpretiert. Und obwohl die kanadische Folkrock-Musikerin dem Springsteen’schen Wehmuts-Klassiker lediglich ein, zwei zusätzliche Americana-Akzente verleiht, wird sich auch im Herbst ein Plätzchen finden lassen, um diese ähnlich zeitlose Version gebührend zu genießen…

 

 

„I got a sixty-nine Chevy with a 396
Fuelie heads and a Hurst on the floor
She’s waiting tonight down in the parking lot
Outside the Seven-Eleven store
Me and my partner Sonny built her straight out of scratch
And he rides with me from town to town
We only run for the money got no strings attached
We shut ‘em up and then we shut ‘em down

Tonight, tonight the strip’s just right
I wanna blow ‘em off in my first heat
Summer’s here and the time is right
For goin’ racin’ in the street

We take all the action we can meet
And we cover all the northeast state
When the strip shuts down we run ‘em in the street
From the fire roads to the interstate
Some guys they just give up living
And start dying little by little, piece by piece
Some guys come home from work and wash up
And go racin’ in the street

Tonight, tonight the strip’s just right
I wanna blow ‘em all out of their seats
Calling out around the world, we’re going racin’ in the street

I met her on the strip three years ago
In a Camaro with this dude from L.A.
I blew that Camaro off my back and drove that little girl away
But now there’s wrinkles around my baby’s eyes
And she cries herself to sleep at night
When I come home the house is dark
She sighs ‚Baby, did you make it all right‘
She sits on the porch of her daddy’s house
But all her pretty dreams are torn
She stares off alone into the night
With the eyes of one who hates for just being born
For all the shut down strangers and hot rod angels
Rumbling through this promised land
Tonight my baby and me we’re gonna ride to the sea
And wash these sins off our hands

Tonight tonight the highway’s bright
Out of our way mister you best keep
‘Cause summer’s here and the time is right
For goin’ racin’ in the street“

 

Rock and Roll.

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Auf ewig „Born To Run“ – Zum 70. Geburtstag von Bruce Springsteen


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Satte 70 Lenze wird der Boss, wird Mr. Bruce Frederick Joseph Springsteen am heutigen 23. September jung. Siebzig! Für mich, der ja quasi mit seinen Songs groß geworden ist, irgendwie surreal: Der Boss war immer da, und hat mich (fast) nie enttäuscht – sowohl, was den qualitativen Output betrifft (gut, die kleine Schwächephase ohne seine E Street Band Anfang der Neunziger lassen wir mal unter den Tisch fallen), als auch, was sein Standing anbelangt. Springsteen ist ein Typ aus der Arbeiterklasse mit Rückgrat und Haltung. Einer, der das zwar nie über Gebühr aufgebauscht, aber auch nie vergessen hat. Und als solcher übernimmt er Verantwortung, zeigt Rückgrat und sagt offen, was er denkt und fühlt (an dieser Stelle sei allen seine tolle, 2016 erschienene Autobiografie „Born To Run“ ans Leserherz gelegt – wahlweise auch als Hörbuch, allein schon, weil’s von Thees Uhlmann himfuckingself eingelesen wurde). Und er ist seit den Siebzigern einer der bestbesten und großgrößten Geschichtenerzähler, die die Pop- und Rockkultur der US of A zu bieten hat – da mag sich selbst der gleichsam würdevolle Literaturnobelpreisträger Bob Dylan ewig strecken, Springsteens mal juvenil-pathetische, mal erschreckend ehrliche Hymnen an die „kleinen Leute“ dies- wie jenseits der Highways kreuz und quer durch alle 50 US-Bundesstaaten, an all die Marys und Sherrys und Candys und Wendys und Rosalitas, an all die Johnnys und Billys und Joes und Bobbys und Petes (eifrige Chronisten haben auch hier eine Übersicht erstellt) suchen seit jeher ihresgleichen. Der Mann hinter Evergreens wie „Thunder Road„, „Born To Run“ oder „The Ghost Of Tom Joad“ ist längst ein National Treasure. Eine lebende Legende aus Freehold, New Jersey, wurde in zig Filmen – von „High Fidelity“ bis jüngst in der tollen Hommage „Blinded By The Light“ – gewürdigt, ist Oscar- und Tony-Award-Preisträger sowie 20-facher Grammy-Gewinner. Aber was zählen schon all die Auszeichnungen, wenn man auch mit sieben Jahrzehnten auf dem Buckel noch anständig rocken kann? Eben. Wohl jede(r) auf der Welt kennt den Boss – da wird selbst jeder bunte Hund neidvoll mausgrau. Die Rockmusik, der er über die Jahre so viele Songs geschenkt hat – sie wäre heute eine ganz andere, um ein Vielfaches ärmere ohne Bruce Springsteen. Und schon gehen mir bei aller Lobhudelei die Superlative aus…

Ich verneige mich vor einem meiner persönlichen Helden (den ich bereits das ein oder andere Mal live erleben durfte), und gratuliere zum Siebzigsten. Lang lebe der Boss! 🤘

 

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Auch anderswo gratuliert man natürlich – ob nun journalistisch-professionell, ob nun recht persönlich. Oder nutzt die Gunst der Stunde, um seine Looks von den Anfangstagen bis heute zu verfolgen, oder alle 327 Songs nach Güteklasse zu listen. Oder eben mit einem Ständchen aus 56.000 Kehlen, wie vor einigen Jahren im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Son Little – „State Trooper“


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State Trooper„, 1982 – also vor satten 34 Jahren – auf dem bis heute wohl düstersten Bruce-Springsteen-Album „Nebraska“ erschienen, ist und bleibt ein großartiges Stück Songwriterkunst, dass es einem geradezu durch Mark und Bein fährt, klar. Und freilich haben sich auch diesen Song schon so einige Künstler – von den Veils (tolle Coverversion auch!) über die Cowboy Junkies bis hin zu Thrice-Fronter Dustin Kensrue – vorgenommen, um ihm eine mehr oder minder eigene Duftmarke zu verleihen.

In die Reihe der durchaus gelungenen Coverversionen reiht sich auch Aaron Earl Livingston, besser bekannt als Son Little, ein. Und obwohl der Herr selbst, welcher nach einigen EPs und namenhaften Kollaborationen – unter anderem mit der legendären HipHip-Kombo The Roots, dem Soundtüftler RJD2 oder der Grammy-prämierten Soulstimme Mavis Staples – im letzten Jahr sein selbstbetiteltes Debütalbum in die Plattenläden stellte, noch ein recht unbeschriebenes Blatt sein mag, ist seine musikalische Bandbreite – von Soul, Blues, R&B, Jazz und HipHop bis hin zu Garage Rock – ebenso lang wie die Liste an Städten, in denen Livingston aufwuchs (in Los Angeles zu Welt gekommen, in New Jersey, Louisiana, New York und Philadelphia groß geworden, was auch die Vielfalt an musikalischen Stilen erklären dürfte).

Ja, irgendwie reiht sich da auch Springsteens mit Spannung aufgeladene Nummer über einen paranoiden Kleinkriminellen, der in einer regnerischen Nacht den New Jersey Highway herunterjagt und immerzu fürchtet, dass die Polizei ihm bereits dicht auf den Fersen sei, gut ins Bild ein. Natürlich auch, da der Song nahezu unkaputtbar ist.

 

 

„New Jersey Turnpike riding on a wet night
‚Neath the refinery’s glow out where the great black rivers flow
License, registration, I ain’t got none
But I got a clear conscience ‚bout the things that I done

Mister state trooper, please don’t stop me
Please don’t stop me, please don’t stop me

Maybe you got a kid, maybe you got a pretty wife
The only thing that I got’s been bothering me my whole life
Mister state trooper, please don’t stop me
Please don’t you stop me, please don’t you stop me

In the wee wee hours your mind gets hazy
Radio relay towers gonna lead me to my baby
The radio’s jammed up with talk show stations
It’s just talk, talk, talk, talk, till you lose your patience
Mister state trooper, please don’t stop me…“

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Bruce Springsteen – High Hopes (2013 Version)

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Der Mann macht zum Herbst seiner Karriere noch mal so richtig Dampf… Zumindest gefühlt liegt die Veröffentlichung des letzten Springsteen-Albums – „Wrecking Ball“ erschien im März vergangenen Jahres – noch nicht all zu lange zurück, da kündigt der „Boss“ bereits das nächste an. Wobei man bei „High Hopes„, dem am 10. Januar erscheinenden 18. Studioalbum Springsteens, wohl kaum von einem komplett „neuen“ Album sprechen kann. Vielmehr versammelt das nimmermüde US-amerikanische Heiligtum darauf zwölf Stücke, die er in kleinen Tourneepausen irgendwo zwischen New Jersey, Los Angeles, Atlanta, Australien und New York City aufnahm, und welche in Gänze einen Mix aus neuem Material, Covern und Neufassungen eigener Songs ergeben. So dürfte etwa das titelgebende Stück eingefleischten Fans bekannt vorkommen, immerhin gab es „High Hopes“, ein Cover der LA-Band Havalinas, in einer früheren Version bereits 1996 auf der „Blood Brothers EP“ zu hören. Auch „Dream Baby Dream“, Springsteen gelungene Variante eines Suicide-Stückes, wurde in anderer Form bereits vor zehn Jahren veröffentlicht. Und „High Hopes“ dürfte auch für Freunde der Polit-Rocker von Rage Against The Machine interessant werden, immerhin ist Gitarrist Tom Morello auf einem Großteil der Songs als Gastsaitenschwinger mit von der Partie – natürlich ebenso wie Springsteens E Street Band…

Wer wissen möchte, was Springsteen selbst zur anstehenden Veröffentlichung von „High Hopes“ zu sagen hat, findet hier mehr Informationen.

 

 

 

 

Judith Holofernes – Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)

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Das alte Spiel: An einer Band wie Wir sind Helden scheiden sich bereits seit deren unvermitteltem Einschlag in die bundesdeutsche Poplandschaft – man erinnere sich an das rotzfreche Liedchen „Guten Tag“ aus dem Jahre 2003 – die musikalischen Gemüter. Mir selbst war die selige Melancholie, die sich vor allem durch die letzten Alben der Band zog, stets lieber als die irgendwie aufgesetzt protestige Gute Laune der Anfangszeit. Und doch braucht jede Gruppe auch mal eine Auszeit… Klar kann man die dann etwa zur Familiengründung nutzen. Doch selbst der schönste Berliner Kinderspielplatz wird wohl irgendwann zu langweilig… Also beschloss Wir sind Helden-Frontfrau Judith Holofernes, dass es nach der ein oder anderen Kollaboration (zum Bespiel mit der Höchsten Eisenbahn) Zeit für’s erste Soloalbum sei: „Ein leichtes Schwert“ wird ab dem 7. Februar 2014 in den Läden stehen, schon jetzt kann man sich mit „Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)“ einen ersten Vorgeschmack darauf holen, wie Judith denn ohne ihre drei männlichen „Stammhelden“ so klingt. Und auch für alle Helden-Hasser dürfte das dazugehörige Musikvideo ein wahrer augenzwinkernder Augenschmaus sein, immerhin lässt sich die 37-jährige Musikerin darin von zwei kleinen Engeln (!) aufs Übelste zurichten…

 

Hier gibt’s das Video zu „Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)“…

 

…und das Making Of:

 

 

Metric – Mother

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Dass die Kanadier von Metric nicht nur die großen Indiediskostampfer, sondern auch die ganz ruhigen Töne aus dem Effeff beherrschen, hat die Band in ihrer langjährigen Karriere bereits in unzähligen Sessions, in denen sie sich selbst einfach mal den elektrifizierten Stecker zog und ihre Songs in abgesteckten Akustik-Versionen darbot, bewiesen. Kürzlich machten Metric in den New Yorker Magic Shop Recording Studios Halt, um ihre Variante des bewegenden John Lennon-Songs „Mother“ aufzunehmen und sich selbst als versierte Beatles-Fans zu outen. Für die Coverversion setzte sich Gitarrist James Shaw an Piano und Mikrofon, während die eigentliche Frontfrau Emily Haines lediglich die Backing Vocals beisteuerte…

 

Hier gibt die Metric-Variante von „Mother“ in Bild…

 

…und Ton:

 

 

Kanye West – Bound 2

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Wer heutzutage im HipHop-Geschäft noch etwas reißen mag, der sollte gefälligst auch wirklich etwas zu bieten haben. Denn längst ist der mit Beats und Rhymes beladene Rap-Express in Richtung der Reime-Kolchose Odd Future Wolf Gang Kill Them All, welcher unter anderem so kontroverse Künstler wie Tyler, The Creator, Earl Sweatshirt oder Frank Ocean angehören, nach Los Angeles weiter gezogen – da kann sich jemand wie „Hova“ Jay Z (Mann besteht neuerdings auf die Entfernung des Bindestrichs!) noch so fest an seinen sicher geglaubten Klassenbestenthron ketten, da kann das Milchbrot Eminem mit dem unlängst erschienenen „The Marshall Mathers LP 2“ noch so verzweifelt versuchen, an die – künstlerisch wie kommerziell – erfolgreichen Anfangstage anzuknüpfen…

Nur einer lebt noch immer in seiner Welt des überhöhten Selbstverständnisses: Kanye West. Klar, wer mit einem Society-Sternchen wie Kim Kardashian anbandelt, dem gemeinsamen Kind ernsthaft den Namen North (also: North West!) gibt und sich in künstlerischem Sinne auf Augenhöhe mit Visionären wie Picasso, Walt Disney und Steve Jobs sieht, der darf – in welchem Sinne auch immer – schon als höchst besondere Persönlichkeit gelten. Natürlich beweist das der 36-jährige Rap-Star immer wieder aufs Neue, ob nun mit besonders weinerlichen Autotune-Veröffentlichungen (das beinahe gänzlich aus der Spur geratene vierte Album „808s & Heartbreak“ von 2008), indem er Megalomanie auf bedeutsame Megalomanie schichtet (das noch immer auf bescheuerte Weise großartige „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ zwei Jahre darauf), indem er sich mit Buddy Jay Z zum Aufsehen erregenden Gipfeltreffen begibt (das gemeinsame Album „Watch The Throne“ von 2011) oder dem verdutzten Zuschauer seiner Musikvideos mal eben alles an optischen Reizen vor den Latz knallt, was man in der Kürze der Zeit für Abertausende von Dollar gerade so kaufen konnte (man schaue sich zum Beweis den „lediglich“ 35-minütigen Protz-Overkill „Runaway„, einen kaum als Kurzfilm – eher: Kunstfilm – zu titulierenden Geniestreich zu „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“, an). Dass Wests aktuelles Album „Yeezus“ (!) einerseits zwar mit für seine Verhältnisse recht konventionellem HipHop aufwartet, andererseits zwischen den Zeilen erneut abseitige Größe beweist, dürfte klar sein. Der Mann ist schließlich um keinen Superlativ verlegen…

Und: Auch West versteht es wie kaum ein Zweiter, immer und immer wieder für mediale Schlagzeilen zu sorgen. Ob nun durch seine Beziehung mit Kardashian, die ein oder andere kontroverse und/oder schwulenfeindliche Äußerung oder den allseits bekannten Größenwahn. Neuerlich mag es Kanye West aber wohl besonders plakativ. Wie anders ließe sich das Musikvideo zur neusten „Yeezus„-Auskopplung „Bound 2“ deuten, in welchem zuerst Pferde durch eine uramerikanische Kulisse stapfen, bevor West erscheint, um seine (Beinahe-)Angetraute während einer Motorradfahrt (!) und unter freiem Himmel (!) mit dem (wohl ebenso megalomanischen) „Mini-West“ zu beglücken? Klischees aus der Ramschkiste, die direkt auf die Frontseite der Klatschmagazine abzielen… Erfreulicherweise ist ein Video wie dieses natürlich auch ein gefundenes Fressen für Parodien. Und wenn sich dann sogar Schauspielgrößen wie Seth Rogen und sein Kollegenkumpel James Franco dazu hinreißen lassen, höchst ironisch und überzeugend die Parts von West und Kardashian zu übernehmen, dann ist das Ergebnis ebenso lustig wie Aufsehen erregend… Kanye West dürfte das nur recht sein. Und wie man unlängst hörte, mochte er die Parodie seiner parodistischen Selbstdarstellung durchaus…

Hier gibt’s das Original…

 

…und die Parodie:

 

Und da beliebte Internetscherze im virtuellen Zeitalter selten unter sich bleiben, musste man logischerweise selbst auf die Parodie der Parodie nicht lange warten:

 

 

Rock and Roll.

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Bruce Springsteen & The E Street Band live im Olympiastadion, Berlin, 30. Mai 2012: Gottesdienst in Rock…


Der eigentliche Konzerthöhepunkt kommt ganz zum Schluss, im obligatorischen „Tenth Avenue Freeze Out“: nach der Textzeile „and the big man joined the band“ hält die Band unvermittelt in ihrem Spiel inne und auf der Leinwand werden Bilder des im vorigen Jahr an einem Schlaganfall verstorbenen Saxofonisten Clarence Clemons gezeigt – drei Minuten lang, und begleitet vom euphorischen, respektvollen Beifall des Publikums. Keine Frage, wo immer Clemons jetzt auch weilt, er wird stolz gewesen sein. Auf seinen Freund Bruce. Auf seinen Nachfolger aus eigenem Hause. Und auf seine Band.

Doch von Anfang an. Das Konzert von Bruce Springsteen und der E Street Band stand unter einem guten Stern: das Wetter war gut, da angenehm mild und regenfrei, die Plätze auf der Tribüne gegenüber der Bühne von oberster Güte und Preisklasse (wenn schon, denn schon!), die Stimmung vor der Konzert bestens. Mit gut 20-minütiger Verspätung sah man die schwarzen Vans ins Rund des Berliner Olympiastadions einfahren, hinter der Bühne halten, und schon kurz darauf betrat der „Boss“, vom Beifall des bunt gemischten Publikums, von dem ein Großteil mit ihm gealtert zu sein schien, begleitet, die Bühne und eröffnete sein 28 Songs starkes Set gleich mit einer Live-Premiere: einer Coverversion von „When I Leave Berlin“, einem Lied des britischen Musikers Witz Jones (einen Mitschnitt des Songs findet ihr unten). Doch ans Gehen brauchten weder Band noch Publikum für die nächsten gut drei (!) Stunden einen Gedanken verschwenden. Springsteen hatte, bis auf seine Frau Patti Scialfa, welche laut Aussage „zu Hause die Kinder hüten musste“, alle Mitglieder seiner E Street Band mit in die deutsche Hauptstadt gebracht: die Gitarristen Nils Lofgren und Steve Van Zankt (dieser trug natürlich das obligatorische Bandana über dem lichter werdenden Haupthaar!), Schlagzeuger Max Weinberg, die Geigerin Soozie Tyrell, Charles Giordano für die Tasteninstrumente (der ursprüngliche E Street Band-Pianist Danny Federici verlor 2008 nach 35 gemeinsamen Bandjahren seinen langen Kampf gegen eine Krebserkrankung), Background-Sängerinnen und Trompeten, Trombones – und am Saxofon Jake Clemons, der den „Big Man“, seinen bereits erwähnten Onkel Clarence Clemons, würdig mit Zurückhaltung und Respekt, jedoch ebenso virtuosem Spiel vertrat. Insgesamt 15 Musiker teilten sich an diesem Abend die Bühne.

Dem Einstieg folgten mit Songs wie „We Take Care Of Our Own“, „Wrecking Ball“ (ein Abgesang an das mittlerweile abgerissene Giants Stadium in Springsteens Heimatstadt New Jersey) oder „Jack Of All Trades“ vor allem Stücke aus seinem aktuellen Album, in das immer wieder Live-Favoriten wie „Badlands“, „Youngstown“ – dessen Live-Version mit einem wie entfesselt aufspielenden Lofgren einfach legendär ist – oder „Waiting On A Sunny Day“ eingestreut wurden. Und war der „Boss“ (der seinem Titel im positiven Sinne immer wieder alle Ehre macht) früher vor allem die nach Beifall und Befriedigung des Publikums dürstende Working Class-Rampensau, so scheint er mittlerweile – und spätestens seit dem 2002, kurz nach dem Anschlägen vom 11. September, veröffentlichten Album „The Rising“ – seine neue Rolle gefunden zu haben: er ist Mahner, Tröster, Heiler, bodenständiger Unterhalter, aufrechter Rock-and-Roller, und Anführer seiner musikalischen Familie. Das Tolle ist, dass man ihm all diese Rollen unumwunden abnimmt, das Abklatschen mit dem Publikum, die spontane Tanzeinlage mit der Sanitäterin im Bühnengraben, das Überreichen seines Mikros an einen kleinen Jungen aus dem Publikum zu „Waiting On A Sunny Day“, die Freude über den Refrain-Chor aus dem Rund, das obligatorische spontane Einstreuen von Publikumswünschen („Hungry Heart“, „Save My Love“…) anhand von hochgehaltenen Schildern von Fans in seine Setlist. Das alles ist dieser, in seiner US-amerikanischen Heimat fast gottgleich verehrte Mann, der all der Millionen verkauften Alben zum Trotz stets bodenständig und glaubhaft geblieben ist. Ein ehrlicher Rocker, der laut eigener Aussage seit seinem fünftzehnten Lebensjahr kaum etwas anderes gemacht hat als Songs zu schreiben und Abend für Abend auf der Bühne zu stehen. Und es ist erfreulich, dass die Ausflüge des aktuellen Albums in Hip Hop (!) und Gospel – vor allem den beeindruckenden schwarzen Background-Sängerinnen zum Dank – auch live gut gehen, und Springsteen die Heimatstätte von Hertha BSC zeitweilig gefühlt in ein Prediger-Seminar im US-amerikanischen Süden verwandelt – mit 58.000 Teilnehmern.

Danach folgte ein Marathon aus Evergreens aus seinem bestens gefüllten Backkatalog: „The River“! „Thunder Road“! „Born In The U.S.A.“! „Born To Run“! „Glory Days“! „Dancing In The Dark“! Alles Songs, die viele der Zuschauer an ihre eigene Jugend zu erinnern scheinen und wohl auch deshalb so frenetisch bejubelt werden. Alles Evergreens, die jedoch vor allem live, aufgrund des stets variierten Vortrags von Springsteen und Band, nie dazu kommen, Patina anzusetzen. Bereits wenige Songs vor Konzertende hängt der 62-jährige Bandleader ausgepowert am Mikroständer (man möge es ihm, der während der vergangenen Stunden von einem Bühnenende zu anderen gerannt ist und stets den Kontakt zu Publikum gesucht hat, vergeben), vor der Rock’n’Roll-Nummer „Seven Nights Of Rock“ liegt er nach Luft schnappend am Bühnenrand und muss sich von seinem Freund Van Zandt eine Wasserdusche per Schwamm gefallen lassen.

Nach gut drei Stunden – wobei dieser Abschluss der Deutschland-Tournee noch den kürzesten der drei Gigs darstellte, was jedoch bei der Länge nun wirklich Makulatur ist, dem bereits eingangs erwähnten würdigen Abschluss „Tenth Avenue Freeze Out“ und einer Verbeugung von beiden Seiten ist Schluss. Und alle verlassen zufrieden das Stadion. Der Boss und seine Band, die nun dem 1988er Auftritt in Ost-Berlin (!) eine weitere erinnerungswürdige Konzerterfahrung an die deutsche Hauptstadt haben dürften. Das Publikum, welches sich, ordentlich unterhalten, gerockt und immer noch in Jugenderinnerungen schwelgend, in alle Winde verteilte und das Stadion hinaus in den lauen Maiabend verließ.

Für meinen Vater und mich war es definitiv ein toller, ein besonderer, ein erinnerungswürdiger Konzertabend, sind wir doch beide langjährige Springsteen-Hörer und -Bewunderer. Und wie schieb er mir kürzlich: „Das mit dir zu genießen – einfach das Größte!!“ Recht haste, Vati!

Für so ein Erlebnis fährt man doch gern gut 1.400 Kilometer. Das war Stadionrock von Champions League-Qualität in einem Zweitliga-Stadion, präsentiert von einem Mann, der trotz (oder wegen?) seines Alters – vor allem live – nur immer zeitloser und besser wird. Solche Dinge sind schwer zu beschreiben, solche Dinge muss man einfach erleben. Danke, Bruce. Wir sehen uns in Dänemark.

Hier noch die komplette Setlist des Berlin-Konzerts…

01 – When I Leave Berlin (Soundchecked, Cover von Wizz Jones)
02 – We Take Care Of Our Own
03 – Wrecking Ball
04 – Badlands
05 – Death To My Hometown
06 – My City Of Ruins
07 – Spirit In The Night
08 – Hungry Heart (Request)
09 – Trapped (Request)
10 – Jack Of All Trades
11 – Youngstown
12 – Johnny 99
13 – Working On The Highway
14 – Shackled & Drawn
15 – Waiting On A Sunny Day
16 – Save My Love (Request)
17 – The River
18 – The Rising
19 – Lonesome Day
20 – We Are Alive
21 – Thunder Road

22 – Rocky Ground
23 – Born In The U.S.A.
24 – Born To Run
25 – Glory Days
26 – Seven Nights To Rock
27 – Dancing In The Dark
28 – Tenth Avenue Freeze Out

(Quelle: Germantramps)

…und der Mitschnitt von „When I Leave Berlin“:

 

Rock and Roll.

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„Wrecking Ball“ von Bruce Springsteen – das komplette Album im Stream


Wer sich bisher noch nicht dazu durchringen konnte, das neue, 17. Studioalbum vom „Boss“ zu erstehen oder anzutesten, bekommt nun hier die Möglichkeit, „Wrecking Ball“ in Gänze zu hören…

Macht euch auf einige Überraschungen gefasst! Nach dem für mich doch arg mediokren Vorgänger „Working On A Dream“ von 2009 vermeidet der mittlerweile 62-jährige den Stillstand und lässt auch einige neue, bisher Springsteen-untypische Elemente mit einfließen, wie HipHop-Einlagen oder Gospel-Chöre – eine Tatsache, die wohl nicht zuletzt dem Einfluss von Produzent Ron Aniello geschuldet sein dürfte. Natürlich und zum Glück kann sich der US-amerikanische „Working Class Hero“ auch auf „Wrecking Ball“ Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen nicht verkneifen. „Besonders zornig“ sollte das Album werden… Ob das stimmt? Hört selbst:

 

 

Das aktuelle Video zur ersten Single „We Take Care Of Our Own“ könnt ihr euch hier anschauen.

Rock and Roll.

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