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„Guilty Party: Basilica Hudson“ – The National teilen einen Konzertfilm


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Foto: Lior Phillips

Um die ungewisse (und in manchem Moment doch recht öde) Zeit in der Coronakrise etwas angenehmer zu gestalten, teilen nun auch The National jede Woche auf YouTube eine neue Überraschung mit der (Musik)Welt. Mal ein besonderes Musikvideo, mal einen Live-Clip oder einen Film von einem ihrer Festivalauftritte – oder eben, wie jetzt, einen Mitschnitt von einem ganz besonderen Konzert: „Guilty Party: Basilica Hudson“ entstand zum Release ihres siebenten, 2017 erschienenen Albums „Sleep Well Beast“. Die Aufnahme von Juli desselben Jahres präsentiert die fünfköpfige Indie-Rock-Band im New Yorker Venue Basilica Hudson. Das Außergewöhnliche: Matt Berninger und seine Bandmates spielten dabei auf einer Bühne, welche eine Art Rondell darstellt, und die gesamte Band performte so bei der Show stets zueinander geneigt (mehr Bilder findet man etwa hier).

Der knapp anderthalb Stunden lange Auftritt wirkt in seiner Größe und Lichtstimmung dabei stets intim. Ganz ähnlich wie beim aktuellen, 2019 veröffentlichten Studiowerk „I Am Easy To Find“ oder den jüngsten Live-Shows werden The National außerdem auch immer wieder von befreundeten Künstlern wie Mouse On Mars, Nadia Sirota, So Percussion, Arone Dyer oder Buke and Gase begleitet. Unterschiedliche Kameraperspektiven ermöglichen Blicke auf jeden Einzelnen im Live-Team, auf das Publikum sowie auf die komplette Bühnensituation. Feine Sache, mit der sich wohl gut das ein oder andere Musen-Stündchen füllen lässt…

 

 

— SETLIST —

1. Nobody Else Will Be There (mit Nadia Sirota)
2. Day I Die (mit So Percussion)
3. Walk It Back (mit Nadia Sirota & Mouse on Mars)
4. The System Only Dreams In Total Darkness (mit Arone Dyer & So Percussion)
5. Born To Beg (mit Arone Dyer & Mouse on Mars)
6. Turtleneck
7. Empire Line (mit So Percussion, Mouse On Mars & Nadia Sirota)
8. I’ll Still Destroy You (mit So Percussion, Mouse On Mars & Nadia Sirota)
9. Guilty Party (mit Nadia Sirota)
10. Carin At The Liquor Store
11. Dark Side Of The Gym (mit Arone Dyer, Nadia Sirota & Mouse On Mars)
12. Sleep Well Beast (mit So Percussion, Buke and Gase, Nadia Sirota, & Mouse On Mars)
13. Bloodbuzz Ohio
14. I Need My Girl
15. Pink Rabbits
16. Fake Empire

ZUGABE:

17. Mr. November
18. Terrible Love

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Bartees Strange


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Bartees Leon Cox, Jr. stand mitten im Publikum eines The National-Konzerts in Washington, D.C., als ihm plötzlich auffiel, wie sehr er auffiel. Der im englischen Ipswich geborene Rapper, Sänger und Multiinstrumentalist hatte als Sohn eines Militärangehörigen und einer Opernsängerin den größten Teil seines Lebens damit verbracht, eine musikalische Community zu finden, in die er hinein passte – von seiner Teenager-Zeit in der Emo-Szene Oklahomas über ein halbes Jahrzehnt in der hippen Folk-Punk-Szene Brooklyns bis hin zur „Flucht“ in die US-Hauptstadt, wo er – mal allein, mal mit befreundeten Künstlern – schreibt, aufnimmt und Musik produziert, wenn er nicht gerade seinem Broterwerbstagesjob bei einem gemeinnützigen Umweltverband nachgeht (Greta Thunberg lässt lieb grüßen). In all dieser Zeit war es Bartees‘ Lieblingsband The National, die ihm mit ihren Songs einen Soundtrack lieferte, zu dem er sich selbst suchen und oft genug finden konnte – und doch fühlte er sich bei ebenjenem Konzert im Jahr 2019 plötzlich so seltsam fehl am Platz…

a2944346038_16Fünfzehn Jahre zuvor hatte Matt Berninger, Frontmann von The National, genau dieses Gefühl beschrieben: “I’m a birthday candle in a circle of black girls”, sang er, wie so oft mit herrlich ironischen Fallböden, im Song „All The Wine„. Damals lebte Berninger selbst in einem mit Starbucks und Co. noch nicht übermäßig gentrifizierten Teil Brooklyns und fühlte sich wohl ähnlich fehlplatziert. Da passt es gut, dass sich Bartees Strange, so Bartees Leon Cox, Jr.’s Künstlername, unter anderem diesen Song vom dritten The National-Album „Alligator“ auf seiner Debüt-EP „Say Goodbye To Pretty Boy“ vornimmt. Auch insgesamt mag die Handvoll neu interpretierter The National-Songs von den Erlebnissen an jenem Abend inspiriert worden sein, jedoch waren die Rollen in diesem Fall vertauscht: „Es hat mich schockiert, wie wenig Schwarze sich im Publikum befanden“, schrieb Bartees kürzlich und reflektierte damit das Konzert, das er besuchte. „Und wie sehr sich dieses Genre [Indie Rock] gegen die Beiträge Schwarzer zu verwehren scheint.“

Auf der „Say Goodbye To Pretty Boy EP“ versucht Strange, diese Geschichte umzukehren und seine eigene Stimme in fünf The National-Songs einzubringen, um sie als aufstrebender Künstler, langjähriger Fan und schwarzer Mann neu zu interpretieren. So stellt jeder Ton in gewisser Weise eine Art Rückgewinnung dar, von den klanglichen Elementen, die Indie Rock und R&B vermengen, bis hin zum Cover, das die Farben der panafrikanischen Flagge und einen kreisförmigen schwarzen Aufkleber zeigt, welcher an den Rändern zerrissen ist: „Sie versuchen, diesen schwarzen Punkt von der Oberfläche abzureißen, aber er ist immer noch da“, so Strange. „Der Kampf gegen die Auslöschung war ein großer Teil meiner Reise als Künstler. Dieser schwarze Punkt steht für den Versuch, die Beiträge der Schwarzen zu Genres wie der Indie-Rockmusik herunterzuspielen.“

https---cdn.evbuc.com-images-92181769-223934004541-1-original.20200212-151258Dieser „Kampf“ scheint auch auf der EP über allem zu stehen. Bartees Stranges Mittel: sich die Songs aus der Feder von Matt Berninger sowie den beiden Brüderpaaren Aaron und Bryce Dessner sowie Scott und Bryan Devendorf ein stückweit zu seinen eigenen zu machen, ihnen neue Facetten zu verleihen. Die anschwellenden Streicher und das Fingerpicking von „About Today“ werden gegen eine Radiohead’eske Soundkulisse inklusive Synthesizer und einer pulsierenden Drum-Machine eingetauscht, wobei Stranges Stimme durch die karge Landschaft schwebt, die von zwei ehemals Liebenden hinterlassen wurde. Dem Refrain von „Lemonworld“ fügt Strange wahre Klangexplosionen hinzu, die dem ansonsten recht distanziert aufspielenden Song Dynamik und rohe Emotionen verleihen. Mag sich Berningers unnachahmlich knurrige Darbietung des Stückes immer so angefühlt haben, als stünde man jemandem direkt gegenüber, als würde knisternde Intimität in der Luft liegen, singt Strange nun, als läge man bereits in jemandes Armen. Sein tiefer, souliger Gesang, der oft genug an TV On The Radios Tunde Adebimpe erinnert (man höre etwa auch den Song „In A Cab“ aus dem vergangenen Jahr), klingt bei den neu interpretierten „About Today“ und „All The Wine“ wie ein Flüstern in den Ohren des Hörers. Derweil fühlt sich das auch aus dem The National’schen Songkatalog hervorstechende „Mr. November„, in dem er seinen eindringlichen Falsett-Backgroundgesang mit sich selbst in Einklang bringt, wie ein persönliches Bittgesuch an – ganz im Gegensatz zum hymnischen Ruf zu den Waffen des Originals (welches in der Vergangenheit nicht ganz ohne Grund von Obama und Co. im demokratischen US-Präsidentschaftswahlkampf verwendet wurde). Aus jedem Stück macht Bartees Strange (s)eine eigene kleine Hommage, jedoch ohne sich zu sehr, zu eng auf das jeweilige Original zu stützen – er nimmt alle Originalzutaten und verwendet (s)ein völlig anderes Rezept, um daraus einen zwar neuen, jedoch ebenso unverwechselbaren Geschmack zu kreieren.

Und genau das ist es wohl, was die „Say Goodbye To Pretty Boy EP“ am Ende zu etwas Besonderem, Gewichtigem macht. Stranges einzigartige Stimme und sein Gespür für neue Soundaspekte sind seine größten Stärken. Weit entfernt von einer simplen Ansammlung von Coverversionen, haben diese neu interpretierten Songs ein Selbstgefühl, welches der EP eine gewisse Tiefgründigkeit verleiht. “I gave my heart to the army / The only sentimental thing I could think of”, singt Strange in „Lemonworld“. Im Original mögen Berningers Zeilen wie aus eine voyeuristisch veranlagten Kurzgeschichte entnommen wirken. Aus der Kehle von Bartees Strange jedoch, der dank seines Soldaten-Vaters mehr oder minder auf der ganzen Welt aufwuchs, klingt nun etwas Persönliches, Ernsthaftes mit.

Auf seiner Debüt-EP tut Bartees Strange weitaus mehr als lediglich die Songs seiner Lieblingsband zu covern – er bringt seine eigene Identität mit ein und setzt seinen Anspruch, in der Welt der Indierock-Musik Gehör zu finden, durch. Die (in der Standard-Version) knapp zwanzigminütige EP ist ebenso ein Liebesbrief an den Soundtrack seiner Vergangenheit – von dem Moment an, als er eine Kopie von „Boxer“, dem 2007 erschienenen vierten Studioalbum von The National, in einem winzigen Plattenladen in Oklahoma fand, bis zu jenem schicksalhaften Konzert im Jahr 2019. Fünf Songs weißer US-Musiker aus Cincinnati, Ohio, die nun zu einem Statement schwarzer Identität werden, in welches sich Ehrfurcht ebenso mischt wie Rebellion – ein gleichsam bunt wie Freihand gesprühter Graffiti-Tag über einem klassischen Kunstwerk, wenn man so mag.

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Eve Owen – „So Still For You“


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Foto: Promo / Jen Long

Mit dem neuen Song „So Still For You“ kündigt Singer/Songwriterin Eve Owen ihr Debütalbum „Don’t Let The Ink Dry“ an, das am 8. Mai veröffentlicht wird. Das Stück ist eine zurückgenommene Songwriter-Nummer mit dezenten Streichern, welche man gut und gern irgendwo zwischen den Qualitäten einer Phoebe Bridgers und den melancholischen Anwandlungen von Conor Obersts Bright Eyes verorten darf. Die zweite Nummer nach dem im vergangenen November erschienenen „She Says“ lässt die durchaus eindrucksvolle Stimme der britischen Newcomerin derart strahlen, dass man schon ein klein wenig froh sein darf, dass Owen (bislang) nicht denselben Weg ins kreative Fach wie ihr Vater eingeschlagen hat – schließlich ist der niemand Geringeres als Hollywood-Schauspieler Clive Owen („Children Of Men“, „Shoot ‚Em Up“). Und das Kreative scheint den Owens in die Wiege gelegt, denn die Regie zum Musikvideo von „So Still For You“ führte wiederum ihre Schwester Hannah.

artwork-440x440„‚So Still For You’ is about how fleeting love can be, but how permanent words are“, erklärt Eve Owen. „By sharing my love in a song, it lasts forever.“ Über das Video sagt Ihre Schwester Hannah Owen: „We had a clear idea of what the song meant to us but we were equally really in love with the idea of seeing what came naturally once a camera was put in front of Eve. It’s so lovely to work as a two-person team. Every idea is valid and a strong contender – we can just play and follow whatever feels fun. The song is led by a delicate balance of vulnerability and wild power. I think for the video we just wanted to explore both themes honestly and see where it led us visually.“

So ganz grün und neu im Musikgeschäft ist Eve Owen übrigens – trotz aktuell gerade einmal knapp 200 Facebook-Likes – gar nicht, schließlich trat die 20-jährige Londonerin in jüngster Zeit bereits mehrfach mit The National auf (unter anderem bei ‚Jimmy Kimmel Live‘) und ist als Gastsängerin im Stück „Where Is Her Head“ auch auf dem jüngsten The National-Album „I Am Easy To Find“ zu hören.

Ihr Debüt-Langspieler „Don’t Let The Ink Dry“ ist laut eigener Aussage ein Werk von großer Sensibilität und Fantasie, für das sich Owen ganze drei Jahre Zeit nahm. Während dieser Periode verbrachte die aufstrebende Singer/Songwriterin ihre Sommerferien mit The National-Gitarrist und Produzent Aaron Dessner in New York, wo sie mit ihm fleißig schrieb und Songs aufnahm. Dieser kreative Prozess stellte für Owen eine willkommene Zuflucht vor ihrem stressigen Schulalltag dar. Die Sängerin entdeckte ein neues Gefühl von Freiheit und Zugehörigkeit und entwickelte einen ganz eigenen Sound: wild aber doch zart, unruhig aber differenziert genug, um auch die flüchtigsten Gefühle einzufangen.

Produziert wurde „Don‘t Let The Ink Dry“ von Dessner schließlich im Long Pond Studio, einer umgebauten Scheune und altem Bauernhaus tief im Hudson Valley. Passend zum Ambiente gibt Owen sich stellenweise der Folk-Musik hin, die sie allerdings mit elektronischen Experimenten anreichert. Mit Hilfe von Musikern wie dem Multi-Instrumentalisten Rob Moose (Bon Iver, Perfume Genius, John Legend) und dem Pianisten Thomas Bartlett (alias Doveman, der unter anderem bereits mit David Byrne, St. Vincent und Father John Misty) gespielt hat) gelang es ihr und Dessner, einen detailverliebten, experimentellen und eigenwilligen Sound zu entwickeln.

„What I enjoyed most was that there were no rules“, erklärt Owen. „I could say or do whatever I wanted without feeling judged, which is the most wonderful feeling when you’re working creatively with someone.“ Aaron Dessner fügt hinzu: „We ultimately recorded more than 40 songs over three years, and this first album feels like a collection of them. I enjoyed the process immensely. We felt free to imagine and chase whatever sounds or arrangements inspired us. In the middle of that time, she helped me make a National song called ‚Where Is Her Head,’ which she fearlessly sang lead on. There’s so much Eve is capable of and I’m grateful to know her.“

Auf den Albumtitel kam Eve Owen übrigens während eines Siebdruckkurses: „It’s got to do with impermanence versus permanence”, erklärt sie. „I really like the idea that you can go through all these different changes in your life, but the root of who you are will always stay the same.”

„Don’t Let The Ink Dry“ behandelt intensiv Owens juvenilen Kampf mit Angst, Entfremdung, Verletzlichkeit und Selbsterhaltung. „I’ve always trusted people immediately with no question, but when you do come across the bullies, it reminds you that not everyone should have all that knowledge and insight into your insecurities”, stellt die junge Frau fest. „The odd thing about Hudson was that it was the first place I felt I could be honest and protected. I would love it if people listened to this album and ended up feeling the same sort of comfort in their own vulnerability.”

 

— Die Tracklist von „Don’t Let The Ink Dry“ —

01. „Tudor“29545
02. „Lover Not Today“
03. „Mother“
04. „After The Love“
05. „For Redemption“
06. „Bluebird“
07. „She Says“
08. „I Used To Dream In Color“
09. „So Still For You“
10. „Blue Moon“
11. „29 Daisy Sweetheart“
12. „A Lone Swan“

 

 

 

Rock and Roll.

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„Tiny Changes“ – eine Dokumentation zum Frightened Rabbit-Tribute-Sampler


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Recht oft war und en letzten Wochen von „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, dem feinen Tribute-Sampler zu Ehren des zehnten Geburtstages des zweiten Frightened Rabbit-Albums „The Midnight Organ Fight“ (welcher ja, genau genommen, allerdings bereits im April 2008 war), auf ANEWFRIEND die Schreibe.

Nun haben die verbliebenen Bandmitglieder der „Angsthasen“ (Frontmann Scott Hutchison verstarb im vergangenen Mai bekanntermaßen viel zu früh) eine 24-minütige Mini-Dokumentation zur Tribute-Compilation, auf der zahlreiche befreundete Künstler und Bands wie The Twilight Sad, Manchester Orchestra, Julien Baker, Biffy Clyro, Josh Ritter, Craig Finn (The Hold Steady), Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie), Aaron Dessner (The National), Daughter oder Wintersleep die Songs des Albums, mit welchem der schottischen Indierock-Band damals der Durchbruch hin zu einem größeren Publikum gelang, neu interpretieren, veröffentlicht. Diese zeichnet den Werdegang des Albums vom Konzept über die Songauswahl bis hin zu den Aufnahmen nach und lässt auch die teilnehmenden Künstler selbst zu Wort kommen.

Wer also weiter in die persönlichen wie kreativen Geschichten rund um „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, deren Einnahmen an die von Scott Hutchisons Familie ins Leben gerufenen Organisation „Tiny Changes“ gehen, hinein horchen mag, der nehme sich das knappe halbe Stündchen Zeit…

 

 

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Rock and Roll.

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Songs des Tages: Julien Baker / Biffy Clyro – „The Modern Leper“


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Etwa ein Jahr nach dem ebenso frühen wie tragischen Tod ihres Frontmanns Scott Hutchison haben die verbliebenen Mitglieder der schottischen Indierocker Frightened Rabbit mit „Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ einen Tribute-Sampler angekündigt. Und obwohl der Anlass im Grunde janusköpfiger kaum sein könnte – sprich: das logische traurige Ende der glasgower Band einerseits sowie das zehnjährige Jubiläum ihres zweiten (Durchbruchs)Albums im vergangenen Jahr andererseits – gibt es trotzdem gleich siebzehnfachen Grund zur Vorfreude, schließlich versammelt die Trackliste (findet ihr weiter unten) viele prominente Freunde, die sich der Songs von „The Midnight Organ Fight“ annehmen und ihre ganz eigenen Interpretationen präsentieren – und das auch noch für einen guten Zweck…

 

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So versammelt die Liste der Beitragenden naturgemäß einige schottische Lads wie Biffy Clyro, The Twilight Sad oder Fiskur, schließt aber auch so einige, ebenfalls befreundete Künstler aus Rest-Großbritannien (etwa Daughter) und Nordamerika (etwa Josh Ritter oder The Hold Steady-Stimme Craig Finn) mit ein. So covern die Kanadier Wintersleep „The Twist“, Manchester Orchestra nehmen sich „My Backwards Walk“ vor, Death Cab For Cutie-Vorsteher Benjamin Gibbard spielt „Keep Yourself Warm“ nach und The National-Gitarrist Aaron Dessner schließt sich mit CHVRCHES-Sängerin Lauren Mayberry zusammen, um „Who’d You Kill Now“ zu interpretieren. Bereits hören kann man zwei Versionen von „The Modern Leper“, einmal von Biffy Clyro, einmal von Julien Baker (gibt’s weiter unten auf die Öhrchen).

Obwohl Frightened Rabbit-Sänger und -Hauptsongwriter Scott Hutchison im Mai 2018 verstarb, war der charismatische Musiker die Triebfeder hinter dem „The Midnight Organ Fight“-Jubiläumsprojekt, dessen Planungen seit 2017 liefen. So schreiben etwa Wintersleep in einem Facebook-Beitrag, dass Hutchison sie gebeten habe, eines ihrer großen Drum-Fills in das Cover von „The Twist“ einzubringen. Außerdem zeichnete er das Cover des Tribute-Samplers. James Graham von The Twilight Sad wiederum erinnert sich (ebenfalls via Facebook) an persönliche Begegnungen mit Scott Hutchison und Frightened Rabbit während der Zeit um 2008 herum, als die Glaswegian Lads kurz vor dem Durchbruch standen.

In den Monaten nach Hutchisons Tod hatten ihm zahlreiche Musiker und Freunde gedacht. So fand bereits im vergangenen Dezember in New York ein Benefiz-Tribute-Konzert unter namenhafter Beteiligung statt (von denen nun einige Künstler wie Julien Baker, Craig Finn oder Aaron Dessner ebenfalls wieder mit von der Partie sind), welches ebenfalls „Tiny Changes“ hieß. Und auch Death Cab For Cutie hatten den „The Midnight Organ Fight“-Song „My Backwards Walk“ im September 2018 als Spotify-exklusive Single gecovert.

„Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ erscheint am 12. Juli und kann im Webshop von Frightened Rabbit vorbestellt werden (oder eben hier digital). Ein Teil der Einnahmen geht an Tiny Changes, die Charity-Organisation, welche Hutchisons Familie vergangenen Monat gegründet hatte, um mit dieser auf psychische Probleme und den Umgang damit speziell bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen.

 

 

— TINY CHANGES: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‘The Midnight Organ Fight’ —

17708201 Biffy Clyro – “The Modern Leper”
02 Oxford Collapse – “I Feel Better”
03 Fiskur – “Good Arms vs Bad Arms”
04 Right On Dynamite – “Fast Blood”
05 Josh Ritter – “Old Old Fashioned”
06 Wintersleep – “The Twist”
07 Peter Katis – “Bright Pink Bookmark”
08 Craig Finn – “Heads Roll Off”
09 Katie Harkin & Sarah Silverman – “My Backwards Walk”
10 Benjamin Gibbard – “Keep Yourself Warm”
11 Jeff Zeigler – “Extrasupervery”
12 Daughter – “Poke”
13 The Twilight Sad – “Floating in the Forth”
14 Aaron Dessner & Lauren Mayberry – “Who’d You Kill Now”
15 Julien Baker – “The Modern Leper”
16 Piano Bar Fight – “The Twist”
17 Manchester Orchestra – “My Backwards Walk”

 

Rock and Roll.

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The National denken wie immer größer – der Kurzfilm zum neuen Album „I Am Easy To Find“


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All jene, die den Werdegang der fünfköpfigen Band aus Cincinnati, Ohio über die Jahre begleitet haben, wissen: The National waren ja ohnehin nie eine Band, die es darauf anlegt, kleine kreative Brötchen zu backen. Egal, ob man die Reife vom elegisch-melancholischen Indie Rock der Anfangstage hin zu den vertrackten, dezent elektronischen Experimenten des fordernden letzten, 2017 erschienenen Albums „Sleep Well Beast“ als Indiz nimmt, die Suche von Frontmann Matt Berninger nach spannenden Kollaborationen mit anderen Künstlern oder die scheinbar gleichsam nimmermüden Dessner-Zwillinge Bryce und Aaron (bei The National an den Gitarren, Keyboards sowie am Mischpult zu finden), die nebenbei noch andere Künstler produzieren, sich mit klassischen Kompositionen oder ganzen Film-Scores beschäftigen. Wird nie langweilig bei The National. Schlaf? Atempausen? Scheinbar überschätzt…

nationaleasyUnd so wundert es kaum, dass Matt Berninger, Aaron Dessner, Bryce Dessner, Scott Devendorf und Bryan Devendorf (erneut Brüder hinter Bass und Schlagzeug) schon wieder mit dem nächsten groß gedachten Stück Kreativität ums Eck biegen: Das dieser Tage erscheinende achte Studioalbum „I Am Easy To Find“ ist als audiovisuelles Gesamtkunstwerk gedacht, zu welchem die 1999 gegründete US-Band – nebst prominenter Unterstützung an allen Fronten – einen 27-minütigen Kurzfilm mit an Hand, Auge und Ohr gibt.

Der mit Matt Berninger und Co. befreundete Arthouse-Regisseur Mike Mills („Thumbsucker“, „Beginners“, „Jahrhundertfrauen“), im Übrigen weder verwandt noch verschwägert mit dem gleichnamigen Bassisten von R.E.M., begann die Arbeit an „I Am Easy To Find“ kurz nachdem The National 2017 das Vorgängeralbum „Sleep Well Beast“ veröffentlicht hatten. Der Film, den die Band bereits bei einigen Konzerten gezeigt hatte, zeichnet das Leben einer weiblichen Person, welche wiederum von Alicia Vikander („Ex Machina“, „Tomb Raider“) gespielt wird, von der Geburt bis zum Tod nach – ein Leben mit all seines Hochs und Tiefs in effektiv 24 Stunden, quasi.

„The National gaben mir Teile ihrer bisherigen Songs, einige waren erste Entwürfe, andere bereits fertig, und ermutigten mich, die Stücke so zu transformieren, dass ich sie als Soundtrack für den Film nutzen kann“, erklärte Mills den kreativen Prozess in einem offiziellen Statement.

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Zuvor gab es mit dem Video zur Vorabsingle „Light Years“ einen Zusammenschnitt zu sehen (während Mike Mills mit der Band auch zum Albumsong „Hairpin Turns“ ein Musikvideo drehte). Der Kurzfilm enthält nun Ausschnitte, Alternativ-Versionen oder die volle Spielzeit von Songs aus „I Am Easy To Find“. „Light Years“ schließt dabei sowohl das Album als auch den Film ab. Außerdem hört man „Quiet Light“, den seit Jahren live gespielten Fan-Favoriten „Rylan“, „The Pull Of You“, „Oblivions“ sowie das Titelstück. Als Gastsängerinnen sind Lisa Hannigan und Kate Stables von This Is The Kit vertreten (während der Hörer auf dem kompletten Album noch weitere Gastmusikerinnen wie Sharon Van Etten, Mina Tindle oder Gail Ann Dorsey zu Ohren bekommt – in dieser Häufigkeiten ein weiteres Novum bei der Band).

The National tauchen nicht nur als Musikgebende aus dem Off auf, auch zitieren einige Charaktere Zeilen aus Songs der Band, etwa wenn der Vater seiner Tochter etwas vorliest. Manchmal unterbrechen farbige Texttafeln die ansonsten in Schwarzweiß gehaltete Handlung, um auf besonders wichtige Ereignisse hinzuweisen. Zusätzlich zur regulären Version des Films gibt es eine mit Audiokommentar von Mills und eine, in der Sänger Matt Berninger und seine Frau Carin Besser über den Entstehungsprozess berichten. Besser schrieb einige Songtexte für „I Am Easy To Find“, welches mit 16 Songs noch dazu kaum an Spielzeit geizt, und ist noch dazu als Backgroundsängerin zu hören.

The National bleiben kreativ? The National bleiben atemlos? The National bleiben spannend? Quod erat demonstrandum.

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„I Am Easy To Find“ – A Film by Mike Mills / An Album by The National:

 

„I Am Easy To Find“ – Audiokommentar von Regisseur Mike Mills:

 

„I Am Easy To Find“ – Audiokommentar von Matt Berninger und Carin Besser:

 

Rock and Roll.

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