Schlagwort-Archive: Band

—BREAKING NEWS—


64725270_2443401229032809_8834381049334071296_n

(gefunden bei Facebook)

 

Ein musikalischer (und freilich mit massig Vorurteilen aufspielender) Treppenwitz – nun eben einmal im Nachrichtenformat umgesetzt.

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche


Everyone Everywhere – Everyone Everywhere (2012)

Everyone Everywhere 2012 (Cover)-erschienen bei Big Scary Monsters-

Wer heutzutage mit seiner Musik mehr als tiefrote Zahlen schreiben möchte, der muss sich schon etwas einfallen lassen und zumindest die Grundfesten des viralen Marketings – sprich: Facebook, Bandcamp, Web 2.0 – für sich zu nutzen wissen. Wenn man dazu noch einige einfallsreiche Gimmicks „on top“ zu setzen weiß, ist einem zumindest eine kurze digitale Aufmerksamkeit sicher…

Auch die aus Philadelphia, PA stammende Band Everyone Everywhere weiß die ihnen zur Verfügung stehenden multimedialen Kanäle gewinnbringend für sich zu nutzen. Im Zuge der Veröffentlichung ihres – erneut – unbetitelten/selbstbetitelten zweiten Albums im Herbst dieses Jahres bot das Vierergespann die Vinylversion plus einer DVD mit Musikvideos für die besonders Schnellen unter ihren Hörern via Bandcamp komplett „for free“ (!) an – die Aktion musste nach etwa 20 Minuten gestoppt werden, da der verfügbare Bestand an LPs bereits vergriffen war. Mehr noch: Gitarrist Tommy Manson, der sich hauptberuflich um die wirtschaftlichen Belange von größeren Hollywood-Produktionen kümmert (aktuell etwa M. Night Shyamalans neustes Projekt „After Earth“) und zur Abwicklung der Bandcamp-Verkäufe bisher seine Arbeits-Email-Adresse nutze, konnte sich vor weiteren Anfragen kaum retten, denn auch die digitalen Vorbestellungen des Albums preiste die Band mit unsagbar fanfreundlichen 50 Dollar-Cent aus. Und da Everyone Everywhere im vergangenen Jahr – nach eigenen Angaben – lediglich 43 Platten über die eigenen digitalen Vertriebswege absetzen konnten und bereits mit dem 2010 erschienen Vorgänger das von Künstlern wie Radiohead populär gemachte „Pay-What-You-Want“-Prinzip testeten, hatten zwar alle auf ein positives Feedback zum neusten Werk gehofft, jedoch nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet, welcher ihnen sogar eine Erwähnung auf der Internetausgabe des Forbes-Magazins einbrachte. Zusätzlich bot man das aktuelle Album bei Erscheinen im August 2012 auf höchst ungewöhnliche Weise als Stream an: die Band ließ das komplette, knapp 40 Minuten lange Album im Youtube-Video durchlaufen, während die Vier zu den eigenen Klängen auf zwei ausziehbaren Couches ein Nickerchen hielten.

Everyone Everywhere (PressPhoto)

Doch werden die neun neuen Songs all dem „Tam-Tam“ im Vorfeld gerecht? Nun – ohne es böse zu meinen: ohne all die innovative Selbstvermarktung hätten garantiert weniger Leute Wind von der Musik der Band bekommen, denn wie der ebenfalls unbetitelte/selbstbetitelte Vorgänger steckt auch das aktuelle Album von Everyone Everywhere knietief im DIY-Indierock der Neunziger, in einer Zeit, in der Jimmy Eat World noch nicht um ihr popgerechtes Stück vom Stadionrockkuchen baten und Sunny Day Real Estate traurigen Teenagern und Twentysomethings noch aus der Seele schrieen. Zwar kommt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Songs hier auf wunderbar harmonisch-leichten Gitarrenfüßen daher („The Future“), doch der – im positiven Sinn – rückwärtsgewandte, ja fast traditionelle Indierock quillt den meisten Stücken aus jeder Klangpore. Die Schnelligkeit kratzt am Punk und gönnt sich eine angenehme Prise Pop, ebenso wie ein abwechslungsreiches Schlagzeugspiel à la Bloc Party und versponnene Gitarrenlinien, die sich auch schon mal ins dissonante Minisolo hineinwagen („Turn & Go & Turn“). Besonders toll gelingen die Spannungsbögen im Opener „I Feel Exhausted“: bedächtige Gitarren, in die sich nach und nach mehre Schlagzeug- und Feedbacklinien drängen und wickeln, um dann zum vollwertigen Indierocker auszuwachsen. Toll auch, dass vereinzelt die gewohnte „Gitarre-Bass-Schlagzeug-Gesang“-Mixtur durch Saxofon und Bläser („Queen Mary II“) oder ein Banjo (am Ende von „Fervor & Indifference In The Bicameral Brain“) aufgelockert wird.

Everyone Everywhere (PressPhoto 2)

Auch in den von Sänger/Frontmann Brendan McHugh vorgetragenen Texten bilden sich melancholische Einheiten: mal singt er von Wut und dem Hier und Jetzt („I’ve called off the search / I know exactly where you are / I’ll give you the time / If you at least call / … / I want to smash things / I want a coffee / I want to punch myself repeatedly / Let’s watch a movie / Expend no energy / And just be / Can we just be?“ – „I Feel Exhausted“), vom Wegdriften aus dem tristen Alltag („Queen Mary II“), vom Älterwerden („Big Hat“), von Zukunftsängsten („We’ve been right about things like evolution / But if the planet’s burning up and no one knows?“ – „Fervor & Indifference In The Bicameral Brain“), den Träumen vom Berühmtsein und von der erfüllenden Unbeschwertheit des „amerikanischen Traums“ („$1,000,000,000“), vom Sich-treiben-lassen („We can move around / Do nothing / Feel nothing / We can go around / See nothing / Say nothing / We can rewrite / Something“ – „No Future“) oder einfachen Alltagsgedanken („Wild Life“).

Everyone Everywhere erfinden während der 40 Minuten ihres zweiten Albums das Indierock-Rad keinesfalls neu, liefern jedoch eine gelungene potentielle Grundlage als musikalische Kopfhörer-Untermalung für den nächsten Herbst- oder Winterspaziergang, wenn die Tage und Wochen grau, düster und kaugummiellenlang erscheinen und man für einen Moment nicht an morgen denken, sondern einfach den eigenen Gedanken hinterher hängen möchte. Das 2012er Album der US-Indierocker besitzt Tiefe, setzt dem Hörer jedoch nicht mit übermäßiger Schwere zu. Freunde von Pale, Jimmy Eat World, Death Cab For Cutie oder den Weakerthans dürfen hier gern einmal mehr als ein Ohr riskieren…

Aktuell bieten Everyone Everywhere die digitale Albumversion über ihre Bandcamp-Seite für den Minimalbetrag gerade einmal einem (!) Dollar an, den Vorgänger von 2010 sowie die Debüt-EP „A Lot Of Weird People Standing Around“ haut das Quartett wahlweise sogar „für lau“ raus. – DIY mit Neunziger-Ethos, mit den Mitteln von heute. Aufgepasst: hier denkt eine Band mit!

 

Hier kann man sich das komplette Album anhören…

…und hier die Videos zum ungewöhnlichen Albumstream…

 

…sowie zu „Queen Mary II“, bei welchem die Band mit minimalen Mitteln und maximaler Selbstironie Bilder von hohem Unterhaltungswert schaffen, begutachten:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Auf dem Radar: Alles wegen Lilly


Sind Herbst und Winter nicht die idealen Jahreszeiten für feinen deutschen Befindlichkeitspunkrock? Ist es nicht ein gutes Gefühl, zu Adolars Debüt „Schwörende Seen, ihr Schicksalsjahre!“ den kalten Matsch da vor der Tür, in den man vor wenigen Minuten beinahe wieder gefallen wäre, zu verteufeln? Zu Turbostaat die eiskalten Fäuste in den Manteltaschen zu ballen? Zu Muff Potter an die selig-fernen Sommermomente zurück zu denken? Und dann zu „Raum um Raum“ von Jupiter Jones mal mehr, mal weniger sanft die eigenen Melancholieschienen entlang zu fahren…

In diese Kerbe schlagen auch vier bleichgesichtige Herren aus dem westfälischen Münster, welche den vermeintlichen Bandgründungsanlass im Herbst 2008 gleich zum Namen der selbigen machten: Alles wegen Lilly. Und wenn man(n) schon aus Münster kommt, dann darf auch ein Auftritt im legendären „Gleis 22“ nicht fehlen – den haben Steffen, Jan, Fredi und Moritz (klar, im Punk Rock ist’s noch immer wie in der brasilianischen Nationalmannschaft: Vorname reicht!) ebenso in ihrer Vita stehen wie eine erste Veröffentlichung: die „Ich hasse die Welt und ich sag‘ dir nicht warum“ EP, veröffentlicht 2010 im Selbstvertrieb. Wer bei diesem Titel jedoch an weichgespülte Emo-Trauerschwüre denkt, dessen Eindruck greift zu kurz, denn in den fünf Songs steckt einiges an Mut, Wut, Unbehagen und Trotz, von jener Art, der auch den vor nicht all zu langer Zeit dahingeschiedenen Muff Potter, welche übrigens ebenfalls aus Münster bzw. Rheine stamm(t)en, gut zu Gesicht stand:  „Schmeckt das Feuer noch? / Und die Asche noch im Haar / Wartest auf das Wunder / Und wenn’s kommt ist keiner da“ heißt es etwa in „Tigerfutter“. Drängende Passagen wechseln sich ab mit verhältnismäßig ruhigen, melodiösen Zwischenteilen und lassen die 17 Minuten Gesamtspielzeit unterhaltsam kurzweilig erscheinen. Die bereits zwei Jahre alten Songs mögen zwar hier und da noch etwas grün hinter den Ohren erscheinen, haben sich aber bereits merklich Dreck unter den Fingernägeln erspielt.

„Punkrock mit deutschen Texten, abseits grölenden Asselpunks aber immer mit Wut im Bauch. Irgendwo im Fahrwasser von Hot Water Music, Captain Planet, den frühen Jupiter Jones und nah an der bereits gesunkenen H.M.S. Muff Potter.“ sagt der – wohl selbstverfasste – Pressetext. Wer also mit den bereits genannten Bands etwas anfangen kann, und wem es zu dieser Jahreszeit ebenso (respektive: ähnlich) geht wie mir, der kann bei Alles wegen Lilly getrost zugreifen, denn: die EP gibt’s solidarisch punkrockig für lau und ein paar warme Worte des Danks auf der Bandcamp-Seite der Band zum Download auf’s heimische digitale Abspielgerät (oder als physischen Tonträger über die Myspace-Seite der Band)! Feine Sache, das.

Hier kann die EP schon einmal probegehört werden…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Flimmerstunde – Teil 13


Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft (2008)

Manchmal ist das Leben ungerecht. Sommer 1984, das „Super Rock Festival“ in Japan: Bands wie die Scorpions, Whitesnake oder Bon Jovi bilden das Line-Up, treten wenig später weltweit erfolgreiche Karrieren an und verkaufen Millionen von Platten. Doch auf dem Festival trat damals auch eine kanadische Band namens Anvil auf. An…-wer? Nun, manchmal ist das Leben eben ungerecht. Davon handelt der Dokumentarfilm „Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft„.
Doch wie der Untertitel bereits zu verstehen gibt, geht es in dem knapp 80-minütigen Debütfilm von Regisseur Sacha Gervasi noch um einiges mehr als verpasste Gelegenheiten oder verkannte Genies: um Herzblut, Aufopferungsbereitschaft, Idealismus, viel Naivität, den Willen, durchzuhalten und weiterzumachen, Mut, Liebe… Und vor allem um eine Freundschaft für’s Leben, die von Steve ‚Lips‘ Kudlow und Robb Reiner.
Die beiden jüdischen Jungs trafen sich durch ihre Liebe zu lauter Musik wie Black Sabbath oder Cactus im Alter von vierzehn Jahren und gründeten bald darauf, im Jahr 1973, ihre erste Band. Nach einigen Formationswechseln – bis heute sind die beiden die einzigen Bandkonstanten – wurde 1981 das erste Album mit dem programmatischen Titel „Hard ’n‘ Heavy“ veröffentlicht. Schon bald sah, wenn auch nur für einen kurzen Moment, die gemeinsame Bandzukunft rosig aus: Songs wie „Metal On Metal“ trafen den Nerv der Zeit, Anvil traten im lokalen Fernsehen auf, spielten vor großem Publikum und waren auch unter Kollegen geschätzt. Und doch passierte: nichts. Selbst damalige Kollegen wie Slash (Ex-Guns N’Roses), Scott Ian (Anthrax) oder Lars Ulrich (Metallica) können sich bis heute nicht erklären, wieso der große Karrieresprung, der ihnen selbst gelang, ausgerechnet für Anvil ausblieb. Am besten bringt es dann wohl Lemmy Kilmister (Motörhead) auf den Punkt: „Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das ist alles. Wenn du nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, schaffst du’s nicht.“ Und so sieht man Steve Kudlow (Gesang und Gitarre) im Hier & Jetzt (bedeutet: im arschkalten kanadischen Ontario) Essen für einen Kinder-Cateringservice ausfahren und über die wöchentliche Veränderung der Speisepläne sinnieren und Robb Reiner (Schlagzeug) zu Therapiezwecken heimwerken. Die beiden sind bereits in ihren Fünfzigern, verheiratet, die langen Headbanger-Matten längst ergraut und die Illusionen ein großes Stück weit verblasst. Nach zwölf aufgenommenen Alben mit mäßigen bis schlechten Verkaufszahlen und 30 gemeinsamen Bandjahren mit einigen kleinen Erfolgen und vielen, vielen Rückschlägen glauben weder sie noch ihre aufopferungsbereiten Familien noch an den Superstar-Status. Umso überraschender kommt daher der Anruf eines weiblichen Fans aus dem fernen Italien, welcher ihnen anbietet, eine Tour durch einige europäische Länder wie Schweden, Polen, Deutschland oder Spanien zu managen. Natürlich wird die vierköpfige Band schnellstmöglich zusammengetrommelt und der Sprung über den „großen Teich“ gewagt! Und doch gerät auch diese Tour zu einem – vor allem finanziellen – Desaster. Man bekommt Nachmittags-Slots auf Festivals zugewiesen, wird schlecht bis gar nicht bezahlt, verpasst einen bereits bezahlten Zug, verfährt sich im nächtlichen Prag, bespielt vor nicht einmal 200 Zuschauern 10.000er-Hallen in Rumänien… – all das steht symptomatisch für die ausgebliebene Karriere von Anvil: zu früh, zu spät, auf’s falsche Pferd gesetzt, den falschen Leuten vertraut, mit viel Enthusiasmus und den besten Absichten immer knapp am Ziel vorbei.

Umso überraschender ist man als Zuschauer, dass diese beiden Typen nicht längst aufgegeben und Gitarre und Drumsticks zur Seite gelegt haben. Und es ist das große Verdienst der Dokumentation von Langzeit-Fan, Regisseur und Drehbuchautor Gervasi, das man beim Funkeln in Kudlows Augen und der beinahe buddhistischen, stoischen Ruhe Reiners beginnt, alles zu verstehen: diese beiden können gar nicht anders! Weil das gemeinsame Musikmachen seit der Jugend das Fundament ihrer Freundschaft bildet und beide mit zunehmendem Alter die Chancen für ein weiteres „What If“-Fragezeichen schwinden sehen. Also nehmen sie jeden noch so kleinen Gig mit, leiht sich Steve Kudlow schweren Herzens Geld von seiner älteren Schwester, um das 13. Studioalbum der Band mit einem angesehenen Produzenten aufzunehmen. Nach dessen nervenaufreibender Fertigstellung tingelt Kudlow erfolglos Plattenlabel um Plattenlabel in Los Angeles ab, und auch zu Hause in Kanada hat die Band bei den Major Labels keinen Erfolg: „nicht gewinnbringend genug für beide Seiten, nicht zeitgemäß, nicht vermarktbar… viel Glück jedoch für Ihre Zukunft“ – die Sätze sind meist die gleichen, in all den Jahren haben sich lediglich die Absender und Briefköpfe geändert. Die Band schluckt auch diese Rückschläge und vermarktet ihr Album selbst. Weil sie im Herzen ihre größten Fans sind. Weil sie über alle die Jahre stets selbst Fans geblieben sind. Weil ihnen das Schicksal keine andere Wahl lässt.
Am Ende schließt sich für die Band ein Kreis: eine Kopie ihres neusten Album ist einem japanischen Promoter in die Hände gefallen und Anvil treten nach über 20 Jahren wieder in Japan auf. Und sogar vor ausverkauftem Haus! In der letzten Szene sieht man den kindlich-emotionalen Steve ‚Lips‘ Kudlow und seinen ruhigen Gegenpol und ältesten Freund Robb Reiner staunend inmitten des Zentrums der hektischen Millionenstadt Tokyo stehen. Und obwohl sich für beide nie der Traum von Groupies, Villen, Sportwagen, gefüllten Bankkonten und einem sorgenfreien Leben erfüllen wird, scheinen sie glücklich. Manchmal mag das Leben ungerecht sein. „Anvil – The Story Of Anvil“ (der englische Originaltitel) ist die bewegende Geschichte vom Weiterschwimmen.

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , ,

„No One Can Ever Know“ von The Twilight Sad – das komplette Album im Stream


Bevor „No One Can Ever Know“, das dritte Album der schottischen Band The Twilight Sad, am 6. Februar via FatCat Records erscheint, kann man sich die Platte über DIY im Stream komplett zu Gemüte führen. Dazu bietet die Seite auch Track-By-Track-Erleuterungen von Frontmann James Graham.

Nachdem auf ANEWFRIEND bereits das Video zu „Another Bed“ zu bestaunen war, hier nun bewegte Bilder zu „The Wrong Car“, einem meiner Lieblingssongs der Band…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: