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Song des Tages: Paolo Nutini – „Iron Sky“


Paolo-Nutini

Manchmal wundere ich mich schon ein klein wenig über mich selbst. Da versuche ich tagein, tagaus möglichst viel Musik aus allen Genres und Bereichen zu hören und wie ein Ton gewordener Schwamm in mich aufzusaugen – und trotzdem geht auch mir – ja, ja – manch wahrlich großartiger Song durch die musikalischen Lappen. So geschehen etwa bei Paolo Nutinis „Iron Sky“.

Denn obwohl ich den schottischer Sänger und Singer/Songwriter italienischer Herkunft anno 2006, zu Zeiten seines Debüts „These Streets„, als er mit fluffig-gefälligen Pop-Nummern wie „Jenny Don’t Be Hasty„, „New Shoes“ oder „Last Request“ auf sich aufmerksam machen konnte, durchaus kurzzeitig auf dem Schirm hatte, ebbte das Interesse spätestens mit dem drei Jahre darauf erschienenen mediokren Album „Sunny Side Up“ (man höre etwa beispielhaft das recht egale „Candy„) merklich ab, einfach weil das Gros der Songs mit Einflüssen aus Indierock, Soul, Pop, Jazz, Ska und Folk zwar ordentlich in die Gehörgänge rutschte, jedoch auch schneller, als man „radiotauglich“ pfeifen konnte, wieder hinaus war. File under: gähn.

71o66HBqbgL._SS500_Folglich entging mir – bisher – das in Gänze durchaus überzeugende 2014er Drittwerk „Caustic Love„. Auf dem verlagert der mittlerweile 33-jährige Musiker aus dem schottischen Paisley, Sohn eines Fish’n’Chips-Buden-Besitzers, der sich einst weigerte, den Braterladen seines Vaters zu übernehmen, viel lieber sein Heil im Käfig Musikgeschäft suchte und dort schnell von niemand Geringerem als Ahmet Ertegün, dem legendären, amerikanisch-türkischen Musikmogul, der das Label Atlantic gründete, welches mit Künstlern wie Ray Charles und den Drifters, später gar Led Zeppelin reüssierte, entdeckt wurde, sein klangliches Spektrum von zwar überzeugendem, am Ende doch recht zahnlosem Radio-Pop auf durchaus zeitlose Soul-Nummern. Auf Songs wie „Let Me Down Easy„, das im 1965er Original von Bettye LaVette stammt. Das Bewundernswerte mag kaum sein, dass ein schottischer Wuschelkopf Anfang Dreißig mit den Stücken der US-Blues’n’Gospel’n’Soul-Grand Dame etwas anzufangen weiß, sondern vielmehr, dass Nutini stimmlich mitzuhalten versteht. Denn obwohl der Mann mit einer unverkennbaren Stimme gesegnet ist, die nach zwanzig langen, nachtschwarzen Jahren Whisky- und Zigarettenkonsum klingt, die in ihrer Gewalt an Größen wie Sting, Janis Joplin, Joe Cocker, Robert Plant oder Amy Winehouse erinnert, verleiht die Konzentration aufs Soulige, Funkige, auf Gospel, Rhythm’n’Blues seiner eigenen Musik deutlich mehr Authentizität, Groove und Kante. Coachella war gestern. Das hier? Ist mit all seiner tief empfunden Liebe und seinem Glauben an die Macht der Musik deutlich näher an Woodstock ’69.

https---images.genius.com-9f9dd2a27995e7d1b4dfdb047f1f6391.1000x1000x1Ein nahezu perfektes Beispiel hierfür ist „Iron Sky“, ohne jeglichen Zweifel die Über-Nummer auf „Caustic Love“. Eine verausgabende Hommage, die mit Soul, Kraft und explosiven Streichern scheinbar nicht zu (s)toppen ist. Die ruhigen Anfangstöne könnten dabei noch von den britischen Proto-Hippie-Rockern Procol Harum stammen, doch dann gewinnt der Song emotional und vokal an Intensität und reicht obendrein sogar noch ein wahres Orchesterfeuerwerk nach. Und wäre all das noch nicht Tränenkitzler genug, wird dazu eine berühmte Rede eingespielt, die von Freiheit und dem schönen Leben erzählt – und zur Abwechslung eben nicht vom oft genug bemühten Martin Luther King stammt. Es ist die herrlichste Gutmensch-Rede aller Zeiten, die Charlie Chaplin alias der jüdische Friseur in seinem Film „Der große Diktator“ von 1940 offenbart (ebenjene fand auf ANEWFRIEND bereits Erwähnung). Mit den Worten „…you the people have the power to make this life free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power. Let us all unite“ trägt Paolo Nutini die satte Stimmung von „Iron Sky“ weiter und hinterfragt später im Songtext die Grenzen von Freiheit im Hier und Jetzt. Ein dramatischer und rundum perfekter Song, der alles kann. Der mehr zu sagen hat als ein ganzer verdammter Tag im Formatradio mit seinem ach so „Besten aus den Achtziger, Neunzigern und von heute“.

Und gerade dieser Song wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen…

 

„Eine Stimme wie die von Paolo Nutini gibt es nur selten innerhalb einer Generation.“ (New York Daily News)

„Paolo Nutini ist ein Retromaniac, hoffnungslos gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Idolatrie und eigenem Anspruch. In dieser Zwischenwelt aber singt er wie ein junger Gott.“ (Rolling Stone, April 2014)

 

Das dazugehörige Kurzfilm-Musikvideo liefert obendrein noch einige visuelle Botschaften zu Musik und Text…

 

…während die „Abbey Road Live Session“ von „Iron Sky“ den Song noch einmal im Live-Gewand glänzen lässt. Sängerin Adele soll, nachdem sie zufällig zur gleichen Zeit in den Londoner Abbey Road Studios zugegen war und somit Zeugin von Paolo Nutinis Einspielung wurde, übrigens Folgendes getwittert haben: „Fuck!!! This is one of the best things I’ve ever seen in my life . . .“ – auch eine Art popkultureller Ritterschlag…

 

„We are proud individuals
Living for the city
But the flames
Couldn’t go much higher

We find Gods and religions
To paint us with salvation
But no one, no nobody
Can give you, the power

To rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

Oh, that’s life
That’s dripping down the walls
Of a dream that cannot breathe
In this harsh reality
Mass confusion spoon fed to the blind
Serves now to define our cold society

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

You’ve just got to hold on
You’ve just got to hold on

‚To those who can hear me, I say, do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed. The bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people and so long as men die, liberty will never perish. Don’t give yourselves to these unnatural men – machine men with machine minds and machine hearts! You are not machines! You are not cattle! You are men! You, the people, have the power to make this life. Free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power – let us all unite!‘

And we’ll rise
Over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Into freedom

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into
Freedom, freedom
From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Freedom, freedom

Oh, rain on me
Rain on me“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Pony Bradshaw – „10×10“ (Live Session)


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Auf seinem im vergangenen Juni erschienenen Debütalbum „Sudden Opera“ liefert der 39-jährige James „Pony“ Bradshaw so einige überzeugende Argumente für den etwas späteren Start mit der Kunst. Mit seinen fast vierzig Lenzen hatte der Musiker aus dem US-amerikanischen Chatsworth, Georgia Zeit, um erwachsen zu werden. Zeit, um zu leben. Zeit, alles zu vermasseln, von vorn anzufangen und (s)eine eigene Stimme zu finden. Der Titel des Albums mag insofern eine zwar recht janusköpfige, irgendwie jedoch auch treffende Beschreibung sein: sein Klang trifft den Hörer zunächst abrupt, dann jedoch stetig, wieder und wieder – wie eine Flut launischer Streicher, donnernd-abgründiger Enden und dramatischer Töne, und angeführt von Bradshaws Gitarre und  markdurchdringendem Soulgesang, der sehnsüchtig, tröstlich und fragend zugleich wirkt (und an mancher Stelle   Thrice-Frontmann Dustin Kensrue stimmlich recht nahe stehen mag).

v600_PONY_BRADSHAW_Sudden_Opera_COVER_RGB„Ich bin ein großer Fragensteller, ganz sicher“, meint Bradshaw. „Flannery O’Connor sagte, sie wisse nicht, was sie glaubt, bis sie es schreibt. So kann man sein eigenes Glaubenssystem finden, und jeder kann sehen, wie man es durcharbeitet. Das Schreiben erzählt mir etwas über mich selbst.“ Er hält inne. „Es hilft sehr.“

Pony – geboren als James Bradshaw – ist schon als Kind viel herumgekommen. Der in Mississippi geborene Militärbursche hat sein Leben – gefühlt – in den gesamten US of A verbracht. Heute hat er sich in Georgia niedergelassen, und mehr als irgendwo sonst fühlt er sich nun dort zu Hause. Nachdem ihn die Air Force bereits mit 21 Jahren vor die Tür setzte, ließ er sich ziellos treiben, bis die Musik, die er mehr als ein Jahrzehnt später fand, zu seinem wahren Anker wurde.

Und damit lag er wohl auch ganz richtig, schließlich hatten ihn renommierte Radiosender wie NPR oder Amazon Music bereits vor ein paar Jahren „as one to watch“ auf dem Radar. Doch anstatt die unerwartete Aufmerksamkeit zum fixen Kickstart zu nutzen, ließ Bradshaw sich Zeit um die Kunst, die er erst vor kurzem für sich entdeckt hatte, genau zu fassen, zu formulieren. „Sudden Opera“, für das Bradshaw alle Songs selbst schrieb, bevor er sich vom zehnfachen Grammy-Preisträger Gary Paczosa (Alison Krauss, Dolly Parton), Grammy-Preisträgerin Shani Gandhi (Parker Millsap) und Jedd Hughes (Emmylou Harris & Rodney Crowell) im Studio helfen ließ, ist das lohnende Ergebnis.

Van Gogh“ beginnt die Platte mit der dem Titel gebührenden Prahlerei und einem ordentlichen Maß Schmerz. „Es ist teils Traum, teils Fiktion“, sagt er. Bradshaw setzt lebhafte Imagination und rätselhafte Wortspiele zusammen, um eine Stimmung mehrdeutiger Sehnsucht zu erzeugen, die sich mit unverblümter Selbstwahrnehmung vermischt – eine Stimmung, die sich das ganze Album hindurch fortsetzt. Unterbrochen von einem spärlichen E-Gitarren-Groove brodelt „Jehovah„: “We go together like cocaine and time / Why don’t you go on and let it die?”

Wie bei vielen anderen Americana-, Southern Rock- und Blues-Musikern auch ist die Platte voller Lieder, die religiöse Bilder aufgreifen und wild durcheinander würfeln. „Shame“ widmet sich allen voreilig-glühenden Falsche-Finger-Zeigern, während „Ain’t No Eden“ das irdische Leben in seiner oft genug qualvollen Gegenwart akzeptiert und obendrein die Idee der paradiesischen Versprechung ablehnt. Mit tanzenden Händen in der Luft, einer Orgel und ordentlich Backbeat gibt sich „Didn’t It Rain“ dem Unbekannten hin. „Weißt du, ich habe das Gefühl, dass wir alle manchmal agnostisch sein sollten“, so Bradshaw. „Keine überzeugten Christen, keine überzeugten Atheisten – da bin ich mir sicher. Es gibt Dinge, die man nicht wissen kann. Es mag eine schöne Erleichterung sein, an etwas zu glauben und das Gefühl zu haben, dass man danach irgendwo hingeht. Ich kann das verstehen. Aber ich kann es einfach nicht unterschreiben.“

Getragen von einem Gospel-Chor im Background, ist „Sippi Sand“ das wohl autobiographischste Lied des Albums, in dem der US-Musiker aus seiner Familiengeschichte erzählt. Durch die elektrischen Gitarren von „Charlatan“ scheint Tom Petty auf seine Heartbreakers hinab zu lächeln, während der Song selbst vermeintlich spirituelle Südstaaten-Schlangenölverkäufer niederringt. „Bad Teeth“ überzeugt als grüblerischer Shuffle, und das verträumte „Loretta“ erforscht das Verlangen, die Auswirkungen und die Flucht in und mit einer anderen Person. Fast schon ergreifende Streicher treiben das turbulente „Gaslight Heart“ voran, während „Josephine“ das Album eindringlich zu Ende bringt.

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Das Album-Highlight jedoch dürfte das tolle „10×10“ sein: auch dieses Stück setzt auf klagende Streicher und Piano, um die Bühne für einen Mann zu bereiten, der sich nach Ruhe seht. Der Song mag bewegend sein – sein Titel selbst ist jedoch relativ zu verstehen: „Ich möchte nicht, dass jemand im Gefängnis denkt, ich würde es romantisieren, aber ich war ein paar Mal selbst im Knast, und es war irgendwie friedlich“, so Bradshaw. „Das liegt daran, dass ich nicht verurteilt wurde – ich war nur über Nacht dort. Aber als ich das schrieb, dachte ich, dass einem das Leben manchmal bedrückend erscheinen mag und man einfach nur eine Pause will. Also steck‘ mich übers Wochenende einfach in eine kleine Zelle und lass‘ mich vor all dem Rauschen entkommen.“

James „Pony“ Bradshaw gibt freimütig zu, dass er heutzutage mehr Romane und Gedichte liest als dass er Musik hört, obwohl ihn Helden wie Townes Van Zandt und Guy Clark auch heute noch inspirieren und so freilich immer noch eine große Rolle für ihn spielen. Aktuell jedoch beschäftigen ihn vor allem die französischen Autoren, Dichter und Maler des 19. Jahrhunderts, allen voran Flaubert. Er interessiert sich für den kreativen Prozess, der das Gehirn dazu bringt, Inspirationen zu erkennen, bevor alles seinen Lauf nimmt. Zur Musik selbst und regelmäßigen Live-Auftritten (er selbst spielte in der Vergangenheit etwa als Support für Social Distortion) hat Bradshaw keine wirklich dezidierte Meinung: „Ich frage mich jeden Tag, warum ich darin gut sein will“, sagt er. „Es ist schwer. Ich ringe mit dem Ego und dieser ganzen Sache. Aber ich weiß einfach, dass das Schreiben, Singen und Spielen mich glücklich macht, also mache ich es weiter.“

 

Besondern eindringlich geraten die Album-Highlights „Bad Teeth“, „10×10“ und „Didn’t It Rain“ in ihren jeweiligen reduzierten Live-Session-Varianten:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: KOLARS – „King of Carrot Flowers, Pt. 1“


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Dass man einem im Grunde durch so Vieles recht schwer wiegenden Stück mit wenig sublim stampfende Flügel verleihen kann, bewiesen KOLARS bereits vor einiger Zeit mit ihrer Variante des  Neutral Milk Hotel-Songs „King of Carrot Flowers, Pt. 1„.

Das in Los Angeles ansässige Duo – Rob Kolar an Gesang und Gitarre und Lauren Brown am Standup-Schlagzeug – beschreibt seinen Sound als „Desert Disco. Glam-a-Billy. Space Blues“, und genau das ist es wohl, was die beiden mit ihrer ungestüm-knappen Interpretation von „King of Carrot Flowers, Pt. 1“, einem der ebenso beliebtesten wie eingängigsten Titel von Jeff Mangum und seiner Band, abliefern.

In einem Interview vor knapp zwei Jahren erzählten Kolar und Brown von der Inspiration, die sich hinter ihrer Coverversion verbirgt:

king-of-carrot-flowers„‚King of Carrot Flowers‘ hat bei uns immer einen emotionalen Ton angeschlagen. Der Text und Jeffs Vortrag haben etwas, das diese großartige Kombination aus Herzschmerz, Humor und Verletzlichkeit ausmacht. Für uns hat es sich auch immer wie ein ergreifendes Spiegelbild der amerikanischen Kultur angefühlt. Wir wollten dem Song huldigen, aber etwas Unerwartetes damit machen. Das Original ist zu 3/4 wie ein Walzer, daher dachten wir, es wäre interessant, ihm dieses 4/4-Rock-and-Roll-Gefühl zu geben und etwas Biss und Frechheit in die Darbietung zu bringen.“

Anno 2017 veröffentlichten KOLARS ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Das musizierende Ehepaar, welches zuvor als Teil des Glam-Folk-Fünfers He’s My Brother She’s My Sister (über den hier bereits bei ANEWFRIEND zu lesen war) in Erscheinung trat, war seitdem nicht eben faul, spielte seit 2016 mehr als 400 Shows – so unter anderem bei Musikfestivals wie dem SXSW, Treefort Festival, Rolling Stone Weekender, London Calling, Gasparilla, Cornbury, Savannah Stopover, Dot to Dot oder The Great Escape – und veröffentlichte unlängst mit „Here Comes The Night“ (dessen Siebziger-Original von Nick Gilder stammt und bei dem ihnen so einige befreundete Musiker von Shakey Graves über Tashaki Miyaki bis hin zu He’s My Brother She’s My Sister unter die Arme griffen) einen weiteren Beweis dafür, dass dem gut aufeinander eingespieltem Zweiergespann Coverversionen liegen.

Neutral Milk Hotels sagenumwoben-ungewöhnliches Indie-Rock-Meisterwerk „In The Aeroplane Over The Sea„, das mit der (Doppel-)Nummer „King of Carrot Flowers“ eröffnet wird, mag zwar schon mehr als zwei Dekaden auf dem musikalischen Buckel haben, tönt jedoch – zumindest in meinen bescheidenen Öhrchen – noch so faszinierend abgründig wie eh und je. Und die KOLAR’sche Neuinterpretation des Openers mag man mit Fug und Recht als weiteres Beispiel dafür werten, wie einflussreich „Aeroplane…“ auch mehr als zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer ist…

 

 

„When you were young, you were the king of carrot flowers
And how you built a tower tumbling through the trees
In holy rattlesnakes that fell all around your feet
And your mom would stick a fork right into daddy’s shoulder
And dad would throw the garbage all across the floor
As we would lay and learn what each other’s bodies were for

And this is the room one afternoon, I knew I could love you
And from above you how I sank into your soul
Into that secret place where no one dares to go
And your mom would drink until she was no longer speaking
And dad would dream of all the different ways to die
Each one a little more than he could dare to try“

 

Rock and Roll.

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Monday Listen: River Giant – „River Giant“


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Es passiert ja oft genug, dass Künstlern oder Bands mit allerlei Vorschusslorbeeren bepackt der baldige große Durchbruch vorhergesagt wird. River Giant etwa. Über ebenjenes Dreiergespann aus dem US-amerikanischen Seattle schrieb etwa das Label Indigo vor einiger Zeit:

„Die Eckdaten lassen Großes vermuten: Indie-Rock, Folk, Americana, 70er-Jahre-Soul und Seattle. Letzteres nicht nur als Herkunft, sondern schon als musikalisches Selbstverständnis eines Trios, das mit ‚River Giant‘ sein Debüt vorlegt. Die drei Musiker – Sänger und Gitarrist Kyle Jacobson, Schlagzeuger Liam O’Connor sowie Bassist Trent Schriener – fanden sich Ende 2009 zusammen. Nach einer selbst produzierten EP im Frühjahr 2011 wurde Chris Early (Gold Leaves, Grand Hallway, Band Of Horses) auf sie aufmerksam und wollte unbedingt ihr Debütalbum produzieren, welches sehr viel reifer und ausgewogener daherkommt als die damalige EP. Schon der Opener ‚Out Here, Outside‘ zeigt ihre großartigen Harmoniegesänge, ‚Pink Flamingos‘ kommt mit Soul-Anleihen, das stark groovende ‚I Permute This Marriage‘ und das treibende ‚Taylor Mountain‘ geben neben all den harmonischen Gesängen die eigentliche Stoßrichtung vor. Ein tolles Debüt einer Band, von der noch viel zu hören sein wird.“

river-giant-142306Allein die Tatsache, dass diese lobenden Zeilen bereits gut sechs Jahre alt sind, zeigt, dass River Giants 2012 erschienenes selbstbetiteltes Debütwerk (welches knapp ein Jahr später in Deutschland nachgereicht wurde) zwar auch hierzulande die ein oder andere recht positive Review einheimsen konnte (etwa bei plattentests.de oder bei laut.de), der Band aus dem Nordwesten der US of A – aller tönenden Qualitäten zum Trotz – die breitere Aufmerksamkeit versagt blieb. Auch ich selbst bin erst vor ein paar Tagen aufgrund einer Erwähnung von River Giant durch Jörg Tresp, den Chef des deutschen Indie-Labels DevilDuck Records, der das Trio andernorts als „Fleet Foxes auf Grunge“ beschrieb (während sein Label anno 2013 ebenfalls kaum an warmen Lobesworten sparte), recht zufällig auf das zehn Songs starke Debütalbum gestoßen…

Und ein wenig schade ist es schon, dass Kyle Jacobson (Gesang, Gitarre), Trent Schriener (Bass) und Liam O’Connor (Schlagzeug) nach dem starken Erstling, der mit seinen Songs die „Flanellhemd-Fraktionen“ des Grunge mit ebenjenen des Indie-Rocks, Alt. Country oder Americana zusammenbrachte, nichts nachfolgen ließen. Sechs Jahre nach Erscheinen von Stücken wie „I Premute This Marriage“ oder „Pink Flamingos“ lassen sich über das Seattle-Trio – mal abgesehen von einer empfehlenswerten Live Session für den Radiosender KEXP (findet ihr weiter unten) – kaum noch digitale Fußspuren nachverfolgen – nicht einmal einen Facebook-Auftritt besitzt die Band (mehr). Nichtsdestotrotz sei allen, die schon immer stilistische Schnittmengen zwischen Nirvana, Pearl Jam, The Black Crowes, Band Of Horses oder Neil Young ausmachen konnten, das leider etwas unter dem Radar gelaufene, mit allerhand Herzblut zwischen den Karohemd-Stilen rockende Album definitiv empfohlen…

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jeff Buckley – „Lover, You Should’ve Come Over“ (live)


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Gestern vor exakt 25 Jahren – also am 23. August 1994 – erschien mit Jeff Buckleys Debütwerk „Grace“ eines jener Alben, welche zu Zeiten ihrer Veröffentlichung weitaus weniger musikalischen Staub aufwirbelten als in den Jahren danach – was wohl einerseits an Buckleys viel zu frühem Tod 1997 zusammenhängen mag (dazu habe ich vor einigen Jahren schon mal ein paar Zeilen geschrieben), zum anderen natürlich mit dem Album selbst (auch zu diesem – anlässlich des 20-jährigen Jubiläums – gab’s seinerzeit auf ANEWFRIEND einige Worte). Denn wer, der je das Glück hatte, Jeff Buckleys meisterhafter Interpretation des Leonard-Cohen-Songs „Hallelujah“ zu lauschen, könnte diese einzigartige Stimme, dieses fulminante Gespür, diese Ahnung von unglaublichem Talent je wieder vergessen? Diese Tragik, dass Buckleys Leben – übrigens wie das seines Vaters Tim, der mit gerade einmal 28 Jahren starb – viel zu früh endete, und er der Musikwelt zwar „Grace“, jenes Meisterwerk mit all seinen Ewigkeitsstücken wie „Lilac Wine“, „So Real“, „Dream Brother“, „Last Goodbye“ oder „Eternal Life“, schenkte, jedoch alles kreativ Kommende im Nebel der unvollendeten Versprechungen hinterließ? Doch am Ende ist auch das der Stoff, aus dem Legenden gewoben werden – siehe Jimi Hendrix, siehe Janis Joplin, siehe Kurt Cobain, siehe Elliott Smith, siehe John Lennon, siehe…

Den 25. Geburtstag von „Grace“ nahm Columbia / Legacy Recordings nun zum Anlass, allen Streaming-Freunden ein um etliche Fan-Favoriten erweiterten Backkatalog digital zugänglich zu machen – wozu natürlich nicht nur „Grace“ selbst sowie den postum veröffentlichten Nachfolger „Sketches For My Sweetheart The Drunk“ zählen, sondern auch die ein oder andere Live-Show, welche nicht selten bereits jahrzehntelang als Bootlegs durch Fan-Kreise geistern – mehr Infos findet man etwa hier.

Jeff-Buckley-Grace-The-Opus-Podcast-Sony-Consequence-of-Sound

 

 

Einen der tollsten Songs von Grace, „Lover, You Should’ve Come Over“, hat das Label nun in einer am 19. Februar 1994 im Middle East in Cambridge, MA aufgenommenen Version – und im Musikvideo versehen mit bislang unveröffentlichten Bildern – veröffentlicht:

 

„Looking out the door
I see the rain fall upon the funeral mourners
Parading in a wake of sad relations
As their shoes fill up with water
Maybe I’m too young
To keep good love from going wrong
But tonight you’re on my mind so
You’ll never know

Broken down and hungry for your love
With no way to feed it
Where are you tonight?
Child, you know how much I need it.
Too young to hold on
And too old to just break free and run
Sometimes a man gets carried away,
When he feels like he should be having his fun
Much too blind to see the damage he’s done
Sometimes a man must awake to find that, really,
He has no one

So I’ll wait for you and I’ll burn
Will I ever see your sweet return,
Or, will I ever learn?
Lover, you should’ve come over
‚Cause it’s not too late.

Lonely is the room the bed is made
The open window lets the rain in
Burning in the corner is the only one
Who dreams he had you with him
My body turns and yearns for a sleep
That won’t ever come

It’s never over,
My kingdom for a kiss upon her shoulder
It’s never over, all my riches for her smiles
When I slept so soft against her
It’s never over,
All my blood for the sweetness of her laughter
It’s never over,
She is the tear that hangs inside my soul forever
But maybe I’m just too young,
To keep good love from going wrong
Oh lover, you should’ve come over, yeah yeah yes

I feel too young to hold on
I’m much too old to break free and run
Too deaf, dumb, and blind
To see the damage I’ve done
Sweet lover, you should’ve come over
Oh, love I’ve waited for you
Lover, you should’ve come over
‚Cause it’s not too late“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jade Bird – „Love Has All Been Done Before“


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Im Fall von Jade Bird mag man das musikalische Hüh-Hott von verschiedenen Seiten aus aufzäumen: Wahlweise darf man glauben, dass die seligen Neunziger mit ihren Alanis Morissettes, Shania Twains, Sheryl Crows oder Natalie Imbruglias ihr Revival bekämen. Oder bereits die Nullerjahre, als ein blondes Pausbacken-Kücken namens Taylor Swift zum großen Sprung aus der US-Südstaaten-Hillbilly-Country-Scheune hin zu den gaaaaanz großen Arenen ansetzte. Kann man machen. Oder anerkennend staunen, was für eine Energie die 21-jährige Britin bereits auf ihrem selbstbetitelten, im April erschienenen Debütalbum versprüht…

91HUOaBPk+L._SS500_.jpgKlar, neu sind die musikalischen Zutaten keineswegs, die Jade Elizabeth Bird da in Songs wie „Lottery„, „Uh Huh“ (die beide bemerkenswerterweise bereits in den Top 3 der US-Alternative-Charts landeten), „I Get No Joy“ oder „Love Has All Been Done Before“ benutzt: Ein bisschen Alt.Country-Spirit hier, großzügige Prisen Americana und Indiepop da, ein Mü bluesige Schwere im Abgang, mächtig Emphase-Nachwürze im Refrain – fertig ist der Ohrwurm, den du partout nicht mehr aus den Gehörgängen bekommst (und das erfreulicherweise auch gar nicht möchtest), und der ebenso gut als qualitativ gelungener Lückenfüller zwischen all die immergleichen Mark-Forster-Klonen ins Formatradio passt. Allein schon der (Band-)Instrumentierung wegen hätte man in den Neunzigern gut und gern von einer „Rockröhre“ geschrieben (und Indie-Kundige hätten wohl noch Nikka Costa als stimmgewaltigen Vergleich ins Feld geführt). Ist die Newcomerin, Jahrgang 1997, auch – nur eben nicht schal und „zig mal so gehört“, sondern frisch, intensiv und interessant. Und auch wenn man’s berechnend (und ein klein wenig naiv) finden darf, das Debütwerk, das der 2017 veröffentlichten „Something American EP“ nachfolgt und bei welchem der Newcomerin bekannte Namen wie Simon Felice und David Baron zur Seite standen, mit einer so arg niedlich-reduzierten, lieblichen Nummer wie „Ruins“ zu eröffnen – Jade Bird beherrscht viele Nuancen bis hin zu herzergreifend großen, simplen Balladen wie „17“ oder dem abschließenden „If I Die„, welches die tolle Zeile „If I die put me in a song / Tell everyone how in love I’ve been“ aufbietet, die wie viele der Songs am Ende doch – wie könnte es anders sein – vor allem von der Liebe erzählt (jedoch anderswo auch schwerere Themen wie Scheidung, Trauer oder Tod touchiert)… Aber das war ja für ewige Größen wie Dolly Parton auch nie ein Nachteil, oder? Da ist es auch kaum ein Widerspruch, dass die junge Engländerin das eher konservative (jedoch über Jahrzehnte hinweg erfolgreiche) Songwriting von Parton ebenso schätzt wie die lyrische und musikalische Freiheit einer Patti Smith, und beide genauso als Vorbild nennt wie Avril Lavigne und Bruce Springsteen, Kelly Clarkson und The Smiths.

Am Ende mag es Jade Bird – bei ihrem Talent, bei ihrer Stimmgewalt, bei ihrem Gespür für Dynamik, Atmosphäre und schlussendlich tolle Songs – auch komplett egal, Schnuppe und Wurscht sein, welcher – mal treffender, mal hastig aus der Luft gegriffener – Vergleich ihrem musikalischen Gaul zum Sprung verhilft: Spätgeborenes Neunziger-Rockrevival á la Morissette? Indie-Epigonin von La Swift? Frech konzipierte Indie-Nummern fürs nachmittägliche Formatradio? Aber erstaunlich ist’s schon, dass diese Songs, die so all American tönen, nun von Croydon, Südlondon aus die Musikwelt erfreuen…

 

 

 

„Sick and tired of just lettin‘ you in
Just to let you down again
Exasperated with the expectation
You’d be more than just a friend
But in honesty that I, I can be
A fourth finger with four limbs to carry
Won’t let you make a fool out of me, boy
See boy

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

You almost had me for a minute there
Givin‘ my whole life to this love affair
Well I’m not gonna sit here and stroke your hair
You almost had me for a minute there
It doesn’t help that you mean well
They say the devil’s in the detail
And I’m tryin‘ not to raise hell
But it’s likely for the refill

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Everything’s a rerun
Before it’s even begun
Tell me, what’s the reason?
If everything’s a season
Then I’m a setting sun
We’re already done

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Ooh, ooh
Ooh, ooh
We’re already done

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Ooh, ooh
Oh, love has all been done before
Love has all been done before
Love has all been done before
Love has all been done before
You are sweet and you are pure
But love has all been done before“

 

Rock and Roll.

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