Song des Tages: Angie McMahon – „Pasta“


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Mal eben eine kleine Aufzählung: Gang Of Youth, Courtney Barnett, The Jezabels, Nick Murphy (fka. Chet Faker), Middle Kids, King Gizzard & The Lizard Wizard, Moaning Lisa, Tame Impala, Amyl and the Sniffers, Tash Sultana, Polish Club, Ziggy Alberts, West Thebarton… Was haben all diese gemeinsam? Na? Allesamt tolle Bands und/oder KünstlerINNEN aus dem Land, wo die Kängurus springen und Aborigines links und rechts des Uluru (aka. Ayers Rock) ihre Bumerangs werfen. Die hierzulande vereinzelt – bislang noch – einem kleinen Publikum etwas sagen mögen (von manchen war auf ANEWFRIEND sogar bereits zu lesen, von anderen wird wohl noch zu lesen sein), in jedem Fall jedoch den ein oder anderen Hörversuch wert sind. Fakt ist: die australische Musikszene ist seit Crowded House, Natalie Imbruglia, Angus & Julia Stone oder den Go-Betweens keineswegs stehen geblieben, oder mit dem großen Nick Cave ins nasskalte koloniale Mutterland entschwunden…

Der eine bestimmte Musikerin fehlt auf obiger Liste definitiv noch: Angie McMahon. Klingelt’s noch nicht? Macht nix.

In ihrem Heimatland ist die Newcomerin aus Melbourne jedoch schon längst mehr als ein flüsterleiser Geheimtipp. Bereits ihre ersten, 2017 beziehungsweise 2018 veröffentlichten Singles „Slow Mover“ und „Missing Me“ sowie die darauf folgenden Songs „Keeping Time“ und „Pasta“ mauserten sich in der Indie-Szene von „Down Under“ zu kleinen Erfolgen. Egal, ob es in ihrer Heimat um Nominierungen zum „Song des Jahres“ (bei den australischen APRA-Awards) oder als „Breakout Artist of the Year“ (der australischen Vereinigung unabhängiger Plattenfirmen AIR) ging – die Experten hatten die Mittzwanzigerin durchweg auf dem Zettel, das Publikum sang alsbald fleißig mit. Das blieb natürlich auch den Kennern außerhalb des Kontinents nicht verborgen. Bald schon war Angie McMahon als Support von Größen wie Father John Misty, Angus & Julia Stone, den Pixies, Mumford & Sons oder auch The Shins unterwegs, spielte Headliner-Shows auf der ganzen Welt sowie auf mehreren Festivals – wie etwa dem diesjährigen South by Southwest Festival (SXSW) in Austin, Texas, bei dem sie „Mr. Country Pothead“ himself, Willie Nelson, sogar für einen Liveaufrtitt auf seine Ranch einlud (leider ist nicht überliefert, ob good ol‘ Willie dem Ehrengast denn auch einige Blunts reichte). Keine Frage: Mittlerweile zählt Angie McMahon zu den freshsten Indie-Musikexporten Australiens.

5056167115168.jpgUnd so hatte man ihr im Juli erschienenes Debütalbum natürlich mit Spannung erwartet. Mit jeder Menge Demos im Gepäck, die sie im Laufe der letzten Jahre in ihrem Schlafzimmer aufgenommen hatte, zog sich McMahon, die Bruce Springsteen, Adele, Angel Olsen, Nick Cave und Leonard Cohen zu ihren größten Inspiratoren zählt (während früher im Elternhaus auch Bob Dylans oder Johnny Cash liefen), zusammen mit dem Co-Produzenten und Bassisten Alex O’Gorman in ein angemietetes Landanwesen unweit ihrer Heimatstadt zurück. Dort ging dann alles ganz schnell. Gerade mal eine Woche sollen die Aufnahmen zu „Salt“ gedauert haben. Kann man mal so machen.

Herausgekommen sind elf Songs, die eine ziemlich große Bandbreite abdecken – von zarten, geradezu flüsternden Bedroom-Balladen bis hin zu schlagkräftig rumpelndem Indie Rock ist quasi alles dabei. Man sollte die Platte zwar mehrmals hören, damit sie sich in ihrer ganzen Finesse erschliesst. Gibt man „Salt“, diesem Sammelsurium voller wie beiläufig indierockender Intimität, Schmerz und Wut, eine echte Chance, wird man jedoch belohnt. Denn die vielversprechende Musikerin mit der herrlich rauen Stimme zeigt, dass sie – aller Juvenilität zum Trotz – eine gute Storytellerin ist. Eine, die in ihren Texten die mal beiläufigen, mal brutalen Lektionen behandelt, die das Leben ihr bislang erteilt hat. Eine, die mal schnoddrig, mal verletzlich klingt, die sich jedoch stets aus einer melancholischen Introspektion heraus zu speisen scheint. Romanzen und Beziehungen werden genauso verhandelt wie weibliche Selbstermächtigung, Brathähnchen und Pasta, denn, wie sie selbst meint: „Humor ist wichtig beim Schreiben.“ Wer Referenzen braucht: Man denke sich eine Jam-Session mit Lucy Dacus, Julien Baker und Angel Olsen, nachdem das Trio sich kreuz und quer durch das Oeuvre des „Boss“ gehört hat…

Zu den Glanzlichtern gehören hier – neben den bereits bekannten Singles – sicherlich das bluesige „Push“, welches sich mittels einer komplexen Struktur vom zarten musikalischen Streicheln zum fast brutalen Getöse aufbäumt, während zwischen den Extremen alle Nuance leidenschaftlich ausgelebt werden und dann auch noch Zeit bleibt für einen melodischen, mitreißenden Höhepunkt. Oder auch das kraftvolle „And I Am A Woman“, das auch inhaltlich eine große persönliche Bedeutung für die Künstlerin aus Melbourne hat. Sie meint: „Heutzutage gibt es all diese Dinge, die uns unsere Gesellschaft über unsere Körper, Freiräume, Entscheidungen, Gefühle oder Sicherheit erzählen will. Dinge, die wir hinterfragen und vergessen und besser machen sollten. Dieser Song begann als hitzige Konversation. Doch ich musste ihn allein zu Ende bringen und in Musik verwandeln, denn mir war nicht danach, zu reden – mir war nach Schreien zumute. Ich wollte, dass das Verletztsein offensichtlich wird.“

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Pasta“ zu sehen, über welches sie sagt: Sie sei beim Dreh krank gewesen – und habe daher sich nur sich selbst gespielt…

 

„My bedroom is a disaster
My dog has got kidney failure (failure)
I’ve been sitting at the bar too much
Kissing people in my head
And saying rubbish things I should not have said

And they’re building things outside my window
Everywhere I look there’s signposts (signposts)
I just sit in my house making noise for fun
And I’m not moving much or proving much to anyone

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I’m feeling tired

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I spend so much time eating pasta
Although I’m probably allergic and other people seem to move so much faster

I wonder why I’m feeling lonely
When there’s plenty of ways to be alone
I guess I spent all of yesterday on my phone

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I’m feeling tired

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while

Now I am simultaneously on top of someone’s pedestal and also underneath someone else’s shoe
Oh isn’t it a shame about the view
Can anybody climb aboard this structure I have made to wrap myself around the promise that there is room
Oh isn’t it a shame about the view

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And now I’m feeling tired…“

 

Rock and Roll.

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