Archiv der Kategorie: Song des Tages

Song des Tages: FINNEAS – „A Concert Six Months From Now“


Doch doch, als Musiker und Schauspieler kann man den Kalifornier Finneas Baird O’Connell schon auch kennen (oder eben durch einen früheren Beitrag auf ANEWFRIEND). Vor allem aber halt: als Bruder. Als Produzent. Als Begleiter. Als Sidekick seiner fünf Jahre jüngeren – und deutlich bekannteren – Schwester. Genau: Billie Eilish. Man mag es ja irgendwie kaum glauben, dass die beiden ihre weltweiten Super-Duper-Riesen-Über-Hits wirklich und tatsächlich im heimischen Kinderzimmer zusammengeschraubt haben sollen. Aber es gibt inzwischen eine ganze Reihe von sehr faszinierenden Youtube-Videos, in denen FINNEAS vorführt, wie er Songs am Computer baut. Und ja, der Mann weiß mit recht zarten 24 Jahren bereits sehr genau, was er tut. Und das übrigens nicht nur für sein Schwesterherz, sondern mittlerweile auch für andere große Namen wie Selena Gomez, Camilla Cabello oder die Newcomerin Girl In Red.

Jetzt erscheint „Optimist„, tatsächlich sein erstes Solo-Album. Man möchte es trotzdem nicht Debüt nennen, weil Billie Eilish, siehe oben. Und weil der kreativ Umtriebige auch solo seit 2014 schon zahllose Songs unter eigenem Namen veröffentlicht hat. Der Unterschied: Wenn seine Schwester nicht dabei ist, mag er selbst es eine ganze Ecke konventioneller. Weniger verquer-hypermodernes Elektronik-Experiment, weniger Geflüster, viel mehr klassischer Pop mit warmen Akkordfolgen und großen Melodiebögen, mal ganz zart, mal mit Mut zur Grandezza. Wer will, kann da schon den zeitgeistigen Billie-Sound raushören, aber mindestens genauso Ähnlichkeiten zu Rufus Wainwright oder Sufjan Stevens. Selbstgewählte zweite Reihe also? Nun, mit diesem Second-Hand-Fame dürfte er dank all der Erfolge abseits des eigenen Schaffens recht gut leben können… Das Beeindruckende ist zudem, dass FINNEAS beides so perfekt beherrscht: spröde/modern und retro/geschmackvoll. Noch dazu schreibt er formidable Texte, welche bestenfalls einen kurzen Schlüssellochblick ins Twen’sche Post-Corona-Gemüt gewähren, schlechtestensfalls sehr in Platitüden und Klischees verhaftet bleiben. Bei der hintersinnigen Autotune-Pop-Nostalgiehymne „The 90s“ etwa möchte man ihn loben für Zeilen wie „You could sign me up / For a world without the internet“. Ebenfalls ein exzellentes Schmuckstück: die sich nach Live-Shows sehnende, herzschmerzende Power-Ballade „A Concert Six Months From Now“. Großes Kino, das durchaus seine Momente besitzt.

Keine Frage, der Kerl kann – zumindest was das Pop-Musikalische betrifft – wirklich alles, und einen James-Bond-Titelsong hat er ebenfalls schon hinter sich. Und auch wenn die Songs auf „Optimist“ in vielen Momenten erwartbarer tönen als das Gros des Billie Eilish’schen Outputs und im Grunde nichts bieten, was Storyteller wie Ben Folds, Ben Lee oder Brendan Benson nicht schon ohne Grammy und Weltruhm (besser) zustande gebracht hätten, so darf dennoch auch solo gelten: He’s not the bad guy, duh.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Musa Dagh – „Halo“


Foto: Christoph Eisenwenger

Bereits im vergangenen Sommer pfiffen ein paar gut informierte Musikus-Spatzen von den Dächern von Berlin-Lichtenberg, dass da im Heimstudio von Beatsteaks-Schlagzeuger Thomas Götz gerade eine neue „Supergroup“ entstehen würde, welche nun auf den Namen Musa Dagh hört. Geschichtsgeflissenen Köpfen (oder eben allen, die Wikipedia zu benutzen wissen) dürfte zudem bekannt sein, dass sich die „Supergroup“ nach einem Berg im Nurgebirge im Süden der Türkei benannt hat, welcher 1915 während des Völkermords an den Armeniern mehr als 4.000 wiederständischen Bewohnern der umliegenden Dörfer als Zufluchtsort diente. Ausgestattet mit diesem Hinweis lässt sich zudem auf die weiteren Bandmitglieder schließen: Zum einen Ex-Harmful-Frontmann Aren Emirze, der armenische Wurzeln besitzt (und diesen etwa bei seinem Solo-Projekt Emirsian deutlich hörbar nachspürte), zum anderen Ex-Blackmail-Stimme Aydo Abay. Der ohnehin für so ziemlich jedes kreative Band-Projekt offene Musiker mit der unverwechselbaren Stimme dürfte auch das Bindeglied von Musa Dagh darstellen, schließlich lieferte er bei einem Stück des in diesem Jahr erschienenen Emirsian-Albums „Lezoon“ einen Gesangsbeitrag und stellte erst kürzlich mit „High Times In Babylon“ den ersten Langspieler des Band-Projektes Freindz in die Regale – und zu diesem gehört eben auch Thomas Götz. Komplettiert werden Musa Dagh von Studio-Tausendsassa Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Turbostaat), der zwar vor allem als Produzent fungiert, aufgrund seines kreativen Inputs jedoch gern als inoffizielles viertes Mitglied gezählt werden darf.

Die Rollenverteilung dürfte trotz all des Namedroppings und der zahlreichen Querverweise also klar sein: Moses Schneider an den Studioreglern, Thomas Götz am Schlagwerk, Aydo Abay leiht dem Ganzen sein Stimmchen und Aren Emirze versorgt die Songs mit krachigen, noisig wummernden Gitarren. Zu dessen einstiger Noise-Rock/Alternative-Band Harmful mag es bei Musa Dagh daher sicherlich Parallelen geben, doch klingen die am 26. November erscheinenden zehn Songs des unbetitelten Debüts – wie man liest – variabler, unberechenbarer, spielfreudiger, überraschender. In jedem Fall darf man gespannt sein. 

So kommentieren es die Köpfe hinter der Band:

Thomas Götz: „Musa Dagh: Die Lizenz zum viel Spielen, Moses Schneider at the controls. Vertrauen – sich gehen lassen. Fünf sind doch gerade. Aufnehmen zuhause @fake Hansa Studios. How Aydo writes 10 Texte around Neukölln in einem Tag.“

Aydo Abay: „Es sollte in vier Tagen in den Hansa-Studios mit Moses und einem Drummer aus New York passieren. Dave Sardy sollte die Platte mischen. Im Hansa Studio hatte ich noch nie aufgenommen, mit Moses und Dave noch nie gearbeitet. Plötzlich hat das mit dem New Yorker Drummer doch nicht geklappt, und Aren fragte Moses und mich, ob man Thomas von den Beatsteaks als Drummer ins Boot holen könne. Gesagt, getan und Thomas war dabei. Noch mehr Vorfreude. Dann standen wir auf einmal im Proberaum von Thomas. Was soll ich sagen? Es hat sehr viel Spaß gemacht. Kaum Verantwortung. Hier einen Text schreiben, Melodien fallen mir immer zu allem ein und ein nettes Miteinander mit besonderen Menschen. Dass die Platte so gut wird, hat mich umgehauen. Auch hier gilt wieder: einfach mal machen und schauen was passiert!“

Aren Emirze: „Im Grunde wollten Aydo und ich immer schon eine Platte zusammen machen. Seit den bluNoise-Tagen in den 90ern denken wir darüber nach. Etwas schön Hartes, Krasses stellten wir uns vor. Warum es nie dazu kam und warum die Zeit genau jetzt dafür reif schien, kann ich echt nicht sagen. Dass Moses das Ganze produzieren sollte, stand auch schnell fest – ich habe ja schon einige Platten mit Moses gemacht, und er hatte auch Lust auf so ein neues Projekt. Dann, als das in New York alles nichts wurde, fiel uns ein, dass die Beatsteaks ja gerade Pause machen, und ich dachte mir, fragen wir doch mal den Thomas, ob er Bock hat zu trommeln. Hatte er. Also ab in Proberaum. Zunächst nur Thomas und ich – und dann kam die Explosion. Die ganzen Riffs, die vertrackten Ideen, die Urgewalt, das kam alles sofort raus. Von da an hab ich allen gesagt: Mehr ist mehr. Macht und spielt was ihr wollt, je größer ihr dabei den Raum füllt, umso besser. Je drei kompakte Proben- und Aufnahmesessions später hatten wir das Album beisammen und das Gefühl, dass kein Song darunter ist, der unnötige Kompromisse eingeht. Ich verstehe, dass diese Platte die Leute draußen fordern wird. Für uns, die wir genau dorther kommen, ist das ganz natürlich. Das kommt einfach aus uns raus und fühlt sich total poppig und easy an. Ich finde nicht, dass wir unnötig kompliziert sind, aber es sind schon krasse Nummern auf der Platte. Es war total schön, mit diesen Freunden ein Album aufzunehmen, bei dem es für niemanden darum geht, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen – und das gerade, wo die Erwartung von Fans unserer anderen Bands sicher riesig ist. Trotzdem waren wir alle überrascht, was für ein Album dann dabei rausgekommen ist. Denn klar, wir kommen alle aus der härteren Gitarrenmusik, aber dort doch aus recht unterschiedlichen Ecken. Wo genau da die Schnittmenge liegt und wie die Synergie aus diesen Persönlichkeiten klingen könnte, das wussten wir alle vorher nicht.“

Emirze kommentiert den Song „Halo“, der gestern als erster akustischer Vorbote des kommenden Albums seine Premiere feiern durfte, wie folgt: „Die Hauptriffs von ‚Halo‘ schwirrten schon länger in meinem Kopf. Mit Thomas und Aydo im Proberaum gab es kein Halten mehr, und der Song ging auf die Reise… Eine Achterbahnfahrt mit klarem Ziel: alles zu vereinen was Musa Dagh ausmacht. In einem Song.“

Rock and Roll.

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Song des Tages: August August – „Wahnsinn“


„Glaubst du immer noch daran, dass ein Fallender sich selbst fangen kann?“

Zeilen wie diese und der Titel ihres für Februar 2022 angekündigten zweiten Albums „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ lassen vermuten, dass in „Wahnsinn“, einer beatlastigen Hymne mit Sogwirkung und nach „Kaputt + Kein Hunger“ zugleich die zweite Auskopplung aus dem Nachfolger zum 2016er Debüt „Sag Du„, nicht zuletzt die Frage nach der mentalen Gesundheit in einem kranken System verhandelt wird. Eine gleichsam phantastische wie poetische Reise durch unsere Vorstellungen von Realität und Einbildung, Authentizität und Verstellung, Reflektion und Verzerrung, normal und verrückt, oben und unten, wahr oder falsch… Darauf angesprochen antworten August August mit einem Zitat von Albert Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Aber auch philosophische Themen scheinen die Band, bestehend aus Kathrin Ost, die auch als Schauspielerin im Theater und TV arbeitet, und dem Berliner Gitarristen David Hirst, zu beschäftigen: Formen wir die Kategorien nach den Menschen oder die Menschen nach unseren Kategorien? Bist du am Ende der Mensch geworden, der du sein wolltest oder der, für den dich alle immer gehalten haben? Hat Wahnsinn einen Sinn? Was passiert, wenn die Fremdzuschreibung zuschnappt?

All diese Fragen kann man im Subtext der Liedzeilen heraushören – wenn man denn möchte. Denn was ihre Songs bedeuten sollen, diese Feststellung überlassen August August ihrem Publikum. „Wir geben keine Bedienungsanleitung zur Kunst“, verrät Sängerin Kathrin Ost. „Das finde ich auch einen ganz seltsamen Anspruch. Kommt das daher, dass wir gewohnt sind, alles einer Verwertungslogik zu unterziehen? Ich glaube, wir sollten auch mal aushalten, dass es nicht sofort oder nicht immer nur eine Antwort gibt. Es ist dann sicher oft komplizierter, aber auch aufregender und, wie wir finden, auch wahrhaftiger!“

Musikalisch entfaltet „Wahnsinn“ einen ähnlich epischen Drive, wie er beispielsweise bei den US-Rockern The War On Drugs oder den Wave-Göttern von The Cure zu erleben ist. Ein treibender Drum-Groove trifft auf trockenen E-Bass, der, ergänzt durch träumerisch anmutende Gitarren- und Synthie-Akkorde, eine sogartige Wirkung entfaltet. Hat man so ähnlich vor einiger Zeit auch schon von den leider sträflichst zu kurz gekommenen Karpatenhund gehört, klingt jedoch keineswegs wie eine bloße Kopie.

Für das Musikvideo zum Song haben August August – ganz indie’esk – erneut selbst Regie und Produktion in die Hand genommen. Herausgekommen ist ein psychedelischer 3-Minuten-und-45-Sekunden-Trip. Da wird in Lederjacke Bassgitarre gespielt und die Physik scheint außer Kraft gesetzt. Dinge fallen von unten nach oben, Personen und Ebenen verschwimmen miteinander, es stehen zeitweise gleich zwei Monde am Himmel und das Karussell dreht sich mit uns schier endlos weiter.

Das Indie-Pop-Duo aus Hamburg und Berlin legt mit diesem als auch weiteren Titeln ihres kommenden Albums „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ einen durchaus international klingenden Indie-Sound vor, der in der deutschsprachigen Popwelt – noch dazu mit weiblichen Leadvocals – bislang eher selten zu finden ist und inhaltlich wie musikalisch nah am Puls der Zeit hantiert.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Enno Bunger – „Weiter so!“


“Weiter so!” heißt der satirische Song, mit dem Enno Bunger die aktuelle Politik kommentiert – und ganz unironisch zur am kommenden Wochenende anstehenden Bundestagswahl aufruft. Geschrieben hat der Hamburger Singer/Songwriter, dessen letztes Album „Was berührt, das bleibt.“ 2019 erschien, das Lied gemeinsam mit Sarah Muldoon und Roland Meyer de Voltaire. In der Nacht zum Dienstag wurde zudem das dazugehörige Musikvideo veröffentlicht.

“Weiter so! Für mehr Seil- statt Wissenschaft! Weiter so! Artenschutz nur für den DAX! Weiter so! Was kümmert das den Staat? Das mit dem Klima, das regelt schon der Markt!”, singt Enno Bunger in dem gerade einmal etwas mehr als zwei Minuten kurzen Stück unter anderem und parodiert dazu so einige Partei-Slogans. Allen augenzwinkernden Zeitgeist-Kommentaren zum Trotz folgt am Ende (s)ein völlig ernst gemeintes Statement mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September: “Geht wählen!”

Freilich macht der Sänger, Pianist, Komponist und Produzent – wie viele seiner Musikerkollegen auch – keinen Hehl aus seiner Zuneigung zu den Grünen. So trat er am Montag im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung von Robert Habeck in Hamburg auf. Zudem veröffentlichte er auf YouTube unter dem Musikvideo ein Zitat der Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Maja Göpel:

Wenn die CEOs und wirtschaftlichen Entscheider dieser Republik und der Welt inzwischen sagen: von den Top 6 globalen Risiken sind 5 ökologisch und das sechste Massenvernichtungswaffen, dann ist doch einfach die Zeit vorbei, wo man darüber reden muss, ob jetzt Ökologie etwas kosten darf.“

Und ganz gleich, wie man sich selbst am Ende politisch positionieren – und zu einer Partei wie etwa den Grünen stehen – mag, so darf man sich gern den ein oder anderen Gedanken aus „Weiter so!“ zu Herzen nehmen (und noch lieber mal durchs Haupthirn wandern lassen). In einem Punkt dürften wir uns jedoch alle einig sein: “Geht wählen!”

Rock and Roll.

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Song des Tages: Casper – „Alles war schön und nichts tat weh“


Foto: Promo / Chris Schwarz

Dass bei Benjamin „Casper“ Griffey etwas im Busch ist, hatte sich in den vergangenen Tagen in dessen Social-Media-Profilen bereits abgezeichnet: Ein auf null gesetzter Instagram-Account, unkommentierte Fotos von Bienenvölkern, ein neues Profilbild mit Bienenbart – es war offensichtlich, dass der Indie-Emo-Rapper etwas ankündigen würde. Ohnehin war bekannt, dass er sich im März 2020 zum Schreiben eines neuen Albums nach New Orleans zurückgezogen hatte und die Aufnahmen seitdem gut vorangekommen waren.

Wasserstandsmeldungen, Gerüchte – klar. Nun ist es jedoch offiziell: Am 25. Februar 2022 soll eine neue Casper-Platte mit dem Titel „ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH“ erscheinen. Produziert hat Max Rieger (Die Nerven), an den Songs mitgeschrieben Caspers Podcast-Kollege Drangsal. Fans können die Platte bereits auf Vinyl oder CD vorbestellen, bei Bedarf auch mit weiterem exklusiven Merch im Bundle, etwa mit Hoodies und T-Shirts.

Freunde des deutschen Indie-Punks dürfte des neuen Langspielers zudem durchaus bekannt vorkommen. Woher? Nun, nachdem der Rapper sich bereits für einen Song des vergleichsweise düsteren 2017er Vorgängeralbums „Lang lebe der Tod“ vom Buchtitel „Wo die wilden Maden graben“ des Muff Potter-Sängers und Autoren Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt inspirieren ließ, scheint der neue Albumtitel nun vom gleichnamigen Muff-Potter-Stück von deren 2009er Abschiedsalbum „Gute Aussicht“ ausgeliehen. Oder doch nicht? Zumindest ging Casper die Wendung nach eigenen Angaben nicht mehr aus dem Kopf, seit er sie im Lockdown in Kurt Vonneguts Roman „Slaughterhouse-Five“ gelesen hatte, in welchem der amerikanische Autor seine Erlebnisse als Kriegsgefangener während der Luftangriffe auf Dresden verarbeitete…

Da bis zum kommenden Februar noch ein paar Monde durch Land ziehen werden, entlässt Benjamin „Casper“ Griffey, der abseits seiner Solo-Ausflüge außerdem 2018 das Koop-Album „1982“ mit Marteria veröffentlichte, bereits jetzt einen ersten Höreindruck ins gespannte Hörervolk: Die gleichnamige erste Single der fünften Studio-Platte startet mit einem kurzen Bläser- und Streicher-Intro, dann wird in mächtigen Dur-Klavierakkorden und Chor-Backgrounds der New-Orleans-Einfluss im Stil des 2013er Erfolgsalbums „Hinterland“ hörbar, während Casper in der Post-Lockdown-Zeit über mentale Gesundheit, Erwartungshaltung und Druck rappt – all das Dinge, von denen er sich frei machen will. Freilich gibt’s auch diesmal so einige typisch-gewohnte Buzzwords oder Futter für ein Casper-Bingo (das man durchaus mal anlegen sollte), aber auch viele starke Lines wie diese: „Depression bei Fuß / Wie ein Hund bei der Jagd“. Langweilig ist der neue Song jedoch keineswegs, denn im Pre-Chorus wird er kurz ganz zart, singt melodisch – bevor der Rapper im groß aufwallenden Refrain wieder seinen Weg aus dem Zweifel findet: „Ich explodier‘ / Renn‘ zu dir / So weit wie meine Beine mich tragen auf meinem Weg und Licht in allen Farben angeht / Alles war schön und nichts hat weh getan“. Weniger Schmirgelpapier, kaum Testosteron – irgendwie unperfekt, und am Ende doch gut durchdacht.

Das zugehörige Musikvideo arbeitet zudem mit einigen assoziativen Bildern: Casper auf seiner eigenen Blumeninsel des Glücks in einem Meer, in dem ihn die Haie umkreisen, während sich die nächste große Sturmflut schon am Horizont ankündigt. „Es ging mir darum, mich aus der Schale zu pellen, dieser Song ist für mich wie eine Katharsis – und blickt insofern gleichermaßen zurück wie nach vorne“, sagt Casper selbst.

Anlässlich der Plattenveröffentlichung hat der 38-jährige Musiker außerdem frische Tourdaten angekündigt. In 14 Städten innerhalb der deutschsprachigen Länder wird der Emo-Rapper Clubshows spielen, gemessen an seinen sonst üblichen Arena-Shows also vor vergleichsweise kleinem Publikum auftreten. Kaum verwunderlich also, dass fast alle Konzerte in kürzester Zeit ausverkauft waren, nur für Bern gibt es aktuell noch Tickets im Casper-Shop. Zum Glück folgt später noch die große Hallentour, die im November und Dezember 2022 zwölf weitere Termine bereithält. Auch hierfür gibt es Tickets bei Krasser Stoff.

CASPER
— „Alles war schön und nichts tat weh“  Tour 2022 —

Tickets

17.03.22 Hannover, Capitol (ausverkauft)
18.03.22 Tübingen, Sudhaus (ausverkauft)
19.03.22 CH-Bern, Bierhübeli
21.03.22 Leipzig, Felsenkeller (ausverkauft)
22.03.22 München, Muffathalle (ausverkauft)
23.03.22 AT-Wien, Arena (ausverkauft)
25.03.22 Dortmund, FZW (ausverkauft)
26.03.22 LU-Luxemburg, Den Atelier
28.03.22 Köln, Carlswerk Victoria (ausverkauft)
29.03.22 Mannheim, Alte Feuerwache (ausverkauft)
31.03.22 Berlin, Metropol (ausverkauft)
01.04.22 Münster , Skaters Palace
02.04.22 Bremen, Schlachthof (ausverkauft)
04.04.22 Hamburg, Uebel & Gefährlich (ausverkauft)

27.11.2022 Leipzig, Haus Auensee
29.11.2022 Stuttgart, Porsche-Arena
30.11.2022 CH-Zürich, Halle 622
01.12.2022 Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle 
03.12.2022 Hamburg, Sporthalle 
05.12.2022 München, Zenith
06.12.2022 AT-Wien, Gasometer
09.12.2022 Bochum, RuhrCongress
10.12.2022 Münster, Halle Münsterland 
13.12.2022 Köln, Palladium 
14.12.2022 Hannover, Swiss Life Hall 
16.12.2022 Berlin, Max-Schmeling-Halle 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Noah Gundersen – „Sleepless In Seattle“


Gute Nachrichten für alle Freunde des gefühligen Liedguts: Etwa zwei Jahre nach dem bislang jüngsten Langspieler „Lovers“ meldet sich Noah Gundersen nun in Kürze mit seinem neuen Album „A Pillar Of Salt“ zurück, welches bereits im Oktober erscheinen wird.

Besser noch: Mit „Sleepless In Seattle“ lässt der 32-jährige US-Singer/Songwriter mit der nahezu unverkennbar samtigen Stimme bereits ein erstes Stück daraus hören, welches weniger mit dem – zumindest meiner bescheidenen Meinung nach – recht gräßlichen Schnulzen-Film mit Meg Ryan und Tom Hanks zu tun hat, sondern vielmehr ein melancholisches Tribut an seine Heimatstadt darstellt. Freilich bin ich als überzeugter Fanboy der (quasi) ersten Stunde hier ein wenig befangen, aber viel falsch macht Gundersen während dieser ersten Hörprobe hier einmal mehr keineswegs, sodass man sich getrost auf den nahenden Herbst und das elf Songs starke neue Werk, welches auch ein Duett mit Indie-Darling Phoebe Bridgers enthalten wird, freuen darf…

„Sleepless in Seattle, I couldn’t find a better name for this
If idle hands make devil’s work, maybe we should build a church just so we can burn it down
‚Cause every bar in this city reminds me of somebody now
If I get drunk at 12th and Union whose street will I go wandering down

So, I don’t want to go home
I don’t want to go home

Brian’s on a barstool, talking to his tall can again
All that acid in the 90’s, he said it made a man out of him
All his LA friends got married, a wife, a house, a couple kids
He’s just trying to keep the dream alive and if it dies then he and I
Just might die right along with it

So, I don’t want to go home
I don’t want to go home

Where it’s just half finished skyscrapers begging the question
Does anyone care anymore?
This city was built on the back of a spirit that I can’t feel anymore
Maybe there’s a new anger or a new seed for some younger farmer to sow
But right now it feels like last call on New Year’s Eve
And the bar tender is telling me to go
But I don’t want to go home
I don’t want to go home“

Rock and Roll.

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