Sunday Listen: Elliott Smith – live beim Fuji Rock 2000


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Elliott Smith mag ein begnadeter Musiker und Songwriter gewesen sein, Liveauftritte der im Oktober 2003 viel zu früh verstorbenen Musiklegende avancierten gerade zum Ende seiner Karriere oft zur von ihm selbst besungenen „Needle in the Hay“.

In den Anfangstagen, etwa ab 1997, nachdem sich der 1969 in Omaha, Nebraska geborene US-Musiker von seiner damaligen Band Heatmiser lossagte, um fortan im Alleingang Platten zu veröffentlichen, fanden seine Auftritte noch im kleinen, intimen Rahmen von Indie-Clubbühnen statt, auf denen sich Smith – das kann im Rückblick mit Sicherheit sagen – am wohlsten fühlte. Er war gewitzt, interagierte an guten Tagen auch gezielt mit dem Publikum, hatte, bei aller Scheu, die ihn zeitlebens nie so ganz verließ, auch scheinbar selbst eine gute Zeit. Später, nach dem Erfolg durch die Oscar-Nominierung für seinen Song „Miss Misery“ (welchen er 1997 zum Soundtrack des Gus-Van-Sant-Films „Good Will Hunting“ beisteuerte), wurden die Bühnen und Zuschauerzahlen um einiges größer. Und Smiths Auftritte – ob nun allein oder ab und an mit Begleitband – fahriger. Die Witze, die er zwischen seine Songs streute, wurde seltener, er vergaß, was man wohl auch (s)einer immer schlimmer werdenden Drogensucht zuschreiben könnte, Textzeilen, brach immer öfter Songs ab, welcher er ohnehin immer öfter mit besorgniserregend brüchiger Stimme vertrug. Ein trauriger Clown. Eine Ballade vom großen Nichts. Der Rest ist Musikgesichte…

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Von den ohnehin nicht allzu zahlreichen Solo-Auftritten Elliott Smiths zwischen 1994 und 2003 existieren im weltweiten Netz – und da traue ich mir als selbsterklärter „Elliott-Smith-Ultra“ durchaus eine Expertise zu – nur ein, zwei Handvoll in guter Soundboard-Audioqualität (zum 10. Todestag Smiths im Jahr 2003 hatte ich hier auf ANEWFRIEND bereits darüber geschrieben, wer darüber hinaus den ein oder anderen Tipp haben mag, der hinterlasse einfach einen Kommentar oder schreibe ein Mail).

Umso schöner, dass nun ein „neuer“ Konzertmitschnitt – und das auch noch in Ton und Bild – aufgetaucht ist. Gefunden hat ihn Kevin Moyer, welcher 2014 die durchaus empfehlenswerte, in jedem Fall erste offizielle Elliott-Smith-Dokumentation „Heaven Adores You“ schuf und sich dafür auch durch Berge von analogem wie digitalem Archiv-Material wühlte:

„When I was working on the documentary ‚Elliott Smith: Heaven Adores You‘, many friends and fans were gracious enough to share their keepsakes with us – memories, videos, pictures and etc. During the production, one of Elliott’s close friends and collaborators gave us an old VHS tape that had a performance that they had acquired and kept for a keepsake. I had it transferred from VHS tape and digitized for potential inclusion in the Heaven Adores You project, but it never made the final cut. With the blessing of the tape owner I am uploading the full performance here. This seems to be previously unreleased footage. I hope you enjoy it.“

Insofern ist der nun von Moyer via YouTube zur Verfügung gestellte Auftritt von Elliott Smith und seiner Band beim japanischen Fuji Rock im Naeba Ski Resort, Niigata aus dem Jahr 2000 schon ein echtes, rares Schmankerl für Fans wie Smith-Connaisseure gleichermaßen, zeigt es den Sadcore-Musiker, der zu dieser Zeit gerade sein fünftes Solo-Album „Figure 8“ in die Plattenläden gestellt hatte (und somit das erste nach dem großen Oscar-Rummel), doch in vergleichsweise bestechender Form und Songs, welche in dieser (späten) Phase seiner Karriere nicht selten an die Melodieverliebtheit der Beatles denken ließen…

 

 

SETLIST

– Ballad of Big Nothing
– Independence Day
– Junk Bond Trader
– Son of Sam
– Everything Means Nothing to Me
– Amity
– Stupidity Tries
– Mr. Good Morning
– Sweet Adeline
– In the Lost & Found
– LA
– A Question Mark
– Can’t Make a Sound
– Bled White
– Color Bars
– Cupid’s Trick
– 2:45 AM

 

Rock and Roll.

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