Song des Tages: Cross Record – „I Release You“


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“What is your wish? What do you expect?” – Das selbstbetitelte dritte Album von Cross Record beginnt mit Emily Cross‘ fast schon körperloser Stimme, die aus einer Art jenseitigem Vakuum erklingt. In den drei Jahren seit ihrem letzten Langspieler hatte Cross eine Scheidung zu verarbeiten, mit dem Trinken aufgehört, ist – nach weniger erfüllenden Jobs als Nanny oder im Kundendienst verschiedener Unternehmen – eine Todesdoula geworden, hat den Beobachtungen spezialisierten Podcast „What I’m Looking At“ gestartet und ist mit Sub Pops Loma, dem Trio, das sie mit Dan Duszynski am Schlagzeug sowie Jonathan Meiburg (Shearwater) an Gitarre und Gesang gegründet hat, auf Tour gegangen. Bei Cross Record nimmt sie den Hörer wie eine klangvoll-jenseitige Sirene an die Hand und liefert eine sorgsam strukturierte Indie-Klanglandschaft voll meditativer Neugier, ähnlich wie bei Lows „Double Negative“, Broadcasts „The Noise Made By People“ und Radioheads „Kid A“ (während stimmliche Vergleiche zu Chan „Cat Power“ Marshall wohl am offensichtlichsten erscheinen).

BING150.jpgNach den quasi nebenbei entstandenen Aufnahmen des 2016 erschienenen Vorgängers „Wabi Sabi“ zu Hause zwischen Arbeit und Bett hat Emily Cross sich für das neuste Werk für einen etwas anderen Weg entschieden und das Album geschrieben, während sie in einem abgelegenen Teil der mexikanischen Küste lebte. Die kollaborative Atmosphäre des jüngsten Loma-Langspielers, die Cross dazu animierte, mit Klängen zu experimentieren, ihre Stimme zu verfremden und das Klare, Helle in bestimmten Momenten in einen Nebel der Vieldeutigkeiten zu hüllen, findet nun auch seinen Weg in die Stücke von „Cross Record„, welche die US-Musikerin aus Austin, Texas zu großen Teilen im Alleingang erschuf (und sich erst beim finalen Aufnahmeprozess in Los Angeles Hilf in Form von Multiinstrumentalist Andrew Hulett und Produzent Theo Karon mit ins musikalische Boot holte). Hier ist keine Note zuviel, kein Weg zufällig gewählt. Wer’s böse meint, der könnte beinahe behaupten, Emily Cross habe hier den Soundtrack zu ihrem Brot-und-Butter-Job der Todesbegleitung komponiert – Fahrstuhlmusik auf dem Weg zum Bestatter. Doch wer genauer hinhört, findet – offensichtliche Verweise an die menschliche Endlichkeit, an all die Gedanken, welche darum kreisen mögen, sowie Persönliches mal außen vor – in der reduzierten Melancholie von „I Release You“ (das sich mit der Thematik des ständigen Wandels sowie dem Prozesses des Loslassens gefasst) ebenso viel tief schürfende Schönheit wie in den ausladenden elektronischen Experimenten wie „Y/o Dragon„. Dieses Album wird wohl keine (neuen) Antworten auf Existenzielles liefern, dem Hörer mit seinen stillen Kleinoden jedoch Wege aufzeigen, um die richtigen Fragen zu finden…  *hach*

 

 

„I release you into the air
You float on the wind, and then fall
To the ground
That’s where you’ll grow
If water reaches you, and it will

Why can’t I bring the world with me?
Why do I stay in the lines?
Why am I afraid to leave what defines me?

When I face you, you hold a mirror
It falls to the ground, I look down
It’s more ‘me’ now
That’s where I’ll grow
If the past teaches me
And it will…“

 

Rock and Roll.

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