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Song des Tages: Provinz – „Reicht dir das“


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Kauft eigentlich noch irgendjemand da draußen Maxi-Singles oder EPs? Also so richtig physisch im Laden für ’nen schlanken Fünfer, bar auf die Kralle? (Oder halt eben beim Online-Versandriesen mit dem „a“ und Smiley?) Wenn ja, dann hat ANEWFRIEND mit der Newcomer-Band Provinz einen Tipp für euch. Das Quartett aus der Umgebung von Ravensburg, unweit des Bodensees, sprich: aus der tiefsten Provinz Süddeutschlands, brachte im Mai nach der Debütsingle „Neonlicht“ (im März erschienen) mit „Reicht dir das“ sein erstes, vier Songs starkes Mini-Album auf den Musikmarkt, das von Tim Tautorat (unter anderem AnnenMayKantereit, Faber, The Hirsch Effekt, Turbostaat, OK KID) produziert wurde und – obwohl gerade erwähnte AnnenMayKantereit hier als erste offensichtliche Referenz ums Eck lugen –  für einigen frischen Wind in der deutschen Pop-Landschaft sorgen dürfte…

500x500 reicht epUnd obwohl drei der vier Mitglieder Cousins sind, besteht die Band Provinz als solche seit gerade einmal zwei Jahren. Scheinbar musste der Gedanke, eine Band zu gründen, erst reifen, bevor sich Vincent (Gesang, Gitarre), Robin (Gesang, Piano), Moritz (Gesang, Bass) und Leon (Schlagzeug) dazu durchringen konnten. Alle vier kommen aus der Nähe des „schwäbischen Nürnbergs“ und machen im Grunde bereits ihr halbes junges Leben lang zusammen Musik. Anfangs spielten der Vierer noch für Rentner am Bodensee mit Cajón und Rassel, jetzt scheinen sie als Band ihren Stil (vorerst) gefunden zu haben und schöpfen dabei gleich noch aus der Erfahrung als Straßenmusiker und Provinzler (noch so eine Parallele zu der seit einiger Zeit überaus erfolgreichen Ex-Fußgängerzonen-Band, der Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit ihre Nachnamen leihen). Doch schon der Anfang ihrer Karriere gibt Provinz Recht. Denn dass sie vom Branchenriesen Warner Music unter Vertrag genommen wurden, der, wie’s ausschaut (und wohl auch beflügelt durch den AnnenMayKantereit-Hype), an die Band glaubt, ist ein klares Signal und auch die Chance, Provinz von Anfang an ein (immer noch recht milchbärtiges) Gesicht und eine künstlerische Handschrift zu geben.

So spielt die Koketterie mit ihrer Herkunft auch in den bisherigen Musikvideos eine große Rolle, in denen viel Wert auf Optik (stylisches Schwarzweiß, selbstredend) gelegt und jede Menge Vintage-Charme als Querverweis zum Thema „Provinz“ eingebaut wird. Stichwort: Mercedes-Benz 190 (W 201). In der Provinz fährt man ein Auto eben bis es den Geist aufgibt – oder halt das nächstbeste, das man sich als junger Mensch nun mal leisten kann, ohne von der Meinung anderer fremdgesteuert zu werden. Musikalisch könnten die Newcomer-Jungs vom Bodensee allerdings kaum näher am Puls der Zeit sein, erzählen die vier Stücke der Debüt-EP doch von Themen, mit denen sich junge Menschen eben so seit eh und je beschäftigen: Liebe, gescheiterte erste Beziehungen, Ausbrechen, Aufbrechen in die Großstadt, Heimweh und Feiern in vollen Zügen.

500x500 reichtIn der titelgebenden Klavierballade „Reicht dir das“ wird auf emotionale Weise das Ende einer Beziehung thematisiert und in Worte gefasst, die juvenil-ehrlicher kaum sein könnten: „Schaue dir verständnisvoll zu, spiele dir vor, wie leid es mir tut. Zähle die Sätze auf, die man eben so sagt. Tränen schießen in dein Gesicht – komm‘ schon, so schlimm ist es nicht. Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe, dann war das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das? Bitte Schatz, hör‘ auf zu weinen, es liegt ja nicht an dir. Nein, es liegt an mir. Wir können ja Freunde bleiben. Aber das glaubst du doch selbst nicht“. Dazu singt Frontstimme Vincent, als hätte er bereits das eine oder andere Fläschchen getankt, und verleiht den Song damit Authentizität (auch hier scheinen – Oberlippenflaum hin oder her – Henning May und Faber nicht allzu weit).

500x500 neonIn „Neonlicht“ dagegen wird das Großstadtleben kritisch unter die Lupe genommen. Klar: Wer aus der ländlichen Provinz stammt, hat einen ganz anderen Blick auf das, was in einem Großstadtgedränge scheinbar normal ist, sich bei genauerer Betrachtungsweise aber als blanker Irrsinn herausstellt. Verpackt wird das Ganze in hymnische Chöre, akustische Gitarren- und Pianoklänge und erneut in einen Lead-Gesang, der sich stürmisch und heiser Luft macht: „Sag, was soll der ganze Lärm? Hype um nichts. Alle kommen sie her, doch versprechen könnt ihr nichts! Fangen an, die dreckige Stadt zu fressen, bis wir fast daran ersticken inmitten von Neonlicht gedrehten Kippen. Survival of the fittest!“.

Im Vergleich zu den obigen Songs ist „Was uns high macht“ zum ersten Mal ein Stück, in dem sich die Band locker(er) macht und mit beschwingten Pianoklängen und Chorgesängen ein Hoch auf die Liebe besingt – ähnlich wie in „Zu jung“, doch hier wieder deutlich balladesker und emotionaler, ohne großartig und over the top theatralisch zu wirken. Dennoch verbinden Provinz auch in diesem Song Text und Musik auf eine recht berührende Art und Weise, womit das Quartett summa summarum eine beachtlich intensive, größtenteils in organischer Live-Atmosphäre gemeinsam im Studio eingespielte Viertelstunde in Sachen deutschsprachiger Musik abliefert. Ob der Vierer da auf seinem fürs kommende Jahr angekündigten Album-Erstling „Wir bauten uns Amerika“ qualitativ anzuknüpfen vermag? Die neuste Single „Augen sind rot“ fährt schonmal derart dicke Folkpop-Geschütze auf, dass man glauben könnte, AnnenMayKantereit hätten sich eine Wall of Sound á la Mumford & Sons gegönnt. Aber lassen wir die Vergleiche…

 

Hier gibt’s das passend dramatisch inszenierte Musikvideo zum Titelstück der Provinz’schen Debüt-EP. Und wenn man schonmal dabei ist, sollte man sich definitiv die Live-Session-Versionen von „Reicht dir das„, „Zu jung„, „Was uns high macht“ und „Neonlicht“ durch die Gehörgänge rauschen lassen, schließlich wird gerade im reduziert-rohen Gewand das Potential, das wohl noch in der jungen (potentiellen) Senkrechtstarter-Band des kommenden Jahres schlummern mag, besonders deutlich…

 

„Schaue dir verständnisvoll zu
Spiele dir vor, wie leid es mir tut
Zähle die Sätze auf, die man eben so sagt
Tränen schießen in dein Gesicht
Komm schon, so schlimm ist es nicht
Sag‘, was verlierst du schon, mh, mh?

Und der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Der letzte Zug brennt so wie immer
Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Er ist warm und schmeckt bitter
Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das, mh, mh?

Bitte Schatz, hör‘ auf zu weinen, es liegt ja nicht an dir
Nein, es liegt an mir
Wir können ja Freunde bleiben
Aber das glaubst du doch selbst nicht?
Vergräbst dein Gesicht in deinem Arm
Warum endet das immer und immer?
Und ich falle schon wieder
Und wieder und wieder, am Ende alleine, ja

Und der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter, ah
Der letzte Zug brennt so wie immer
Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Er ist warm und schmeckt bitter
Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das?

Und wenn ich dir sage, wie gern ich dich habe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das?

Ich pack‘ meine Sachen, zieh‘ mich an
Und du schreist mir hinterher
Ja, vielleicht kann es sein, dass ich es gar nicht versuche
Und mit der Zeit, wieso lässt mich das kalt, ja?
Du packst deine Sachen, schreist mich an
Und ich schrei‘ dir hinterher, ja vielleicht kann es sein
Dass ich es gar nicht versuche
Und mit der Zeit bin ich immer schon gerannt

Also halt mich nicht, halt mich nicht
Es lohnt sich nicht, lohnt sich nicht
Also halt mich nicht, halt mich nicht, mh, mh
Also halt mich nicht, bitte halt mich nicht
Nein das lohnt sich nicht, mh, mh
Bitte halt mich nicht, bitte halt mich nicht
Denn es lohnt sich nicht, nein, es lohnt sich nicht
Nein, es lohnt sich nicht, lohnt sich nicht
Bitte halt mich nicht, halt mich nicht
Bitte halt mich nicht, halt mich nicht, halt mich nicht

Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter, ja
Der letzte Zug brennt so wie immer…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Great Grandpa – „Digger“


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Auf dem Wildwood Tarot-Deck, das seine Inspirationen aus dem Schamanismus oder der keltischen Mythologie bezieht, ist die Karte „Four of Arrows“ mit einem Menschenbild verziert, welches mit dem Gesicht nach unten auf den Boden schaut. Die Pfeile umgeben ihn und ragen aus dem Boden, berühren ihn jedoch nicht. Ein großer Schmetterling schwebt darüber in der Luft. Die Karte symbolisiert Ruhe – es ist ein Aufruf zur Erholung. Die Symbolik der Karte trifft wohl auf den Zustand zu, in dem sich Pat Goodwin samt seinen Bandmitgliedern befand…

Nach der Veröffentlichung von „Plastic Cough“ im Jahr 2017 waren Great Grandpa unzertrennlich. Die fünfköpfige Band aus Seattle, Washington lebte und arbeitete zusammen und tourte unermüdlich. Als die Tournee endete, verteilte sich das Quintett plötzlich über die gesamten USA – nun separiert und isoliert voneinander. Diese Trennung war nicht geplant, aber sie erwies sich als notwendig. Nun gab es die Gelegenheit, einen Einblick in ihr Leben, ihre Beziehungen und deren kreativen Zweck zu gewinnen.

5060366787811Auf diese Weise entstand „Four Of Arrows“ – eine kreative Wendung zur Selbstbeobachtung und das kollektive Ergebnis von Great Grandpas Ruhe und Einsamkeit. Zweifellos sind die elf Stücke des Ende Oktober erschienenen zweiten Albums eine Abwendung vom verspielten juvenil-unbedarften Kopfnicken zu Pizza und Zombies, Erdbeereis und Heartbreak High  auf „Plastic Cough“, welches sich vor nicht allzu langer Zeit noch mit den Eckpunkten Grunge und Punk begnügte. Great Grandpas Schreib- und Aufnahmeprozess hat sich deutlich hörbar weiterentwickelt – weniger Garagen-Jam in Seattle, dafür mehr Solo-Songwriting-Sessions. Die meisten Songs auf dem neuen Langspieler wurden alleine von Pat Goodwin und Carrie Goodwin geschrieben, während sie auf Reisen waren und im mittleren Westen lebten. Getrennt voneinander entwickelt, wurden die Stücke bei der Wiedervereinigung der Band zum Leben erweckt, als die Aufnahmen zu „Four Of Arrows“ am Neujahrestag 2019 mit Produzent Mike Vernon Davis (Modest Mouse, Portugal. The Man) begannen.

Und siehe da: Alex Menne (Gesang), Carrie Goodwin (Bass, Gesang), Pat Goodwin (Gitarre, Gesang), Dylan Hanwright (Gitarre, Gesang) und Cam Laflam (Schlagzeug) fanden sofort Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Beiträgen und entdeckten ihre gegenseitige Liebe und Bewunderung für verletzliche, emotionale Musik. Wohl auch deshalb achtet „Four Of Arrows“ nun sehr genau auf die Stille zwischen den Zeilen und Akkorden und umarmt einen auf geradezu subtile Art und Weise. Vom Klagelied „Dark Green Water“ bis zur eindringlich heulenden Indierock-Gitarre von „Digger“ – Great Grandpa probieren sich aus. Oftmals wird der Grundstein für die Stücke dabei am Klavier oder an der Akustikgitarre gelegt (was etwa das instrumentale Piano-Zwischenspiel „Endling“ oder die reduzierte Ballade „Split The Kids“ recht gut verdeutlichen).

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Trotz all der Ruhe bricht Alex Mennes charismatischer Gesang, der mal an das Organ der (zu) früh verstorbenen Cranberries-Sirene Dolores O’Riordan, mal an Leigh Nash, Frontfrau der „Kiss Me“-Spätneunziger-One Hit Wonder Sixpence None The Richer erinnert, eigentlich bei jedem Song triumphierend durch. Die Liebe zum Detail ist bis in jedes Echo und selbst beim noch so sanften Gebrauch eines Vocoders zu bemerken. Da die meisten Bandmitglieder Texte beigesteuerten, ist Menne somit eine emotionale Stimme für die gesamte Band – sie kanalisiert das Herz jeder einzelnen Songbotschaft und erhält die spielerische Note von Great Grandpa am Leben.

Thematisch arbeiten sich die Songs am Schmerz familiärer Trennungen, an Partnerschaften, innerer und äußerer Vergebung und den Kämpfen mit psychischen Erkrankungen ab. Sämtliche Texte spielen an vielen Stellen auf die für das Album titelgebenden Tarotkarten an und geben die Szenerie für „Four Of Arrows“ vor: die Einsamkeit und die Erkundung der obsessiven, neurotischen und sogar paranoiden existentiellen Selbstbefragung, die wir und unsere Mitmenschen im Leben sehen. „Shouldn’t go out in the darkness“, wiederholt zu einer leisen Gitarre, dient als Mantra von „Digger“, bevor alles in ein spannungsvolles Outro mündet.

Und entgegen aller guten Vorsätze gehen Great Grandpa in vielen Momenten des Zweitlings kopfüber ins melancholische Herbstdüsterlicht – und kommen schließlich nicht nur mit (hoffentlich) mutigeren Herzen, sonder auch mit ihrer bislang vollendetsten Albumarbeit zurück. Obwohl es inhaltlich schwer bleibt, dienen die hellen Arrangements von „Mono No Aware“ und „Bloom“ als unzuverlässiges Licht im Dunkeln. Ersteres ist eine durch den Schriftsteller Kazuo Ishiguro inspirierte wehmütige Ode an den Verlust von Unschuld, die Unbeständigkeit und – noch konkreter – „den Pathos der Dinge“, kombiniert mit sternenklaren Synthies und ausgefeilten Harmonien. „Bloom“, der scheinbar hoffnungsvollste Song der Platte, glänzt zunächst mit seinem Charme und spannungsvollen Hooks („When I think about Tom Petty, and how he wrote his best songs when he was 39“), bevor er dramatisch bricht und sein melancholisches Herz in Phil Specter-Manier gen Ende zur Schau stellt.

Great Grandpa überließen es den Karten und nutzten die freie Zeit voneinander, um zu wachsen, und die gemeinsame Zeit, um sich wieder zu vereinen. Ihr besonderer Ansatz hat eine musikalische Kulisse für ihre gemeinsamen Emotionen geschaffen. „Four Of Arrows“ sortiert sich klanglich mit ach wie vielen (gelungenen) Spagaten zwischen dem Indierock von Hop Along oder dem schroffen Indiefolk von Big Thief nicht nur stilsicher in die Listen der Anwärter des Herzensalbums des Musikjahres ein, sondern ist damit auch ein Beweis des Fünfergespanns an sich selbst und an gemeinsame Anpassungsfähigkeit. Hier paart sich überweltliche Hymnik mit introspektiven Momenten des Verzagens, trifft Ruppigkeit auf Schönklang, der mit all seinen Ecken und Kanten schöner kaum klingen kann. Ein Album wie ein von Sonne und Wind durchfurchter Herbsttag…

 

 

„Digger, you’re no superstar
Purpose on the arm
But family in the heart

Digger, fighting with the cards
Patterns in the noise
And questions that are hard

A rock in retrograde
Says endure pain today
All things must evolve or fade

The tarot cards made me laugh
A guardian on the path
Hard to dream like I need to
Subtlety as a way through

Digger, digging ‚til he starves
Slipped away from silent
Rest and carved the arm

Digger, fighting with the art
Hand off fate to chaos
Something to outsmart

That’s why I hate you (digger that’s enough)

You’re in my dreaming space
Erase these quivering weights
And replace with aphantasia’s grace

All thoughts filter down
To voices in the crowd
Shaming for unspoken days
Violence in the things they whisper
Then the sound gets louder

Digger, always in the game
Never was a game
And answers always hang

Digger, find another way
Arrows ‚round the body
Sleep and dream in grey

That’s why I love you

Shouldn’t go out in the darkness
Should have gone out in the dark“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Joseph – „Green Eyes“ (Live Session)


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Handgemachte, einfache, bodenständige Musik. Eigentlich. So könnte man den musikalischen Stil von Joseph umreißen, der Geschwister-Folkband aus Portland, Oregon.

Natalie Closner Schepman sowie ihre jüngeren Zwillingsschwestern Allison und Meegan Closner bilden gleichberechtigt Gesicht und Stimme(n) der Band, stehen – mal mit GitarreSchlagzeugBass bewaffnet, mal einträchtig-harmoniesingend vorm Mikro – gemeinsam auf der Bühne – und stellten im September mit „Good Luck, Kid“ schon ihren vierten Album-Langspieler seit 2014 in gut sortierte Plattenregale. Vergleiche zu der All-Female-Familenbande von Haim? Zunächst einmal angebracht, zunächst einmal berechtigt.

5400863014957Doch gerade als Musikhörer diesseits des Atlantiks, der normalerweise recht selten die Highways und Interstates zwischen Ost- und Westküste entlang rauscht und so edengleich selten in den mal zweifelhaft-trögen (da die Tendenz zum Einheitsbreieinerlei ja auch in den Vereinigten Staaten kaum Halt macht), mal unterhaltsamen Genuss größerer US-Formatradiostationen kommt, muss man beim Lauschen der dreizehn neuen Stücke der Closner-Sisters über kurz oder lang zugeben: „Einfach“ und „bodenständig“ wohnen meist lediglich einen Katzensprung weit entfernt von „gewöhnlich“ und „durchschnittlich“. Aus dem vierten Joseph-Longplayer ist ein unaufgeregtes, nettes Folkpop-Album geworden, es ist aber leider auch nicht mehr als: nett. Das Gros der Songs ist so klassisch geschrieben, wie es das Lehrbuch für biederen Radio-Folk vorgibt: Intro – Refrain – Strophe – Refrain – Bridge – Refrain. Locker, poppig, optimistisch. Mal dezent wuchtig, mal übertrieben auf Hymne getrimmt rauscht die knappe Dreiviertelstunde an den Gehörgängen vorbei. Da hilft es natürlich auch nicht wirklich, dass die Stücke oft unter drei Minuten und nie über vier Minuten kurz sind – und somit kaum Zeit haben, sich überhaupt zu entwickeln, irgendeine Form prägnanter Spannung aufzubauen. Nett, nett – aber auch nur die vierte Schwester von *gähn*.

Glücklicherweise – so fair sollte man sein – gibt es auf „Good Luck, Kid“ doch ein paar positive Ausnahmen: „Revolving Door“ ist eine gefällige Singer/Songwriter-Ballade, in der die drei Stimmen von Natalie, Allison und Meegan in der Tat wunderschön miteinander harmonieren. „Enough In Your Eyes“ fällt mit (s)einer federleichten Studio-Soundfläche aus dem Rahmen, in die man sich fallen lassen kann wie auf Watte. Und „Green Eyes“ zieht seine Kraft aus einem treibenden Sechsachteltakt – und entwickelt sich vor allem in der Live-Session-Variante zu einem feinen Ebbe-und-Flut-Rocksong. Davon hätten Joseph gern mehr aufs neue Album packen können…

 

The through-line of the album is this idea of moving into the driver’s seat of your own life—recognizing that you’re an adult now, and everything’s up to you from this moment on, […] You’re not completely sure of how to get where you need to go, and you don’t have any kind of a map to help you. It’s just the universe looking down on you like, ‘Good luck, kid.’

(Natalie Closner Schepman)

 

 

„Could’ve been the way
The moonlight hit the dashboard
Passenger window rolled down
That got me thinking
There’s something we should talk about
It’s not worth waiting out

I can give you space if you need it
You can walk away, I’m not leaving

There’s pride in my mouth
I got used to the taste
But I’ll swallow it now
And I’ll be first to say

Those green eyes are my green light
Giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind

We could both play the pretender
Circling round this parking lot
While one of us still remembers
We’re lucky to have what we’ve got

We’re taking a room for breathing
You can walk away, I’m not leaving

There’s pride in your mouth
You got used to the taste
Can you swallow it now
When you hear me say

Those green eyes are my green light
Giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind

Thought I could read you
But I lost my place
Now we’re on different pages
I need you…

Those green eyes are my green light
I’m giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind“

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Last Train


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Nur einen kräftigen Steinwurf (oder eben etwa zwanzig Kilometer) mag das französische Mulhouse von der deutschen Grenze entfernt liegen. Und trotzdem hat hierzulande bislang kaum jemand vom derzeit wohl erfolgreichsten musikalischen Export der Elsass-Stadt, die man in Deutschland auch als Mülhausen kennt, Notiz genommen. Woran liegt’s? Weben Last Train ihre Melodien etwa in feingliedrig-harmonischen Chanson, der sich – Weltmusik-Chanteusen wie ZAZ mal außen vor – einfach nicht ins bundesdeutsche Formatradio pressen lassen mag? Bon, mesdames et messieurs… Daran wird es kaum scheitern, denn einerseits sind die Songs des bereits seit mehr als zehn Jahren gemeinsame Sache machenden Quartetts ebenso weit von süßlichen Jacques Brel-Variationen entfernt wie Fromage et Baguette von Peking-Ente süß-sauer, zum anderen singt Frontmann Jean-Noël Scherrer auf Englisch. Und auch wenn sich dort natürlich ein kleiner französischer Akzent breit macht, liegen die Vorbilder der Band ganz woanders…

a0127936159_16Vielmehr könnte der Grund dafür, dass Last Train erst jetzt, mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „The Big Picture„, hierzulande die Runde machen, darin zu suchen sein, dass die junge Band in den letzten Jahren zwar weit mehr als 300 Konzerte im heimischen Frankreich, in Asien und Nordamerika spielte, jedoch kaum in Deutschland – auch wenn gerade das ob der Nähe verwundern mag.

Ein Publikum wäre für die Songs, die sich mal in staubtrockem Lederkutten-Rock suhlen wie anno dazumal die jungen Black Rebel Motorcycle Club (man höre zum Beweis die großartig ausufernde Live-Version von „Fire“), mal arschcool abliefern wie die Aussie-Derwische The Vines schon längst nicht mehr („Disappointed“), mal Reminiszenzen an selige Grunge- und Alternative-Rock-Zeiten der Neunziger erahnen lassen (etwa an den Jugendlich-wütenden Elan von Silverchair). Und: Jean-Noël Scherrer und seine täuschend milchgesichtigen Jungs haben die selbstverordnete Pause nach den Touren zum 2017er Debütalbum „Weathering“ scheinbar ideal genutzt, und so den Stücken ihres in Norwegen aufgenommenen Zweitlings noch mehr Abwechslung verliehen. Denn obwohl auch ein Großteil von „The Big Picture“ das altbewährte Laut-Leise-Schema, bei der eine trügerische Ruhe nur vor dem nächsten Sturm warnt, bis in den letzten Winkel ausreizt, versteckt sich unter den zehn neuen Songs die ein oder andere Abwechslung. So wird bei „Tired Since 1994“ aus einem ruhigen Rocksong plötzlich eine Art cineastische Filmmusik, während bereits vorher, beim achtminütigen „On Our Knees“, die Gitarren nach einer wahren Achterbahnfahrt mit Streichereinsatz theatralisch hinfort gespült werden. Nach bluesigen Gitarreneinleitungen reduziert der Vierer seinen oft brachial drauflos rockenden Sound nicht selten bis aufs polternde Schlagzeug, um danach wieder Fahrt aufzunehmen und mit konsequenten Breaks, die die Songstruktur endgültig aufbrechen, zu überzeugen – hat bereits auf dem Erstling oft genug überzeugt, also wird diese Indierock-Rezeptur nun auch wieder zur Genüge geboten (man höre hier „The Idea Of Someone“ oder „Right Where We Belong“). Wenn sich die titelgebende Abschlussnummer ganze zehn Minuten gönnt, scheint selbst die Britpop-Gigantomanie von Oasis nicht weit entfernt. Und aufgrund von Scherrers eindringlich-quengeligem Gesang, dessen langgestreckte Vokale einen wohl unweigerlich auch an Ober-Smashing-Pumpkin Billy Corgan denken lassen, könnte man hier beinahe von einer wilden Rock-Orgie zwischen San Francisco, Seattle, Manchester, Chicago und Down Under sprechen – nur eben findet diese 2019 in einer 100.000-Einwohner-Stadt im Elsass unweit der deutschen Grenze statt…

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Einen ersten Eindruck vom Last Train-Zweitling „The Big Picture“ (den man via Bandcamp im Stream findet) kann man sich anhand der Musikvideos zu „Disappointed“…

 

…“The Idea Of Someone“, einem in schwarzweißer Retro-Optik festgehaltenen Schleicher, der erst gen Ende Fahrt aufnimmt…

 

…und dem titelgebenden Album-Abschluss „The Big Picture“ verschaffen:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Proper. – „Bragging Rights“ (feat. Willow Hawks)


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Wahrscheinlich fällt eine spontane Namensänderung leichter, wenn einen sowieso kaum ein Schein kennt, denn aus Great Wight, die 2017 mit ihrem Debütalbum „The Suburbs Have Ruined My Life“ in kleinerem Rahmen auf sich aufmerksam machten, wurden unlängst Proper. Und den neuen Bandnamen nutzt Frontmann Erik Garlington bereits als ersten ebenso bissigen wie wertvollen Seitenhieb auf befremdliche Äußerungen, wie schön (engl. „proper“) er doch spräche: „You talk real proper.“ – so als würde seine Hautfarbe zwangsläufig Handeln oder Reden auf irgendeine Weise beeinflussen.

Und so spielen Herkunft und Hautfarbe entsprechend wichtige Rollen im Sound des Trios aus Brooklyn, zu dem neben Garlington noch seine Mitstreiter Elijah ‚Eli‘ Watson (Schlagzeug) und Natasha Johnson (Bass) zählen, ebenso Familie, Perspektivlosigkeiten und sexuelle Identität. Garlingtons Ausbruch aus dem engstirnigen US-Bible Belt mitten hinein ins vielfältige Leben im großen New York City als junger Erwachsener, von der Kreativität eines Kanye West oder Max Bemis (Say Anything) inspiriert, bilden das Rückgrat für den Proper.-Albumneustart „I Spent The Winter Writing Songs About Getting Better“.

a3578554858_16Zu den wichtigsten Stücken des im Juli erschienenen Longplayers zählt „Fucking Disgusting“. Garlington vermisste ein pansexuelles, inkludierendes Liebeslied und beschloss daher, selbst eins zu schreiben. Das herrlich unruhige Arrangement mit brodelnden Indie-Gitarren, geradezu vorwitzigen Afropunk-Vibes und ein paar Zeilen aus ABBAs „Dancing Queen“ bringt den schrägen Wahnsinn der Band denn ähnlich schnell auf den Punkt wie etwa „A$AP Rocky Type Beat“, das gar mit wilden Hardcore-Punk-Schlaggzeugsalven endet. Grungig-schroffer Uptempo-Rock, punkige Referenzen, Noise-Pop der Duftmarke Dinosaur Jr, kleinere Breaks und wütende Pogo-Tändeleien treffen auf die wortreichen (Selbst)Zweifel eines urbanen Twentysomethings. Mag sich zunächst seltsam lesen, brennt sich jedoch mit dem ein oder anderen wilden Haken als Umweg im Kleinhirn ein – so man denn offen in die Songs hinein lauscht.

Ohnehin scheinen Erwartungshaltungen für Proper. hörbar überbewertet, und so steuert das Trio nicht selten ebenso bewusst wie erfolgreich gegen diese an. „Toby“, einer Figur aus „The Office“ gewidmet, gibt sich herrlich launisch mit einem Hauch von emo’eskem Post-Hardcore und einer Salsa-Note in der Bridge, während die Breaks abermals herrlich tanzbar ausfallen und – mit etwas Fantasie freilich – an die Isländer von Retro Stefson erinnern. Die frontale Hymne „Curtain’s Down! Throw In The Towel“ liefert ein Mission Statement zu schrammeligem Rock, während das semi-balladeske „Trill Recognize Trill“ zu reduzierten Klängen die sexuelle Identität des jungen Sängers unter die Lupe nimmt, und wenig später in „Dekalb Ave“ gelungen fortgesetzt. Auch die Energieleistung „IDFWA (Art School)“ und der Instant-Ohrwurm „Bragging Right“, bei dem Garlington stimmliche Unterstützung von Willow Hawks (The Sonder Bombs) erhält, sollten nicht unerwähnt bleiben.

properNarrativ und musikalisch höchst unorthodox, häuten sich Proper. auf „I Spent The Winter Writing Songs About Getting Better“, dessen Titel von einem Wonder Years-Song inspiriert wurde, gleich mehrfach. Im Prinzip wirkt die gesamte Platte wie ein einziger Stream of Consciousness, der (s)eine Dreiviertelstunde weder ein festes Thema noch die eine vorgeprägte stilistische Schiene kennt. Erik Garlington, der stimmlich glatt aus jüngerer Bruder von Bloc Party-Frontmann Kele Okereke durchgehen könnte, wechselt dabei nahezu fließend zwischen Vergangenheit und Gegenwart, nimmt durchzechte Nächte ebenso mit wie sozialkritische Abhandlungen oder einen ungeschönten Blick auf seine Rolle in einem ihm nicht immer freundlich gesinnten Land. Hochgradig spannende Auswüchse, angenehm schroffe und verquere Präsentation und ein steter Hauch des Unerwarteten um die Nase – proper amazeballs, Neustart gelungen.

 

 

„I worked way too hard for this
Told  myself I was outgoing, ‚til I believed it
Asked  friends to be my biggest critics
For the motivation I needed not to quit

I don’t want to watch the bees die or smash my hips on tables
But  I always act so frantic and it just comes off as unstable
What’s  the difference? Lack of reference If I pour it all out at once
But it’s the difference in the distance
Yeah  yeah, you can just put it in the trunk (worked too hard for)
Put it in the trunk (worked too hard for)

Won’t take my shirt off for you, but don’t tell anybody
I’m about to break the rules, but don’t tell anybody
Rockstar? – N o, I’m a modern fool, but don’t tell anybody
Wanna take off the shoes?

I always knew school wasn’t for me
Sorry mom and dad, I don’t need to take a year off to think
I’m already a fuck up, so what’s one more thing?
I just can’t spend my life wondering what I could’ve been
I have to work twice as hard to get half of what my white counterparts get – so I’ll apply it to what I want
Can’t do a 9-5 or join the military industrial complex
Because for every guy that tried to fuck me and put my dreams down, and the bands in it for themselves and a free round
There’s could be someone that looks just like me
That needs to hear they’re not alone, or at least they don’t have to be
It might takes years, it might not happen at all
Could end with a mid-life crisis in a bathroom stall
You can save every reason, it’s too big a risk
I’ve already heard it and I know that it’s worth it

I’m no longer confused, but don’t tell anybody
I’m about to break the rules, but don’t tell anybody
I got something better than school, but don’t tell anybody
They want me to get a safe job, just like everybody
They ain’t walked in my shoes, I’m just not everybody

If I put it into words would you hear me out? (worked too hard for)
If I put it into words would you hear me out?
If I put it into words would you hear me out? (worked too hard for)
Hear me out, oh-oh“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Mobina Galore – „Escape Plan“


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Wer für gewöhnlich seine musikalischen Pinkelpausen hinter dem Mond verbringt und daher auch 2019 noch immer glaubt, dass zwei Frauen nicht genügend Energie hätten, um es musikalisch ordentlich krachen zu lassen (in dem Fall lassen toughe Damen wie Courtney Love, Beth Ditto oder Kathleen Hanna lieb grüßen), kennt Jenna Priestner (Gesang & Gitarre) und Marcia Hanson (Schlagzeug & Gesang) nicht. Die beiden Ladies aus dem kanadischen Winnipeg haben sich als Mobina Galore (das Duo hatte ANEWFRIEND bereits vor zwei Jahren „auf dem Radar„) seit 2010 krachenden Punkrock auf die Fahnen geschrieben und winken dieser Tage mit ihrem dritten Album „Don’t Worry“…

mobina-galore-dont-worry-music-review-punk-rock-theoryWar beim 2017er Vorgänger „Feeling Disconnected“ das Motto „Trennung“ die großlettrige Überschrift, bewegen sich Priestner und Hanson bei ihrem dritten Langspielstreich auf ganz ähnlichem Terrain, denn diesmal lautet das (recht logische) Thema „Herzschmerz“. Diesem Gedanken nähert sich das Duo, welches unlängst im Vorprogramm von Laura Jane Grace & The Devouring Mothers (deren Hauptband Against Me! sind denn auch gleich eine gute Referenz) deutsche Bühnen gerockt hat, allerdings keineswegs mit süßlich-melancholischen Balladen. Im Gros des runden Dutzends neuer Drei-Minuten-Songs gibt es amtlich auf die Zwölf, und wenn es zu Beginn hochenergetisch „I Want It All“ heißt, glaubt man den beiden sofort. „Back To The Beginning“ ist insofern auch kein echter Schritt zurück, sondern nur eine sehr überzeugend und druckvoll vorgetragene Entscheidung zum Selbstzweck. Einen blitzschnellen „Escape Plan“ haben die Kanadierinnen eh in petto und im Zweifel geht es einfach mal zum Sonne tanken nach „California“. „Completely Disconnected“? Macht doch nichts! Zumindest nicht, wenn der gleichnamige musikalische Vortrag so abwechslungsreich und punkrockig mitreißend ausfällt. Knackig schließt sich „Dig Myself Out“ an, und wenn Priestner und Hanson wie bei „Sorry, I’m A Mess“ härtere Töne im Highspeed-Modus anschlagen, zweifelt man doch sehr daran, dass Mobina Galore sich tatsächlich irgendwann bei irgendwem für irgendwas entschuldigen… Weiter geht es mit dem ruppigen „Denim On Denim“, bevor „I Need To Go Home“ dann doch einmal die zarte(re) Seite des Duos präsentiert. Die ist zwar – klar – noch immer ziemlich kratzbürstig, zeigt aber auch die Variabilität von Jenna Priestners wunderbar rauem Gesang. Überhaupt scheinen die beiden auf der Zielgeraden doch ein wenig versöhnlicher zu werden: „Just Went Away“  und „Oh, Irene“ klingen ein Mü eingängiger – wobei auch diese beiden Nummern mit eruptiven Ausbrüchen glänzen, die es in sich haben. Bleiben noch „Four Hours Of Sleep“ und siehe da: Miss Priestner hat ihren Sechssaiter ausgestöpselt und es wird zum Albumabschluss unbestromt gejammt.

Ganz egal, ob mit Punk-Rock-Powerchords oder mit reduzierten Mitteln – Mobina Galore strahlen auch auf „Don’t Worry“ eine unbändige Kraft aus, die insbesondere durch Jenna Priestners Gesang stets präsent ist, während die Instrumente des Zweiergespanns einmal mehr keine Gefangenen machen. So sind auch die neuen Songs der beiden Kanadierinnen ein Musik gewordenes, dem Herzschmerz den Mittelfinger zeigendes Stehaufmännchen mit unbändiger Entschlossenheit und enormer Spielfreude. Rockt durch, macht Bock.

 

Zur ersten Single „Escape Plan“ meint Sängerin und Gitarristin Jenna Priestner:

„Der Song war ursprünglich nie dafür bestimmt, ein Full-Band-Song zu werden, noch dachten wir, dass es die erste Single werden könnte. An einem heißen Sommertag vergangenes Jahr verbrachte ich mehr Zeit damit, Akustiksongs zu schreiben – Material, von dem ich nicht dachte, dass es den typischen Mobina-Vibe bekommen würde. Als ich dann im Winter ein Akustikvideo auf YouTube veröffentlichte, bekam ich ziemlich viel positives Feedback und Leute wollten den Song bei Konzerten hören – deshalb machten wir einen kleinen Pop-Punk-Banger daraus.“

Und das dazugehörige Musikvideo?

„Für das Video wollten wir die warme, entspannte Sommerstimmung in Winnipeg mit dem schönen Up-Beat des Songs miteinander verbinden. Marcia und ich verbrachten schon viel Zeit zusammen, doch meistens in Vans und irgendwelchen muffigen Kellerläden (meistens in Europa) – aber diesmal fuhren wir den ganzen Tag gemeinsam auf unseren Rädern am Fluss entlang, tranken Bier an einem schwülen Sommertag und 38°C in unserer Heimatstadt.“

 

 

Dass der Song auch 2019 in der reduzierten (Ur-)Variante funktioniert, beweisen Mobina Galore hier:

 

Rock and Roll.

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