Song des Tages #2: Lucy Dacus – „In The Air Tonight“


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Mit dem Alter kommt die Milde. So in etwa könnte man mein Verhältnis zum musikalischen Schaffen von Phil Collins beschreiben…

Denn obwohl vor allem in meiner Kindheit durchaus Berührungspunkte mit all den Solo-Hits des ehemaligen Genesis-Frontmanns – angefangen mit „Another Day In Paradise“ und über „Sussudio„, „You Can’t Hurry Love“ bis hin zu „Against All Odds“ und freilich „In The Air Tonight“ – bestanden (und mein Vater damals recht oft die MC des Collins’schen Millionenschlagers „…But Seriously“ in das Kassettenfach seines schwarzen Renaults einschmiss), hegte ich – und da war ich wohl kaum allein – vor allem in der Rebellion meiner Teenager-Zeit, in der vornehmlich lautere Geräuschware von Pearl Jam, KoRn bis Metallica in meinem DiscMan rotierte, sowie in der Ziellosigkeit meiner Zwanziger, in denen Exaltierteres wie Sigur Rós oder Radiohead meine Playlisten durchmischte, eine dezente Abneigung gegen Collins‘ so frontal auf Instant-Hit produzierten Output.

Heute – mit Mitte Dreißig – kann ich zugeben: Obwohl auch in meinem 2019er Rückspiegel nicht alles golden aus der Diskografie des mittlerweile 68-jährigen Briten tönt, sind doch Songs wie die oben genannten mal in zeitgeistiger Nostalgie in den Achtzigern und Neunzigern verhaftete, mal für die popkulturelle Ruhmeshalle geschriebene Ohrwürmer. Und wer um die durchaus wechselhafte Biografie von Philip David Charles „Phil“ Collins, seinen entbehrungsreichen Kampf mit dem Teufeln Alkohol und Depressionen weiß, der kann schon ein wenig Mitleid mit dem Engländer bekommen (gerade auch wenn man hört, dass er sich durch gesundheitliche Probleme – als einer der besten Schlagzeuger der Pop-Historie – mittlerweile von seinem 18-jährigen Sohn Nicolas am Schlagwerk vertreten lässt).

91gBka8zjwL._SX355_.jpgUnd eines darf gut und gern als in Stein gemeißelte Gewissheit gelten: „In The Air Tonight„, jene Nummer, die anno 1981 Collins‘ Solo-Debüt „Face Value“ eröffnete, ist ein unkaputtbarer Jahrhundertsong vom Schlage eines „Comfortably Numb“, „Freebird“ oder „November Rain“, dem auch die x-te Umdrehung keinen enervierenden Kratzer zufügen kann. Habe ich heut höchstselbst getestet, und mich dabei auch durch zig Coverversionen gehört (von denen man hier ein paar findet). Der Moment, wenn nach drei Minuten angestauten emotionalen Frusts plötzlich das Schlagzeug einsetzt – mit Gänsehaut garnierter ikonischer Wahnsinn! Unverwechselbar. Unvergleichlich.

Apropos Coverversion von „In The Air Tonight“: In diesen Reigen hat nun auch Lucy Dacus eingestimmt. Die 24-jährige US-Indierock-Singer/Songwriterin, die ja kürzlich mit einer feinen Neuinterpretation des Springsteen’schen Evergreens „Dancing In The Dark“ dem Boss auf ihre Weise ein Geburtstagsständchen brachte, hat sich nun Phil Collins‘ Trademark-Song vorgenommen. Dacus‘ Variante wird Teil der im November erscheinenden „2019 EP“ sein, auf der sie sieben Songs versammelt, welche von ihr während der letzten Monate anlässlich irgendwelcher Feiertage oder speziellen Anlässe veröffentlicht wurden:

„Recorded in here-and-there studio spurts over the last two years, ‚2019‘ is made up of originals and cover songs tied to specific holidays, each of which has dropped/will drop around their respective date: Valentine’s Day, Mother’s Day (and Taurus season!), Independence Day, Springsteen’s Birthday (not an official holiday, though we’re told Chris Christie often took that day off), Halloween, Christmas, and New Year.“

Dass „In The Air Tonight“ dabei ausgerechnet den Halloween-Slot erhält, liegt wohl weniger am Grusel-Faktor der Nummer selbst (noch an dem ihrer Version, auch wenn diese mit einem gewissen Goth-Noir-Dreh, ordentlich Hall und Synthie-Linien durchaus Potential besäße), sondern vielmehr an der Urban Legend, die sich um Collins‘ Hitsong rankt (auch wenn der Musiker selbst vor drei Jahren bei einem Auftritt in Jimmy Fallons „The Tonight Show“ all den Gerüchten eine knappe Abfuhr erteilte) und die besagt, dass Phil Collins die Idee zu „In The Air Tonight“ kam, als er dabei zuschaute, wie ein Mann einem anderen, der gerade dabei war, zu ertrinken, seine Hilfe verweigerte. Lucy Dacus selbst meint:

“The image in the first verse is so unsettling, watching someone watch someone drown without moving to save them. People have wondered if this is something Phil Collins really witnessed, but the song is actually just a manifestation of his anger and frustration about his divorce. It’s tense, dark, and so much fun, as a good Halloween should be.” 

 

 

(Übrigens: Wer’s rockig mag, dem sei speziell diese Live-Coverversion von Daughtry und 3 Doors Down-Stimme Brad Arnold empfohlen. Oder man schaut sich an, wie formidabel Collins den Song anno 1986 im englischen Birmingham gemeinsam mit einem gewissen Eric Clapton zurecht gezimmert hat…)

 

Rock and Roll.

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