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Song des Tages: Lucas Uecker – „Der König tanzt nicht mehr“


Foto: Promo / Christine Lipski

Man kennt ihn vor allem als Gitarre spielenden Teil der Hamburger Akustik-Indiepop-Band Liedfett, eventuell ist dem einen oder der anderen von euch sogar schon sein feines, 2019 erschienenes Solo-Debüt „Unterm Teppich“ zwischen die Lauschmuscheln gekommen (welches seinerzeit auch auf ANEWFRIEND Erwähnung fand). Nun hat Lucas Uecker mit „Der König tanzt nicht mehr” (s)eine neue Single veröffentlicht und mit „Schöne Dinge“ sein zweites Soloalbum in Aussicht gestellt (wenn auch noch ohne fixen Release-Termin).

Der erste Höreindruck gerät dabei ebenso energetisch wie düster: Der König tanzt nicht mehr“ ist eine Geschichte vom Fall und Sturz eines Monarchen. Ein kleines, Rocksong gewordenes Drama über eine Sucht und ihre Kinder. Über einen Protagonisten, den die Welt vergessen hat. Einen Schwindler, der an sich selbst zu Grunde geht. Verpackt in einem rauen, orchestralen Sound sowie in ein Schwarz-weiß-Video, in welchem Schauspieler Wolf-Dietrich Sprenger eindrucksvoll den gealterten Protagonisten verkörpert, entführt Lucas Uecker den Zuhörer in die Welt, die hinter den Kulissen liegt. Vorhang auf für „Der König tanzt nicht mehr“! 

Rock and Roll.

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Song des Tages: CHVRCHES – „How Not To Drown“ (feat. Robert Smith)


Das Musikbusiness hat schon viele Talente verschlungen und nie wieder ausgespuckt. In ihrer neuen Single „How Not To Drown“ erzählen CHVRCHES von den dunklen Seiten des Geschäfts. Dafür bekommen sie Unterstützung von niemand Geringerem als The Cure-Zauselbandkopf Robert Smith. Mit dem Song kündigt das Trio aus dem schottischen Glasgow ganz nebenbei auch ihr viertes Album „Screen Violence“ an.

Wie der Titel schon andeutet, ist der neuste Song aus der Elektropop-Schmiede von Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty ziemlich melancholisch geraten. „Tell me how / It’s better if I make no sound / I will never escape these doubts / I wasn’t dead when they found me / Watch as they pull me down“, singen Mayberry und Robert Smith gemeinsam im Refrain. Musikalisch scheint „How Not To Drown“ von den Achtziger- und Neunzigerjahren inspiriert zu sein – was sich bei einem Feature des Frontmanns von The Cure natürlich perfekt anbietet.

In ihrer letzten Single „He Said She Said“ hatten sich die Schott*innen mit den oft genug ungleichen Maßstäben der Gesellschaft beschäftigt. Jetzt folgt der etwas tiefere Blick in die psychischen Abgründe, mit dem die Band laut eigener Aussage nun größere, wichtige Botschaften in ihre Songs packen möchte. „How Not To Drown“ erzählt vom viel zu hohen Druck und dem Schmutz unter der glitzernden Oberfläche der Entertainment-Branche: „You promised the world and brought me it hanging from a string / Stuck it in my mouth, into my throat, told me to sing“. Während die Stimmen von Mayberry und Smith nach ihren Solo-Strophen im gemeinsamen Refrain ineinander verschmelzen, flehen die beiden nach einem Ausweg aus der erdrückenden Situation: „Tell me how it’s better when the sun goes down / We will never escape this town“.

CHVRCHES-Sängerin Lauren Mayberry beschreibt in „How Not To Drown“ laut eigener Aussage den einzigen Moment in ihrem Leben, in dem ihr bisher Zweifel über ihre Karriere aufkamen: „These lyrics are about a time when I just wanted to disappear, and the only time I ever thought about quitting the band. I felt like I was in over my head at the deep end and not sure how to get back.“

Parallel zur Singleveröffentlichung haben CHVRCHES außerdem den Nachfolger zum 2018 erschienenen Album „Love Is Dead“ angekündigt. Er soll den Titel „Screen Violence“ tragen und am 27. August erscheinen. „Screen Violence“ war in der engeren Auswahl, als das Trio vor zehn Jahren einen Namen suchte. Inmitten der Corona-Pandemie und den mittlerweile fast obligatorischen endlosen Videochats bekam dieser Begriff für Mayberry, Cook und Doherty nun eine ganz neue Bedeutung…

„I’m writing a book on how to stay conscious when you drown
And if the words float up to the surface, I’ll keep them down
This is the first time I know I don’t want the crown
You can take it now
You promised the world and brought me it hanging from a string
Stuck it in my mouth, into my throat, told me to sing
That was the first time I knew you can’t kill the king
And those who kiss the ring

Tell me how
It’s better when the sun goes down
We will never escape this town
I wasn’t scared when he caught me, look what it taught me
Tell me how
It’s better if I make no sound
I will never escape these doubts
I wasn’t dead when they found me, watch as they pull me down

I’m writing a chapter on what to do after they dig you up
On what to do after you grew to hate what you used to love
That was the first time I knew they were out for blood
And they would have your guts

Tell me how
It’s better when the sun goes down
We will never escape this town
I wasn’t scared when he caught me, look what it taught me
Tell me how
It’s better if I make no sound
I will never escape these doubts
I wasn’t dead when they found me, watch as they pull me down

Watch as they pull me down
Watch as they pull me down
Pulling me down

Dead when they found me, watch as they pull me down
Watch as they pull me down
Watch as they pull me down
Pulling me down
Dead when they found me, watch as they pull me down

I’m writing a book on how to stay conscious when you drown
And if the words float up to the surface, I’ll keep them down
This is the first time I know I don’t want the crown
You can take it now
You can take it now
Take it now“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Chaoze One – „Memento Moria / Die Welt brennt“


Foto: Promo / Giulia Vitali

Die Bilder der Nacht auf den 9. September 2020 gingen um die Welt. „Moria brennt, hieß es in vielen Überschriften der Tageszeitungen und auf Social Media. Bilder, die einen so schnell nicht mehr loslassen und noch bis heute nachhallen. Bilder, die einmal mehr beweisen, wie sehr das Menschliche dieser Welt mittlerweile viel zu oft, viel zu sehr abhanden gekommen ist…

Und ein Lied allein kann und wird diese Welt freilich nicht verändern. Das können nur wir, die Menschen. Aber Stücke wie „Memento Moria / Die Welt brennt“ von Chaoze One können dabei helfen, die Fassung nicht komplett zu verlieren und den Weg aus der Ohnmacht ein wenig erleuchten. Mehr noch: Der gestern veröffentlichte Song ist ein formvollendeter Roundhousekick, ein schmerzlicher Schlag in die Magengegend all unser Erste-Welt-Problemchen, behandelt er doch die europäische „Flüchtlingspolitik“, die „Systemrelevanz“ und die Banalität des Bösen mit Referenzen aus Jahrzehnten der (Politik)Geschichte, Popkultur und Gesellschaft. Es ist eine unmissverständliche Standortbestimmung, ein salziges Fingerlegen in offene Wunden, aber auch ein dringlicher Appell an die Empathie.

So bekannt die Themen, so unbekannt dürfte wohl vielen der Künstler sein. Jan Hertel, so Chaoze Ones bürgerlicher Name, ist ein gesellschaftskritischer Rapper, Autor und Theaterschauspieler aus Mannheim. In seiner ersten musikalisch aktiven Phase von 2000 bis 2009 veröffentlichte er bereits zahlreiche Alben und EPs.

Die Musik war dabei immer ein Instrument für seine politische Arbeit, die im Vordergrund seines künstlerischen Schaffens steht. In der Vergangenheit ging das soweit, dass er auf dem Radar mehrerer rechter Gruppierungen auftauchte – unter anderem versuchte der AfD-Politiker und rechte Journalist Joachim Paul einen Auftritt von Hertel durch politische Einschüchterung zu vereiteln. 2019 veröffentlichte der Künstler, Baujahr 1981, außerdem das Buch „Spielverderber – Mein Leben zwischen Rap & Antifa„, in dem er seine musikalische wie politische Sozialisation beschreibt.

Etwa zwölf Jahre nach seinem letzten Album, in denen sich im deutschrap’schen Musikkosmos einiges getan hat (und das freilich nicht immer zum Besseren), meldet sich Chaoze One nun mit seinem neuen Langspieler „Venti“ zurück, der im Juli bei Grand Hotel van Cleef erscheinen wird. Eine durchaus lange Sendepause, wie auch Hertel selbst anmerkt: „Zwölf Jahre nicht gesungen, Reihenhaus und Katze, wir sind alle ruhiger geworden. Dann kam 2015, dann kam 2020 und da waren sie wieder, die Wut und das Unverständnis. ‚Das ist nicht die Zeit zum Fresse halten!‘, hat dieser wütende 18-Jährige von damals gebrüllt.“.


„‚Venti‘ ist die erste Hip Hop-Platte auf GHvC, und der Opener ‚Memento Moria / Die Welt‘ brennt der erste echte Rap-Track auf unserem Label. Aber Genres sind egal. Denn beim Hören dieses Songs – auch beim vierhundertsten Mal – fangen unsere Gehirne und Herzen an zu glühen. Der Song und diese Platte umfasst all das, was wir denken und fühlen, wie wir Dinge sehen und was wir fordern. Und zwar ohne Zeige-, dafür ab und an aber gern mit Mittelfinger“
, lässt sich das Hamburger Indie-Label, welches ebenfalls seit eh und je das Herz auf der Zunge und am linken Fleck trägt, zitieren.

„Ich hatte eine Sinnkrise, persönlich und politisch“, wagt Jan Hertel eine künstlerische Standortbestimmung. „Diese musste und wollte ich bearbeiten. ‚Venti‘ erzählt von Zweifeln und Verzweifeln, von Sackgassen und dem Aushaltenmüssen. Von Liebe und Ekel für die Welt. Plötzlich stand da dieser 18-Jährige auf der Matte vor mir, der vor zwanzig Jahren erstmals das Rap-Mic ergriff – es war nicht mehr an der Zeit, die Fresse zu halten!“

Klares Ding: Es ist schon eine Kunst für sich, so komplexe, brisante (aber auch wichtige!) Themen in nur wenigen Minuten und schwer vereinfacht in politisch motivierte Punchlines zu packen. Chaoze One ist einer, dem genau das gelingt, ohne am Ende bei der Musik Abstriche zu machen. Seine Worte bewegen, bieten sowohl einen Anhaltspunkt, sich weitreichender zu informieren, aber können auch hitzige Diskussionen entfachen – denn Unwissenheit mag auch ein Beitrag sein, ist hier aber beileibe keine Option.

„Venti“, welches, übersetzt aus dem Italienischen, für die Zahl „Zwanzig“ steht (denn genau zwei Dekaden ist es her, dass Chaoze Ones Rapkarriere begonnen hat), erscheint am 16.07.2021 über Grand Hotel van Cleef auf Doppel-LP, CD sowie Digital und kann ab sofort vorbestellt werden. Auf dem Album finden sich 17 Stücke in knapp 70 Minuten, während derer unter anderem Torsun Burkhardt von Egotronic, Mal Éléve, Shana Supreme sowie Autor Jan Off und zahlreiche weitere Gäste zu hören sein werden.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ex:Re – „Where The Time Went“ (with 12 Ensemble)


Foto: Promo / Maria Kochiashvili

Über zwei Jahre ist es her, dass Elena Tonra mit ihrem ersten Solo-Album unter dem Namen Ex:Re im ungefilterten Monolog das Ende einer Beziehung rekapitulierte und allen geneigten Hörern (und Hörerinnen) zehn wunderschöne, sanft-melancholische Tränenzieher irgendwo im nachtschweren Electro-Pop-Spannungsfeld servierte. Seitdem jedoch herrschte Funkstille – auch bei ihrer eigentlichen Hauptband Daughter. Umso überraschender kam nun die Ankündigung, dass bereits am morgigen Freitag ein (digitales) Album mit Live-Aufnahmen der Kollaboration zwischen der Daughter-Frontfrau, der klassischen Komponistin Josephine Stephenson und dem 12 Ensemble, einem renommierten String Ensemble, erscheinen wird.

Und obwohl die 31-jährige britische Musikerin mit Ex:Re noch immer ihr „Solo-Ding“ verwirklicht, ist „Ex:Re with 12 Ensemble“ ein durch und durch gemeinschaftliches Produkt: So zeichnete sich Fabian Prynn, der Produzent und Schlagzeuger des Ex:Re-Debütalbums, für die Aufnahmen verantwortlich, welche am 30. November 2019 im Londoner Kings Place entstanden. Josephine Stephenson begleitete Tonra auf dem Piano, integrierte das 12-köpfige Streich-Ensemble gekonnt in die emotionalen Songs und erschuf so eine Brücke zwischen klassischer und kontemporärer Musik. Das Ergebnis besticht durch seine subtile Dynamik, die Elenas Worte exponiert und an Bedeutung gewinnen lässt, konträre Melodien oder detailverliebte Änderungen an Harmonien, welche die Songs wachsen lassen. Die vorliegende Live-Umsetzung des Studioalbums ist dabei ein nur allzu logischer Schritt, denn nachdem Stephenson Elena „Ex:Re“ Tonra über ein Jahr auf Tour begleitete und ihre Songs in- und auswendig kannte, existierten die Blaupausen der Arrangements bereits in ihrem Kopf und mussten quasi nur noch an das 12 Ensemble übergeben werden. Wunderschön, einmal mehr.

Einen ersten Eindruck von „Ex:Re with 12 Ensemble“ kann man sich anhand des Videos zum Album-Opener „Where The Time Went“ verschaffen:

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kali Masi – „Trophy Deer“


Foto: Promo / Michelle Johnson

Schon 2017 überzeugten Kali Masi mit ihrem Debütalbum „Wind Instrument„. Die Band aus Chicago ließ darauf Emo, Nineties-Punkrock und modernen Hardcore so zielsicher verschmelzen wie lange keine junge Band mehr. Damit fand das Quartett auch beim etwas größeren Genre-Bruder Red City Radio Anklang, den sie denn auch folgerichtig 2019 auf seiner Europa-Tour als Support begleiteten.

Auf ihrem im März erscheinenden Nachfolgewerk „[laughs]“ schlagen die Newcomer eine etwas härtere Gangart als noch bei „Wind Instrument“ ein – das bewies bereits die erste mitreißende Single „The Stray„. Erneut tat sich die Band dafür mit Defeater-Mitbegründer und Produzent Jay Maas zusammen, der sich für das zehn Songs starke neue Album, welches sich thematisch einmal mehr um Emotionales rund um psychischen Missbrauch, angespannte Beziehungen und Selbsterkenntnis dreht, hinter die Regler setzte.

Um die Wartezeit eine wenig zu verkürzen, haben Kali Masi nun mit „Trophy Deer“ eine zweite Single aus „[laughs]“ inklusive einem animierten Musikvideo veröffentlicht, das die nostalgische Grundstimmung des Songs treffend untermalt. Das dreiminütige Stück handelt von dem unumgänglichen Prozess des Älterwerdens und der sich damit stets im Wandel befindlichen Identität. So steht sie beispielhaft für den Ton, den das nachdenkliche Album anschlagen wird. Außerdem haben Kali Masi damit eine weitere kleine eingängige Indie-Hymne geschaffen, die wir hoffentlich so bald wie möglich auch live belauschen können….

„Befreiung. Darum geht es in Kali Masis zweitem Studioalbum ‚[laughs]‘. Die Indie Punks aus Chicago streben auf ihrer neuen Platte nach dem Ausbruch aus persönlichen Fesseln – um neue Wege zu gehen und die Richtung zu finden, auf deren Suche wir uns alle stetig befinden. In musikalisch und lyrisch anspruchsvollen Songs thematisiert das Album die Erkenntnis, dass der Mut und die Energie wir selbst zu sein, aus unserem inneren Antrieb stammen und nicht aus den Erwartungen derer, die uns umgeben.

Sänger und Gitarrist Sam Porter gibt Einblick in das Gefühl fehl am Platz zu sein – in die Entfremdung von Heimat, und auch von uns selbst, die Hand in Hand geht mit der Entwicklung zum angestrebten Ich. Eindrucksvoll spiegeln Gitarre und Schlagzeug die Sehnsucht nach Klarheit und Verstehen wider und lassen dabei erkennen, wie die erdrückende Leere eines Verlusts den bittersüßen Erinnerungen an die Jugend gegenübersteht.

Kali Masi waren noch nie dafür bekannt, etwas zurückzuhalten und dieses Versprechen halten die vier Jungs auch auf ihrer neuen LP. ‚[laughs]‘ ist durchgehend scharf, kritisch und ehrlich. Poetische Erinnerungen und die Schatten der Vergangenheit stehen dabei der nachdenklichen Akzeptanz der eigenen Person gegenüber. In den neuen Songs spricht die Band über angespannte Freundschaften und die Schwierigkeiten, die allzu oft und allzu lange unausgesprochen bleiben – bis hin zum irreparablen Bruch.

Auch auf dieser Platte – erneut aufgenommen mit Hardcore-Legende und Defeater-Mitgründer Jay Maas – meistern Kali Masi die Balance zwischen Eindringlichkeit, Spannung und faszinierender, instrumenteller Harmonie. Das Ende eines jeden Songs entlässt uns in eine gespannte Erwartung, denn angenehm überraschend wechselt die Stimmung zwischen Lebendigkeit und Nachdenklichkeit.

Die zehn Tracks sind eine Reise durch das Chaos der Gefühle. Sie lassen uns einsam fühlen inmitten bekannter Gesichter. Sie lassen uns die qualvoll schlaflosen Nächte durchleben, die so oft eine Veränderung begleiten. Kraftvoll und mit Hingabe streben Kali Masi danach herauszufinden, wer wir eigentlich sind. Und uns dafür zu feiern. Lass dich von ‚[laughs]‘ mitreißen und löse die Schlingen, die dich einst zurückgehalten haben. Was auf dich wartet? Befreiung.“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Julien Baker – „Hardline“


Foto: Promo / Alysse Gafkjen

Nach der bereits im vergangenen Oktober veröffentlichten ersten Vorabsingle „Faith Healer“ durfte man durchaus (noch) gespannt(er) sein, wohin es Julien Baker musikalisch auf dem Nachfolger zum 2017er Langspieler „Turn Out The Lights“ so zieht: Der Song entwickelte sich ausgehend von Bakers typisch zerbrechlich perlenden Gitarren zu einem üppigen Bandsound, in dessen Zentrum stets der einmalige Gesang der 25-jährigen Indie-Singer/Songwriterin stand.

Das gilt so ähnlich nun auch für „Hardline“: Sacht schwellen zu Beginn ein paar Orgeltöne und Synthesizer an, dann singt Baker feingliedrig wie eh und je. Nach fünfzig Sekunden wirkt es kurz, als würde der Song nun im Bandsound mit einer Pop-Bassdrum in den Mainstream übertreten. Doch der Titel bewahrt sich seine Indie-DNA, kehrt noch einmal zurück zu nichts als Gitarre und Gesang, schwillt wieder opulent an, beruhigt sich leicht und mündet schließlich in ein tosendes Finale, das manch einen eventuell flüchtig an ihren Beitrag im Touché Amoré-Song „Skyscraper“ erinnern könnte. Klar ist: So groß, so weitschweifig klang Julien Rose Baker noch nie.

Das fast noch tollere dazugehörige Stop-Motion-Video zeigt eine mysteriöse gehörnte Figur und ihren Hund in einer beinahe postapokalyptischen Pappmaché-Welt, die an einer einsamen Tankstelle Benzin stehlen, einen seltsamen Apparat testen, auf einem Kirchendach sitzen – und schließlich im stürmischen Schlussakt den Sound des Songs treffend in Bilder übersetzen. Der Look des Clips geht dabei laut Regisseur Joe Baughman, der mehrere hundert Stunden Arbeit in den liebevoll arrangierten, herzerwärmenden Clip steckte, auf eine Skulptur zurück, die Baker selbst gestaltet hatte. „Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, Gegenstände von meinen Reisen aufzuheben, mit dem vagen Hintergedanken, daraus ein Kunstwerk zu machen“, meint Baker selbst. „Ich habe das alles dann in einer Collage in Form eines Hauses und eines Vans verarbeitet. Das wollte ich irgendwie auf der neuen Platte einbinden und als wir über Ideen für ein Video gebrütet haben, sind wir auf Joe Baughman gekommen.“

„Hardline“ wird auf „Little Oblivions“ zu hören sein, Julien Bakers mit Spannung erwarteten drittem Studioalbum, welches am 26. Februar erscheint. Die vorherige Single „Faith Healer“ hatte die junge Musikerin kürzlich in einer mitreißenden Version auch in der US-Late-Show von Stephen Colbert vorgestellt; zuvor hatte sie bereits die einzelnen Spuren des Tracks für Remixe freigegeben. Noch toller war da eigentlich nur ihr Besuch bei „KEXP at Home“, bei dem sie im Gespräch mit Moderatorin Cheryl Waters nicht nur aus ihrem Leben und vom neuen Album erzählte, sondern auch – mal solo, mal mit Band – Live-Session-Versionen von „Faith Healer“, „Hardline“, dem neuen Stück „Song In E“ sowie einer zu Tränen rührenden Coverversion des Soundgarden-Klassikers „Fell On Black Days“ zum Besten gab…

„A few years ago I started collecting travel ephemera again with a loose idea of making a piece of art with it. I had been touring pretty consistently since 2015 and had been traveling somuch that items like plane tickets and hotel keycards didn’t have much novelty anymore. So I saved all my travel stuff and made a little collage of a house and a van out of it. I wanted to incorporate it into the record and when we were brainstorming ideas for videos we came across Joe Baughman and really liked his work so we reached out with the idea of making a stop-motion video that had similar aesthetic qualities as the house I built did. I don’t know why I have the impulse to write songs or make tiny sculptures out of plane tickets. But here it is anyway: a bunch of things I’ve collected and carried with me that I’ve re-organized into a new shape.“ (Julien Baker)

„Man, even after having spent 600 hours immersed in ‘Hardline’ and having listened to it thousands of times, I am still moved by it. It was a fun and ambitious challenge creating something that could accompany such a compelling song. The style of the set design, inspired by a sculpture that Julien created, was especially fun to work in. I loved sifting through magazines, maps, and newspapers from the 60s and 70s and finding the right colors, shapes, and quotes to cover almost every surface in the video.“ (Joe Baughman)

„Blacked out on a weekday
Still, something that I’m trying to avoid
Start asking for forgiveness in advance
For all the future things I will destroy
That way I can ruin everything
When I do, you don’t get to act surprised
When it finally gets to be too much
I always told you you could leave at any time
Until then I’ll split the difference
Between medicine and poison
Take what I can get away with
While it burns right through my stomach
I’m telling my own fortune
Something I cannot escape
I can see where this is going
But I can’t find the brake

Knocked out on a weekend
Would you hit me this hard if I wеre a boy?
See, I don’t need you to defend mе
‚Cause it’s just the sort of thing that I enjoy
Took the fallout, draw a hard line
When I cross it, it’s the third time
Say my own name in the mirror
And when nobody appears
Say it’s not so cut and dry
Oh, it isn’t black and white
What if it’s all black, baby?
All the time

Oh, all the time…“

Rock and Roll.

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