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„Starbucks ungefiltert“ – Eine Doku über das wahre Gesicht des Kaffeeriesen


starbucks

Stattliche 28.000 Cafés in 75 Ländern – Die international tätige Starbucks Coffee Company wurde vor allem im letzten Jahrzehnt mehr und mehr zu einem Symbol der Globalisierung. Die aus dem US-amerikanischen Seattle stammende, 1971 gegründete Marke mit dem Meerjungenfrauen-Logo ist im großstädtischen Alltag präsent wie kaum eine andere. Gilles Bovon und Luc Hermann haben für die gut 90-minütige Dokumentation „Starbucks ungefiltert“, welche kürzlich bei ARTE lief, genauer untersucht, welche Strategien hinter dem Erfolg von Starbucks stehen. Und wie es hinter der Fassade des *hust* guten Images aussieht…

 

 

Ein paar mehr Informationen über die Dokumentation findet ihr hier oder hier.

Was der abendfüllende – und trotz allem recht kurzweilige – Doku-Film jedoch nicht aufgreift ist die Frage, wieso manch ein *hust* „Starbucks-Barista“ den ein oder anderen Kundennamen vornehmlich absichtlich falsch auf dem Becher notiert. Aber auch darüber haben sich bereits Schreiberlinge Gedanken gemacht…

 

Rock and Roll.

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Fehler im Profil – „About: Kate“ und die Leere zwischen den Statusmeldungen


About: Kate

„Fitter, happier, more productive / Comfortable / Not drinking too much / Regular exercise at the gym / (Three days a week) / Getting on better with your associate employee contemporaries / At ease / Eating well / (No more microwave dinners and saturated fats) / A patient better driver / A safer car / (Baby smiling in back seat) / Sleeping well / (No bad dreams) / No paranoia / Careful to all animals / (Never washing spiders down the plughole) / Keep in contact with old friends / (Enjoy a drink now and then) / Will frequently check credit at (moral) bank (hole in the wall) / Favors for favors / Fond but not in love / Charity standing orders / On Sundays ring road supermarket / (No killing moths or putting boiling water on the ants) / Car wash / (Also on Sundays) / No longer afraid of the dark or midday shadows / Nothing so ridiculously teenage and desperate / Nothing so childish, at a better pace / Slower and more calculated / No chance of escape / Now self-employed / Concerned (but powerless) / An empowered and informed member of society / (Pragmatism not idealism) / Will not cry in public / Less chance of illness / Tires that grip in the wet / (Shot of baby strapped in back seat) / A good memory / Still cries at a good film / Still kisses with saliva / No longer empty and frantic like a cat tied to a stick / That’s driven into frozen winter shit / (The ability to laugh at weakness) / Calm / Fitter / Healthier and more productive / A pig in a cage on antibiotics.“

(Radiohead, „Fitter Happier“)

 

„Schmerz sieht gut an anderen aus – dafür sind sie da.“ Kate Harff (Natalia Belitski), Berlinerin und Ende Zwanzig, zieht die Reißleine. Am Neujahrsmorgen zieht sie mit Sack und Pack, mit MacBook und iPhone in die Psychiatrie und lässt sich freiwillig in die Depressionsstation einweisen. Denn zwischen Alltagstrott und Metropolenpartydickicht, zwischen Youtube, Youporn, Twitter, Instagram, Facebook, WhatsApp und Google hat sie zwar allerhand Oberflächenzerstreuung gefunden, jedoch die Hauptsache verloren: sich selbst. Denn welchen ihrer 429 Freunde kennt sie schon wirklich, wer würde sie wirklich vermissen? Sicher: „Vielleicht vermissen sie mich.“ Aber: „Im Moment vermiss‘ nur ich mich.“ Was sagen all die Interessenangaben, all die „Likes“ schlussendlich über den Menschen hinter dem bunten Facebook-Profil aus? Wieviel soziale Interaktion herrscht noch in ihrem Leben, die über oberflächliches „Social Life“-Geplänkel hinausgeht? Wenn ihr Statusfeld sie allmorgendlich fragt, was es Neues gibt, trägt Kate lediglich ein: „Nichts. Wie immer.“ Sie ist zum Netzzombie verkommen, der dem Diktat der tumben virtuellen Masse folgt – eine blasse Datenleiche, die längst die Kontrolle verloren zu haben glaubt und deren liebevolle Macken im weltweiten Netz untergegangen sind…

About: Kate

In „About: Kate“ folgt der Zuschauer in 14 Folgen zu je knapp 30 Minuten Länge einer jungen Frau aus der Mittelschicht kurz vor ihrem 30. Geburtstag in die „Klapse“, wo sie bei Therapiesitzungen, Korbflechten und Entspannungsrunden einen halbgaren (man bedenke: MacBook & Co. liegen noch immer griffbereit!) Versuch startet, sich selbst irgendwo wiederzufinden. Das Revolutionäre dabei ist, dass dem Zuschauer neben der „regulären“ Sendereihe (jeden Samstag um 23.45 Uhr auf Arte) zusätzliche weitere mediale Möglichkeiten offen stehen: längst lässt sich Kates Profil auf Facebook finden, dazu gibt es eine umfassend gestaltete Seite auf der Arte-Homepage sowie eine App (welche am Samstag zum Start der ersten Folge natürlich nicht funktionieren wollte) – Fernsehen 2.0 quasi, bei dem sich die Serie von Regisseurin und Autorin Janna Nandzik schlussendlich (gezielt?) in den eigenen Schwanz beisst, denn dem Zuschauer wird hier ausgerechnet jenes All-Inclusive-Überangebot bereitgestellt, das zum „Netzabsturz“ der Protagonistin geführt hat. Und auch das Empfinden selbst wird all jenen, die eben nicht mit den popkulturellen Codes der Social Media-Süchtigen, all dem Wirrwarr aus schnellen Clicks durch Links, Bits und Bytes, vertraut sind, seltsam fremd blieben, denn: „it takes one to know one“. Klar, die Thematik mag längst keine neue mehr sein – siehe Aldous Huxleys „Schöne neue Welt„, siehe Radioheads „OK Computer“ (aus welchem übrigens auch der eingangs zitierte „Song“text zu „Fitter Happier“ stammt). Dennoch stellt das von Christian Ulmens Produktionsfirma UlmenTV gestartete Crossmedia-Projekt „About: Kate“ eine kleine aber feine Sensation in der deutschen Sendelandschaft dar, eben weil es sich einem zeitgeistigen Phänomen mit hintergründigem Anspruch nähert, und die Social Media-affine Zielgruppe über die „Second Screen“-Aktionshintertür dazu bringt, so einige eigene lieb gewonnene Alltäglichkeiten zu hinterfragen. iPhone, iPod, iMac, iGod, iLife? iAbsturz, iVerlust, iTod. Darauf eine Twitter-Nachricht!

(Wer’s bei lauter Facebook-Statusmeldungen verpasst hat: hier kann man sich die erste Folgen noch einmal anschauen…)

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Flimmerstunde – Teil 21


„This Ain’t California“ (2012)

This Ain't California (Plakat)Am Anfang steht ein Abschied. Nico kommt von der offiziellen Trauerfeier, die die Bundeswehr zu Ehren des in Afghanistan gefallenen Soldaten Denis Paraceck abgehalten hat. Doch da Nico klar war, dass Denis selbst wohl diese Art „steife Etikette“ als letztes Geleit nie und nimmer gefallen hätte, trommelt er noch einmal alle alten Freunde zusammen, um sich, umgeben von Fabrikruinen, mit einem Lächeln auf den Lippen standesgemäß von seinem besten Freund zu verabschieden…

Rückblende: eine DDR-Plattenbausiedlung in der Nähe von Magdeburg, Anfang der Achtziger Jahre. Nico und sein Freund Dirk sind ganz normale Kinder. Nun, beinahe… Denn anstatt sich lediglich, wie ihre Klassenkameraden, in einheitsblauen Pioniergruppen zu organisieren, haben sie ein, für Außenstehende, höchst suspektes Hobby für sich entdeckt: das Skateboarden. Doch in der DDR war dieser Sport noch nicht angekommen und in der geplanten Mangelwirtschaft an den Erwerb eines so westlichen, „echten“ Skateboards erst recht nicht  – schmuggel- und/oder „beziehungsfrei“ – zu denken. Umso erfinderischer mussten also die Bürger des „Arbeiter- und Bauernstaates“ sein. Und so wurden mit elterlicher Hilfe Stuhllehnen und Rollschuhrollen zusammen geschustert und mit diesen behelfsmäßigen „Boards“ das Asphaltgrau unsicher gemacht. Bald schließt sich den beiden ein weiterer Junge namens Denis ein, ein rotzfrecher Draufgänger, ein explosives Energiebündel, auf den zu Hause lediglich sein Vater wartet, der den sportlichen Jungen zum erfolgreichen DDR-Leistungsschwimmer trimmen will. Umso größer ist Denis‘ stetig wachsende Abneigung gegen Autoritäten, gegen Zwänge, Maßnahmen, Zukunftspläne und Vorschriften. Die drei werden zu besten Freunden, verbringen endlos scheinenden Sommer zusammen und balgen sich durch dick und dünn – mit dem Skateboarden als größten gemeinsamen Nenner. Als Nicos Künstler-Mutter beschließt, in den Ostteil des geteilten Berlins zu ziehen, reißt sich Denis – endgültig – aus der einengenden Umklammerung seines Vaters los und kommt hinterher. Gemeinsam entdecken die staunenden Kaffkinder in der Großstadt mehr Jugendliche, die, genauso wie sie, für’s Leben gern skaten – nur noch intensiver, noch waghalsiger, noch professioneller, und stürzen sich voller Energie und Entdeckungslust in eine wilde Jugend auf Rollen, deren Ende erst der jähe Fall der Berliner Mauer markiert…

Szene

This Ain’t California„, der als Dokumentation getarnte Film von Regisseur Marten Persiel, erzählt anhand liebevoll gestalteter Details die – im Grunde fiktive – Geschichte einer Freundschaft, aber auch die einer Kindheit und Adoleszenz in einem Staat, in dessen (gemäßigt) totalitärem Rollenverständnis stets wenig Platz für Freigeister, Querdenker und Außenseiter herrschte. Während der kompletten 109 Minuten merkt man – Vorsicht: Spoiler! – beinahe nie, dass die komplette Story nicht auf realen Personen beruht, und auch die gefilmten Interviews lediglich mit Schauspielern geführt wurden, denn dieses brillant zusammen geschnittene Zelluloidpatchwork aus historischen Bildquellen (aus dem DDR-Archiv), tollen Zeichentrickpassagen, nachgestellten Super-8-Sequenzen und filmischen Ausschnitten aus dem „Skateralltag“ wirkt so nah, so real, so echt, dass man schon das „Making Of“ schauen muss, um den Machern auf die Schliche zu kommen. Und doch halten sich Persiel und sein Team im Grunde an Fakten, holten sich Zeitzeugen und Profis (etwa den deutschen „Skateboard-Pabst“ Titus Dittmann, der auch im Film auftritt) beratend an ihre Seite, und schaffen mit „This Ain’t California“ ein dynamisches, mitreißendes Kino-Potpourri über eine Sportart, der in der Achtziger-Jahre-DDR lediglich als „unorganisierter Rollsport“ galt und dessen „Rollathleten“ nicht selten als höchst „subversive Elemente“ galten, die mit Kamera und Argwohn genaustens beobachtet wurden. Im selben Atemzug erzählt der Film jedoch davon, dass Leidenschaft mühelos Grenzen durchbricht, die eben noch – gefühlt – unüberwindbar schienen. „This Ain’t California“ ist ein Skatefilm, der ebenso über wie vom Skaten als Lebensgefühl erzählt, und daher auch für Nicht-Skater interessant ist. „This Ain’t California“ ist weder vollwertiger Spielfilm noch authentische Dokumentation, da hier stets Fakt und Fiktion fließend ineinander übergreifen – und am Ende doch auch keine „Mockumentary“, denn solch‘ sanfte Revoluzzer wie jenen Denis „Panik“ Paraceck kannte sicherlich jeder DDR-Jugendliche. „This Ain’t California“ erzählt von Momenten, in denen man sich, umgeben vom tristen Mauerasphaltgrau, plötzlich jung und frei, unsterblich und unverwundbar fühlt – und hat dazu noch den passend tollen Soundtrack, der irgendwo zwischen Alphaville, den Ärzten, Feeling B und den Score-Beiträgen des hawaiianischen Indiemusikers Troy Von Balthazar (Ex-Chokebore) pendelt, parat. Humorvoll, abwechslungsreich, rührend, anders. Echt? Keine Ahnung. Jedoch: echt empfehlenswert!

Szene #2

 

 

 

Für alle, die gern mehr über den Film erfahren möchten, gibt’s hier einen Beitrag der Arte-Sendung „Tracks“…

 

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