Archiv der Kategorie: Song des Tages

Song des Tages #2: Foo Fighters – „Run“


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Dave Grohl? Klar, Spitzentyp (längst bekannt), der auf meiner imaginären Buddies-Liste einen der vorderen Plätze belegt. Andererseits kann ich freilich auch gut nachvollziehen, wenn man seine Sympathieattacken ebenso wenig ab kann wie die Musik seiner mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert gemeinsam rockenden Hautband, den Foo Fighters. Musik ist eben, vor allem: Geschmacksache.

Eines jedoch kann man dem Grohl nicht absprechen: Arbeitseifer und massig Talent auf vielen Ebenen. Denn so ist 48-Jährige, dessen Karriere einst in den seligen Neunzigern als Nirvana-Schlagmacher („Nevermind“! „Smells Like Teen Spirit“! Grunge! Musikgeschichte!) begann, nicht nur antreibender Gitarrero-Frontmann der Foos, sondern nimmt in den letzten Jahren auch immer lieber und öfter auf dem Regiestuhl Platz – etwa für die großartigen Musikdokumentationen „Sound City“ oder „Sonic Highways„. Und logischerweise besorgte der dauerbeschäftigte Vollblutmusiker (der eben auch selbst immer Fan geblieben ist) auch die dazugehörigen Soundtracks, zu „Sonic Highways“ gleich mit den Foo Fighters selbst. Dazu wieder eine Welttournee (bei der sich Grohl, das Bühnenmonster, im Juni 2015 bei einem Bühnensturz im schwedischen Göteborg ein Bein brach – und die Show trotzdem zu Ende brachte). Und danach? Auszeit? War angedacht, doch vorher kamen die Foos im November 2015 noch mit der kostenlos ins Netz gestellten EP „Saint Cecilia“ ums Eck.

Dass die mittlerweile sechsköpfige Band – allen Witzen, Auszeit-Versprechungen und Nebenaktivitäten ihrer Mitglieder zum Trotz – nie länger die Beine still halten kann, war noch nie überraschend. Der Song, mit dem sich Dave Grohl und Co. vor ein paar Tagen zurückmelden, jedoch schon ein wenig.

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So tarnt sich „Run“ in der ersten Strophe als gefällige Powerballade (davon gab’s ja auf dem bisher letzten Album, „Sonic Highways“, schon ein paar), um im Refrain zum wohl lautesten Stück Musik zu werden, das die Foo Fighters seit „Wasting Light“ (2011) aufgenommen haben. Shouts von Grohl? Derb ungeschliffen in die Saiten rockende Chords, die in den Moshpit einladen? Sind gern genommen.

Auch das dazugehörige Musikvideo – die sind ja bei den Foos bereits seit den Anfangstagen beinahe durchgehend Highlights mit Alleinstellungsmerkmal – zeigt die Band einmal mehr als selbstironische Verkleidungskünstler: In der Kapelle eines Altersheims spielen sie als absolut rüstige weiße Greise auf, die mit „Run“ den Rest der Bewohner zu Unruhen anstiften, welche in eine wilde Prügelei und schließlich in eine große (letzte?) Party inklusive Choreografie münden. Regie beim Video führte – man ahnt es – Dave Grohl.

Und das Beste: Wie die Band, welche in den kommenden Tagen in Europa auf Tournee sein wird, in dieser Woche bekannt gab, wird „Run“ am 15. September 2017 Verstärkung erhalten, ist der Song schließlich Teil des neuen, neunten Foo-Fighters-Studioalbums „Concrete And Gold„. Man darf gespannt sein. Stillhalten war eben nie Dave Grohls Sache…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The xx – „Brave For You (Marfa Demo Version)“


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Ich geb’s zu: Zwar mag ich The xx, für die spannendste Band halte ich das Londoner Trio jedoch kaum – das hat sich auch mit dem im Januar erschienenen dritten Album „I See You“ nicht geändert. Wenn’s um verträumt-melancholischen, von Electronica und Minimal durchzogenen Indie-Dreampop geht, bekommen bei mir im Zweifel oft die aus dem englischen Nottingham stammenden London Grammar den Vorzug. (Dass beide Bands nicht zu einhunderundein Prozent deckungsgleich sein mögen, weiß ich selbst. Aber hey – beides junge Bands aus Brexitannien mit je zwei Mannen und einer Frontdame mit ganz und gar bezaubernder Stimme! Für mich kann juveniler Herzschmerz aktuell kaum schöner klingen als aus dem Mund von London Grammars Hannah Reid – man höre einfach das neue Album „Truth Is A Beautiful Thing„…)

XX_ISEEYOU_4000Nichtsdestotrotz haben auch Romy Madley Croft, Oliver Sim und 
Jamie xx, die seit dem Erscheinen ihres ganz simpel „xx“ betitelten Debüts 2009 einen ganz eigenen, charismatischen, international erfolgreichen Sound etabliert haben, auch 2017 den ein oder anderen tollen Song vorzuweisen. Etwa die reduziert daher schwebende und aufs Nötigste herunter gebrochene Demo-Version von „Brave For You“ (erschienen auf dem Deluxe Box Set von „I See You“), zu der es nun auch ein Musikvideo gibt. Anschauen, anhören – und dahinschmelzen…

 

 

 

„In all I know
And what I’ve done
I take you along
Though you’re not here
I can feel you there
I take you along

And when I’m scared
I imagine you’re there
Telling me to be brave

So I will be brave for you
Stand on a stage for you
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to
I will be brave
I know you’d want me to

I see things change
And now watch them grow
And I know you do, too
When the things don’t make sense
I have courage
Because of you

And when I’m scared
I imagine you’re there
Telling me to be brave

So I will be brave for you
Stand on a stage for you
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to
I will be brave
I will be brave
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to

There are things I wish I didn’t know
I try my best to let them go“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Husten – „Liebe kaputt“


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Ich, inoffizieller Ehrenpräsident des weltersten (?) Gisbert-zu-Knyphausen-Ultra-Fanclubs, feiere natürlich so ziemlich alles Neue ab, was der Mann in die Musikwelt entlässt…

Okay, fair enough: Das mit dem „Ehrenpräsidenten“ hab‘ ich mir ausgedacht, den Fanclub wird’s zwar sicherlich irgendwo geben, ich selbst gehöre jedoch nur im Geiste dazu. Aber dennoch stimmt es: eine schlechte Veröffentlichung hat die – zugegebenermaßen noch recht spärliche – Veröffentlichungsvita von Gisbert zu Knyphausen bislang nicht vorzuweisen. Die beiden 2008 beziehungsweise zwei Jahre darauf erschienenen Soloalben „Gisbert zu Knyphausen“ und „Hurra! Hurra! So nicht.„? Großartig. Das 2012 veröffentlichte erste – und einzige – Album „I“ von Kid Kopphausen, dem feinen Projekt mit seinem leider im selben Jahr viel zu früh verstorbenen Hamburger Musikerkumpel Nils Koppruch? Großartig. Ob sich zu Knpyhausens neues Band-Projekt Husten da nahtlos einreiht?

Nun, zunächst einmal stellt einen das neuste kreative Baby des Mannes, dessen Fans bereits seit geschlagenen sieben Jahren vergeblich auf einen legitimen Nachfolger von „Hurra! Hurra! So nicht.“ warten, auf eine ziemliche Probe, sind die fünf Songs (in 14 Minuten), die zu Knyphausen mit seinen aktuellen Husten-Musizierpartnern Moses Schneider (Studiobesitzer und Produzent von u.a. den Beatsteaks, Tocotronic, Turbostaat oder Olli Schulz) und Tobias „Der dünne Mann“ Friedrich (ehemals Sänger von Viktoriapark) im Mai auf der „Husten EP“ zusammengefasst hat, vor allem eines: untypisch und sperrig.

EP_Husten_Front-600x600Anstoß war die geplante Verfilmung von Tino Hanekamps Erfolgsroman „So was von da“ – die darin porträtierte Band brauche Lieder, war man sich sicher. Oder wie die drei von Husten selbst via Facebook schreiben:

„Es war die Rede davon, dass Tino Hanekamps Roman ‚So was von da‘ verfilmt werden sollte. Moses Schneider bekam davon Wind und fragte den dünnen Mann, ob er Lust hätte, am Soundtrack dafür mitzuschreiben. Die Band aus dem Buch brauchte Lieder. Wie das so ist, vergingen drei, vier Jahre, einige Songs entstanden, aus dem Film wurde (noch) nichts.
Also gründete man eine eigene Band, die Lieder waren ja da. Zwei sind aber keine Band, also fragten sie Gisbert zu Knyphausen, ob er mal im Studio vorbeikommen wolle, es gäbe was zu singen. Das hat er dann getan und ihm gefielen die Lieder.
Aber eine ‚richtige‘ Band mit Live-Auftritten und Album wollte man eigentlich gar nicht sein. Das Leben ist kompliziert. Schließlich traf man sich öfter in Restaurants als im Studio. Richtige Bands sind oft im Übungsraum. Moses, Gisbert und der dünne Mann nannten sich dann ‚Husten‘ und schraubten ihre Lieder aus allen möglichen Überbleibseln der letzten zwanzig Jahre fertig zusammen. Hier ein Schlagzeug-Take, zu dem es kein Lied gab, dort ein Sample, das niemand wollte; eine übrig gebliebene Nummer vom dünnen Mann, ein Playback von Moses, neue Melodielinien von Gisbert. Mehr war das nicht.“

Eben. Den bislang fünf Songs des Endergebnisses (welche via Bandcamp im Stream bereitstehen) hört jeder, der in den letzten Jahren die deutsche Musikszene aufmerksam verfolgt hat, sowohl den Einfluss von Moses Schneider – die staubig-trockene Produktion, welche in ihrer direkten Art an US-Vorbilder wie Steve Albini gemahnt – als auch den von Gisbert zu Knyphausen – sinistre Melodiebögen mit Hang zur melancholischen Alltäglichkeit – an. „Songwriter-Betulichkeit findet man hier nicht, es ist eher ein sehr schön inszenierter Auffahrunfall, den die Stücke nachstellen“, wie der „Musikexpress“ schreibt. Oder, an anderer Stelle: „Die lediglich auf Vinyl gepressten fünf Stücke sind aber genauso gut geeignet als Soundtrack für die schnelle Fahrt ins Freibad. Wie man das mit dem Plattenspieler hinbekommt, ist jedem selbst überlassen.“ Mindestens „Liebe kaputt“ dürfte sich auch bei der sommerlichen Fahrt ins Freibad als kleiner Indie-Hit herausstellen (trotzdem darf man sich gern noch die Musikvideos zu „Bis einer heult“ und „So was von da“ ansehen).

Und die beste Nachricht zum Schluss kommt von der Husten-Band selbst: „Ach ja, es hat der Band so viel Spaß gemacht, dass die nächste EP ist schon fast fertig ist, ebenso die übernächste. Die kommen dann wieder im Mai. 2018, 2019, …“

 

 

„Ich krieg‘ die Liebe geschenkt
Und muss dafür teuer bezahl’n
Du kaufst dir Liebe und mehr
Es war alles umsonst
Und so bricht es auseinander wie Zwieback
Was eigentlich für die Ewigkeit war
Will oft nicht länger halten, als ein Wimpernschlag

Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Asche zu Asche, Schutt zu Schutt

Und wenn du mich fragst
‚Was war denn deiner Meinung nach unser schönster Augenblick?‘
Glaub‘ ich, es war ein anderer
Und so bricht es auseinander wie Zwieback
Was eigentlich für die Ewigkeit war
Will oft nicht länger halten, als ein Wimpernschlag

Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Asche zu Asche, Schutt zu Schutt

Sie kriegt die Liebe geschenkt
Und muss dafür teuer bezahl’n
Er kauft sich Liebe und mehr
Es war alles umsonst
Und so bricht es auseinander wie Zwieback
Was eigentlich für die Ewigkeit war
Will oft nicht länger halten, als ein Wimpernschlag

Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen – wieder ausgespuckt
Hey, hey, hey
Auf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Auf’s Herz gefallen, uf’s Herz gefallen – Liebe kaputt
Liebe kaputt“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Portugal. The Man – „Don’t Look Back In Anger“


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Wer sein neustes Werk „Woodstock“ nennt, der sollte damit rechnen, dass dem Gegenüber dabei auch so einige Assoziationen durch die Hirnrinde schießen – welche im Fall von Portugal. The Man durchaus enttäuscht werden.

Denn so richtig politisch ist das achte Album der US-Indierock-Band nicht. Eher: Hipper Hipster-Electro-Soul-Rockpop, der die Blumen nicht (mehr) im Haar trägt, sondern die bunt beschienene Tanzfläche damit ausschmückt, und die Faust nicht wutentbrannt gen Firmament, sondern freudig tanzend gen Diskokugel reckt. Vielmehr entstammt der Titel des neusten Studiowerkes (dem ersten seit „Evil Friends“ von vor vier Jahren) einer Konversation von Heliumstimmen-Frontmann John Gourley mit dessen Vater, der damals, 1969, beim legendären Musikfestival mit dabei gewesen sein soll.

Und diejenigen, die die Karriere von Alaskas Finest seit den Anfängen vor über zehn Jahren (das Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ erschien 2006) stetig mitverfolgen, dürften wissen, dass gerade Portugal. The Man eine Band sind, die sich stetigem Wandel unterwirft. Da werden sowohl munter Bandmitglieder getauscht wie die musikalische Ausrichtung – vom zackigen, Pirouetten schlagenden Frickelrock á la The Mars Volta über verqueren Lagerfeuer-Folk bis hin zu von Danger Mouse produziertem psychedelischem Soul-Pop war bereits alles drin in der tönenden Wundertüte aus Wasilla, Alaska.

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Und nun eben: Psych-Electro-Soul (die Eröffnungsnummer „Number One„, welche wiederum mit einem beim „Woodstock“-Festival aufgenommen Sample von Richie Havens beginnt), Autotune und Rapeinlagen („Mr. Lonely“ mit LA-Hip Hopper Fat Lip), Neo-Glam („Live In The Moment“), satte Radio- („Feel It Still„) und Modern-Rock-Hits („Easy Tiger“). Mit der teilweise so schön dreckigen Gitarrenmusik der Anfangstage hat all das nur noch wenig zu tun. Pop-Act (im Kleinen) statt Rock-Combo (mit Indie-Cred). Sonnenbeschienene Nachmittags-Festivalbühne statt miefiger Indie-Club. Das darf man schade oder gar scheiße finden, man kann es aber auch begrüßen. Entscheiden Sie selbst…

 

Um ihr neustes Studioalbum „Woodstock“ ausreichend zu promoten, haben Portugal. The Man kürzlich auch Halt in der niederländischen Radioshow „Ekdom in de Ochtend“ (also: „Ekdom am Morgen“ – mit Moderator Gerard Ekdom, welche auf NPO Radio 2 läuft) gemacht. Dort präsentierte die fünfköpfige Band ihre Covervariante des Oasis-Gassenhauers „Don’t Look Back In Anger“ (welcher durch die Ereignisse in Manchester vor wenigen Wochen wieder aus der Versenkung geholt wurde)…

 

…und eine Akustik-Version den neuen Songs „Feel It Still“:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Moses Pelham – „Meine Heimat“


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Moses Pelham covert Lena Meyer-Landrut.

Was klingt wie ein schlecht angegangener popkultureller Witz, ist so wirklich kürzlich passiert – in der VOX-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert„.

Das Konzept hierbei dürfte bekannt sein (im Zweifel weiß Wikipedia freilich fast alles): „Sieben deutschsprachige Sänger aus verschiedenen Genres kommen an einem abgeschiedenen Ort zusammen. Jeder der ersten sieben Abende, die aufgezeichnet werden, ist einem der Musiker gewidmet. Die anderen sechs Interpreten singen jeweils in ihrem eigenen Stil ein Lied von ihm als Coverversion vor, mit Bandbegleitung, aber ohne weiteres Publikum. Vor jedem der Auftritte werden Ausschnitte aus den Originalvideos zum Vergleich gezeigt. Die Musiker kommentieren die Lieder, negative Kritik wird aber nicht geübt. Zusätzlich singt der Interpret des Abends ein eigenes aktuelles Lied und kürt am Ende der Folge den Song des Abends, dessen Interpretation ihm am besten gefallen hat. In der abschließenden achten Folge singen die Musiker dann noch einmal ausgewählte Lieder im Duett.“

Vielsagend auch der folgende Satz: „Der Song des Abends wird am nächsten Tag als Download-Single veröffentlicht. Dazu gibt es ein Album zur Staffel mit den besten Darbietungen aus den verschiedenen Folgen.“There’s no business like show business, klar. Gerade in Zeiten, in denen das Musikgeschäft schnelllebiger denn je erscheint und allzeit eine neue Penunzensau durchs – heute meist digitale – Dorf jagen muss, gilt es natürlich, auch den kleinsten gemeinsamen Nenner zu versilbern…

Doch zurück zu „Sing meinen Song„. Bei der Show, die – nach einer Idee aus dem niederländischen TV (dort heißt’s „De beste zangers van Nederland“ und ist noch zig Mal peinlicher, glaubt mir) – in Deutschland seit 2014 läuft und mittlerweile in die vierte Staffel gegangen ist, sitzen sich ja eh meist eher zweifelhafte Persönlichkeiten der bundesdeutschen Pop-Landschaft gegenüber. In der Vergangenheit waren dies etwa „Dick Brave“-Sasha, der rückständige Tiroler Volktümler Andreas Gabalier, Nervsirene Sarah Connor, Xavier „Aluhut“ Naidoo, Pur-Frontmann Hartmut „Abenteuerland“ Engler, die brav trällernden Prinzen, die auf ewig jung getrimmte Oma Nena, Wolfgang „BAP“ Niedecken, der olle Springsteen’n’Dylan-Ultra, den außerhalb Kölns sowieso kaum jemand versteht, Andreas Bourani (der mit dem WM-Song-One-Hitter), Hauchstimme Yvonne Catterfeld oder das alte Fräulein Annett Louisan (plus so einige Lückenfüller). Man merkt schnell: die so zusammengewürfelten Combos lesen sich zwar relativ spannend, klingen am Ende jedoch exakt wie der Song, den man nach – gefühlt ewigen – fünf Sekunden skippen möchte.

Auch 2017 liest sich die Besetzung kaum besser: Grinsekatze Mark Forster, Stefanie „Silbermond“ Kloß, Lena Meyer-Landrut, Moses Pelham (plus Cassandra Steen, die dieser oft zum Singen ans Mikro stellt), Michael Patrick Kelly (ja, der „Paddy“ von der Kelly Family) und der Leiter des Osnabrücker Bob-Marley-Fanclubs, Gentleman (bei dessen falsch aufgesetztem jamaikanischem Slang mich jedes Mal ein spontaner Würgreflex durchfährt). Möchte man das sehen? Oder hören? Genau.

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Und doch gibt es erfreulicherweise (auch das darf man ja gern zugeben) immer wieder Ausreißer nach oben. So geschehen bei der eingangs erwähnten Coverversionen von Moses Pelham.

Klar, auch die Personalie des deutschen Rappers und Musikproduzenten ist nicht ganz unumstritten: Anfang der Neunziger war der 1971 in Frankfurt am Main geborene Sohn eines US-amerikanischen Bluesmusikers (Moe Pelham Sr.) und einer deutschen Versicherungskauffrau einer der Mitbegründer des zwar legendären, jedoch auch kurzlebigen Rödelheim Hartreim Projekt, verhalf damals jungen Talenten wie Sabrina „Schwester S“ Setlur, Xavier Naidoo oder Cassandra Steen (Glashaus) zum Sprung in die vorderen Chartregionen, während er selbst sich immer mehr auf die Arbeit an den Reglern konzentrierte. Ja klar, Pelham ist auch der Mann, der einem gewissen Stefan Raab 1997 bei einer Rangelei während der „Echo“-Preisverleihung das Nasenbein brach (wer könnte es ihm groß verdenken). Gut, dass der mittlerweile 46-Jährige es heutzutage grundlegend ruhiger angehen lässt und die eigenen Rap-Skills nur noch alle paar Jahre unter Beweis stellt (zuletzt 2012 auf dem gar nicht mal so schlechten Album „Geteiltes Leid 3„). Andererseits sollte man froh sein über einen wie Moses Pelham in der deutschen HipHop- und Poplandschaft, sind dessen (neuere) Songs doch erfreulich frei vom gefakten Gliedvergleich-Bling-Bling-Wortschatz, den viele seiner jüngeren Kollegen so gern kultivieren. Manchmal will man eben nicht hören, was der Goldkettchen tragende, im gemieteten Sportwagen vorfahrende, milchgesichtig-aufgepumpte Sonnenbank-Azzlak gern mit der eigenen Mutter tun würde…

Auf der anderen Seite Lena. Also: Lena Meyer-Landrut. Also: Die, die 2010 (verdammt lang her fühlt sich das an), unterstützt von einem gewissen Stefan Raab (ja, der schon wieder), den „Eurovision Song Contest“ für ‚Schland gewinnen konnte (mit dem tatsächlich hundsgemein eingängigen „Satellite„). Chapeau dafür, sicher. Aber abgesehen davon – und von der Tatsache, dass sich die mittlerweile 26-Jährige noch immer im Löwenkäfig Popmusikgeschäft halten kann – ist die Dame – und mit dieser Meinung bin ich sicherlich kaum allein – einfach nur eines: aufgesetzt und unerträglich. Ernsthaft. Und wer’s nicht glaubt, der sehe sich einmal die 2012 gefilmte Folge der arte-Sendung „Durch die Nacht mit…“ an, in welcher sie mit Emo-Rapper Casper durch Berlin fährt (und nicht nur diesem mit ihrer affektiert-zickigen Art sichtlich aufs Nervenkostüm steigt).

26-04-2013 - columbia_sony nina - MOSES PELHAM cover

Long story short: Moses Pelham, in seiner Position so etwas wie Deutschlands Antwort auf P. Diddy, nimmt sich tatsächlich einen Song von Lena Meyer-Landrut vor: „Home„, erschienen 2015 auf dem Album „Crystal Sky„. Man möchte dem Liebchen ja die Gerührtheit abnehmen, aber: Dass Lena bei der Pelham’schen Variante ihres eigenen Rührstückes, dass sie damals einer verstorbenen Freundin widmete, die Tränchen übers kajalene Püppchengesicht kullern, mag ja erst einmal wenig heißen, schließlich lebt auch (und gerade) eine VOX-Show wie „Sing meinen Song“ von all den „großen Emotionen“. „Realness“? Nur, wenn’s das Script vorgibt. Lächeln, Nicken und auf Knopfdruck heulen ist unter der Sonne Südafrikas sicherlich um Einiges entspannter…

Aber ich gebe es zu: Moses Pelhams gemeinsam mit Silberjulimond-Frontfrau Stefanie Kloß zu Live-Instrumentarium vorgetragene Version, nun eben „Meine Heimat“ betitelt, hat was. Mehr noch: sie ist sehr, sehr schön. Und das sollte man, bei aller Kritik für ebenjenes TV-Format, auch einfach mal so stehen lassen.

 

 

„Meine Heimat ist ein kleiner Fleck auf dieser Erde
Hier kriegt mich keiner weg, selbst wenn ich wieder sterbe
Wurst wie hart die Purge – Mann, ums Verrecken nicht
Ich lass‘ alles los, nur diesen Fleck hier nicht
Lass‘ die Spacken, ich höre sie beleidigen mich
Ist alles Latte, nur dieses hier verteidige ich
Das bis aufs Blut, Mann, ich geb‘ alles her – mein Hab und Gut, aber das nie mehr

Meine Heimat ist ein Platz mit Licht in der Mitte
Aufgrund dieses Flecks habe ich mich gestritten
Was ein Fehler bleibt und ist, denn jeder Grund für Streit ist Gegenteil des Lichts – die Dunkelheit
Ich sag‘: Hochwürden wie er wohnt und wo er lebt
Er schuf mich nicht in Kirche, Synagoge und Moscheen
Sondern in einer Welt von nicht zu fassender Süße
Selten wie das Wasser in der Wüste

Meine Heimat ist ein Herz

Our heart goes on and on
Our hearts beating like a drum
In the dark you made me strong like you’ve always done
I’ll carry you home
You’re in my heart and in my bones
I’ll carry you home…

Meine Heimat ist ein kleines, reines Geheimnis
Allein dass sie meinen es ist mir unwahrscheinlich heilig, das weiß ich
Wie in jedem Fall ein inniges Vergnügen
Der Seele Sicherheit und meiner Sinne Flügel
Meine Heimat ist ein pumpender Thron, der für mich schlägt
Von unten nach oben und an die Schläfen und weiter
Und Du weißt, dass Du niemals mehr alleine bist, wenn meine Heimat Deine Heimat ist

Meine Heimat ist ein Herz!

And I love you, I love you…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „Fields Of Wheat“


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Die Frage, wo Frightened Rabbit politisch anzusiedeln sind, dürfte nicht schwer zu beantworten sein, immerhin stammt die Band aus der schottischen Arbeiterklasse. Von daher dürften Scott Hutchison und Co. nicht eben die größten Anhänger der britischen (Noch-)Premierministerin Theresa May sein…

Kaum verwunderlich ist auch, dass der Fünfer aus dem schottischen Selkirk, dessen aktuelles Album „Painting Of A Panic Attack“ im April letzten Jahres erschien, mit einem neuen Song (s)einen ganz eigenen Kommentar zur Großbritannien-Wahl vor ein paar Tagen abgibt, getagged mit #fuckthetories.

Der Titel des neuen Stücks, welches Frontmann Hutchison größtenteils allein an der Akustischen zum Besten gibt, hat die Band einer der vielen heuchlerischen Äußerungen Mays entnommen, welche diese in den Tagen vor der Wahl in die britischen Mikrofone palaverte: „Well, nobody is ever perfectly behaved, are they? I mean, you know, there are times when… I have to confess, when me and my friend, sort of, used to run through the fields of wheat. The farmers weren’t too pleased about that.“

Frightened Rabbit selbst gaben „Fields Of Wheat“ vor wenigen Tagen, als sie den Song via SoundCloud ins weltweite Netz stellten, folgende Worte mit auf den Weg:

„We made this today. It felt like the song should go out now, because it’s about what’s happening now, it’s about where we live and if we waited too long the sentiment could go stale. We don’t want to be too descriptive or conclusive here, our only hope is that you listen, enjoy and share it.

Thank you
FR“

 

 

 

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Rock and Roll.

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