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Person des Tages: Jan Böhmermann


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Eines steht fest, zumindest für den Schreiberling dieser Zeilen: Jan Böhmermann besitzt aktuell die mit Abstand wichtigste Nase im deutschen Fernsehen. Wer den Herren bislang nicht kennt, dem liefert ANEWFRIEND mal eben ein paar Fakten und Begründungen zum Wieso, Weshalb und Warum…

 

1.  Seit gut zehn Jahren tingelt der gebürtige Bremer, Jahrgang 1981, nun schon durch Funk-, Online- und Fernsehmedien. Legendenstatus besitzt sein *hust* „Zwist“ mit dem heutigen Arsenal- und Nationalmannschaftsbankdrücker Lukas Podolski, der seinerzeit – im Zuge der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2006 in deutschen Gefilden – eine vermeintlich harmlose Hörfunkreihe beim nordrhein-westfälischen Radiosender 1LIVE hervorgerufen wurde. Gleichzeitig legte diese jedoch auch einen ersten Grundstein für Böhmermanns satirische Schmerzgrenze. Zitat Wikipedia:

„Bei 1LIVE erfand Böhmermann 2005 die Hörfunkunterhaltungsreihe ‚Lukas’ Tagebuch‘, eine Parodie auf den Fußballspieler Lukas Podolski, deretwegen Lukas Podolski den WDR verklagte und während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der ARD einige TV-Interviews verweigerte. Podolskis Unterlassungsklage scheiterte jedoch vor dem LG München, 2007 zog Podolski die Klage bei den mündlichen Verhandlungen zurück. Zur Fußball-Europameisterschaft 2008 setzte Böhmermann diese Tätigkeit fort und veröffentlichte den Podcast ‚Pod-Olski – Der EM-Podcast von Lukas‘. Auch diese Show schaffte es wieder bis an die Spitze der iTunes Podcast-Charts. ‚Lukas’ Tagebuch‘ wurde mit der Rückkehr von Lukas Podolski zum 1. FC Köln nach der Fußball-Bundesliga-Saison 2008/09 eingestellt, in der Nachfolgeserie Lukas’ WG geht die Parodie jedoch in gleicher Art weiter, allerdings lebt hier ‚Lukas‘ mit Geißbock Hennes in einer WG.

Böhmermann ist Urheber des Ausspruchs ‚Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel!‘, der u. a. von Spiegel Online und dem Kicker fälschlicherweise Lukas Podolski zugeschrieben und darum 2008 beinahe von der Deutschen Akademie für Fußballkultur zum Fußballerzitat des Jahres 2008 gewählt wurde.“

 

2.  Jan Böhmermann gibt all jenen Hoffnung, die nie ein Studium beendet haben (er selbst studierte einige Zeit lang Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln) und an diversen Schauspielschulen (in seinem Fall: in München, Berlin und Hamburg) nur eines mit auf den Weg gegeben wurde: freundliche, jedoch umso bestimmtere Absagen. Wenn man’s so nimmt, zählt der 33-Jährige aktuell zu Deutschlands beliebtesten Quereinsteigern.

 

3.  Jan Böhmermann ist sich – bei allen bewussten satirischen wie schauspielerischen Qualitäten – nicht zu schade, auch auf Sendern wie RTL, das im Grunde nicht eben für Unterhaltungsware mit Tiefgang bekannt sein dürfte, neue Showformate ins Leben zu rufen. Im Februar 2014 gab der Fernsehsender bekannt, schon bald eine neue Comedy-Sendung mit Böhmermann zu testen. Zum Team der Sendung unter dem Titel „Was wäre wenn?“ gehörten neben Böhmermann die „Loko & Klaas“-Sidekickette (bitte um Patent für dieses Wort!) Palina Rojinski, Kultur-Moderatorin Katrin Bauerfeind und der ehemalige *hust* VJ Jan Köppen. Der Pilotfilm entstand bereits 2012, die ersten vier Folgen wurden im März 2014 aufgezeichnet und ab dem 28. August 2014 auf RTL ausgestrahlt. Aufgrund schwacher Einschaltquoten wurde die Sendung jedoch bereits nach mickrigen drei Folgen abgesetzt. Nichtsdestotrotz wurde die Reihe jedoch in der Kategorie Comedy für den Deutschen Fernsehpreis 2014 nominiert. Und Böhmermann? Der rechnete an anderer Stelle schon bald süffisant mit seiner RTL-Erfahrung und der Feigheit der kölner Fernsehsenders ab…

 

4.  Jan Böhmermann ist nicht nur ein brillant-zeitgeistiger Satiriker, sondern auch erfahrender – um mal beim Neudeutschen zu bleiben – „Late Night Talker“. Zwischen März 2012 und Januar 2013 moderierte er gemeinsam mit der ehemaligen Viva2-Nervensäge und heutigen Bestsellerautorin Charlotte Roche (die Romantitel „Feuchtgebiete“ und „Stoßgebete“ dürften bei den Meisten wohl die Geschmacknerven zum angewiderten Zucken bringen) die von ZDFkultur ausgestrahlte Talkshow „Roche & Böhmermann“, während beim Radiosender EinsPlus beinahe zeitgleich die Hörfunk-Talkreihe „Lateline“ lief.

 

5.  Nach seinem Talk-Gastspiel mit Charlotte Roche hat Böhmermann wohl Gefallen an der vermeintlichen Narrenfreiheit im öffentlich-rechtlichen Spartenfernsehen gefunden. Oder um es anders auszudrücken: er erkannte die Zeichen der Zeit und deutete sie genau richtig. Denn wo zu den Hauptsendezeiten allabendlich die immergleichen bräsigen Gurkengesichter von Till Schweiger über Dieter Bohlen bis hin zu Stefan Raab, Günther Jauch und Markus Lanz (letzterer trägt ja aktuell mit „Wetten Dass..?“ das Erbe von Frank Elstner und der grabbeligen Haribo-Föhnwelle Thomas Gottschalk zu Grabe) über die Bildschirme von geistern, um Fernsehdeutschland ins Dämmerdelirium zu langweilen, besitzt Jan Böhmermann mit seiner aktuellen Sendung, dem „Neo Magazin„, jeweils donnerstags um 22:15 Uhr beim ZDF-Spartenprogramm ZDFneo, welches sich selbst „als eine öffentlich-rechtliche Programmalternative für 25- bis 49-Jährige“ sieht, zu sehen, nahezu Narrenfreiheit. Und das ist nicht nur gut so, nicht nur höchst unterhaltsam. Das ist vor allem eines: wichtig.

 

6.  Seit Oliver Welkes „heute-show“ im Unterhaltungsniveau stagniert (man einer wirft dem Freitagabend beim ZDF gesendeten Politiksatire-Magazin seit dessen Start im Jahr 2009 gar einen stetigen Qualitätsverlust vor), sind Alternativen rar gesät. Da kommt Jan Böhmermann gerade recht. Freilich ist sein „Neo Magazin“ im Themenbereich weiter gefasst, klar kann er sich bei ZDFneo, dessen Fernseh-Marktanteil im vergangenen Jahr gerade einmal ein Prozent umfasste, einiges mehr erlauben als Oliver Welke und Co. bei der „großen Mutter“ ZDF. Doch trotzdem – oder: gerade deshalb – macht Böhmermann da weiter, wo die Möglichkeiten (oder Ideen) der „heute-show“ in der Vergangenheit limitiert waren und aktuell enden (als meist beim Draufhauen auf der Bundesregierung, der am Boden liegenden FDP oder Nazi-Vergleichen der AfD).

 

7.  Jan Böhmermann bekommt sie alle. Angefangen von TV-Urgesteine wie Frank Elstner, Herbert Feuerstein, Jean Pütz über Moderatoren-KollegINNEN wie Katrin Bauerfeind oder Oliver Welke bis hin zu streitbaren Personen wie Politpunk-Blogger Sascha Lobo oder Komikern wie Carolin Kebekus oder Bastian Pastewka (um nur mal eine kleine Auswahl auf die Schnelle zu bringen). Derzeit ist sich beinahe keiner für einen kurzen Besuch in der 30-minütigen Show zu schade. Selbst wenn er, wie der mehrfach ausgezeichnete Starfidler David Garrett, der andernorts Abend für Abend Mütterherzen zum Erliegen bringen, mal eben zum „Studiogeiger“ umfunktioniert wird. Und: Böhmermanns Gäste sind allesamt zur Selbstironie bereit. Da bekommt die gemeinsam mit Komikerin Carolin Kebekus getragene „Kill Bill“-Persiflage „Kill Böhmermann“ gleich noch einmal ein dickes Plus an Ironie, als plötzlich Oliver Petszokat (aka. Oli „Flugzeuge im Bauch“ P, der in den Neunzigern mit seiner Rolle als Ricky Marquart in der RTL-Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ nicht wenige Teenie-Herzen zum Hyperventilieren brachte) im „Zurück in die Zukunft“-Delorean vorbei rauscht…

 

8.  Jan Böhmermann ist nicht nur gewieft, sondern auch äußerst schlagfertig. Das durfte auch BILD-Chef Kai Diekmann am eigenen Leib erfahren, als er versuchte, Böhmermann für dessen Hitler-Parodie beim israelischen Volk anzuschwärzen. Denn so viel man Böhmermann auch vorwerfen mag an Gürtellinienuntertreibung, geschmacklichem Grenzgängertum, üblem Nachtreten, Gehässigkeit und ironischem Klamauk, eines hat der Mann definitiv: Chuzpe und Rückrat – auch wenn (oder gerade weil) er sich damit nicht allseits beliebt macht. Dass dabei noch großartige Unterhaltung mit bei rum kommt, ist natürlich ein gern genommenes dickes Plus. Ganz klar: Jan Böhmermanns Vorteil ist, dass es aktuell zu wenige von seinem Format gibt in der deutschen Sendelandschaft. Und, all ihr scheinheiligen Doppelmoralapostel von Diekmann’schem Kaliber: Wenn wir Deutschen nicht über Hitler lachen dürfen, wer dann (abgesehen davon, dass der Herr österreichischer Staatsbürger war und bleibt)? Eben! Und jetzt, Ruhe bitte! Ich will „Neo Magazin“ schauen…

 

 

Rock and Roll.

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Person des Tages: Justin Timberlake


Justin Timberlake

Schon erstaunlich, welchen Weg Justin Timberlakes Karriere über die Jahre genommen hat: vom Kind-Moderator des US-„Mickey Mouse Club“ (übrigens an der Seite von – unter anderem – Britney Spears oder Christina Aguilera) über die Mitgliedschaft an der Hüpfdohlen-Boygroup *NSYNC hin zum krediblen Hollywoodblockbuster-Charakterdarsteller und erfolgreichen Solomusiker. Und auch die Freundschaftsliste des ehemals blondgelockten Bubiköpfchens kann sich sehen lassen (dass er in der Vergangenheit Bad und Bett mit Damen wie Britney „It’s Britney, bitch!“ Spears oder Cameron Diaz teilen durfte, und mittlerweile mit Jessica Biel verheiratet ist, lassen wir da ganz außen vor!)…

Kein Wunder, besitzt Justin „JT“ Timberlake, neben (s)einem blendenden Aussehen, doch auch einen gesunden Hang zur Selbstironie und versteht es wie kaum ein zweiter, sich stets als everybody’s darling ins rechte Licht zu rücken. Und bei so viel künstlerischem Talent und hervorragendem Gespür für die richtige Selbstvermarktung ist es auch 2013 – seinem vergleichsweise mittelmäßigem aktuellen Album „The 20/20 Experience„, welches erneut mit dem wohl langsam zum Ärgernis verkommenden Produzenten Timbaland entstand, zum Trotz – eine wahre Freude, dem 32-Jährigen zuzuschauen.

Beispielhaft hierfür sind jene 5 Minuten, in denen JT mal eben Beyoncés Tanzstil im Video zu „Single Ladies“ ad absurdum führt  – und die Angetraute seines Homies Jay-Z natürlich höchstselbst mitspielen lässt…

 

 

Noch immer unübertroffen sind jedoch Timberlakes urkomisch-provokante „Saturday Night Live“-Beiträge von 2009 mit den feinen Titeln „Dick In A Box“, „Motherlover“ oder „3-Way (The Golden Rule)“, beiden denen er als Comedy-Duo „The Lonely Island“ gemeinsam mit Andy Samberg gleich mehrere Genres auf die Schippe nimmt, und dafür sogar Größen wie Susan Sarandon oder Lady Gaga gewinnen konnte:

 

Dass Justin Timberlake jedoch – andererseits – ein ernstzunehmender, anspruchsvoller Musiker ist, zeigt aktuell sein acht Minuten (!) langes Single-Opus „Mirrors“, das zwar keinesfalls an vergangene Pop-Großtaten heranreicht („Cry Me A River“! „Sexyback“! „Lovestoned“! „What Goes Around… Comes Around“!), als Video, bei dem keine Geringere als die große Floria Sigismondi Regie führte, jedoch vorzüglich zu unterhalten weiß.

Selbst wenn hinter all den charmanten Höflichkeitsfloskeln eine Menge Marketingkalkül stecken sollte – drauf geschissen! Wenn es aktuell einen Typen gibt, dem man auf der Bühne, Mattscheibe und Leinwand gern beim Spielen zuschaut, dann dieser hier, der wohl nicht zufällig ausgerechnet aus Memphis, Tennessee stammt. Keine Frage – Mr. Justin Timberlake hat’s drauf!

 

 

Rock and Roll.

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Person des Tages: Stanislaw Petrow


Foto: mauritius images/Alamy

Foto: mauritius images/Alamy

Stanislaw Petrow – die wenigsten von uns haben diesen Namen wohl bisher einmal gehört oder gelesen geschweige denn haben sofort sein Gesicht vor dem geistigen Auge. Und doch würde ohne ihn unsere Welt eine andere sein…

Am 26. September 1983 befindet sich der Kalte Krieg in einer heißen Phase. Oberstleutnant Stanislaw Petrow, damals diensthabender Leiter der geheimen Satellitenüberwachungsanlage der Sowjetunion, 90 Kilometer entfernt von Moskau, empfängt kurz nach Mitternacht ein alarmierendes Signal: über dem US-Bundesstaat Montana seien fünf feindliche Atomraketen gestartet. Doch anstatt in panischer Angst sofort eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, welche in einem finalen Drücken des „roten Knopfes“ auf sowjetischer Seite resultieren würde, trifft der damals 44-Jährige eine mutige Entscheidung: er prüft alle Angaben, welche das Raketen-Frühwarnsystem vom Spionagesatelliten erhielt und meldet seinem Generalstab einen Fehlalarm. Hätte er an diesem Zeitpunkt, als auch ihm noch völlig unklar war, ob es sich um einen technischen Irrtum oder um einen tatsächlichen Ernstfall handelte, anders entschieden, so hätte dies zweifellos den Anfang des Dritten Weltkriegs bedeutet…

Natürlich wurde Petrows Geschichte erst nach dem Fall der Mauer im Westen bekannt (und ist verständlicherweise im heutigen Russland nur wenigen ein Begriff). Und überhaupt sind die „große Bühne“ und das Blitzlichtgewitter dem heute 74-Jährigen mit schlohweißem Haar und grauen Schnauzbart noch immer unangenehm. Und doch weiß er um die Tragweite eben jener Entscheidung, welche er in einer Septembernacht im Jahr 1983 traf. All die Ehrungen – etwa den „World Citizen Award“ im Jahre 2004 und 2006, den „Deutschen Medienpreis“ im Jahr 2012 oder am heutigen 17. Februar 2013 den „Dresden-Preis“, welcher ihm in der Dresdner Semperoper verliehen wird – nimmt der Rentner natürlich mit tiefster Dankbarkeit entgegen. Und doch dachte er mit seinem besonnenen Handeln wohl nur an seine Familie. „Ich wollte nicht Schuld sein am Dritten Weltkrieg.“

Es mögen all die Zuckerbergs, die Gates‘, die Jobs‘, Obamas und Merkels sein, die die Welt heutzutage in die eine oder andere Bahn lenken. Doch die wahren „Weltretter“ stehen hinter den Kulissen, fern von Kameras, Mikrofonen und Scheinwerfern. Hätte Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow in jener Septembernacht 1983 eine andere Entscheidung getroffen, so wäre ich in der damaligen DDR als eines der ersten Kinder in einen nuklearen Dritten Weltkrieg hineingeboren worden. Oder gar nicht zur Welt gekommen. Wohlmöglich verdanken Milliarden von Menschen diesem Mann ihr Leben. Definitiv wäre unsere Welt heute eine ganz andere. Petrow mag ein stiller Held sein. Und obwohl er mit Worten wie „Ich bin kein Held. Ich habe einfach nur meinen Job richtig gemacht.“ jede Besonderheit seines Handelns von sich weist, steht eines doch fest: ein Held ist er zweifellos.

(Und wenn ihr mich fragt: dass der Friedensnobelpreis Männern wie Al Gore oder Barack Obama, jedoch bisher nicht jemandem wie Stanislaw Petrow verliehen wurde, ist einfach nur lächerlich. Und macht diesen „Preis“ obsolet. Punkt.)

 

Wer mehr erfahren mag, der findet hier einen Artikel über jenen Vorfall und hier ein 2012 geführtes Interview mit Petrow (beides vom Internetaufritt von DIE WELT)…

…und hier ein kurzes TV-Feature von ARTE:

 

Rock and Roll.

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Person des Tages: „Menganno“


AFP PHOTO / Maxi Failla

AFP PHOTO / Maxi Failla

Fast könnte man denken, dass sich da einer von Lionel Messis Landmännern Filme wie „Super“ oder „Kick-Ass“ zu oft zu Gemüte geführt hat… 

Und ein bisschen irrwitzig – und gerade deshalb so sehr nach der Tradition dieser Indie-Hollywood-Filme – klingt die Geschichte schon: da patrouilliert ein selbsternannter nobler Verbrecherjäger namens „Menganno“ auf seinem Motorrad durch die Vororte von Buenos Aires, wacht über Recht und Unrecht, verteilt Kleidung an Bedürftige und gute Ratschläge an alle. Und auch das Heldenoutfit sieht nach Arbeit und Liebe zur Detail aus: gekleidet in schwarz, dunkelblau und Argentiniens Nationalfarben, ein Schild auf dem Rücken, an Schultern und Brust Plastikschoner, ein aufgemaltes Sixpack, direkt über dem Herzen – und auf dem Windschutz seines Motorrads – sein Emblem: ein „M“ für „Menganno“. Und obwohl diese nostalgische Mischung aus Batman und Captain America mit einem Helm, der nur die Mundpartie zu erkennen gab, mehr schlecht als recht versuchte, seine wahre Identität zu wahren, hat er sich doch schlussendlich (mindestens) im Jahrzehnt geirrt. Denn in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. bedarf es schon mehr als eines schnittigen Outfits und guter Absichten, um als maskierter Superheld Ganoven das Fürchten zu lehren.

Und so war „Mengannos“ Identität schon bald gelüftet: auf der anderen Seite der Maske verbirgt sich der 43-jährige Ex-Polizist Oscar Lefosse. Schlimmer noch: der gescheiterte Vebrechensbekämpfer bekommt nun selbst Ärger mit Justizia. Denn als der enttarnte Lefosse als „Privatmann“ mit seiner Frau in Lanús unterwegs war, eröffneten mehrere Kriminelle das Feuer auf seinen Wagen – und Lefosse erwiderte dieses. Leider war die Lizenz der Waffe, welche der Ex-Polizist dabei benutzte, im vergangenen Jahr abgelaufen. Dabei hatte „Menganno“ noch vor knapp drei Jahren über die Nachrichtenagentur AFP ausrichten lassen, nur mit Taschenlampe und Pfefferspray auf Verbrecherjagd gehen zu wollen…

Misst man Argentiniens Antwort auf „The Crimson Bolt“ (Rainn Wilsons Alter Ego aus dem Film „Super“) nun also an der obersten Superhelden-Maxime „Wahre stets deine wahre Identität!“, so darf man „Meganno“, dessen Facebook-Profil mit dem schönen Titel „Menganno – Dein Superheld“ sogar seine Lieblingsfilme („Titanic“ und „Gladiator“), Lieblingsmusiker (U2 und Eros Ramazotti) oder Lieblingshelden (Captain America, Batman und Zorro) verrät, gut und gern ein dickes „Failed!“ ausstellen. Eine schöne Story ist’s jedoch allemal.

 

Alle, die dem Spanischen mächtig sein sollten, finden hier ein kurzes TV-Interview mit „Captain Menganno“:

 

Rock and Roll.

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Person des Tages: Dave Grohl


© PA Images / Matt Sayles / AP

© PA Images / Matt Sayles / AP

Dave Grohl. Muss ich noch mehr schreiben? Ja? Dabei gäbe es doch gerade heute, gerade zur Zeit gefühlte tausend aktuelle Gründe warum ausgerechnet dieser Mann die erste „Person des Tages“ auf ANEWFRIEND sein sollte. 10 Gründe wollt ihr? Könnt ihr gern haben!

 

1. David Eric Grohl wurde am 14. Januar 1969 in Warren, Ohio (USA) geboren und feiert somit heute seinen 44. Geburtstag. Junge, du hast den „Grunge“ überlebt! Herzlichen Glückwunsch auch von dieser Seite.Fact.

2. Bands und Projekte, in denen Dave Grohl – als mehr oder minder festes Mitglied – spielt und/oder bereits gespielt hat: Scream, Nirvana, Foo Fighters, Them Crooked Vultures, Probot, Queens Of The Stone Age, Killing Joke, Tenacious D, Juliette and the Licks, Cage The Elephant… Aktuell trommelt er wieder, und zum ersten Mal seit dem 2002 erschienenen Meilenstein „Songs For The Deaf“, bei den Queens Of The Stone Age. (Weder das Wort „Langeweile“ noch dessen Bedeutung wurden je im Grohl’schen Kosmos vernommen…)

3. Als wenn das noch nicht genug wäre – Kollegen, mit denen er außerdem schon Studiowände und Konzertbühnen geteilt hat: Paul McCartney, Cat Power, The Prodigy, Pete Yorn, Bruce Springsteen, Steven Van Zandt, Elvis Costello, Norah Jones, Buzz Osborne, Greg Dulli, Thurston Moore, Lemmy Kilmister, Garbage, Nine Inch Nails, Lenny Kravitz, Neil Young, David Bowie… (Ja, bei seine Kontaktliste gleicht den Ruhmeshallen der „Rock and Roll Hall Of Fame“…)

4. Dave Grohl ist – wie man an einem seiner ältesten Tattoos unschwer erkennen kann – einer der größten Led Zeppelin-Ultras der Welt. Und wohl einer der talentiertesten. Glücklicherweise (?) hat er den Platz hinter dem Schlagzeug, welchen es für das 2007 einmalig stattgefundene Reunion-Konzert seiner Idole kurzfristig zu besetzen galt, Jason Bonham, dem Sohn des 1980 Ur-Schlagzeugs der Band, John „Bonzo“ Bonham, überlassen. Keine schlechte Entscheidung, und eine sehr respektvolle. Obwohl Grohl, selbst einer der fähigsten Drummer  im Geschäft, den Rock-Dinos sicherlich ordentlich Trommelfeuer unter die Hintern getrieben hätte…

Dave Grohl likes the Zep!

5. Dave Grohl ist nicht nur ein äußerst erfolgreicher und fähiger Songwriter und Musiker, sondern neuerdings auch Regisseur und Filmproduzent: seine Dokumentation „Sound City“ über die legendären Sound City Studios in Van Nuys, Los Angeles, Kalifornien, feiert im Februar diesen Jahres beim Sundance Festival Premiere und wird wenige Tage später über digitale Kanäle veröffentlicht. Dass dieser Film für Grohl eine Herzensangelegenheit ist, ist keinesfalls verwunderlich, immerhin nahmen Nirvana – mit Grohl als schlagzeugendem Jungspund – hier ihr legendäre Album „Nervermind“ auf (von all den anderen legendären Alben, welche in diesen Hallen entstanden, mal ganz zu schweigen…). Und wie könnte es könnte es anders sein, nutze Grohl die Gelegenheit, um mit einigen Freunden und Musiklegenden (was bei ihm wohl auf’s Selbe hinausläuft) Songs für den dazugehörigen Soundtrack aufzunehmen: Robert Levon Been und Peter Hayes (Black Rebel Motorcycle Club), Stevie Nicks (Fleetwood Mac), Corey Taylor (Slipknot), Trent Reznor (Nine Inch Mails), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Alain Johannes (Eleven), Scott Reeder (Kyusss), Paul McCartney, Tim Commerford (Rage Against The Machine), Lee Ving (Fear), Rick Springfield, Taylor Hawkins, Nate Mendel und Pat Smear (Foo Fighters)… Lassen wir mal die Aufzählung all jener Personen, die Dave Grohl als Zeitzeugen vor die Kameralinse bekam!

 

6. Dave Grohl ist seit 2003 zum zweiten Mal glücklich verheiratet und zweifacher Familienvater.

Dave Grohl in Familie...

7. „Mr. Nice Guy“ – Dave Grohl gilt als einer der umgänglichsten, bodenständigsten und nettesten Typen im Musikgeschäft. Als einer, den man gern mal auf einen eisgekühlten Sixpack zum sommerlichen Barbecue treffen würde, oder zur gemeinsamen Jam Session in der Garage. Oder… Trotz der Tatsache, dass sein Bankkonto sich mittlerweile beinahe von allein füllt. Trotz der Tatsache, dass er mit den Foo Fighters, welche gerade eine wohlverdiente Bandpause einlegen, einer der größten Rockbands des Planeten vorsteht. Oder gerade deshalb?

Foo Fighters, 2011

8. Dave Grohl nimmt sich nie zu ernst und sich auch zu gern selbst auf die Schippe. Beweise gefällig? Man schaue sich hierfür nur die durchweg sehenswerte Foo Fighters-Videographie an! (Und vergesse keinesfalls seine Oscar-reife Interpretation des Teufels in Tenacious D’s „Tribute„-Video!)

 

9. Dave Grohl lebt es eine der arschcoolsten Säue „in Rock“ seinen Traum und darf dafür, dass er seinem Hobby nachgeht, allerhand Vorzüge genießen. Klar, Neid muss man sich – ebenso wie Bewunderung – erst verdienen, und auch hier geht ohne harte, ehrliche und ernsthafte Arbeit gar nichts – aber dafür auf ewig als hochbegabter „Berufsjugendlicher“ bewundert zu werden? Bring it on!

10. Dave Grohl ist Dave Grohl. Wer wäre da nicht gern Dave Grohl?

Dave 'n' Lemmy...

 

 

 

Auf ewig ein Evergreen: „Everlong“ von den Foo Fighters – hier in der Liveversion, welche 2008 im Wembley Stadion in London aufgenommen wurde (die dazugehörige Live-DVD kann ich übrigens nur wärmstens und vollstens empfehlen!):

 

Auch ein großes, nimmermüdes Brett: „Pretender“ von den Foo Fighters…

 

…ebenso wie der beinahe unschlagbare Hymnus „Best Of You“:

 

Jedoch der ganz klare Video-Klassiker: „Learn to Fly“, inklusive Gastauftritt der Tenacious D-Jungs Jack Black und Kyle Gass. Lustiger? Geht nicht.

 

Rock and Roll.

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