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Was außerhalb der Plattencover passiert… – Humorige Antworten aus Russland


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Er heisst Igor, kommt aus Russland und schreibt über sich selbst: „Wenn ich nicht gerade eine AK-47 zerlege oder den Hausbären trainiere, höre ich gerne Musik.“ Und auch sonst scheint Igor Lipchanskiy einen ausgeprägten Sinn fürs Humorige zu besitzen. Dieser war es dann wohl auch, der dem kreativen Instagrammer irgendwann die dringende Frage ins Haupthirn brannte, was denn außerhalb der Plattencover, von denen er das ein oder andere wohl auch im heimischen Plattenschrank stehen hatte, passiert. Oder, besser: passieren könnte.

Also machte sich Igor, der nebenbei auch Teil der Kreativ-Crew von boredpanda.com ist, daran, diese Frage für sich zu beantworten – und sich selbst augenzwinkernd ins Geschehen abseits von mal mehr, mal weniger bekannten und ikonographischen Plattencovern zu integrieren. Was soll man schreiben? Die Ergebnisse sind meist sehr amüsant…

 

John Lennon & Yoko Ono – Double Fantasy (1980)

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Adele – 21 (2011)

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Franz Ferdinand – Tonight: Franz Ferdinand (2009)

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Tom Petty and the Heartbreakers – Damn The Torpedoes (1979)

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Lana Del Rey – Born To Die (2012)

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Mehr von Igor Lipchanskiys erweiterten und neu bearbeiteten Plattencovern findet man hier oder hier

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2015 – Teil 3


Ein zwar nicht durch und durch hochkarätiges, jedoch ebenso wenig an tollen Veröffentlichungen armes Musikjahr 2015 neigt sich unausweichlich seinem Ende zu. Zeit also, ANEWFRIENDs “Alben des Jahres” zu küren und damit, nach der Rückschau aufs Film- und Serienjahr, auch die Königsdisziplin ad acta zu legen! Dem regelmäßigen Leser dieses Blogs werden sich wohl wenige Überraschungen offenbaren, schließlich wurde ein guter Teil der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres – insofern es die Zeit zuließ – bereits besprochen. Bleibt nur zu hoffen, dass auch 2016 ein ähnlich gutes Niveau an neuen Platten und Neuentdeckungen bieten wird… Ich freue mich schon jetzt drauf.

 

 

adam angst1.  Adam Angst – Adam Angst

Wenn ich ehrlich bin, dann war die Pole Position meiner Lieblingsalben dieses Jahres bereits im Februar vergeben. Und dass an ein Album, dessen Protagonist ein „arroganter Drecksack“ (Pressetext) ist, der dem Hörer elf Kapitel lang seine eigenen Verfehlungen, seine Makel und Achillesfersen vor Augen und Ohren führt. Muss man sich ein derart gerüttelt Maß an Antipathie wirklich anhören? Man muss! Vor allem wenn sie von Felix Schönfuss und seiner neuen Band Adam Angst stammt. Denn den großmäuligen Versprechungen, die da bereits im Vorfeld um das neuste musikalische Baby des Ex-Frau-Potz- und Escapado-Frontmanns gemacht wurden, liefern Schönfuss und Co. Songs nach, die einen schlichtweg umhauen – sei es durch zackigen, verquer melodieverliebten Rock, der weder den Punk von Frau Potz noch den Hardcore von Escapado noch in sich trägt, oder – vor allem – durch die durch und durch brillanten Texte. Denn in denen bekommen wirklich alle ihr Fett weg – die Schweinepriester und Heiden („Jesus Christus“), die mehr oder minder latenten Rassisten („Professoren“), das tumbe Wochenend-Partyvolk („Wochenende. Saufen. Geil.“), die digital süchtigen Klickzahlenjunkies („Wunderbar“), die sinnentleerten Workaholics („Flieh von hier“), die dysfunktional-zerstrittenen Pärchen („Ja, ja, ich weiß“)… Da muss man schon sehr weit ab von allem sein, um sich an der ein oder anderen Stelle nicht selbst ertappt zu fühlen. „Adam Angst“ mag vielleicht kein Album für die nächsten zehn Jahre sein, mehr Aktualität, Zeitgeist und tolle Songs hatte 2015 jedoch kein anderes an Bord. Obendrein liefern Schönfuss und Band mit „Splitter von Granaten“ noch den definitiv wichtigsten Song des Jahres…

 

 

Benjamin Clementine2.  Benjamin Clementine – At Least For Now

Benjamin Clementines Geschichte liest sich fast wie eine moderne, musikalische Cinderella-Story: Mittelloser Junge aus *hust* „schwierigen Umständen“, der sich bereits seit Kindestagen – und das nicht nur seiner Hautfarbe wegen – als beflissener, belesener Außenseiter fühlt, flieht erst – von verheißungsvollen Versprechungen und vom Fernweh getrieben – aus dem Zig-Millionen-Einwohner-Molloch der englischen Hauptstadt und nach Paris, von dem er einst so viel las, sich so viel versprach. Dort führt er ein Vagabunden-, ein Herumtreiberdasein, schläft unter Brücken und dem freien Himmel, spielt seine Lieder in Metrostationen und wird dann und dort – endlich – von einem findigen Musikmanager erhört, der ihn alsgleich mit einem Plattenvertrag ausstattet. Und so klingen auch die pianolastigen Stücke auf dem vollkommen zu recht mit dem renommierten Mercury Prize ausgezeichneten Debütalbum „At Least For Now“: aus der Zeit gefallen, ebenso modern wie von gestern, schwelgerisch, energisch, klagend, zentnerschwer ausufernd und melancholisch in sich gekehrt. Dazu vorgetragen von einer Stimme, die zu den besondersten seit Antony Hegarty, vielleicht sogar seit Jeff Buckley und Nina Simone (welch‘ Dimensionen!) zählen darf. Man kann, man will dieses Werk gar nicht beschreiben – man sollte es hören! Meine Entdeckung des Jahres.

 

 

love a3.  Love A – Jagd und Hund

Wie schrieb ich doch in meiner Rezension zur Jahresmitte? „Eines steht fest: Frontmann Jörkk Mechenbier und seine drei Bandkumpane von Love A sind angepisst. Aus Gründen.“ Das hat sich freilich auch im Dezember noch nicht geändert, die zwölf runtergekühlten Post-Punk-Stücke des dritten Love-A-Albums haben allerdings nichts von ihrer überhitzt angewiderten Aura verloren. Wer „Adam Angst“ 2015 etwa abgewinnen konnte, der sollte auf „Jagd und Hund“ gern mal ein Ohr riskieren, schlagen die polternden Trierer Punker doch in eine ganz ähnliche Kerbe – vor allem textlich. Die Überdrehtheit der Vorgänger mag „Jagd und Hund“ nicht mit an Bord haben, doch die poppigen Ansätze und neue Introvertiertheit (beides natürlich sehr relativ zu sehen!) stehen Love A ganz ausgezeichnet.

 

 

pusicfer4.  Puscifer – Money Shot

Für Tool-Fans dürfte 2015 eigentlich als ein (weiteres) enttäuschendes Jahr in die Musikgeschichte eingehen, wurde man doch erneut wieder und wieder vertröstet in seinem Warten auf das erste neue Album seit dem 2006er Werk „10,000 Days“ (was umgerechnet gut 27 Jahren entspräche und somit der gefühlten Wartezeit näher und näher kommt). Auch für Freunde von A Perfect Circle sieht es da eigentlich kaum besser aus – trotz der Tatsache, dass vor etwa zwei Jahren mit „Stone And Echo“ ein üppiges Live-Dokument erschien. Eigentlich. Wäre da nicht das dritte, im Oktober erschiene Puscifer-Album „Money Shot“. Denn das Projekt, welches Tool- und A-Perfect-Circle-Stimme und -Fronter Maynard James Keenan vor einigen Jahren zur Auslegung verquerer (elektronischer) Ideen ins Leben gerufen hatte, hat sich über die Jahre zur veritablen Band gemausert. Und hat 2015 erstmals auch albumfüllend großartige Songs auf Lager, die fast ausnahmslos mit den bisherigen Stammbands des passionierten Winzers mithalten können (mit mehr Schlagseite zu A Perfect Circle, freilich). Den Stücken kommt vor allem zugute, dass ihnen die britische Musikerin Carina Round, die erfreulicherweise Jahr für Jahr immer tiefer mit Puscifer verwächst, eine zweite, weibliche Ebene liefert. Für Freunde von Tool und A Perfect Circle ist „Money Shot“ also Segen und Fluch zugleich – zum einen tröstet das Album fulminant über die länger werdende Wartezeit auf neue Songs hinweg, zum anderen wird es für Maynard James Keenan – mit derart feinen Songs im Puscifer-Gepäck – jedoch kaum attraktiver, zu den anderen Bands zurück zu kehren…

 

 

tobias jesso jr.5.  Tobias Jesso Jr. – Goon

Ähnlich wie bei Benjamin Clementine dürfte man beim Lebenslauf von Tobias Jesso Jr. an eine modern-männlich-musikalische Aschenputtel-Variante gedacht haben, die es dem 30-jährigen Eins-Neunzig-Schlacks dieses Jahr sogar ermöglichte, eines seiner (unveröffentlichten) Stücke auf dem Alles-Abräumer-Album „25“ von – jawoll! – Adele zu platzieren (nämlich die Single „When We Were Young„). Dass die Grande Madame des Konsenspop beim Hören von Jesso Jr.s Debüt „Goon“ sein Talent für feine, kleine Popsongs aufgefallen sein dürfte, ist allerdings nur allzu verständlich, denn immerhin ist das Album voll davon. Oder wie ich bereits im März schrieb: „Wer es schafft, bereits das eigene Debüt nach John Lennon, Paul McCartney, Harry Nilsson, Randy Newman, Billy Joel, Elton John, Todd Rundgren, Nick Drake oder Ron Sexsmith klingen zu lassen (und das, obwohl Jesso Jr. laut eigener Aussage einen Großteil dieser Künstler erst während der Arbeit an seinem Album kennen lernte), während man sich darüber hinaus noch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt, dem gebührt jeder einzelne Applaus“. Genauso sieht’s aus.

 

 

sufjan stevens6.  Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

Dass Sufjan Stevens großartige, zu Herzen gehende Singer/Songwriter-Kunst abliefern kann, hat der 40-Jährige in den vergangenen 15 Jahren bereits hinlänglich bewiesen. Nur wollen wollte Stevens in den zehn Jahren, die seit „ILLINOIS“ ins Land gegangenen sind, immer weniger, veröffentlichte stattdessen Verqueres wie „The Age Of Adz“ oder gar Soundtracks über Schnellstraßen-Dokus. Von daher ist die größte Überraschung, dass Sufjan Stevens tatsächlich noch einmal mit einem Werk wie „Carrie & Lowell“ ums Eck kommt. Und dass es ein derartiges Meisterwerk des bittersüßen Songwritings werden würde. Denn das wiederum hat ganz persönliche Gründe: Stevens setzt sich auf „Carrie & Lowell“ mit dem Tod seiner Mutter und seines Stiefvaters auseinander und schreibt herzzerreißende Songs über das Leben, das Sterben und alles, was danach kommen mag. Klingt nach Tränendrückern? Die gibt es zwar („Fourth Of July“), aber das Album als Ganzes stellt dabei keinen musikalischen Trauermarsch dar, vielmehr feiert Sufjan Stevens das Leben als Kreislauf – in ruhigen Tönen, wie es nur er es kann. Toll.

 

 

Ryan Adams7.  Ryan Adams – 1989

Ryan Adams covert Taylor Swift – im Studio, ein ganzes Album, und dann auch noch den Millionenseller „1989„. Was sich lesen mag wie ein – wahlweise – verfrühter oder verspäteter musikalischer Aprilscherz, war keiner. Denn der 41-Jährige mit dem ohnehin breit aufgestellten Musikgeschmack, der bereits in der Vergangenheit hinlänglich bewiesen hat, dass es im Zweifelsfall jedes Genre von Doom Metal bis HipHop (mehr oder weniger ernsthaft) für sich besetzen kann, beweist mit seinen Interpretationen von Radiohits von „Shake It Off“ bis „Bad Blood“ seine Fertigkeiten. Freilich klingen die dreizehn Stücke nun gänzlich nach Ryan Adams, doch auch er kann sich den feinen Melodien der Ausgangskompositionen nicht gänzlich entziehen. Warum auch? Im Plattenladen oder auf Spotify mögen die Fanlager von Swift und Adams ganze Universen trennen. Hier kommt zusammen, was noch vor Monaten unmöglich schien. Da war auf Twitter selbst die Ursprungsinterpretin der Schnappatmung nahe…

 

 

Florence and the Machine8.  Florence and the Machine – How Big, How Blue, How Beautiful

Gerade im Vergleich zum großartigen, fünf Jahre jungen Debüt „Lungs“ war „Ceremonials„, 2011 erschienen, eine kleine Enttäuschung, setzten sich darauf doch deutlich weniger Songs zwischen den Ohrmuscheln fest. „How Big, How Blue, How Beautiful“ nun ist wieder ein durchweg tolles Album, getrieben durch imposante Orchesterinszenierungen und erzählt von der variablen Stimme von Florence Welch. Ein spannendes Werk mit elf Geschichten, die durch ihre Musikvideos noch mitreißender werden und erneut so universelle Themen zwischen Liebe, Wut, Tod und Angst behandeln. Ein Album, das am besten als Ganzes funktioniert und ausgestattet mit einem dramatischen Sog, Songs mit Gefühlen zwischen bunter Leichtigkeit („Queen Of Peace“) und erdrückendem Drama – alle mit einer immensen Wucht, und sogar mit Saxofon! Kaum verwunderlich, aber umso erfreulicher, dass der Britin und ihrer Band damit ihre erste US-Nummer-eins gelungen ist. Florence and the Machine sind 2015 ganz oben, da wo sie hingehören.

 

 

frank turner9.  Frank Turner – Positive Songs For Negative People

Frank Turner ist einer von den Guten. Plattitüde? Logisch. Aber besser kann und will man’s gar nicht ausdrücken. Und wenn der britische Punkrocker by heart dann noch mit so guten Songs wie denen seines sechsten Solowerks „Positive Songs For Negative People“ aus dem Studio kommt, dann kann der kommende schweißnasse Festivalsommer kein ganz Schlechter werden. Und wer beim abschließenden „Song For Josh“ nicht mindestens einen Sturzbach Tränen verdrücken muss, der ist aus Stein. Oder hört Techno. Beides wäre schade um ein Paar Ohren…

 

 

noah gundersen10. Noah Gundersen – Carry The Ghost

Top 3 im Vorjahr, Top 10 in diesem – kein ganz schlechtes Ergebnis für einen 26-Jährigen, für den sich außerhalb der heimatlichen USA kaum ein Schwein (geschweige denn Hörer) zu interessieren scheint. Was schade ist, denn Noah Gundersens Songs sind nicht erst seit dem fulminanten 2014er Debüt „Ledges“ eine Wucht, die mich gar zu Vergleichen mit Damien Rice, Ryan Adams oder dem Dylan-Bob hinrissen. Und dem steht „Carry The Ghost“ (fast) in nichts nach. Freilich merkt man dem zweiten Werk des Musikers aus Seattle (!) an, dass das Leichte des Erstlings einer schweren Reife Platz machen musste, doch ist es gerade dieses Geschlossene, in welches man sich mit jedem Hördurchgang immer tiefer hinein gräbt, das „Carry The Ghost“ erneut so ergreifend macht. Freunde von Ryan Adams‘ „Love Is Hell“ sollten reinhören, wer tolle Songs für ruhige Momente sucht, natürlich auch.

 

 

…und auf den weiteren Plätzen:

Foxing – Dealer

Desaparecidos – Payola

Roger Waters – The Wall (LIVE)

Kante – In der Zuckerfabrik: Theatermusik

William Fitzsimmons – Pittsburgh

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Queens Of The Stone Age vs Adele – „No One Knows When The Sky Falls“ (Mash-up)


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Etwaigen Charterfolgen zum Trotz sind die Kritiken zu Sam Smiths Bond-Song „Writing’s On The Wall“, sagen wir, eher durchwachsen. Und wenn ihr mich fragt, dann dürften die Macher hinter der nun schon seit mehr als fünfzig Jahren über die globalen Leinwände flimmernden Agenten-Reihe gern mal etwas mehr Mut beweisen. Mein Vorschlag: Daniel Craig nach dem kommenden „Spectre“ als Bond in den Ruhestand schicken, Idris „Luther“ Elba als ersten schwarzen „Geheimagenten ihrer Majestät“ geschüttelte Martinis bestellen, schöne Frauen verführen und hinterlistige Verbrecher jagen lassen. Und wenn man schon einmal dabei ist, dann dürfte ein Künstler des Schlages Benjamin Clementine gern den offiziellen Bond-Song übernehmen.

Bis die Verantwortlichen genug Arsch im Höschen für Schritte wie diesen haben, muss eben das Internet in Punkto „besserer Filmsong“ aushelfen: Der YouTube-User DJ Poulpi liefert (s)eine Alternative für die musikalischen Untermalung des Agententhrillers: Ein Mash-Up aus Adeles Oscar-prämierten „Skyfall“ und Queen Of The Stone Ages inzwischen auch schon 13 Jahre jungem Klassiker „No One Knows„.

Dabei gelang DJ Poulpi ein brilliantes Arrangement dieser zwei eigentlich grundverschiedenen Stücke. Die pompöse, theatralische Orchestrierung von „Skyfall“ wurde mit der Gesangslinie von QOTSA-Fronter Josh Homme aus „No One Knows“ unterlegt. Das Ergebnis ist überraschend gut gelungen und lässt Zweifel anklingen, ob dies nicht eventuell die Originalversion des QOTSA-Klassikers ist, die wir da hören. Und besser als der Smiths furchtbar weinerlicher Bond-Beitrag ist das Mash-up allemal.

 

DJ Poulpis gelungenes Mash-up-Ergebnis kann man sich wahlweise via YouTube…

 

…oder Soundcloud zu Gemüte führen (und hier auch gleich aufs heimische Abspielgerät laden):

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Tobias Jesso Jr. – Goon (2015)

goon-erschienen bei True Panther/Matador/Beggars/Indigo-

Manch eine Musikerbiografie wirkt beinahe derart holzschnittartig, dass man mit Fug und Recht glauben könnte, irgendein findiger Promoagent habe sie am Multimediaschreibtisch zurechtgeschnitten, um seinem jüngsten Schützling einen adäquaten Vom-Regen-in-die-Traufe-zum-Glück-Lebenslauf mit an die Künstlerhand zu geben. Der von Tobias Jesso Jr. etwa.

Denn obwohl man den 29-jährigen Eins-Neunzig-Schlacks mit Wuschelhaar und Hundeblick im Grunde als „Newcomer“ führen könnte, hat Jesso Jr. doch schon Einiges an Erfahrung im Löwenkäfig Musikgeschäft gesammelt – und das ausgerechnet und standesgemäß im Moloch Los Angeles. Dorthin hatte es den gebürtigen Kanadier wohl einst der Liebe und der Träume wegen verschlagen. Und zunächst schien das alles auch aufzugehen. Seine erste (Gitarren-)Band, The Sessions, in der er selbst die Basssaiten zupfte, versuchte sich mit fett auftrumpfender Produktion von Bob Rock (Metallica, Bon Jovi etc. pp.) am Durchbruch. Doch der blieb aus. In der nächsten Band, die es noch nicht einmal schaffte, sich einen Namen zuzulegen, sprang kurzfristig der Sänger ab, Jesso Jr. übernahm – und gleich nach dem ersten Auftritt war auch schon wieder Schicht im Schacht (was wohl eher an der Schnelllebigkeit LAs als an Jesso Jr.s Gesangstalent lag). Wenig später, 2012, sollte es sogar noch ärger kommen: Tobias Jesso Jr. wurde von seiner Freundin verlassen, versuchte sich relativ erfolgsfrei als professioneller Songwriter in der Stadt der Engel, fiel bei  einem Unfall gar derartig ungünstig vom Fahrrad, dass er für lange Zeit nicht einmal mehr Gitarre spielen konnte (plus: der Drahtesel wurde ihm am Unfallort geklaut). Als dann auch noch seine Mutter an Krebs erkrankte, war das Maß erreicht. Jesso Jr. zog zurück ins heimatliche North Vancouver und (vorerst) einen Schlussstrich unter das Kapitel LA. Doch das Schicksal spielt seine Karten eben meist dann, wenn man es selbst am wenigsten erwartet…

Foto: Robert Gauthier / Los Angeles Times

Foto: Robert Gauthier / Los Angeles Times

Daheim im Hotel Mama erwachte der ambitionierte Rockstar a.D. eines frühen Morgens aus einem Albtraum, tigerte aus seinem Jugendzimmer zum Klavier seiner Schwester und schrieb das Lied „Just A Dream“: „Last night I had a bad dream / That the world would end and would be forever ending / I know it’s not that nice but hey / It’s just a dream, it’s just a dream“. Knapp viereinhalb Minuten, in dessen Demo-Fassung das Tasteninstrument schonmal schief und verstimmt klingt, während Jesso Jr. die Worte derart liebreizend und aufrichtig windschief-verhuscht vorträgt, dass man beinahe glaubt, den Hundeblick durchhören zu können. Für ihn selbst war das der „Durchbruch“: „Ich hatte das Gefühl, dass das Klavier den Song genug ausfüllte, sodass meine kleine Stimme nicht weiter ins Gewicht fiel und sich in den Klang gut einfügte. Wenn man zur Gitarre singt, braucht man eine bessere Stimme, damit der Gesang wirkt“, wie er selbst im Interview mit dem „Rolling Stone“ erklärt. Schon kurz darauf hatte er eine Handvoll Demoaufnahmen zusammen, die er – flankiert von „Just A Dream“ – an Chet „JR“ White, den Bassisten seiner kurz davor aufgelösten Lieblingsband Girls, schickte. Und siehe da: Der war vom vielversprechenden Talent Jesso Jr.s scheinbar derart begeistert, dass er den Jungen nicht nur einfliegen ließ und federführend die Produktion weiterer Songs in die Hand nahm, sondern auch seine Kontakte spielen ließ und weitere Musikproduktionsasse wie den Black-Keys-Schlagzeuger Patrick Carney, John Collins (The New Pornographers) und den Grammy-prämierten Hipster-Regelschieber Ariel Rechtshaid (HAIM, Vampire Weekend, Madonna, Beyoncé…) mit ins Boot holte. Und was sich auf der Wortkante wie der erneute Schritt in die falsche Richtung liest, verleiht Tobias Jesso Jr.s Debütalbum wohl erst die richtige Note…

tjj-13Schon der Albumtitel „Goon„. Wer dem Englischen mächtig ist (übersetzt heißt es „Trottel“) und anhand der Biografie des 29-Jährigen Eins und Eins zusammenzuzählen versteht, dem wird schnell klar, dass mehr als eines der zwölf Stücke durchaus autobiografisch auf die Zeit in Los Angeles zurückblickt. Und schon der erste Song, „Can’t Stop Thinking About You“, wirkt, als hätte ihn Jesso Jr. nur mal eben zufällig an einem Hotellobby-Piano dahingeklimpert: „Marianne, I lost you in a dream / Then, the dream came true / Marianne, tell me every little thing / That you’re going through / There’s got to be something I could do / I can’t stop thinking about you“. Sehnsuchtszeilen, klar. Und freilich ist Tobias Jesso Jr. auch nicht der begnadeste Sänger vorm Musikherrn. Doch die Art, wie all diese Songs aus der Zeit des 21. Jahrhunderts, in dem alles immer schneller, lauter, besser und greller sein muss, gefallen zu sein scheinen, ist – fünf Euro in die Wortspielkasse – „ganz großes Kino“. Im Mittelpunkt stehen – „The Wait“ oder der Albumabschluss „Tell The Truth“ mal außen vor – ganz die schwarz-weißen Tasten und Jesso Jr.s kleine große Stimme. Das größte Kompliment an den Solo-Debütanten und sein Produktionsteam dürfte sein, dass mal wohl unweigerlich an John Lennon (das großartige „Without You“, bei dem HAIM-Schwester Danielle hinterm Schlagzeug sitzt), Harry Nilsson („Can’t Stop Thinking About You“, „Crocodile Tears“), Randy Newman („Hollywood, „Just A Dream“), Billy Joel oder Elton John denken muss – alles Größen der gepflegten pianolastigen Musikunterhaltung, deren Qualität man in der Schnelllebigkeit der Jetzt-Zeit oftmals vergeblich sucht und die man daher umso mehr vermisst. Wie gerufen kommen da Jesso Jr.s Stücke, deren warmes Ambiente einen dezenten Sixties-/Seventies-Vibe verbreiten und schon nach ein, zwei Durchgängen süffisant nach Instant Klassikern riechen. Dass dem mit Beatles-Melodien aufgewachsen Pop-Fan (nach eigener Aussage sei er ein „Paul-Typ“), der sich auch schonmal den ein oder anderen kleinen Melodiebogen „ausleiht“, dafür das Gespür für die nötige Eingängigkeit abhanden kommt, ist beachtlich. Klar ist Jesso Jr.s sehnsuchtsvoll schmachtendes Textwerk kein Shakespeare oder Satre, aber dennoch ist gerade „Hollywood“, die bittere Abrechnung mit den Schattenseiten der vermeintlichen Traumfabrik, famos anzuhören: „So I found the best advice: ‚Go and get a job‘ / But I don’t know if I can take it ‚cause I never understood / How everybody lies in Hollywood / Somewhere, I lost my mind; it’s never coming back / And I don’t know if I can make it and I don’t know if I should / I think I’ll say goodbye to Hollywood“. Ein paar Streicher, ein klein wenig Bandbegleitung – weniger ist auf „Goon“ genau das richtige Mehr.

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Man mag ja an Tobias Jesso Jr.s Geschichte so Vieles doof finden – die Schablonenhaftigkeit, mit der ein junger, ambitionierter Künstler erst vielfach aufs eigene Mundwerk fallen muss, um schließlich den längst ad acta gelegten Erfolg einzuheimsen. Den verträumt-melancholischen Hundeblick, der in beinahe in jeder Minute der Dreiviertelstunde dermaßen durchschimmert, dass man den Jungen zuerst in den Arm nehmen und dann ein eiskaltes Erfrischungsgetränk ausgeben möchte. Die an Perfektion grenzende Patina der zeitlosen Seventies-Liedkunst, die Jesso Jr. und seine Helfer ins Hier und Jetzt transportieren. Aber wer es schafft, bereits das eigene Debüt nach John Lennon, Paul McCartney, Harry Nilsson, Randy Newman, Billy Joel, Elton John, Todd Rundgren, Nick Drake oder Ron Sexsmith klingen zu lassen (und das, obwohl Jesso Jr. laut eigener Aussage einen Großteil dieser Künstler erst während der Arbeit an seinem Album kennen lernte), während man sich darüber hinaus noch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt, dem gebührt jeder einzelne Applaus, jeder Erfolgscent. Denn „Goon“ ist vor allem eines: liebeswert aus der Zeit gefallen und windschief schön, aufrichtig romantisch und zu Herzen gehend melancholisch. Bei einem so gelungen Einstand hat man im rein künstlerischen Sinne schon (fast) ausgesorgt. Und siehe da: mittlerweile hat selbst Adele, ihres Zeichens Tobias Jesso Jr.s Lieblingskünstlerin, bereits einen Tweet zu „How Could You Babe“ abgeschickt (und das war ausgerechnet ihr bisher einziger in diesem Jahr), während die Klatschpresse dem Künstler selbst schon eine Romanze mit Taylor Swift – aktuelles weltweites Pop-Sternchen Nummero Uno – nachsagt und er seine Songs in TV-Shows wie „Late Night with Conan O’Brien“ einem Millionenpublikum vortragen darf. Scheint ganz so, als hätte das Schicksal doch noch ein Happy End für Tobias Jesso Jr. parat. Und Mutti geht’s mittlerweile auch wieder besser…

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Hier gibt’s das von Adele höchstselbst approvede Musikvideo zu „How Could You Babe“…

 

…und Tobias Jesso Jr.s Auftritt bei „Late Night with Conan O’Brien“, bei dem er „Without You“ zum Besten gab…

 

…während man auf Soundcloud freilich noch weitere Hörbeispiele findet:

 

Rock and Roll.

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Haialarm? Nevermind! – Albumcover und ihr Drumherum


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Klar, die Albumcover von Nirvanas „Nevermind“, Bruce Srpingsteens „Born In The U.S.A.“, Blurs „Parklife“, Michael Jacksons „Off The Wall“ oder vom Beatles-Klassiker „Abbey Road“ kennt wahrlich beinahe jeder, schließlich sind sie längst in den popkulturellen Kanon aufgenommen. Dabei ist doch die Frage, was eigentlich am Rande des Covers abgegangen beziehungsweise passiert sein mag, kaum uninteressanter…

Wem sich schon immer Fragen wie diese gestellt haben mögen, dem werden nun – nicht ohne eine Prise Humor, freilich – einige (potentielle) Antworten gegeben. Außerdem mit dabei: Adele „19“-Coverbewerbung für „The Walking Dead“ und Justin Biebers neuerlicher Konflikt mit dem Gesetz…

Mehr gibt’s bei aptitude.co.uk.

 

Rock and Roll.

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