Archiv der Kategorie: TV

Zitat des Tages


In seinem stets ganz eigenen Stil interviewte er zahllose Superstars, Präsidenten, Könige und angenehme wie weniger angenehme Zeitgenossen, war bei seinem Stammsender CNN jahrzehntelang einer der profiliertesten Talkshowgastgeber der US of A und als „König der Warum-Fragen“ bekannt. Jetzt ist Larry King im Alter von 87 Jahren nach einer Covid-Erkrankung gestorben – und hat sich (s)eine Schweigeminute im wahrsten Sinne redlich verdient.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Highasakite – „God Don’t Leave Me“ (live)


Im Jahr der Bandgründung direkt ein komplettes Debütalbum zu veröffentlichen und damit im Heimatland die Charts zu entern, ist schon beeindruckend genug. Erfolgreiche Genre-Wechsel und ein starkes Feingefühl für bewegende Sound-Landschaften haben der Kunst von Highasakite außerdem bereits mehrfach die Krone aufgesetzt. 2012 trafen sich Sängerin Ingrid Helene Håvik und Schlagzeuger Trond Bersu auf der Trondheim Jazz Conservatory und beschlossen schnell, zukünftig zusammen Musik zu machen – die Geburtsstunde der norwegischen Indie-Pop-Band.

„Rare musical landscapes, a place of long dark shadows, sudden flashes of glittering light, brooding silences and unexpected explosions of fierce percussion…“ (Highasakite über Highasakite)

Man braucht auch kein Geheimnis draus zu machen, man hört’s ohnehin schnell – ausschweifend atmosphärisch ging es bei Highasakite schon immer zu. Doch setzte das Duo, welches vor allem auf der Bühne manches Mal zum Quintett anwachsen kann, diese Fähigkeit bei den von Electro-Folk durchdrungenen ersten Langspielern „All That Floats Will Rain“ und „Silent Treatment“ noch auf sehr malerische Weise ein, wurden ihre Songs auf dem 2016er Album „Camp Echo“ deutlich vielschichtiger und elektronischer, ja: düsterer. Anstatt länger in melancholischen Traumbildern zu schwelgen, thematisierten Ingrid Helene Håvik und Trond Bersu in vielen Stücken verdammt weltliche Ängste in Verbindung mit Krieg, Terror oder der Klimaerwärmung. Findige Füchse lesen dies bereits aus dem Albumtitel „Camp Echo“ heraus, schließlich handelt es sich hierbei um den Namen eines Gefangenenlagers in Guantanamo Bay. Passend dazu verlagerten Highasakite die dazugehörige Soundkulisse hin zu Neunziger-R’n’B, Trance und sinistrem Synthie-Pop mit tonnenschweren Tastentönen, Drumbeats und Verfremdungseffekten – kühl, aggressiv und aufgewühlt klingen hier viele Momente, in einer Manier, die oft genug an The Knife erinnert. Diesen Weg setzte die Band, die bereits mehrfach den renommierten norwegischen „Spellemannsprisen“ einheimsen konnte und 2016 sogar beim „Nobel Peace Prize Concert“ auftrat, unlängst auch mit dem 2019 erschienenen Album „Uranium Heart“ fort: Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer und allerlei elektronische Elemente bilden vornehmlich den Rahmen für die hingebungsvoll-epischen Klangflächen der Norweger.

Was auf Konserve zwar recht gut als Kopfkino-Untermalung funktioniert, an mancher Stelle jedoch auch schnell überfrachtet wirkt und – zumindest nach meinem Gusto – zu electronica-lastig gerät, bekommen Highasakite live wesentlich wirkungsvoller hin. Bestes Beispiel ist etwa die „Acoustic Versions EP„, auf der die Band vier Songs von „Camp Echo“ in reduziertem Gewand präsentiert. Oder eben diese 2019er Live-Variante des tollen Songs „God Don’t Leave Me“ (hier und hier gibt’s weitere Auszüge von jener Show). Auch dieser stammt vom 2016 erschienen dritten Album und verhandelt zum Widerhall von Synthies und Chor einen verzweifelten Ruf an Gott, den laut Band ein Soldat in seiner größten Not ausstoßen könnte…

(Auf den Song aufmerksam geworden bin ich übrigens durch seinen Einsatz in der zwar etwas vorhersehbaren, jedoch dennoch sehenswerten norwegischen Nordic-Noir-Serie „TWIN„, welche auch für alle Freunde von „Game Of Thrones“ einen Binge-Versuch wert sein dürfte, immerhin ist Kristofer „Tormund Riesentod“ Hivju hier in einer Doppelhauptrolle zu sehen. Die insgesamt acht Folgen findet man bei Interesse in der ARD-Mediathek…)

„God, don’t leave me, I’ll freeze
I panic in my bedroom half asleep
God, don’t tempt me, I’m weak
And either way, it’s a shitty way to leave
Creator of my awful mind
You crossed the line this time
You crossed the line this time
It’s been a long time since the phone rang and it was you
God, don’t leave me, I’ll freeze
If only ‚bout a second of your time
If only ‚bout a second of your time

God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me out)
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me now)
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer…“

Rock and Roll.

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Olli Dittrich in „House of Trumps“ – Wenn der deutsche Cousin des US-Präsidenten erzählt


Der Schauspieler und unter anderem mit „RTL Samstag Nacht“ und seiner Rolle als „Dittsche“ bekannt gewordene Spitzenklassehumorist Olli Dittrich hat sich wieder einmal in eine erfundene und doch völlig authentisch wirkende Figur verwandelt: den in Hessen lebenden Cousin des in wenigen Tagen scheidenden US-Präsidenten, Peter Trump. Man merke an: Das „U“ wird dabei deutsch ausgesprochen. „House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis“ ist bereits die elfte Produktion in einer Reihe fingierter Fernsehsendungen, der sogenannten Mockumentaries. Die Inspiration zu dem knapp halbstündigen Betrag lieferte der US-Präsidentschaftswahlkampf, wie Dittrich erzählt, und die Überlegung sei Folgende gewesen:

„Wie könnten wir jemanden erfinden, der neben all den Parodien, den Gags, den Nachrichten und so weiter, die jeder kennt, rund um die Uhr auch im Netz findet, wie könnten wir jemanden finden, der etwas erzählen kann aus einer Zeit und einer Gegend über Donald Trump, von der niemand etwas weiß?“

So entstand die Figur des Cousins, der sich in einem ARD-Fernsehstudio wiederfindet, wo er von dem echten Talkmaster Günther Jauch befragt wird. Es ist also ein klassisch anmutendes Talkformat mit Einspielfilmen. Dittrich hat sich nach eigenem Bekunden für seine Rolle einem kompletten „Transformationsprozess“ unterworfen: „Ich bin dann wirklich auch jemand anderer.“ Peter Trump erzähle Anekdoten aus der Kindheit und Jugend zwischen 1954 und 1959, die er mit Donald Trump im hessischen Würmelingen verbracht habe. Dabei sei er auch aufgeregt. Jauch sei „natürlich ein absolutes Ass“, findet Dittrich, „einer der besten TV-Journalisten, die wir haben, und darüber hinaus so ein Pokerface“. Deshalb sei auch der Talk echt, sodass Dittrich meint: „Es ist ja kein Spiel, es ist ja dann wahres Leben!“ Und mit dieser absolut sehenswerten Persiflage einmal mehr großes Kino (wie auch die Süddeutsche und der Spiegel finden).

Rock and Roll.

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„The Masked Singer“ – Darum ist die Show so einzigartig


Bei RTL dürfte man sich heute immer noch ärgern. Seinerzeit schnappte Konkurrent ProSieben aus dem beschaulichen Unterföhring dem Kölner Sender die Rechte an „The Masked Singer“ vor der medialen Nase weg, wie DWDL berichtet. Für ProSieben ein Glücksfall, denn die Zahlen der Show, gerade die Marktanteile in der so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, waren seit dem Start im Juni 2019 fast durchgängig herausragend – das Finale der zweiten Staffel etwa erreichte die höchste jemals gemessene Zuschauerquote einer ProSieben-Show.

Kaum verwunderlich also, dass RTL jüngst versuchte, den Erfolg von „The Masked Singer“ mit einem ähnlichen Konzept – dezent verspätet – zu kopieren. Ebenso wenig verwunderlich war auch, dass „Big Performance“ seinem Titelversprechen eher weniger gerecht wurde und als mauer, müder Abklatsch deutlich hinter den Zahlen des Originals zurück blieb. Aber warum lieben die Zuschauer „The Masked Singer“ eigentlich so sehr? Nun, das hat freilich so seine Gründe…

Zunächst einmal: Wir Menschen lieben Unterhaltung. Und noch mehr lieben wir Menschen Überraschungen. Zumindest die positiven. Deshalb steht das Kolosseum in Rom, deshalb gibt es Überraschungseier seit bald fünfzig Jahren, deshalb verpackt man Geschenke und deshalb freut man sich eben auch, wenn sich irgendwann die Kandidatinnen und Kandidaten bei „The Masked Singer“ ihre Masken vom Kopf ziehen und man selbst endlich Gewissheit hat, ob der eigene Tipp richtig war – oder ob man eben (s)eine Überraschung erlebt. Kein Wunder also, dass die Show, welche 2015 als „King of Mask Singer“ in Südkorea startete (und unter anderem gar Hollywood-Mime Ryan Reynolds als trällerndes Einhorn aufbot) und nach weiteren Ablegern in Asien und in den US of A im vergangenen Jahr ihr deutsches Debüt feierte, schnell zum internationalen Mattscheibenrenner entwickelte (in diesem Jahr zogen denn auch die Nachbarn aus Österreich nach).

Da stört es eigentlich nur die ganz Eifrigen, wenn die Jury teilweise ein bisschen sehr bemüht versucht, die Spannung aufrecht zu halten, obwohl sie eigentlich schon relativ sicher ist, wer denn nun unter einer der Masken steckt. Vielleicht wäre hier tatsächlich ein bisschen weniger Ehrgeiz spannender für den Zuschauer, aber so oder so bleibt eine Überraschung nicht ausgeschlossen, denn so ganz sicher kann man eben nie sein, solange der singende Furry-Fetisch noch die vornehmlich plüschige Kopfbedeckung über dem Antlitz trägt.

Aber auch, jawollja: die Kostüme! Denn die sind zweifellos das Markenzeichen der Show – und gleichzeitig einer der wichtigsten Erfolgsgründe. Die tollen, individuell gestalteten Fantasie-Verkleidungen sind nicht nur verdammt aufwendig, sondern bedienen auch so ziemlich jeden Geschmack. Sei es das drollige Monsterchen, der imposante Engel, der agile Grashüpfer oder das sympathische Faultier (unter dem in Staffel zwei Tom Beck gewann) – hier kann sich jeder Zuschauer, jede Zuschauerin recht schnell mit seinem oder ihrem Favoriten identifizieren. Auch in der morgen startenden dritten Staffel sind wieder absurd-witzige Kostüme dabei: ein Ballerina-Flusspferd, ein Baywatch-Frosch, eine fesche Biene oder ein Influencer-Alpaka.

Besondere Hingucker in diesem Jahr dürften aber das gruselig-faszinierende Skelett und der beeindruckende Anubis sein. Dass die Kostüme so einzigartig und originell sind, hat jedoch in wahrsten Sinne seinen Preis. Zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet eines der Kostüme. Hergestellt werden sie im bayerischen Altötting von einem Team um Theaterschneiderin Alexandra Brandner. Ganze ein bis zwei Wochen und zwölf Personen braucht es, um allein ein einziges Kostüm in Handarbeit herzustellen.

Und man vergesse nicht das unterhaltsame Mitraten! Denn egal, ob Quizshow, Escape-Room oder Krimi: Menschen lieben es, mitzuraten. Wie lautet die Antwort, wie geht es aus dem Zimmer, wer ist der Täter – und eben: Wer zur Hölle steckt denn nun unter der Maske? Die vielen versteckten Hinweise mögen manchmal (bewusst) in die Irre führen, bieten aber schlussendlich einen zusätzlichen Reiz, sind sie doch so etwas wie eine kleine abendliche Schatzsuche.

Diese Interaktivität ist auch das große Plus, das die Show von der (Kopisten-)Konkurrenz abhebt. Bei ähnlichen Gesangswettbewerben wie „The Voice of Germany“ und Co. fehlt dieses Mitraten freilich völlig – dort ist klar, wer singt, es zählt (fast) nur der Gesang. Damit gibt es bei „The Masked Singer“ wieder diese typischen oldschooligen Kaffeeküchen-Gespräche, bei denen man sich im Büro – oder über die sozialen Medien – trefflich über die eigenen Vermutungen austauschen kann.

Wir stellen also fest: die Kostüme, der Überraschungseffekt, das Mitraten – „The Masked Singer“ hat im Vergleich zu anderen Shows so etliche Elemente, die das Format so spannend, so unterhaltsam, so einzigartig machen. Sieht man jedoch genauer hin, gibt es aber doch Einiges, das – mal Butter bei die Fische – so ganz und gar nicht einzigartig ist. Denn Kern der Show sind Gesangsacts, die im Anschluss von einer Jury, in diesem Fall dem Publikum, bewertet und nach und nach hinausgewählt werden bis ein Sieger übrig bleibt.

Das gibt es in vielen anderen Shows auch, genauso wie den Umstand, dass auch „The Masked Singer“ nicht ohne die obligatorischen Promis auskommt. Das ergibt hier aber tatsächlich auch einen Sinn, schließlich müssen unter den Masken Menschen stecken, die einem breiteren Publikum bekannt sind (und deren Identität bis zur Demaskierung strengster Geheimhaltung unterliegt). Mit Max Mustermann und Lieschen Müller würde die Show einfach nicht funktionieren.

Dass „The Masked Singer“ aber in vielen Bereichen gar nicht so einzigartig ist, wie man vielleicht denkt, ist gar nicht negativ – im Gegenteil. Eine Show mit einem völlig einzigartigen Konzept hat zwar immer den Reiz des Neuen und des Unbekannten, birgt aber auch immer das Risiko der Überforderung.  Wir Menschen brauchen Vertrautes, selbst in so Banalem wie einer allwöchentlichen abendlichen Fernsehshow. Der Show-Friedhof der TV-Geschichte ist jedenfalls voll mit gescheiterten Sendungen, die zu viel vom Zuschauer verlangt haben. „The Masked Singer“ mit Moderator Matthias Opdenhövel hat ganz offenbar die richtige Mischung aus Neuem und Vertrautem erwischt.

Und: Aufwendige Masken hin oder her – „The Masked Singer“ wäre lediglich eine Show mit viel Tamtam (und noch mehr Werbeunterbrechungen, die vor allem in der vergangenen Staffel so einiges vom Spannungsbogen wegfraßen – aber irgendwie muss ProSieben ja die Kohle, die für Promi-Gagen und Kostüme rausgeschmissen wurden, wieder reinholen), gäbe es keine Auftritte, die, in welcher Weise auch immer, die Herzen der Zuschauer berühren. Seien es die Bülent-Ceylan-Versionen verschiedener Schlager- und Metal-Titel oder die Auftritte von Gil Ofarims Grashüpfer und von Max Mutzkes Sieger-Astronauten, bei denen schon in Staffel eins so manches Jury- und Zuschauer-Auge vor Rührung ganz feucht wurde: Wenn die Kandidaten Vollgas geben, dann würde man sich die Auftritte wohl auch ansehen, wenn Ceylan (der konsequenterweise dieses Mal neben Sonja „Dschungelcamp“ Zietlow, die in der letzten Staffel im „Hasen“ steckte, auf dem Ratestuhl Platz nehmen wird), Mutzke und Co. nur in Jogginghosen auf der Bühne stünden…

Rock and Roll.

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Wenn Hegel auf Satire trifft – wie Kabarettist Florian Schroeder die „Querdenker“ in Stuttgart narrte…


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„Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream…“

Für seinen Opener auf der Bühne der „Querdenken 711„-Demonstration in Stuttgart gegen die Corona-Maßnahmen und für ein Ende derselbigen am vergangenen Samstag bekam Kabarettist Florian Schroeder aus den etwas lichten Publikumsreihen (wohlmöglich hatte man sich da doch noch zur Abstandswahrung entschieden?) noch freundlichen Applaus. Er trete auf eine Einladung der Veranstalter hin hier auf, um „die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit“ auszutesten, erklärte der 40-Jährige, der bislang vor allem aus seiner „Florian Schroeder Satireshow im Ersten“ und „Spätschicht – Die SWR Comedy Bühne“ bekannt war, denn „man hat mir gesagt, hier in Stuttgart ist die Freiheit…“

Schroeder, der seinen Auftritt danach in einem Video auf YouTube veröffentlichte, versuchte zunächst, seinem schwäbischen Publikum humoristisch die Thesen des in Stuttgart geborenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Dialektik nahezubringen. Anschließend stellte er die Frage, ob in Deutschland eine Diktatur herrsche, worauf sowohl „Ja“– als auch „Nein“-Rufe aus dem Publikum zu vernehmen waren. Als Schroeder bei seinen Zuhörern weiter eruierte, ob „wir in einer Corona-Diktatur“ lebten, erntete er – welch‘ Wunder – ein vielstimmiges „Ja“ aus der Menge. Der Kabarettist entgegnete darauf recht entlarvend: „Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet ihr hier gar nicht stehen…“ Wohl wahr, brillant gekontert.

„Es ist die Pflicht eines Satirikers in dieser Zeit, genau so eine Aktion zu nutzen, um damit ein Stück Aufklärung zu betreiben.“

Schroeders Auftritt zeichnete sich neben einigen satirisch überspitzten Fragen vor allem durch den Versuch aus, sein Publikum davon zu überzeugen, auch seine Ansichten zur Corona-Pandemie anzuerkennen: „Wenn ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst ihr meine Meinung aushalten.“ Als der selbst aus dem Südwesten Baden-Württembergs stammende Kabarettist allerdings – freilich ein wenig auf Provokation abzielend – meinte: „Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstandhalten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können“, erntete er vorwiegend Buhrufe. Zum Abschluss seines elfminütigen Programms sagte Schroeder, das Motto der Demonstration „Querdenken“, zu der in Stuttgart laut dem Veranstalter 5.000 Teilnehmer(innen) zusammen kamen, während die Polizei lediglich mehrere Hundert zählte, bedeute, „selbst zu denken, vernünftig zu sein“ und nicht, einfach „Glaubenssätzen“ zu folgen. Und ganz gleich, wie man selbst zu all den nationalen wie internationalen Maßnahmen rund um Corona stehen mag, so ist es doch ebenso amüsant wie großartig anzusehen, wie Florian Schroeder all jenen populistischen Verschwörungsfreunden, Covidioten, potentiellen blauen Antialternativwählern und -parteimitgliedern, welche sich bei den jüngsten „Querdenken“-Demonstrationen in Berlin, Dortmund oder eben Stuttgart unter das bunt zusammengewürfelte Publikum mischten, mit Hegels Dialektik, intelligentem Witz und gelungener Argumentation den Spiegel vorhält…

 

 

Wie Florian Schroeder eigentlich zu der Einladung der „Querdenken“-Veranstalter kam (kleiner Spoiler: deren Organisationsteam scheint nicht wirklich mit satirischem Sachverstand gesegnet und nahm wohl den ein oder anderen Satz Schroeders aus einem satirischen Solo-Programm über Corona vor einigen Wochen etwas zu wörtlich), beinahe bei der „Querdenken“-Demonstation am 1. August in Berlin (bevor diese aufgelöst wurde) und schlussendlich vor weitaus weniger Menschen in Stuttgart auftrat, zeigt dieser „Hintergrundbericht“ von „extra 3“ (während man hier oder hier Interviews mit dem derzeit unerwartet gefragten Kabarettisten lesen kann):

 

Rock and Roll.

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