Archiv der Kategorie: Flimmerstunde

„Distance“ – Eine Corona-Kurzfilm-Momentaufnahme mit zeitloser Botschaft


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Schon ungewöhnlich, dass (Kurz)Filme über historische Ereignisse erscheinen, während jenes Ereignis noch im vollen Gange ist (oder wir vielleicht sogar noch ganz am Anfang von selbigem stehen)…

MV5BZmExYzZiMjAtOThhNi00YjM4LTk4MzUtNjJhYzc1OTNkZmJjXkEyXkFqcGdeQXVyMTEyOTQ0NzM1._V1_SY1000_CR0,0,666,1000_AL_So ist „Distance“ einer der ersten Kurzfilme, welcher die aktuelle Coronavirus-Situation und ihre Auswirkungen thematisch aufgreift. Zwar mag man an mancher Stelle ein wenig am knapp viertelstündigen Film von Autor und Regisseur Jesse Edwards, den dieser zu großen Teilen im März diesen Jahres in Isolation drehte, herum kriteln, mag dem Kurz-Streifen sein Hollywood-likes dezent überlaufenes Fass an Pathos und (leisem) Drama ebenso ankreiden wie den Versuch, etwas Filmisches aus einer Momentaufnahme von etwas heraus, das wohl keiner von uns aktuell so genau einzuschätzen weiß, zu schaffen (so fehlen im Film etwa die Atemschutzmasken, die wir mittlerweile bei jedem Einkauf zu tragen verpflichtet sind). Am Ende jedoch überzeugt „Distance“ mit durchaus gutem Storytelling sowie der ein oder anderen zeitlos wichtigen Botschaft, für welche es im Grunde weder einen Notstand noch eine Pandemie benötigt…

 

„We made this film because in addition to the viral pandemic, we are now faced with an epidemic of fear. More people than ever right now are alone, anxious, and consumed in fear. We need storytelling that will remind people that even in the darkest hour, we can and will get through this, together. There is hope. There is love. And even if at a distance, we have each other.

This motion picture was written, produced & filmed within a short window during March 2020. The filming operated within complete compliance of the State of Tennessee, US Federal Government mandates and CDC recommendations around COVID-19 best practices. Production followed volunteer, micro limited crew & cast footprint, social distancing and strict clean set protocols. The filmmaker’s acknowledge the threat posed by the spread of COVID-19 is real, alarming and should be taken very seriously. Strict precautions were thoroughly evaluated and enforced to ensure a safe set.

We hope you are healthy and safe and that our film can bring you and anyone who watches it some hope during this time.“

 

 

Rock and Roll.

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„Almost Famous“ – Nie von den weiblichen Beatles gehört?


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Schwer zu sagen, was da genau vom wem in den frühen 1960er Jahren in Liverpool ins Trinkwasser gemischt wurde, das schließlich den Merseybeat-Sound und Hunderte von Gruppen mit schlussendlich recht unterschiedlichem Erfolg hervorbrachte. Die Beatles – klar. Biggest band in history. Doch etwas abseits von Lohn, Paul, George und Ringo überraschten vier Teenager die Szene und fanden, ebenso wie die allseits bekannten  Pilzköpfe, schnell auf Schritt und Tritt schreiende Fans vor. Sie hießen: Mary, Sylvia, Pam und Val.

Es war nicht nur ihr für die damalige Zeit recht typischer Beat-Sound, mit dem das Quartett mit Songs wie „Peanut Butter“ die Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie waren The Liverbirds, Großbritanniens erste rein weibliche Rock’n’Roll-Band. Wenn man heute den überlebenden Mitgliedern Mary McGlory und Sylvia Saunders gegenüber sitzt, würde man kaum vermuten, dass die beiden überaus charmanten Scouse (meint: sie kommen aus Liverpool) Matriarchen einst Bühnen mit den Rolling Stones rockten. Oder den Kinks ihre Instrumente liehen. Oder im damals sündig-verruchten Hamburg Joints für Jimi Hendrix rollten. Oder beinahe ebenso Big In Japan wie in Deutschland waren.

John Lennon höchstselbst sagte ihnen dereinst, dass Mädchen nicht Gitarre spielen. Nun, John, das taten sie aber – und wie! Man stelle sich das mal vor…

 

Die Mini-Doku-Reihe „Almost Famous“ der New York Times hat den „Other Fab Four“ einen durchaus interessanten, gut viertelstündigen Beitrag gewidmet:

(via YouTube schauen)

 

Im vergangenen Jahr wurde dem wegbereitenden All-Female-Rock’n’Roll-Quartett im heimatlichen Liverpool mit „Girls Don’t Play Guitar“ gar ein eigenes Musical gewidmet. Und auch ein Film über Pamela Birch, Valerie Gell (beide Gesang, Gitarre), Mary McGlory (Gesang, Bass) und Sylvia Saunders (Schlagzeug) soll in Planung sein. Tja, sieht ganz so aus, als hätte sich John Lennon mindestens einmal mächtig geirrt…

 

Rock and Roll.

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Wie die Tiere? – Steve Cutts‘ Kurzfilm „The Turning Point“


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Bei Videos von Steve Cutts weiß man eigentlich immer, dass sich ein Klick auf den „Play“-Button lohnt. Obwohl: leicht ist die Kost des Londoner Künstlers dabei oftmals so gar nicht zu verdauen – wie beispielsweise im großartigen „Happiness„, welches 2017 ein „Materialismus-Streben wie im Schlarattenland“ verdeutlichte, mit einer Extraschippe Gesellschaftskritik und dem berühmten salzigen Fingerdruck fest dort hin, wo es weh tut…

Ähnlich gelagert ist auch „The Turning Point“, Cutts‘ neuester Streich. Darin dreht der 24-jährige Illustrator und wohlmöglich gesellschaftskritischste Animationskurzfilmemacher unserer (Kunst)Zeit den ökologischen Spieß einfach um: Wie wäre es, wenn Tiere ihr Leben ohne Rücksicht auf Verluste und im tagtäglichen Tegel der Verschwendung verbringen würden? Und wir Menschen wären die, die darunter zu leiden hätten? Ein hartes Bild, das die aktuelle Lage rund um den Klimawandel, jedoch ebenso den leider noch nicht in allen (und noch immer viel zu wenigen) Köpfen angekommenen Sinneswandel treffend darstellt. Vielleicht bringt es ja den einen oder die andere dazu, anders zu denken und vor allem zu handeln? Der Pessimist in mir jedoch meint: Vermutlich wird Cutts‘ einmal mehr großartig bitter auf den Punkt geratenes Dreieinhalb-Minuten-Filmchen aber auch nur in den entsprechenden Filterblasen geteilt und honoriert…

 

»The Turning Point‘ explores the destruction of the environment, climate change and species extinction from different perspective.«

 

 

Rock and Roll.

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Retro-Swag auf Anschlag – Die Arte-Doku „VHS – Eine Kassette revolutioniert die Welt“


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Arte dreht den Retro-Swag – freilich künstlerisch distinguiert – auf Anschlag und kramt aus einem verstaubten Karton auf dem Dachboden die guten alten VHS-Kassetten wieder hervor, um den schwarzen Plastikbildundtonträgern eine eigene Doku zu widmen.

Wie vermutlich so ziemlich jede(r) in meinem Alter habe auch ich einen nicht gerade unbeträchtlichen Teil meiner Kindheit und Jugend mit Videokassetten verbracht, die man sich in den heute auch langsam aber sicher ausgestorbenen Videotheken besorgt hat (oder eben Sendungen und Filme mal mehr, mal weniger mühsam auf Leer-Videokassetten aus dem Fernsehprogramm heraus mitgeschnitten hat) – das analoge Netflix von damals, wenn man so mag. Ein Ausflug mit nostalgischen Einblicken. Ein knapp einstündiger Film über eine Zeit, in der man YouTube-Videos noch auf MTV, Viva und – vor allem und *hach*! – Viva2 fand, und jedes verdammte Mal vor- und zurückspulen musste…

 

Eine ganze Generation, die mit Videokassetten groß geworden ist, schwelgt heute in VHS-Nostalgie. Doch nur wenigen ist bewusst, welche enormen gesellschaftlichen und politischen Folgen die Einführung dieser Technologie hatte. Von den 1970er bis zu den 1990er Jahren erzählt die Dokumentation die Geschichte des ersten wahrhaft demokratischen audiovisuellen Mediums.

 

 

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Rock and Roll.

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„Skywatch“ – ein hollywoodreifer Sci-Fi-Kurzfilm mit großen Ambitionen


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Der zehnminütige Kurzfilm „Skywatch“ ist wohl gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert: Erstens entstand der Film in sechsjähriger Schweissarbeit mit einem Budget von rund 53.000 US-Dollar, das via Kickstarter hereingeholt wurde. Und zweitens wurde – Geek Fact Time! – für die Effekte im Film hauptsächlich Blender benutzt.

Dass das Ergebnis dabei rundherum professionell ausfällt, ist aber sicherlich zum größten Teil dem Talent von Regisseur Colin Levy geschuldet, der zuvor unter anderem bei Disney-Pixar gearbeitet hatte, diesen (Traum)Job jedoch an den Karriere-Nagel hing, um sich voll und ganz seinem Herzensprojekt zu kümmern.

Die Storyline ist fix zusammengefasst: „Skywatch“ erzählt von zwei Teenager-Freunden, die sich ins Drohnen-System eines Lieferdienstes hacken, um ihren Nachbarn den ein oder anderen Streich zu spielen – eine schlechte Idee, wie die beiden schnell feststellen müssen…

Zum Sci-Fi-lastigen, dezent Orwell’schen Inhalt selbst kann man sicherlich gespaltener Meinung sein, die Zielsetzung dieses Projektes dürfte jedoch kaum zu übersehen sein. Einerseits kann es wohl kaum ein Zufall sein, dass Colin Levy, Andre Danylevich (VFX) und Sandro Blattner (Supervision) bereits für diesen Mini-Film einen durchaus namenhaften Cast mit Uriah Shelton („13 Reasons Why“), Zach Callison („Steven Universe“) sowie dem Cameo eines Güteklasse-A-Hollywoodstars wählten. Zum anderem bleiben nach den kurzweiligen zehn Minuten derart viele Fragen offen, dass der (Kurz)Film – quasi als Prequel – nach einer Finanzierung für einen abendfüllenden Spielfilm schreit. Man darf wetten, dass die Macher mit dieser Visitenkarte in petto bald in Verhandlungen für einem kompletten Langfilm stehen werden. Mal sehen, ob wir uns in ein, zwei Jahren über eine Auflösung im Kino – oder wohl vielmehr auf Amazon Prime, Netflix und Co. – freuen dürfen…

 

(…oder via YouTube.)

 

Rock and Roll.

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Nach Hause streamen – Sky lässt E.T. zu Weihnachten einfliegen


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Pünktlich zum Weihnachtsfest sorgt Sky für ein Comeback des wohl berühmtesten Außerirdischen der Kinogeschichte: Im neuen Commercial des Pay-TV-Anbieters kehrt E.T. nach 37 Jahren zurück auf die Erde und stattet seinem Film-Freund Elliott einen überraschenden Besuch ab. Die Botschaft, die Sky seinen Kunden mitgeben will: Nehmt euch an Weihnachten mehr Zeit füreinander.

Das Ende des Films „E.T.“ aus dem Jahr 1982 ist vielen Cineasten wahrscheinlich noch in guter und vor allem trauriger Erinnerung (und der Rest muss nun eben mit einem Spoiler mehr leben): Nachdem sich der außerirdische Freund von den Kindern verabschiedet, besteigt er sein Raumschiff und fliegt auf Nimmerwiedersehen davon in die unendlichen Weiten des Alls. Der Streifen von Regisseur Steven Spielberg setzte seinerzeit nicht nur Messlatten hinsichtlich Einspielergebnis und Sci-Fi-Fantasien, er gehört bis heute zu den erfolgreichsten und bekanntesten Kinofilmen aller Zeiten.

Gut nachvollziehbar also, dass Sky für seinen diesjährigen Weihnachtsspot E.T. nun wieder zurück auf die Erde bringt. In dem gemeinsam mit Universal Pictures entstandenen 120-sekündigen Commercial trifft der scheinbar alterslose Außerirdische nicht nur auf seinen einstigen Freund Elliott (wie vor 37 Jahren gespielt von Henry Thomas), der jetzt selbst eine Familie hat, sondern auch auf (s)eine Technik-Welt, die mit der der Frühachtziger nicht mehr viel zu tun hat – Streaming und Sprachsteuerung inklusive. Aber allen Veränderungen zum Trotz: Die Freundschaft zwischen Elliott und E.T. ist unverändert stark geblieben, so die Botschaft des Werbefilms. Auch ohne Drew Barrymore sind diese zwei Werbeminuten eine durchaus niedliche Idee für alle Freunde des Außerirdischen, der damals „nach Hause telefonieren“ wollte…

 

 

Rock and Roll.

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