Archiv der Kategorie: News

Song des Tages: Ra Ra Riot – „Dying Is Fine“ (Live Attic Sessions)


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Zugegeben: Es gibt auch in meinem musikalischen Kosmos massig Künstler und Bands, die ich noch gefühlt ewig in der „Ferner liefen“-Schublade liegen habe, einfach weil ebenjene bei den ersten zwei, drei Mal Reinhören klangen, als hätten sich Band A und B zur feuchtfröhlichen Jam-Session verabredet, bei der denn vor allem Stücke von Band C durchgeklöppelt wurden. Meint: irgendwie alles schon mal irgendwo gehört. Und selbst wenn’s am Ende zwar keineswegs schlecht tönen mag, klang doch wenig Neues an (oder zumindest nicht genug, um mich zum Weiterhören bewegt zu haben).

Ein kleiner Teil dieses Schubfachs war bislang stets für Ra Ra Riot reserviert. Denn obwohl die fünfköpfige Indierock-Band aus Syracuse, New York sich in den beinahe 15 Jahre ihres Bestehens als durchaus wandlungsfähig erwiesen hat, klingt ein Großteil ihrer Songs, die Frontmann Wes Miles (Gesang, Keyboard), Milo Bonacci (Gitarre), Mathieu Santos (Bass), Rebecca Zeller (Violine) und Kenny Bernard (Schlagzeug) auf nunmehr fünf Langspielern verteilen (zuletzt erschien erst vor wenigen Tagen „Superbloom„), als hätten sich die New Yorker Kosmopoliten von Vampire Weekend und die weltgrößten Stadionrock-Freaks von Arcade Fire eines sonnigen Sonntags zum teeseligen Jam getroffen, bei dem dann die – gefühlt – komplette Disco-taugliche und Classic-Rock-affine Pop-Historie dran glauben musste. Indie Rock meets Baroque Pop meets Indie Disse. Der Grat zwischen Kopfnicken und Lied wegskippen ist in diesem Fall ein recht schmaler…

600x600bfNichtsdestotrotz gibt es auch bei Ra Ra Riot Perlen im gefälligen Mittelmaß zu entdecken. Den Song „Dying Is Fine“ etwa, der durch seine Inspiration von einem Gedicht des US-Schriftstellers und -Dichters E. E. Cummings ebenso an Tiefe gewinnt wie durch eine dunkelironische wie tragische Randnotiz aus den Anfangstagen der Band, schließlich kam der damalige Schlagzeuger von Ra Ra Riot, John Ryan Pike, kurz vor Fertigstellung des dazugehörigen Debütwerks „The Rhumb Line“ bei einem (Bade)Unfall ums Leben. Ob man aus dem Stück, bei dem sich ein sonnig daher stapfender Indierock-Refrain mit der durch Rebecca Zellers Violine und Alexandra Lawns Cello geschaffenen Melancholie duelliert, oder aus den neun weiteren von „The Rhumb Line“, eine Art Abschiedsgruß an den verstorbenen Drummer (der übrigens „Dying Is Fine“ sowie weitere Songs noch selbst eintrommelte) heraushören mag, bleibt jedem freilich selbst überlassen – Hinweise würden Wes Miles‘ Texte zuhauf bieten. Andererseits waren es schon immer tragische Geschichten wie diese (bei der man etwa Parallelen zu „The Lost Riots“, dem grandiosen Erstling von Hope Of The States, ziehen mag), die der Musikhistorie große Werke außerhalb jeder „Ferner liefen“-Schublade geschenkt haben…

 

 

„To settle our thoughts
Never minding what for
Nothing of a harm to dread on my mind

Tell me what belies
Oh, tell me what I could have
Oh, tell me what for

No more of this living, dying
Just scientific analyzing
Forgive us, oh life
The sin of

Death, oh baby
You know that dying is fine but maybe
I wouldn’t like death if death were good
Not even if death were good

Is this it
Maundering about and
All I have is too much time to understand

That one can only love
Life until its ending
Oh, and I can’t forget

No more of this living, dying
Just scientific analyzing
Forgive us, oh life
The sin of

Death, oh baby
You know that dying is fine but maybe
I wouldn’t like death if death were good
Not even if death were good…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Thees Uhlmann – „Fünf Jahre nicht gesungen“


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Uhlo ist back! Satte sechs Jahre nach dem zweiten Solowerk „#2“ hat Thees Uhlmann (s)einen neuen Song „Fünf Jahre nicht gesungen“ veröffentlicht und gibt damit einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf sein vor kurzem angekündigtes drittes Album „Junkies und Scientologen“, welches am 20. September – natürlich beim heimischen Grand Hotel Van Cleef – erscheinen wird (und in der Box-Set-Variante – nebst Vinyl sowie etlichen Gimmicks – wahlweise auch eine Bonus-Platte mit „8 unveröffentlichten deutschsprachigen Coverversionen“ enthält).

funf-jahre-nicht-gesungen.jpg„Fünf Jahre nicht gesungen“ nun beginnt mit einem hart angeschlagenen Keyboard, dessen Rhythmus verdammt an Foreigners „Cold As Ice“ erinnert – schon der Pressetext warnt davor, dass das aber auf die falsche Fährte führt. Wenn Uhlmanns unverkennbarer Gesang, der seit jeher die Lager spaltet, einsetzt, wird das viereinhalbminütige Stück in der Tat zum vertraut umarmenden Liedermacher-Indierock Uhlmann’scher Bauart. Im Text reflektiert der ehemalige Tomte-Frontmann und Jetzt-auch-Romanautor (das tatsächlich tolle „Sophia, der Tod und ich“ erschien 2015) die vergangenen paar (turbulenten) Jahre seines Lebens und stellt in Passagen wie „Und dann kam Silvester und mir wurde klar / Wenn der Sommer beginnt stirbt ein weiteres Jahr“ fest, wie vergänglich und schnell wandelbar alles ist.

Die Idee dazu kam dem Vertreter der Hamburger Schule nach eigener Aussage, als ihm im vergangenen Jahr klar wurde, dass er seit fünf Jahre keine neuen Songs geschrieben hatte und lange nicht mehr vor Publikum musizierte: „Wobei aus fünf Jahren ja schon fast sechs geworden sind, aber vor einem Jahr habe ich eben darüber nachgedacht, warum mir seit fünf Jahren nichts mehr eingefallen ist. Von daher mögen mir die Mathelehrer verzeihen, wie sie mir schon so viel verziehen haben.“ Der 45-jährige Wahl-Berliner empfiehlt augenzwinkernd: „Wenn Sie schlechte Laune haben, dann wird das genau Ihr Song sein. Und wenn Sie gute Laune haben, dann werden Sie sich freuen, wie schön es ist, keine schlechte Laune zu haben, aber auch gut, wenn bei den anderen so ein Song dabei raus kommt. So ist das eben. Das Leben ist kein Highway, es ist die B73!“

Und schon wird einem klar, wie sehr der ebenso trockene wie fein austarierte norddeutsche Humor des bekennenden St.-Pauli-Fans in den letzten Jahren gefehlt hat – dem tut die einmal mehr seeeehr spezielle Tracklist von „Junkies und Scientologen“ freilich keinen Abbruch:

01. Fünf Jahre nicht gesungen
02. Danke für die Angst
03. Avicii
04. Was wird aus Hannover
05. 100.000 Songs
06. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hip Hop Videodrehs nach Hause fährt
07. Junkies und Scientologen
08. Katy Grayson Perry
09. Menschen ohne Angst wissen nicht, wie man singt
10. Ein Satellit sendet leise
11. Die Welt ist unser Feld
12. Immer wenn ich an dich denke, stirbt etwas in mir

 

 

Im August, September und Dezember sind Thees Uhlmann und Band denn auch auf ausgedehnter Tour:

03.08. Hamburg, Theaterschiff (solo, ausverkauft)
13.08. Reutlingen, Franz.K
14.08. Worpswede, Music Hall
15.08. DK – Rømø, Cruise van Cleef (ausverkauft)
16.08. Kassel, Kulturzelt
17.08. Grosspösna, Highfield Festival
23.08. Essen, Zeche Carl Open Air

25.09. Rostock, Mau Club
26.09. Cottbus, Glad-House
27.09. Hamburg, Große Freiheit 36 (ausverkauft)
28.09. Berlin, Lido (ausverkauft)
29.09. München, Ampere (ausverkauft)
30.09. Köln, Stadtgarten (ausverkauft)

06.12. A – Wien, Gasometer
07.12. München, Tonhalle
08.12. Saarbrücken, Garage
10.12. Erlangen, Heinrich Lades Halle
11.12. Dortmund, FZW
12.12. Wiesbaden, Schlachthof
13.12. Stuttgart, LKA Longhorn
14.12. Berlin, Columbiahalle
16.12. Hannover, Capitol
17.12. Hamburg, Große Freiheit 36
18.12. Hamburg, Große Freiheit 36
19.12. Bielefeld, Lokschuppen
20.12. Bremen, Pier 2
21.12. Köln, Palladium

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

(Annelies Marie „Anne“ Frank, 1929-1945, deutsch-jüdisches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern und seiner Schwester Margot in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Elliott Smith – „Say Yes“


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Dem regelmäßigen Leser dieses bescheidenen Blogs dürfte über die Jahre ja bereits meine zeitweise manische Hingezogenheit zur Musik eines gewissen Elliott Smith unter die Augen gekommen sein. Und da ich bereits zigfach an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben habe, möchte ich hierüber auch gar nicht mehr allzu viele Worte verlieren, und – gerade heute, da aus aktuellem Anlass – natürlich lieber seine Songs selbst sprechen lassen, denn an diesem Tag wäre Steven Paul Smith, der wohl auf ewig immens einflussreiche, leider viel zu früh verstorbene Singer/Songwriter, 50 Jahre alt geworden.

(Aus diesem Grund erschienen just heute auch erweiterte – digitale – Deluxe Editions der Alben „XO“ und „Figure 8“ – mehr Infos hier…)

Wer denn mehr lesen mag: hier gibt es einen ausführlichen Artikel, welcher sich auf Spurensuche in alle möglichen – sowohl biografischen als auch künstlerischen – Richtungen begibt, sowie hier einen recht lesenswerten anlässlich des 2017er Re-releases von Smiths wegweisendem Werk „Either/Or„. Oder eben die ausführliche Biografie „Torment Saint: The Life of Elliott Smith“ von William Todd Schultz in Buchform.

Wer mehr schauen mag: die 2015 erschienene Dokumentation „Heaven Adores You“ ist eine gute Anlaufstelle – sowohl für Smithologen als auch für Neueinsteiger.

Happy Birthday, Elliott. Und, ja klar: Danke für deine Musik. Du wirst vermisst. Gone but not forgotten. 🖤

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Morganway – „Frozen In Our Time“


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Morganway mögen zwar aus dem englischen Norwich / Cambridge stammen, ihre Songs würde man jedoch an einem ganz anderen Platz verorten.

91oMMqKRBRL._SS500_.jpgDenn beinahe jedes der Stücke ihres jüngst erschienenen selbstbetitelten Debütalbums durchströmt ein ganz und gar sonnendurchfluteter Westcoast-Spirit, dem man seine Inspirationen, welche von Fleetwood Mac über Bruce Springsteen bis hin zu Seventies-Classic-Rock-Bands wie den Eagles reichen, ebenso wie die Irish-Folk-meets-Nashville’schen-Americana-Tupfer, die  der Musik durch Fiddle-Spielerin Nicole J Terry verliehen werden, deutlich anhört. Da müssen gar nicht alle Songs der von den Zwillingsbrüdern Callum (Gesang, Gitarre) und Kieran Morgan (Leadgitarre) ins Leben gerufenen sechsköpfigen Band um Frontstimme SJ Mortimer so schwer akzentuiert daher rocken wie das tolle „Frozen In Our Time“ – manchmal, wie in „Hurrciane“ oder „Let Me Go„, die gut und gern als British-Rock-Hommage an Stevie Nicks, Lindsey Buckingham und Co. gelten dürfen, darf’s auch etwas poppiger und zugänglicher sein.

Dabei erinnert einen die Energie, die Morganway vor allem auf Bühnenbrettern zu entfachen verstehen, an Kapellen wie Mumford & Sons vor etwa einer Dekade und zu seligen Zeiten von „Sigh No More“ (also als Marcus Mumford und seine Band-Kumpels noch nicht versucht haben, U2 in Punkto Sinnfreiheit nachzueifern). Pop im Sinn, Rock im Blut – Morganway sollte man auf den Schirm behalten…

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Frozen In Our Time“…

 

…sowie den bedeutungsschwangeren Song in einer Live-Version:

 

Rock and Roll.

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Süße Verpackung, ernsthafter Inhalt…


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(gefunden bei Facebook)

 

Süße Verpackung, ernsthafter Inhalt: dieser „Peanuts„-Ausschnitt könnte gut und gern als Umschreibung meines Musikgeschmacks herhalten – auch wenn das Zitat ursprünglich nicht von Charlie Brown (oder eben „Peanuts“-Schöpfer Charles M. Schulz) stammt, sondern von Vorzeige-Grantler Tom Waits

 

Rock and Roll.

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