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Song des Tages: Anna Rose – „Gimme Danger“


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„Gimme danger, little stranger / And I feel with you at ease / Gimme danger, little stranger / And I feel your disease / There’s nothing in my dreams / Just some ugly memories / Kiss me like the ocean breeze…“ 

Eigentlich hat dieser Song von Iggy Pop und seinen Stooges, welcher im Februar 1973 auf deren Albummeilenstein „Raw Power“ erschien (und somit in wenigen Tagen schlappe vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben wird!), etwas, was man ihm nicht nehmen sollte: die beinahe schüchterne Akustikgitarreneinleitung, zu der der damals 25-jährige James Newell „Iggy Pop“ Osterberg von jenen mysteriösen Cabaretdamen erzählt, die die noch junge Band auf ihren Tourneen traf. Er spricht zu ihnen, ja fleht sich beinahe an, ihn aus der Langeweile seines altes Lebens fortzureißen. Gegen Ende zwängt sich der Song immer mehr in sein Kostüm aus Sehnsucht, Neugier und Wahn, während die Saiten von Stooges-Gitarrist James Williamson Solokapriolen schlagen und Iggy längst mehr raunt als singt… Ein Klassiker.

anna-rose-music-shk-magazine-41Anna Rose hat sich trotzdem an eine Coverversion gewagt. Anna wer? Wer nun ihren Namen googelt, um mehr über die 27-jährige gebürtige Kalifornierin und Wahl-New Yorkerin zu erfahren, der sollte sich nachträglich wohl nicht zu sehr zur falschen Gewichtung biografischer Eckdaten hinreißen lassen. Freilich ist Rose die Tochter von Disney-Filmmusikkomponist Alan Menken („Aladdin“, „Arielle, die kleine Meerjungfrau“). Sicherlich mag auch ein wenig des Freigeistes ihrer Mutter Janis, einer gefeierten Balletttänzerin, auf sie abgefärbt haben. Vielmehr ist Anna Rose jedoch ein Kind mit der musikalischen Sozialisation der Neunziger im Hinterkopf und den wilden Siebzigern im Herzen. Die Rolling Stones, Beatles, Stooges, Tom Waits, Nick Cave, Muddy Waters, Jim Morrison und seine Doors – auf der einen Seite trägt Rose so allerhand maskulin-gefährliche Rock-Einflüsse aus dem 20. Jahrhundert zusammen, nur um ihnen im nächsten Augenblick – etwa mit Stevie Nicks, Chrissie Hynde, Joan Jett oder Janis Joplin – nicht minder herausragende weibliche Musikheroen entgegenzusetzen. Wer wollte, konnte dieses Gegenspiel bereits in Ansätzen aus Anna Roses 2010 veröffentlichtem Albumdebüt „Nomad“ heraushören. Doch erst jetzt, mit ihrem zweiten Werk „Behold A Pale Horse„, welches die Schwerpunkte mehr in Richtung von Soulness und schwerem Songwriter-Bluesrock verlagert, scheint die im New Yorker East Village lebende Künstlerin erstmals tatsächlich bei sich angekommen – und wirkt in den heutigen Zeiten der krassen Übersexualisierung, in denen Hype-Kühe – von Lady Gaga bis Miley Cyrus – quasi im Minutentakt durch virtuelle Dorf getrieben werden und gar nicht genug plastische Plastik von sich preisgeben können, wie ein befeenstaubtes Artefakt vergangener Dekaden…

Dass die 27-Jährige ein Händchen fürs Neuinterpretieren von Fremdkompositionen hat, bewies Rose bereits vor gut zwei Jahren, als sie sich höchst eindrucksvoll an Arcade Fires „My Body Is A Cage“ versuchte. Und auch für ihre Version von „Gimme Danger“ erhielt die Musikerin Zuspruch von höchster Stelle, durfte sie den Song doch 2010 im Rahmen des “Jam for Ron Asheton” (der ehemalige Stooges-Gitarrist erlag am 1. Januar 2009 einem Herzinfarkt) an der Seite der Stooges-Mitglieder Scott Asheton, Mike Watt und Steve Mackay zum Besten geben. Und so gibt sie dem Stück ein klein wenig verruchtes Nachtclub-Flair, ein wenig Spaghetti Western – ganz so, als hätte David Lynch seinen Filmklassiker „Blue Velvet“ irgendwo in der staubigen Nähe von Alamo, Texas gedreht…

 

(Wer mag, darf sich den Song auch auf’s heimische Abspielgerät laden…)

 

Hier kann man sich das Musikvideo des Titelstücks von Anna Roses aktuellem Album „Behold A Pale Horse“ anschauen:

 

Rock and Roll.

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John Lennon und die Arctic Monkeys… – Eine visuelle Ode an das Bandshirt


Hätte DAS gepasst? - John Lennon bekennt sich zu den Arctic Monkeys...

Die Geschichte des Bandshirts ist beinahe so alt wie die Popmusik selbst…

Als der Hard Rock in den Sechzigern und Siebzigern seinen Höhepunkt erlebte, begannen immer mehr Künstler und Bands, T-Shirts mit ihrem Logo und/oder mehr oder minder gelungenen und geschmackssicheren Grafiken an ihren Merchandiseständen anzupreisen. Ihre Die-Hard-Fans nahmen das Angebot nicht selten dankbar an, erstanden ein Andenken an das soeben erlebte Konzert und liefen fortan mit fast religiöser Verehrung für ihre Lieblingsband Werbung – die Litfasssäule mit Brust und aus Fleisch und Blut war geboren, wenn man so will…

Dass eine so simple wie erfolgreiche und beidseitig glücklich machende Idee nicht eben im kommerziellen Sande versickern würde, dürfte klar sein. Über die Jahrzehnte wurde das Bandshirt mehr und mehr zum Usus und kleinsten wie einfachsten gemeinsamen Nenner des schnellsten Ausdrucks der Vorlieben und Interessen. Heutzutage kann man von so ziemlich jedem Künstler und jeder noch so unbekannten Band ein Stoffleibchen erstehen, sei es nun über deren Homepage, über Kataloge, ebay – oder, wie damals, direkt am Konzert-Merchandisestand…

Der brasilianische Visual Arts-Künstler Butcher Billy geht da noch einen kleinen Schritt weiter und hat den Idolen heutiger Künstler die Bandlogo-Shirts der Emporkömmlinge übergestreift. Da stellen sich denn auch gleich mehrere Fragen: Hätte John Lennon allen Ernstes die Arctic Monkeys gemocht? Hätte man tatsächlich Joy Division und Interpol gleichzeitig gebraucht? Kupfert Ex-Disney-Girlie Miley Cyrus letztendlich nicht nur bei Kiss-Langzunge Gene Simmons ab? Hätten die Foo Fighters auch ohne Kurt Cobains Ableben zum Karrierekick angesetzt? Und: Wie hoch war der Einfluss von Glamgott David Bowie auf Nirvana wirklich? Nichts Genaues weiß man nicht, interessant anzusehen ist Butcher Billys „Zurück in die Zukunft“ gedachte Verbeugung vor der Historie des Bandshirts allemal…

 

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Alle Bilder: Butcher Billy

 

Mehr zum Künstler selbst gibt’s auf dessen Red Bubble– und Society6-Seiten.

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Queens Of The Sone Age – The Vampyre Of Time And Memory

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Keine Frage: Wer sich gern gitarrenlastige Musik durch die Gehörgänge spülen lässt, für den dürfte „…Like Clockwork„, seines Zeichens die nicht eben einfache kreative Geburt und Album Nummer sechs der Wüstenrocker der Queens Of The Stone Age, eines der Highlights des sich langsam dem Ende zuneigenden Musikjahres 2013 sein. Für das Video zur neusten Single „The Vampyre Of Time And Memory“ haben sich Frontmann Josh Homme und sein Kreativteam deshalb mit dem Multimedia-Unternehmen The Creators Project und den Regisseuren Kii Arens und Jason Trucco zusammen getan, um nichts Geringeres als ein visuell höchst ansprechendes  interaktives Musikvideo auf die Beine zu stellen.

Beide Seiten sind mit dem Ergebnis vollauf zufrieden, das Regiegespann stimmt sogar Lobeshymnen auf die Zusammenarbeit mit der Rockband an: „An dem Video der Queens mitzuarbeiten, war die pure künstlerische Vergnügungsfahrt. Jede Kunst ist auch Technologie, Technologie, die eine Erfahrung oder eine Vorstellung teilt. ‚Vampyre‘ bedient sich aller Mittel, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, und teilt eine bedeutsame gemeinschaftliche Erfahrung. Wir sind so stolz, Teil des besten Rock-Albums des Jahrzehnts sein zu dürfen. Lang leben die Queens!“ Und wenn man das Video nun betrachtet, wird erneut klar, dass bei den Queens einfach keine kleinen Rockbrötchen drin sind…

Hier gibt’s die „Director’s Cut“-Videovariante als durchgerückten Gruselspaß für Augen und Ohren:

 

 

 

Arcade Fire – Afterlife

Arcade Fire - Afterlife

A propos „kleine Brötchen“: Die darf man selbstverständlich auch nicht von Arcade Fire erwarten, denen in den vergangenen Wochen und Monaten rund um die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Reflektor“ vielerseits die nicht eben geringe Bürde zugeschrieben wurde, wahlweise Coldplay oder U2 als „größte Band des Planeten“ abgelöst zu haben. Fest steht, dass sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung die kritischen Geister jedes Mal aufs Neue am kanadischen Indie-Kollektiv um das kreative Musikerehepaar Win Butler/Régine Chassagne scheiden. Hip oder Hipster? Kunst oder Kacke? Schein oder Sein? Arcade Fire musizieren, polarisieren auf höchstem Niveau…

Dabei kann man der Band keinesfalls absprechen, bei der Vermarktung ihrer Musik nicht kunstfertig vorzugehen. Nachdem sich Arcade Fire beim Musikvideo zum Titelsong von „Reflektor“ vom renommierten Musikfotografen und Regisseur Anton Corijn unter die Arme greifen ließen, tat man sich für die filmische Vervollkommnung der nächsten Auskopplung des opulenten Doppelalbums nun mit Regisseurin Emily Kai Bock (u.a. Grimes, Grizzly Bear) zusammen, um in den aufwendig zur Schau gestellten mehr als sieben kurzfilmwürdigen Minuten von „Afterlife“ die Familiengeschichte einer mexikanischen Gastarbeiterfamilie zu erzählen…

 

 

Und als wäre das noch nicht genug, haben Arcade Fire gemeinsam mit Kultregisseur Spike Jonze noch ein zweites, während der „Youtube Music Awards“ (ja, die gibt’s tatsächlich!) abgedrehtes Video produziert, in welchem die Schauspielerin Greta Gerwig („To Rome With Love“, „Frances Ha“) ihre Tanzinterpretation der (wieder einmal) mit apokalyptischen Motiven beladenen Songzeilen abliefert.

 

 

 

Casper – Jambalaya

casper - jambalaya music video

Neues gibt’s auch aus dem Hause Benjamin „Casper“ Griffey: Der Rapper bringt mit „Jambalaya“ die nächste Auskopplung aus seinem aktuellen – und noch immer höchst gelungenen – Albums „Hinterland“ an den Start. Von der Kulisse her bleibt das Musikvideo den bisherigen Singles „Im Ascheregen“ und „Hinterland“ treu: US-amerikanisches Südestaatenfeeling, irgendwo zwischen Bayou, Begräbniszug und Bläserkolonne. Dabei bildet der Song selbst auf „Hinterland“ als vorwärts drägender Battletrack eher die willkommene Ausnahme…

„1 zu der 2, 3 zu der 4 / Es macht ‚Pam Pam‘ an der Tür / 5 zu der 6, 7 und 8 / Guck, das Biest ist nun wieder erwacht…“

 

 

 

Glen Hansard – Drive All Night

glen hansard

Zum Schluss noch die Erfüllung eines wahr gewordenen feuchten Musiktraums für mich: Glen Hansard (The Frames, The Swell Season) tut sich mit Eddie Vedder (Pearl Jam) und Saxophonist Jake Clemons, dem Nachfolger des 2011 verstorbenen Ur-E Street Band-Mitglieds Clarence „Big Man“ Clemons, zusammen, um den Bruce Springsteen-Song „Drive All Night“ (im Original auf dem 33 Jahre jungen Album „The River“ zu finden) zu covern. Geil? Sehr, sehr geil!

Besser noch: Die prominente Neuinterpretation ist Teil der gleichnamigen EP, die dieser Tage erscheinen wird, und von welcher ein Teil der Einnahmen der gemeinnützigen Organisation Little Kids Rock, die sich für die musikalische Bildung von Kindern in der Schule einsetzt, zukommt.

Glen Hansards so würdevollen wie gelungenen Versuch des Springsteen-Covers kann man hier bereits hören:

 

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Pearl Jam – Sirens & ein Kurzfilm zum neuen Album „Lightning Bolt“

pearl jam - sirens

Wenn die eigene Lieblingsband ein neues Album veröffentlicht, dann ist es – Blog hin oder her – durchaus gestattet, ein gutes Stück der oft genug vorhandenen kritischen Haltung über Bord zu werfen und sich einfach mal der hemmungslos überbordenden Vorfreude hinzugeben… Zumindest sieht’s momentan so bei Pearl Jam und mir aus.

Wie bereits bekannt erscheint in gut zwei Wochen mit „Lightning Bolt“ Album Nummer zehn der ewig relevanten Grunge-Dinos. Nachdem die Band bereits das forsche „Mind Your Manners“ ins freudige Netzrund schickte, bekommt man nun mit „Sirens“ einen zweiten Song zu hören. Das Stück aus der Feder von Gitarrist Mike McCready ist zwar vergleichsweise ruhig geraten, aber – hach – irgendwie auch auf wunderbare Weise einfach… schön. Und wer mosert, dass das Video lediglich eine unspektakuläre Band-Performance im Gegenlicht zeigt, den darf ich gern daran erinnern, dass wir in diesem Punkt eine bandinterne Revolution im Kleinen erleben. Denn scheinbar haben Pearl Jam auch hier ein wenig Altersmilde walten lassen und zeigen sich, nach „Mind Your Manners“, bereits zum zweiten Mal in Folge selbst in einem Clip, nachdem man in den Neunzigern noch jegliche Zutraulichkeit den Medien gegenüber verweigerte…

Wer ein wenig mehr über „Lightning Bolt“ erfahren möchte, bekommt im neuen, knapp neunminütigen Kurzfilm (welcher, wie das Musikvideo zu „Sirens“ auch, von Musikregisseur Danny Clinch stammt) ein paar mehr Einsichten in die Inspirationen, Pearl Jams politisches wie soziales Bewusstsein, das Bandgefüge und den Zusammenhang zwischen Surfen und Songschreiben.

 

 

 

 

Junip – Walking Lightly

junip - walking lightly

Geradezu leichtfüßig und meditativ kommt „Walking Lightly“, die neue Single vom schwedischen Trio Junip, daher. Dass das dazugehörige selbstbetitelte Album durchaus große Qualitäten besitzt, weiß der regelmäßige Leser dieses Blogs natürlich. Trotzdem stehen diese von Regisseur Fredrik Egerstrand in Szene gesetzten Bilder der Band um Ausnahmestimme José González ausgezeichnet: Wald und Wiese, die Dämmerung kurz vor der Düsternis, schaler Lichtschein, Nebel. Die Band legt vor den Augen von Fuchs und Hase einen intimen Vortrag hin und bleibt am Ende in rot umleuchteter Fauna zurück…

 

 

 

Foals – Out Of The Woods

foals - out of the woods

A propos „Wald“, a propos „dem treuen Leser bekannt“: Das Unterholz trägt auch „Out Of The Woods“, seines Zeichens die nächste Auskopplung aus dem aktuellen, Anfang des Jahres erschienenen Foals-Album „Holy Fire„, im Namen. Doch wo bei Junip noch Ruhe und Gelassenheit herrschten, wartet hier auf die Protagonistin, welche auf ihren Wegen durchs triste Hochhauseinerlei auch Foals-Sänger Yannis Philippakis begegnet, am Ende eine vermeintlich böse Überraschung…

Übrigens: Wer nach drei bislang erschienenen Studioalben bereits auf eine neue Veröffentlichung des englischen Quintetts wartet, dem sei der ab Ende Oktober in den Regalen stehende Konzertfilm „Live at the Royal Albert Hall“ ans Hörerherz gelegt (den kurzen Trailer gibt’s ebenfalls hier und heute!)…

 

 

 

 

Arcade Fire – Reflektor

arcade fire - reflektor

Kaum eine Band hat in den letzten Jahrzehnten derart eindeutig ebenso Kritiker wie Hörer (also: die eigentlichen Endverbraucher) von der eigenen Qualität überzeugen können wie die Kanadier von Arcade Fire.  Mehr noch: Eventuell kam der kommerzielle Durchbruch gerade weil man sich bei all den tollen, eingängigen Melodien stets einen Schuss Kunst – in der Art, wie sie beflissene Hochschulabsolventen definieren würden – und Künstlichkeit bewahrt hat…

Da wundert es kaum, dass aktuell ein riesiger Bohei um den Nachfolger zum vor drei Jahren erschienenen und völlig zurecht mit massig Preisen dekorierten „The Suburbs“ gemacht wird: geheimnisvolle Graffitis zu Werbezwecken an Metropolen-Häuserwänden rund um den Globus, nicht weniger kryptische Twitter-Kurzformel, ein munteres Rätselraten um namenhafte potentielle Gastbeiträge, Albumtitel und Setlists… Ob „Reflektor“, Album Nummer vier von Win Butler, Régine Chassagne & Co., all die Aufregung wert ist, erfahren wir am 25. Oktober. Hier gibt’s schon einmal das Titelstück nebst würdevollem Schwarz-weiß-Video, für das kein Geringerer als Kultfotograf und Gelegenheitsregisseur Anton Corbijn die Verantwortung hinter den Kameras übernahm. Und: Ist im Stück da nicht irgendwo David Bowie zu hören? Arcade Fire bleiben rätselhaft…

„Just a reflection of a reflection of a reflection of a reflection of a reflection / But I see you on the other side / We all got things to hide…“

 

 

 

Sun Kil Moon – Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes

kozelek

Wenn man aktuell wohl „Produktivität“ in Wikipedia nachschlägt, so könnte es gut sein, dass man unter der Entsprechung im musikalischen Sinn ein Foto von Mark Kozelek wiederfindet. Immerhin hat der ehemalige Red House Panters-Frontmann in diesem Jahr bereits drei Studioalben – das Soloalbum „Like Rats“, die fantastische Zusammenarbeit mit The Album Lear-Kopf Jimmy LaValle, „Perils From The Sea„, und zuletzt das ebenfalls tolle, gemeinsam mit Desertshore zustande gebrachte „Mark Kozelek & Desertshore“ – sowie etliche Livealben in die digitalen wie haptischen Plattenregale gestellt. Dabei kam jedoch seine derzeitige Quasi-Stammband Sun Kil Moon zu kurz, liegt doch deren letztes Album „Among The Leaves“ bereits über ein Jahr zurück (es erschien im Mai 2012 – im derzeitigen Kozelek’schen Veröffentlichungsrhythmus beinahe eine halbe Ewigkeit).

Das holt der umtriebige 46-jährige US-Songwriter nun nach und hat für Anfang 2014 mit „Benji“ Sun Kil Moon-Album Nummer sechs in Aussicht gestellt, zu welchem unter anderem Sonic Youth-Schlagzeuger Steve Shelley, Will Oldham (aka. Bonnie ‚Prince‘ Billy), Owen Ashworth (Casiotone For The Painfully Alone) und Jen Wood (Postal Service) musikalische Gastbeiträge geben werden. Mit dem ungewohnt spröden, unterschwellig aggressiven „Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes“ gibt es hier bereits einen kleinen Vorgeschmack auf „Benji“…

 

 

 

Haim – Wrecking Ball

haim - live lounge

Gut, Miley Cyrus‘ Fremdschäm-Moment bei den VMAs ist ausreichend diskutiert worden, ihr Musikvideo zu „Wrecking Ball“ hat für nicht weniger pikierte Blicke und massig Nachahmer gesorgt – wenn man heutzutage als ehemaliger Disney-Star noch für Imagewechsel und Aufmerksamkeit sorgen möchte, dann muss man schon All In gehen, wie’s scheint… (siehe auch: Lindsey „Exzess“ Lohan. siehe auch: Britney „It’s Britney, bitch!“ Spears. siehe auch: Xtina „Latina-Rollmops“ Aguilera.)

Die drei jungen Rockhühner von Haim, die mit ihrem Debütalbum „Days Are Gone“ zufälligerweise auch ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ stellen, haben das wohl derzeit – und auch in Zukunft – kaum nötig. Trotzdem haben sie sich im Rahmen ihres Besuchs bei der Radioshow des BBC-Senders Radio 1 nicht nehmen lassen, den Miley Cyrus-Gassenhauer „Wrecking Ball“ von der Nudisten-Abrissbirne zu kratzen und das Stück in eine amtliche Rocknummer verwandelt…

 

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Nachdem ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ vor Kurzem bereits probegehört werden konnte, gibt’s hier ein paar Worte zu…

Dry The River – Shallow Bed (2012)

„At the bottom of our rotten boat there is a lake / Things with many limbs are creeping round my teenaged legs / Late October, old wives’ summer, I’m all arms and legs / Spread out like an adolescent on my shallow bed.“ 

Wer mit solchen Worten in (s)ein Debütalbum einsteigt, es mit „You took me to the lion’s den“ beschließt, und obendrein noch das Gemälde eines bedrohlich dreinblickenden Hais aufs Cover packt, muss sich nicht wundern, für einen leicht verschrobenen Naturburschen oder Mystiker gehalten zu werden. Und so ganz falsch liegt man damit bei der Band um Sänger Peter Liddle auch nicht. Auf „Shallow Bed“ dreht sich, getreu dem Motto „back to the basics“, viel um Veränderungen – seien es nun Jahreszeiten, geografische Koordinaten, Lebensumstände oder Gefühle. Zeilen wie „This might be the coldest winter since records began“ (aus Bible Belt“) mögen wohl Kindheitserinnerungen an die norwegische Heimat Liddles geschuldet sein und geben grob die Gefühlsrichtung vor. Seine Mitmusiker Matt Taylor (Gitarre), Scott Miller (Bass), Jon Warren (Schlagzeug) und Will Harvey (Violine), welche wie Liddle eine Vergangenheit in diversen Punk- und Hardcorebands, die damals „wie At the Drive-In“ klingen wollten, aber auch eine klassische Musikausbildung (Harvey) bzw. eine Kindheit im Kirchenchor (Liddle), vorzuweisen haben, liefern dazu einen exquisiten Folk-Mix, wie man ihn etwa von Arcade Fire kennt. Die meisten der zwölf Stücke beginnen ruhig und werden meist nur von Liddles Stimme, welche mal an Antony Hegarty (Antony and the Johnsons), mal an Fleet Foxes-Frontmann Robin Pecknold erinnert, getragen, bevor sie zur amtlichen Klimaxsteigerung – Harmoniegesang inklusive! – ausholen, um schließlich am Zenit zu verglühen. Klar, diese Art Musik mag nicht jedermanns Sache sein. Natürlich sollte man als Hörer schon eine Vorliebe für Herzschmerzhymnen und vor allem Melancholie und Pathos mitbringen. Trotzdem können sich momentan viele auf das Quintett aus dem Osten Londons einigen – sei es nun, weil ihnen bereits Bands von ähnlicher Klangfarbe, wie Mumford & Sons oder die bereits erwähnten Fleet Foxes, den Weg geebnet und ein Publikum „vorsensibilisiert“ haben. Sei es nun, weil der von Produzent Peter Katis (u.a. Interpol, The National) maßgeschneiderte Klanganzug perfekt passt und bei aller Opulenz kein Gramm zuviel am Klangkörper aufweist. Oder weil sich Dry The River nach Veröffentlichung ihrer ersten EP „The Chambers & The Valves“ (2009) mit etlichen Konzerten und Vorgruppenauftritten, etwa von den Antlers, den Magic Numbers oder zuletzt Foster The People, kontinuierlich eine größere Hörerschaft und einen Platz in der „Sound of 2012“-Liste der BBC erspielt haben. Wer die viel beschworene Magie, mit welcher Dry The River den Hörer ohne Umschweife in Beschlag nehmen, nachempfinden möchte, dem seien das sakral anmutende „Demons“, das beinahe beschwingte „Shaker Hymns“ oder „No Rest“, welches eine Steigerung in unglaubliche Höhen zu Zeilen wie „I loved you in the best way possible“ und vollem Bandsound verzeichnet, empfohlen.

Solch‘ pastoralen, elektrisch unterstützten „lauten Folk“ (so beschrieb die Band einmal selbst ihren Stil) habe ich zuletzt 2004 von den seligen Hope Of The States auf deren Debütalbum „The Lost Riots“ (mehr dazu demnächst hier auf ANEWFRIEND) hören dürfen. Und wenn sich Liddle & Co. im offiziellen Albumabschluss „Lion’s Den“ in majestätische Klanghöhen spielen, hat man – Gänsehaut sei Dank! – das Gefühl, gerade etwas Großem lauschen zu dürfen. Mit einem Bein im naturbelassenen Neo-Folk und dem anderen knietief im rustikalen Grunge sind Dry The River eine der besten Bands, denen man 2012 auch hierzulande beim Wachsen zusehen darf. Dass sie mit „Shallow Bed“ Kritiker aller Lager auf sich vereinen können, wundert zu keiner der gut 45 Minuten. Dem Hai zum Trotz: Man muss wohl ein Stein sein, um das nicht toll zu finden. Ich bin kein Stein.

Mehr über die Band könnt ihr in diesem „Channel 4“-Feature erfahren…

 
…und euch die Videos zum fantastischen „No Rest“…

 
…sowie zu „The Chambers & The Valves“ ansehen:

 

Rock and Roll.
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