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Song des Tages: Molly Tuttle – „Fake Empire“


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Der Titel des kommenden Albums von Bluegrass-Musikerin Molly Tuttle, „…But I’d Rather Be With You„, könnte passender kaum gewählt sein, schließlich sehnen sich – nach Monaten ohne Live-Shows – sowohl Interpreten als auch das Publikum sehnlichst danach, endlich wieder für Live-Musik zusammenkommen zu können, zu dürfen. Aber da wir alle – Ausnahmen unter Auflagen und im kleineren Rahmen mal ausgenommen – jedoch leider noch eine ganze Weile auf Festivals und größere Live-Shows verzichten müssen, schien Molly Tuttle ein neues Album in der Zwischenzeit als recht guter Kompromiss…

A1k43pcs5TL._SS500_So versammelt „…But I’d Rather Be With You“ zehn eklektische Coverversionen aus verschiedensten Genres, die während der Quarantäne in Nashville aufgenommen wurden – allen voran eine feine Version von The Nationals „Fake Empire“, aber auch „She’s A Rainbow“ von den Rolling Stones, „Mirrored Heart“ von FKA Twigs, „Olympia, WA“ von Rancid, „Standing On The Moon“ von The Grateful Dead (welches dem Album auch seinen Titel gab), „Sunflower, Vol. 6“ von Harry Styles, „Zero“ von den Yeah Yeah Yeahs oder „How Can I Tell You“ von Cat Stevens.

Ihren Teil der Aufnahmen stellte Tuttle mithilfe von Pro Tools in Quarantäne-Arbeit zuhause in Nashville fertig, schickte diese dann nach Los Angeles zu Produzent Tony Berg, der bereits mit Künstlern wie Phoebe Bridgers oder Andrew Bird zusammenarbeitete. Dieser organisierte darauf einige Session-Musiker, um die den Rest der Instrumentierung in den eigenen vier Wänden aufzunehmen, darunter etwa Sängerin Taylor Goldsmith von den Dawes.

Dass Molly Tuttle ausgerechnet ihre Variante des The National-Evergreens „Fake Empire“ als Lead-Single des Albums wählte, dürfte kein Zufall sein, schließlich passt das Stück, welches 2007 auf dem vierten The National-Studiowerk „Boxer“ erschien, wie kaum ein anderes in diese doch so eigenartige Zeit.

„Ich bin ein großer Fan von The National“, so die versierte Bluegrass-Gitarristin. „‚Boxer‘ ist wahrscheinlich mein Lieblingsalbum von ihnen. Und ‚Fake Empire‘ hat einen durchgehend supercoolen Vier-über-Drei-Polyrhythmus. Der Klavierpart macht auf der Gitarre super viel Spaß, wenn man den Daumen für das Spiel auf der Drei sowie Zeige- und Mittelfinger für das Spiel auf der Vier trainieren kann.“

Tuttle gestaltete auch das dazugehörige Musikvideo, welches sich auf das Konzept von Aktivismus und Gleichgültigkeit in der modernen Gesellschaft konzentriert. „Das ‚Fake Empire‘-Video entstand, indem wir historisches Filmmaterial über Aktivismus im Amerika zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf mich projizierten, während ich den Song spielte“, erzählt Tuttle. „Wir stellten dieses Material Waldbränden, Sternen und traumhaften Bildern gegenüber. Wir wollten die Bedeutung des Videos etwas der Interpretation überlassen, genau wie den Text des Liedes.“

Dennoch mag sie die Botschaft des Stückes nicht komplett im Vagen lassen: „Matt Berninger meinte einmal, dass es in dem Song darum gehe, dass man nicht mit der Realität dessen, was wirklich vor sich geht, umgehen könne, und sich daher in eine Fantasiewelt davon träume. Im Moment wachen jedoch viele Menschen in unserem Land auf und sehen die Realität voller Polizeibrutalität, Rassismus und Bigotterie um uns alle herum. Ich hoffe, dass Menschen wie ich, die wie ich das Privileg haben, vor diesen Ungerechtigkeiten die Augen zu verschließen, dieses Bewusstsein und dieses Handeln aufrechterhalten können, um eine bessere Gesellschaft zu schaffen.“

 

 

„Stay out super late tonight
Picking apples, making pies
Put a little something in our lemonade
And take it with us

We’re half awake in a fake empire…

Tiptoe through our shiny city
With our diamond slippers on
Do our gay ballet on ice
Bluebirds on our shoulders

We’re half awake in a fake empire…

Turn the light out, say goodnight
No thinking for a little while
Let’s not try to figure out everything at once
It’s hard to keep track of you falling through the sky

We’re half awake in a fake empire…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Dead South – „In Hell I’ll Be In Good Company“


the dead south - in hell i'll be in good company

„I see my red head, messed bed, tear shed, queen bee, my squeeze
The stage it smells, tells, hell’s bells, miss-spells, knocks me on my knees.
It didn’t hurt, flirt, blood squirt, stuffed shirt, hang me on a tree
After I count down, three rounds, in hell I’ll be in good company…“

– Gute Moritaten müssen wohl nicht zwangsläufig von den üblichen Verdächtigen Berthold Brecht, Nick Cave oder – meinetwegen – Murder By Death stammen, sondern auch aus Regina in der kanadischen Provinz Saskatchewan…

Daher zumindest kommt das Folk-meets-Bluegrass-meets-Roots-Rock-Quartett The Dead South, und verbreitet von da aus seit 2012 ihre ohrwurmigen Hillbilly-Songs, die Nathaniel Hilts, Scott Pringle, Danny Kenyon und Colton ‚Crawdaddy‘ Crawford in der Vergangenheit bereits den scherzhaften Vergleich der „bösen Zwillinge von Mumford and Sons“ eingebracht haben.

71xvzcdoztl._sy355_Und nicht nur ebenjene Mumford and Sons haben mit Alben wie „Sigh No More“ oder „Babel“ (über den neueren Rest hüllen wir hiermit beruhigt den qualitativen Mantel des Schweigens) bewiesen, dass Folk ist kein Thema mehr für einige wenige Insider, sondern längst mehrheitsfähig (und im Zweifel durchaus stadiontauglich) ist. Und so, wie The Dead South ihre Variante des Bluegrass-Folks interpretieren, fliegen den Kanadiern (bandinterne Quote langhaariger Bartträger: immerhin 75 Prozent) zumindest in Nordamerika, wo die Roots-Bewegung seit jeher mehr Menschen als diesseits des Atlantiks in ihren Bann zieht, so einige Hörerherzen zu. Bestes Beispiel dürfte der allein auf YouTube bereits stolze 97 Millionen Mal geklickte Song „In Hell I’ll Be In Good Company“ vom 2014 erschienen Debütalbum „Good Company“ sein. Zu Gitarren, Banjo, Kick Drum, Mandoline und einem Cello, das stilecht als Upright-Bass gespielt wird, erklingt mehrstimmiger Gesang und – ja klar! – sehr viel Hillbilly-Leidenschaft, während The Dead South ihren Bluegrass-Smasher in passender Hillbilly-Szenerie zum Besten geben… Yiiiihah ’n‘ Howdy, y’all!

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Steve’N’Seagulls – „November Rain“


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Coverbands gibt’s ja seit eh und je wie den Sand am schwülwarmen Südseestrand. Und die meisten sind? Mäßig interessant, mittelmäßig kreativ und kaum leidlich erfolgreich.

Dass es auch anders und in der Tat ungewöhnlich geht, bewiesen bereits in den Neunzigern die Finnen von Apocalyptica, die sich schon für ihr Debütwerk „Plays Metallica by Four Cellos“ die Songs ebenjener kalifornischen Metal-Ikonen vornahmen und in Gänze sowie höchsten Konzertsaal-Ansprüchen genügend instrumental auf vier Celli darboten. Man stelle sich nur einmal das dazugehörige Publikum vor, wie es in feinster, sündhaft teuerer Abendrobe zum überschwänglichen Headbang ansetzt…

61QNOjUE0EL.jpgEine ganz ähnliche sympathische Verspultheit legen auch Apocalypticas Landmänner von Steve’N’Seagulls an den Tag. Doch anstatt von Celli bearbeiten die fünf Finnen bekannte Hardrock-Evergreens von AC/DC, Guns N’Roses, Iron Maiden, Deep Purple oder Metallica mit Akustikgitarren, Banjos, Waschbrettern und ähnlichen Instrumenten, welche man so im nordischen Hillbilly-Hinterländ finden könnte. Heraus kommen recht amüsante Bluegrass-Versionen von „Thunderstruck„, „You Shook Me All Night Long„, „Nothing Else Matters„, „Run To The Hills„, dem Foo-Fighters-Smasher „The Pretender“ oder eben dem ewig großen Guns N’Roses-Tränendrücker „November Rain“. Um nicht aus Versehen optisch mit den Originalen verwechselt zu werden, scheinen bei Steve’N’Seagulls, die das Wortspiel im Bandnamen denn mal auch bei ihren bisherigen zwei Alben „Farm Machine“ und „Brothers In Farms“ fortgesetzt haben, seltsame Hüte oder Kopfbedeckungen der Marke „überfahrenes Pelztier“ Pflicht zu sein. Die spinnen, die Polka-Finnen…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Elephant Revival – „Quill Pen Feather“


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Elephant Revival sind wieder mal so eine Band, die ich partout nicht auf dem musikalischen Schirm hatte, obwohl ich’s eigentlich haben sollte…

Warum? Packt man’s plakativ an, so einen uns (also: die Band und mich) doch ganz ähnlich klingende Wohnorte – nur eben wohne ich tatsächlich in den Niederlanden und die Band stammt aus dem tausende Kilometer entfernten 1.500-Seelen-Örtchen Nederland im US-Bundesstaat Colorado (und der Name stammt nicht, wie man zunächst vermuten könnte, daher, dass sich dort einst holländische Siedler niedergelassen haben, sondern von der im 19. Jahrhundert ansässigen „Mining Company Nederland“ – Wikipedia weiß sowas).

Lässt man jedoch diese Oberflächlichkeit beiseite, dann merkt man schnell, dass das Quintett seit 2006 mit Beständigkeit tolle Veröffentlichungen raushaut, wie jüngst – genau heute erscheint’s – ihr fünftes Album „Petals„. Der Großteil der Songs von Elephant Revival bewegt sich dabei in schwelgerischen Bergnebeln zwischen American Folk, Alt.Country, Bluegrass und dezentem Indierock (nur eben mit traditionellem Instrumentarium wie Pedal Steel, Banjo, Washboards, Djembe, Mandoline oder Trombone). Genau das, was ich brauche, um ab und an mal runterzukommen…

Zum Antesten sei etwa das Stück „Quill Pen Feather“, welches von ihrer 2012 veröffentlichten „It’s Alive EP“ stammt, empfohlen – der Rest kommt von selbst. Oder wie die Band bereits auf ihrer Homepage wissen lässt: „Where words fail… music speaks.“

 

 

Rock and Roll.

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