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Songs des Tages: Julien Baker / Biffy Clyro – „The Modern Leper“


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Etwa ein Jahr nach dem ebenso frühen wie tragischen Tod ihres Frontmanns Scott Hutchison haben die verbliebenen Mitglieder der schottischen Indierocker Frightened Rabbit mit „Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ einen Tribute-Sampler angekündigt. Und obwohl der Anlass im Grunde janusköpfiger kaum sein könnte – sprich: das logische traurige Ende der glasgower Band einerseits sowie das zehnjährige Jubiläum ihres zweiten (Durchbruchs)Albums im vergangenen Jahr andererseits – gibt es trotzdem gleich siebzehnfachen Grund zur Vorfreude, schließlich versammelt die Trackliste (findet ihr weiter unten) viele prominente Freunde, die sich der Songs von „The Midnight Organ Fight“ annehmen und ihre ganz eigenen Interpretationen präsentieren – und das auch noch für einen guten Zweck…

 

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So versammelt die Liste der Beitragenden naturgemäß einige schottische Lads wie Biffy Clyro, The Twilight Sad oder Fiskur, schließt aber auch so einige, ebenfalls befreundete Künstler aus Rest-Großbritannien (etwa Daughter) und Nordamerika (etwa Josh Ritter oder The Hold Steady-Stimme Craig Finn) mit ein. So covern die Kanadier Wintersleep „The Twist“, Manchester Orchestra nehmen sich „My Backwards Walk“ vor, Death Cab For Cutie-Vorsteher Benjamin Gibbard spielt „Keep Yourself Warm“ nach und The National-Gitarrist Aaron Dessner schließt sich mit CHVRCHES-Sängerin Lauren Mayberry zusammen, um „Who’d You Kill Now“ zu interpretieren. Bereits hören kann man zwei Versionen von „The Modern Leper“, einmal von Biffy Clyro, einmal von Julien Baker (gibt’s weiter unten auf die Öhrchen).

Obwohl Frightened Rabbit-Sänger und -Hauptsongwriter Scott Hutchison im Mai 2018 verstarb, war der charismatische Musiker die Triebfeder hinter dem „The Midnight Organ Fight“-Jubiläumsprojekt, dessen Planungen seit 2017 liefen. So schreiben etwa Wintersleep in einem Facebook-Beitrag, dass Hutchison sie gebeten habe, eines ihrer großen Drum-Fills in das Cover von „The Twist“ einzubringen. Außerdem zeichnete er das Cover des Tribute-Samplers. James Graham von The Twilight Sad wiederum erinnert sich (ebenfalls via Facebook) an persönliche Begegnungen mit Scott Hutchison und Frightened Rabbit während der Zeit um 2008 herum, als die Glaswegian Lads kurz vor dem Durchbruch standen.

In den Monaten nach Hutchisons Tod hatten ihm zahlreiche Musiker und Freunde gedacht. So fand bereits im vergangenen Dezember in New York ein Benefiz-Tribute-Konzert unter namenhafter Beteiligung statt (von denen nun einige Künstler wie Julien Baker, Craig Finn oder Aaron Dessner ebenfalls wieder mit von der Partie sind), welches ebenfalls „Tiny Changes“ hieß. Und auch Death Cab For Cutie hatten den „The Midnight Organ Fight“-Song „My Backwards Walk“ im September 2018 als Spotify-exklusive Single gecovert.

„Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ erscheint am 12. Juli und kann im Webshop von Frightened Rabbit vorbestellt werden (oder eben hier digital). Ein Teil der Einnahmen geht an Tiny Changes, die Charity-Organisation, welche Hutchisons Familie vergangenen Monat gegründet hatte, um mit dieser auf psychische Probleme und den Umgang damit speziell bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen.

 

 

— TINY CHANGES: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‘The Midnight Organ Fight’ —

17708201 Biffy Clyro – “The Modern Leper”
02 Oxford Collapse – “I Feel Better”
03 Fiskur – “Good Arms vs Bad Arms”
04 Right On Dynamite – “Fast Blood”
05 Josh Ritter – “Old Old Fashioned”
06 Wintersleep – “The Twist”
07 Peter Katis – “Bright Pink Bookmark”
08 Craig Finn – “Heads Roll Off”
09 Katie Harkin & Sarah Silverman – “My Backwards Walk”
10 Benjamin Gibbard – “Keep Yourself Warm”
11 Jeff Zeigler – “Extrasupervery”
12 Daughter – “Poke”
13 The Twilight Sad – “Floating in the Forth”
14 Aaron Dessner & Lauren Mayberry – “Who’d You Kill Now”
15 Julien Baker – “The Modern Leper”
16 Piano Bar Fight – “The Twist”
17 Manchester Orchestra – “My Backwards Walk”

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ben Gibbard – „Filler“


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Ben Gibbard, hauptamtlich Frontmann der Indiepopper von Death Cab For Cutie, nimmt sich einen Song der wegweisenden US-Hardcore-Punk-Band Minor Threat vor – auf dem Klavier!

Gibbard sagt: „Ich habe den Song nur ein Mal bei einer Soloshow in D.C. in 2012 gecovert. Jetzt hatte ich das Gefühl, ihn aufzunehmen und zu teilen. Viel Spaß!“

Der 42-jährige Musiker, der zuletzt auch solo mit dem Teenage-Fanclub-Coveralbum „Bandwagonesque“ auf Neuinterpretationspfaden wandelte (während das bislang jüngste Death Cab For Cutie-Werk „Thank You For Today“ im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde), hat eine ruhige, dreiminütige Piano-Version aus dem eigentlich nur 94 Sekunden langen Minor Threat-Song gemacht, die mit dem Original, anno 1981 auf der EP gleichen Titels erschienen, eigentlich kaum mehr als den Text (aus der Feder des großen Ian MacKaye) gemein hat – der jedoch hat es mit Zeilen wie „You call it religion / You’re full of shit“ auch bei Ben Gibbard immer noch in sich…

 

 

„What happened to you?
You’re not the same
Something in your head
Made a violent change

It’s in your head
It’s in your head
It’s in your head
Filler

You call it religion
You’re full of shit

Was she really worth it?
She cost you your life
You’ll never leave her side
She’s gonna be your wife

You call it romance
You’re full of shit

Your brain is clay
What’s going on? You picked up a bible
And now you’re gone

You call it religion
You’re full of shit
Filler“

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Julien Baker – Sprained Ankle (2015)

M0011901997--897742-erschienen bei 6131 Records-

„This very gentle young woman stepped up and started playing these songs, and it was one of these moments in life that genuinely felt golden, when you see something that is so special, and so fragile, that is just on the precipice of taking off.“

(Morgan Jon Fox, Filmemacher aus Memphis)

Kennt ihr noch dieses Gefühl, das wohl die meisten von uns hatten, als sie Anfang zwanzig waren? Dieses große Loch in der Brust, dass einen dazu brachte, sich einerseits jung und frei und lebendig und hungrig nach Abenteuern und dem Unbekannten zu fühlen, andererseits jedoch auch unsicher und bang ob der Zukunft und was nun mit einem werden soll? Klar, manch eine(r) mag schon im Kindergartenalter völlig sicher gewesen sein, welcher Weg bis zum Rentenalter einzuschlagen ist, aber für nicht wenige sind mindestens die Twen-Jahre eine Zeit des Suchens, des Sich-Ausprobierens, und bestenfalls: des Findens.

Solche Gedanken schießen einem (oder besser: mir) durch den Kopf, wenn ich „Sprained Ankle„, das Debütalbum von Julien Baker, höre. Denn obwohl – oder gerade weil – die US-Musikerin erst zwanzig Jahre jung ist, spricht aus den neun Stücken des Albums an allen Ecken und Enden die Sinnsuche. Doch dass nun tatsächlich so viele Menschen Notiz von Bakers Songs nehmen, war eigentlich so nie beabsichtigt…

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„For me personally, it’s like I’ve listened to a song of hers 200 times and on the 200th time I am just in my car weeping. She has that ability.“

(Sean Roher, Labelinhaber 6131 Records)

Ursprünglich stammt Julien Rose Baker aus den Suburbs von Memphis, Tennessee im Süden der USA. Dort wuchs sie auf, dort sammelte sie bereits in jungen Jahren Erfahrungen in Musikprojekten ihrer Kirchengemeinde (was ja gerade im südlichen Teil der USA um Einiges alltäglicher ist als etwa in religiösen Dingen doch zurückhaltenderen Deutschland) sowie später in der lokalen DIY-Punkszene, wo sie 2010 mit Gleichgesinnten ihre erste Band, The Star Killers (welche sich fünf Jahre später in Forrister umbenennen), gründet. Nebenjobs während der Highschool, in der Freizeit in Skaterparks abhängen, Zigaretten rauchen, ab und an törichte Dinge tun, der Kirchengemeinde angehören, bald die elektrische Gitarre des Vaters für sich entdecken – Julien Bakers Jugend war kaum anders, kaum wilder und kaum wenig widersprüchlich als die tausender US-Teenager ihres Alters.

Und doch spricht bei genauerem Hinhören aus ihren Songs so viel Erfahrung, Verletzlichkeit – ja: Verletztheit -, die man von einer jungen Frau ihres Alters, deren fast kindliches Gesicht obendrein nicht dem einer Anfangszwanzigerin entspricht, kaum erwarten würde. Und wie alles hat auch das Gründe, mit denen Baker erstaunlich offen umgeht. Dass Julien Baker homosexuell ist und daraus auch nie eine Hehl gemacht hat, braucht im Jahr 2016 (glücklicherweise!) keinen mehr zu wundern. Dass sie bereits ihre Erfahrungen mit legalen wie illegalen Drogen gemacht hat – und zum Klarkommen wohl wahre Dämonenkämpfe ausfechten musste -, sprechen ihre Stücke ebenfalls an. Dass sie, nachdem sie Freunde und Band in Memphis zurückließ, um an der Middle Tennessee State University (MTSU) in Murfreesboro zu studieren, viel und oft mit ihrer Einsamkeit zu kämpfen hatte, ebenfalls. Man hört den neun Songs klar an, dass sie eng beieinander liegend entstanden sind, denn sie wirken wie Bakers Tagebucheinträge, und ein ums andere Mal kommt die Musikerin einem fast ungemütlich nahe, denn „Wohlfühlatmosphäre“ wäre wohl das Letzte, was die Stücke von „Blacktop“ bis „Go Home“ verbreiten würden.

Und in der Tat sind diese Songs Julien Bakers erste abseits ihrer (alten) Band Forrister. Durch einen Freund an der MTSU, Michael Hegner, nahm sie erst einige Demos im universitätseigenen Studio auf. Nachdem beide feststellten, dass zwischen ihnen die Chemie stimmte, unternahmen sie einen gemeinsamen Trip nach Richmond, Virginia, um den Demo-Aufnahmen in den dortigen „Spacebomb Studios“, wo auch schon die letzten Alben von Matthew E. White oder Natalie Prass entstanden, noch einmal einen professionelleren Anstrich zu verpassen. Und trotzdem beabsichtigte Julien Baker zunächst nicht, ihre Stücke an die sprichwörtliche „große Glocke“ zu hängen und stellte das, was gemeinsam mit Hegner entstand, im Winter 2014 zuerst als EP auf ihre Bandcamp-Seite – nach dem Motto: Macht damit, was ihr wollt. Erst als ein weiterer Freund Sean Rhorer, Labelchef von 6131 Records, auf Bakers Musik aufmerksam machte, und dieser die junge Musikerin darum bat, die Stücke wieder offline zu stellen, damit sie noch einmal professionell gemastered (also ein wenig nachbearbeitet) und danach auf seinem Label veröffentlicht werden können, kam Bewegung in die Sache. Und so erschien Julien Bakers Debütwerk „Sprained Ankle“ noch einmal höchst offiziell im Oktober letzten Jahres bei 6131 Records.

Soweit, so Drumherum.

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Fotos: Promo / Jake Cunningham

Allerdings sollte man um eben jenes Drumherum wissen, um die Songs von „Sprained Ankle“ in ihrer Tiefe tatsächlich zu verstehen. Denn sie selbst – die Songs – betteln nicht gerade um Aufmerksamkeit. Im Gegenteil: während der 33 Minuten gibt es wenig mehr zu hören als Julien Baker und ihre Gitarre, nur höchst selten kommt kurzzeitig ein Schlagzeug dazu (etwa in „Brittle Boned“) oder, wie im Abschluss „Go Home“, ein Piano. Fast könnte man vermuten, dass Baker daran gedacht hat, diese (Demo-)Stücke eines Tages noch einmal als Full-Band-Versionen neu aufzunehmen. So jedoch erlangen die Songs noch mehr an Intensität, denn es steht höchst wenig zwischen der Musikerin und dem Hörer.

something-singleWas wohl auch an den Texten liegt. So singt Baker bereits im eröffnenden „Blacktop“ vom Verlorensein, einer unglücklichen Liebe, einem Autounfall und davon, sich nichts sehnlicher zu wünschen als ein vertrautes Gesicht („Come visit me / In the back of an ambulance“). Das recht kurze Titelstück bringt mit seiner Episode vom schüchternen Verliebtsein auch ein schönes sprachliches Bild mit („A sprinter learning to wait / A marathon runner / My ankles are sprained“) – verstauchte Knie vom Leben, der Liebe, der eigenen Courage, die einen davon abhalten, den nötigen Schritt weiter und vorwärts zu gehen. Ja, Julien Baker geht, wie bereits erwähnt, in ihren Songs recht offen mit ihren Problemen um – was zu Geständnissen („I’m so good at hurting myself“ – „Brittle Boned“) und der ein oder anderen pessimistischen Vorahnung („I know myself better than anybody else / You’re gonna run when you find out who I am / You’re gonna run, it’s alright, everybody does“ – „Everybody Does“) führt, während man doch die ganze verdammte Zeit versucht, alles irgendwie richtig und es allen irgendwie recht zu machen („I know I shouldn’t make my friends all worry / When I go out at night“ – „Good News“). Besonders großartig sind etwa das simpel gehaltene – ja: traurige – Liebeslied „Something“ geraten („I know you left hours ago / I still haven’t moved yet / I knew you were gone months ago / But I can’t think of anyone else / I should have said something, something, something / But I couldn’t find something to say / So I just said nothing, nothing, nothing / Sat and watched you drive away“) oder „Rejoice“, in welchem sie Gott mit sich beinahe überschlagender Stimme fragt, wo Hilfe ist, wenn man sie am nötigsten braucht („But I think there’s a god and he hears either way when I rejoice and complain / Lift my voice that I was made / And somebody’s listening at night with the ghosts of my friends when I pray / Asking ‚Why did you let them leave and then make me stay?‘ / Know my name and all of my hideous mistakes“). Ihren wohl bewegendsten Song bringt Julien Baker mit „Go Home“ ganz zum Schluss – eine am Piano vorgetragene Nummer, in der sie vom eigenen desolaten Zustand erzählt und doch nur einen Wunsch hat: nach Hause zu kommen – wo immer das auch sein möge… (fun fact am Rande: Als Baker gegen Ende von „Go Home“ selbstvergessen das christliche Stück „In Christ Alone“, welches sie noch aus ihrer Kirchengemeinde kennt, anspielt, fängt der mitlaufende Aufnahmeverstärker ausgerechnet Radiowellen eines Kirchenradiosenders ein, auf dem gerade die Ansprache eines Predigers übertragen wird. Zufall? Wohl kaum. Spooky? Auf jeden Fall. Die Musikerin ließ diese unbeabsichtigte Aufnahme trotzdem – oder gerade deshalb – auf dem Album.)

„I’ve been walking again.
I go out and forget to tell any of my friends where I’m going.
I’m drunk on the side of a road in a ditch when you find me.
I wanna go home. I’m sick.
There’s there’s more whiskey than blood in my veins,
More tar than air in my lungs.
The strung out call I make
Burned out at the edge of the highway.
I’m sorry for asking, but please come take me home.

I quit talking again.
I know you’re still listening.
I see you fell asleep.
It pierced my skin;
Needles to the worn out wrecks.
The folds in my arms are sticking in blood,
And I haven’t been taking my meds.
Lock all the cabinets, send me to bed,
Because I know you’re still worried I’m gonna get scared.
Because I’m alone again, and I don’t like the things I see.

And I haven’t been taking my meds,
So lock all the cabinets, send me to bed,
Because I know you’re still worried
I’m gonna get scared again.
And make my insides clean with the kitchen bleach;
I’ve kissed enough bathroom sinks
To make up for the lovers that never loved me.
And I know that my body is just dirty clothes.
I’m tired of washing my hands, God I wanna go home.“

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Ja, die neun Songs von „Sprained Ankle“ gehen – insofern man es zulässt – an die sprichwörtlichen Nieren. Was wohl auch daran liegt, dass Julien Baker eine talentierte Songwriterin ist, deren Stücke oft nach den frühen, reduzierten Tegan and Sara klingen, bevor sich diese dem Discopop verschrieben haben (eine andere Parallele zu den kanadischen Zwillingsschwestern mag sein, dass auch diese offensiv mit ihrer Homosexualität umgehen), mal nach der ebenfalls nicht um Frohsinn bemühten Torres, freilich nach dem großen Elliott Smith (zu passend, dass sie für die demnächst erscheinende Tribute-Compilation „Say Yes!“ Smiths „Ballad Of Big Nothing“ neu interpretierte) oder Sharon Van Etten. Andere mögen durch das in vielen Coffee-Shop-Konzerten geschulte Gitarrenspiel Jeff Buckley heraus hören. Einmal, in „Vessels“, klingt gar eine Ahnung von Lana Del Reys „Video Games“ an, das schöne „Something“ hätte unter der Ägide von Adele wohl das Zeug zum Hit (was den einfachen Grund hätte, dass Adele von Grund auf mehr Aufmerksamkeit zuteil werden würde). Julien Baker, die selbst Ben Gibbard (Death Cab For Cutie), David Bazar oder Aaron Weiss (mewithoutYou) zu ihren Vorbildern zählt und unlängst bereits mit Touché Amoré, EL VY oder Wye Oak touren durfte, stellt auf „Sprained Ankle“ viele Fragen – dem Leben, den Freunden, der Liebe, Gott und vor allem sich selbst -, findet jedoch nur selten Antworten. Was an sich auch völlig in Ordnung ist. Denn sie ist ja noch jung, und manchmal, ja manchmal ist auch der Weg das Ziel und die Suche nach Antworten eine Aufgabe, für die nicht wenige ein Leben lang brauchen. „Sprained Ankle“ liefert ein klein wenig den Soundtrack dazu – an einem Freitagabend, über die Kopfhörer direkt ins Herz.

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Wer mehr über Julien Baker erfahren möchte, der findet auf memphisflyer.com ein interessantes Porträt.

Auf Julien Bakers Bandcamp-Seite kann man das komplette Album hören…

 

…auf Soundcloud Julien Bakers bereits erwähnte Neuinterpretation den Elliott-Smith-Stücks „Ballad Of Big Nothing“, welche im Oktober auf dem Tribute-Sampler „Say Yes! – A Tribute To Elliott Smith“ erscheinen wird…

 

…und sich auf Youtube das Musikvideo zum Titelstück von „Sprained Ankle“…

 

…sowie Bakers Audiotree Live Session…

 

…und die OurVinyl Session ansehen:

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Crashcaptains – Some Time Soon (2014)

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Diese gewieften Meisterdiebe! Fast hätten sie uns glauben gemacht, dass es die letzten zehn Jahre nie gegeben habe…

Erinnert sich noch jemand, als im Oktober 2003 „Transatlanticism„, das vierte Album der damals noch vor allem findigen Indierock-Insidern vorbehaltenen US-Band Death Cab For Cutie, erschien? Nur zu passend war außerdem, dass ausgerechnet dem tollen deutschen Label Grand Hotel van Cleef der Coup gelang, sich für diese Platte die Vertriebsrechte zu sichern (zumindest für die Bundesrepublik). Und auch das Album selbst stellte für die Band aus Bellingham, Washington, einem 80.000-Einwohner-Städtchen an der Pazifikküste im Nordwesten der USA, eine Art Siebenmeilenstiefelsprung in ihrer Entwicklung dar. Denn obwohl auch die drei vorherigen Platten (der Vorgänger „The Photo Album“ erschien 2001) durchaus ihre starken All-Time-Favourite-Momente besaßen, so wirkten sie doch oftmals wie auf dem Absprung zu etwas Größerem, Besserem – die Einzelteile waren im Grunde hübsch anzusehen, das Gesamtkonstrukt jedoch schwankte in der kühlen Pazifikbrise. Und dann kam der Oktober des Jahres 2003, und dann kam „Transatlanticism“! Noch heute beneide ich all jene, die die Entdeckung dieses 44-minütigen Albumkleinödes noch vor sich haben… Wie selbstverständlich hangelt sich die Platte von einem großen Moment zum nächsten. Währenddessen erzeugt die Band um Benjamin Gibbard (Gesang, Gitarre) und Chris Walla (Gitarre, Produktion) süchtig machende Melodie in den Stücken, die wie aus einem Guss wirken, die ineinander fallen und übereinander zu tuscheln scheinen. Dass nun ausgerechnet eine bislang unbekannte Band aus der dauerwuseligen, weltgewandt hippen Metropole Berlin mit ihrem Debüt so ungeniert den dringenden Eindruck vermittelt, dass man es bei ihren Songs mit einem fabelhaft tönendem Haufen von Outtakes von Death Cab For Cuties „Transatlaticism“-Sessions zu tun habe, erstaunt jedoch in der Tat, immerhin trennen Bellingham und Berlin schlappe 8.000 Kilometer Luftlinie, zig Flugstunden und kaum weniger Zeitzonen…

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Wer jedoch die Crashcaptains, welche ANEWFRIEND bereits vor wenigen Tagen „auf dem Radar“ hatte, als bloße Trittbrettfahrer und Kopisten abstempelt, der tut einerseits einer wahnsinnig hoffnungsvollen neuen Band unrecht, und läuft andererseits Gefahr, 48 durchaus tolle Albumminuten ungehört ins (digitale) Regal zu verfrachten. Denn „Some Time Soon„, Crashcaptains in „Crowdfunding“-Eigenregie produziertes und auf die musikalischen Beinchen gestelltes Debütalbum, hat es in sich. Sicherlich wird jeder, der sich je Hals über Kopf in „Transatlanticism“ sowie die drei bisherigen – und noch erfolgreicheren – Death Cab-Nachfolgealben („Plans“ von 2005, „Narrow Stairs“ von 2008 und „Codes And Keys“ von 2011) verliebt hat, sofort so einige Trademarks der US-Band wiederfinden: Ben Gibbards markant hoher Gesangsstil, der in den emphatischsten Stellen so schön brüchig wirkt, Chris Wallas gekonnte Gitarrenakzente, beständig steigernd und allzeit zum Ausbruch nach oben bereit, Nick Harmers tief tönende Bassaiten und Jason McGerrs vielseitig polterndes Schlagzeugspiel. Und insofern steht bereits die Eröffnungsnummer von „Some Time Soon“, „Year Of Years“ sinnbildlich für die neun weiteren Stücke: Spährische Keyboardflächen bilden den Boden für oft wie sanfte Pinseltupfer ins Bild gesetzte Gitarrenakkorde, denen das bald darauf einsetzende Schlagzeug ordentlich Dampf zwischen die Backen bläst, bis die Saiten immer weiter anziehen, um gegen Ende im Bandchor-Kollektiv gen Himmel stürmend auszubrechen – Klimaxschule vom Feinsten, die sich im Text einen geradezu unverschämten verträumten Querverweis auf den ebenfalls (!) als Opener fugierenden „Transatlanticism“-Song „The New Year“ erlaubt: „This morning I opened my eyes / And caught a glimpse at the sunlit sky / And when I fell right back to sleep / I could see you /…/ Resolutions / They come and go / Like indie songs on the radio / And the bitter bottom of every bottle says: ‚Get out of this place… while you still can!'“. Auch die weiteren Stücke scheinen sich erst gar nicht gegen das Indierock-Bandvorbilder-Spurenlesen wehren zu wollen. So ist „Your Heart Is A Lot Like Mine“ kräftig angeschlagener Indierock mit Pophit-Attitüde, Verbrüderungszeilen („Your heart is a lot like mine / It sings and it swings loud every morning / But when your day’s passed its prime / It’s empty and restless and so distorted“) und Girl-Boy-Wechselgesang in der abgesetzten Bridge (schade übrigens, dass die hier stimmlich in Erscheinung tretende damalige Bassistin Olivia Kaletta nun, wie’s ausschaut, nicht mehr an Bord ist). In „Light Lines“ setzt sich das Piano gekonnt zwischen die Schlagzeugtakte, während sich im Hintergrund sachte Soundlandschaften auftürmen. Auch „Kissing A Stranger“ ist ein weiterer kleiner Indiepoprock-Hitkandidat, der einerseits die Unbedarftheit des Überschwangs glorifiziert („Kissing a stranger is better than kissing no one at all“), andererseits die offensichtliche Liebe der Band zur bundesdeutschen Hauptstadtmetropole nur allzu deutlich macht (wie an so einigen Stellen des Albums). „Not So Super 8“ hingegen geht flott – und im Verhältnis fast schon aggressiv – zu Werke, während sich der Text seine eigenen Reime auf hochtrabende (Hoch)Schulabschlussfeiern und nichtssagende Zeugnispampthlete macht. Das Doppel aus „Bright Blue“ und „Grand Central North“ erzählt in malerischer Entschleunigung, die mal ein verschleppt daher wankendes Schlagzeug, mal ein im Hintergrund aufspielendes Akkordeon, mal zärtliche Gitarrenfiguren oder Flughafensoundscapes hinterlassen, von den Chemtrails, den Kondensstreifen, die die immer kleiner werdenden Flugzeuge am Firmament hinterlassen – und erzeugt so am Ende von „Grand Central North“ eine wohlig warme Decke des Fernwehs. Eingelullt in diese erschrickt man beinahe, als „The Lot Of The Optimist“ mit seinen zackigen Indierock-Rhythmen händeschlagend um die Ecke hoppelt. Doch keine Angst, der finale Neunminüter „Saltwater“ fängt auch den letzten davon Aufgeschreckten wieder ein, indem er zu Meeresrauschen und ganz und gar maritimen Textmetaphern („There was a point / Where I thought / We’ve got to stop / We’re just moving in cicles like seagulls / Always chasing the big ships / As long as they’re close to he coast“) gaaaaaanz langsam Anlauf nimmt, um sich am Ende – und in beinahe schon postrockiger Manier – ganz und gänzlich dem wilden Wellenspiel hinzugeben…

So scheint wohl der größte Vorwurf, den man den beiden Heintz-Brüder Nicolas und Tobias (jeweils Gesang und Gitarre), Simon Lohse (Bass) und Felix Menzel (Schlagzeug) machen könnte, der, dass sie sich unter dem Crashcaptains-Banner nicht eindeutiger aus dem großen Schatten von Death Cab For Cutie heraus bewegen. (Dem Facebook-Auftritt der Band zufolge zählen auch The Notwist, Stars, Phoenix und die pathetischen Classic Rocker von Journey zu „Künstler, die wir gut finden“ – und auch diese Querverweise passen.) Paradoxerweise ist dies wohl gleichsam das größte Kompliment, dass man der seit etwa fünf Jahren zusammen spielenden Band aus Berlin machen kann: Dass sie es bereits mit dem Debütalbum schaffen, zehn starke Songs abzuliefern, die in ihrer geschlossenen Gesamtheit eine süchtig machende Melange als Euphorie und Melancholie abgeben, an der man sich so schnell nicht satt gehört hat. Ob es für die „deutsche Antwort auf Death Cab For Cutie“ bereits mit „Some Time Soon“ zu höheren – internationalen – Weihen reicht, bleibt abzuwarten, für die Zukunft darf man Crashcaptains ohne schlechtes Gewissen ein wenig mehr Glück beim Entdecken ihrer Einzigartigkeit wünschen. Am Ende des Musikjahres 2014 sollte man die Band jedoch unter dem Punkt „Newcomer“ durchaus auf dem Schirm haben…

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Hier können zehn Songs des Debütalbums bereits Probe gehört werden..

(Übrigens wäre das nur knapp eine Minute kurze „New Years In Nieuwmarkt“ welches man sich auf der Soundcloud-Seite der Band anhören kann, ein nahezu perfekter Albumabschluss geworden…)

 
…während man sich anhand dieser 2011 über den Dächern von Berlin-Mitte aufgenommenen Live Session – Jawoll, diese war auf ANEWFRIEND bereits in der „Auf dem Radar“-Rubrik zu sehen! –  einen ersten Eindruck von Crashcaptains verschaffen:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Death Cab For Cutie – „The New Year“


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Natürlich gäbe es für den ersten „Song des Tages“ im noch jungen Musikjahr 2014 weitaus subtilere Kandidaten. Dennoch hat sich das Stück von Death Cab For Cutie, der US-Band um Frontmann Benjamin Gibbard, seit seiner Veröffentlichung auf dem noch immer feinen Album „Transatlanticism„, welches im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiern durfte, mittlerweile zur traditionell sicheren Bank entwickelt – keinesfalls ohne Grund, und selten waren – und sind! – Textzeilen wie diese so zeitlos schön in ein Mikrofon gesungen worden…

 

So this is the new year
And I don’t feel any different
The clanking of crystal
Explosions off in the distance (in the distance)

So this is the new year
And I have no resolutions
For self assigned penance
For problems with easy solutions

So everybody put your best suit or dress on
Let’s make believe that we are wealthy for just this once
Lighting firecrackers off on the front lawn
As thirty dialogues bleed into one

I wish the world was flat like the old days
Then I could travel just by folding a map
No more airplanes, or speed trains, or freeways
There’d be no distance that can hold us back…

 

 

Rock and Roll.

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