Archiv der Kategorie: Klassiker des Tages

Der Vater des Bossa Nova – João Gilberto ist tot.


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Etwas Samba, etwas Jazz – aus diesen Bestandteilen schufen João Gilberto und Antônio Carlos Jobim Ende der 1950er-Jahre in Brasilien den legendären Bossa Nova. Ihr berühmtestes Lied: „The Girl From Ipanema“.

 

Seine leichte und doch melancholische Musik hat Brasiliens kulturelle Szene wie kaum eine zweite geprägt und wurde schließlich auf der ganzen Welt gespielt. Nun ist die brasilianische Bossa-Nova-Legende João Gilberto im Alter von 88 Jahren gestorben. Dies teilte sein in den USA lebender Sohn João Marcelo auf Facebook mit:

Der am 10. Juni 1931 in Juazeiro im Bundesstaat Bahia geborene João Gilberto Prado Pereira de Oliveira, dessen Markenzeichen sein nuancierter, ausgesprochen leiser Gesang war, musizierte unter anderem mit dem Saxofonisten Stan Getz und dem Sänger und Komponisten Antônio Carlos Jobim (nach welchem übrigens der internationale Flughafen von Rio de Janeiro benannt wurde). Mit den beiden nahm Gilberto mehrere Alben auf – eines der gemeinsamen Stücke ist das weltberühmte „The Girl From Ipanema“ (vom 1964er Werk „Getz/Gilberto“), zu dem seine damalige Frau Astrud Gilberto den Gesang beisteuerte. Bekannt wurde das Lied im Herbst 1964, als sie es bei einem Konzert in der renommierten New Yorker Carnegie Hall vortrug. Selbst US-Entertainer Frank Sinatra übernahm „The Girl From Ipanema“ – nebst vielen anderen Künstlern – drei Jahre später in sein Repertoire (allerdings natürlich erst, nachdem der portugiesische Text ins Englische übersetzt wurde).

Aber auch für andere Hits wie „Desafinado“ und „Chega de Saudade“ war João Gilberto verantwortlich. Der Mann, der mit 14 Jahren seine erste Gitarre bekommen hatte, sich anfangs noch mit Gelegenheitsjobs durchschlug und recht schnell ein eigenes Gitarrenspiel, das Rhythmen des Batucada und Samba kreuzte, entwickelte, nahm bis zuletzt Dutzende Alben auf. Für sein Werk wurde er mit zwei Grammy-Awards ausgezeichnet, sechsmal war er nominiert.

Fast zwanzig Jahre lebte Gilberto in den USA – mit einer zweijährigen Unterbrechung in Mexiko. Ende 1979 kehrte er in seine brasilianische Heimat, nach Rio de Janeiro, zurück. Zuletzt lebte der Musiker Medienberichten zufolge dort zurückgezogen sowie schwer krank und hoch verschuldet. Einen seiner letzten Auftritte hatte er 2008 in Salvador de Bahia – die Karten für die Tour zum 50. Geburtstag des von ihm in die weite Welt getragenen Bossa Nova waren in weniger als einer Stunde ausverkauft…

Mach’s gut, João Gilberto!

 

 

Interessierten sei übrigens der 2018 veröffentlichte Dokumentarfilm „Wo bist du, João Gilberto?“ ans Herz gelegt, in dem sich der Schweizer Georges Gachot, welcher wiederum durch das Buch „Hobalala: Auf der Suche nach João Gilberto“ des deutschen Autoren Marc Fischer von 2011 auf Gilbertos Leben aufmerksam gemacht wurde, auf die Spuren des legendär-mysteriösen Vaters des Bossa Novas in dessen brasilianische Heimat begibt…

(einen informativen Artikel zum Doku-Film findet man etwa auf welt.de…)

 

Rock and Roll.

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Vor zwanzig Jahren…


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Gemälde: Chad Patterson

Californication„, das siebente Studiowerk der Red Hot Chili Peppers, erschien – auf den Tag genau – gestern vor zwanzig Jahren (also am 7. Juni 1999). Mir kommt’s wie eine gefühlte Ewigkeit vor, und trotzdem verbinde ich viel Inniges, massig Prägendes mit diesem Meisterwerk von Langspieler. Hier die Worte, welche mir spontan – und in einem fixen Facebook-Post – in die Tastatur flossen:

Alter, 20 Jahre… Zwanzig. ZWANZIG! Eine ganze Adoleszenz ist das her!
Damals an Tag 1 nach dem Schulbesuch im lokalen Expert-Elektrofachmarkt – sächsische Provinz zwar, aber den hatten wir zumindest! – käuflich erstanden, berauscht durch die Comeback-Vorabsingle „Scar Tissue“ – und seitdem ohne Umschweife immer wieder neu in John Frusciantes Gitarrenspiel verliebt. „Califonication“ bleibt auch zwei Dekaden nach Erscheinen ein formvollendetes, mit etlichen feinen Details versehenes – und doch recht pures, mit wenig Effekten versehenes – Meisterwerk mit Melodien für gleich etliche Trips ins  Nirwana. Von „Around The World“ bis „Road Trippin‘“ – all killer, (almost) no filler. Wie schade ist’s daher, dass Frusciante von Bord der MS Chili Pepper gegangen ist, die Gitarre, deren Saiten er wie kein anderer mit Seele zu füttern vermag, beiseite gestellt hat – und sich nun verqueren elektronischen Experimenten stellt. (Eine Schande! Ein Frevel! Als hätte Leonardo Da Vinci sich irgendwann als Stuhl-Designer für IKEA beworben!) Ohne ihn – und mit seinem früheren Adlatus John Klinghoffer an der Gitarre – mögen die Chili-Schoten um Anthony Kiedis, Flea und Chad Smith zwar noch ähnliche Musik zustande bringen – aber irgendwie ist’s nix Halbes, nix Ganzes mehr, denn ein Unikum wie Frusciante ersetzt nicht mal der talentierteste Saitenberserker (oder -schamane)…
*hach* Zwanzig Jahre, zwei Dekaden! Kaum zu glauben. Mit einer nostalgischen Träne im AUX-Eingang, und noch immer voll der Bewunderung, wieviel Zauber doch einer knappen Stunde Rockmusik innezuwohnen vermag (sowie wohl noch zig weiteren Anekdoten, die ich hierzu erzählen könnte) verbleibe ich…

 

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Tiger Lou – „Sam, As In Samantha“


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Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman sollte für den ein oder anderen regelmäßigen Leser von ANEWFRIEND kein gänzlich Unbekannter sein, schließlich war um 2016 herum, als seine Tiger-Lou-Jungs und er sich nach etwa acht langen Jahren Funkstille mit dem Album „The Wound Dresser“ zurück meldeten, ab und an die Schreibe von dem mittlerweile 39-jährigen schwedischen Musiker.

7340169404176Dass Kellerman und Co. nach ebenjenem Comeback-Werk (und ein paar gemeinsamen Konzerten) schon wieder wenig von sich hören ließen, hat einmal mehr private Gründe (über welche man in diesem aktuellen Artikel etwas mehr erfahren kann). Umso schöner, dass Tiger Lou nun wenigstens einer der ältesten Veröffentlichungen im Backkatalog, der 2007 erschienenen „Trouble & Desiree EP“, ein um ein paar B-Seiten sowie einen bislang unveröffentlichten Song ergänztes Re-release gegönnt haben. Und siehe da: Stücke wie etwa „Sam, As In Samantha“ oder „Nova Lee“ sind auch heute immer noch so tolle, melancholische Tearjerker wie damals… *hach*

 

 

„Leaving for work monday morning
It is time for a new dawning
Sitting around every day
Amounts to nothing and there’s no way
I’m doing this for another ten years
That’s one of my worst fears
Oh Sam…

Turn off your phone and bring some sheets
So this is a place where young lovers meet
This is all and all we need
Give us some food and some bullshit tv
We’ll bunker up for days and days
Call in sick, we’re never leaving this place
Oh Sam…

So come inside my room tonight
I’ll let you win, I won’t even put up a fight
We’ll have a marathon of your choice
Anything you want
Movies, tv, magazines
Music, sex or something inbetween
Oh Sam…“

 

Rock and Roll.

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Längst ein Gänsehaut-Klassiker – 65.000 Green-Day-Fans singen Queens „Bohemian Rhapsody“


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Man kann über die Briten sagen, was man will – aber feiern können sie auf jeden Fall. Ein recht guter Beweis dürften Szenen sein, die sich beim „British Summer Time“-Festival im Juli 2017 in London abspielten.

Kings Of Leon, The Killers und unter anderem auch die US-Punkrocker von Green Day hatten sich angesagt. Letztere Band um Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool spielte an einem sonnigen, sommerlich warmen Samstagabend – und schon vor ihrem Auftritt war die Stimmung extrem gut.

Denn als „Bohemian Rhapsody“ von Queen, ein von Green Day recht oft benutzter Intro-Song (zu dem es vor einigen Jahren im Londoner Emirates Stadion bereits zu ähnlichen Szenen kam, welche ein Zuschauer via YouTube mit den Worten „Nur Queen rocken ein volles Stadium, ohne selbst dort zu sein“ kommentierte) aus den Boxen lief, sangen 65.000 Fans ebenso lauthals wie textsicher mit. Wer da keine Hummeltittchen bekommt, ist weder Mensch noch rockbar…

Nur logisch also, dass all das selbst den erfahrenen Rockstars von Green Day ein großes Kompliment abnötigte: „Danke Hyde Park. London, du weißt, wie man rockt!“, schrieb die „American Idiot“-Band seinerzeit bei Facebook. Da dürfte sogar die seit eh und je großartigste „Bohemian Rhapsody“-Verwendung aller Zeiten in „Wayne’s World“ etwas neidisch werden.

Und jetzt all gemeinsam: „Is this the real life? / Is this just fantasy? / Caught in a landslide / No escape from reality…“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gary Clark Jr. – „Come Together“ (live from The Forum)


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Der 2017 über die Leinwände geflimmerte DC-Superhelden-Blockbuster „Justice League“ war vor allem: gar nicht mal so gut (was einerseits an der mauen Story, andererseits an Ben Affleck als Batman gelegen haben dürfte). Etwas Positives hatte der Film dennoch: im Abspann sowie auf dem Soundtrack konnte man Gary Clark Jr.’s Neuinterpretation des Beatles-Klassikers „Come Together“ hören.

come-togetherProduziert wurde die Neuauflage des Songs von 1969 – hörbar – von Junkie XL und Mike Elizondo, zusätzliche Produktionsarbeit stammt von Sam de Jong. Das offizielle Musikvideo mit Szenen aus dem Film seht ihr hier.

Wie durchgerockt und druckvoll die Beatles-Neuinterpretation des Grammy-dekorierten Sängers, Songwriters und Gitarren-Virtuosen aus dem US-amerikanischen Austin, Texas vor allem live klingt, könnt ihr weiter unten hören: Bei einem Konzert von Eric Clapton im Forum in Los Angeles im Jahr 2017 war Gary Clark Jr. Support-Act und spielte den Song gemeinsam mit seiner Band. „That sounded great“, freut sich der 35-jährige Blues’n’Soul-Rocker, dessen jüngstes Album „This Land“ im Februar erschien, im Anschluss an die Performance – da kann man ihm nur zustimmen.

 

 

„Here come old flat-top, he come grooving up slowly
He got ju-ju eyeballs, he’s one holy roller
He got hair down to his knees
Got to be a joker, he just do what he please

He wear no shoeshine, he’s got toe-jam football
He got monkey finger, he shoot Coca-Cola
He say, ‚I know you, you know me‘
One thing I can tell you is you got to be free

Come together, right now
Over me

He roller-coaster, he got early warning
He got muddy water, he one mojo filter
He say, ‚One and one and one is three‘
Got to be good looking ‚cause he’s so hard to see

Come together, right now
Over me…“

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: The Dresden Dolls – „Sing“


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Ab und an bleibe ich – ohne Zweifel völlig zurecht – an und in der Diskografie der großartigen Amanda Palmer hängen, um reflexartig da zu verweilen – auch aus aktuellem Anlass diesmal, schließlich hat sich die Dame mit ihrem neusten, just erschienenen Album „There Will Me No Intermission„, dem ersten Solo-Werk seit „Theatre Is Evil“ von 2012, einmal mehr selbst übertroffen – auch wenn die (mehr oder weniger, so man denn das kreative Treiben der 42-jährigen US-Musikerin verfolgt) neuen Stücke etwas ernster und tiefer gehend geraten sind als Vergangenes, und daher ihre Zeit zum Wirken beanspruchen…

Nichtsdestotrotz lohnt natürlich auch jederzeit ein Sprung zurück in die Dresden-Dolls-Zeit – und sei es einfach nur um festzustellen, wie toll auch deren Songs waren (und: sind). Man nehme etwa „Sing“, seinerzeit (meint: anno 2006) auf dem zweiten Dresden-Dolls-Album „Yes, Virginia…“ erschienen. Cabaret-Indierock-Evergreen. Klassiker. Ohrwurm. Unkaputtbar. Große, große, tolle Amanda Palmer. 🖤

 

 

 

„There is this thing that’s like touching, except you don’t touch
Back in the day it just went without saying at all
All the world’s history gradually dying of shock
There is this thing that’s like talking, except you don’t talk
You sing
You sing

Sing for the bartender, sing for the janitor, sing
Sing for the cameras, sing for the animals, sing
Sing for the children shooting the children, sing
Sing for the teachers who told you that you couldn’t sing
Just sing

There is this thing keeping everyone’s lungs and lips locked
It is called fear and it’s seeing a great renaissance
After the show you can not sing wherever you want
But for now, let’s just pretend we’re all gonna get bombed
So sing

Sing cause it’s obvious, sing for the astronauts, sing
Sing for the president, sing for the terrorists, sing
Sing for the soccer team, sing for the janjaweed, sing
Sing for the kid with the phone who refuses to sing
Just sing

Life is no cabaret
We don’t care what you say
We’re inviting you anyway
You motherfuckers, you’ll sing someday…“

 

Rock and Roll.

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