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American Horror Story – dunkle Geschichten für die kalten Stunden…


Frankenstein-Experimente, Folterorgien, psychopathische Mordslust – keine Frage, in den Gemäuern des Anwesens in Los Angeles haben sich während dessen fast einhundertjähriger Geschichte so einige furchtbare Dinge ereignet. Und doch ziehen Ben (Dylan McDermott) und Vivien Harmon (Connie Britton) mit ihrer Tochter Violet (Taissa Farmiga, die kleine Schwester von Hollywood-Aktrice Vera Farmiga) ausgerechnet von Boston hierher, um ihre durch eine Fehlgeburt und einen Seitensprung ins Wanken geratene Ehe zu kitten…

Im Laufe der ersten Staffel von „American Horror Story“ machen die Harmons dann am eigenen Leib Erfahrung mit der tragischen Vergangenheit des Hauses, welches sogar Bestandteil der für Touristen veranstalteten „Mord-Häuser-Tour“ ist, sowie seinen ehemaligen Bewohnern, die zwar im wahrsten Wortsinn „untot“ sein mögen, sich mit diesem Zustand, und den neuen Hausbesitzern, jedoch – verständlicherweise – nicht abfinden wollen… Und als wäre das nicht genug, treten auch noch die Nachbarn in Form der ehemaligen Südstaatenschönheit Constance (mit einer herrlich blasierten Höchstleistung: Jessica Lange), welche vor langer Zeit Verstand, Glück und Karriere zugunsten ihrer von Trisomie 21 betroffenen Tochter Addy (Jamie Brewer) opfern musste, und dem seltsam psychopathisch-misantrophen Teenager Tate (Evan Peters), welcher sich – ganz zu Bens Missfallen – ausgezeichnet mit Teenagertochter Violet ausgezeichnet zu verstehen scheint, mit auf den Plan. Das Vorhaben, in dem Haus weiter seinem Beruf als Psychotherapeut nachgehen zu können, kann Ben natürlich begraben, denn der Wahnsinn hält schon bald Einzug in seine eigenen Gedanken. So erscheint ihm die irgendwie schon immer in diese Gemäuer gehörende ältere, einäugige Haushälterin Moira (undurchsichtig und zartbitter: Frances Conroy aus „Six Feet Under“) in ihrer verführerisch-nymphenhaften jungen Gestalt (eine Augenweide: Alexandra Breckenridge). Doch welche gemeinsame Vergangenheit teilt diese mit Constance? Wer ist der Mann mit dem von Brandnarben grausam entstellten Gesicht, der Ben immerzu auflauert? Was passiert während der Blackouts, die Ben nun immer öfter hat? Und was wollen all diese wie zufällig auftauchenden und verschwindenden (Horror)Gestalten den Harmons mitteilen?

Mit „American Horror Story“ ist „Nip/Tuck„-Macher Ryan Murphy in wiederholter Zusammenarbeit mit Co-Autor Brad Falchuck (beide zeichneten sich vorher ausgerechnet für den schwülstig-bunten, jedoch immens erfolgreiche Außenseitermusicalverschnitt „Glee“ verantwortlich) eine der spannendsten und undurchsichtigsten US-Fernsehserien seit „Lost“ gelungen. Gruselige Charaktere werden anhand von Rückblenden eingeführt, um dann im Hier und Jetzt ihrem Unfrieden Ausdruck zu verleihen. Und trotz der mitreißenden Handlung und des hervorragenden Make-ups – welches ja gerade im Horror-Genre nicht eben unwichtig ist! – findet der wahre Horror während der zwölf Folgen von Staffel 1 meist in den seelischen Untiefen zwischen den Zeilen statt.

In den USA erfreut sich „American Horror Story“ seit der Erstausstrahlung im Oktober 2011 (über FX Network) großer Zuschauerbeliebtheit, und auch Kritikerlob (etwa ein eigener Diskussionsblog der „Washington Post“) und Auszeichnungen (mehrere Golden Globe- und Emmy-Nominierungen, jeweils einen der beiden Fernsehpreise für Jessica Lange als beste Nebendarstellerin) sprechen für sich. Ob sich die gekonnt mit klassischen Horrorelementen, doppelten Böden und zutiefst menschlichen Abgründen aus Liebe, Lust, Verlangen, Trauer und Depressionen spielende Serie allerdings hierzulande durchsetzen kann (Staffel 1 wurde von November 2011 bis Februar 2012 über den Pay-TV-Kanal Fox ausgestrahlt, über eine eventuelle Wiederholung -ausgerechnet – über den Spartensender sixx wird nachgedacht), darf anhand der Vielzahl hervorragender Serienproduktionen, welche zuerst immer tiefer ins Nachtprogramm verbannt wurden, um irgendwann ganz zu verschwinden, bezweifelt werden.

Für die soeben in den USA angelaufene zweite Staffel wurde, man ahnt es beim neuen Namen „American Horror Story: Asylum“ bereits, die Handlung der als Anthologie angelegten Mini-Serie in die 1960er und in eine Nervenheilanstalt für kriminelle Geisteskranke (oder doch geisteskranke Kriminelle?) verlegt. Und böte allein dieser Fakt nicht schon genug Potential zum Grusel (man denke nur an Filme wie „Session 9„!), verspricht die Darstellerliste aus unter anderem – erneut – Jessica Lange, Joseph Fiennes, Chloë Sevigny, Adam Levine (ja genau, der Maroon 5-Fronter macht nun nach seinem Castingretorten-Jurorenjob auch noch das Schauspielfach unsicher!), Zachary Quinto (dürfte vielen noch als Spock aus dem letzten Star Trek-Film oder großartiger Bösewicht Sylar in der leider unfertig beendeten Serie „Heroes“ in Erinnerung sein) oder Franka Potente erneut Großes.

Wer also neben den kürzlich gestarteten neuen Staffeln von „Dexter“ (Staffel 7) und „The Walking Dead“ (Staffel 3) noch Freiraum und eine Affinität zum gepflegten Horror besitzen sollte, dem sei „American Horror Story“ zum Gruseln vorm Bildschirm im spärlich belichteten Zimmer (der nahende Winter lädt ja dazu ein!) wärmstens ans Herz gelegt.

 

Hier bekommt ihr eine kurze Einführung der Hauptfiguren von Staffel 1…

 

…einen Trailer…

 

…und einen kurzen Making-Of-Beitrag:

 

Und hier bekommt ihr eine kurze Einstimmung auf die laufende 2. Staffel:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
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