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Das Album der Woche


Thrice – Anthology (2012)

-erschienen bei Vagrant/Alive/Staple Records-

Man soll immer dann gehen, wenn’s am schönsten ist…

Nun, ob dieser Spruch auch für Thrice gilt, kann man als Außenstehender kaum beurteilen. Fakt ist jedoch: die Band ist – vorerst – Geschichte und legt eine „Pause auf unbestimmte Zeit“ ein, in welcher sich der Großteil der Band privaten Gefilden und neuen Projekten zuwenden will und etwa Sänger Dustin Kensrue fortan sein Hauptaugenmerk auf seine neue Band The Modern Post richten wird (dass es sich hierbei um Rock/Pop mit eindeutig christlich-missionarischer Botschaft handelt und wohl auch ein Amt als Zeremonienmeister der Mars Hill Church in Santa Ana, Kalifornien damit einhergeht, verschweigen wir an dieser Stelle lieber – US-Amerikaner und ihre eigentümliche Religiosität eben…). Doch so ganz still wollte das Quartett nach immerhin 14 Jahren gemeinsamer Bandhistorie nicht auseinander gehen…

Und so tourten Dustin Kensrue (Gesang/Gitarre), Teppei Terenashi (Gitarre) und die Brüder Eddie (Bass) und Riley Breckenridge (Schlagzeug) noch ein vorerst letztes Mal, flankiert von O’Brother und Animals As Leaders, durch ihre US-amerikanische Heimat. Das Besondere: sie ließen ihre Fans vorher im Internet über die Setlists der Konzerte entscheiden und bringen nun das Ergebnis in Form der Livealbums „Anthology“ auf den Markt.

Da die während der Tour dargebotenen Shows mehrheitsfähigerweise zu einem ‚Best Of‘ werden mussten, befinden sich unter den 24 Songs auch nur Repertoire-Perlen, welche die komplette Karriere der Band, vom 2001 erschienen Metalcore-Debüt „Identity Crisis“ bis hin zum im letzten Jahr veröffentlichten reifen „Major/Minor„, umfasst. Der Sound ist roh und direkt, und wurde, von der direkten Abmischung durch Tour-Engineer Eric Stenman einmal abgesehen, in keinster Weise nachbearbeitet. Glücklicherweise war das auch gar nicht nötig, denn die Band zeigt sich noch einmal bestens aufeinander eingespielt schafft es, selbst schwer elektronischen Studiosoundscapes wie bei „Digital Sea“ auf der Bühne neue Klangfarben zu verleihen. Und da ausufernde, prog-rockige Bühnenexperimente eh nie die Sache der Jungs von Thrice waren (von einem minimalen Jam während „Daedalus“ einmal abgesehen), darf man „Anthology“ als herzhaft rockenden und frenetisch bejubelten Streifzug durch’s Band-Oeuvre betrachten.

Und der Jubel kommt nicht von ungefähr: kaum eine Band hat in den letzten Jahren Hörer im Alternative Rock- und Post Hardcore-Bereich mit auf solche Reisen genommen wie die Band aus Irvine, Kalifornien während Alben wie „Vheissu„, welches 2005 den Bogen zurück zum mit poppigen Elementen spielenden Hardcore-Vorgänger „The Artist In The Ambulance“ spannte und den Grundstein für das wohl größte Projekt der Bandgeschichte legte: zwei bzw. drei Jahre darauf veröffentlichten Thrice die gigantomanische „The Alchemy Index“-Quadrologie, die die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde in beeindruckender und mit sämtlichen klanglichen Tiefen und Untiefen versehenen Form Ton werden ließ. Mit „Beggars“ (2009) und „Major/Minor“ bestätigten Kensrue & Co. darauf zwar Reife und Status, konnte und wollte dieses Mammutwerk jedoch nicht überbieten.

Wer die Band seit Jahren begleitet, bisher jedoch nie live erleben konnte (ich selbst hatte vor wenigen Jahren beim Highfield-Festival in meiner sächsischen Heimat das Vergnügen), den wird überraschen, wie gut sich ältere Moshpit-Pleaser wie „Kill Me Quickly“ oder „Phoenix Ignition“ zwischen die neueren Stücke mit progressiverem Ansatz und in das beinahe alle acht Studioalben in gleicher Weise berücksichtigende Set einfügen. Die immerhin 103 Minuten wirken wie aus einem Guss, Dustin Kensrue bestätigt einmal mehr die zu recht ins Feld geworfenen Vorschusslorbeeren des Ausnahmesängers, die Band hat sichtlich Spaß an ihren – noch einmal: vorerst! – letzten Shows und wirkt gen Ende hörbar stolz, gerührt und dankbar. Mit dem namensgebenden „Anthology“ findet das Abschiedsgeschenk der US-amerikanischen Band einen würdigen Abschluss. Und wer zwischen den Zeilen des offiziellen Statements von Kensrue und dieses Interviews mit Bassist Eddie Breckenridge liest (und die aktuellen Reunions artverwandter Bands wie Boysetsfire oder Hot Water Music mitbekommen hat), der ist sich sicher: „Anthology“ ist das Ende eines Bandkapitels, jedoch keineswegs das Finale für Thrice. So groß, großartig und richtungsweisend die Entwicklung der Band auch gewesen sein mag, so sehr spürt man, dass der Vierer nur kurz hinterm Bühnenvorhang verschwunden ist, um sich noch einmal für die eine krönende Zugabe zu sammeln.

 

Wer übrigens gern bewegte Bilder zu einigen der auf „Anthology“ enthaltenen Songs hätte, dem sei „Live at the House of Blues„, das 2008 veröffentlichte erste Livealbum der Band, ans Hörerherz gelegt, für das die Band einen Auftritt in Anaheim, Kalifornien im Mai des selben Jahres mitschneiden und -filmen ließ…

 

Und um euch wie immer den vollen Service zum „Album der Woche“ zu liefern, könnt ihr euch hier alle 24 Songs von „Anthology“ im Stream zu Gemüte führen…

 

…und euch hier eine Liveaufnahme des Titelsongs „Anthology“…

 

…und das Video zum Song „In Exile“ (vom Album „Beggars“) ansehen:

 

Rock and Roll.

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