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Das Album der Woche


Ryan Adams – 1989 (2015)

ryan-adams---1989-d17a2d2867f184b4-erschienen bei PAX AM/Sony-

Anfang August ging ein Raunen durch den digitalen Blätterwald. Der einfache Grund: Niemand Geringeres als Ryan Adams kündigte an, Taylor Swifts vor ziemlich genau einem Jahr erschienenes Erfolgsalbum „1989“ in Gänze (!) neu interpretieren zu wollen – und das nicht (nur) einmalig und für ein begrenztes Publikum an einem Bühnenabend, sondern im Aufnahmestudio, um es für alle (Musik)Welt nachher hörbar höchst offiziell zu veröffentlichen. Da fragte sich die vornehmlich jüngere Zielgruppe von Taylor „TayTay“ Swift freilich nicht ohne Grund: Ryan wer? Und selbst langjährige Hörer des Mannes aus Jacksonville, North Carolina waren ob dieser Ankündigung hin und her gerissen. Einerseits wussten sie, dass beileibe nicht jede Ankündigung des 40-jährigen gestandenen Musikers, der in den letzten zwanzig Jahren wohl bereits so ziemlich jede Kaschemme wie ehrwürdige Konzertbühne von Oslo bis Tokyo bespielt haben dürfte, für bare Münze zu nehmen sein dürfe (so wartet etwa das grandiose „Suicide Handbook“ – nebst wasweißichwievielen anderen fertiggestellten Alben – seit mehr als zehn Jahren weiterhin auf seine offizielle Veröffentlichung) und sich der musikverliebte, unruhige Kauz gern mal einen popkulturellen Scherz erlaubt. Andererseits ist gerade Ryan Adams jederzeit so ziemlich alles zuzutrauen – von gefälligem Pop über rüden Punk bis Alt.Country und kruden Metal (und nicht einmal HipHop darf man ausschließen). Plus: So fern, wie diese Paarung auf dem Papier scheinen mag, ist sie gar nicht – doch dazu später mehr. Widmen wir uns doch einmal den aktiven und passiven Akteuren dieses musikalischen Paukenschlags…

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Auf der einen Seite freilich David Ryan Adams, nimmermüder Musiker Jahrgang 1974 und seit vielen Jahren Wahl-New-Yorker. In den Neunzigern machte der Mann mit der leicht angerauten Honigsonnenstimme, in der viel Energie und noch viel mehr Melancholie mitschwingen mag, mit seinen damaligen Bands The Patty Duke Syndrome und Whiskeytown (vor allem jedoch mit zweiterer) erstmals von sich hören. Bezeichnend schon damals: Es hielt – trotz auch heute noch fein anzuhörender Alben wie „Strangers Almanac“ – nicht lange, Anfang der Nullerjahre war für Whiskeytown Schluss. Und Ryan Adams hätte wohl rückblickend gar nicht Besseres passieren können, war doch bereits der erste albumfüllende Alleingang „Heartbreaker„, 2000 veröffentlicht, ein ebenso stilles wie genüssliches Fest für jeden Singer/Songwriter-/Alt.Country-Freund, der noch heute Ton für Ton, Note für Note zu begeistern weiß. Und Sie ahnen es wohl bereits: Schon im Jahr darauf folgte mit dem nicht minder tollen „Gold“ der nächste Kurswechsel. Von „New York, New York“ bis „Goodnight, Hollywood Blvd“ platzierte Adams 16 Hymnen, die mal (halb)laut, mal leise der Welt entgegen zu schreien schienen: „Da bin ich! Nimm‘ meine Songs, hör‘ sie – und lasse sie nicht mehr los!“ Dass bereits wenige Monate danach die gar nicht mal so üble Restsammlung „Demolition“ („Nuclear“! „Starting To Hurt“! „Dear Chicago“! etc. pp.) nachgeschoben wurde, sprach wohl nur für den Lauf, den der umtriebige Musiker zu haben schien. Ebenso wie das darauf folgende „Rock N Roll“ (2003), das auch über zehn Jahre danach noch um Längen besser ist als der zwiespältige Ruf, der dem vierten Alleingang anno dazumal entgegen schlug. Dabei war das Album sowieso nur Adams‘ Musik gewordener Mittelfinger an seine Plattenfirma, denn viel lieber wollte er – und sowohl die Qualität als auch seine Fans geben ihm da noch heute recht – das mehr ode minder zeitgleich in zwei EP-Teilen auf den Markt geworfene „Love Is Hell“ veröffentlicht wissen, welches im Rückspiegel eine ganzer Latte der schönsten, ruhigsten und tiefsten Songs enthält, die Ryan Adams in seiner (bisherigen) Karriere unters Hörervolk gebracht hat – und das mag etwas heißen. Außerdem bewies er schon damals mit seiner Interpretation des bierseligen Oasis-Gassenhauers „Wonderwall“ eindrucksvoll, dass er auch FremdkompoRyan-adams_532_1385453asitionen neues Leben einzuhauchen vermag (und nötigte selbst dem Gitarre spielenden Chefgrantler der Britpop-Heroen, Noel Gallagher, das seltene Lob ab, dass Adams‘ Version um Längen besser sei als das eigene Original). Und da Stillstand für Adams seit jeher der Teufel höchstselbst zu sein scheint, legte er sich schon kurz darauf mit den Cardinals eine neue (temporär) feste Begleitband zu, mit denen er zwischen 2005 und 2010 ausgiebig – natürlich! – Platten in die Läden stellte (vier an der Zahl, von „Cold Roses“ bis zur Resteverwertung „III/IV“ ) und auf den Konzertbühnen seine umjubelte, jammige Variante der Grateful Dead zum Besten gab. In den Pausen legte er mit dem grandios stillen „29“ (2005) und „Easy Tiger“ (2007, und eventuell das erste mediokre Album seiner Karriere) noch solo nach, brachte 2004 mit PAX AM sein eigenes Plattenlabel an den Start (auf dem er endlich so Krudes wie das getrost vernachlässigbare *hust* Sci-Fi-Metal-Koenzeptalbum „Orion“ veröffentlichen konnte), und tourte, tourte, nahm auf, tourte, nahm auf – nur ein Bruchteil dessen, was Adams damals so auf Tonbändern bannte, erblickte tatsächlich das Licht der Öffentlichkeit (die Bandbreite reicht von seinem Black-Metal-Projekt Werwolph über schnellen Punk mit The Finger, zu denen auch Kumpel Jesse Malin zählte, und Hard Rock bis hin zu höchst sensiblen Acoustic-Alleingängen, etwa einen kompletten Soundtrack zum Cameron-Crowe-Film „Elizabethtown“, von welchem dieser letztlich allein das Stück „Words“ tatsächlich verwendete). Kein Wunder also, dass Adams‘ Arbeitspensum nach all den Jahren der Rastlosigkeit seinen Tribut forderte: Nach allerlei Problemen mit legalen wie illegalen Betäubungsmitteln in der Vergangenheit (die Gerüchteküche reicht da von Alkohol und Pillen bis hin zum harten Heroin-meets-Kokain-Mix) erkrankte der Musiker 2009 an Morbus Menière, einer Erkrankung des Innenohrs, welche ihn mit etwas weniger Glück um ein Haar sein Gehör gekostet hätte (und nach einem heftigen Armbruch im Jahr 2004, welchen er sich klassischerweise beim Sturz von einer Konzertbühne zuzog, bereits zum zweiten Mal seine künstlerische Existenz bedrohte). Also quittierte er noch im selben Jahr seinen Dienst bei den Cardinals – was freilich der Band als solche den Todesstoß gab – und stellte die Gitarre fürs Erste beiseite. Doch da ein Workaholic ohne „Work“ dumm dasäße, suchte er sich flux ein neues Betätigungsfeld: das Schreiben. So erschienen 2009 – Sie ahnen es wohl bereits – mit „Infinity Blues“ und „Hello Sunshine“ gleich zwei (!) Sammlungen mit Gedichten und Kurzgeschichten, welche allerdings ohne Adams‘ Gesang nur wie die „halbe Miete“ wirken. Plattentechnisch wurde es (vorerst) stiller um ihn, mit dem okayen „Ashes & Fire“ erschien 2011 der achte albumfüllende (Quasi-)Alleingang. Vielmehr legte Adams den Fokus erst einmal aufs private Glück, heiratete im Februar 2009 das Countrypop-und-Filmsternchen Mandy Moore. Eine eigenartige Paarung? Schon. Aber es schien zu passen, zu funktionieren – fürs Erste zumindest (auch dazu später mehr). 2012 durften sich dann auch alle, die bislang noch keiner der zahlreichen Konzerte von Adams beigewohnt hatte, mit dem 15 (!) Shows umfassenden, mehr als 16 (!!) Stunden langen Box-Set „Live After Deaf“ (offensichtlich nur halb im Scherz eine Anspielung auf seine Morbus-Menière-Erkrankung), welches diverse Konzertmitschnitte seiner europäischen „Acoustic Nightmare“-Tour im Juni 2011 enthält, von den Solo-Live-Qualitäten des Singer/Songwriters überzeugen. Und nach etlichen kleineren Single- und EP-Veröffentlichungen schob Ryan Adams im September 2014 endlich sein bislang letztes, selbstbetiteltes Album nach, mit dem er sich einmal mehr als verlässlicher Lieferant von feinem Alt.Countryrockpop empfahl. Und dann, im kaum noch überschaubaren Monatsrhythmus, noch mehr EPs Singles auf den Markt brachte. Und bringt. Zu viel Informationen? Dann stelle sich die geschätzte Hörerschaft mal mein Pensum als Fan vor! Bis heute maße ich mir an, so ziemlich jeden Song aus Ryan Adams‘ Feder gehört zu haben und hören zu wollen. Glauben Sie mir: Da kommt man(n) kaum hinterher! Denn dem kreativen Nimmersatt ist echt alles zuzutrauen, jederzeit…

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Auf der anderen Seite dann Taylor Swift, süße 25 Jahre jung und seit einiger Zeit die mit Abstand wohl erfolgreichste Konsenspopkünstlerin des Planeten (im vergänglichen Pop spart man freilich selten mit Superlativen, wohlweislich). Mehr noch: Swift ist einerseits hübsch anzusehen, gut erzogen (oder von Agenten trainiert) und andererseits keineswegs frei von Intelligenz oder Talent oder gar auf den Mund gefallen. Taylor Swift ist All American, unisono Everybody’s Darling und dermaßen aalglatt auf Erfolg getrimmt, dass selbst Teflon neidisch werden würde. Machte die gebürtige Pennsylvanianerin zwischen 2006 und 2012 mit Alben voller gefälligem, jedoch harmlosem Countrypop von sich reden, legte sie mit dem ihrem fünften Werk – nicht umsonst nach ihrem Geburtsjahr „1989“ benannt – dreizehn Stücke vor, vor denen es in den Folgemonaten kaum ein Entkommen für all die gab, die – selbst nur ab und an – mal ein Ohr bei Youtube, Twitter, Facebook oder im Radio riskierten. Und sogar all jene, die ansonsten gegen poplastigen Weichspüler immun sind, müssen wohl zugeben, dass Songs wie „Shake It Off“, „Blank Space“ oder „Bad Blood“ astrein komponierte, clevere Nümmerchen sind, die zwar nie und nimmer für Einträge in die Annalen reichen, jedoch für den Moment ausgezeichnet funktionieren – und die Gehörgänge so schnell nicht mehr räumen. Ganz klar: Taylor Swift ist derzeit verdammt big in business, mit allein mehr als acht Millionen verkauften Einheiten von „1989“ weltweit, in die Milliarden reichenden Youtube-Klickhits und allem an Rang und Namen, das sich um einen kleinen Gastauftritt bei den Konzerten ihrer aktuellen „1989“-Tournee reißt.

Was zur Hölle also eint Swift und Adams? Nun, zum einen sind die beiden scheinbar schon seit einiger Zeit gute Bekannte, haben sogar bereits die ein oder andere Stunde gemeinsam im Tonstudio verbracht (von den Ergebnissen ist freilich bislang nichts an die Öffentlichkeit gelangt). Zum anderen bewundern beide das musikalische Schaffen des anderen: Taylor Swift, da sie mit ihren 15 Jahren Altersunterschied vom 40-jährigen Adams und dessen angerockt-rauer Attitüde der steten Unangepasstheit wohl noch Einiges lernen kann. Adams, da er als ewiger Freund eines gut geschriebenen Popsongs stets seine Ohren überall hat, ganz egal, wo sich dieser am Ende finden lässt – vom tiefschwarzen Metal über Sonic Youth und die Smiths bis hin zu eben Taylor Swift. Scheiß der Hund drauf, der Song zählt!

1989

Doch trotz allem war es wohl ein ganz profaner Grund, der Adams auf die erst einmal abstruse Idee brachte, sich Swifts Erfolgsalbum in Gänze zur Brust zu nehmen: Im Laufe des vergangenen Jahres trennte sich der Musiker nach sechs gemeinsamen Jahren von (Noch-)Ehefrau Mandy Moore – und stand an Weihnachten zum ersten mal seit vielen Jahren plötzlich allein da. Wohin also mit der unverhofften leeren Zeit und dem Katzenjammer? Klar wäre – gerade für einen Rockstar – da der alte Teufel Droge viel näher gewesen, aber Adams wäre nicht Adams, hätte er diesen Punkt nicht bereits für sich abgearbeitet und ad acta gelegt. Also fasste er den fixen Entschluss, sich jedem Stück von „1989“ in Tiefe zu widmen und alle dreizehn Teile des Albums einzeln für sich neu zu interpretieren (und hier sei einmal ein Trennstrich zum bloßen Coverversion gezogen, denn Adams‘ Neubearbeitung der Swift’schen Originale geht noch zwei, drei Schritte weiter). Er wollte den Kompositionen das musikalische Fleisch über die Rippen ziehen und allem dann einen Smith’schen dezent tragisch-poppigen Anstrich verpassen. Erst danach holte er sich seine Band ins Studio, und teilte die Idee seines Vorhabens peu á peu mit dem weltweiten Netz. Nicht wenige frohlockten ob der Vorfreude, das komplette „1989“ in Adams’scher Variante zu hören, und selbst die Interpretin der Originale selbst ließ sich via Twitter zu einem dezent hyperventilierenden Post hinreißen…

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Doch ist Adams‘ Neubearbeitung, welche am 21. September zunächst digital erschien und nun physisch nachgeschoben wird, am Ende den ganzen Trubel, der darum gemacht wurde, wert? Darauf kann man wohl nur mit einem entschiedenen „Jein!“ antworten.

Bereits der Opener „Welcome to New York“, im Original eine aufgedrehte Pop-Perle voller jugendlicher Ekstase und Abenteuerlust, wird, ebenso wie „Style“, in der maskulinen Neufassung des 40-Jährigen zur abgeklärt rockenden Alt.-Pop-Nummer. Adams selbst ist – anders als vielleicht Swift – längst im „Big Apple“ angekommen, Beweise gibt es in seinem eigenen Songkatalog freilich zur Genüge, man denke nur an „New York, New York“ , „My Blue Manhattan“ oder „When The Stars Go Blue“. Er kennt die Stadt, sie schimmert für ihn längst nicht mehr, er weiß um die dunkelsten Ecken – was seine Liebe jedoch nicht schmälert. „Shake It Off“, einst Swifts augenzwinkernde Leadsingle mit mildem MIttelfinger, die den Hatern die eigene verlogene Doppelmoral um die Ohren haut, kommt hier mit Springsteen’scher „I’m On Fire“-Reminiszenz daher und wirkt beim Mann aus North Carolina deutlich zögerlicher, ja fast schon ängstlich. Ganz anders klingt da schon das wunderbar entspannte „Wildest Dreams“, in dem deutlich wird, dass Adams der Romantik noch nicht ganz abgeschworen hat und bei allen traurigen bis schmerzhaften Erinnerungen die schönen nicht vergessen hat. Ähnlich geschieht es auch in „This Love“, in welchem es dem gestandenen Musiker gelingt, sich vom ursprünglich dick aufgetragenen Kitsch zu entfernen und eine klassische Piano-Ballade zu Tage zu fördern, bei der man verträumt „Ryan + Mandy“ in den Holztisch ritzen möchte – nur um sich anschließend im wunderbar twanglastigen Highlight „I Wish You Would“ dafür zu schämen, und im träumerischen „All You Had To Do Is Stay“, das eine kleine Eighties-Schlagseite verpasst bekommt, auf dem Fenster zu starren. Während sich die Beziehungs-Nabelschau „Out Of The Wood“ mit seinen fast schon elegischen sechs Minuten Ton für Ton zu einem der besten Songs des Albums entwickelt (und Swift höchstselbst kürzlich dazu veranlasste, dem Stück als Solo-Piano-Nummer eine Neubearbeitung zuteil werden zu lassen), igelt sich Adams im verhuschten „Blank Space“ unter einer Wolldecke ein, im nach vorne marschierenden „Bad Blood“ schmeißt er sie aber gleich wieder in die Ecke. Einen Platz in Swifts Kampftruppe wird er trotz seines Charmes wohl nicht ergattern, muss er aber auch nicht. Adams lässt sich eben nicht unterkriegen, sondern geht aus seinen Niederlagen scheinbar gestärkt hervor, selbst wenn er bestimmte Situationen dafür etwas anpassen muss: So wird die James-Dean-Referenz im aufgewühlten „Style“ in der neuen Fassung zu einer durchaus passenden, da aufmüpfigen Hommage an Sonic Youth, eine von Ryan Adams‘ erklärten Lieblingsbands. Der Mann gönnt sich in diesem begrenzten Rahmen eben auch seine Freiheiten, und das ist nur richtig so. Anders hätte weder seine Version von „Clean“ im Whiskeytown-Outfit wohl nicht so hervorragend funktioniert, noch wäre es derart faszinierend, wie gut das Ergebnis dieser einst befremdlichen und absurden Nachricht tatsächlich erfreut. „1989“ nach Adams-Art kommt zwar vollkommen ohne Ironie aus, aber zu keiner Minute ohne Herzblut – das muss man erstmal schaffen. Und Freunde seines letzten, selbstbetitelten Albums mögen kaum glauben, dass all diese Stücke letztendlich gar nicht von Adams selbst verfasst wurden – 15 Jahren Altersunterschied, scheinbaren kulturellen Welten zwischen ihm und Swift zum Trotz. Freilich, all die eh schon großartigen Pop-Nummern von „1989“ werden auch unter Ryan Adams‘ Obhut keineswegs kleiner. Trotzdem hätte das Ganze auch dezent in die musikalische Buxe gehen können… tut es jedoch nicht – im Gegenteil. Ryan Adams ist ein Phänomen, seit vielen, vielen Jahren schon. Dass er nun (noch) mehr Aufmerksamkeit bekommt, ist da nur verdient. Denn dem Mann ist auch in Zukunft jederzeit alles zuzutrauen.

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Via Youtube kann man sich alle 13 Stücke der Adams’schen Variante von „1989“ anhören…

 

…sowie sich ein Interview, das Ryan Adams mit Taylor „TayTay“ Swift führte…

 

…und eine Fernseh-Performance des dauerbeschäftigten Musikers bei der „Daily Show“, bei welcher er unter anderem „Bad Blood“ und „Blank Space“ zum Besten gab, ansehen:

(Den gesamten Auftritt mit einem weiteren Song – „Style“ – kann man sich hier ansehen…)

 

Rock and Roll.

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Bleierne Akkorde, unterlegt mit Geschichte – „September 11, 2001“, der bislang unveröffentlichte Jam von Jason Molina, Will Oldham und Alasdair Roberts


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Über dreizehn Jahre nach 9/11 veröffentlicht das US-Indie-Label Secretly Canadian einen ganz besonderen Schatz: den Song „September 11, 2001“, den der inzwischen verstorbene Jason Molina gemeinsam mit seinen Songwriter-Kollegen Will Oldham und Alasdair Roberts am Tag der Anschläge geschrieben und aufgenommen hat…

Bisher war weder die Existenz des Songs bekannt noch die Umstände, unter denen die Folk-Ballade seinerzeit entstanden ist. Wie der schottische Songwriter Alasdair Roberts in einem sehr persönlichen Statement auf der Seite von Secretly Canadian (in Gänze weiter unten zu finden) erklärt, habe er sich damals mit seinen US-Kollegen Will Oldham (alias Bonnie „Prince“ Billy) und Jason Molina – vor allem bekannt durch seine Bandprojekte Songs: Ohia und Magnolia Electric Co. – auf Tour angefreundet.

Die drei „Ikonen“ der damaligen Alt.Country- und Neofolk-Bewegung fanden sich daraufhin im September 2001 zum gemeinsamen Schreiben und Aufnehmen auf dem Hof von Molinas Bruder Paul, der sich auch den Sessions anschloss, in Kentucky ein.

Wie es der tragische Zufall wollte, fielen die Terroranschläge von 9/11 genau auf diesen Zeitraum – und bremsten die Musiker in ihrem Elan aus: Den Tag der Anschläge, so erinnert sich Roberts, hätten sie zunächst schockiert vor dem Fernseher verbracht; erst gegen Abend sammelten sie sich und nahmen die Sessions wieder auf – um als Reaktion auf die verstörenden Bilder „einfach so normal wie möglich weiterzumachen“.

In dieser Nacht also entstand „September 11, 2001“, ein stiller, elfminütiger Folksong mit sich schleichend steigernder Dramaturgie. Vielleicht wurde der Zeitpunkt der „Herausgabe“ des Stücks gar nicht mal so zufällig gewählt, immerhin ist die Welt kaum eine bessere als 2001. Und der Song selbst, der sich so bleiern traurig voran schleppt, fesselt auch mit über dreizehn Jahren Abstand noch, macht gar betroffen – irgendwie… Traurig ist ebenso, dass Jason Molina selbst die Veröffentlichung nicht mehr erlebt: Er starb 2013 infolge seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit.

 

 

„The late Jason Molina and I had met a few times in England (when Jason was studying for a period in London) and in Scotland (Glasgow, where I lived then as now), after being introduced to one another by Will Oldham in late 1995. The recording session by Jason, Will, Will’s brother Paul and me was Jason’s idea originally. The prospect of working together with these musicians whose work I admired, and who were also cool people, was very exciting; so that’s how I found myself in Paul’s Kentucky farmhouse that historic weekend in 2001.

Of course, what made that weekend historic was certainly not this humble meeting of musical minds; rather, it was the fact that it coincided with the unanticipated and awful events of the September 11th 2001 terrorist attacks and the collapse of the World Trade Center. I am convinced that my memory of that period has been heightened by this coincidence; I have a strong recollection of Jason, Will, Paul and me recording on the evening of 10th September. I remember the warm southern evening sunshine (a particular delight for one accustomed to Scottish autumn weather), streaming through the window and infusing everything in the room with a kind of preternatural glow, as we recorded a version of Owen Hand’s wonderful song ‘My Donal.’ Will was playing a Nord synth and singing, Paul was on drums, Jason played bass guitar and I was playing Paul’s bright blue Telecaster. I remember walking by the barns that evening and seeing row upon row of tobacco drying, shining golden and lovely in the twilight. But none of us was to know that that would be, in some sense, the last twilight of an old world.

Jason woke me at about 10am the following morning with the words: ‘Ali, you should come downstairs. Something really bad is happening.’ My initial thought was that perhaps someone in the household had been injured or had fallen seriously ill. And so I went downstairs to confront the new global reality. Most of the rest of the day was spent watching the television news in numbed disbelief; in the evening we dined and talked together with some other members of the Oldham family. And then it seemed that the only thing to do was to carry on as normal – to pour ourselves a large Highland Park each and to make rock and roll, like we were born to do. So that’s how this piece of music came about – it was a spontaneous response from Jason’s soul to the unimaginably terrible events of that day, and it was one in which he invited Will (on piano), Paul (on Nord synth), me (on bowed mountain dulcimer) and every listener to cast their own offering.“

(Alasdair Roberts, via Secretly Canadian)

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Those Darlins


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Klar, beim bloßen Fakt, dass Those Darlins aus Murfreesboro, Tennessee, das nur etwa 30 Meilen vom Country-Mekka Nashville entfernt liegt, stammen, könnte man sich durchaus auf die falsche Fährte locken lassen. Dabei hätte dem Bandsound kaum etwas ferner liegen können als gemächliche Slidegitarrenschunkler á la Johnny Cash (der „klassische“, nicht der „American Recordings“-Cash freilich!), den Dixie Chicks oder Garth Brooks… Oder?

 

Fest steht: Wer im US-amerikanischen Süden beziehungsweise in einem Bundesstaat wie Tennessee aufwächst, der saugt Country-Einflüsse wohl zwangsläufig mit der Muttermilch auf. Und so lernten sich auch Jessi Zazu, Nikki Kvarnes und Kelley Anderson, die drei Gründungsdamen von Those Darlins, in einem „Southern Girls Rock & Roll Camp“ beim Nachspielen von Evergreens der Carter Family (Johnny Cash, da isser wieder!) kennen. Doch anstatt beim keuschen Klassikernachklimpern zu bleiben, stellten die drei sich schnell auf eigene Bandbeine, gründeten Those Darlins und verpassten sich selbst jeweils den Künstlernachnamen „Darlin“. Auch der Bandsound lieferte mehr Referenzen an Punkrock-Vorbilder wie die Ramones (deren Mitglieder den Bandnamen ebenfalls zum Nachnamen machten) oder den lo-fi durchgerockten Garagensound der White Stripes, während die beiden Frontfrauen Jessi und Nikki zum klanglich gebeutelten Mikrofonspagat zwischen Pasty Cline und Sid Vicious ausholten. Die Band erspielte sich mit ihren ersten beiden Alben, dem selbstbetitelten, 2009 veröffentlichtem Debüt und dem zwei Jahre darauf erschienenen „Screws Get Loose„, mehr und mehr Fans und Publikum und tourte mit ihren irgendwo zwischen Alt. Country, Punkrock, Rock and Roll und Rockabilly angesiedelten, bissfesten Songs gemeinsam mit Bands wie Dr. Dog, The Features, Best Coast oder den Black Keys.

those darlinsDennoch markiert das im vergangenen Oktober erschienene dritte Album „Blur The Line“ gleich mehrere Zäsuren. Zum einen sind Those Darlins nach dem Ausstieg von Bassistin Kelley Anderson und den Zugängen von Adrian Barrera (Bass) und Linwood Regensburg (Schlagzeug) längst nur noch zu 50 Prozent All Female, während sich die beiden verbliebenen Gründungsdamen mittlerweile die Mätzchen des „Darlin“-Nachnamens sparen und ihre eigenen verwenden. Die größte Veränderung bietet jedoch der Bandsound, der tiefer, breit gefächerter, versierter und reifer ist als noch vor ein paar Jahren. Wenn Jessi Zazu im Opener „Oh God“ Zeilen wie „I was a drunk girl in the shower / In yet another shit hotel / I could have been just anywhere“ mit geradezu aufreizend lieblicher Stimme intoniert, dann spürt man schnell: hier hat eine etwas zu erzählen! Und in der Tat geben die 12 Songs von „Blur The Line“ eine ganze Menge her. Dabei landet der Punkrockrotz nur noch selten in der Garagenecke unterm Ramones-Poster (etwa in „Optimist“), dafür schlendern Those Darlins in ihren knackig-runden Dreiminütern mehr als einmal am Lemonheads-Pop vorbei (man höre „Drive“), versuchen sich am Girl-Band Psych-Blues („Baby Mae“), krallen sich vom Sixties Pop die Melodieseligkeit, von Phil Spector die Details, von Jack White den schweren Blues Fuzz, von Neil Youngs Crazy Horse den Hang zum schweren Gitarrensolo, vom Grungerock das Herbe, von Bands wie den Pixies die Würze (man höre zum Vergleich das sinistre „In The Wilderness“!) und von Fleetwood Mac die benebelte Poesie. Obwohl sich das von Yo La Tengos Haus-und-Hof-Regelschieber Roger Moutenot im heimatlichen Nashville produzierte „Blur The Line“ während seiner 45 Minuten nicht selten in einem seltsam faszinierenden Film aus Trägheit und Angriffslust suhlt, bleibt es doch untergründig spannend, vielseitig und unterhaltsam. „When she’s good, she’s great / When she’s bad, she’s even better“, wie Nikki Kvarnes in „Baby Mae“ singt. Wenn dem so ist, dann dürften Those Darlins in der letzten Zeit ziemlich schlimme Rock’n’Roll-Finger gewesen sein…

 

 

Rock and Roll.

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