Schlagwort-Archive: Aldous Huxley

Zitat des Tages


Aldous Huxley on music...

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , ,

Zitat des Tages


Aldous L. Huxley

 

„Experience is not what happens to a man; it is what a man does with what happens to him.“

 

(Aldous L. Huxley, 1894-1963, brit. Schriftsteller und Intellektueller, 

aus: „Texts and Pretexts“, 1932)

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , ,

Fehler im Profil – „About: Kate“ und die Leere zwischen den Statusmeldungen


About: Kate

„Fitter, happier, more productive / Comfortable / Not drinking too much / Regular exercise at the gym / (Three days a week) / Getting on better with your associate employee contemporaries / At ease / Eating well / (No more microwave dinners and saturated fats) / A patient better driver / A safer car / (Baby smiling in back seat) / Sleeping well / (No bad dreams) / No paranoia / Careful to all animals / (Never washing spiders down the plughole) / Keep in contact with old friends / (Enjoy a drink now and then) / Will frequently check credit at (moral) bank (hole in the wall) / Favors for favors / Fond but not in love / Charity standing orders / On Sundays ring road supermarket / (No killing moths or putting boiling water on the ants) / Car wash / (Also on Sundays) / No longer afraid of the dark or midday shadows / Nothing so ridiculously teenage and desperate / Nothing so childish, at a better pace / Slower and more calculated / No chance of escape / Now self-employed / Concerned (but powerless) / An empowered and informed member of society / (Pragmatism not idealism) / Will not cry in public / Less chance of illness / Tires that grip in the wet / (Shot of baby strapped in back seat) / A good memory / Still cries at a good film / Still kisses with saliva / No longer empty and frantic like a cat tied to a stick / That’s driven into frozen winter shit / (The ability to laugh at weakness) / Calm / Fitter / Healthier and more productive / A pig in a cage on antibiotics.“

(Radiohead, „Fitter Happier“)

 

„Schmerz sieht gut an anderen aus – dafür sind sie da.“ Kate Harff (Natalia Belitski), Berlinerin und Ende Zwanzig, zieht die Reißleine. Am Neujahrsmorgen zieht sie mit Sack und Pack, mit MacBook und iPhone in die Psychiatrie und lässt sich freiwillig in die Depressionsstation einweisen. Denn zwischen Alltagstrott und Metropolenpartydickicht, zwischen Youtube, Youporn, Twitter, Instagram, Facebook, WhatsApp und Google hat sie zwar allerhand Oberflächenzerstreuung gefunden, jedoch die Hauptsache verloren: sich selbst. Denn welchen ihrer 429 Freunde kennt sie schon wirklich, wer würde sie wirklich vermissen? Sicher: „Vielleicht vermissen sie mich.“ Aber: „Im Moment vermiss‘ nur ich mich.“ Was sagen all die Interessenangaben, all die „Likes“ schlussendlich über den Menschen hinter dem bunten Facebook-Profil aus? Wieviel soziale Interaktion herrscht noch in ihrem Leben, die über oberflächliches „Social Life“-Geplänkel hinausgeht? Wenn ihr Statusfeld sie allmorgendlich fragt, was es Neues gibt, trägt Kate lediglich ein: „Nichts. Wie immer.“ Sie ist zum Netzzombie verkommen, der dem Diktat der tumben virtuellen Masse folgt – eine blasse Datenleiche, die längst die Kontrolle verloren zu haben glaubt und deren liebevolle Macken im weltweiten Netz untergegangen sind…

About: Kate

In „About: Kate“ folgt der Zuschauer in 14 Folgen zu je knapp 30 Minuten Länge einer jungen Frau aus der Mittelschicht kurz vor ihrem 30. Geburtstag in die „Klapse“, wo sie bei Therapiesitzungen, Korbflechten und Entspannungsrunden einen halbgaren (man bedenke: MacBook & Co. liegen noch immer griffbereit!) Versuch startet, sich selbst irgendwo wiederzufinden. Das Revolutionäre dabei ist, dass dem Zuschauer neben der „regulären“ Sendereihe (jeden Samstag um 23.45 Uhr auf Arte) zusätzliche weitere mediale Möglichkeiten offen stehen: längst lässt sich Kates Profil auf Facebook finden, dazu gibt es eine umfassend gestaltete Seite auf der Arte-Homepage sowie eine App (welche am Samstag zum Start der ersten Folge natürlich nicht funktionieren wollte) – Fernsehen 2.0 quasi, bei dem sich die Serie von Regisseurin und Autorin Janna Nandzik schlussendlich (gezielt?) in den eigenen Schwanz beisst, denn dem Zuschauer wird hier ausgerechnet jenes All-Inclusive-Überangebot bereitgestellt, das zum „Netzabsturz“ der Protagonistin geführt hat. Und auch das Empfinden selbst wird all jenen, die eben nicht mit den popkulturellen Codes der Social Media-Süchtigen, all dem Wirrwarr aus schnellen Clicks durch Links, Bits und Bytes, vertraut sind, seltsam fremd blieben, denn: „it takes one to know one“. Klar, die Thematik mag längst keine neue mehr sein – siehe Aldous Huxleys „Schöne neue Welt„, siehe Radioheads „OK Computer“ (aus welchem übrigens auch der eingangs zitierte „Song“text zu „Fitter Happier“ stammt). Dennoch stellt das von Christian Ulmens Produktionsfirma UlmenTV gestartete Crossmedia-Projekt „About: Kate“ eine kleine aber feine Sensation in der deutschen Sendelandschaft dar, eben weil es sich einem zeitgeistigen Phänomen mit hintergründigem Anspruch nähert, und die Social Media-affine Zielgruppe über die „Second Screen“-Aktionshintertür dazu bringt, so einige eigene lieb gewonnene Alltäglichkeiten zu hinterfragen. iPhone, iPod, iMac, iGod, iLife? iAbsturz, iVerlust, iTod. Darauf eine Twitter-Nachricht!

(Wer’s bei lauter Facebook-Statusmeldungen verpasst hat: hier kann man sich die erste Folgen noch einmal anschauen…)

Logo

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Flimmerstunde – Teil 17


Cosmopolis (2012)

Eric Parker (Robert Pattinson) braucht einen Haarschnitt. Was bei 99,9 Prozent der Weltbevölkerung im Nu erledigt wäre, stellt ihn allerdings vor eine Reihe von Problemen…

Problem eins: der favorisierte Frisör hausiert am anderen Ende der nicht eben kleinen Großstadt. Problem zwei: Eric ist zwar erst 28 Jahre jung, jedoch bereits zigfacher Milliardär. Und da Geld bekanntlich die Zahl der falschen und halben Freunde sowie der Neider exponentiell erhöht, schwebt er zwar latent, aber permanent in Gefahr. Problem drei: der Präsident ist in der Stadt, und die eh schon engen und taxigelblich vollgestopften Straßen der Millionenmetropole New York werden somit für Erics Stretch-Limousine noch um einiges beengter. Doch all das stört ihn keineswegs. Welcher Präsident? Ach, der der Vereinigten Staaten! Macht nix. Und so macht sich der wie aus dem Ei gepellte Geschäftsmann samt motorisiertem Gefährt und hypernervöser Bodyguard-Entourage im elendig langsamen Schritttempo auf, um sich seine perfekt sitzende Scheitelfrisur noch ein wenig perfekter richten zu lassen. Überhaupt scheint diese futuristisch eingerichtete Limousine mehr Lebensmittelpunkt denn Fortbewegungsmittel für den kalt berechnenden, selbsterklärten Visionär und Kosmopoliten zu sein – er steigt nur zu kurzen Tête-à-têtes – etwa mit seiner gleichsam unterkühlten Ehefrau, mit der er die Möglichkeiten des lieblosen ehelichen Beischlafs abwägt – aus der blütenweißen Luxuskarosse aus, lässt lieber Bedienstete zusteigen: halbkindliche Berater, gestresste, durchschwitzte Sekretärinnen, den Arzt zur täglichen Prostatauntersuchung (!), mittelalte Mätressen (toll: Juliette Binoche) für ereignislosen Sex… Er ist selten allein, verzieht keine Miene, analysiert, diagnostiziert, ist dem Gegenüber nicht selten einen Schritt voraus und ummantelt sinnfrei kreisende Dialoge scheinbar stets mit Metaebenen. Dass um den Wagen herum der Globalisierungsgegnermob in Zerstörungswut tobt, scheint Parker ebenso wenig zu interessieren (geschweige denn: beunruhigen), wie die Worte, die seine einerseits exquisit erlesenen, auf der andere Seite jedoch gnadenlos austauschbaren Begleitpersonen von sich geben, denn der steinreiche Schönling hat nur Augen für sich selbst. Und: er ist schrecklich gelangweilt. Doch gibt es noch Leben am Rande des Geldes? Wie probt man den Ausbruch aus einem selbstgeschaffenen, teuer erkauften und hermetisch abgeriegelten Kokon? Und: wer sind diese Leute, die mit toten Ratten um sich werfen?

Die Ausgangssituation für „Cosmopolis„, David Cronenbergs (u.a. A Dangerous Method, A History Of Violence, Die Fliege) neusten Film, mag nicht die schlechteste sein, immerhin darf er hier den gleichnamigen, 2003 erschienenen Bestseller-Roman von Don DeLillo verfilmen. Und trotzdem hat er ein Problem: Robert Pattinson. Zwar mag der durch seine Rolle als „Twilight„-Vampir weltberühmt gewordene Engländer nach Außen und auf den ersten Blick der passende Darsteller für den gefühlskalten, ständig analysierenden Business-Zombi sein, doch bringt er die Zerrissenheit, die latente innere Panik, die DeLillos Figur zwischen den Zeilen innewohnt, zu keinem Moment auf der Leinwand herüber. Während sich die Limousine wie ein technoider Bandwurm auf finanziellem Trauermarsch durch die beengten Straßen des Millionenmollochs quält, bleibt von Pattisons Mienenspiel oft nicht mehr als Zynismus, Arroganz und Gleichgültigkeit. DeLillos bissiger, nur knapp 200 Seiten kurzer – und, bedenkt man das Datum der Veröffentlichung, auch recht visionärer – Abgesang an den New-Economy-Hype gerät zur 123-Minuten-Qual, an dessen Ende man sich fragt, ob diese gefühlte Verschwendung an Zelluloid und Lebenszeit wirklich notwenig war. Dann sollte man sich doch lieber die gelungenere Romanvorlage zu Gemüte führen (kann hier leider selbst weder zustimmen noch widersprechen, da ich sie bisher nicht gelesen habe). Oder Aldous Huxleys 1932 (!) erschienen Klassiker „Brave New World„. Oder, wenn es denn schon bewegte Bilder sein müssen, sich von Christian Bale als Business-Psychopath Patrick Bateman im ähnlich angelegten „American Psycho“ vormachen lassen, wie man es richtig macht. Alles an „Cosmopolis“ mag sich schrecklich wichtig nehmen. Jedoch hat man all das schon tausendfach gesehen. Nur besser.

Wie bereits erwähnt, werden hier spannende Ausgangsmaterialen – Roman, Thema, Drehort – von einem Hauptdarsteller gekonnt versenkt, der selbst als misantropher Antisympath so glaubhaft ist wie ein Ku Klux Klan-Anhänger im Gospelchor. Und da man kaum ernsthaft annehmen darf, dass Cronenberg bei einem Film mit derart gehobenem Sujet vorhatte, hysterische „Twilight“-Screamager ins Kino zu locken, kann man sich nur allzu lebhaft vorstellen, wie der 69jährige kanadische Regisseur seine Wahl inmitten der Dreharbeiten alsbald selbst bereut haben mag (zuerst war Gerüchten zufolge Colin Farrell für die Hauptrolle vorgesehen, dieser zog es jedoch vor, im Remake von „Total Recall“ den Ersatz-Schwarzenegger zu spielen). Denn erst hier verwandelt sich Pattinson in den wahren, bieder-bleichen Vampir und saugt mit bedrohlicher Talentfreiheit als Geheimwaffe den Zuschauern die Lebenszeit aus. Jedoch: die Frisur sitzt. Herrje, schöne neue Welt…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: