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Song des Tages: Smith & Burrows – „Parliament Hill“


Wenn zwei Typen durchs erste Morgenlicht eines Londoner Parks spazieren, einer (s)eine Gitarre vom Baum pflückt und für den anderen bereits ein getarntes Klavier hinterm Busch parat steht, so ist die Welt um sechs Uhr morgens noch recht in Ordnung. Was fehlt? Nun, im Grunde eigentlich nur noch ein Publikum. Da Shows gerade Corona-bedingt vornehmlich per Stream stattfinden müssen, haben sich die beiden daher eine erlesene Crowd aus lustigen Puppen sowie ein, zwei Kiddies (eventuell ist’s gar der eigene Nachwuchs) zu ihrer Wald-und-Wiesen-Session eingeladen. Für bestes Licht im morgendlichen Dickicht sorgt zudem die Wohnzimmer-Stehlampe, die sich denn auch glatt mit der Textzeile „Got to find a little light from somewhere“ ergänzt…

Die zwei singend-musizierenden Typen heißen Tom Smith und Andy Burrows. Ersterer ist hauptberuflich Frontmann der Editors, zweiteren kennt manch eine(r) eventuell noch als ehemaliges Mitglied von Razorlight und We Are Scientists. Gemeinsam hat das Buddy-Duo der Musikwelt vor gut neun Jahren das formidable Quasi-Weihnachtsalbum „Funny Looking Angelsgeschenkt. Und meldet sich nun, mit dem im Februar erscheinenden Werk „Only Smith & Burrows Is Good Enough“, zurück. Das melodisch in allerfeinstes Ohrwurm-Geschenkpapier eingepackte „Parliament Hill“ ist dabei – nach „All The Best Moves“ und „Old TV Shows“ – bereits der dritte Vorbote aus dem doch etwas unerwarteten (in jedem Fall jedoch gern genommenen) Comeback-Langspieler. Da darf man durchaus gespannt sein, welche tollen Melodien Smith & Burrows noch aus den englischen Hüten zaubern werden.

Für den Moment sollte man aber erst einmal die Augen schließen und gedanklich den gemeinsamen Heile-Welt-Spaziergang genießen…

„There’s a warm rain, are you feeling alright?
Well, I know it ain’t easy when you can’t sleep at night
There’s a band playing and they don’t give you peace
Well, I know it ain’t easy when the noises won’t cease

Put a little heart in this somehow
Put a little heart in this somehow
Rosslyn don’t hurt yourself
Another night caught under your spell
Gotta find a little light from somewhere
Gotta find a little light from somewhere
Take a walk down Parliament Hill
Six AM when the world is still

When thе storm breaks I will take you to see
Wherе we used to tread lightly, where we were weak at the knees
Well you won’t need, the china would smash
We would topple together, break like pieces of glass

Put a little heart in this somehow
Put a little heart in this somehow
Rosslyn don’t hurt yourself
Another night caught under your spell
Gotta find a little light from somewhere
Gotta find a little light from somewhere
Take a walk down Parliament Hill
Six AM when the world is still

If I knew then what I know now
We were running on empty as the band takes its bow
And get your head straight, or get bent out of line
Cause I’m missing the madness of the light that you shine, oh

Put a little heart in this somehow
Put a little heart in this somehow
Rosslyn don’t hurt yourself
Another night caught under your spell
Gotta find a little light from somewhere
Gotta find a little light from somewhere
Take a walk down Parliament Hill
Six AM when the world is still

Take a walk down parliament hill
The world is still
Take a walk, take a walk, take a walk, take a walk“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Smith & Burrows – „When The Thames Froze“


Smith & Burrows / Funny looking Angels

Auf den ersten Blick sind sie ein recht ungewöhnliches Gespann: Tom Smith, hauptberuflich Frontmann der Editors, und Andy Burrows, ehemals Mitglied von Razorlight und We Are Scientists. Zumal sich die beiden Freunde vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, ein Weihnachtsalbum titels „Funny Looking Angels“ aufzunehmen und denn auch gleich – wenn schon nicht „funny“ dreinblickend – mit Engelsflügeln auf dem Cover der Platte zu posieren.

Ebenjenes “Funny Looking Angels” enthält zehn Songs, die – und das wohl nicht ausschließlich und allein für mich – seit nunmehr acht Jahren eine wunderbare Alternative zu verstaubten, totgespielt-kitschigen Weihnachtsliedern à la “Last Christmas”, „All I Want For Christmas Is You“ oder „Driving Home For Christmas“ bieten. Und wie es unter Freunden üblich ist, wurden auch zwischen Tom Smith und Andy Burrows die Zuständigkeiten geteilt und jeder darf mal die Leadvocals übernehmen. Trotzdem dürfte es keine allzu große Überraschung darstellen, dass dabei vor allem die Songs mit Smith am Mikro zu überzeugen wissen, schafft er es doch, die düstere Editors-Romantik (explizit die der Anfangsphase der Band aus dem englischen Birmingham, die der Electro-Kitschpop-Atmosphäre der letzten Werke doch um Einiges überlegen scheint) auch auf (s)ein etwas anderes Weihnachtsalbum zu übertragen.

5051083061230Das besinnliche und doch klagende “When The Thames Froze” beginnt mit den Worten “Goddamn this snow, will I ever get where I wanna go?” und schwingt sich mit weiteren lakonischen Textzeilen schnell zum ersten Highlight der Platte auf. Ähnlich stark ist auch “This Ain’t New Jersey”, in dem Smith den milde gestimmten Geschichtenerzähler gibt. Von den Coverversionen, die sich das Duo fürs gemeinsame Festtagsalbum vorgenommen hat, sticht Blacks “Wonderful Life” heraus, dem der Editors-Vorsteher mit seinem dunklen Bariton-Timbre eine ganz neue Dimension verleiht (und am Ende wohl etwas zu weit in frostigen Akustikgothic überführt). An Yazoos “Only You” arbeitet sich – ebenso wie beim Titelstück, welches im Original von der hippiesken Britpop-Band Delta stammt – dann Andy Burrows mit zuckriger Kopfstimme ab, bei “The Christmas Song” wirkt die wundervolle Dänen-Sirene Agnes Obel mit. Ebenfalls neu interpretiert: Gustav Holsts „In The Bleak Midwinter“ oder die Longpigs-Hymne „On And On„. Winterliche Gefühle kommen auch beim Instrumental „Rosslyn“ oder dem an Elliott Smith’sche Glanzlichter gemahnenden Folk-Charmeur „As The Snowflakes Fall“ auf – man scheint förmlich den ersten Schnee zu spüren, der dampfend auf der herausgestreckten Zunge schmilzt.

Wer bei “Funny Looking Angels” ein weiteres *gähn* langweiliges Weihnachtsalbum erwartet hat, dürfte von den (leider) gerade einmal gut 35 Minuten angenehm überrascht werden, denn Tom Smith und Andy Burrows bieten allen Bublé-zu-schalem-Glühwein-Geschädigten eine liebevolle Platte, die auch den weltgrößten Festtagsmuffeln unter den Musikfans gefallen dürfte. Schöne, dezent melancholische Folk-Pop-Songs mit weihnachtlichem Bezug, wenig Bombast, kein sülzig-süßlicher Kinderchor, kein nervig-pastorales Glockengebimmel… Eine ruhige und auch etwas besinnliche Platte für kalte Tage und fürs Jahresende, die sich das großartig Kitschige oder übermäßig Sentimentale spart. Da hängt wohl selbst der größte Grinch satt leuchtende Mistelzweige auf.

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „When The Thames Froze“…

 

…sowie den Song noch einmal in einer kaum minder tollen Live-Session-Variante:

 

„Goddamn this snow
Will I ever get where I wanna go?
And so I skate, across the Thames
Hand in hand, with all my friends

And all the things, that we planned
My son’s eyes in the outline of his hand
And even though I hate the cold
Constant reminder that I’m getting old
Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames . . . froze

Goddamn this government
Will they ever tell me where the money went?
Protesters march out on the street
As young nerds sleep amongst the feet

Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames froze

So tell everyone
That there’s hope in your heart
Tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there’s nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last

So tell everyone that there’s hope in your heart
And tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there is nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last…“

 

Rock and Roll.

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