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Aus den Archiven…


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Sober Incorporated

A breakdown at the breakfast table,

Newspaper titled „This wife’s unstable!“

A tiny bliss of sanity,

Joined all the twist of irony.

 

Waiting for your time to come,

When always turns to never.

With the bitter and the better ones,

The tricky, lost and clever.

 

Ceremony waves her long goodbye,

Then poisons the last child.

A feast, direction infinity,

What’s bored now will stay wild.

 

Haemoglobin’s still too thick to swallow,

Veins, grown old and fat.

Just one more bunch of polaroids,

Then lay that bitch to bed.

 

Trinity, JC, godsend,

The holy colours of tv.

Motionless, don’t cry too loud,

This will not make me see.

 

Rules to follow, no plan’s fulfilled,

The man reads out late granny’s last will:

„Put a magnolia on the windowpane,

Waste my fuckin‘ fortune on a trip to Spain.“

 

Jeff, God may bless him, was a stock manic,

One sweet black day, a gun, a shot in the attic.

Indeed, money’s not likely if you’re in need and want to find,

Some fine eternal peace of mind.

 

Me, I’m up here in my tree,

Alone, not lonely’s what I’ve gotta be.

I’m not void of sins, but as far as I can tell,

Innocence is perfection, fiction as well.

 

People, don’t you make me look into the,

Shady prism of dysfunction and reality.

The ballad of big nothing has long died away, I know,

Here I am, I’ve gotta go.

 

(08. Januar 2004)

 

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Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Aus den Archiven…


Allein mit Piper und tausend Dingen

Ein Stück des Weges liegt immer vor einem. Oder? Aber so weit sind wir noch nicht. Oder waren wir’s schon? Keine Ahnung. Echt nicht.

Piper für seinen Teil hatte schon ordentlich vorgelegt. Nevermind. Ich wollte genießen, um diese feinen Linien nicht zu einem Haufen Fast Food-artigem Ekel verkommen zu lassen. Also ließ ich mir Zeit. Der Typ am Ende des Sofas neben uns – keiner von uns wusste mehr, ob er sich an seinen Namen nicht erinnern wollte oder konnte – dämmerte bereits, von einem Schuss befreit, mit einem selig-debilen Grinsen auf den Lippen und in den Augen den Untiefen der Nacht entgegen. Piper kroch auf allen Vieren zu ihm hin, sah ihm in die geröteten, blutunterlaufenen Augen und schien zu wissen, dass auch dieser arme Kerl bald jenen Untiefen zum Opfer fallen würde.

„Hey Strike, nun schau dir mal diesen armen Schlucker an! Hat nichts mehr von sich zu geben als die Liebe, die noch zwischen Venen und Lippen steckt. Armes Kind…“ Ich wollte erwidern, dass wir das alle wären, dass es doch bei uns allen so sei, ließ es – wohl dem mitternächtlichen Mangel an Elan geschuldet – jedoch sein.

„Und warum gibst du dir jedes verfickte Mal beschissene Eiswürfel in deinen Wein? Strike? Ey! Ich mein’, was soll das? Das ist doch widerwärtig!“ Ich ließ ihn reden und sah den letzten Resten eben jener Eiswürfel beim Schmelzen zu. Warum musste es immer an den falschen Stellen weh tun? Oder zur falschen Zeit? Oder überhaupt? Und auf diese Weise? Ich bemerkte, wie ein warmes Gefühl über meine Lippen rann. Blut? Klar – kristallene Splitter waren in meine Nase gedrungen und hatten die Schleimhäute verletzt.

Ich nahm einen weiteren tiefen Hieb und ließ meinen Kopf beruhigt nach hinten und auf die lederne, mattbraune Lehne sinken. Ich schloss die Augen, die Bilder wechselten erneut in wilder Tradition. Wieder musste ich daran denken, wie sie gegangen war. Wie – und dass sie, ohne ihr eigenes verqueres Leben von Unrat und Fehlerhaftigkeit zu lösen, in die Arme eines Arschlochs geflüchtet war. Ich sag’s doch: Sentimentalität ließ mich jedes Mal zu einem selbstmitleidigen Bastard verkommen. Also nahm ich einen weiteren Schluck des von Eiswasser verdünnten Rotweins und sah Piper dabei zu, wie er in seiner Manie Papierkraniche faltete.

„Ey Strike! Man sieht nur auf dem lieben Auge gut. Oder war’s mit geschlossenen? Scheiße, vergiss es…“ Sprach’s und ließ einen der Kraniche auf mich zufliegen. Er landete direkt vor meinen Füßen. „Vergiss sie, Mann. Alles hat seine Zeit, aber manche Sachen sind nun mal endlich. Verstehst du?“ Er reichte mir die Flasche Tequila. In guten Momenten konnte einen dieser Kerl echt noch in Erstaunen versetzen.

In wenigen Stunden würde sich auch der Tequila in seinen letzten Zügen uns ergeben. Wir würden auf dem Balkon sitzen und das erste Licht der Morgendämmerung willkommen heißen. Zugvögel würden uns umkreisen und wir würden ihnen ihre Geschichten von Zeiten in fernen Ländern stehlen. Und würden lächeln. Doch so weit sind wir noch nicht… Ein Stück des Weges liegt immer vor einem.

(14. Februar 2006)

 

Rock and Roll.

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Aus den Archiven…


Es ist wieder einmal Zeit, die Archivtüren einen Spalt weit für eine Kurzgeschichte, entstanden im Jahr 2004, zu öffnen. Kitsch as Kitsch can be – aber irgendwie mag ich sie auch…

No 1339

1339 Stufen.

Jede einzelne musste sie in irgendeiner Weise gezählt haben. Nur konnte sie sich daran nicht mehr erinnern. Auf dem Weg nach oben waren ihr so viele Dinge durch den Kopf geschossen, jede Stufe einem neuen Bild dieser beinahe traditionellen Diashows seiner Eltern gleich, die er immer so geliebt hatte. Sie jedoch hatte sich nie etwas daraus gemacht: seine Mutter im Urlaub am Tisch eines italienischen Restaurants, an der Côte d’Azur; das Kolosseum, der schiefe Turm (den man ihrer Meinung nach in jeder zweiten Industriestadt finden konnte), Olivenbäume, spanische Trachtentänzerinnen, und Kirchen, Kirchen, Kirchen – von innen, außen, hinten, vorn. Prachtvoll geschmückte Altare, überdimensionale goldene Kreuze. INRI. Jede Fotografie wie aus einem zweitklassigen Reiseführer. Ihm zuliebe hatte sie, wie als stumme Antwort auf alle ausführlichen, ins Überschwängliche kippenden Erläuterungen, mit einem dezenten Lächeln genickt. „Jede einzelne Aufnahme bietet dir die Chance einer völlig neuen Sicht auf die Welt – und ich habe nicht vor, auch nur eine ungesehen verstreichen zu lassen,“ hatte er ihr einmal zu erklären versucht.

Nun waren Stufe für Stufe, Bild für Bild ihre Erinnerungen an ihn (und sie hoffte zutiefst, dass sie auch ein wenig mit den seinen identisch sein mögen) an ihrem inneren Auge vorbeigezogen: der Nachthimmel am Abend ihres ersten Treffens, sein ihn stets ein wenig albern wirken lassendes Lächeln (er dachte immer, es würde ihn cool, geheimnisvoll und verwegen aussehen lassen, tat es aber – leider, leider – nicht), die Schweißperlen, die seinen Oberkörper hinunter rannen, in der Nacht, als sie zum ersten Mal nebeneinander einschliefen, ihre gemeinsamen Wochen in der Hochländern Schottlands (beide mochte einsame und verregnete Landschaften), seine Art, die von ihr gedrehten Zigaretten zu rauchen, die Scherben der Tassen und Teller, die ihren temperamentvollen  Streitereien zum Opfer fielen (tatsächlich pflegte sie während eines Streits die Rolle der wild gestikulierenden Furie und er die in sich selbst ruhenden Universums einzunehmen), die bittersüßen Küsse der Versöhnung… Tränen, Küsse, Tränen, Küsse… Ein stetiges Auf und Ab. Nun sehnte sie sich nach diesen Achterbahnen und musste sich am linken hölzernen Geländer festhalten, um nicht herabzufallen.

Sie wollte diesen einen Morgen noch einmal erleben, wollte noch einmal erwachen, in diese tiefen, grünen Augen blicken und diese, seine Stimme hören: „Ich war mir noch nie zuvor so sicher, jemanden zu lieben, wie dich in diesem Moment.“ (lieben, lieben, lieben – Der Widerhall in ihrem Kopf schmerzte und sollte doch niemals mehr verschwinden.), wollte noch einmal zusehen, wie sich seine Haare im Spiel mit dem Wind nach hinten warfen, all diese rotweingetränkten Nächte, in denen sie sich gegenseitig ihre Sorgen, Träume, Ängste und Wünsche gebeichtet hatten und so den fruchtbaren Nährboden ihrer Beziehung ebneten. Und schließlich das Leuchten der Tränen in beider Augen an diesem Abend, als er ihr im Meeressand kniend einen Heiratsantrag gemacht hatte. Nie zuvor hatte sie sich so lebendig, verwirrt, sicher und doch voller Fragen gefühlt. Das Pochen ihres Herzens hätte man zweifellos noch am anderen Ufer dieses Ozeans spüren können. Und doch lag ihre Antwort nie im Ungewissen… Der wohl – nein, definitiv – glücklichste Augenaufschlag ihres Lebens! Alles, alles Rauch und Asche…

Sie war an der Spitze des Kirchturms angekommen, der matte Glanz der Glocken schien nur wenige Meter entfernt. Das Schwarz der tausend Motten vor ihren Augen wechselte, je näher sie der am Horizont stehenden Sonne kam, in ein schimmerndes Grau. (Die Brüstung des Holzbogens vor ihr strahlte mit einem Mal ein geradezu faszinierendes Verlangen aus, dem sie sich nur schwerlich entziehen konnte.) „Die Einheit von wahrer Liebe und reinen Gedanken möge Suizid sein,“ murmelte sie in das Heulen des Windes. Doch sie war hier, um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen, um ihren Teil des Schwurs zu leisten. („Liebling, lass mich leben, einfach leben. Oder lass mich frei wie der Wind sein. Versprich es mir. Bitte.“ Seine Stimme war nun zum sehnsüchtigsten Geräusch im Gesamten Universum erwachsen…)

Nah an die Brüstung gepresst, zog sie die kleine schwarze Plastiktüte aus der Innentasche ihres Mantels, öffnete sie, sprach:

„Lieber Gott, Du weißt, ich war nicht immer das, was man so gemeinhin als… na ja… ‚gottesfürchtig‘ bezeichnet, aber irgendjemand hat mir mal gesagt, Du würdest den Notleidenden beistehen und… na ja… bitte, ich bitte Dich, lass uns beide, ihn und mich, auf ewig, für immer zusammen sein. Amen.“

und überließ deren Inhalt dem Wind.

Tausende Aschepartikel regneten hinab auf die Stadt, vorbei an Gräbern, an den Lebenden, Toten und Halbtoten. Manche wurden von Sturmböen erfasst und in alle Winde verstreut…

                                         (Februar 2004)

 

Rock and Roll.

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