Song des Tages: Katie Malco – „Brooklyn“


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Auf dem Papier mag „Failures“ zwar das Debütalbum von Katie Malco sein, doch die in Schottland geborene, im englischen Northampton heimische Singer/Songwriterin hat schon einen weiten Weg hinter sich. Bereits vor knapp zehn Jahren erschien nach der selbstverlegten Debüt-EP „Four Goodbyes“ die von Iain Archer (Snow Patrol, Tired Pony) produzierte Single „Katie Marco & The Slow Parade„, auf der fröhlich gestimmter Folk-Pop die Traurigkeit der Protagonistin kaschierte, bevor Malco 2013 mit der allein am Klavier eingespielten EP „Tearing Ventricles“ die nahezu perfekte Form für ihre herzzerreißenden Songs gefunden zu haben schien – trotzdem ließ ausgerechnet dann ihr erster Langspieler lange auf sich warten…

0612851595200Und überzeugt glücklicherweise umso mehr. Auf „Failures“ wendet sie sich nun einem betont ungekünstelten Singer/Songwriter-Bandsound zwischen Indie-Rock-Nachdruck und introspektiver Emo-Wucht zu, der trotz ihrer britischen Herkunft spürbar im US-Heartland, im Mittleren Westen Amerikas, verortet scheint und die Songs auch auf Platte so mächtig klingen lässt wie die Versionen, die Malco selbst in jenen Momenten im Kopf herumschwirrten, in denen sie allein mit ihrer alten Telecaster-Stromgitarre auf irgendeiner kleinen Bühne stand. Die klangliche Neuorientierung ist allerdings nicht der Hauptgrund, warum es acht lange, lange Jahre dauerte, bis nun endlich ihr Album-Erstling erschien. „Ich habe eine Zeit durchgemacht, in der ich viel Selbstvertrauen verloren habe und nicht wirklich an mich als Musikerin oder Songwriterin geglaubt habe“, erklärt Malco die lange Wartezeit in einem Interview. „Obwohl ich es damals nicht als solche identifiziert oder erkannt habe, hatte ich einige Phasen der Depression, die mich davon abgehalten haben, Shows zu spielen oder in irgendeiner Weise vor Leuten stehen zu wollen. Ich mochte nicht einmal die Musik, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatte, und es fällt mir immer noch schwer, sie zu hören. Deshalb kann ich auch nichts davon live spielen.“

Die Selbstzweifel, die gepaart mit leicht bitterem, irgendwie typisch britisch selbstironischem Humor auch im Albumtitel widerhallen, sind nicht vollends verschwunden, trotzdem hat Katie Malco, die bereits im Vorprogramm von Künstlerinnen wie Jenny Lewis und Julien Baker sowie Bands wie We Were Promised Jetpacks spielte, inzwischen ihre Ziele deutlich klarer vor Augen. „Ich bin jetzt viel überzeugter von der Musik, die ich mache”, sagt sie. „Gleichzeitig bin ich an einem Punkt angekommen, an dem es mir wichtiger als alles andere ist, unverfälscht zu sein und mich ehrlich und aufrichtig auszudrücken. Allein das hinzubekommen bedeutet für mich, dass ich stolz auf das sein kann, was ich veröffentliche. Vor zehn Jahren war ich jung, war ziemlich verängstigt ob der Situationen, in denen ich mich befand, und war einigen der Dinge, von denen die Songs auf dem Album handeln, viel zu nahe, um sie wirklich verstehen oder artikulieren zu können.“ Genau deshalb mag Malco mit „Failures“ einigen ähnlich inspirierten Künstlern des Indie-Folk-Universums, die als „confessional songwriter“ ihre Texte direkt aus dem Tagebuch pflücken, weit voraus sein. Brillant vereint sie situatives Storytelling mit analytischer Reflexion in Songs, die von bitteren Erfahrungen und harterkämpften Triumpfen handeln und in den besten Momenten cineastische Qualitäten von Springsteen’schem – oder meinetwegen Frightened Rabbit’schem – Ausmaß haben. „Die Lieder spiegeln ehrlich und wahrhaftig die Dinge wider, die in meinem Kopf umherschwirren. Es gibt keine Schutzschicht“, verrät sie. „Ich stehe oft auf der Bühne, höre die Worte, die ich singe, und beobachte, wie sie von den Gesichtern der Zuschauer abprallen, und spüre, wie die brutale Ehrlichkeit der Texte zu mir zurückspiegelt wird. In diesen Momenten frage ich mich, warum um alles in der Welt ich das tue.“

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Und während andere Musiker sich als glückliche Menschen beschreiben, die ihre dunklen Gedanken mit dem Schreiben trauriger Lieder verarbeiten, kennt Malco – ganz ähnlich wie die mindestens genauso talentierten, jedoch um einige bekannteren Phoebe Bridgers oder Mitski – kaum je eine Trennung zwischen Kunst und Leben, zwischen Kunst und Künstlerin. „Für mich ist es ein täglicher Kampf, Frieden und Glück zu finden“, gesteht sie. „Ich bin mir sicher, dass das ziemlich dramatisch klingt, aber inzwischen bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich damit umgehen kann. Es reicht mir, wenn mich Dinge zum Lachen bringen oder wenn ich selbst versuche, andere zum Lachen zu bringen, aber einem Glücksempfinden entspringt das leider nicht.“ Obwohl viele der Situationen und Erlebnisse, die Katie Malco in den Songs auf „Failures“, welche sie ab und an augenzwinkernd  als „sad lonely girl having a breakdown kinda vibe“ beschreibt, verarbeitet, Jahre zurückliegen, war es ihr ein echtes Bedürfnis, genau sie zum Thema ihrer ersten LP zu machen. „Ich hatte das Gefühl, ich schuldete es Katie Malco, ihre Geschichte zu erzählen und diese Platte zu veröffentlichen“, sagt sie. „Es ist ein sinnloses Pflichtgefühl gegenüber der Person, die ich einmal war, aber aus meiner Sicht hätte alles andere der Bedeutung der Platte Schaden zugefügt.“ Das Resultat sind zehn beeindruckend tiefgründige Coming-of-Age-Songs, die mit hochemotionalem Storytelling und ob der puren Gefühlsintensität von Malcos ausdrucksstarker Stimme nicht selten sofort unter die Haut gehen, um sich von da aus – vom in medias res-Opener „Animal“ bis hin zum krönenden Abschluss „The First Snow“ – und mit jedem Durchgang immer weiter und tiefer ins Hörerherz zu graben.

 

„‚Brooklyn‘ is about a friend of mine that moved to start a new life in New York. We’ve been friends for years and I’ve always felt protective of her. I went to New York for the first time to see her, having hardly even left the UK before, so it felt like a massive significant trip for me. It was her birthday and we had a big night to celebrate. On the last night we had a heart to heart where I tried to persuade her to come home – at this point she was hardly making enough money to live. She said she wouldn’t stay forever, to appease me, but that she was going to give it her best go. It wasn’t until later that I realised I wasn’t asking her to come home because I was worried she wasn’t going to survive – she always does – I was asking her to come home because I needed her.“

 

 

„I watched you fly on the rides at Coney Island
The wind was biting
The sky was red burnt
You looked just like birds overhead

You took polaroids of a man proposing
Everyone was applauding
Arcade machines sang on
As night turned to dawn then to light

I was weak and tired
The night before was a blur
The taxi drove too fast
The skyline rushing past our window
But oh! How we danced!
To the country band
We drank and we swayed
You told everyone it’s your birthday
Then we walked home to Brooklyn
And both of us were freezing
And I asked what you were doing with your life

I see you fading and I live across an ocean
I talked you out of staying, but I don’t know when you’ll come back
You said – don’t worry, you don’t need anybody
You’re living out your dreams in New York

The sun came up behind us and everything turned to rust
And birds sang to us as we walked
And I know you’ll be alright
You say I can’t let things lie
I know you’re right, you’re right“

 

Rock and Roll.

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