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Song des Tages: Norah Jones – „Black Hole Sun“ (live)


Foto: Promo / Vivian Wang

Norah Jones juckt es derzeit mächtig in den Fingern. Nachdem die US-Musikerin wegen der Corona-Pandemie über ein Jahr lang keine Konzerte vor Live-Publikum geben konnte, brennt auch sie förmlich darauf, endlich wieder auf Tournee gehen zu können. Sie wartet nur noch auf ihre zweite Impfdosis und grünes Licht für die Konzertbranche. “Ganz gleich, ob wir nun Musiker oder Fans sind, wir alle vermissen das gemeinsame Erlebnis von Live-Musik”, sagt die neunfache Grammy-Gewinnerin, die vergangenes Jahr für ein Duett mit Mavis Staples ihre nunmehr 17. Nominierung erhielt. “Ich werde auf meiner Facebook-Seite jede Woche auf ein andere Wohltätigkeitsorganisation hinweisen, um den Leuten Respekt zu zollen, die unermüdlich hinter den Kulissen der Live-Musikindustrie gearbeitet haben und deren Jobs auf Eis gelegt wurden. Ich kann es kaum erwarten, wieder mit ihnen allen zusammen zu sein.” Fans von Live-Musik geht es natürlich kaum anders.

Ein bisschen werden sie sich aber voraussichtlich doch noch gedulden müssen. Da kommt ein exzellent aufgenommenes Live-Album der 42-Jährigen, bei der sich Pop-Gelehrte wie Kritiker – mehr als zwanzig Jahre im Musikgeschäft, so einige Nummer-Eins-Alben, zig Auszeichnungen und etwa 35 Millionen verkaufte Tonträger hin oder her – noch immer streiten, ob das einstige Wunderkind nun Jazz, Pop, Soul oder „Adult-Music“ (was böse Zungen wohl gern mit „Fahrstuhlmusik“ übersetzen würden) macht, gerade recht. Auf „‘Til We Meet Again“ – ganz nebenbei tatsächlich das erste wirkliche Live-Album der vielseitigen Pianistin, Sängerin und Gelegenheitsschauspielerin – gibt es so nicht nur einige ihrer größten Hits zu hören, sondern auch eine ebenso überraschende wie bewegende Coverversion von Soundgardens “Black Hole Sun“ (welche vor einiger Zeit aus gegebenem Anlass bereits Platz auf ANEWFRIEND fand).

Die erzwungene Auszeit im vergangenen Jahr nutzte Norah Jones, die obendrein noch einen recht berühmten Vater hat, um sich durch Mitschnitte ihrer Konzerte der zurückliegenden acht Jahre zu hören. Besonders angetan war sie von einigen Aufnahmen, die im Dezember 2019 – also kurz vor Beginn der Corona-Pandemie – bei Auftritten in Südamerika entstanden waren. “Es war einfach ein tolles Gefühl, vor allem, weil wir keinen Zugang zu Live-Musik hatten und nicht auftreten konnten”, verriet sie „grammy.com“ unlängst in einem Interview. “Deshalb wollte ich die Aufnahmen rausbringen.” Mit den Musikern ihrer Band durchkämmte die New Yorkerin dann ihre Konzertarchive nach Aufnahmen, die sie mit ähnlichen Besetzungen gemacht hatte, um wirklich die besten Versionen der gespielten Songs herauszufiltern. Das Ergebnis präsentiert sie nun auf der Zusammenstellung “‘Til We Meet Again”, die bei einer Laufzeit von fast 76 Minuten vierzehn Songs und einen wunderbaren Querschnitt durch Norah Jones‘ bisherige Karriere enthält, darunter offensichtliche Hits wie “Don’t Know Why”, “Sunrise” oder “Flipside” sowie Titel aus ihrer 2018/19 veröffentlichten Singles-Serie.

Die eine Hälfte der Aufnahmen stammt von besagter Südamerika-Tournee, die Norah Jones, Bassist Jesse Murphy und Schlagzeuger Brian Blade unter anderem nach Rio de Janeiro, São Paulo und Buenos Aires geführt hatte. In Rio präsentierte das Trio als Gäste zwei bestens bekannte brasilianische Musiker – den Perkussionisten Marcelo Costa (Mariza, Maria Bethânia, Michael Bublé) und den Flötisten Jorge Continentino (Bebel Gilberto, Milton Nascimento, Brazilian Girls) – sowie ihren alten Songwriting-Partner und Gitarristen Jesse Harris. Harmonisch kombiniert wurden diese sieben Aufnahmen mit sechs weiteren, die Jones im Jahr zuvor mit dem Hammond-Organisten Pete Remm, Bassist Chris Thomas und wiederum Brian Blade am Schlagzeug in den USA, Frankreich und Italien gemacht hatte.

Den krönenden Abschluss bildet die wahrlich unter die Haut gehende Solodarbietung von Soundgardens “Black Hole Sun”. Norah Jones‘ von Herzen kommende (und genau dahin gehende) Hommage an Chris Cornell wurde am 23. Mai 2017 im Fox Theatre in Detroit aufgenommen – nur fünf Tage nach dem Tod des Soundgarden-Frontmanns, der am 17. Mai 2017 am selben Ort sein letztes Konzert mit der Band gegeben hatte. Vor ihrem Auftritt hatte Norah Jones in ihrer Garderobe den ganzen Tag über an dem Arrangement des Songs herumgefeilt. “Ich war ein bisschen nervös”, gibt sie zu. “Aber ich dachte: ‘Ich werde ihm meinen Respekt erweisen und diesen Song von ihm spielen.’” Das Publikum stand vor lauter Begeisterung kopf, als es die Nummer nach dem Klavier-Intro endlich erkannte. “Es war wahrscheinlich einer der schönsten Live-Momente, die ich je erlebt habe”, erinnert Jones sich. “Ich weiß nicht, ob sein Geist im Raum war oder was auch immer, aber er hat mich auf eine Art durch diesen Song getragen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.” Ergreifend. Gelungen. Soulful.

Rock and Roll.

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If you’re a real fan…


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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Norah Jones – „Black Hole Sun“


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Eine Woche nach Chris Cornells Tod trat Norah Jones im Fox Theatre in Detroit und damit genau an jenem Ort auf, an dem Cornell mit Soundgarden am 17. Mai, wenige Stunden vor seinem Tod, sein letztes Konzert spielte. Zu dessen Ehren coverte die vielseitige Soul-Jazz-Sängerin mit „Black Hole Sun“ den Hit von Soundgarden, dem sich in den vergangenen Tagen schon viele Künstler vor ihr annahmen – die einen mehr, die anderen weniger gut (unter anderem versuchten sich auch Ryan Adams, Bush, Incubus, Metallica oder Aerosmith am Soundgarden-Klassiker, in Toronto sang gar ein 225-köpfiger Chor „Black Hole Sun“ ein). Jones aber ist viel mehr als „nur“ ein Cover, sondern eine ganz eigene, ergreifend entschleunigte Interpretation gelungen. Soulful.

 

 

 

Rock and Roll.

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Jazz noch eins! – Wie Postmodern Jukebox Popsongs den Swing verleiht


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Heutzutage hat ja nur wirklich fast jede(r) die Chance, sich von jetzt auf gleich seine/ihre fünf Minuten Internet-Ruhm abzuholen. Alles, was Mann/Frau braucht, ist im Grunde nur ein mit dem weltweiten Netz verbundenes Endgerät. Und so kommen all die Versuche milchgesichtiger Teenager (also die, die’s wirklich sind und die, die einfach nicht älter werden wollen), sich zum gefühlt 1.456.546ten Mal an „Hallelujah“, „Creep“, „Imagine“ und Co. zu vergehen, nicht immer wirklich formvollendet daher, sodass man sich fast wünscht, irgendjemand hätte all die Möchtegern-Webstars besser beraten…

Postmodern Jukebox ist da ein Beispiel der besseren Sorte. Kennen se nich‘? Nun, Wikipedia hat da Folgendes zu sagen:

„Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox ist eine US-amerikanische Musikgruppe ohne feste Besetzung. Das Repertoire besteht aus Jazzarrangements zeitgenössischer Popmusik.

Die Gruppe veröffentlichte ihren ersten Titel 2013 über Youtube und erreichte nach rund 3 Monaten 1,8 Millionen Zuschauer. 2016 wurden für alle veröffentlichten Videos über 500 Millionen Zuschauer erreicht. Sie vertreiben ihre Musik darüber hinaus auch über Spotify und erreichen dort über 400.000 monatliche Hörer.“

Klar, die Idee des vielköpfigen New Yorker Kollektivs an sich ist – spätestens seit dem 2000 erschienenen Richard-Cheese-Debüt „Lounge Against The Machine“ – nicht wirklich neu oder innovativ und in etwa so „Punk“ und „Indie“ wie Mate-Tee trinkende Jutebeutel-Hipster in Berlin-Kreuzberg. Aber wer Evergreens aller Pop-meets-Rock-Couleur – von „Dream On“ (Aerosmith) über „Nothing Else Matters“ (Metallica), Sweet Child O’Mine“ (Guns N’Roses), „Seven Nation Army“ (The White Stripes), „Oops!… I Did It Again“ (Britney Spears), „Black Hole Sun“ (Soundgarden), „Creep“ (Radiohead) bis hin zu kürzlich „All The Small Things“ (Blink-182) – derart elegante Barjazz-Noten verleiht und anschließend eine sanfte Prise Swing durch den Allerwertesten bläst, wird sicherlich bald „Band des Monats“ im Starbucks um die Ecke (und das meine ich durchaus positiv).

 

 

Rock and Roll.

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Heroen auf Segways – Neues Soundgarden-Video zu „By Crooked Steps“


Szene aus "By Crooked Steps"

Noch vor Pearl Jam oder Nirvana waren Soundgarden in den Neunzigern die erste Grunge-Band von der ich wahrlich besessen war (dass sie vor Jahren für Erstgenannte den Thron räumen mussten, spricht eher für Pearl Jam als gegen Soundgarden). Klar, das 1994er Erfolgsalbum „Superunknown„, dessen Überhit „Black Hole Sun“ die ‚Generation Internet‘ heutzutage unter Garantie als nostalgischen Oldie abtun würde, steht bei mir ebenso im Plattenregal wie das 1997 – ein Jahr vor der Trennung – erschienene „Down On The Upside“ (mein persönlicher Favorit!). Natürlich war ich nicht der Einzige, der der 2010 vermeldeten Wiedervereinigung mit gemischten Gefühlen entgegen sah – schließlich hatte Frontmann Chris Cornell unlängst davor gemeinsam mit Produzent Timbaland (!) den verdammt grässlichen Popbeatsalbumkotzbrocken „Scream“ (sic!) verbrochen und seine Statue somit ein ganzes Stückweit vom Rocksockel in Richtung Peinlichkeitsabgrund geschoben. Schließlich hatten alle anderen Bandmitglieder – Schlagzeuger Matt Cameron, der sich 1998 Pearl Jam anschloss, einmal ausgenommen – in all den Jahren nichts von sich hören lassen, Bassist Ben Shepherd soll gar obdachlos gewesen sein. Und trotzdem war und ist Soundgarden mit dem im vergangenen November erschienenen „King Animal“ – Album Nummer sechs, nach 16 (!) Jahren Pause –  ein Comeback nach Maß geglückt. Kim Thayils stets leicht dissonante Riffs wälzen sich wieder über die Spuren, die von Ben Shepherd und Matt Cameron erzeugten Rhythmen kommen punktgenau und Chris Cornell liefert gar einige der besten Gesangsleistungen seiner Karriere ab.

Soundgarden

Dass die „alten, grauen Herren vom Grunge-Club“ sich jedoch gar nicht mehr so wichtig nehmen wie früher, zeigt ihr neues Video zu „By Crooked Steps“: auf Segways  rollen sie in Lederkluft durch die Nacht, halten an einem Nachtclub, stoßen mit deadMau5 immerhin einen der derzeit angesagtesten DJs vom Podest und übernehmen selbst die Regie an Mikro und Verstärkern, bevor sie sich erneut auf ihren nicht eben rock-and-roll’igen Vehikeln verdünnisieren wollen… Das Management der Band fand jedoch das Endprodukt, für welches sich hinter der Kamera kein Geringerer als Neuregisseur und Tausendsassa Dave Grohl, der auf ANEWFRIEND ja kürzlich Erwähnung fand, verantwortlich zeichnete, weitaus weniger lustig und versuchte kurz nach der Veröffentlichung bereits, die bewegten Bilder zu „By Crooked Steps“ wieder vom digitalen Äther zu bekommen… Meine Damen und Herren, herzlich willkommen im 21. Jahrhundert! Das Internet vergisst nichts.

 

Hier kann man sich das Video zu „By Crooked Steps“…

 

…und eine „Live On Letterman“ dargebotene Liveversion des Songs anschauen:

 

Für alle Kiddies zum Nachholen, für alle langsam ergrauenden ehemaligen „Mattenträger“ zum Schwelgen in Jugendnostalgie: das Video zu „Black Hole Sun“…

 

Rock and Roll.

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