Song des Tages: Carolina Lee – „Blossoms“


Carolina Lee spielen psychedelischen Dream Folk – so weit, so unaufgeregt. Apropos: Mit der klassischen Formation von Gitarre, Orgel, Bass, Schlagzeug und Gesang schafft es die Berliner Band, überraschend unaufgeregte Songs zu arrangieren, die sich ganz auf die eigene Poesie verlassen und durchaus zeitlosen Charakter besitzen. Langsame, leise Musik, deren Melancholie etwas Perfektionistisches innewohnt und dessen psychedelische Elemente einen experimentellen Anspruch geltend machen. Ja, auch so kann die Großstadt klingen.

Zwischen Emotionalität und Humor entsteht dabei eine Spannung, die bald an das dunkle Timbre von Karen Dalton, bald an die verträumte Schlichtheit von Mazzy Star oder die weltferne Entrücktheit eines Syd Barrett erinnert. Dass einem angesichts des rührenden Sprechgesangs von Frontfrau Nadja Carolina auch Nico und The Velvet Underground in den Sinn kommen, liegt wohl in der Natur dieser Art von Musik.

Als erste Single erschien unlängst das Stück „Blossoms„, Nadja Carolina dazu: „Vor vielen Jahren habe ich Gewalt erlebt. Sie hat mich nicht getroffen – jedenfalls nicht direkt. In solchen Momenten passiert etwas. Wenn man sich selber sieht von außen, wie in einem Film, ist das sehr seltsam. Es hat mich lange verfolgt. Aber die andere Seite davon ist die unglaubliche Leichtigkeit, die man spürt, wenn man merkt, dass man wegfliegen kann. Dieses Gefühl versuche ich zu bewahren, in den Momenten, in denen anfange, mich wieder zu spüren. Wenn ich zum Beispiel plötzlich sehe, dass der Kirschbaum blüht und die Welt sich weiterdreht vor meinem Fenster.“

Nach zahlreichen Konzerten in Berlin und Umgebung seit 2019 hat die Band einen Fundus an Kompositionen entwickelt und erprobt, die nur darauf warten ein größeres Publikum zu erreichen. Einige jener Kompositionen haben es auch auf das am 15. Dezember erscheinende Debütalbum „Haunted Houses“ geschafft, welches die vierköpfige Band, die durch Simon Grote (Gitarre, Orgel, Gesang), Jule Schröder (Bass, Gesang) und Lutz Oliver (Schlagzeug, Gitarre) komplettiert wird, in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit dem Musiker und Toningenieur Max Braun (BRTHR, Karwendel) im Stuttgarter Studio Areal 51 aufgenommen hat. Begleitet und dokumentiert wurden die Aufnahmen vom Dokumentarfilmregisseur Kai Ehlers, um das Publikum am Entstehungsprozess teilhaben zu lassen.

Außerdem ließen Carolina Lee mit „Little Lines“ kürzlich bereits ein weiteres Stück hören. Im November soll eine Crowdfunding-Kampagne lanciert werden und mit „Mirror Mirror“ der Fokustrack des Albums folgen, welcher auf fünf atemlosen Minuten die mystisch-träumerische Energie verkörpert, die diesem Album im wahrsten Sinne des Wortes eingehaucht wurde. Ein Album, für das es sich selbst in der urbanen Alltagshektik lohnt, innezuhalten. Nach Ablauf der acht Stücke blickt man verwundert zurück; wie ein Kind, das beim Beobachten der Ameisen unter dem Birnenbaum die Zeit vergisst…

Rock and Roll.

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