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Song des Tages: PAWS – „Joanna“


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Es gibt wohl ein, zwei Dinge, die man PAWS keinesfalls vorwerfen kann: Zum einen, dass das Indierock-Trio aus dem schottischen Glasgow nicht wandlungsfähig wäre. Und zum anderen, dass sich die Wahl ihrer jeweiligen Langspieler-Produzenten nicht im Klang des Endprodukts widerspiegeln würde. Denn beim letzten Album, dem 2016 erschienenen Drittwerk „No Grace„, saß ausgerechnet Blink-182-Bassist Mark Hoppus hinter den Reglern und – zack! – klangen die zehn Albumsongs, von denen nur die wenigsten oberhalb der Drei-Minuten-Marke abschlossen, als hätten drei Scottish Lads einen Tribute-Abend zu Ehren der Cali-Pop-Punker von Hoppus‘ Stammband veranstaltet.

0600064795319.jpgFür das neue Werk, das im April erschienene „Your Church On My Bonfire„, fiel die Wahl von Phillip Taylor (Gesang, Gitarre), Josh Swinney (Schlagzeug) und John Bonnar (Bass) auf Andy Monaghan, welcher sonst bei Frightened Rabbit an Gitarren und Keyboards stand. Und auch dieses Mal hört man es den neuen Stücken an. Viel mehr noch: Monaghans Platz an den Studioreglern ist eine recht persönliche Geschichte, denn schließlich war Phillip Taylor gut mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Frightened-Rabbit-Frontmann Scott Hutchison befreundet. So bildet, laut Taylor, das neuste, vierte Werk zum einen „die letzten drei Jahre meines Lebens“ ab, die von Verlusten, gescheiterten Beziehungen, Besetzungswechseln und zahlreichen Tourneen rund um den Globus (unter anderem mit Bands wie Frightened Rabbit, The Cribs, Death Cab For Cutie oder Japanese Breakfast) geprägt waren, zum anderen stellen die elf neuen Stücke eben auch ein stückweit Trauerverarbeitung dar – verpackt in Indierock, druckvoll auf den Punkt gebrachten Post-Rock und balladeske Folk-Kleinode wie „Arachnids„, garniert mit schnoddrigen Textzeilen aus dem Allerweltsleben (“Drinking my beer on this train and it tastes like shit” aus „Honoured To Be Honest“ etwa) sowie Phillip Taylors schottischen Akzent (ohne würde bei einer Gaswegian Band auch etwas fehlen). Dass „Your Church On My Bonfire“ klanglich wie stilistisch nahe bei Frightened Rabbit zu verorten ist, ist schlussendlich mehr als freundschaftliche Verneigung vor den „großen Kumpels aus Glasgow“ im Allgemeinen sowie einer Hommage an Scott Hutchison im Speziellen zu sehen, jedoch keinesfalls reiner Zufall (ebenso übrigens wie mein Eindruck, dass das Werk als Grower wohl zwei, drei Durchgänge mehr benötigt, um irgendwann zu zünden).

Ein Song, der PAWS‚ „neuen“ Indiefolkrock der Angsthasen-Prägung mit dem Punkrock-Spirit früherer Alben kreuzt, ist das tolle „Joanna“, das gleichsam flehentlich wie schnodderig eine recht typisch schottische Einstellung auf den Punkt bringt: Vielleicht ist sogar unser Selbsthass zu etwas nutze, wenn wir alle dazu bierselig gröhlen können…

Für den Dreh des dazugehörigen Musikvideos flog die Band ins wuselige New York City. Regisseur Alex Markman hierzu:

“Phil initially approached me about wanting to do a video where New York City was as much a character as the band. Say what you will about New York, there’s a reason why it’s past is fetishized, when it was bankrupted and sex was for sale on every street corner. So we decided to fetishize it literally with several nods to that era; Warhol films like Blow Job (and Empire), famous hustlers like Joe Dallesandro, the Ramones 53rd & 3rd, Taxi Driver – I could keep going. We shot during the rain storm a few weeks back. I can’t say it was fun but it definitely helped sell the look.”

 

 

„Plants watered with piss
Grow higher than I ever will
No one to remember
The short ripple I leave against my will
My life has taught me what it means
To hate a man and men

Please, Joanna, please
Don’t disappear on me…

Faces on the bus sing along to the cancer hum

No apology for the drunk priest that wields his gun
Searching through tumblers emptied
For somewhere to hide from the fight
The smoke and noise serve me right
In the dead of night
My life has taught me what it means to hate myself
And them

Please, Joanna, please
Don’t disappear on me…“

 

Via Bandcamp kann man auch das neue PAWS-Werk „Your Church On My Bonfire“ in Gänze hören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Owl John – „Songs About Roses“


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Dass Scott Hutchison stets – in kreativem Sinne – umtriebig war, ist keine Übertreibung (und – Hühnersteinleserei hin oder her – am Ende wohl seiner Depression geschuldet, die ihn schlichtweg zwang, sich beschäftigt zu halten.)

So brachte es der vor wenigen Tagen im Alter von nur 36 Jahren verstorbene Musiker aus dem schottischen Selkirk respektive Glasgow – nebst zig EPs – auf fünf Alben mit seiner Band Frightened Rabbit sowie das ein oder andere „All-Star-Kollektiv“ wie The Fruit Tree Foundation oder Mastersystem (von denen in den kommenden Tagen an dieser Stelle wohl noch zu lesen und hören sein wird) oder vereinzelte Kollaborationen (wie das Stück „How It Gets In„, das er zuletzt unter dem Frightened-Rabbit-Banner gemeinsam mit der kaum minder tollen Julien Baker aufnahm).

Außerdem fand Hutchison im Jahr 2014 ausreichend Zeit und Energie, um unter dem Alias Owl John (s)ein selbstbetiteltes Solodebüt in die Plattenregale zu stellen. Obwohl: „solo“? Denn sieht man einmal vom Thematischen ab (den darauf einhaltenden zehn Songs steckt phasenweise die Schwermut weitaus tiefer in den Gliedern als den ohnehin bereits nicht allzu himmelhoch jauchzenden Frightened-Rabbit-Stücken), so hätten die 35 Albumminuten wohl auch ihren Platz auf einem Werk seiner Hauptband gefunden (nebst der Tatsache, dass ihm das ein oder andere FR-Mitglied bei der Fertigstellung unter die Arme griff). Die zu kleinen Experimenten neigenden Geradeaus-Rocker sind ebenso da („Red Hand„, „Hate Music„) wie die stillen Kleinode.

Das wohl schönste Beispiel für letztere Kategorie ist ohne Zweifel „Songs About Roses“, in dem Scott Hutchison einmal mehr kongenial Sozialkritik mit der Suche nach Liebe vermengt. Außen und innen. Verstand und Herz. Ergibt, schlussendlich: reinste Gänsehaut.

 

 

„Dedicate a life
to the dying breed
Throw a punch into the face
of vacant leaders and leave

Chloroform the singer
who has nothing to say
Stare in wonder as the masses
sing along anyway

Pull apart the actors
pretending to grieve
They never went to the funeral
and they never believed

Shake your burning placard
on the government lawns
Have faith that there is consequence
in protest songs

Bulldoze the pedestrian
blues and the beige
And those who only write
to get blown and get paid

Songs about roses
and poisonous lies
Every last rose says
you’re not even trying

When nobody asked you and
nobody cares
If we never hear another
song about roses again

We don’t need songs about roses
We don’t need your terrible blues
We don’t need songs about roses
Please sing me something new
All that we ask for is truth…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fiskur – „Too Slow, Too Far“


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Ross Clark, ehemals Frontmann des schottischen Indierock-Trios Three Blind Wolves, hat mit Fiskur ein neues Soloprojekt. Erster Gedanke, sicherlich: Kennste Wayne?

Natürlich stehen die Chancen gut, dass selbst findigste Musiktrend-Aficionados weder von Clark noch von dessen bisheriger Band je einen Ton gehört haben. Selbst Google spuckt in seiner Suche nach Fiskur kaum mehr als den Twitter-Account aus, und bei noch 150 Facebook-„Likes“ von „Geheimtipp-Status“ zu schreiben, ist wohl auch keineswegs vermessen.

Trotzdem klingt die just heute online gestellte Single von Ross Clarks neustem, übrigens gemeinsam mit Frightened-Rabbit-Keyboarder Andy Monaghan aus der Taufe gehobenen musikalischem Baby, „Too Slow, Too Far“, einfach zu interessant, um ungehört zu bleiben. Gut vier Minuten schroff produzierter Indierock mit deutlich britischer Färbung, dezent-unterkühltem Eighties-Einschlag und einer feinen Prise Ohrwurm-Potential, der dezent an schottische Kollegen wie We Were Promised Jetpacks erinnert. Da trifft es sich doch, dass der aus Glasgow stammende Musiker ebenjene Band bei deren Shows in Edinburgh, Glasgow, Manchester und London im November im Vorprogramm unterstützen wird…

 

 

Rock and Roll.

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