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„Tiny Changes“ – eine Dokumentation zum Frightened Rabbit-Tribute-Sampler


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Recht oft war und en letzten Wochen von „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, dem feinen Tribute-Sampler zu Ehren des zehnten Geburtstages des zweiten Frightened Rabbit-Albums „The Midnight Organ Fight“ (welcher ja, genau genommen, allerdings bereits im April 2008 war), auf ANEWFRIEND die Schreibe.

Nun haben die verbliebenen Bandmitglieder der „Angsthasen“ (Frontmann Scott Hutchison verstarb im vergangenen Mai bekanntermaßen viel zu früh) eine 24-minütige Mini-Dokumentation zur Tribute-Compilation, auf der zahlreiche befreundete Künstler und Bands wie The Twilight Sad, Manchester Orchestra, Julien Baker, Biffy Clyro, Josh Ritter, Craig Finn (The Hold Steady), Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie), Aaron Dessner (The National), Daughter oder Wintersleep die Songs des Albums, mit welchem der schottischen Indierock-Band damals der Durchbruch hin zu einem größeren Publikum gelang, neu interpretieren, veröffentlicht. Diese zeichnet den Werdegang des Albums vom Konzept über die Songauswahl bis hin zu den Aufnahmen nach und lässt auch die teilnehmenden Künstler selbst zu Wort kommen.

Wer also weiter in die persönlichen wie kreativen Geschichten rund um „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, deren Einnahmen an die von Scott Hutchisons Familie ins Leben gerufenen Organisation „Tiny Changes“ gehen, hinein horchen mag, der nehme sich das knappe halbe Stündchen Zeit…

 

 

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Rock and Roll.

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Songs des Tages: Julien Baker / Biffy Clyro – „The Modern Leper“


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Etwa ein Jahr nach dem ebenso frühen wie tragischen Tod ihres Frontmanns Scott Hutchison haben die verbliebenen Mitglieder der schottischen Indierocker Frightened Rabbit mit „Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ einen Tribute-Sampler angekündigt. Und obwohl der Anlass im Grunde janusköpfiger kaum sein könnte – sprich: das logische traurige Ende der glasgower Band einerseits sowie das zehnjährige Jubiläum ihres zweiten (Durchbruchs)Albums im vergangenen Jahr andererseits – gibt es trotzdem gleich siebzehnfachen Grund zur Vorfreude, schließlich versammelt die Trackliste (findet ihr weiter unten) viele prominente Freunde, die sich der Songs von „The Midnight Organ Fight“ annehmen und ihre ganz eigenen Interpretationen präsentieren – und das auch noch für einen guten Zweck…

 

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So versammelt die Liste der Beitragenden naturgemäß einige schottische Lads wie Biffy Clyro, The Twilight Sad oder Fiskur, schließt aber auch so einige, ebenfalls befreundete Künstler aus Rest-Großbritannien (etwa Daughter) und Nordamerika (etwa Josh Ritter oder The Hold Steady-Stimme Craig Finn) mit ein. So covern die Kanadier Wintersleep „The Twist“, Manchester Orchestra nehmen sich „My Backwards Walk“ vor, Death Cab For Cutie-Vorsteher Benjamin Gibbard spielt „Keep Yourself Warm“ nach und The National-Gitarrist Aaron Dessner schließt sich mit CHVRCHES-Sängerin Lauren Mayberry zusammen, um „Who’d You Kill Now“ zu interpretieren. Bereits hören kann man zwei Versionen von „The Modern Leper“, einmal von Biffy Clyro, einmal von Julien Baker (gibt’s weiter unten auf die Öhrchen).

Obwohl Frightened Rabbit-Sänger und -Hauptsongwriter Scott Hutchison im Mai 2018 verstarb, war der charismatische Musiker die Triebfeder hinter dem „The Midnight Organ Fight“-Jubiläumsprojekt, dessen Planungen seit 2017 liefen. So schreiben etwa Wintersleep in einem Facebook-Beitrag, dass Hutchison sie gebeten habe, eines ihrer großen Drum-Fills in das Cover von „The Twist“ einzubringen. Außerdem zeichnete er das Cover des Tribute-Samplers. James Graham von The Twilight Sad wiederum erinnert sich (ebenfalls via Facebook) an persönliche Begegnungen mit Scott Hutchison und Frightened Rabbit während der Zeit um 2008 herum, als die Glaswegian Lads kurz vor dem Durchbruch standen.

In den Monaten nach Hutchisons Tod hatten ihm zahlreiche Musiker und Freunde gedacht. So fand bereits im vergangenen Dezember in New York ein Benefiz-Tribute-Konzert unter namenhafter Beteiligung statt (von denen nun einige Künstler wie Julien Baker, Craig Finn oder Aaron Dessner ebenfalls wieder mit von der Partie sind), welches ebenfalls „Tiny Changes“ hieß. Und auch Death Cab For Cutie hatten den „The Midnight Organ Fight“-Song „My Backwards Walk“ im September 2018 als Spotify-exklusive Single gecovert.

„Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ erscheint am 12. Juli und kann im Webshop von Frightened Rabbit vorbestellt werden (oder eben hier digital). Ein Teil der Einnahmen geht an Tiny Changes, die Charity-Organisation, welche Hutchisons Familie vergangenen Monat gegründet hatte, um mit dieser auf psychische Probleme und den Umgang damit speziell bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen.

 

 

— TINY CHANGES: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‘The Midnight Organ Fight’ —

17708201 Biffy Clyro – “The Modern Leper”
02 Oxford Collapse – “I Feel Better”
03 Fiskur – “Good Arms vs Bad Arms”
04 Right On Dynamite – “Fast Blood”
05 Josh Ritter – “Old Old Fashioned”
06 Wintersleep – “The Twist”
07 Peter Katis – “Bright Pink Bookmark”
08 Craig Finn – “Heads Roll Off”
09 Katie Harkin & Sarah Silverman – “My Backwards Walk”
10 Benjamin Gibbard – “Keep Yourself Warm”
11 Jeff Zeigler – “Extrasupervery”
12 Daughter – “Poke”
13 The Twilight Sad – “Floating in the Forth”
14 Aaron Dessner & Lauren Mayberry – “Who’d You Kill Now”
15 Julien Baker – “The Modern Leper”
16 Piano Bar Fight – “The Twist”
17 Manchester Orchestra – “My Backwards Walk”

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Manchester Orchestra – Cope (2014)

Manchester_Orchestra_Cope-erschienen bei Caroline/Favorite Gentlemen/Universal-

Zum Anfang lasse ich mit einem freimütigen Geständnis einmal die sprichwörtlichen Hosen runter: Als ich 2011 das bislang letzte Manchester Orchestra-Album „Simple Math“ zum ersten Mal hörte, habe ich gleich einen Autounfall gebaut… true story. Nun mögen die einen behaupten, ich hätte mein Schicksal einmal zu oft herausgefordert, immerhin spielt ausgerechnet im noch immer großartigen Musikvideo zum nicht minder tollen Titelsong jenes Albums ein Autounfall eine zentrale Rolle. Andere mögen die Vielfältigkeit und Komplexität des Albums als ablenkendes Moment ins Feld führen, die den Hörer schnell alles und jeden um einen herum vergessen lässt… Nun, all das könnte zutreffen. Oder Gevatter Zufall spielte an diesem Tag im Mai 2011 ein böses Spiel mit mir… Am Ende bleibt ein einschneidendes Erlebnis, das dieses Album im Grunde nicht gebraucht hätte, denn bereits mit ihrem dritten regulären Werk (lässt man den 2005 aufgenommenen und nie offiziell veröffentlichten eigentlichen Erstling „Nobody Sings Anymore“ mal außen vor) ging die Band für knapp drei Jahren in die Vollen, als gelte es, vor einer drohenden Apokalypse noch einmal alle kreativen Ergüsse innerhalb von 45 Minuten an den geneigten Hörer zu bringen. Blues traf auf harte Gitarren, Streicher auf massive Chöre („Virgin„!) auf massive Riffeskapaden auf süchtig machende Melodiebögen – zehn Songs lang legte es die 2004 als One-Man-Show von Frontmann Andy Hull in die Welt gesetzte und mittlerweile zur Fünf-Mann-Kapelle angewachsene Band aus Atlanta, Georgia darauf an, ihre Zuhörer mit weit gefassten Klangspektren und Abwechslungsreichtum in ihren Bann zu ziehen. Wenn man dann noch die Fallhöhe bedenkt, die sich Manchester Orchestra davor mit dem kaum weniger gelungenen, 2009 erschienenen „Mean Everything To Nothing“ und Mini-Hitgranaten wie „Shake It Out„, „I’ve Got Friends“ oder „I Can Feel A Hot One“ geschaffen hatten, dann wird klar: Andy Hull (Gesang, Gitarre), Robert McDowell (Gitarre), Chris Freeman (Keyboards), Andy Prince (Bass) und Tim Very (Schlagzeug) gehen halben Sachen gern aus dem Weg. Als der heute 27-jährige Bandvorsteher Hull also im Januar zur Ankündigung von Album Nummer vier das Statement „Wir wollten die Art von Album machen, die derzeit im Rockbereich gefehlt, etwas, das einfach brutal ist und dich in jedem Stück vor den Kopf stösst. […] Wo bei ‚Simple Math‘ in jedem Song eine anderer Nerv beansprucht und eine andere Farbpalette benutzt wurde, wollte ich, dass das Neue ganz in Schwarz und Rot daherkommt.“ vom Stapel ließ, konnte manch ein Fan der Band es durchaus mit der Angst zu tun bekommen. Klar war man von der Band bereits den ein oder anderen kurzen Ausflug in „härtere“ Klanggefilde gewohnt, die dann auch gleich einen tollen Kontrast zu zart besaiteten ausmachten (das Ende von „Shake It Out“ etwa), aber konnte man sich Manchester Orchestra ernsthaft auf den fiesen Pfaden von Slayer & Co. und tief in Rifforkanen und Doublebass-Kaskaden vergraben vorstellen? Nun, zuzutrauen wäre es der Band ja…

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Und „Top Notch“, gleichzeitig die erste Single und das Eröffnungsstück des neuen Albums „Cope„, legt bereits gut vor, indem es die von Manchester Orchestra gewohnten Gitarrenstimmlagen mit einem guten Plus an Druck und Rohheit versetzt, während Andy Hull, seines Zeichens der Sohn eines Pastors, mit seiner unverwechselbar quengeligen Stimme bereits in den ersten Zeilen düstere Bilder aus biblischen Zeiten heraufbeschwört: „There’s two twin deaf kids and they’ve got to make an ungodly decision / They decide which one gets to leave this place and which one will be staying, to make it“. Als sich die Gitarren dann gegen Ende der dreienhalb Minuten von „Top Notch“ zu neuen Schnellen aufschwingen, ist es noch immer Hull, der sich mit einem sekundenlangen Ausruf durch deren Klangdickicht bohrt: „So give up!“. Im Grunde sind bereits nach diesen wenigen Minuten die Trademarks des neuen Manchester Orchestra-Werkes gesetzt: rohe Dynamik aus GitarreSchlagzeugBass, die mit gelegentlichen Keyboardeinschüben unterlegt sind (etwa in „Trees“ oder „Indentions“), während die Stimme des Frontmanns über all der „neuen“ Indierock-Direktheit wacht. Klar kommen auch auf „Cope“, dessen Titel für Hull ein weites Feld umspannt („‚Cope‘ bedeutet für mich, klarzukommen. Es bedeutet, loszulassen und sich okay dabei zu fühlen, okay zu sein. Du kannst entweder auf eine positive oder negative Art und Weise damit klarkommen, dass schlimme Dinge passieren, und dieser Zusammenhang war für mich bei diesem Album ein großes lyrisches Thema.“), auch die bislang so geliebten Melodiebögen nicht zu kurz, man höre nur die tollen Songs „Every Stone“ oder „The Ocean“. Nur antworten Manchester Orchestra im zehnten Jahr ihres Bestehens mehr mit einer gefestigten (Band)Stimme, die rifft und süffisant furztrocken drauflos rockt und die Hörer in den knapp 40 Minuten von „Cope“ kaum eine Verschnaufpause lässt. Wenn Andy Hull & Co. dann im abschließenden Doppelabschluss aus „See It Again“ und dem Titelsong „Cope“ erst entlang von doom-würdigen Mönchschören innerhalb weniger Minuten wahre Gitarrenkathedralen errichten, um diese dann gleich mehrfach gen Felsenklippen zu treten (hier sind die Krawallbrüder von O’Brother im Geiste anwesend), dann merkt man schnell: Großes muss gar nicht mal so komplex sein.

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Immerhin sind Manchester Orchestra mit dem Rückschritt zur rohen Klanggewalt in guter Gesellschaft, denn auch die Kumpels von Brand New reagierten vor einigen Jahren mit ihrem bislang letzten Album „Daisy“ überraschend roh, sperrig und antithesenhaft auf das Überalbum „The Devil And God Are Raging Inside Me„. Dass all das ab und an auf Kosten des Abwechslungsreichtums geht: geschenkt. Denn wer dem neusten Album der Band eine faire Chance von mehreren Durchgängen gibt, wird schnell mit dem Entdecken vieler kleiner Kniffe und Harmonien belohnt, welche sich innerhalb der Riffs versteckt halten. Mit „Cope“ gehen Manchester Orchestra gleichzeitig zwei Schritte zurück und vorwärts, verknüpfen den Nineties-Spirit von Bands wie Weezer oder den Pixies mit den Haudrauf-Attacken von Bands wie The Joy Formidable und den „Melodien für Millionen“, welche zuletzt etwa die drei Sympathen von Biffy Clyro so erfolgreich machten. Wenn Hull dann noch mit so simplen wie tollen Texteinfällen á la „The invention of the ship is the invention of the shipwreck“ (aus „Choose You“) ums Eck biegt, dann ist für einen Großteil der Hörerschaft eh wieder (fast) alles in Butter. Manchmal braucht’s wenig tiefere Sinnsuche, denn manchmal ist ein Autounfall einfach ein Autounfall einfach ein Autounfall. Und Manchester Orchestra? Die hatten bei „Cope“ einfach Bock auf Rock. Versträger auf die 11, alle Mann… Go!

 

Das sagen übrigens die anderen:

„A band that have found their sound, are comfortable in their skin, and improving rapidly.“ (The Digital Fix)

„Overall the album is brutally in your face, brash, bold and well put together. Its clear the lack of external pressure from the industry, along with the comfort of their own home has contributed in a positive manner to this recording. It feels like it didn’t take much thinking to map this album out. It’s beautifully arranged, flows from song to song and seems almost effortless. Manchester Orchestra have themselves a big hitter with this one.“ (Renowned For Sound)

„Manchester’s Orchestra’s success highlights an ability to create heavy rock moments that don’t drag their audience down.“ (The Line Of Best Fit)

„Plaintive emo vocals, grungy riffs and Pixies-style stop-start dynamics, all put together deftly and embellished by punchy, bright production.“ (The FT)

„Manchester Orchestra is and always has been one of the best bands in the alternative rock scene. Donning a more aggressive attitude than usual, the group set out to fill a hole no one realized existed in the rock scene until after ‚Cope‘ had already filled it to the brim.“ (Pop ’stache)

„‚Cope‘ is a beautiful building to watch collapse, but when the smoke clears, you realise it was nobody’s home.“ (By Volume)

„Wer beim Hören dieses Albums nichts fühlt, wird diese Zeilen und dieses Magazin wahrscheinlich nicht lesen.“ (VISIONS)

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Bei den englischen Kollegen des NME kann man sich „Cope“ hier noch immer in Gänze im Stream zu Gemüte führen und sich hier das Musikvideo zur ersten Single „Top Notch“ anschauen:

 

Und wer den Vorgänger „Simple Math“ bislang nicht kennen sollte, kann diese kleine Lücke anhand dieses Albumstreams schließen:

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2013 – Teil 3


Ein nicht eben an großartigen Veröffentlichungen armes Musikjahr 2013 neigt sich unausweichlich seinem Ende zu. Zeit also, ANEWFRIENDs „Alben des Jahres“ zu küren und damit, nach der Rückschau aufs Film- und Serienjahr, auch die Königsdisziplin ad acta zu legen! Dem regelmäßigen Leser dieses Blogs werden sich wohl wenige Überraschungen offenbaren, schließlich wurden alle Alben meiner persönlichen Top 20 im Laufe des Jahres bereits besprochen… Bleibt nur zu hoffen, dass auch 2014 ein ähnlich hohes Niveau an neuen Platten und Neuentdeckungen bieten wird… Ich freue mich drauf.

 

 

Frightened-Rabbit-Pedestrian-Verse1.  Frightened Rabbit – Pedestrian Verse

Ich nehme hiermit mein noch im Februar gefälltes Urteil höchstoffiziell (zum Teil) zurück – „Pedestrian Verse“ ist im Rückspiegel zwar in der Tat kompakter als noch der Vorgänger „The Winter Of Mixed Drinks“, jedoch keineswegs weniger hymnisch. Frightened Rabbit bewegen sich mit Album Nummer vier noch einige Schritte weiter weg von der eigenen schottischen Haustür, um große Geschichten von den Bordsteinen des tristen Alltags aufzulesen. Liebe und Leid, Verzücken und Enttäuschung, Vertrauen und Verfall – wer den fünf „Angsthasen“ um Frontmann und Sänger Scott Hutchison die Zeit gibt, sich bis zum Hörerherzen vorzuarbeiten, der bekommt mit „Pedestrian Verse“ einen treuen Begleiter durch Sonnen- wie Regentage. Vielleicht lief das eine oder andere Album ein paar Mal öfter durch meine Gehörgänge. Näher und tiefer ging jedoch in diesem Jahr keines. „Pedestrian Verse“ ist ein Monolith in der sowieso bereits tollen Frightened Rabbit’schen Diskographie. Und ein absolut würdiges „Album des Jahres“.

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2013TheNational_TroubleWillFindMe2.  The National – Trouble Will Find Me

Zu lange tingelten The National im Indierock-Schatten herum. Dabei besaß bisher jedes ihrer Album die Qualität und Größe, um einen Spitzenplatz in den Jahresabschlussbestenlisten zu belegen. Umso schöner ist es, wenn der US-Band mit „Trouble Will Find Me“, seines Zeichens Albumwurf Nummer sechs, nun endlich die vollends verdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Vielleicht besaß der drei Jahre junge Vorgänger „High Violet“ die dringenderen Gitarrenrocker. Vielleicht zieht bei den Familienvätern um den wohlig grantelnden Frontmann Matt Berninger von Mal zu Mal mehr Altersmilde ein. In jedem Fall stellt „Trouble Will Find Me“, The Nationals Musik gewordenes „Weinalbum“, Klasse vor Masse – nur eben nun auf größeren Bühnen. Wer noch immer glaubt, dass Arcade Fire die „größte Indieband der Welt“ seien, der sollte sich dieses Album zu Güte führen. Und den dreizehn Stücken beim stetigen Größerwerden zuhören…

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Mark-Kozelek-Jimmy-Lavalle-Perils-from-the-Sea-205x2053.  Mark Kozelek & Jimmy LaValle – Perils From The Sea

Mark Kozelek scheint seit geraumer Zeit einen sprichwörtlichen Lauf zu haben. Der ehemalige Red House Painters-Frontmann tourt als nimmermüder Troubadour nicht nur unablässig um die Welt, er veröffentlicht auch in immer geringeren Abständen eine großartige Platte nach der nächsten. Ob nun mit seiner elegischen Stammband Sun Kil Moon, mit den Ex-Kollegen von den Red House Painters, die nun als Desertshore musizieren, ob nun solo oder, wie hier, mit The Album Leaf-Cheftüfftler Jimmy LaValle – dem zurückhaltenden Geschichtenerzähler mit der so besonderen wie unverwechselbaren Stimme gelingt es immer wieder aufs Neue, seinen Zuhörer zu fesseln. Dass er sich für „Perils From The Sea“ dabei in absolutes Neuland vorwagt und sein Gesangsorgan inmitten reduzierter Ambietklänge bettet, macht die Sache eigentlich nur interessanter. Easy Listening mit Tiefgang und Relevanz? Keinesfalls eine einfache Sache… Und obendrein bietet „Perils From The Sea“ noch Erzählungen, die einen so schnell nicht mehr los lassen.

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there-will-be-fireworks-the-dark-dark-bright4.  There Will Be Fireworks – The Dark, Dark Bright

Das selbstbetitelte Erstwerk meiner schottischen Herzensband (klar mag es da so einige geben, aber keine liegt näher!) fand bei dessen Eigenvertriebsveröffentlichung vor vier Jahren noch quasi unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt. Beim nunmehr zweiten Album „The Dark, Dark Bright“ hören nun wohl schein ein paar mehr Ohren hin… Und das hat sich die Band um Frontmann Nicky McManus auch redlich verdient. Der schottische Fünfer arbeitet innerhalb von knapp 50 Minuten die komplette Indie-Postrock-Klaviatur von Mogwai bis Sigur Rós ab und setzt dabei nicht wenige wohltuende Nadelstiche mitten ins Herz. Mag sein, dass der Vorgänger die größeren, die höhere Wellen schlagenderen Songs hatte. „The Dark, Dark Bright“ ist dafür kohärenter und macht den ein oder anderen produktionstechnischen Mangel des Debüts wett. In einer gerechten (Musik)Welt werden There Will Be Fireworks zu einer großen kleinen Band. Wetten, dass?

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Casper_Hinterland5.  Casper – Hinterland

„XOXO“ wurde vor zwei Jahren als nichts weniger als die „Revolution des bundesdeutschen Hip Hop“ gefeiert. Das machte es für Benjamin „Casper“ Griffey natürlich keineswegs einfacher. Doch die Rechnung des „Emorappers“, sich für den Nachfolger so unwahrscheinliche Produktionspartner wie Get Well Soon-Mastermind Konstantin Gropper und das Elektro-affine Studioass Markus Ganter ins Boot zu holen, geht beim vierten Casper-Album „Hinterland“ in vollsten Maße auf. Egal ob der Indie-Rapper gerade vom Fern- oder Heimweh erzählt, sein Bewerbungsschreiben als deutscher Tom Waits abgibt oder sich Editors-Frontstimme Tom Smith zum Duett ins Studio einlädt – Deutschland hört hin. Und der Rest darf sich für die Ignoranz der germanischen Hip Hop-Antwort auf Springsteens „Born To Run“ gern den augenzwinkernden Mittelfinger abholen… Spätestens 2013 dürfte klar sein: Casper stehen alle Türen offen.

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BiffyClyro_Opposites6.  Biffy Clyro – Opposites

Wieviele (Rock)Bands sind bereits an ihren Ambitionen gescheitert? Wieviele Künstler haben bereits vollmundig epische Doppel- – oder gar Dreifach-! -Alben angekündigt, nur um dann auf höchsten Niveau zu versagen? Natürlich: diese Liste ist lang… „Opposites“ dürfte sich als sechstes Album des Schotten-Trios von Biffy Clyro auf der gelungenen Seite der Ambitioniertheit einordnen, bietet des doch die wohl gleichzeitig größten wie auch variationsreichsten Songs aus den Federn von Frontmann Simon Neil und den beiden Johnston-Zwillingen James und Ben. Eine Mariachi-Band inmitten fetter Hooks, Streicher und elegischer Passagen? In den über achtzig Minuten des so opulenten wie tiefgründigen Doppelalbums geht so einiges. Biffy Clyro bringen mit „Opposites“ das Pathos zurück auf die große Bühne. Operation gelungen, Patient gesünder denn je.

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listener-300x3007.  Listener – Time Is A Machine

Talk Music? Was zur Hölle soll das sein?!? Gut, wer sich als Neuling dem neusten Listener-Werk „Time Is A Machine“ gegenüber gestellt sieht, der dürfte wohl anfangs ähnlich überfordert sein… Zu rast- und ruhelos, zu drängend und dringend spielt sich das aus Fayetteville, Arkansas stammende US-Trio durch die acht neuen Stücke. Dass man dabei kaum mit dem lyrisch versierten Textespucker Dan Smith, der die Band einst als Soloprojekt begann, Schritt halten kann, ist ebenso faszinierend wie die Tatsache, dass sich Hip Hop und Postrock eben doch vereinbaren lassen. „Time Is A Machine“ ist mit seinen lediglich etwa 30 Minuten, wie auch der nicht minder tolle, vor drei Jahren erschienene Vorgänger „Wooden Heart“ schon, erneut kein Album zum Nebenbeihören. Nein, „Time Is A Machine“ ist ein wahrer kleiner Wirbelwind von Album, vorangetrieben von drei Wirbelwinden, die kaum näher bei sich sein könnten. Raprock in Höchstform. Diese Band verdient sich ihre eigene Nische…

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SIGUR-ROS-KVEIKUR-275x2758.  Sigur Rós – Kveikur

Als die Vorzeigeisländer von Sigur Rós im vergangenen Jahr das sechste Album „Valtari“ auf den Musikmarkt losließen, durfte man berechtigtermaßen befürchten, die Band um Frontmann Jónsi nun vollends an elegische Ambientweiten verloren zu haben, immerhin ließ das Werk nahezu vollständig jene großartigen Momentausbrüche vermissen, mit denen sich Sigur Rós auf Meilensteinen wie  „Ágætis Byrjun“ oder „Takk…“ noch in so viele Hörerherzen in aller Welt gespielt hatten… Umso heftiger drischt nun die nach dem Ausstieg des Keyboarders zum Trio geschrumpfte Band mit dem ein oder anderen Stück von „Kveikur“ in manche unvorbereitete Magengrube. Heftiger, kompakter und rauer waren Sigur Rós wohl noch nie, auf Albumlänge mitreißender in keinem Fall. Sollte Musik tatsächlich da anfangen, wo einem die Worte fehlen, so bleibt hierfür wohl nur noch ein letztes: geil.

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daughter-cover9.  Daughter – If You Leave

Vorschusslorbeeren durften Elena Tonra und ihre beiden männlichen Mitmusiker bereits seit den ersten Daughter-Lebenszeichen in Form von vereinzelten Konzerten und vielversprechenden EP-Vorboten sammeln. Umso höher war darauf natürlich der Sockel, vom dem das englische Trio mit dem Debütalbum fallen konnte. Doch „If You Leave“ enttäuscht keineswegs und ist, seiner Veröffentlichung um Frühling zum Trotz, eines der besten Herbstalben des Jahres, das sich zwar im selben Fahrwasser wie die Landsleute von The xx bewegt, dabei jedoch mehr Gewicht auf die Gitarren legt. Klar, man muss schon eine gewisse Affinität fürs Melancholische besitzen, um sich in diesen kleinen Dramen zurecht zu finden. Das Wohlgefühl kommt danach von ganz allein…

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Like-Clockwork-Cover10. Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork

Josh Homme, dieser Schelm! „Wie ein Uhrwerk“ lief die Arbeit an „…Like Clockwork“ nämlich keineswegs. Stattdessen durfte sich der umtriebige Ex-Kyuss-Gittarero und jetzige Queens Of The Stone Age-Vorsteher mit so einigen Verletzungen und Schreibblockaden herumplagen. Dass er und seine Mitmusiker am Ende mit dem wohl besten Album seit dem in Rock gefassten, bereits elf Jahre zurückliegenden Meilenstein „Songs For The Deaf“ um die Ecke kamen, der ebenso knackige Wüstenrocker aufbietet wie irrwitzige Miniepen, dürfte dabei für sich sprechen. Dass bei Album Nummer sechs die prominente Gästeliste aus Mark Lanegan, Nick Oliveri, Trent Reznor (Nine Inch Nails), James Lavalle (UNKLE), Alex Turner (Arctic Monkeys), Brody Dalle (Ex-Distillers), Alain Johannes (Eleven), Jake Shears (Scissor Sisters) oder Sir Elton John zur reinen Marginalität gerät, ebenso… Nach sechs Jahren Veröffentlichungsschweigen präsentieren sich die Queens Of The Stone Age mit „…Like Clockwork“ frischer den je. Und Josh Homme, diese arschcoole Rocksau, stellt mit einem karrieretechnischen Top-Drei-Album mal eben die komplette Konkurrenz in den Schatten. Willkommen zurück, Jungs!

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Auf den weiteren Plätzen:

Various Artists – Sound City – Reel to Reel mehr…

Pearl Jam – Lightning Bolt mehr…

Haim – Days Are Gone mehr…

Keaton Henson – Birthdays mehr…

Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City mehr…

Die Höchste Eisenbahn – Schau in den Lauf Hase mehr…

Foals – Holy Fire mehr…

Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away mehr…

Woodkid – The Golden Age mehr…

Thees Uhlmann – #2 mehr…

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Frightened Rabbit – Holy

Holy

Das Jahr 2013 nähert sich stetig seinem Ende und zumindest für mich steht mit Sicherheit fest, dass „Pedestrian Verse„, das vierte Album meiner liebsten schottischen Angsthasen, einen Podestplatz der persönlichen Alben des Jahres innehaben wird.

Und selbst auf diesem nicht eben an Highlights armen Album ragt „Holy“ noch einmal heraus. Im dazugehörigen Musikvideo lassen Frightened Rabbit die Protagonistin aus der piekfeinen Enge ihres Alltags ausbrechen und durch wunderschöne Landschaften hin zum Meer wandern… „Don’t mind being lonely / Don’t need to be told / Stop acting so holy / I know I’m full of holes….“ Passt.

 

 

Wie so oft gibt’s das Stück noch einmal in der reduzierten Sessions-Variante…

 

…und wer kann, der sollte sich eines der folgenden Daten rot im Kalender markieren, denn Frightened Rabbit spielen in Kürze ein paar Konzerte auf deutschen Bühnen:

-Frightened Rabbit live-
22. November 2013 – Köln, Gebäude 9
29. November 2013 – Hamburg, Knust
01. Dezember 2013 – Dresden, Beatpol
02. Dezember 2013 – München, Ampere
07. Dezember 2013 – Frankfurt, Zoom

 

 

Biffy Clyro – Sounds Like Balloons

Sounds Like Balloons

Auf Frightened Rabbit folgen mal wieder Biffy Clyro – so weit, so offensichtlich. Doch auch „Opposites“ steht nach x-maligen Durchläufen noch erstaunlich gut – immerhin veröffentlichten Simon Neil und seine beiden Bandkumpane hier ein opulentes Doppelalbum – mit beiden Beinen in meiner Heavy Rotation-Playlist…

Für das Video zu „Sounds Like Balloons“ baten die Schotten ihre Fans, ihnen Filmmaterial von Konzerten zuzusenden, aus welchem am Ende ein vierminütiger Clip entstand. Und für alle, die entweder nicht die Gelegenheit hatten, in diesem Jahr bei einem der Konzerte von „Mon the Biff“ vorbeizuschauen oder diese noch einmal für dem inneren Auge Revue passieren lassen möchten, gibt es am dem 29. November neues Futter: Biffy Clyro veröffentlichen – zunächst exklusiv in Deutschland, Österreich und der Schweiz – mit „Opposites – Live from Glasgow“ den 14 Songs starken Mitschnitt des gefeierten „Homecoming“-Konzerts. (Ich persönlich hoffe, dass die Nachproduktion dieses Livealbums nicht ganz so glattgebügelt ausfällt wie beim eigentlich tollen „Revolutions//Live at Wembley“…)

 

 

 

Okkervil River – Stay Young

Okkervil River - Stay Young video

Leichte Irritationen dürften wohl nicht wenige befallen haben, die sich das Anfang September erschienene neue Okkervil River-Album „The Silver Gymnasium“ zu Gemüte geführt haben. War das da wirklich noch die gleiche Band, die sich vor Jahren – und auf großartig zu Herzen gehenden Alben wie „Black Sheep Boy“ oder „The Stage Names“ – noch so unbarmherzig in ihren eigenen Wunden suhlte? Aber keine Angst, Will Shelf und seine Mitmusiker haben sich keineswegs der seichten Popmusik verschrieben! Auch „The Silver Gymnasium“ steckt immer noch voller kleiner schwarzhumorigen Anekdoten über Lieben und Leben – nur kommen diese nun eben mit ein paar mehr hoffnungsvollen Sonnenstrahlen mehr um die Ecke.

Wie so viele der Stücke, die zum Großteil von Will Shelfs Kindheit und Aufwachsen im heimatlichen New Hampshire erzählen, kommt auch das Musikvideo zum bläserdurchtränkten Song „Stay Young“ um die Ecke. „Four-wheelers and snowmobiles were the coolest things going for NH young people when I was a kid, and I thought it would be fun to make a video that was just this total four-wheeler and ATV fantasia“, wie Sheff kürzlich dem US-amerikanischen Rolling Stone erzählte. Und das gibt’s denn auch zu sehen: eine einzige spätsommerliche Sonnenuntergangsszenerie aus Quad- und Wasserskifahrten, während der Rest des Freundeskreises lächelnd, quatschend und bierselig vom Ufer- und Wegesrand zuschaut. „Young, stay young / Stay strong, don’t get on with it…“ Da werden Erinnerungen wach…

 

 

 

The National – Lean

The National

Keine Frage: The National sind eine der Bands des Jahres (und wäre das ganze seltsame aufgeblähte Bohei um Arcade Fire und deren neues Werk „Reflektor“ nicht gewesen, so stünden The National wohlmöglich auf einsamer Flur als „größte Indie-Band im Mainstream“). Ihr im Mai erschienenes sechstes Album „Trouble Will Find Me“ bedeutete für Sänger Matt Berninger & Co. den endgültigen – und höchst verdienten – Durchbruch, nach Jahren des Tourens, Produzierens und Arschabspielens am Rande des Masseninteresses. Dass die Band nun auch – neben Künstlern wie Coldplay, Christina Aguilera, Ellie Goulding oder The Lumineers – mit einem neuen Stück namens „Lean“ auf dem Soundtrack zum epischen Kinderkriegsfilm „The Hunger Games: Catching Fire“ vertreten sein wird, dürfte wohl einerseits für ihr aktuelles Standing sprechen, ihnen jedoch auch den ein oder anderen Hörer zuspülen. Denn wer bitteschön wäre so herzlos, Matt Berningers getragenem Bariton, der schwelgerischen Melancholie und Zeilen wie „Everybody needs a pray, needs a friend / Everybody knows the world’s about to end…“ zu widerstehen? Eben! Massenkompatibel, auf die beste Art und Weise.

 

 

 

Thirty Seconds To Mars – City Of Angels

30 seconds to mars - city of angels

Okay, für viele dürften Jared Leto und seine Band Thirty Seconds To Mars am unteren Ende der „Larger than life“-Rockstarschiene agieren, für die meisten dürften die mit Pathos und Produktion nur so überschütteten Stücke des neusten Albums „Love Lust Faith + Dreams“ (alleine er Titel sagte wohl schon alles) die Grenze zur unglaubwürdigen Lachnummer ihrer Selbst längst überschritten haben. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Band ernsthaft hinter ihrem typisch US-amerikanischen „vom Bordstein zur Skyline“-Traum steht, diesen lebt und verteidigt, stellt dies die ein oder andere (freilich überhöhte) Pose Letos eventuell in einem neuen Licht dar…

Passend zum Stück hat der schauspielernde Sänger für das gut elfminütige Kurzfilmmusikvideo zu „City Of Angels“ auch auf dem Regiestuhl Platz genommen, sein Adressbuch Eselsohren schlagen lassen und Buddies wie Kanye West, Juliette Lewis, Lindsay Lohan, Olivia Wilde, Steve Nash, Ashley Olsen, James Franco, Selena Gomez, Shaun White, aber auch ein Michael Jackson-Double und Obdachlose vor die Kamera gelotst, um ihre Geschichte über die „Stadt der Engel“ zu erzählen, während die Band in Zwischenteilen ihre pathetische Show – natürlich vor atemberaubender Kulisse! – abzieht… Großes Kino, allemal.

 

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Casper – Im Ascheregen

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Heiß erwartet, nicht nur auf ANEWFRIEND: das neue Casper-Album. Bevor „Hinterland“ am 27. September erscheint, schickt der in Berlin lebende Bielefelder Rapper mit US-Vergangenheit die erste Single „Im Ascheregen“ voraus, die viele der Trademarks in sich vereint, welche bereits den erfolgreichen Albumvorgänger „XOXO“ auszeichneten: Bandinstrumentierung, Emotionen und groß aufgetragene Videomomente – während Cas im Text mal eben Referenzen an Kettcar und Slime rausschickt: „Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin / Augen und Herzen sind Dynamit“.

Ob der Rest des neuen, gemeinsam mit Get Well Soon-Mastermind Konstantin Gropper aufgenommenen Albums ebenso großspurig auftrumpfen wird, wird sich in knapp zwei Monaten herausstellen. Fest steht: Auch an „Hinterland“ werden sich die Gemüter der bundesdeutschen Rapszene, der versammelten Musikjournalie und des höchstens sporadisch szenekundigen Poppublikums zu reiben wissen. Und um große, altkluge Worte ist Benjamin Griffey auch 2013 nicht verlegen… Gut so!

„Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen
Will auf und davon und nie wiederkommen
Kein Lebewohl, will euch nicht kennen
Die Stadt muss brenn’…“

 

 

 

Biffy Clyro – Victory Over The Sun

Biffy Clyro 'Victory Over The Sun' by Jim Canty

Die drei Schotten von Biffy Clyro veröffentlichen momentan – gefühlt – Singles im Wochentakt. Kein Wunder: Mit „Opposites“ haben Simon Neil und die beiden Johnston-Zwillinge  Ben und James in diesem Jahr ein Doppelalbum in die Regale gestellt, bei dem sich so einige potentielle Singlekandidaten dicht gedrängt halten. Und so ist „Victory Over The Sun“ (ganz nebenbei einer meiner persönlichen Favoriten vom sechsten Studioalbum) bereits Auskopplung Nummer fünf…

Ebenso dick und cineastisch wie der Song trägt auch das dazugehörige Video zu „Victory Over The Sun“ auf, in welchem Neil & Co. sich wahlweise in einem religiös anmutenden, gespannt lauschenden Kreis oder inmitten einer brennenden Szenerie wiederfinden… Wer mag schon kleine Pathosbrötchen, wenn das Budget für ’ne ganze Bäckerei reicht, oder?

 

 

 

Villagers – Earthly Pleasure

villagers

Weitaus subtiler gehen da schon Conor O’Brien und sein bandgewordenes Musizierprojekt Villagers zu Werke. Und doch warten die neusten bewegten Bilder zum zweiten, ganz hervorragenden Villagers-Album „{Awayland}„, für die sich die Regisseure Smith & Werber verantwortlich zeichnen, mit allerlei bunten, phantasievollen und irgendwie surrealen Bildern auf, während O’Brien scheinbar atemlos seine Zeilen vom Teufel, Tod und dem Kreislauf der Wiedergeburt singt.

„Earthly Pleasure“ wird am 26. August als digitale Single erscheinen.

 

 

 

The Postal Service – Some Idealistic Future (Dokumentation)

The Postal Service

Schade, dass Ben Gibbard und Jimmy Tamborello das zehnjährige Jubiläum des Debütalbums „Give Up“ ihres gemeinsamen Projekts The Postal Service nicht zum Anlass nahmen, dem Album einen Nachfolger zu spendieren. Stattdessen erschien im April 2013 eine erweiterte Neuauflage des Albums, zu dem sich Gibbard, Tamborello und ihre Begleitmusiker (u.a. Ex-Rilo Kiley-Frontfrau Jenny Lewis) aktuell auf ausgedehnter Tour befinden.

Wer jedoch mehr über The Postal Service erfahren möchte, dem bietet diese „Some Idealistic Future“ betitelte, viertelstündige Dokumentation, die von Justin Mitchell (von The Creators Project) produziert wurde, ein paar Einblicke in die Bandhistorie und die aktuellen Konzerte…

 

 

Außerdem gibt’s hier das Musikvideo zum Song „A Tattered Line Of String“, der als Teil der Neuauflage von „Give Up“ seine Erstveröffentlichung erfuhr:

 

 

Broken Social Scene – The World At Large

BSS

Stilistisch gar nicht so weit weg von The Postal Service musiziert das kanadische All-Star-Kollektiv von Broken Social Scene. Was macht die „Band“, die sich aus der vitalen Indieszene rund um Toronto rekrutiert und der zu Hochzeiten schon mal mehr als zwanzig (!) Musiker angehören können, denn eigentlich gerade? Nun, abgesehen von ein paar sporadischen Konzerten hier und da befindet sich die Band seit ihrem letzten, vor drei Jahren erschienenen Album „Forgiveness Rock Record“ weiterhin in einer Auszeit, während ihre einzelnen Teile, zu denen dann etwa Feist oder Teile von Stars und Metric zählen, munter solo oder in anderen Konstellationen weiter musizieren…

Trotzdem fanden sich Frontmann Kevin Drew und ein paar Mitmusiker vor kurzem für eine spontane Studiosession zusammen und nahmen sich den Modest Mouse-Song „The World At Large“ vor…

 

 

Wer einen neuen Song von Broken Social Scene hören mag, der wird aktuell auf der Geburtstagscompilation „X“ des Haus-und-Hof-Labels Arts & Crafts fündig, auf welcher kürzlich das Stück „Day Of The Kid“ erschien…

 

 

Rock and Roll.

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