Song des Tages: The Winter Passing – „Resist“


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Fünf Jahre nach dem Debüt „A Different Space Of Mind“ und drei Lenze nach der „Double Exposure EP“ fügen The Winter Passing ihrer Diskographie endlich Album Nummer zwei hinzu. Der Sound von „New Ways Of Living“ klingt dabei zwar immer noch nach einer wilden, juvenilen Fahrt durch Emo, Indie- und Folkrock, allerdings stets in seiner gehobensten Form. Damit präsentiert sich das Quintett als einer der schillerndsten Rohdiamanten aus Dublins umtriebiger DIY-Szene…

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Passend dazu, dass The Winter Passing, die nicht nur in weitreichenden Einflüssen von Sonic Youth über No Doubt oder American Football sowie einer kollektiven Faszination für Filmografie, irische Redensarten und ländliche Küstenstädte viele gemeinsame Nenner finden, sich auch im Jahr 2020 musikalisch irgendwo zwischen den Genre-Stühlen Indie, Punk, Midwest Emo und Folk (die ja nie gänzlich ohne ein kapitales „ROCK“ auskommen) ansiedeln, arbeitet das Fünfergespann um die Geschwister Kate und Rob Flynn – wohl auch ein wenig aus der rationalen „Not“ heraus – bevorzugt in Eigenregie. Sie produzieren ihre Platten nahezu selbst, buchen – so denn Corona und Co. nicht eben alles zum Stillstand zwingen – eigene Shows rund um den Globus, waren in Großbritannien und Europa so bereits als Support von Bands wie Modern Baseball, The Wonder Years, Touché Amoré, The Dirty Nil oder Four Year Strong zu erleben. Und lassen nun endlich mit dem zehn Songs starken „New Ways Of Living“ neue Musik hören.

Mit dem zweiten Langspieler will die Band nicht nur einmal mehr mit ihrem irischen Working Class-Ethos überzeugen, sondern auch ein neues Kapitel aufschlagen. Die neuen Songs sollten noch dynamischer, die Texte von Kate und Rob Flynn noch persönlicher geraten. Ihre verletzliche Seite zu zeigen, gehört für sie selbstverständlich dazu. „Die neuen Songs handeln von Mental Health und Wohlbefinden, der Angst, die durch den ständigen Wechsel von Stabilität und Instabilität im Leben hervorgebracht wird und davon, sich damit abzufinden, auch einfach nur ‚OK‘ zu sein“, erklärt Sänger und Gitarrist Rob Flynn.

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Das eröffnende „Ghost Thing“ verbreitet von der ersten Sekunde an eine Art unruhige Aufbruchsstimmung, wirkt dabei unbequem und doch harmonisch. Der an mancher Stelle an Kapellen wie die kanadischen Indiepopper Stars oder die ebenfalls aus dem Ahorn-Staat stammenden Alternative-Rocker July Talk erinnernde Wechselgesang der Geschwister – er das Raubein, sie charmant und leichtfüßig (und manchmal eventuell etwas zu sehr in Richtung quietschige Kopfstimme unterwegs) – entwickelt schnell eine gewisse Eigendynamik, das zwingend indierockende Arrangement zwischen verbissenen Strophen und weit offenem Chorus erzielt so einige Volltreffer. Davon ist im folgenden „The Street And The Stranger“ erst einmal nicht allzu viel zu hören. Die Band nimmt das Tempo heraus, gibt sich fragiler und emotionaler. Erst über Umwege schleicht sich das Stück an, beißt sich dafür jedoch umso beharrlicher fest.

Eine gewisse Spannung ist in jeder Sekunde zu spüren, wenn beispielsweise die Single „Resist“ aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und einen amtlichen Refrain zwischen Melancholie und Hoffnung lostritt. Das Duett der Flynns tönt gut und funktioniert immer wieder. So auch im recht punkigen „New York“, einem schönen Schrammel-Song mit kleinen Widerhäkchen, der wie im Rausch durch die Szenerie preschend und doch reich an Melodien erscheint. Anderswo, in „Greetings From Tipperary“, wird’s unaufdringlich-jingle-jangle-folkig, „I Want You“ gibt sich gleichsam nachdenklich und sentimental. Den Rausschmeißer gibt’s schließlich im XXL-Format: „Mind Yourself“ nähert sich der Sieben-Minuten-Marke an und entlädt sich in Druckwellen, rund um beklemmende Ruhe und blanke Emotionalität angesiedelt. Das geht gen Ende im besten Sinne an die Substanz.

Eines wird deutlich: Wenn The Winter Passing zulangen, dann so richtig. Ihr zweites Album braucht keinen Vorlauf, keine Aufwärmphase, sondern explodiert mit einem Mix aus gefühlvollen Harmonien, beklemmenden Emo-Teppichen, scharfkantigem Punk Rock, beinahe shoegaziger Atmosphäre und sanfter Hoffnung. „New Ways Of Living“, welches mit „Good Thing“, „Melt“ und „Resist“ gleich drei formidable Kandidaten für die Emo-Playlist des Jahres parat hat, mag dabei – dem vollmundigen Albumtitel zum Trotz – zwar auch keine Allerweltslösungen fürs menschliche Miteinander bieten, bahnt sich jedoch immer wieder den Weg aus der Niedergeschlagenheit und überrascht positiv mit kleinen, feinsten Kniffen. Zehn kleine Indie-Perlen, die nahelegen, dass die Songs von The Winter Passing in Zukunft sogar noch um einiges spannender geraten können…

 

Hier gibt’s das Musikvideo zur Single „Resist“, welches Corona-bedingt in den Wohnungen der Bandmitglieder entstand:

 

Rock and Roll.

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