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Song des Tages: A Girl Called Eddy – „Someone’s Gonna Break Your Heart“


Foto: Promo / Julian Simmons

„Girl, where’ve you been?“, fragt jemand gleich zu Beginn des neuen Albums von Erin Moran alias A Girl Called Eddy. Ja, sag‘ mal: Wo bist du bloß gewesen? Diese Nachfrage bei einem der (ja, ganz sicher!) größten Pop-Geheimtipps unserer Zeit ist in der Tat mehr als berechtigt…

Geschlagen-endlose fünfzehneinhalb Jahre (in anderen Genres würden da selbst Tool oder Guns N’Roses ob dieser Zeitspanne vor Neid erblassen) hat Moran auf ihr Solo-Comeback warten lassen, seit sie anno 2004 mit ihrem selbstbetitelten Retropop-Debüt nicht wenige Kritiker- wie Musikhörerherzen verzauberte. Umso heller glänzt nun „Been Around„, die im Januar beim kleinen spanischen Label Elefant Records erschienene zweite Platte der geheimnisvollen Dame, die sich auf Fotos fast versteckt oder – zumindest für das neue Albumcover – mit einer großflächigen Audrey-Hepburn-Sonnenbrille tarnt.

Das passt irgendwie, denn die in England beheimatete US-Sängerin aus New Jersey, die Ende der Neunziger mit dem Trip-Hop-Act Leomoon bekannt wurde, ist so schön, so scheu und so Femme Fatale, so „Sixties“ wie die rehäugige Schauspiellegende Hepburn. Diese hatte mit Henry Mancinis längst zum Klassiker avancierten Lied „Moon River“ (aus dem stilbildenden Kinofilm „Frühstück bei Tiffany“) bekanntlich selbst einen Welthit als Sängerin – zu gern würde man diese Melodie mal als Coverversion vom Mädchen namens Eddy hören, aber das nur nebenbei… Denn „Been Around“ hat ja selbst so viele andere, einmal mehr wunderbare Songs aus Morans Feder zu bieten.

Insgesamt zwölf sind es, und oft genug trifft hier die Kritikerphrase „Besser geht’s kaum“ wohl tatsächlich zu. War es beim kurz nach der Jahrtausendwende erschienenen Debüt noch der britische Crooner Richard Hawley, der die Stücke als Produzent mit (s)einer samtig-edlen orchestralen, dezent zeitlosen Glasur überzog, so kümmerte sich diesmal im Studio Daniel Tashian um den Feinschliff. Dieser führt mit The Silver Seas selbst eine herausragende Retropop-Band und betreute zuletzt das Grammy-Gewinner-Album „Golden Hour“ (2018) von Kacey Musgraves.

Doch zurück zu „Been Around“, zu einer Platte, die mit opulenten, jedoch nie überladenen Arrangements und Songs voller Anmut und Melancholie brilliert. Piano- und streicherverzierte Balladen in Burt-Bacharach-Manier wie „Big Mouth„, „Charity Shop Window„, „Lucky Jack“ oder vor allem das heimliche Album-Highlight „Finest Actor“ (mit einer Art Cembalo) berühren auch textlich – also gern wie bei einem Sechzigerjahre-Filmmelodram ein paar Taschentücher bereitlegen.

Anderswo lassen Moran und Tashian Background-Sängerinnen, Bacharach-Trompeten und Blue-Eyed-Soul-Bläser drauflos schmettern („Not That Sentimental Anymore“, „Come To The Palisades“), ein amtliches Mundharmonika-Solo wie weiland von Stevie Wonder aufblitzen („Been Around„) oder den Westcoast-Funkpop von Steely Dan mit stilechter Walter-Becker-Gedächtnisgitarre Revue passieren (in der feinen Freundschafts-Ode „Jody„). Alles ebenso erhaben und blitzeblank perfekt wie seinerzeit bei Größen wie Paul McCartney oder Carole King, jedoch zum Glück keineswegs altbacken oder steril-unterkühlt. Dafür sorgt schon allein die warme, volle Altstimme der Erin Moran. Begeisterte Kritiker-Vergleiche nach ihrem Debüt und dem nun veröffentlichten Nachfolger wildern da einzig und allein bei den Besten: Aimee Mann, Chrissie Hynde (Pretenders), Tracey Thorn (Everything But The Girl), Amy Boone (The Delines), Nancy Sinatra oder Dusty Springfield – aber auch bei großen Easy-Listening-Sängerinnen wie Karen Carpenter (The Carpenters) oder Dionne Warwick.

Die Songs von A Girl Called Eddy (die – man glaubt’s kaum – mit lediglich knapp über 500 Facebook-Likes tatsächlich noch als „Geheimtipp“ gewertet werden darf) beleihen derweil neben dem nostalgisch-klassischen Girlgroup-Wall-of-Sound der Sechziger und den großen Balladen dieses Jahrzehnts auch jüngeren Sophisticated-Pop von Prefab Sprout, The Divine Comedy, Richard Hawley oder Josh Rouse. Und doch ist dieser Sound so eigenständig, dass nur eines zu hoffen bleibt: Lass uns bitte nicht noch einmal 15 Jahre warten, Erin Moran!

Rock and Roll.

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