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Song des Tages: The War On Drugs – „Holding On“


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Eines vorweg: Wer immer und stets auf der Suche nach Musik ist, die die Welt aus den Angeln heben möchte, der ist bei Adam Granduciel und seinem zu Bandgröße angewachsenen Projekt The War On Drugs grundlegend fehl am Platz.

fileUnd das im Grunde schon seit den Anfangstagen, als Granduciel sich noch an verschrobenem Fuzz-Folk probierte – man stelle sich einfach den Dylan-Bob mit Dinosaurier Jr. als Backing Band vor (nachzuhören auf dem 2008 erschienenen Debüt „Wagonwheel Blues„). Und auch, wenn die aus Philadelphia stammende, mittlerweile sechsköpfige Band den US-amerikanischen Rock-Traditionalismen treu bleibt, haben Granduciel und Co. den Bandsound – spätestens seit dem tollen, vor drei Jahren veröffentlichten und überall gefeierten dritten Album „Lost In The Dream“ – deutlich in Richtung AOR verschoben – in der Indie-Version. Bedeutet, im Klartext: Raumgreifende Songs, die sich selten unterhalb der Sechs-Minuten-Marke einpegeln, sich Zeit nehmen, und daher perfekt geeignet scheinen für lange Road Trips auf einsamen Straßen. Als Referenz mag da scheinbar alles herhalten, was in der US-amerikanischen Musikgeschichte je eine Elektrische in Händen gehalten hat: Bruce Springsteen, Sonic Youth, Kurt Vile, Tom Petty, Yo La Tengo, Bob Dylan, Wilco, Strand Of Oaks, Neil Young (obwohl: der ist Kanadier)… Bloße „Classic Rock meets Americana“-Kopisten sind The War On Drugs dabei kaum, sie vermengen all diese Einflüsse nur zu einer eigenen, höchst angenehmen, da meditativen Klangmelange.

Diesem Ansatz bleibt auch das aktuelle, im August erschienene vierte Werk „A Deeper Understanding“ treu: zehn melancholisch drauf los stampfende Songs in 66 Minuten, die, wäre sie Twitter-Nachrchten, Sätze schreiben würde wie: „Das beste Mittel gegen Heimweh bleibt immer noch das Fernweh“. Songs, wie gemacht für lange Autofahrten und Tagträumereien, die keine Jahreszeit kennen und auch keinen Wochentag.

Die Welt an einem Sonntag aus den Angeln heben? Das überlassen The War On Drugs getrost anderen…

 

Man höre etwa das tolle „Holding On“, das, ganz nebenbei, noch mit einem feinen Musikvideo daher kommt. Das ebenjenes nicht direkt hier eingebunden werden kann, darf gern die innoffizielle, jedoch kaum weniger gute Variante herhalten:

 

Außerdem kann man „Holding On“ hier auch in einer Live-Session-Variante sehen (und hören):

 

„Once I was alive and I could feel
I was holding on to you
And I redefined the way I looked at dawn inside of youI went down a crooked highway
I went all outside the line
I’ve been rejected, now the light has turned and I’m out of time

Ain’t no way I’m gonna last
Hiding in the seams, I can’t move the past
Feel like I’m about to crash
Riding on my line, keep keeping on

Once we were apart and I could see red
Never trying to turn back time
Never meant to bring my pain to the front and into your life

Now I’m headed down a different road
Can we walk it side by side?
Is an old memory just another way of saying goodbye?

Ain’t no way I’m gonna last
Hiding in the seams, I can’t move the past
Feel like I’m about to crash
Riding the same line, I keep keeping on

I ain’t never going to change
He’ll never get in line
I keep moving on the path, yeah
Holding on to mine

When you talk about the past
What are we talking of?
Did I let go too fast?
Was I holding on too long?

Ain’t no truths from the past
As silent as the sea
Am I holding on too long?
But you’re right in front of me

And I’m moving on a cast
Shadows on my seam
I keep moving to changes, yeah
Ooh

Heart or hope…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kyle Craft – „Chelsea Hotel #2“


kyle-craft-cover photo by Mercy McNab

Foto: Mercy McNab

Chelsea Hotel #2„? Aye, Sir – großartig. Ein Klassiker der klassischsten Leonard-Cohen-Machart, veröffentlicht anno 1974 auf dem vierten Studioalbum des im vergangenen Jahr verstorbenen Troubadour-Großmeisters und Ladies‘ Man, „New Skin For The Old Ceremony“. Geschrieben vielleicht im, in jedem Fall über das Chelsea Hotel, jene berühmt-berüchtigte Absteige im New Yorker Künstler- und Einkaufsviertel Chelsea, 1883 erbaut und bis 1902 sogar das höchste Gebäude des Big Apple. Dass ebenjenes Hotel erst ab den Sechzigern, als sich zahlreiche Musiker, Schriftsteller und Künstler wie Salvador Dalí, Thomas Wolfe, Arthur Miller, Dylan Thomas, Charles R. Jackson, Nico, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Catherine Leroy, Valerie Solanas, Patti Smith oder eben Leonard Cohen sprichwörtlich die Klinke in die Hand gaben, Berühmtheit erlangte – alles Musikhistorie. Ebenso wie der Fakt, dass es ausgeflippten Kunstschaffenden wie Andy Warhol und seiner „Factory“ als „Spielwiese“ für deren später wegweisende Film- und Kunstaktivitäten diente (Velvet Underground, anyone?). Oder die Tatsache dass ebenda im Jahr 1978 ein zwar absolut talentfreier, jedoch charismatisch-durchgedrehter Bassist mit dem Künstlernamen Sid Vicious (Sie wissen schon: die Sex Pistols – ihres Zeichens die welterste zusammen gecastete Punk-Boygroup) im Zimmer Nummer 100 seine Freundin Nancy Spungen – mutmaßlich im Drogenrausch – erstach und im Jahr darauf im selben Zimmer an einer Überdosis verstarb. Da der Hotelbetrieb seit 2011 wegen Renovierungsarbeiten eingestellt wurde, und die historischen Gemäuer nördlich von Greenwich Village und südlich des Garment District in der 222 West 23rd Street bei soviel umwehtem Geist wohl heutzutage nur enttäuschen können, hält man sich doch am Besten an den unkaputtbaren Leonard-Cohen-Song, in welchem dieser in seiner unnachahmlichen Art – mutmaßlich, denn bestätigen wollte er es freilich nie – von einer zwar kurzen, jedoch wohl höchst intensiven Liebschaft mit Rockröhre Janis Joplin berichtet: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were talking so brave and so sweet / Giving me head on the unmade bed / While the limousines wait in the street“. Wie so oft bei Cohen gehen graue Realität und deren romantische Verklärung, Anziehung, Verlangen, sauige Leibeslust und tiefe Spiritualität Hand in Hand durch alle Zeilen: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were famous, your heart was a legend / You told me again you preferred handsome men / But for me you would make an exception / And clenching your fist for the ones like us / Who are oppressed by the figures of beauty / You fixed yourself, you said, ‚Well never mind, / We are ugly but we have the music'“. Wenn schon der Dylan-Bob ’nen Nobelpreis für’s Lebenswerk bekommt, dann sollte Leonard Cohen höchstbald folgen…

homepage_large.fdd38cb8Kaum schlechter als das Original ist die Version von Kyle Craft, welche der im künstlerisch dicht bevölkerten Portland, Oregon beheimatete US-amerikanische Musiker kürzlich in einer Piano-Variante zum Besten gab. Apropos Kyle Craft: der 28-Jährige wird aufgrund seines leicht überreizt quengeligen Gesangsorgans gern mit Dylan verglichen, während der Bandsound seines 2016 erschienenen Debüts „Dolls Of Highland“ Vergleiche mit Bruce Springsteens E Street Band nahe legt (nicht als Rentnergang, aber in deren tighter Siebziger-Form). Außerdem recht oft in der Review-Wundertüte: Glam Rock (Bowie, T.Rex, Queen – der Hang zur pathetischen Übertreibung), erdiger Rock’n’Roll, Southern Rock (was nicht verwundert, denn Craft wurde in Shreveport, Louisiana geboren und verbrachte somit fast zwangsläufig Teile seiner Kindheit im baptistischen Kirchenchor zu). Ich selbst höre in Songs wie „Eye of a Hurricane„, „Lady of the Ark“ oder dem Titelstück des Debütalbums vielmehr Künstler wie Jesse Malin (den diesseits des Atlantiks noch immer viel zu wenige kennen) raus, während Crafts Stimmbänder gleich neben Starsailor-Frontmann James Walsh parken (Sie wissen schon, die gaaanz große Dramaschublade von „Alcoholic“ und so). Aber wie immer darf ja jede(r) gern seine ganz eigenen Vergleiche ziehen…

 

 

„I remember you well in the Chelsea Hotel
You were talkin‘ so brave and so sweet
Givin‘ me head on the unmade bed
While the limousines wait in the street

Those were the reason an‘ that was New York
We were runnin‘ for the money and the flesh
An‘ that was called love for the workers in song
Probably still is for those of them left

Ah, but you got away, didn’t you babe
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around 

I remember you well in Chelsea Hotel
You were famous, your heart was a legend
You told me again you preferred handsome men
But for me you would make an exception

An‘ clenching your fist for the ones like us
Who are oppressed by the figures of beauty
You fixed yourself, you said, „Well, never mind
We are ugly but we have the music“

And then you got away, didn’t you baby
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around

I don’t mean to suggest that I loved you the best
I can’t keep track of each fallen robin
I remember you well in Chelsea Hotel
That’s all, I don’t even think of you that often“

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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„The Freewheelin‘ Bob Dylan“

Das Album, anno 1963 erschienen und damit das erst zweite des damals noch 22-jährigen Robert Allen Zimmerman: nicht nur wegen Song-Großtaten wie „Blowin‘ In The Wind“, „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“, „Don’t Think Twice, It’s All Right“, „Girl From The North Country“, „Corrina, Corrina“ oder freilich „Masters Of War“ eines der Besten in der mittlerweile langen Diskografie des Bob Dylan. Das ikonische Cover, aufgenommen vor dem damaligen Apartment des Singer-Songwriters im New Yorker Greenwich Village: seitdem tausendfach kopiert und nachgeahmt – mal humoristisch, mal voller Ernst und Bewunderung für die lebende Musiklegende.

Ein Stück gelebte Popkultur, welches auch die Dame auf dem Bild, Suze Rotolo, die damalige Freundin Dylans, welche 2011 verstarb, auf einen Schlag weltberühmt machte. Wie auch den für das Coverartwork verantwortlichen Fotografen Don Hunstein, der nun vor wenigen Tagen im Alter von 88 Jahren starb – nachzulesen hier

 
Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Ein kleiner privater Vorgriff: Am letzten Septembertag diesen Jahres, solange ich denken kann auch gleichzeitig mein Geburtstag, fahre ich im Herbstsonnenschein zu einem Freund, um ein Paket aus der alten Heimat abzuholen. Aus den Lautsprecherboxen meines mittlerweile leicht in die Jahre gekommenen Opel Corsa tönen zum ersten, jedoch längst nicht letzten Mal die zehn neuen Stücke von „Ruminations“. Ich fühle mich so gut wie lange nicht, was nicht im Besonderen am Wetter (Sonne kommt, Regen geht) oder an meinem Geburtstag (schließlich ist das Älterwerden nur eine kleine Leistung) liegt, sondern vielmehr am Moment als solchen. Und: an diesem Album. Natürlich hat man – im Speziellen ich, der sein ganzes Leben bereits Musik so intensiv in sich aufsaugt wie nur ein Bruchteil aller Menschen (das mag ich einfach einmal in Bescheidenheit behaupten) – mit den Jahren das Meiste bereits in irgendeiner Form, Note oder Variation gehört, ist nur noch Weniges wirklich besonders. Trotz alledem gibt es sie noch, diese Momente, in die sich ein Album perfekt einfügt – und sei es nur für den Bruchteil einer Sekunde. An diesem einen Tag zum Ende des Septembers – an meinem Geburtstag, im Auto gen Sonnenschein fahrend und mit „Ruminations“ zum ersten Mal im Ohr, durfte ich einen dieser Momente erleben. Mehr kann Musik einem nicht schenken. Und dafür darf, sollte, muss man dankbar sein. Und das bin ich.

 

Conor Oberst – Ruminations (2016)

3745400-erschienen bei Nonesuch/Warner-

„Laryngitis, Angst und Erschöpfung“ – Was sich als Begründung zunächst höchst beliebig und nach einer Ausrede für das von tausendundein Klischees besudelte Drogenproblem eines Berufsmusikers anhört, war bei Conor Oberst tatsächlich eine ernsthafte Sache.

Immerhin hat der heute 36-Jährige fast sein ganzes Leben im Musikergeschäft verbracht, ist seit dem zarten Teenageralter aus freien Stücken im nicht immer rosaroten Hamsterrad aus Plattenaufnahmen, Promoterminen und Tourneen rund um den Erdball mitgelaufen. Der Erfolg mit Bright Eyes, seit 1995 seine auch vom beflissenen Feuilleton beachtete On/Off-Hauptband, seinem 2001 ins Leben gerufenen und 2012 wiedervereinigten rüde-lauten Nebenprojekt Desaparecidos, der (un)geplant kurzlebigen All-Star-Truppe Monsters Of Folk (zu der, neben Oberst, auch My-Morning-Jacket-Vorsteher Jim James, Folker M. Ward und Intimus Mike Mogis gehörten) und zuletzt immer öfter solo (beziehungsweise mit seiner Mystik Valley Band) gaben ihm freilich recht. Schon 2002, als das vierte Bright-Eyes-Werk „LIFTED or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground„, das Oberst auch international bekannt machte, erschien, verlieh man dem damals gerade zarte 22 Jahre alten US-Musiker mancherorts das freilich unfreiwillige Label des „neuen Kurt Cobain“. Eine zweifelhafte Ehre, klar. Außerdem traf diese Umschreibung weder das Musikalische noch Oberst Intentionen im Geringsten. Natürlich war vor allem auf seinen Frühwerken immer eine ordentliche Portion Teenage Angst mit an Bord, natürlich trug der Herr schon immer sein Herz auf der Zunge und sparte in seinen Texten nie mit schonungslosen Beschreibungen seines zerrütteten Inneren. Eventuell war Conor Oberst sogar zu offen, denn 2013 warf ihm eine junge Frau vor, sie zehn Jahre zuvor im Backstage-Bereich nach einem Konzert vergewaltigt zu haben – ein heftiger Nackenschlag ausgerechnet für ihn, der sich stets für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte stark gemacht hatte. Dass das angebliche Vergewaltigungsopfer die Vorwürfe ein Jahr darauf zurückzog und das Ganze damit als dreiste Lüge entlarvte, spielte für den Menschen hinter der Fassade des bejubelten Indie-Musikers wohl nur eine kleinere Rolle (auch wenn die nachhingehende Rehabilitation freilich gut getan haben mag). Solch ein Vorwurf prallt vor allem an einem Sensibelchen wie Oberst nicht ab. Als er wenig später, im Jahr 2015, auf Tournee mit den wiedervereinigten Desaparecidos ging, um das zweite gemeinsame Album „Payola“ auf Clubbühnen vorzustellen, traf Conor Oberst schließlich der sprichwörtliche Hammer – Schluss, aus, rien ne va plus. Mental wie körperlich ließ sich der (einstige) Indie-Darling der Millennials im Oktober 2015 erst ins Krankenhaus einweisen, sagte alle weiteren Tourtermine ab, zog am Ende gar von seiner Wahlheimat, dem nie stillstehenden Big Apple New York City, zurück ins beschauliche Omaha. Dort hatte einst, Oberst war wohl erst um die zwölf Jahre alt, alles angefangen. Dort hatte er erste Bands gegründet (die sich dann etwa Commander Venus oder Norman Bailer, aus denen sich später die noch heute – allerdings ohne Oberst – existierenden The Faint entwickelten, nannten), dort hatte er in den Neunzigern gemeinsam mit Freunden erste Konzerte inmitten einer damals nicht existenten Konzert- und Clubszene organisiert, dort rief er als einer der Hauptinitiatoren gemeinsam mit seinem Bruder Justin und Produzent/Musiker Mike Mogis das noch heute mit viel Szene-Kred umwehte Indie-Label „Saddle Creek“ ins Leben.

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Nun also zurück zu den Wurzeln, zurück nach Omaha. Und obwohl sich in der größten Stadt des beschaulichen Bundesstaates Nebraska so Einiges getan hat seit Obersts Jugendzeit, obwohl viele der einstigen Freunde und Weggefährten Familien gegründet, die Musik zum Hobby erklärt, in andere Richtungen weiter entwickelt, vielleicht weg gezogen sind oder das Label gewechselt haben, muss es sich für den Musiker selbst, der in New York City vor lauter Möglichkeiten, Managerterminen, Ablenkungen und Zerstreuungen nie so ganz zur Ruhe kommen konnte (wenn er denn mal da war), wie ein schockbefreites Nachhausekommen angefühlt haben. Oberst packte sich den heimischen Garten voller Feuerholz, um für einen langen, harten Winter im mittleren Westen der USA gerüstet zu sein (man weiß ja nie) und igelte sich ein, um nach Jahren voller Vom-Aufnahmestudio-rauf-auf-die-Bühne-Schleifen endlich runter und wieder bei sich selbst anzukommen. Seine einzige Vorgabe: keine Musik. Doch wer den Werdegang von Conor Oberst in den letzten 15 Jahren verfolgt hat, der wird wissen, dass das nicht gut gehen konnte… Zum Glück.

Denn neben dem Feuerholz sorgte er dafür, dass in der heimischen Garage auch ein zwar spartanisch, jedoch voll funktionstüchtiges Probe- und Aufnahmestudio bereit stand. Dort schrieb sich Oberst dann in den kalten Tagen, die er im heimischen 400.000-Einwohner-Städtchen Omaha verbrachte (wo es – wohl auch durch sein Zutun – mittlerweile tatsächlich eine veritable, florierende Künstler-, Musik- und Club-Szene gibt), all seine schwer wiegenden Gedanken von der Seele, und begab sich im Februar diesen Jahres dann für lediglich 48 Stunden in die „ARC Studios“ seines Langzeit-Kumpels Mike Mogis, um kurz darauf zu verkünden: „Ich habe tatsächlich gegen meinen Plan ein Album geschrieben.“

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„Ich wollte eigentlich gar kein Album schreiben. Ehrlich gesagt, wollte ich gar nichts tun. Die Winter in Omaha haben einen lähmenden Einfluss auf Menschen, aber das war jetzt mein Glück. Ich blieb jede Nacht lange auf, spielte am Piano und schaute durch das Fenster dem Schnee beim Stapeln zu. Das nächste, was ich weiß, ist, dass ich das ganze Feuerholz verheizt hatte und mehr als genug Songs für ein Album hatte.“ (Conor Oberst)

Nun mag die Tatsache, dass einer wie Oberst, der in den vergangenen drei Jahrzehnten gefühlten 50 Platten in den verschiedensten musikalischen Konstellationen in die Regale gestellt hat, ein neues Album veröffentlicht, in Rom freilich keinen weißen Rauch aus den Schornsteinen blasen. Und dass es sich bei „Ruminations“ um knapp 40 Minuten Musik in ihrer pursten Form handelt – denn Mr. Bright Eyes spielte jede einzige Note selbst ein und begleitet sich lediglich spartanisch an Piano, Akustischer und Mundharmonika -, dürfte sich, so gelesen, weitaus unspektakulärer anhören als das eigentliche Ergebnis.

conor-oberst-2016-amelie-raoul-dg-450sqÜberhaupt: „Ruminations“ – zu Deutsch so viel wie „Nachsinnen“ oder „Grübeln“ -, davon haben Conor Obersts Songs Einiges intus. Wie dramatisch die Lage gewesen sein muss, schreibt Musiker-Kumpel Simone Felice in seinen Liner Notes: „Er befand sich an einem Ort, an dem er nicht mehr wusste, ob er jemals wieder einen Song schreiben kann. Vielleicht war der Brunnen vergiftet. Oder die Muse hatte sich in Asche aufgelöst“, erinnert sich der Singer/Songwriter an ein gemeinsames Telefonat. Dementsprechend dramatisch beginnt bereits der von Oberst zu Piano und Mundharmonika vorgetragene Albumopener „Tachycardia“ (zu deutsch „Herzrasen“): „I’m a stone’s throw from everyone I love and know / But I can’t show up looking like I do / In an old suit my hair is slicked back nice and smooth / In a court room, sweat rolling down my back / It’s a bad dream / I have it seven times a week / No it’s not me / But I’m the one who has to die“ – ähnlich bedrückende Zeilen hatte man man vom ewigen Indie-Boy mit dem traurigen Hundeblick zuletzt auf „Digital Ash In A Digital Urn„, 2005 quasi als „bösen Zwilling“ im Doppel mit dem anderen Bright-Eyes-Meisterwerk „I’m Wide Awake It’s Morning“ veröffentlicht, von ihm gehört. Und: so in etwa geht es weiter. Natürlich kommt bereits das nächste Stück, „Barbary Coast (Later)“, zur Akustischen weitaus versöhnlicher daher, wenn Oberst in ebenso einfachen wie gewohnt tollen sprachlichen Bildern seine Flucht vor all dem großstädtischen Trubel beschreibt („I don’t mind my head / When there’s room to dream / Feel like Paul Gauguin / Painting breadfruit trees / In some far off place / Where I don’t belong / Tried to lose myself / In the primitive / In Yosemite / Like John Muir did / But his eyes were blue / And mine are red and raw / ‚Cause the modern world / Is a sight to see / It’s a stimulant / It’s pornography / It takes all my will / Not to turn it off“). Aber Oberst wäre nicht er selbst, wenn er dem Süßen nicht das Saure gegenüber stellen würde: „I don’t wanna feel stuck, baby / I just wanna get drunk before noon“. Im Grunde ließe sich hier jeder Song zitieren und bis ins Innerste zerlegen: den betrunken Walzer, den Conor Oberst in „Gossamer Thin“ (zu Deutsch „hauchdünn“) aus den schwarzen und weißen Tasten schält, als er (unter anderem) die zärtlichen Minuten einer im Verborgenen keimenden Liebe singt („She likes the new pope / She’s not scared of hell / They meet once a week at a secret motel / She kisses his neck, she plays with his hair / Her screams sound like pleasure, her moans like despair“), die kalte Panik, welche ihn wohl manche Nacht schlaflos verbringen ließ („Early to bed, early to rise / Acting my age, waiting to die / Insulin shots, alkaline produce / Temperature’s cool, blood pressure’s fine / One twenty-one over seventy-five / Scream if you want, no one can hear you“ – „Counting Sheep“), den vertonten Verlust der Unschuld in „Next Of Kin“ („Get too drunk and you can’t perform / Something dies when a star is born / I spread my anger like Agent Orange / I was indiscriminate / Yeah, I met Lou Reed and Patti Smith / It didn’t make me feel different / I guess I lost all my innocence / Way too long ago“), die Verknüpfungen von Gott, gestohlenen Motorrädern und Gelegenheitssex in „The Rain Follows The Plow“, die Beschreibung von trügerischen Anhimmlungsgesten in „You All Loved Him Once“, welche man mit etwas Fantasie auch als politisches Statement zur diesjährigen US-Wahl verstehen könnte („You all loved him once / Yes, you ate out of his hand / He mirrored your confusion / So that you might understand / Then your soul was an experiment / So he drew a diagram / You all loved him once / It ended bad“). All das mündet – und das ist auch gut so – in die wohl positivsten Zeilen des Albums: „Rise and shine, get out of bed / Get ready for the day / Get a coffee from the deli / And walk the riverbank / Be careful with your headphones on / When you cross the FDR / Don’t want to be a casualty / Before you make it to the bar / And hide your shakes, and worried face / Just sit down in the back / Your friends got there ahead of you / And night is falling fast“ singt Oberst nicht ohne windschiefen Hymnus im abschließenden „Till St. Dymphna Kicks Us Out“ – die Heilige Dymphna, die Patronin der psychisch Kranken, wacht in jenen Stunden über ihn und all jene, die ihren Verstand verloren haben. „Let’s get enabled / Great minds, they think alike / I never was a good judge of when to call it a night / And we can keep drinking till St. Dymphna kicks us out“ – ein Hoch aufs pure Leben.

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Natürlich mag „Ruminations“ der Irrsinn, der nicht wenige Platten der Bright Eyes und Desaparecidos ausmachte, abgehen, die Pathetik auf den Spuren von Wagner, die Suche nach Geräuschen und Experimenten, diese Verspieltheit und Reduktion in wilder Allianz. Auf der Habenseite schlägt sich Conor Oberst auf seinem bereits zehnten unter eigenem Namen veröffentlichten Werk (zählt man denn die Frühwerke aus Teenagertagen mit) von jener behäbigen Alt.Country-Behäbigkeit frei, die noch vielen Stücken der letzten Platten „Outer South“ (2009), „One Of My Kind“ (2012) oder „Upside Down Mountain“ (2014) anhing, und welche wohl selbst einem Großteil des US-amerikanischen Indie-Publikums mit „Rolling Stone“- und Wilco-Prägung zu träge erschienen sein dürfte. Stattdessen bekommt man von Oberst Songs serviert, welche selbst für ihn in dieser schonungslosen Nacktheit, Ehrlichkeit und Verletzlichkeit überraschend erscheinen – dieser musikalische Dreizack aus Piano, Akustischer und Mundharmonika verdeckt eben nichts. Wenn man soll will, ist „Ruminations“ Conor Oberst persönliches „Blood On The Tracks“ oder „Nebraska(sic!) – und mit etwas Glück, Weitsicht und Geschmack (über alle drei Dinge ließe sich freilich vortrefflich streiten) wird sich dieses Werk auch selbst eines Tages in dieser Reihe wiederfinden. Und: Nein, der weltgrößte Mundharmonika-Man wird aus Conor Oberst wohl nie. In jedem Fall ist „Ruminations“ das Album eines zutiefst verunsicherten Mannes, der hier sprichwörtlich um sein Leben singt. Die Panik und das Leben, die Liebe und den Tod, den verlorenen Glauben und die Verlustängste, den kalten Schweiß und die warme Herzlichkeit, den Sex und die Einsamkeit – man hört sie in jeder Zeile, die Conor Oberst mit nicht selten bebender ins Mikrofon singt. „Ruminations“ ist ein großes, ernsthaftes Werk, an dem man sich kaum satt hören möchte, und Conor Oberst weder „der neue Kurt Cobain“ noch „der neue Bob Dylan“. Conor Oberst ist Conor Oberst, zum Glück. Und so gut, so nah, so ergreifend war er schon lange, lange Zeit nicht. Vielleicht sogar: noch nie.

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Für „NPR Music Front Row“ spielte Conor Oberst kürzlich alle zehn Stücke von „Ruminations“ bei einer Show im Housing Works Bookstore Café in New York City, bei welcher er sich lediglich von seinem Musiker-Kumpel MiWi La Lupa (welcher wohl nicht ganz zufällig sein zweites Album „Ended Up Making Love“ im März diesen Jahres bei Obersts eigenem Label „Team Love Records“ veröffentlicht hat) unterstützen ließ…

 

…während er bei einer Session bei „The Current“ drei Stücke des Albums solo zum Besten gab (nämlich „Next Of Kin“ , „Tachycardia“ und „Till St. Dymphna Kicks Us Out“):

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

Sollte Leonard Cohen diesen Ausspruch wirklich zum Besten gegeben haben (in den nicht selten trügerischen Weiten des Internets lässt sich das ja selten genug auf Echtheit prüfen), dann huldigt hier ein Großer einem Großen. Recht hat er ja sowieso. In jedem Falle: Hut ab vor Herrn Cohen, der in wenigen Tagen mit „You Want It Darker“ sein vierzehntes Studioalbum veröffentlichen wird – nicht viel für mehr als ein halbes Jahrhundert im Musikgeschäft (das erste Werke, „Songs Of Leonard Cohen„, erschien bereits 1967), jedoch beachtlich, wenn man bedenkt, dass die kanadische Musiklegende bereits stolze 82 Lenze auf dem vom Leben geprägten Buckel mit sich herum trägt…

 
Rock and Roll.

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Mein Senf: Der große Dylan – jetzt auch höchstoffiziell


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Gut, nun, da fest steht, dass Bob Dylan tatsächlich endlich den Literatur-Nobelpreis erhält, scheint die Entscheidung zwar noch immer erstaunlich – immerhin ist Dylan ja der erste Singer/Songwriter slash Populärmusiker, dem diese Ehre zuteil wird, zum anderen fragt man sich nun: Wann bekommt dann endlich Bono (s)einen Friedensnobelpreis?

Was heute jedes Kind weiß (oder zumindest wissen sollte): Der 75-jährige Bob Dylan, der als Robert Allen Zimmerman geboren wurde, begann seine Karriere in den 50er Jahren. Seine Texte gelten für die Folk- und Rockmusik als wegweisend.

Dabei wurde Bob Dylan rund zwanzig Jahre lang mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging der Dauerbrenner unter den Kandidaten leer aus (eben neben U2-Fronter Bono, der für sein soziales Engagement den Friedensnobelpreis viel mehr verdient hätte als etwa Barack Obama oder Al Gore). Zu gewagt erschien es offenkundig der sechsköpfigen Jury, einem Musiker – und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt – die höchste, seit 1901 vergebene Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Nun jedoch hat sie sich getraut.

Von einigen Skeptikern abgesehen, dürften die meisten – gut fünfzig Jahre nach Dylans Karrierestart als kleiner Kaffeehaus-Folker im New Yorker Greenwich Village – anerkennen, dass der Autor von nichts weniger als klassischer Folk-, Blues- und Rock-Lyrik wie „Masters Of War“, „Like A Rolling Stone“, „The Times They Are A-Changin'“,  „Mr. Tamburine Man“, „Just Like A Woman“ oder „Blowin‘ In The Wind“ ein würdiger Preisträger ist. Den kaum weniger renommierten Pulitzer-Preis für „lyrische Kompositionen von außerordentlicher poetischer Kraft“ hatte er ja bereits 2008 erhalten.

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Seinen Ruf als Revolutionär der Folk- und Rockmusik erwirbt sich Dylan schon Anfang der 60er Jahre, als er die Zeichen einer unruhigen Zeit richtig deutet. Seinen Start als Singer/Songwriter beschreibt er später in der literarisch anspruchsvollen Autobiografie „Chronicles: Vol. 1“ (2004) so: „Amerika wandelte sich. Ich ahnte eine schicksalhafte Wendung voraus und schwamm einfach mit dem Strom der Veränderung.“

Danach mutiert er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre (man erinnere sich an die berühmten „Judas!“-Rufe), komponiert und textet Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Gerade in dieser Zeit entstandene Stücke sind mit all ihren Metaphern, Symbolen und Anspielungen von beispielloser Qualität, während Werke wie „The Freewheelin‘ Bob Dylan“, „Highway 61 Revisited“ oder „Blonde On Blonde“ bis heute Spitzenplätze in nicht wenigen Ranglisten der „besten Alben aller Zeiten“ belegen.

Nach den wechselvollen, künstlerisch oft unbefriedigenden 70er und 80er Jahren kommt Dylans Rehabilitierung 1997 mit dem ersten großen Alterswerk „Time Out Of Mind“ – einer Platte voller düsterer, anspruchsvoller Texte, die wohl zu seinen besten zählen. Seitdem hat er einen Lauf, setzt alle paar Jahre Ausrufezeichen wie „Modern Times“ (2006) oder das erneut von literarischen, geschichtlichen und biblischen Anspielungen wimmelnde „Tempest“ (2012). Rund 100 Millionen Tonträger soll Dylan inzwischen verkauft haben (was beachtlich sein mag, jedoch vergleichsweise nicht gegen die Beatles ankommt).

Freilich zieht die ebenso logische wie im Grunde doch mutige Entscheidung der Nobelpreis-Jury für Dylan als Preisträger weitere Fragen mit sich: Hat das Popkulturelle jetzt endgültig Einzug ins Ehrwürdige gehalten, immerhin findet sich der „Mann aus Duluth“ nun in einer Riege zwischen William Butler Yeats, George Bernard Shaw, Thomas Mann, Hermann Hesse, Ernest Hemingway, Albert Camus, Pablo Neruda und Günter Grass wieder? Wann wäre denn dann einmal eine ebenfalls recht einflussreiche Musikgröße wie Leonard Cohen an der Reihe? Waren der vertonte und der niedergeschriebene Text in der Antike nicht ohnehin eins? Und: Wann zur Hölle darf Bono endlich den verdammten Friedensnobelpreis in Oslo entgegennehmen (und sei es nur, damit endlich Ruhe ist)?

Und natürlich ruft eine nicht eben mild kontroverse Entscheidung pro Dylan auch Spötter, auch Kritiker auf den Plan. So meint etwa Denis Scheck, ARD-Moderator („Druckfrisch“) und einer der bekanntesten deutschen Literaturkritiker: „Gelegentlich erlaubt sich die Akademie ein ‚Späßken‘. Die Auszeichnung von Bob Dylan ist genauso ein Witz wie es die von Dario Fo war. Am besten, man lacht mit.“ Noch deutlichere Wort fand der schottische Schriftsteller Irvine Welsh für die Entscheidung der Jury: „Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie-Preis, herausgerissen aus den ranzigen Prostatas seniler, sabbernder Hippies“, schimpfte der „Trainspotting“-Autor. In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt auch Sigrid Löffler: „Ich habe den Eindruck, dass die schwedische Akademie sich seit einiger Zeit interessant machen will, und zwar durch besonders ausgefallene und extravagante Namen, die sie da kürt.“ Dem MDR sagte das frühere Mitglied des „Literarischen Quartetts“: „Selbstverständlich sind Liedtexte, gerade die von Bob Dylan, natürlich wunderbar. Nur: Diese Texte sind keine eigenständige Lyrik, denn sie funktionieren nur, wenn sie gesungen sind.“ Wolfgang Niedecken, Frontmann der Kölner Mundart-Rocker BAP und bekanntlich der deutsche Dylan-Ultra, dürfte das freilich anders sehen: „Noh all dänne Johre…..endlich: Bob Dylan bekommt den Literaturnobelpreis. Ich freue mich riesig!“ Und auch Bruce Springsteen, seines Zeichens ja die andere Galionsfigur der US-amerikanischen Musikgeschichte, würdig Dylan via Facebook ausgiebig, während der deutsche „Rolling Stone“-Redakteur Maik Brüggemeyer – mit seinem 2015 erschienenen fantasievoll zusammen geschulterten Roman „Catfish: Ein Bob Dylan Roman“ ebenfalls ja kein Unbekannter, wenn es um Dylan-Fachkundige geht – Dylan selbstredend ebenso für einen würdigen Preisträger hält.

U.S. President Obama awards a 2012 Presidential Medal of Freedom to musician Dylan during ceremony in the East Room of the White House in Washington

Foto: REUTERS/Kevin Lamarque

Am Ende hatte und hat wohl jeder seine ganz eigene Meinung zum Schaffen von Bob Dylan, zu seinem Wirken über all die Jahrzehnte hinweg, und folglich auch zu seiner Ehrung mit dem Nobelpreis. Der Künstler selbst wird sich – so bleibt zu vermuten – wohl geehrte ob diese Lorbeeren von höchster Stelle fühlen, doch irgendwo wird es ihm herzlich schnuppe sein. Denn Robert Allen Zimmerman hat es in seiner Karriere noch nie darauf angelegt, allen zu gefallen, hat schlussendlich nur nach seinen höchst eigenen Regel gespielt (und die Puppen danach tanzen lassen). Denn die Person, welche in einer Art Maskerade, die selbst einem Shakespeare zur Ehre gereichen würde, schon längst hinter dem Pseudonym des Bob Dylan angekommen ist, hat selbst am meisten zur eigenen Maskierung und Mystifizierung beigetragen (wer’s ansatzweise verstehen möchte, dem sei  der nicht eben schlechte – und freilich von Dylan höchstselbst abgenickte – Film „I’m Not There“ (2006) empfohlen, in welchem Schauspieler(innen) wie Christian Bale, Richard Gere, Heath Ledger oder Cate Blanchett in die Rolle des Singer/Songwriter-Chameleons schlüpfen). Dylan polarisiert, das hat die heutige Vergabe des Literatur-Nobelpreises an ihn noch einmal gezeigt. Und das ist wohl das größte Kompliment, das man ihm machen kann.

 

 

Rock and Roll.

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