Song des Tages: How I Left – „Continental“


Inmitten der süddeutschen Provinz, dort wo kleine Trauben zu köstlichen Wein werden, lassen How I Left ihren ganz eigenen und wohltuenden Sound for Lovers entstehen – diesen How I Left-Sound, der ganz besonders in den Bäuchen von Freunden der Songs der Weakerthans, von Wilco oder Ben Kweller ein wohltuendes Gefühl auslösen dürfte… 

Wer’s knapp mag, der könnte es gut und gern so zusammenfassen: leicht verpennter Slacker Folk trifft auf eingängigen Indie Pop. Gemütlich rumpeln Schlagzeug und Bass, darüber lockere Gitarren, ein altes Klavier und die Philicorda-Heimorgel vom Sperrmüll. Sobald der Gesang einsetzt, fragt sich das geschulte Ohr, wann bitteschön denn hier in trauter Beschaulichkeit die Stimmfusion von Paul Simon, Neil Young und Conor Oberst stattgefunden hat. Die Texte erinnern an American Short Stories – Alltagssituationen, kuriose Schlagzeilen und zwischenmenschliche Begegnungen verschmelzen zu literarischen Miniaturen. Eigensinnig? Sicherlich, doch dafür auch mit einer Prise Esprit.

An der Oberfläche verfügt „Birds In The City„, das Debüt von Julian Bätz und Michy Muuf, zudem über eine in sich ruhende Leichtigkeit: Bätz schlägt die Saiten seiner Akustikgitarre genauso behutsam an, wie er seine an die im oberen Absatz genannten Herren erinnernde Stimme einsetzt; Muufs am Jazz geschultes Schlagzeugspiel verliert seine Sanftmut auch dann nicht, wenn er, wie in „Master Of Arts“, das Tempo anzieht. Ihre Gelassenheit bedeutet jedoch längst nicht, dass es der Band an Emotionalität fehlt – die E-Gitarren von „On / Off“ klingen mindestens so stimmungsvoll wie bei The Clientele, während der Raumklang mit hörbar surrenden Mikros für eine intime Atmosphäre sorgt. Details wie diese mischen die ansonsten homogene Platte deutlich auf. So wie die summenden Bassläufe wandern hier und da subtile Klänge und Geräusche in den Vordergrund. In „Apples“ sind es etwa Schichten aus flimmernden Gitarren und leisen Tönen, die im ersten Moment nicht alle mit einem Instrument zusammenzubringen sind. Oder die Orgelakkorde in „Kids“, zu denen manchmal – fast wie zufällig – ein paar geklimperte Klaviertöne dazukommen. Der vermeintlich beste Part der Klangkulisse: die Trompeteneinsätze, welche entweder so klassisch warm wie bei den großen Neutral Milk Hotel klingen oder sich auf „Tools“ dissonant überlagern. Unter der ruhigen Oberfläche dieses Albums herrscht also unterm Strich deutlich mehr Chaos als es zunächst scheint. Mächtig was los in der süddeutschen Provinz…

Rock and Roll.

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