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Zur kurz gekommen… – Teil 10


Dave Navarro – Trust No One (2001)

Trust No One (Cover)-erschienen bei Capital/EMI-

Dave Navarro – bei diesem Namen kommen dem kundigen Alternative Rock-Degustinato natürlich zuerst einmal zwei Bands in den Sinn: Jane’s Addiction und die Red Hot Chili Peppers. Erstere hob der 1967 in Santa Monica, Kalifornien geborene Gitarrist im Jahr 1985 mit aus der musikalischen Taufe, bei Zweiterer half er für ganze drei Jahre – beziehungsweise ein Album („One Hot Minute„) – als würdiger John Frusciante-„Ersatz“ aus. Außerdem teilte Navarro mit Größen wie den Nine Inch Nails, Marilyn Manson, Billy Corgan (Smashing Pumpkins), Gene Simmons (Kiss), Michael und Janet Jackson oder Christina Aguilera Bühnen und Tonstudios, lehnte seinerzeit den durch den Ausstieg von Slash freigewordenen Leadgitarristenposten bei Guns N‘ Roses ab, ehelichte 2003 medienwirksam die Ex-Baywatch-Strandnixe Carmen Electra (beide ließen in der MTV-Serie „Til Death Do Us Part“ ein Millionenpublikum an ihrem Privatleben teilhaben), engagierte sich für PETA und die Rechte von Tieren, versuchte sich erfolgreich als Produzent von „Erwachsenenfilmen“, als Buchautor oder als „Penthouse“-Kolumnist. Ganz nebenbei sieht der beinahe Ganzkörpertätowierte auch noch blendend aus. Ein Rockstar also, wie er im Buche steht? Ein Musiker, der dies- wie jenseits der Bühne seit Jugendtagen ein Leben auf der hedonistischen Überholspur lebt, von dem jeder „Normalo“ nur träumen kann? Es scheint fast so…

Carmen Electra & Dave Navarro Hugging NakedUmso befremdlicher klingt jedoch Dave Navarros 2001 erschienenes Solo-Debüt „Trust No One„. Denn wenngleich der damals 43-Jährige rein musikalisch seinem Stamminstrument, der Gitarre, huldigt, zieht er in den Texten blank und kehrt die Narben seiner Vergangenheit sowie die Schattenseiten des Lebens als Rockstar nach Außen – weinerlicher Seelenstriptease oder überfällige Vergangenheitsbewältigung? Eher Zweiteres. Denn Navarro schleppte in der Tat dunkle familiäre Lasten mit sich herum: Seine Eltern ließen sich scheiden, als Dave gerade einmal sieben Jahre alt war, seine Mutter, ein ehemaliges Model, wurde von ihrem damaligen Freund 1983 umgebracht – Navarro wurde im Alter von 15 Jahren auf tragische Art zum Halbwaisen, hat bis heute drei gescheiterte Ehen (selbst die Liason mit Electra ging 2006 in die Brüche) vorzuweisen. Wenn man die zehn Songs auf „Trust No One“ mit diesem Wissen hört, eröffnen sich neue Wege in die Psyche des Gitarristen. Denn zwischen den mal straight forward, mal effektvoll produzierten Alternative Rock-Stücken gesteht Navarro sich Unzulänglichkeiten ein („I never really even loved you / I’m just really insecure / I never really even cared / Never tasted that pure / I don’t think I ever liked you / I just had some time / I don’t think I’d be that sorry“ – „Avoiding The Angel“), betrauert seine verstorbene Mutter („She gave herself to me / She’s gone away from me / Where is the heartbeat coming from? / Lost is the heartbeat where I come from“ – „Mourning Son“), rechnet diebisch augenzwinkernd mit ehemaligen musikalischen Wegbegleitern wie Billy Corgan oder Marilyn Manson („I met some friends of mine / I used to call them friends / One of them was not so hairy / One of them was not so scary“ – „Sunny Day“) oder der sich nach und nach einschleichenden Inhaltsleere der 00281729_lgschnelllebigen Musikgeschäfts ab („There is no love left in your eyes /There is love between your thighs / Roll over say goodnight / I’ve had enough of feeling sick / You’ve had enough of feeling sick / The sugar never helps / I hate my life I hate my life / Never want another wife / I want the life you think I have“ – „Rexall“). Am erfreulichsten hierbei ist vor allem, dass die 45 Minuten nicht zum muckertümlichen Leistungsnachweis geraten und Navarro, der einen Großteil der Instrumente zwar selbst einspielte, sich im Studio jedoch auch von Freunden wie dem Studioass Jon Brion, Schlagzeuger Matt Chamberlain oder Marilyn Mansons Bass-Sidekick Twiggy Ramirez aushelfen ließ, die Songs trotz aller hervorragend akzentuierten Gitarrensolos (man höre hier etwas nur einmal „Rexall“ oder „Mourning Son“!) höchst unterschiedlich gestaltet. So erinnert etwa „Everything“ mit seinen wirren Rhythmen unweigerlich an „Starfuckers, Inc.“ von den Nine Inch Nails, leiht sich „Not For Nothing“ mal eben ein paar Industrial-Verweise á la Marilyn Manson aus, wird mit der Coverversion von „Venus In Furs“ Velvet Underground in würdiger Art und Weise Tribut gezollt (und der Fakt, dass Lou Reed himself Navarros Version als beste des Stückes überhaupt adelte, darf einiges heißen!) und mit der Akustiknummer „Slow Motion Sickness“ das Album zum Abschluss gebracht. Alles, was „Trust No One“ lediglich zu damals größerem Erfolg fehlte, war wohl ein veritabler Hit. Denn obwohl die beiden Singles „Rexall“ und „Hungry“ für den Einen zwar durchaus berechtigtes Potential zum Alternative Rock-Ohrwurm besitzen mögen, blieben diese Stücke doch zu effektvoll für die breite Masse…

Dave Navarro

Für mich persönlich ist „Trust No One“ auch zwölf Jahre nach Erscheinen noch immer eines meiner All Time-Faves, denn Navarros musikalische Nabelschau gerät trotz dem flächendenkend druckvollen Spiel mit Gitarren- und Klangeffekten zum berührenden Statement von innerer Ausgebranntheit und Schwäche, welches auf diesem Niveau seinesgleichen sucht (und wohl nur in den Solo-Werken eines gewissen John Frusciante Gleichberechtigung findet). Das Coverartwork macht es dann noch einmal überdeutlich: „Trust No One“ ist Navarros persönlicher Offenbarungseid – ein Break, eine Auszeit, eine Zäsur. Dave Navarro tritt für 45 Minuten aus seinem Schattendasein als Leadgitarrist in der zweiten Reihe heraus und beweist dabei auch seine stimmlichen Qualitäten. Es mag nicht alles falsch sein am Mythos von „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“, doch auch – und vor allem – in diesem Geschäft läuft man schnell Gefahr, auszubrennen und abzustützen. Die Einsamkeit von Hotelzimmern, falsche Freunde, falsche Gefühle, ausweglose Lieben, leere Leben, dem Morgen nach dem Exzess und den Schatten der Vergangenheit – davon handelt „Trust No One“. Ein kleiner, derbst riffender Klassiker aus der zweiten Reihe, in dem eine arschcoole Rocksau zwischen den Akkorden tief in die Seele blicken lässt – man höre und staune.

 

Hier gibt’s das Musikvideo-Doppel aus „Rexall“, das nach dem Laden in Los Angeles, in welchem sich seine Eltern kenn lernten, benannt ist…

 

…und „Hungry“, in welchem seine damalige Verlobte Carmen Electra mitspielt, zu sehen…

 

…sowie einen Ausschnitt aus der Tattoo-Serie „LA Ink“, in welchem sich Navarro von keiner Geringeren als Star-Tätowiererin Kat Von D „beackern“ lässt:

 

Rock and Roll.

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„The drones work hard before they die“ – Neues Live-Video von The Faint


The Faint (Promo)

„Agenda suicide / Drones work hard before they die / And give up on pretty little homes…“

Was haben wir damals getanzt! Seit seinem Erscheinen im Jahr 2001 fand „Danse Macabre„, das dritte Album der Indie-Elektrorocker The Faint aus Omaha, Nebraska, an jedem Abend, an dem ich den musikalischen Beschaller (sprich: DJ) gab, Verwendung. Egal, ob nun der fantastisch tanzbare Titeltrack lief, oder etwa „Glass Danse“, oder… – sobald sowohl der Fade-In  als auch der Einstieg in den Song absolviert waren, stürmte ich selbst auf die Tanzfläche und mischte mich unter die frenetisch zuckenden Leiber. Hätte mich das nicht selten zu guten Teilen aus – im Grunde freundlichen – langhaarigen, provinziellen Metalhörern bestehende Publikum gelassen, ich hätte gern das lediglich neun Songs und knapp 35 Minuten kurze Album der Band um Sänger Todd Fink, welcher in den Anfangstagen auch der damals blutjunge Bright Eyes-Frontmann Conor Oberst angehörte, durchlaufen lassen. Diese hypnotische Mischung aus technoiden Klängen und angespannt rockenden Gitarren, in welche gar klassisches Streicherinstrumentarium sorgsam eingeflochten wurde! Diese herrlich giftende Stimme, die mir Heranwachsendem da böse Geschichten vom eintönigen Arbeitsalltag und der Hölle des Hamsterrades vortrug! Und obwohl mindestens der drei Jahre später veröffentlichte Albumnachfolger „Wet From Birth“ noch toll war – besser waren The Faint (für mich) weder vorher noch nachher.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte ihr famoses Heimatlabel Saddle Creek das monumentale „Danse Macabre“ – wenn auch für’s Zehnjährige mit einem Jahr Verspätung – neu. Und für all jene, die das Album noch nicht ihr Eigen nennen, lohnt sich die remasterte Deluxe Edition in der Tat, enthält sie doch den zuvor nur auf der „Saddle Creek 50“-Compilation erhältlichen Song „Take Me To The Hospital“ (einen weiteren meiner DJ-Favoriten!), das Sonic Youth-Cover „Mute“, das gemeinsam mit den Bright Eyes aufgenommene Stück „Dust“ (beide waren vorher als Doppel-Single erschienen), den Song „Falling Out Of Love At This Volume“ (ein Bright Eyes-Cover von The Faint) sowie zwei Remixe.

Wer damals hierzu nicht tanzen konnte oder wollte, hatte – meines Erachtens – nix gegriffen. Und dazu stehe ich noch heute. Was haben wir damals getanzt…

Danse Macabre

 

Nun haben The Faint ein Live-Video des aus den Songs „Danse Macabre“ und „Glass Danse“ bestehenden Doppel-Albumeinstieges via pitchforktv online präsentiert:

 

Natürlich will ich euch an dieser Stelle jedoch nicht das „menschliche Hamsterrad von einem Video“, nämlich das Originalvideo zu „Agenda Suicide“, vorenthalten…

 

…ebenso wenig wie das zum gleichsam tollen Song „I Disappear“ (vom Nachfolger „Wet From Birth“)…

 

…oder jenes zum Stück „Desperate Guys“ (ebenfalls von „Wet From Birth“):

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Manic Street Preachers – Freedom Of Speech Won’t Feed My Children


Jedes Mal, wenn ich diesen Song der Manic Street Preachers höre, denke ich mir: bester Liedtitel ever, könnte man sich genau so tätowieren lassen! Auch der Text, den ihr nachstehend findet, ist – wie so oft bei dem englischen Dreiergespann aus James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore, welches zu den politischsten aktiven Bands zählt – super… Der Song wurde leider nie als Single veröffentlicht und stammt vom 2001 erschienenen Album „Know Your Enemy„.

Sollte sich jemand von euch bisher noch nicht mit der Band beschäftigt haben, so empfehle ich die im letzten Jahr erschienene Singles-Compilation „National Treasures: The Complete Singles“ als Einstieg (auch wenn dieser Song nicht darauf zu finden ist)…

 

 

Liberty, sweet liberty 
Charitable respectability 
Then pacifism killed us all 
For all the tourists on the Berlin wall 
So we protest about human rights 
Worship obesity as our birthright 
But freedom of speech won’t feed my children 
Just brings heart disease and bootleg clothing 
Just brings heart disease and bootleg clothing 

We love to kiss the Dalai Lama’s ass 
Because he is such a holy man 
Free to eat and buy anything 
Free to fuck from Paris to Beijing 

Little boys with dangerous toys 
All bow down to the Beastie Boys 
But freedom of speech won’t feed my children 
Just brings heart disease and bootleg clothing 
Just brings heart disease and bootleg clothing 

Royalty – hereditery – unelected and becalmed 
Just like Stalin, just like Stalin 
Human and useless 

Bomb the Chinese Embassy 
The west is free, oh the west is free 
Laugh at the hammer and sickle 
It is antique, oh it is antique 

And see the love in Richard Gere’s eyes 
JS Pemberton saved our lives 
But freedom of speech won’t feed my children 
Just brings heart disease and bootleg clothing 
Just brings heart disease and bootleg clothing 
Just brings heart disease and bootleg clothing 
Just brings heart disease and bootleg clothing

 

Rock and Roll.

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