Song des Tages: Beard Of Harmony – „Right In Two“ (feat. Yann Phayphet)


beard of harmony

„Erzähl‘ mir mir lieber nichts“, meint Sreejith Sreekumar Nair, 31, als er gefragt wird, ob es denn schwer sei, an bekanntermaßen (zu) lauten Orten für Live-Musik, wie etwa Bars, aufzutreten. „Die meiste Zeit sagen sie: ‚Das ist es? Das ist die Band?‘ Sie akzeptieren nicht, dass zwei Personen eine Band sein können. So als wären drei oder vier – oder ein Bass oder eine Schlagzeug – die Mindestvoraussetzung, um sich als Band bezeichnen zu dürfen“, sagt Sreejith. Doch das aus dem indischen Bengaluru stammende Akustikgitarren-Duo Beard Of Harmony, als das Sreejith (alias ‚Sreejith the Beard‘) und Ruben Varkey Simon, 28, auftreten, beeindruckte das Publikum nichtsdestotrotz bislang überall dort, wo sie aufgetreten sind, wie etwa auf dem via Crowdfunding finanzierten Musikfestival „Control Alt Delete“ in Mumbai im März vergangenen Jahres.

a2899828089_16Das Zweigespann fand 2016 in ihrer Heimatstadt Thiruvananthapuram, mit Sreejith am Lead-Gesang und der Rhythmusgitarre und Ruben an der Lead-Gitarre und den Harmonien, zusammen. Im Januar 2019 erregten die beiden recht schnell die Aufmerksamkeit der nationalen Musikpresse mit der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Roots„, die mit vier durchaus temperamentvollen, melodieseligen Songs aufwartete.

Ironischerweise sind Beard Of Harmony jedoch wohl den meisten Surfern im weltweiten Netz durch ihre Coverversion eines Songs einer durchaus nicht unbekannten US-Alternative-Prog-Metal-Band unter den Mauszeiger geraten: „Right In Two“ von Tool (im Original vom 2006er Album „10.000 Days„). Das Live-Session-Video ihrer Interpretation, aufgenommen mit dem Kontrabassisten Yann Phayphet von den französischen Jazzern EYM Trio, wurde bis heute von über einer Million Menschen auf YouTube angeklickt.

„Das hilft uns“, so Sreejith. „Wo immer wir auch hingefahren sind, viele Leute haben uns [bereits] gesehen oder gehört. Als wir bei ‚Control Alt Delete‘ gespielt haben, gingen wir auf den Lead-Sänger von [der Metal-Band] Inner Sanctum zu, um ihm zu gratulieren, und er sagte: ‚Hey Mann, ihr seid doch die Tool-Jungs, oder?'“. Selbst diejenigen, die ihr Cover von Tool bislang nicht gesehen haben, können wohl einen Progressive-Metal-Einfluss in der Struktur ihrer Kompositionen und der lebhaften Bildsprache ihrer Texte erkennen. „Das spielt schon eine gewisse Rolle in unserem Schreibprozess, besonders bei ‚Manasinde Vingal‘, das im Aufbau sehr stark von einem Metal-Song inspiriert ist“, gibt Sreejith zu, der im College, ebenso wie Ruben, ein Metalhead war.

Metal ist jedoch nur eines von vielen Genres, die ihren Sound prägen. Beide geben zu, in ihrer Jugend Fans der Pop-Boyband Backstreet Boys gewesen zu sein: „Ich habe früher auf die Harmonien geachtet“, so Ruben. Zu ihrem vielfältigen Soundbild kommen noch andere Künstler, die sie covern, von der Malayalam-Rockband Avial bis zu den Folk-Rock-Legenden Simon & Garfunkel, die Ruben Sreejith bei ihrem ersten Treffen vorgestellt hat. „Wir legen uns nicht auf ein Genre fest“, sagt Sreejith, der die Texte schreibt. „Es geht nur darum, wie es sich anfühlt. [Wir spielen] wasimmer sich gut anfühlt.“

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Die treibende Kraft hinter ihren Stücken sind „unsere Emotionen und unsere Ideen“, so Sreejith. Der EP-Opener „Beautiful Dream“ sei ein „Post-Break-up-Song“, während es bei „Perception“ darum geht, dass wir „uns nicht von der Meinung der Leute beeinflussen lassen sollten“. Zwei Titel der EP sind Malayalam-Stücke, weil sie die dahinter stehende Stimmung am besten ausdrücken. „Kuliru“, was so viel bedeutet wie „Kühle“, spricht davon, „wie man sich in der Nähe einer geliebten Person fühlen könnte“, und „Manasinde Vingal“, was wiederum so viel bedeutet wie „geistiges Ersticken“, schildert ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Die universellen Themen und ihre durchaus beachtlichen Fähigkeiten im Gitarrenspiel sind nur zwei Indikatoren dafür, dass Beard Of Harmony in Zukunft zu größeren Dingen bestimmt sein könnten. Wohl auch deshalb – und trotz des harten Vorgehens der indischen Behörden gegen Live-Musik-Veranstaltungen – hat es die zwei nach Bengaluru gezogen – auch weil sie dort mehr Auftrittsmöglichkeiten haben. Sreejith meint, dass es nur noch drei wichtige Orte gibt, an denen regelmäßig Shows stattfinden: „B Flat“, „Fandom At Gilly’s Redefined“ und „The Humming Tree“. Ebenjene Knappheit an Auftrittsorten veranlasste sie vor gar nicht allzu langer Zeit sogar dazu, in Nepal und Sri Lanka auf Tournee zu gehen. Außerdem, so sagt er, komme ihre Musik am besten in „intimen Sessions“ zur Geltung, wie zum Beispiel in der Reihe von Auftritten, die sie im August vergangenen Jahres in Bengaluru im Rahmen des „Muse Room Festivals“ der Café-Kette „Eat.Fit“ in der Stadt gespielt haben. „Das sind kleine Shows, bei denen man vor 40 bis 50 Leuten auftritt“, so Sreejith. „Wir funktionieren gut bei dieser Art von Shows. Aber wir hatten schon Auftritte, bei denen viele Leute da waren, und sie waren alle [mit uns] im Einklang. Es ist nur eine Frage der Aufmerksamkeit der Leute. Wenn sie dort sind, um sich mit ihren Freunden zu treffen, kann man nichts dagegen tun. Wenn die Leute zuhören, werden sie von der Musik gefangen genommen.“

 

 

Rock and Roll.

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