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Song des Tages: Teitur – „Home“


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Foto: Martin Dam Kristen

Wo ist zuhause, Mama? – Eine ebenso gute wie berechtigte Frage, die ein gewisser Johnny Cash bereits 1959, als dieser eine deutschsprachige Version seines Songs „Five Feet High And Rising“ aufnahm, stellte.

Where Is Home? – Diese Frage stellte sich Bloc-Party-Frontmann Kele Okereke 2007 anklagend und gar nicht mal so sicher, ob dieses latent nationalistisch, latent homophob geprägte England farbigen, obendrein homosexuellen Menschen wie ihm überhaupt ein sicheres Zuhause bieten könne: „We all read what they did to the black boy / In every headline we are reminded that this is not home for us“.

Was bitteschön ist eigentlich diese „Heimat“, die so viele von Geltungssucht und Hass getriebene, populistische Politikerpatrioten von Le Pen über Wilders und Höcke, die so viele dumpf-nationale Musikspacken (Frei.wild, Onkelz etc. pp.) für sich reklamieren? Ist es ein Stück Land, das von Zäunen oder einer imaginären Grenze umgeben ist? Sind es die Menschen, die in diesem Land wohnen? Die Bevölkerungsgruppe, deren Sprache man spricht, deren Werte und Gewohnheiten man teilt, zu der man sich selbst zählt? Sind es die eigenen vier Wände, in denen man sich „heimisch“ fühlt? Kann man diese „Heimat“ anfassen, gar sehen, schmecken, fühlen? Beginnt diese „Heimat“ im Außen oder erst tief im Inneren? So viele Fragen, so viele mögliche Antworten… Gibt es viele schlaue Sätze, gibt es viele Studien drüber. Und am Ende muss doch jeder für sich selbst wissen, wo genau dieses „Zuhause“, diese „Heimat“ denn ist.

0YsrzDP1Seine ganz eigenen Definitionen vom Gefühl der Heimat und des Sich-zu-Hause-Fühlens hat auch Teitur Lassen, seines Zeichens einer der berühmtesten Söhne der Färöer, dieser autonomen, zur dänischen Krone gehörende Inselgruppe im Nordatlantik zwischen den Britischen Inseln, Norwegen und Island. Dass den 40-jährigen Singer/Songwriter hierzulande trotz mehrerer toller Indiefolk-Alben (etwa „Poetry & Aeroplanes“ von 2003 oder „The Singer“ von 2008) und mehrerer Auszeichnungen (so erhielt Teitur bereits zwei Mal – jeweils 2007 und 2009 – den „Danish Music Award“, welcher in etwa als der „dänische Grammy“ gilt) nur Eingeweihte zu kennen scheinen, könnte auch daran liegen, dass Teitur aus einem kleinen, beschaulichen Land, dessen Schafzahl ohne Zweifel über der seiner Einwohner (knapp 50.000) liegt, stammt. Am ehesten dürfte sich der multiinstrumentale musikalische Tausendsassa jüngst als Kooperationspartner von Ex-Wir-sind-Helden-Frontdame Judith Holofernes in Erinnerung gerufen haben, denn immerhin war er es, der vielen Stücken ihres neuen Albums „Ich bin das Chaos“ auf die Beine half.

Wenn Teitur nicht gerade deutschen Musikerinnen beim Schreiben und Musizieren hilft (nebst Engagements für internationale Größen wie Seal, Corinne Bailey Rae, Emile Simon oder Ane Brun), mit Kumpels wie Nico Muhly groß angelegte Orchesterwerke ins Leben ruft oder mit seinem Hund durch die idyllische Einsamkeit der heimischen Färöischen Landschaft wandert, schreibt er selbst ganz wunderbare, einfach gehaltene Songs wie „Home“, die es einem gar nicht schwer machen, sich dreieinhalb Minuten zuhause zu fühlen.

 

 

Das Stück war auch Teil von Teitur Lassens Auftritt beim „TED Talk“ im März 2015, welcher im kanadischen Vancouver, BC stattfand:

 

„Home is the sound of birds early in the morning
Home is the song I always remembered
Home is the memory of my first day in school
Home is the books that I carry around
Home is a alley in a faraway town
Home is the places I’ve been and where I’d like to go

Home
Always gonna feel at home
No matter where I may roam
Always gonna find my way home
No matter how far I’m gone
I’m always gonna feel this longing
No matter where I might stay

Home is a feather curling in the air
Home is flowers in the window sill
Home is all the things she said to me
Home is the photo I never threw away
Home is the smile on my face when I died
Home is the taste of the apple pie

I’ve met a woman, she’s always lived in the same place
She said home is where you’re born and raised
I’ve met a man, he said looking out to the sea
He said home is where you wanna be
I’ve met a girl in some downtown bar
She said I’ll have whatever you’re having
And I asked her how come we never met before?
She said all my life I’ve been trying to get a place of my own

I’m always gonna feel at home
No matter where I may roam
Always gonna find my way back home
No matter how far I’m gone
Always gonna feel this longing
No matter where I might stay“

 

Rock and Roll.

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Pause, Album, EP, Pause – Neues Bloc Party-Video zu „Ratchet“, die neue EP in den Startlöchern, die erneute Auszeit in Aussicht…


Bloc Party - Ratchet (via YouTube screen cap)

Eine Veröffentlichung als schlechte Nachricht? Zumindest für alle Freunde des Vierers von Bloc Party könnte das zutreffen. Denn nach Erscheinen der „Nextwave Sessions“ EP, welche am 12. August in die (digitalen) Läden kommen wird, wird die Band um Sänger Kele Okereke im Herbst erneut „auf unbestimmte Zeit“ getrennte Wege gehen und sich wieder den eigenen Projekten widmen. Dabei hatte sich die Band doch erst im vergangenen Jahr mit ihrem simpel „Four“ betitelten – natürlich: vierten – Album aus einer vierjährigen Bandpause zurückgemeldet…

Hört man nun den ersten EP-Vorboten „Ratchet“, so kann man nur hoffen – oder geht es nur mir so? -, dass der Rest der fünf auf der (vorläufigen) Farewell-EP enthaltenen Stücke nicht ebenso hektisch und gewöhnungsbedürftig sperrig tönt – denn immerhin gelang den vier Engländern mit „Four“, das in den ANEWFRIEND-Jahrescharts des vergangenen Jahres den beachtlichen fünften (sic!) Platz belegte, eine Rückmeldung nach Maß. Wäre doch zu schade, danach einen schalen vorerst letzten Eindruck zu hinterlassen…

Hier gibt’s das offizielle Musikvideo zu „Ratchet“, für dessen Optik sich der Animationskünstler Cyriak verantwortlich zeichnete…

 

…hier kann man sich „Ratchet“ auch im audio-only Stream zu Gemüte führen…

 

Nextwave Sessions EP

 

…und hier gibt es die Trackliste und das Coverartwork der „Nextwave Sessions“ EP:

01  Ratchet
02  Obscene
03  French Exit
04  Montreal
05  Children Of The Future

 

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Indie-Briten im Nebel – Neues Bloc Party-Video zu „Truth“


Szene aus Bloc Partys "Truth"

Keine Frage, mit „Four“ haben die vier Briten von Bloc Party im letzten Jahr ein Quasi-Comeback nach Maß hingelegt. Und dass das – na klar, vierte – Album der Band um Frontmann Kele Okereke zu recht eines von ANEWFRIENDs „Alben der Woche“ war und auf einem tollen fünften Platz im Jahresrückblick landete – absolut verdient, denn das Quartett klingt aktuell breitbeinig rockender, frischer und abwechslungsreicher den je.

Leider ist bei all der Konzentration auf die Musik das Video zur aktuellen Single „Truth“ etwas zu eintönig geraten. Klar, die Band inmitten von buntem, taghellem und nachtschwarzem Nebel – forward/backwards – spielen und springen zu sehen – alles schön und gut, alles sehr stimmungsvoll. Aber da waren wir doch kürzlich noch ein wenig mehr gewohnt, oder?

Sei’s drum – schöner Song von einem großartigen Album.

 

 

Wer mag, kann sich hier den Song als Teil einer Session für den britischen Sender Xfm zu Gemüte führen:

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 4


Nachdem auf ANEWFRIEND bereits mein persönliches Jahr 2012 in Punkto Serien (ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal bei all jenen, denen aufgefallen sein sollte, dass ich lohnenswerten Formaten wie „Breaking Bad“ oder „Californication“ nicht die verdiente Erwähnung entgegen gebracht habe!), Filme und dem „Song des Jahres“ unter die digitale Lupe genommen wurde, kommen wir nun zur gefühlten Königsdisziplin: den „Alben des Jahres“.

Und: findigen regelmäßigen Besuchern dieses kleinen Blogs wird nicht entgehen, dass 13 der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres bereits als „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND Erwähnung fanden…

(Dass Platz 1 fehlt, ist übrigens kein Versehen – das Album wird mit einer etwas größeren Review in Kürze nachgereicht!)

 

 

Led Zeppelin - Celebration Day (Cover)02.  Led Zeppelin – Celebration Day

London im Dezember 2007: die „elder statesmen des Rock“ in Persona von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und „Bonzo“-Sprößling Jason Bonham betreten noch einmal gemeinsam eine Konzertbühne, um Led Zeppelin in höchsten Ehren zu Grabe zu tragen. Ein Schwanengesang, und was für einer!

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Kid Kopphausen - I (Cover)03.  Kid Kopphausen – I

Die beiden deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch verbindet eine jahrelange Freundschaft. Nur logisch also, sich auch „beruflich“ zusammen zu tun und unter dem sinnstiftenden Namen „Kid Kopphausen“ ein Album im Bandformat zu veröffentlichen. Der Titel „I“ lässt vermuten, dass beide gern noch viele dieser stetig zwischen Frühlingsoptimismus und Herbstmelancholie pendelnden Kleinode geschrieben hätten… Leider verstarb Koppruch plötzlich und unerwartet im Oktober, noch bevor Kid Kopphausen zur geplanten großen Tournee aufbrechen konnten. Und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Lieder wie das tolle „Das Leichteste der Welt“ strahlen nun, ob der dämmernden Gewissheit, noch heller… Danke, Nils.

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Keaton Henson - Dear (Cover)04.  Keaton Henson – Dear

Der englische mediale Alleskönner bot mit seinem Debüt „Dear“ und den dazugehörigen wundervollen Videos liebeskranken Singer/Songwriter-affinen Hörern 2012 den wohl schönsten Soundtrack. Klar scheint nach dem Genuss des Albums keinem eine kleine Sonne aus dem Allerwertesten, jedoch kann man sich in diese intimen Trauergeständnisse zärtlich behütet einkuscheln… *hach*

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Bloc Party - Four (Cover)05.  Bloc Party – Four

Nach „Intimacy“ schienen Bloc Party als Bandverbund quasi obsolet, Sänger Kele Okereke suchte sein Solo-Heil in Elektronikexperimenten, der Rest der Band widmete sich ebenfalls eigenen Projekten. Dann die scherzhafte mediale Verlautbarung, dass man gerade einen neuen Mikrovorsteher caste – ein Witz, der maximale Aufregung hervorrief. Dass das so simpel wie vielsagend betitelte neue Album „Four“ jedoch eine so gelungene Rückkehr zu alten Stärken werden würde, hatte wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Hier spielt eine verdammte Band! Und sie spielt frisch, laut, gewagt, ungewohnt, spannend. Unerwartet, und daher umso überraschender.

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Die Natur grift an (Cover)06.  Vierkanttretlager – Die Natur greift an

Dass vier Milchbubis aus dem norddeutschen Husum eines der besten deutschsprachigen Debütalben des Jahres abliefern würden, wird wohl nur den wenigsten Eingeweihten – und Kennern der Debüt-EP „Pension Kanonier“ – klar gewesen sein. Spätestens jetzt – und nach einem langen Tourneejahr mit u.a. Casper oder Kraftklub – dürften die Jungs von Vierkanttretlager auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Und hört man das stürmische und bereits seltsam altersweise „Die Natur greift an“, so fragt man sich, wie zur Hölle die Instrumentalfraktion von Tomte Sven Regener Element Of Crime als Sänger abwerben konnte…

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cover07.  Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow

I won’t back down: auch 2012 stellte der bärtige Schweden-Singer/Songwriter erneut unter Beweis, dass noch immer niemand Herzschmerz so wunderschön aufrichtig vertonen kann, nur um sich im nächsten Moment selbst in den Arm zunehmen, auf die Schulter zu klopfen und beherzt in den Allerwertesten zu treten. Kleine Hymnen in bewährt hoher Qualität. Åström ist und bleibt ’ne sichere Bank!

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Two Gallants - The Bloom and the Blight (2012)08.  Two Gallants – The Bloom And The Blight

Hoppla! Da scheint ja beim wuchtigen Duo aus San Francisco so einiges vorgefallen zu sein. Weg sind die Bluesrock-Mini-Dramen mit annähernd zehn Minuten Spieldauer. Stattdessen wird alles mit ausreichend Sturm und Druck ins beinahe „klassisch“ knappe Songformate gepresst. Und trotzdem sind die neuen Songs des Zweiergespanns Adam Stephens und Tyson Vogel relevante und spannend anzuhörende, kaum zu zähmende Biester!

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Patrick Wolf - Sundark and Riverlight (Cover)09.  Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum? Da lässt sich ein so wandlungsfähiges Musikchamäleon wie Patrick Wolf natürlich nicht lumpen und bringt statt einer schnöden „Greatest Hits“-Zusammenstellung mal eben seine Auswahl der persönlichen Highlights in komplett neuen, mal akustisch, mal mit kleinem Orchester aufgenommenen Arrangements an den treuen Hörer. Lohnt sich, auch für diejenigen, die den talentierten Briten erst jetzt für sich entdecken möchten.

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Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - Theatre Is Evil (Cover)10. Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil

Mehr Aufsehen als die Songs selbst des – mehr oder minder – zweiten Soloalbums der on/off-Dresden Dolls-Frontfrau erregte wohl deren Geldbeschaffungsaktion im Vorfeld: via Kickstarter sammelte Amanda Palmer etwa 1,2 Millionen US-Dollar ein und gab diesen Vorschuss an Geld und Vertrauen anhand eines vielseitigen, mit ihrer Begleitband The Grand Theft Orchestra eingespielten Albums sowie durch individuelle Fan-Gimmicks zurück. „Theatre Is Evil“ mag an einigen Stellen ambitionierter und unkonventioneller als noch das Solo-Debüt „Who Killed Amanda Palmer“ von 2008 tönen, steht diesem jedoch in nichts nach.

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…und auf den weiteren Plätzen:

The Unwinding Hours – Afterlivesmehr…

Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seatsmehr…

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songsmehr…

The Gaslight Anthem – Handwrittenmehr…

The Smashing Pumpkins – Oceania

 

Rock and Roll.

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Neues Bloc Party-Video zu „Kettling“


Lange ist es noch nicht her, da war „Four„, das aktuelle Album der vier Briten von Bloc Party, völlig zu Recht ANEWFRIENDs „Album der Woche„.

Nun haben Kele Okereke & Co. mit „Kettling“ bereits den zweiten Song in bewegte Bilder setzen lassen. Zu sehen: britische Grundschüler, die sich nach Unterrichtsschluss auf dem Pausenhof eine wilde Keilerei liefern. Fight Club mit Milchzähnen, quasi.

Sänger Kele Okereke sagt über den Song Folgendes:

“There was so much going on in the world in 2011 – you couldn’t turn on the television without seeing pictures of people protesting or rioting or mass disarray. Of course those are quite frightening images. But there’s also something quite poetic about people standing up and saying they’ve had enough of something; that no, they will not take this any more. That’s what the song was really about: this idea of saying no – the way we are feeling is more important than the way it is, and things can be better.”

(Quelle: emimusicpub.com)

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Bloc Party – Four (2012)

-erschienen bei Frenchkiss/Universal-

Dass im August 2012 tatsächlich das vierte, scheinbar simpel „Four“ betitelte Bloc Party-Album erscheint, darf wohl vor allem Außenstehenden als ein kleines Wunder erscheinen. Dass es so klingt, wie es klingt, dann sogar als ein großes.

Die Voraussetzungen waren wahrlich nicht die Besten: 2005 wurde die vierköpfige Band mit dem tollen Debüt „Silent Alarm“ noch als großer Heilsbringer des britischen Indie Rocks gehandelt – freilich neben vielen anderen Bands, von denen nicht wenige bereits in der Versenkung verschwunden sind. Mit den Nachfolgern „A Weekend In The City“ (2007) und speziell „Intimacy“ (2008) verlor man sich jedoch mehr und mehr in hochgreifenden Konzepten und tiefstapelnden Abseitigkeiten. Ihr Sänger fühlte sich vom Bandgerüst eingeengt und suchte daher in elektronischen Gefilden neue Freiheiten und Möglichkeiten, der Rest der Band verkam – trotz grandioser individueller Fähigkeiten und Ideen – beinahe zu Statisten.

Bevor Bloc Party also endgültig auseinander zu brechen drohten, wurde die Reißleine gezogen und eine Auszeit auf Zeit angesetzt, in der jeder seiner Wege gehen und sich (neu) finden konnte. Frontmann und Sänger Kele Okereke zog nach New York und veröffentlichte sein von Elektronik und Club-Sounds  dominiertes Solodebüt „The Boxer„, Gitarrist Russell Lissack ging mit den Power Poppern Ash auf Tour, Bassist Gordon Moakes veröffentlichte mit seiner Zweitband Young Legionnaire den wilden Rock-Ritt „Crisis Works“ und Schlagzeuger Matt Tong debütierte mit dem eigenen kleinen Privat-Studio sowie dem Solo-Projekt „Matthew C H Tong“.

Im Herbst 2010, und auf Okerekes persönlichen Wunsch, trafen sich die vier wieder, um über eine etwaige gemeinsame Zukunft zu sprechen und – bestenfalls – an neuen Songs zu arbeiten. Nach zähem Ringen und einigen Hin und Her – und der im Scherz verlautbarten Meldung, dass Frontmann Okereke die Band verlassen habe, welche alsbald Social Media-gerecht aus dem Ruder lief – besann man sich auf die eigenen Stärken: die gemeinsame Dynamik von vier Freunden, die zusammen im Proberaum (respektive einem Studio in New York) gemeinsam an Songs arbeiten und zu denen jeder zu gleichen Teilen Ideen beiträgt. Und genau so klingt nun auch „Four“. All die elektronischen Spielereinen, all die hochtrabenden konzeptionellen Überbauten, all die egozentrischen Alleingänge von Okereke – diese Dinge gehören (vorerst) der Bandvergangenheit an.

Der Album-Opener gibt mit einer Proberaum-Konversation als Intro die direkte Marschrichtung von „Four“ bereits vor den ersten Tönen vor: direkt und ohne Schnörkel, bitte! Zu sägenden Gitarrenspuren und einer wahren Schlaugzeug-Breitseite gegen Ende singt Okereke vom Leben im Kameraflutlicht und der Schwierigkeit, sich selbst treu zu bleiben – „and the camera is watching him lie“. Wohlmöglich erzählt er auch von eigenen Erfahrungen, die er vor und nach seinem Coming Out gemacht hat und machen musste… „3×3“ setzt mit seiner nervösen Art und einem zwischen bedrohlichen Hauchen und energischer Lautstärke pendelnden Okereke die Dynamik des Vorgängers fort. Songs wie die erste Single „Octopus“, „V.A.L.I.S.“ oder „Truth“ sind Bloc Party in Reinform, also in etwa so wie auf ihrem ersten Album „Silent Alarm“: feine Dynamik, gute Hooks, markante Gesangslinien. „Real Talk“ hätte mit seiner entspannten Grundstimmung und den hallig perlenden Gitarren im Refrain auch den Red Hot Chili Peppers gut zu Gesicht gestanden, auch wenn Anthony Kiedis nie mit so hoher Kopfstimme klar käme und die Band aus Los Angeles wohl nie ein Banjo (!) einsetzen würde. „I lived in every town / But here is where I found home“ – eventuell eine Referenz an den Song „Where Is Home?“ vom zweiten Album „A Weekend In The City“, in welchem es darum ging, dass sich der Bloc Party-Kopf im Post-9/11-London nicht mehr heimisch fühlen konnte… „I just talked about my feelings“ lässt uns Okereke am Ende wissen. Songs wie „Kettling“ oder der Abschlusstrack „We Are Not Good People“ sind wahre Rock-Bretter, die man so von der Band bisher nicht erwartet hätte, letzterer würde auch auf einem Queens Of The Stone Age-Album nicht deplaziert wirken. „Day Four“ ist quasi das 2012er-Update von „So Here We Are“ (von „Silent Alarm“) – sanfte Stimme, weite Gitarrenflächen, Bass und Schlagzeug im Hintergrund, Geigenspuren. Die wohl größte Überraschung – da bisher absolut Bloc Party-untypisch – ist „Coliseum“: eine Slide Gitarre macht den Anfang, bevor ihr eine Metal-Breitseite in die Parade fährt. „Pain is healty / Pain is holy“ singt Okereke, growlt danach gar. „Team A“ ist mit ungeduldiger Gitarre und direktem Bass sowie toller Steigerung gegen Ende das quegelige Kind der Platte. „I’m gonna ruin your life“ – nun, zumindest nicht mit diesem Song, ganz im Gegenteil. Kurz vor Abschluss bietet „The Healing“ noch einmal eine Verschnaufpause von der Güteklasse eines „This Modern Love“ (ebenfalls auf dem Debüt zu finden). Nach dem bereits erwähnten feinen Stoner Rock-Ausklang „We Are Not Good People“ sitzen all jene, die mit dem bisherigen Schaffen des Quartetts vertraut sind, mit tiefer gelegter Kinnlade da (insofern sie nicht die Deluxe Version mit den zwei zusätzlichen Songs „Mean“ und „Leaf Skeleton“ besitzen).

Unter der Aufsicht von Produzent Alex Newport (At the Drive-In, The Mars Volta) ist der britischen Band ein Album gelungen, das wohl die wenigsten noch von ihnen erwartet hätten: roh, direkt, frisch, ideen-, facetten- und abwechslungsreich. Zwölf Songs in gut 43 Minuten. Album Nummer vier. Vier Ringe auf dem Cover. Vier Freunde, die wieder neu zu den gemeinsamen Stärken gefunden haben. Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug – mehr als diese vier Elemente braucht ein guter Song selten. Nun, „Four“ mag vielleicht bei genauerer Betrachtung kein Wunder sein. Eine Überraschung ist es allemal. Wunderbar.

 

Über den Soundcloud-Auftritt der Band könnt ihr die Songs des vierten Bloc Party-Albums in voller Länge probehören…

(der vorher hier gepostete Link zu einem Stream des Albums in Gänze ist leider nicht mehr vorhanden, sorry.)

…euch anhand dieses Videos einen kleinen Einblick in den Entstehungsprozess verschaffen…

 

…und hier das Video zur ersten Single „Octopus“ sehen:

 

Rock and Roll.

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